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Reisetagebuch Kapitel 36 [April 2019 - März 2020] als PDF
(Einmal mehr – Europa: einfach perfekt um sich mit und ohne Tücher drumrum, rundum wohl zu fühlen)

Kurz_gefasste_Reiseberichte: Kurz und süss: Mitte 2019 sind bereits mehr als 20 Jahre vergangen, seitdem wir im «jugendlichen» Alter von 37, resp. 39 Jahren ausgestiegen sind – Wir haben noch weitere Reisepläne, alles darf sein, nichts muss… Wir hatten bereits das Privileg die Welt zu sehen, nicht die ganze Welt, aber das allermeiste, das uns interessant erscheint. Deshalb möchten wir uns momentan darauf konzentrieren, besonders reizvolle Flecken nochmals zu besuchen, in die wir mit viel Zeit eintauchen können. Da wir nicht alle besuchten Orte wiederkäuen möchten, bis wir unbewusst über jede Kleinigkeit zu nörgeln und jammern beginnen, fügen wir unseren “Da Capo” Reisberichten einige Schwerpunktthemen bei, wollen sie sonst aber bewusst (relativ) kurz und süss halten – genauso wie das Leben sein soll – kurz und süss, nicht lang und langweilig. Wir hoffen natürlich, dass du unsere Reisegeschichten immer noch (oder nun erst recht) schätzt

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Jahres-Reisebericht April 2019 - März 2020: Na-Tourismus & Medizinal-Tourismus

Nochmals – Europa: einfach perfekt
um sich mit und ohne Tücher drumrum, rundum wohl zu fühlen

 

Kurzer Reisebericht: einfach kurz und süss


Mitte 2020 sind bereits mehr als 21 Jahre vergangen, seitdem wir im «jugendlichen» Alter von 37, resp. 39 Jahren ausgestiegen sind – Wir haben noch weitere Reisepläne, alles darf sein, nichts muss… Wir hatten bereits das Privileg die Welt zu sehen, nicht die ganze Welt, aber das allermeiste, das uns jeweils interessierte. Deshalb möchten wir uns momentan darauf konzentrieren, besonders reizvolle Flecken nochmals zu besuchen, wo wir mit viel Zeit eintauchen können.
Da wir nicht alle besuchten Orte in Reiseberichten wiederkäuen möchten, bis wir unbewusst über jede Kleinigkeit zu nörgeln und jammern beginnen, fügen wir unseren «Da Capo» Reiseberichten einige Schwerpunktthemen bei, wollen sie sonst aber bewusst (relativ) kurz und süss halten – genauso wie das Leben sein soll – kurz und süss, nicht lang und langweilig. Wir hoffen natürlich, dass du unsere Reisegeschichten immer noch (oder nun erst recht) schätzt.


Jahresbericht April 2019 – März 2020:
Na-Tourismus & Medizinal-Tourismus

 

Frankreich: FKK wo Nacktheit viel besser akzeptiert ist als Down Under


Am 19. April 2019 endeten unsere 22 Überseemonate mit einem Emirates-Flug von Dubai nach Zürich. Nur drei Tage später holten wir unser neues Auto ab, einen brandneuen Dacia Logan MCV, den wir via E-Mail von Australien aus bestellt hatten. Frei wie Vögel gewöhnten wir uns an dieses Auto, und vor allem daran, wieder auf der rechten, statt auf der falschen Strassenseite zu fahren.

 

Mit unzähligen Erinnerungen an unsere Down Under Reise, fuhren wir einem fünf-monatigen FKK-Urlaub entgegen, von dem die meisten Australier nur träumen können – nicht nur wegen seiner Länge, sondern auch wegen seiner Art und Weise. Da wir unser rotes Prachtmobil aber vom Roten Kontinenten aus bestellt hatten, ist unser Auto mit mehreren Erinnerungen an Down Under verziert. Darunter einem «Wandering Bares» Aufkleber (Erkennungszeichen der FKKler in Australien), sowie denselben Strichmännchen, welche bereits unseren Wagen in Australien zierten. Wir hatten uns bewusst für ein rotes Auto entschieden, so kann es gar nicht erst rot anlaufen, wenn wir auf einem FKK-Platz vorfahren!

 

Nun waren wir startbereit um wiederum die ungezwungene, liberale Einstellung Europas, vor allem gegenüber Nacktheit, zu spüren. Wir freuten uns auf einen kleiderfreien Sommer in Frankreich, einem der Länder, das Naturisten besonders viel zu bieten hat.

 

Wir beginnen mit dem 23. Mai, als wir mit unserem neuen Prachtsmobil via Berner Oberland nach Frankreich losfuhren. Evian, welches lieblich am Ufer des Genfersees liegt, war unser erster Übernachtungsstopp und zugleich unser Wiedereinstieg in die französische Küche. Nachdem wir mehrere atemberaubende Gebirgspässe überquert hatten, übernachteten wir als nächstes in Saint Jean de Maurienne. Nach einer genüsslichen Fahrt über den Pass Col de la Croix de Fer, erreichten wir die Region Provence-Alpes-Côte d’Azur, wo wir im malerischen Städtchen Sisteron übernachteten.
Weiter besuchten wir die attraktiven Orte Castellane und Moustiers-Ste-Marie. Der absolute Höhepunkt waren aber die Gorges du Verdon. Dankdem wir in La Palud-sur-Verdon übernachteten, hatten wir schön Zeit, uns in der beeindruckend grossen Verdon-Schlucht, mit ihren imposanten Felswänden, umzusehen. Von dort war es nur noch ein Katzensprung zur ersten Europäischen FKK-Destination dieses Jahres.

 

Le Petit Arlane: eine Neuentdeckung in der Provence


Am 27. Mai erreichten wir die Domaine naturiste du Petit Arlane, ein nettes kleines FKK-Zentrum bei Valensole in der Provence. Dies war für uns die einzige Neuentdeckung, da unsere FKK-Tour 2019 vor allem darauf ausgelegt war, an gutbekannten Plätzen die Seele baumeln zu lassen.


