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Reisetagebuch Kapitel 25 [Oktober 2013 - Januar 2015] als PDF
(Warm angezogen im Gebirge - ausgezogen am Meer)

Schweiz
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Schweiz: ein weiterer Besuch in unserem Heimatland

Immer wieder sind wir neugierig, uns wenig bekannte Regionen tiefgründig zu erkunden.  Für das kommende Jahr hingegen, suchten wir nur nach schönen Unterkünften, wo wir eine gute Zeit haben könnten. Während der kalten Jahreszeit zogen wir uns warm an und mieteten ein paar nette Ferienwohnungen in den Schweizer Bergen. Während den warmen Sommermonaten, wollten wir hingegen alle Hüllen fallen lassen und suchten uns dafür vorwiegend die Mittelmeer- und Atlantikküsten Frankreichs und Spaniens aus.

 

Vor zwei Jahren, im Winter 2011/12, hatten wir wieder einmal etwas Zeit in unserem Heimatland verbracht. Damals war es, nach zwölf Jahren das erste Mal gewesen, dass wir die Schweiz als Touristen, und nicht nur als Gäste unserer Freunde und Verwandten, besucht hatten. Mit etwas Glück hatten wir damals zwei Ferienwohnungen in den sonnigsten Tälern des Landes auserkoren. Weil es uns so gut gefallen hatte, entschieden wir uns, einen weiteren Winter in der Schweiz zu verbringen. Da wir in den folgenden Monaten viel Zeit zum Brainstorming über unsere Zukunft reservieren wollten,  bot sich unser Heimatland geradezu an, da wir hier nicht von allzu-viel Unbekanntem abgelenkt werden sollten…

 

Wie doch die Zeit vergeht. Sogar wir können es kaum glauben, dass wir bereits das 16. Jahr geniessen, in dem wir ohne Unterbruch, langsam und genussreich unsere Lieblingsziele in aller Herren Länder bereisen können. Es war Ende des letzten Jahrtausends, als wir unsere Jobs an den Nagel hängten und die Sicherheit eines geregelten Lebens gegen ein Leben in unlimitierter Freiheit eintauschten.  Damals dachten wir, dass unser Erspartes für etwa 12 Jahre reichen würde, mit viel Glück vielleicht für 14, oder falls alles schief laufen sollte, möglicherweise auch nur 7 Jahre. Wir machten uns keine Sorgen, denn wir wussten, es wird in jedem Fall genug sein.

Es hat uns etwas schockiert zu erfahren, dass andere Paare in der Schweiz, und genauso in Deutschland, alleine für ihre Krankenkasse, alljährlich gleichviel Geld ausgeben wie wir für 12 Monate recht komfortables Reisen. Statt unsere Mittel für übertriebenen Versicherungsschutz auszugeben, lebten wir einfach sorglos drauflos und es fühlt sich immer noch grossartig an, die Freiheit voll auszukosten. Weshalb sollten wir uns um die Zukunft sorgen? Da wir das Heute voll ausleben, verpassen wir nichts, das wir morgen nachholen müssten. Ob es ein weiteres Morgen gibt, wird damit irrelevant!

 

Bis zum letzten Jahr sah es danach aus, als ob unsere Mittel nicht nur für 7, 12 oder 14 Jahre reichen würden, sondern sogar für 16 Jahre; mehr als wir in unseren kühnsten Träumen erhofft hatten. Vielleicht ist es ein Naturgesetz: wer sich keine Sorgen macht, wird vom Schicksal besonders reichlich belohnt und so wurde es für uns noch besser. Etwa ein Jahr bevor auf unserem Konto Ebbe war, konnten wir ganz unerwartet erben. Mit diesem Gezeitenwechsel schwoll unser finanzielles Polster wieder auf etwa dieselbe Höhe an, die es bei unserem Ausstieg 1999gehabt hatte.

 

Bingo, nun haben wir eine Knacknuss: wie machen wir das Beste aus den zusätzlichen Jahren in unlimitierter Freiheit, welche uns die Götter als unerwartetes Geschenk zugedacht haben? Unsere Wunschliste mit allem was wir gerne machen, sehen, und erleben wollten, ist mehr als erfüllt, wir waren ja 15 Jahre als Weltenbummler „roving spirits“ unterwegs. Jetzt haben wir also das Privileg, eine neue Wunschliste mit allem was wir gerne machen, sehen und erleben wollen, zu erstellen - um das Allerbeste aus dem zweiten Teil unseres Globetrotterlebens zu machen. Deshalb haben wir uns dafür entschieden, uns dieses Jahr vorwiegend an Regionen und FKK-Gelände zu halten, die wir recht gut kennen. Mit wenig Ablenkung und nur wenigen neuen Eindrücken, sollten wir genügend Zeit haben, darüber nachzudenken, was uns zwei Lebenskünstlern am meisten zusagt.

Schweiz
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Schweiz Teil 1 : sechs Wochen im Bündner Surselva Tal

Nachdem wir einige Freunde und Verwandte besucht hatten, zogen wir uns ins Gebirge zurück. Über den Oberalppass erreichten wir am 26. Oktober 2013 Sedrun. Hier hatten wir für sechs Wochen eine Ferienwohnung gebucht. Es war eine 55m2 grosse Einliegerwohnung im Einfamilienhaus der Besitzer. Hier hatten wir eine perfekte ruhige Lage, allen Luxus den wir mögen, und erst noch nette junge Vermieter in unserem Alter! Obwohl das Haus noch keine 30 Jahre alt ist, war es im traditionellen Stil des Surselva Tals gebaut: ein Chalet mit weiss verputzten Mauern und Holzfassaden.

 

Ende Oktober erfreute uns die Natur mit den schönsten Herbstfarben und die Passtrassen lockten uns zu Fahrten in die umliegenden Täler. Dank Sedrun’s guter Lage und den super ausgebauten Gebirgsstrassen, konnten wir das Urnerland, das Berner Oberland, das Wallis und auch das Tessin an einem einzigen Tag erreichen. Dabei überquerten wir den Oberalp-, den Susten-, den Grimsel-, den Nufenen-, sowie den Gotthard-Pass. Wenn man bedenkt, dass all diese Pässe bei den nächstgrösseren Schneefällen geschlossen würden, staunten wir nicht schlecht über die vielen Baustellen, wo Arbeiter mit schweren Maschinen noch fleissig die Strassen verbesserten. Fast den ganzen Tag hatten wir phantastisches Wetter. Bei Meiringen stiegen die Temperaturen föhnbedingt sogar auf unwirkliche 25°C an und auch im Obergoms, im Wallis, nahmen wir unser „Zvieri“ noch in einem Gartenrestaurant ein. Als wir später aber den Kanton Tessin erreichten, war es plötzlich eher kalt und so neblig, dass wir kaum mehr die Strasse vor uns sahen. Auf der Gotthard Passhöhe (2‘106m.ü.M.) konnten wir nicht einmal den See sehen, von dem wir wussten, dass wir ihm entlangfuhren. Kurze Zeit später war der Himmel wieder stahlblau und wir hatten die beste Sicht hinunter auf Andermatt.

 

Dort erstellt momentan der Egyptische Investor Samih Sawiris ein neues Luxusresort, das als Andermatt-Swiss Alps vermarktet wird. Für insgesamt etwa 1.5 Milliarden Euro werden sechs 4-5-Sternehotels, 25 Villen, welche für zweistellige Millionenbeträge verkauft werden, mehrere hundert Luxus-Ferienwohnungen, ein Golfplatz, Hallenbäder, Wellness-Anlagen und weitere Sporteinrichtungen gebaut. Das Chedi, ein 5-Sterne Superior Hotel ist bereits in Betrieb, weitere Apartment- und Hotelkomplexe sind noch im Bau.

Als Teil des neuen Resorts werden auch Millionenbeträge in das bestehende Skigebiet investiert und dadurch entsteht die sogenannte „Ski-Arena Andermatt-Sedrun“. Sedrun ist deutlich ruhiger als Andermatt, hofft aber auch auf das grosse Geschäft, sobald die neuen Lifte und Gondelbahnen die Pisten beidseits des Berges verbinden. Die beiden Dörfer liegen 20km auseinander und sind über die Oberalppassstrasse verbunden, die nur im Sommer geöffnet ist. Die Bahn verkehrt jedoch ganzjährig und wird, während der Wintersperre der Strasse, um Autoverladewaggons ergänzt.

 

Sedrun und das Bündnerland

 

Von Sedrun aus entdeckten wir auch viele lohnenswerte Ziele im Bündnerland. So z.B. Disentis, mit seinem mächtigen Kloster, dann das hübsche Vals, bekannt für Mineralwasser und sein legendäres Gestein. Ein andermal kurvten wir hinauf zum noblen Winterkurort Arosa, und wir bestaunten auch die Rhein-Schlucht mit ihren markanten ausgewaschenen Felsufern.