Wir hatten uns kurzfristig für Le Petit Arlane entschieden, da all unsere Favoriten über Auffahrt ziemlich ausgebucht waren. Bei unserer Ankunft war der Platz noch fast leer, wohl weil der diesjährige, ungewöhnlich kalte Frühling, in der Haute Provence noch deutlich stärker spürbar war. Genauso schnell wie sich aber die Wolken auflösten und die Temperaturen stiegen, genauso schnell füllte sich Le Petit Arlane mit begeisterten Naturisten, welche es kaum erwarten konnten, die Sonne auf ihrer nackten Haut zu spüren. Überraschenderweise schien das Management mit dem plötzlichen Ansturm etwas überfordert. Am Auffahrtstag selbst war dann aber alles in Betrieb. Das Restaurant öffnete pünktlich um 19h seine Tore, obwohl es zwei Stunden früher überhaupt noch nicht danach ausgesehen hatte. Obwohl Le Petit Arlane der kleinste FKK Platz war, den wir diesen Sommer besuchten, waren nur 5 Tage nach unserer Ankunft bereits mehr Naturisten auf dem Gelände, als wir während unseres Jahres Down Under auf allen 13 besuchten australischen FKK Plätzen zusammen gesehen hatten!
Bei Le Petit Arlane hatte es zwar keine Kängurus, dafür schmucke Mobilheime, tägliche Brotlieferungen, einen kleinen Laden, ein Restaurant, sowie zuverlässigen WLAN-Zugang im Gemeinschaftsraum.


Täglich spazierten wir um die zwei malerischen Teiche und durch das angrenzende Waldgebiet, wo der Ginster gerade voll in Blüte stand. Wir verbrachten eine sehr schöne Woche bei Le Petit Arlane, wo wir wieder FKK auf Europäische Art geniessen durften. Hier hatten wir auch die erste von mehreren Begegnungen, welche gute Erinnerungen an unsere Australienreisen zurückbrachten. Anita, eine deutsche Freundin, welche wir vor 27 Jahren mit ihrem damaligen Partner im australischen Queensland kennengelernt hatten, antwortete auf eine E-Mail, dass sie gerade in einem Nachbardorf Urlaub mache. Welch ein Zufall! Bereits am nächsten Tag besuchte sie uns mit ihrem jetzigen Freund im Petit Arlane. Was für ein Timing, schon für den nächsten Tag hatten die beiden eine Fährüberquerung nach Korsika gebucht. So blieb nur wenig Zeit um in Erinnerungen über Australien, sowie unser letztes Treffen, vor 17 Jahren im Costa Natura in Südspanien, zu schwelgen.

 

Quer durch Südfrankreich: über viele Brücken in die Dordogne


Am 3. Juni startete unsere viertägige Reise, um auf keinen Nebenstrassen quer durch Südfrankreich, von der Provence in die Dordogne-Region zu gelangen. Dabei kamen wir durch die Städtchen Saint Rémy, Tarascon und Millau mit seinem Wahrzeichen, dem 2’460 Meter langen und 270 Meter hohen Viaduc de Millau. Ein weiterer erwähnenswerter Stopp war das mittelalterliche, befestigte Städtchen (Bastide) Villefranche-de-Rouergue. In Cahors investierten wir nun noch in einen kleinen Backofen und ein paar weitere Dinge – einfach nur, um dem Kofferraum unseres neuen Autos einen Sinn zu geben!

 

Domaine Laborde: dank neuen Eigentümern noch anziehender zum ausziehen


Am 6. Juni erreichten wir die Domaine Laborde, ein malerisch am Grenzbach zwischen den Départements Dordogne und Lot-et-Garonne gelegenes FKK-Feriengelände. Wir mögen diesen schönen Platz in der Nähe von Monflanquin auch, weil wir von dort die Hauptattraktionen beider Regionen gut mit dem Auto erreichen können. Aber eigentlich ist es im Laborde so erholsam, oft ist die Verlockung zu gross, einfach nur die Hüllen fallen zu lassen und abzuschalten.

Ruhe und Frieden ist genau das, was wir auch bei grösseren und belebteren FKK-Plätzen finden. Laborde’s

freundlicher Rezeptionist erzählte uns eine Anekdote über eine interimistische Managerin, welche vor ein paar Jahren einmal ausgeholfen hatte. Als ehemalige Leiterin eines Textil-Campingplatzes, dachte sie, sie könne Laborde genauso führen. Die nackte Kundschaft wollte aber gar nicht so viel Jubel & Trubel, weshalb einige Naturisten sogar die Flucht ergriffen! Zum Glück realisierte der Eigentümer aber rechtzeitig, dass sein Lebenswerk, das er in 30 Jahren aufgebaut hatte, im Null-Komma-Nichts in den Ruin getrieben werden kann, wenn es von Nicht-FKKlern geführt wird. Deshalb verkaufte er Laborde an ein echtes FKK-Paar; Jack & François. Da Jack früher als Finanzdirektor bei Socnat (heute Tohapi Naturiste) arbeitete, weiss er sicher, wie eine FKK-Ferienanlage geführt werden muss.

 

CHM-Monta: wo über 15’000 echte Naturisten gleichzeitig im Urlaub sind 


Am 30. Juni 2019 gings weiter an die französische Atlantikküste, wo wir im CHM-Monta, etwas ausserhalb des (Ferien)Ortes Montalivet, einen fünf-wöchigen Aufenthalt gebucht hatten. Was als Wiege der Internationalen Naturistenbewegung gilt und als Geburtsstätte des Naturismus in Frankreich begann, ist inzwischen zu einem zeitgemässen FKK-Ferienzentrum mit erstklassigen Einrichtungen geworden.