 

Um schöne Wanderungen zu machen, mussten wir hingegen nicht ins Auto steigen, da Sedrun in alle Himmelsrichtungen eine Vielzahl guter Wanderwege bietet. Einige sind flach, andere ziemlich steil und wir profitierten täglich von einer der vielen Möglichkeiten. Wenn wir auf andere Wanderer trafen, grüssten uns viele in der Rätoromanischen Sprache. Es hat uns überrascht, dass wir hier, vielmehr als im Engadin, die meisten Menschen Rätoromanisch sprechen hörten. In abgelegenen Bergtälern wie dem Surselva, können lokale Sprachen und das Brauchtum besser überleben.

Moderne Stadtmenschen suchen hier Frieden und Ruhe. Wenn es ums Einkaufen geht, sehen sie aber schnell, dass die Möglichkeiten hier etwas eingeschränkt sind. Zum Glück gibt es einen kleinen Coop und einen Denner Supermarkt, wo man alles Nötige findet. Da das Angebot alle paar Wochen angepasst wird, ist das Risiko an einseitiger Ernährung einzugehen, nicht allzu gross. Für alles, das aus dem Rahmen des Üblichen fällt, muss man allerdings nach Ilanz oder Chur. Dazu muss man 40, bzw. 70 Kilometer auf einer kurvigen Strasse unter die Räder nehmen, oder sie mit einem Bummelzug im Schneckentempo zurücklegen. Zu dumm, wenn man die neu gekaufte Kamera wegen eines Garantiefalls umtauschen muss.

 

Während unseres Aufenthaltes fühlte sich Sedrun weder allzu belebt, noch allzu ausgestorben an. Unter den 1‘500 Einwohnern sind alle Altersstufen vertreten. Auf der anderen Seite gibt es hier aber viele Ferienwohnungen und jetzt, Ende Herbst, standen fast alle leer. Unsere Vermieter waren felsenfest davon überzeugt, dass wir die einzigen (…) sind, die um diese Jahreszeit eine Ferienwohnung mieten. So war es kaum erstaunlich, dass von den Hotels und Restaurants eines nach dem anderen Betriebsferien machte und die Lokale mit den besten Köchen konnten es sich natürlich leisten, gleich für zwei Monate dicht zu machen.

 

Zum Glück mussten wir aber trotzdem nicht auf Gourmet-Mahlzeiten verzichten. Wir verstanden uns sehr gut mit unseren Vermietern Ursulina und Pius. Sie luden uns sogar zweimal zu einem leckeren Abendessen ein. Ursulina würde ohne weiteres als Sterne-Köchin qualifizieren. Einmal verwöhnte sie uns mit einem edlen Mahl mit einheimischem Wild und ein andermal mit einem Fischgericht, das ebenso gut war. Dazwischen luden wir sie einmal in ihre Einliegerwohnung zum Essen ein. Wir hatten viel Spass mit den beiden und obwohl wir ein ganz anderes Leben führen als sie, war es interessant Erfahrungen und Erlebnisse auszutauschen. Dabei erfuhren wir auch, dass ihnen unsere Mietanfrage zuerst etwas rätselhaft vorkam, da normalerweise NIEMAND um diese Jahreszeit mieten will, und schon gar nicht so lange. Nachdem sie aber unsere Homepage gesehen hatten, verflog ihr Misstrauen und sie waren nun eher neugierig auf uns.

 

Ungewöhnliche Sauna Sitten

 

Als Feriengäste im eigenen Land mussten wir uns natürlich wieder an die Schweizer Sitten und "Unsitten" gewöhnen. In der Gemeinde-eigenen sehr schön gestalteten Wellness-Anlage, sind wir schon mal ins erste Fettnäpfchen getreten. Wir freuten uns, dass die Saunasitten in der (Deutsch)Schweiz deutlich natürlicher sind, als im Einflussbereich der vor langer Zeit verstorbenen Königin Viktoria. Wir haben aber die gut Schweizerische Konsensfähigkeit vergessen. Um sowohl die Gäste aus dem Tessin und Italien, die 50% der Urlauber ausmachen und die meist in Badekleidern schwitzen, als auch die Nacktsaunierenden aus dem deutschsprachigen Europa zufrieden zu stellen, hat sich die Gemeinde ein „einzigartiges“ System einfallen lassen. Badekleider sind in der ganzen Sauna und dem Römisch-Irischen Bad strengstens verboten. Gehemmte Gäste dürfen sich aber ein Badetuch umwickeln. In den angeschlossenen Ruheräumen hingegen, herrscht Badetuch-umwickel-Pflicht! Hinweisschilder mit dem Sedruner Wellness-Knigge sind verbannt, da diese gemäss Gemeindeverwaltung, das exklusive Ambiente stören würden!

 

Nun denn, als wir im Naturkleid in den Saunen und Dampfbädern schwitzen, verhielten wir uns noch „korrekt“, bloss die Italienerin im Bikini wurde gemassregelt. Als wir uns dann aber zum Auskühlen splitternackt auf die Liegestühle im Ruheraum setzten, und das Badetuch bloss als Unterlage brauchten, beschwerten sich tatsächlich drei andere Gäste an der Kasse!

Zudem hatten wir noch die Frechheit miteinander zu sprechen, statt uns anzuschweigen. Nun wurden wir freundlich aufgefordert, mit umgewickeltem Badetuch und geschlossener Klappe weiter abzukühlen - ob dies nun Sinn mache oder nicht. Die nette Betriebsleiterin meinte, sie setze nur die Bestimmungen der Gemeinde durch. Beiläufig erwähnte sie noch, dass seit Juni nie mehr als 4 Gäste gleichzeitig im riesigen Wellnessbereich waren (3 Saunen, 2 Dampfbäder, Warmwasserbad und vieles mehr). An jenem Tag, dem letzten vor den Betriebsferien, sei mit 15 Besuchern das erste Mal richtig was los, seitdem sie hier die Stelle angetreten habe.… .

 

Die Sedruner Sauna-Sitten sind schon eher etwas ungewöhnlich. Mit der momentanen Lösung machen die Hälfte der Italienisch-sprachigen Gäste gleich wieder auf dem Absatz kehrt, nachdem sie an der Kasse erfahren, dass Badekleider verboten sind. Ironischerweise funktionierte jedoch ein Versuch mit Textiltagen noch weniger, denn dabei verzogen sich fast alle Italiener und Tessiner möchte-gern-Kunden gleich wieder. Vermutlich kamen sie doch eher um zu sehen, aber nicht um gesehen zu werden…

 

Nach 12 Tagen in Sedrun kam der Schnee. Es war nicht sehr viel, gerade genug, dass die Strassen vereisten und wir etwas mit der Schneeschaufel üben konnten. Nach ein paar Tagen war alles wieder grün und das „Spielchen“ wiederholte sich wieder und wieder.

Das Eröffnungsdatum für die Skisaison war vor langer Zeit festgelegt worden. Es scheint aber so, dass Mutter Natur ihre Aktien nicht in die einheimischen Skigebiete investiert hat. In weiser Voraussicht hat die Ski-Arena Andermatt Sedrun in ein Arsenal aus Schneekanonen investiert, sozusagen ihre Vollkasko-Versicherung gegen Schneemangel. Mitten auf grünen Wiesen waren die Schneekanonen bereits einen Monat vor Eröffnung der Skisaison in Betrieb. Heutzutage überlässt man nichts mehr dem Zufall, vor allem dann nicht, wenn es sich um eine gut geschmierte Geldmaschine handelt! Am Anfang sah man kaum ein Resultat, doch nach ein paar Wochen türmte sich der künstliche Schnee so hoch, dass wir nicht einmal mehr die drei Meter breite Asphaltstrasse fanden, auf der wir jeweils so gerne zur Alp Milez wanderten. Der Weg führt auf eine Höhe von 1‘900m ü. M, etwa 500 Meter über Sedrun.

 

Im Gegensatz zu unserem Schweiz-Besuch vor zwei Jahren, wo wir vorerst inkognito blieben, weihten wir diesmal Familie und Freunde ein. Somit kamen einige zu Besuch und wir hatten oft was los. Als erstes kamen Brigitte’s Eltern für einen Nachmittag. Heinz‘ Schwester und Schwager Edith & Kari, sowie Moni & Bruno verbrachten mit uns je ein Winter-Wochenende.

 

Für uns waren die sechs Wochen in Sedrun, wo wir den Übergang vom Herbst zum Winter geniessen konnten, ein perfekter Start unseres Aufenthaltes in der Schweiz. Dank der tollen Ferienwohnung und den aufgestellten Vermietern, stellte sich der Wohlfühl-Faktor ganz von selbst ein. Zudem liebten wir die unzähligen Wandermöglichkeiten und auch das Dorf, wo sich die meisten Leute kennen. Es gibt noch genug Vertrauen, dass der Bäcker sowohl Brot und Patisserie, als auch teurere Delikatessen, während der Nebensaison in einem Selbstbedienungsladen verkauft, wo die Kunden das Geld in die Kasse legen. Welch wunderbare Welt - und wie gut, dass wir an ihr teilhaben durften. Was wir im Surselvatal erlebten, ist ein interessanter Teil unserer Lebensgeschichte geworden und wir erinnern uns immer wieder gerne an unsere schöne Zeit in Sedrun.