 

Mit über 15’000 begeisterten Nackedeis, welche das CHM-Monta während der Hochsommermonate gleichzeitig bevölkern, ist dieses Feriendorf eines der beliebtesten FKK-Ferienzentren der Welt. Flächenmässig gibt es in Australien sicherlich mehrere noch grössere FKK-Plätze, dort trifft man aber sogar während der Hauptsaison, wie zu Neujahr oder «Xmas in July», kaum mehr als ein paar dutzend Naturisten. Dies ist überhaupt kein Vergleich zur Atmosphäre im CHM-Monta, wo während der Sommer-Schulferien nicht nur unzählige Erwachsene, sondern auch mehrere tausend Kinder und Jugendliche im Naturkleid am Strand herumtollen. Im starken Gegensatz zu vielen anderen Naturisten-Zentren, werden die FKK-Ideale bei CHM-Monta vorbildlicher beachtet und hochgehalten. Der Platz zieht echte Naturisten an, die nackt leben, nicht nur nackt (sonnen-)baden wollen! CHM-Monta gehört zu denjenigen Plätzen, wo Nacktheit auch für Jugendliche die Norm ist, sei es auf dem Camping Platz, oder am Strand. Die am Ufer ausgesteckten Badezonen werden, genauso wie die auf 28°C aufgeheizten Schwimmbäder, von nackten Rettungs-schwimmern überwacht.

Die Strandwächter wurden in Australien für die Rettung mit Surfboards ausgebildet – Australier können aber nur davon träumen, auf dem Roten Kontinenten ein ähnlich attraktives FKK-Ferienzentrum zu finden – dort sind Naturisten rar gesät. Nichtsdestotrotz kriegten wir an unserem letzten Tag im CHM-Monta, Besuch von Gudrun und Uli aus Deutschland. Die beiden lernten uns während ihrer Australienreise kennen. Wir sahen sie aber erst ein paar Jahre später in Frankreich zum ersten Mal! Tönt irgendwie verrückt? Nun gut, die beiden stiessen auf unsere Webseite als sie sich in Australien nach FKK-Möglichkeiten erkundeten.

 

CHM-Monta zieht nicht nur mit seinem weiten FKK-Strand und seinen gelebten FKK-Idealen zum Ausziehen an, sondern auch mit seinen vielfältigen Ladengeschäften und Lokalen. Fast alles was man in einem Dorf mit 15'000 Einwohnern erwarten kann, findet man im CHM-Monta. Etwa 25 Geschäfte und Restaurants bieten gute Produkte an (hier schafft man es, auch dem nackten Mann Geld aus der Tasche zu ziehen!). Kleine Supermärkte, eine sehr gute Metzgerei, ein Fischhändler, Bäckereien, Friseur, Eisenwarenhändler, Blumengeschäft und viele mehr warten auf kauffreudige Kundschaft.

La Jenny: ein einzigartiges FKK-Dorf im Kiefernwald


Am 3. August setzten wir unsere Reise in südlicher Richtung fort. Nach nur 60 km wartet La Jenny, das nächste grosse FKK-Zentrum am Französischen Atlantik. Dort hatten wir einen zweiwöchigen Aufenthalt gebucht. Dies ist nicht einfach ein weiterer FKK-Platz. La Jenny hebt sich durch sein unverwechselbares Konzept ab, indem es überhaupt keine Campingmöglichkeiten anbietet. Hier findet man nur Ferienwohnungen und Häuser, die in Massivbauweise erstellt, auf über ~750 Chalets verteilt sind. Die in einem grossen Stück Nadelwald am Atlantik verstreuten bunten Holzhäuser, sind eine wahre Augenweide. Keines davon ist wirklich preiswert, weder zu kaufen noch zu mieten. Leider hat Exklusivität ihren Preis. Da wir das Konzept mit viel Platz zwischen den gepflegten Häuschen mögen, fanden wir aber, dass der Platz die extra Euros wert ist! Einige der Häuser sind recht luxuriös und viele haben riesige Terrassen. Jetzt in der Hauptsaison, gaben wir uns wegen der Finanzen mit einer kleinen Einliegerwohnung mit Klappbett zufrieden. Wir Glückspilze erhielten aber einen Balkon, welcher 50% grösser war als unser Appartement.

 

Nachdem die Unterkunft einmal bezahlt war, erschien uns aber alles innerhalb von La Jenny erstaunlich preiswert. Im Supermarkt fanden wir dieselben Angebote, wie in jedem Dorfladen. Der mobile Fleischer und der Pop-up Fischhändler bieten sehr gute, nicht überteuerte Fleischwaren und exquisiten Fisch an. Auch frische Austern werden mehrmals pro Woche angeboten. Im Restaurant bekommt man preiswerte Snacks und Pizzen, bis hin zu echter «Haute Cuisine».

 

Die grosszügigen, schön gestalteten Schwimmbecken gehören sicher zu den Hauptattraktionen, genauso wie der FKK-Golfplatz mit 6 Löchern, sowie der ausgedehnte weite Sandstrand.

 

Unser Naturisten-Sommer 2019 war ein Feuerwerk erwarteter und unerwarteter Begegnungen. Nachdem wir unsere Dubai- und Südostasien-Reiseberichte an Jérôme, einen Franzosen, den wir vor 16 Jahren in der Dordogne kennengelernt hatten, mailten, kam prompt die Antwort, dass er momentan ebenfalls im La Jenny Urlaub macht. So trafen wir ihn am nächsten Tag zusammen mit seinen inzwischen 15-jährigen Zwillingsmädchen und seiner neuen Freundin. Auch Gudrun & Uli besuchten uns hier nochmals, und so vergingen unsere 2 Wochen wie im Flug.

 

Wenn es um die FKK-Ethik geht, ist La Jenny nicht unbedingt ein Charmeur. Nur bei den Schwimmbädern werden die FKK-Ideale konsequent eingehalten. Während der täglichen Morgengymnastik trägt sogar die Vorturnerin ein scheussliches Bikinioberteil. So verwundert es kaum, dass die meisten TeilnehmerInnen Trainings- und Badeanzüge tragen. Die wenigen, die alle Hüllen fallen lassen, wähnen sich wohl im falschen Film! Dies ist ein augenfälliger Kontrast zu den FKK-Zentren, welche wir in Australien und Neuseeland besuchten – dort gab es zwar nur wenige Besucher, die FKK-Ideale wurden aber von allen immer konsequent gelebt.

 

Mont-de-Marsan: der Marsberg


Als nächstes entschieden wir uns für eine Übernachtung in Mont-de-Marsan, im Landesinnern der Provinz Aquitaine. Zur Abwechslung ist es immer wieder schön, in einer Stadt umherzuschweifen. Auf dem Marsberg, wie wir diese Stadt titulieren, gibt es all die angenehmen Touristendinge die wir mögen. Wir fanden schöne alte Stadthäuser, ein Schloss, zwei Flüsse, ein paar moderne Gebäude und zu guter Letzt: eine riesige Auswahl an vielversprechenden Lokalen, hatten aber nur einen Tag, um diese auszukosten!

 

ARNA: ein gut etabliertes und gut akzeptiertes FKK-Ferienzentrum


Am 18. August fuhren wir zurück an den Atlantik, diesmal zu ARNA, einem weiteren grossen FKK-Ferienzentrum. Auch hier holte uns der «spirit of Australia» wieder ein. Unsere Schweizer Freunde Monika & Bruno, welche in Sydney geheiratet haben, gesellten sich in diesem sehr attraktiven Feriendorf zu uns. Zudem trafen wir auch Elke und Rainer wieder, welche wir vor ein paar Jahren hier im ARNA kennengelernt hatten. Die beiden haben wohl im Internet unsere Australien- und Südseereise intensiver, und interessierter verfolgt, als so manche unserer Verwandten!
Am Anfang unseres vierwöchigen Aufenthalts herrschte im ARNA immer noch Hochsaisonstimmung. Etwa 3’000 – 4'000 begeisterte Naturisten genossen den weitläufigen Strand vor dem gut ausgestatteten FKK-Gelände, wo das Leben so richtig pulsierte. Mit so vielen Urlaubern auf dem Platz, ist es einfach normal, dass sich auch die Einheimischen ein Stück vom Kuchen abschneiden wollen. In den Dörfern am französischen Atlantik ist die Touristen-Saison auch Markt-Saison. Für fast drei Monate, gibt es auch mitten im ARNA einen Wochenmarkt. Dort hat es sogar noch mehr Stände als bei einigen Märkten in den umliegenden Dörfern. Einige Marktfahrer lassen sich sogar vom FKK-Geist anstecken und bekleiden sich nur mit einer Schürze!

 

ARNA-Show ist eine weitere Besonderheit, welche diesem beliebten FKK-Resort Einzigartigkeit verleiht. Berufskünstler sind dafür zuständig, den unzähligen Kindern und Jugendlichen unter ARNA’s Gästeschar die notwendigen Fähigkeiten beizubringen, um bei der wöchentlichen, professionell choreographierten Show auf der voll ausgestatteten Bühne der Ferienanlage aufzutreten. Es ist schon beeindruckend zu sehen, was (junge) Menschen unter professioneller Anleitung in wenigen Tagen lernen können. Diese Aufführungen heben bestimmt das Selbstvertrauen der jungen Leute. Am Strand ist FKK für die allermeisten selbstverständlich und natürlich erweckt das positive Gruppenerlebnis bei der Jungmannschaft den Wunsch, so schnell wie möglich wieder zu ARNA zurückzukehren…

 

Le Couderc: Fünf-Sterne Service bis Ende Oktober


Am 15. September wechselten wir von der Atlantikküste ins Landesinnere zu Le Couderc, einem schönen, familienorientierten FKK-Feriengelände in der Dordogne Region. Natürlich erzählten wir so enthusiastisch von diesem attraktiven Platz, dass sich unsere Freunde Moni & Bruno hier gleich wieder anschlossen. Genauso wie Heinz’ Schwester und Schwager Edith & Kari, welche wie schon vor 4 Jahren, nochmals für zwei Oktoberwochen hierherkamen. Zusammen genossen wir diesen gut ausgestatteten Platz mit seinen zwei Teichen und Nacktwandermöglichkeiten durch den Wald. Natürlich genossen auch alle die unzähligen Sehenswürdigkeiten und die exquisiten Schlemmerrestaurants der Dordogne Region.

 

Als wir Mitte September bei Le Couderc eintrafen, war der Platz immer noch sehr gut belegt. Alle Mietunterkünfte waren besetzt, genauso wie 80% der Stellplätze. Dies ist kaum verwunderlich, denn dieser familiengeführte Platz bietet sogar während der absoluten Nebensaison mehr als so manches renommierte FKK-Gelände während der Hauptsaison. Im Oktober, wenn sich die meisten anderen Gelände schon im Winterschlaf befinden, werden die Gäste auch hier weniger. Le Couderc bot aber trotzdem immer noch fast so viele Dienstleistungen an, wie während der Hauptsaison. Das beliebte, sehr gute Restaurant blieb bis zum letzten Tag geöffnet, genauso wie die Bar mit dem Holzfeuer und der kleine Lebensmittelladen. Selbstverständlich wurden auch das Schwimmbecken, die Sauna, das Dampfbad und auch das Sprudelbad bis Ende Oktober täglich bis 21h geheizt.

 

Auch das beliebte, wöchentliche Open-Podium stand immer noch auf dem Programm. Am zweiten Oktoberwochenende gab es sogar noch ein Live Konzert einer bekannten Band. Bandleader Leif de Leeuw gilt bei vielen als der beste Gitarrist der Benelux-Staaten. Bereits als Jugendlicher war er, damals mit seinen Eltern, regelmässig hier im Urlaub und natürlich auf der Bühne des Open Podiums. Obwohl er inzwischen recht bekannt geworden ist, und mit seiner Band regelmässig in ganz Europe, und ab und zu auch in den Vereinigten Staaten und China auf Tournee geht, besucht er Le Couderc immer noch regelmässig, inzwischen sogar mit den Mitgliedern seiner Band. Für leidenschaftliche Musiker ist es selbstverständlich, dass man die Naturisten-Kumpel bei jedem Aufenthalt in Le Couderc mit einem kostenlosen Konzert verwöhnt. Die Band konnte sich nicht über einen Mangel an Publikum beschweren. Die Eigentümerfamilie von Le Couderc hat sogar die Leute aus der Nachbarschaft zum Konzert eingeladen.

 

FKK-Sommer 2019: ein paar Gedanken


Das Jahr verging wie im Flug. Anfangs Jahr waren wir noch in Australien, Asien und Dubai gewesen. Mittlerweile gehören auch unsere 5 Monate, die wir bei einigen der besten FKK-Plätze Frankreichs verbracht hatten, bereits zur Vergangenheit. Es war eine entspannende und sehr natürliche Zeit, genauso wie wir es mögen. Während der Hauptsaison, unter tausenden von gleichgesinnten Nackedeis, war es zwar ausnahmsweise ein bisschen hektisch, aber trotzdem immer angenehm. 

 

Nach einem längeren Überseetrip sind wir mehr denn je davon überzeigt, dass Europa am besten auf begeisterte Naturisten eingestellt ist: gut ausgestattete Unterkünfte und überzeugende Ferienanlagen, die kaum Wünsche offenlassen. Dazu kommen konkurrenzfähige Nebensaisonpreise, die ab und zu fast geschenkt sind. Nur für einen perfekten FKK-Urlaub muss kein Europäer weit gehen – das allerbeste wartet direkt vor der Haustür…

PS:  Falls dieser kurze Bericht deinen Appetit angeregt hat, Europa als Na-Touristen zu bereisen, darfst du gerne die ausführlicheren Reiseberichte über unsere FKK-Ziele lesen. Obwohl diese Berichte ein paar Jahre alt sind, sind sie grösstenteils noch recht aktuell, ausser dass «La Grande Cosse» inzwischen KEIN FKK-Gelände mehr ist. Die Länder mit den grün geschriebenen Kennzeichen beinhalten FKK-Ziele:

 

·         Kap 28: (D, CH, F):                                                 PDF-Dokument mit Bildern    nur Text

·         Kap 27: (A, BIH, CZ, D, H, HR, SLO, PL, SK):   PDF-Dokument mit Bildern    nur Text

·         Kap 26: (Korsika, I):                                                PDF-Dokument mit Bildern    nur Text

·         Kap 25: (D, CH, E, F):                                             PDF-Dokument mit Bildern    nur Text

·         Kap 24: (B, F, GB, L, NL):                                     PDF-Dokument mit Bildern    nur Text

·         Kap 23: (B, CH, E, F, NL):                                     PDF-Dokument mit Bildern    nur Text

·         Kap 22: (D, F, E):                                                    PDF-Dokument mit Bildern    nur Text

·         Kap 19: (B, D, DK, CH, E, F, NL):                        PDF-Dokument mit Bildern    nur Text

 

Quer durch Europa: ein interessanter, vielfältiger Kontinent


Obwohl uns das Globetrotter-Leben gesund hält, brauchen auch wir Roving Spirits ausnahmsweise ärztliche Hilfe. Bei Heinz’ rechtem Auge wurde vor zwei Jahren in Neuseeland Katarakt diagnostiziert, eine zwanzigjährige Zahnbrücke musste ersetzt werden und wir brauchten zudem beide neue Brillen. So erkoren wir Ungarn als das geeignete Land, für preiswerte und zuverlässige Reparaturen. Inklusive ein paar obligatorischer Umwege hatten wir somit eine spannende, 2'000 Kilometer lange Reise quer durch Europa vor uns.

 

Frankreich: von der Dordogne in die Schweiz


Am 23. Oktober verabschiedeten wir uns von der Dordogne und auch von einem langen FKK-Sommer in Frankreich. Nach weniger als 100 Kilometern Fahrt, erreichten wir bereits unseren ersten Übernachtstopp: Rocamadour. Wir wählten diesen Pilgerort wegen seiner einzigartigen Lage an einer Felsklippe aus. Andere lohnende Ausflugs- und teilweise auch Übernachts-Ziele waren das mittelalterliche Städtchen Loubressac, die romantisch in einem Waldstück gelegenen Ruinen Les Tours de Merle und das Bergdorf Riom-es-Montagnes. Danach gings zwischen Hügeln weiter nach Condat. Als wir im Massif Central angelangt waren, stoppten wir im Winterkurort Super Besse. Vom nahegelegenen Besse en Chandesse, querten wir den faszinierenden vulkanischen Naturpark “Volcans d’Auvergne“. Diese Region ist aber auch für ihren Käse bekannt, wie z.B.: Cantal, St. Nectair, Bleu d’Auvergne oder Morbier.

 

Als nächstes erkundeten wir das Städtchen Thiers, das malerisch an einer Hügelflanke liegt. Danach ging unsere Reise weiter zum stilvollen Villefranche-sur-Saône. Die Landschaft und imponierende Bauwerke standen in Dombes des étangs im Fokus, namentlich der aussergewöhnliche CizeBolozon Viadukt und die beeindruckende Staumauer Barrage de Vouglans. Nun kamen wir ins Jura Gebirge, wo wir an noch mehr Tälern, Schluchten und Hügeln vorbeikamen, bevor wir in Champagnole, nur 50 Kilometer vor der Schweizer Grenze, übernachteten.

 

Schweiz: Kurzbesuch bei der Familie


Unser Schweiz-Aufenthalt war diesmal kurz und bündig, je drei Tage bei Heinz’ Schwester und Schwager Edith & Kari, und bei Brigittes Mutter.

 

D-Füssen: Neuschwanstein & Hohenschwangau


Unsere Entdeckungstour quer durch Europa ging am 3. November 2019 schon wieder weiter, und zwar im pittoresken deutschen Städtchen Füssen. Natürlich besuchten wir dort die historische Altstadt, Füssen diente uns aber vor allem als Basis, um das weitherum sichtbare Schloss Neuschwanstein, sowie das nahegelegene Schwesterschloss Hohenschwangau zu besuchen, und zwar zu Fuss.

 

Quer durch Österreich: von Innsbruck bis Graz


Zwei Tage später ging die Reise weiter nach Österreich, wo wir unsere Herbstfahrt mit einem weiteren Aufenthalt in der schönen Stadt Innsbruck begannen. Der Touristenort Zell am See war unser nächster Übernachtstopp auf dem Weg ostwärts. Da entlang der Felbertauernstrasse starke Schneefälle erwartet wurden, liessen wir unseren Plan, für einen Abstecher südwärts nach Kärnten zu fahren, fallen. Wir konnten aber der weissen Pracht trotzdem nicht entfliehen. Da im Dorf Eisenerz alle Unterkünfte besetzt waren, buchte uns die freundliche Dame der Touristeninformation ein Zimmer in einer neuen Frühstückspension auf dem Präbichl Pass. Am nächsten Morgen fanden wir unser rotes Auto unter einer weissen Schneedecke verborgen! Nach dem Frühstück war die Strasse aber wieder schwarzgeräumt. Die hübschen Städte Leoben, Bruck an der Mur und Graz waren unsere weiteren Übernachtungs- und Sightseeing-Stopps, bevor wir nach Ungarn weiterfuhren, wo wir Mitte November eintrafen.

 

Zahn- & Augenärzte in Ungarn: je mehr man repariert, desto mehr man spart!


Viele Europäer fahren nach Ungarn, um ihre Zähne zu reparieren, um ihre Augen zu lasern, neue Brillen machen zu lassen oder einfach um sich von einem selbsteingeredeten hässlichen Entlein zu einer (Silikon-) Schönheit umzubauen zu lassen – alle erwarten in Ungarn ein grosses Schnäppchen. In Tat und Wahrheit zahlen aber schlussendlich viele mehr, als sie in ihrer Heimat ausgeben würden. Je mehr man seine Zähne oder Augen vergolden lässt, desto mehr spart man und desto grösser wird am Plattensee die Villa des Arztes. Dies hilft den Patienten genauso wie den Medizinern!

 

Wenn man aber weiss was man NICHT will und der Versuchung wiedersteht, sich unnötig aufwendige Lösungen aufschwatzen zu lassen (welche vor allem dazu dienen, das Geld in die Taschen des Arztes umzulagern), kann man in Ungarn ein paar echte Schnäppchen finden. So wird beispielsweise Ungarn sogar auf einer Liste des indischen Gesundheitsministeriums als das preiswerteste Land für Qualitäts-Katarakt- Operationen aufgeführt.

 

Zahnbehandlungen


Als erstes gehen wir auf die Zahnbehandlungen ein. Sopron (wo es auch eine Augenlaserklinik gibt) und Mosonmagyaróvár sind wohl die beliebtesten ungarischen Reiseziele für Zahnarzttouristen. In beiden wimmelt es nur so von Zahnarztpraxen. Da Sopron als teuerste Stadt Ungarns gilt, arbeiten auch Sopron’s Zahnärzte um einiges teurer als ihre Kollegen in Mosonmagyaróvár. Trotzdem können Zahnbehandlungen an beiden Orten erstaunlich preiswert sein, zumindest wenn man sicherstellt, dass die Zähne geflickt, aber NICHT VERGOLDET werden! Ein Deutsches Gutachten kommt zum Schluss, dass ⅔ aller, in den Osteuropäischen Zahnärztetourismus-Mekkas eingesetzten Kronen unnötig wären, da eine einfachere Lösung auch genügt hätte. Die Konkurrenz ist gross und die Zahnärzte sind ganz versessen darauf, gute Geschäfte zu machen. So gibt es beispielsweise bereits in Mosonmagyaróvár zwischen 200 und 300 Zahnärzte, je nachdem wen man fragt. Dass (fast) alle Deutsch sprechen und einige zusätzlich auch noch Englisch oder Französisch, versteht sich von selbst.
Genauso wie in grossen Teilen der Welt, tendieren auch Ungarische Zahnärzte dazu, für Zähne, welche mit einer Füllung repariert werden könnten, Kronen vorzuschlagen und für diejenigen Zähne, welche mit Kronen oder einer Brücke geflickt werden könnten, Implantate zu suggerieren!

 

Nachdem wir von einem Zahnarzt in Französisch-Polynesien erzählten, der mir eine gebrochene Brücke für € 80.- mit einem Goldstift wieder zusammensetzte, antwortete der Eigentümer einer Ungarischen Zahnklinik spontan: «Ich kann gar nicht glauben, dass es so ehrliche Zahnärzte gibt!» Natürlich nützen es die Dentisten aus, dass viele Patienten denken, wenn sie schon einmal in einem Billiglohnland sind, möchten sie nun auch die beste, nicht die vernünftigste Behandlung. Das Beste kommt aber oft mit ein paar Nachteilen – doch Schönheit kennt ja keinen Schmerz. Jedenfalls reisen viele Dentaltouristen in erster Linie nach Ungarn, um ihre Zähne zu verschönern, nicht um sie reparieren zu lassen, damit sie wieder kraftvoll zubeissen können.

 

Für meine Zahnbrücke fragte die erste Dentalklinik nach einem Röntgenbild, um eine Offerte zu erstellen. Darauf erhielt ich ein verbindliches Angebot über € 6'180 (bzw. € 4'830 mit preiswerteren Materialien), inklusive Implantaten, Knochenaufbau und dem Ziehen von Zähnen, mit denen ich NIE ein Problem hatte! Schlussendlich fand ich, Heinz, eine andere Ungarische Zahnklinik, welche auf Nachfrage dieselbe Lösung offerierte, wie sie mir von mehreren Zahnärzten, welche ich in Singapur, Malaysia und Frankreich konsultiert hatte, vorgeschlagen wurde. Für diese lösungsorientierte Brücke verrechnete der Deutsch-Ungarische Dentist € 1'150.-, also fünf Mal weniger!
Der ausgewählte Zahnarzt war einer der wenigen, ohne offensichtlich gekaufte / gefälschte online-Bewertungen. Irgendwie stinkt es doch zum Himmel, wenn dutzende «zufriedener Kunden» (die meisten davon mit nur einer Bewertung) eine fünf Sterne Bewertung abgeben und sich riesig auf die nächste Behandlung bei diesem hervorragenden Zahnarzt freuen!

 

Augen-Laserklinik


Nun steigen wir vom Mund ein Stockwerk höher zu den Augen. In Budapest, Győr, Sopron und wohl auch noch in ein paar anderen ungarischen Städten, warten Augenlaser-Kliniken auf Kundschaft. Die beste Möglichkeit für Medizinal-Touristen ist wohl die neue Augenklinik in Sopron, welche einer Zahnklinik angeschlossen ist (Stand Ende 2019). Das Team ist qualifiziert, spricht fliessend Deutsch und teilweise auch Englisch. Da man neu ins Geschäft gekommen ist, sind die Preise zudem noch recht moderat.

 

Die Rezeptionistin dieser Augenklinik war allerdings eher eine Verkäuferin, als eine Arzthelferin. Sie bestand darauf, dass NUR der Arzt entscheiden kann, ob es möglich sei, nur ein Auge zu operieren. Sogar wenn man an beiden Augen erblindet wäre, hat man doch das Recht zu entscheiden, dass es genügt nur ein Auge zu operieren!
Die meisten Kunden kommen allerdings nicht wegen Katarakt (Grauem Star) in diese Klinik, eher wegen krankhafter Eitelkeit – sie möchten einfach ihre Brille loswerden. Die am häufigsten empfohlene Lösung für Katarakt, beinhaltet den laserunterstützten Linsentausch mit Korrektur der Hornhautverkrümmung und Multifokallinsen. Dies kostet für beide Augen um die € 4'600.
Natürlich wird erwähnt, dass dieses Paket auch ein paar Nachteile hat. Es wird aber vor allem betont, dass die allermeisten gut mit den paar Makel leben können, wenn sie dafür keine Brille mehr tragen müssen. Die Nachteile betreffen tatsächlich nur aussergewöhnliche Zeitgenossen, die so verrückte Dinge machen wie einen Computer zu gebrauchen, oder nach Einbruch der Dämmerung noch autozufahren! Alle andern sind überhaupt nicht betroffen, zumindest nicht während der ersten Jahre. Bis dann brauchen die meisten eh wieder eine Brille, wie uns von Mitmenschen erzählt wurde, welche die Behandlung vor ein paar Jahren machen liessen.
Ich entschied, nur beim wirklich schlechten Auge eine Katarakt Operation durchführen zu lassen (das andere lässt sich mit einer Brille korrigieren). Für den zehnminütigen Eingriff (plus ein paar Stunden Vorbereitung), inklusive aller notwendigen Voruntersuchungen und Nachbehandlungen, zahlte ich für eine Monofokallinse mit Hornhautverkrümmungs-Korrektur, etwas weniger als € 1'200.

 

Das Resultat ist absolut überzeugend. Mein operiertes Auge sieht nun recht gut in die Weite, mein anderes Auge ist dagegen zum Lesen noch recht gut zu gebrauchen. Wie ein Wunder setzt das Gehirn alles richtig zusammen – ich hab halt schon ein schlaues drin. Ich bin mit dem Ergebnis des Eingriffs mehr als zufrieden.
Während das operierte Auge vorher fast blind war (<20%) und ich mit dem anderen zusammen mit einer starken Brille akzeptabel sehen konnte, sehe ich nun sowohl in die Weite als auch beim Lesen, recht gut. Nur am Computer und beim Autofahren (zum Ablesen der Instrumente), brauche ich noch eine Brille.

 

Schönheitsoperationen und Brillen


Es trifft sich gut, dass viele ungarische Zahnarztkliniken auch Schönheitsoperationen anbieten. Immerhin erhalten Kunden, welche ihre Zähne machen lassen (oft aus ästhetischen Gründen), für Eingriffe an ihren Augen, Ohren, Lippen, Falten, Hintern, Busen, Schwänzchen, Armen, Beinen und so weiter, einen kleinen Rabatt. Alles kann vergrössert werden, ausser dem Hirn. Vermutlich fürchten sich die Halbgötter in Weiss davor, dass die teure Kundschaft nach einer Hirnvergrösserung realisieren würde, dass sich eine Schönheitsoperation nur für den ausführenden Arzt auszahlt…

 

Nach einem weitverbreiteten Irrglauben sind Brillen in Ungarn viel preiswerter als in Westeuropa. Nun gut, auf die Kundenbedürfnisse angefertigte, namenlose Qualitätsbrillen, findet man sogar im nahegelegenen Wien für den gleichen Preis, oft sogar noch deutlich günstiger. Nur markengläubige Zeitgenossen, für Gläser genauso wie für Brillengestelle, können in Ungarn ein Schnäppchen machen. Wenn wir tatsächlich einmal das Bedürfnisse hätten einen Porsche zu besitzen, würden wir aber ganz sicher nicht zu einem Optiker gehen, sondern zu einem Autohändler. So warteten wir bis Wien, bis wir uns je ein Paar neue Brillen anpassen liessen.

 

Wien: gute Gesellschaft und eine eigene Wohnung


Für uns war die österreichische Hauptstadt Wien ein unerwarteter Glücksfall. Unsere österreichische Freundin Gusti, die Brigitte vor 30 Jahren in Australien kennengelernt hat, bot uns spontan an, in die momentan leerstehende Wohnung ihrer Schwester Gabi einzuziehen. Freudig nahmen wir dieses grosszügige Angebot an und planten für eine Woche, vielleicht 10 Tage zu bleiben. Nachdem wir am 8. Dezember 2019 dort eingezogen sind, unternahmen aber Gusti, und auch Gabi, alles was sie konnten, um uns dazu zu verleiten, länger zu bleiben. Jedes Mal, wenn wir auch nur etwas über unsere Abreise andeuteten, brachte Gusti einen weiteren guten Grund, weshalb wir noch länger bleiben sollten… So liessen wir uns schlussendlich zu 1 ½ Monaten hinreissen, und genossen die Gesellschaft unserer Freunde, die weihnächtlich beleuchtete City, gutes Essen und regelmässige Einladungen zu kulturellen Aktivitäten. Es war einfach zu schön, als dass das Reisekribbeln zu schnell wieder aufkam.
Wir hatten einen Parkplatz vor der Tür ergattert, eine Wohnung, die ruhig gelegen, nah von Wäldern, aber auch ganz nah bei der Metro lag. Im Umkreis von 500 Metern gab es mehrere Supermärkte und Restaurants, ausserdem sogar einen Media-Markt und Obi. Jedes Mal, wenn wir uns mit unseren Freunden trafen, nahmen diese jeweils eine 1 ½ stündige Anreise von ihren Wohnorten im Umland auf sich, um uns zu sehen, sogar an unserem Abreisetag…
Wir sind ihnen unendlich dankbar, dass wir so grosszügig verwöhnt, ja verhätschelt, wurden!
N
ach einem letzten Zusammensitzen bei Scones mit «clotted cream, verabschiedeten wir uns schlussendlich am 22. Januar 2020 von unseren Freunden und Wohnungssponsoren und der Stadt Wien.

Etwas mehr von Österreich


Nun machten wir eine gemütliche, 8-tägige Reise entlang der Donau. Dabei besuchten wir malerische Städtchen wie Krems, Melk und etwas weiter weg vom Fluss, die ebenso hübschen Orte Steyr und Schärding, bevor wir nach Deutschland, eh, Entschuldigung; Bayern, weiterfuhren. 

 

Deutschland: adrette Städte und ein Hauch von Winter


Während unseres Aufenthaltes in Wien, krönten wir Skandinavien als unser nächstes, grösseres Reiseziel. Da der effizienteste Weg, um dorthin zu gelangen durch Deutschland führt, war es ganz klar, dass das Land auch zu einem Reiseziel wird – der Weg ist das Ziel. Unsere Deutschlandreise startete am 30. Januar in Passau, einer schönen Stadt am Zusammenfluss der Donau, des Inn und der Ilz.

 

Sankt Oswald: Ferienwohnung im Bayerischen Wald


Da Europäische Winter eh nach Winterreifen verlangen, fühlten wir das Verlangen nach einer Ferien-wohnung inmitten einer Winterlandschaft. Wir kürten Sankt Oswald im Bayerischen Wald zu unserer Destination im Schnee – die Wettergötter waren aber nicht allzu grosszügig! Im Nationalparkzentrum erfuhren wir, dass man während des Winters im Bayerischen Wald, normalerweise mit etwa 1.5m Schnee rechnen könne. Während unseres Aufenthalts präsentierte sich die Landschaft aber oft zwischen grün und einem Schneesegen von bloss 5 – 10 cm. Das war gerade genug, um die Spazierwege eisig und aalglatt zu machen, aber niemals genug, um die Winterwanderwege zu präparieren! An unserem letzten Wochenende in Sankt Oswald hatten wir Anita & Helmuth aus München zu Besuch. So schwelgten wir über ein paar Reisegeschichten und besuchten zusammen den grossen Tierpark des Nationalparks Bayerischer Wald.

 

Quer durch Deutschland: von Bayern nach Rostock


Am 1. März 2020 verliessen wir unsere Ferienwohnung und zogen nordwärts Richtung Rostock, wo wir die Fähre nach Schweden nehmen wollten. Natürlich gibt es entlang des Weges sehr viel zu sehen und wir hätten ohne weiteres eine mehrmonatige Entdeckungsreise durch Deutschland machen können. Da sich aber das neue Coronavirus von Italien aus langsam nordwärts ausbreitete, begannen wir uns zu Sorgen, ob es in Deutschland vielleicht auch bald Reiseeinschränkungen geben würde. So gaben wir lieber etwas Gas und reisten etwas schneller als wir dies normalerweise machen.

 

Die Odyssey des Schnelldurchlaufs durch Deutschland begann mit einem Sightseeing-stopp in Cham, einem Namensvetter der Stadt, in der wir vor 20 Jahren in der Schweiz wohnhaft waren. Das Deutsche Pendant ist definitiv ansprechender als die namensgleiche Gemeinde im Kanton Zug. Weiter besuchten wir historische Städtchen wie Kulmbach, Kronach, Reichmannsdorf mit seinen Schieferhäusern, Saalfeld und Quedlinburg. Wir übernachteten in den besonders hübschen Städtchen Weiden in der Oberpfalz, Coburg und Weimar. In den meisten der besuchten Orte gibt es einen stattlichen Hauptplatz und unzählige Fachwerkbauten. So auch im pittoresken Wernigerode, wo wir uns schlussendlich getrauten, drei Tage zu verweilen. Nach einem Stopp in Salzwedel, übernachteten wir in der malerischen Stadt Lüchow, bevor wir bis Rostock weiterfuhren. Hier gönnten wir uns zum Abschluss nochmals einen dreitägigen Aufenthalt um die Stadt, den Badeort Warnemünde und den Ostseehafen zu erkunden.

So hatten wir also die 750km zur Nordküste, nach unserem Standard, in Lichtgeschwindigkeit zurückgelegt – d.h. in nur zehn Tagen.

Rückblickend wissen wir nun, das «Durchhetzen» war wirklich notwendig! Denn nur 5 Tage nachdem wir das Land am 11. März mit einer grossen Autofähre verlassen hatten, wurden in Deutschland die Bürgersteige im wahrsten Sinne des Wortes hochgeklappt!

Unsere Deutschlandreise war ein perfekter Abschied von Mitteleuropa gewesen. Abseits der Autobahnen entdeckten wir Deutschland von seiner besten Seite: abwechslungsreiche, liebliche Landschaften, anmutige, pittoreske Stadtzentren mit beeindruckenden Plätzen und historischen Altstädten. Allgegenwärtige Eisdielen, welche auch im Winter die Massen anzulocken vermögen, gute Restaurants und vor allem; freundliche Menschen. Was sonst hätten wir noch verlangen können, ausser etwas mehr Zeit, um dieses wunderschöne Land zu entdecken?



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