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Schweiz Teil 2 : fünf Wochen im Tessin

Brione: Ferienwohnung mit toller Aussicht über den Lago Maggiore

 

Am 7. Dezember 2013 fuhren wir vom Bündnerland über den Lukmanierpass ins Tessin, dem italienischen Teil der Schweiz. Als wir in Sedrun losfuhren, war es eiskalt, doch kaum hatten wir die Passhöhe hinter uns, kamen wir in deutlich milderes Klima und die letzten Schnee- und Eisreste an unserem Wagen schmolzen schnell dahin.

Nach rund zweistündiger Fahrt, erreichten wir den Lago Maggiore und schon bald ging’s bergauf nach Brione, hoch über Locarno.

 

Als uns die neue Vermieterin in unsere nächste Ferienwohnung führte, waren wir vom hellen Wohnzimmer mit den grossen Fenstern und der tollen Aussicht sofort begeistert. In welche Richtung wir auch schauten, wir waren entzückt. Fast die ganze Süd- und Westwand war vom Boden bis zur Decke verglast. Wir mussten nicht einmal auf den Balkon gehen, um die enorme Aussicht zu geniessen. Sie erstreckte sich von der Magadino Ebene zum Lago Maggiore und über Locarno und Ascona ins dahinterliegende Gebirge. Mit der Dämmerung änderte sich das Bild, die Aussicht verlor aber nichts von ihrer Faszination, denn nun sahen wir auf ein Lichtermeer, das immer intensiver wurde. Hier hatten wir ganz offensichtlich eine Aussicht wie Millionäre. Für uns war diese Wohnung, die sich in einem kleinen Wohnblock mit vier Ferienwohnungen befand, purer Luxus. Im Vergleich zu den umliegenden, war sie aber noch eher bescheiden.
Viele Villen in dieser Region sind tatsächlich im Besitz von Leuten, die das Glück haben, ihre millionenschweren Ferienobjekte mit Taschengeld finanzieren zu können.

 

Das nördliche Ufer des Lago Maggiore ist so steil, dass es unmöglich ist, günstig zu bauen. Wer aber das nötige Kleingeld hat, zahlt hier gerne etwas mehr, da eine unverbaubare Aussicht wegen der steilen Lage fast garantiert ist. Da die steilen Hänge vorwiegend aus zerklüftetem, mit Sickerwasser durchzogenem Gestein bestehen, müssen die Bauplätze im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Fels gesprengt werden. So erhalten die Gebäude ein sehr solides Fundament, müssen jedoch gut gegen Feuchtigkeit geschützt werden. Dies erreicht man z.B. indem man zwischen dem Gebäude und dem dahinterliegenden Fels einen gewissen Abstand einhält. In so steilem Gelände ist dies eine wahre Herausforderung.

 

Der Eingang zu unserem Wohnblock befand sich gleich neben den Garagen. Über das Treppenhaus kamen wir einen Stock höher, bevor wir das Gebäude durch den Hintereingang wieder verliessen. Von dort führt eine weitere Treppe hinauf zu einem drei Meter breiten Hinterhof, direkt vor unsere Wohnungstür. Obwohl wir uns nun bereits fünf Meter oberhalb des Strassen-Niveaus befanden, war der Hinterhof hangseitig von einer neun Meter hohen Betonmauer eingefasst. Diese war Teil des Fundamentes für das dahinter-, respektive höherliegende, 6-stöckige Gebäude.

 

Wir hatten viel Glück, dass unser Appartement direkt von der Dorfstrasse aus zugänglich war und zudem hatten wir einen Bus-Stopp direkt vor dem Eingang. Viele, wenn nicht sogar die meisten unserer Nachbarn, haben sich aber eine kleine, private Bergbahn bauen lassen um sich selbst und ihr Gepäck vom Parkplatz den Hang hinauf, bzw. hinunter zu ihren Behausungen zu bringen. Die einheimischen Pendler ziehen die leicht zugänglichen Wohnungen unten in den Städten vor. Am darüberliegenden Sonnenhang um Brione, Orselina und Umgebung, findet man vor allem Zweitwohnungen im Besitz von Deutschschweizern, Deutschen und Italienern.

 

Dasselbe Brot ist nicht überall das selbe

 

Während unseres Aufenthalts im Tessin waren wir überrascht, wie oft wir Hochdeutsch und Schweizerdeutsch hörten. In den Lebensmittelgeschäften hingegen, unterschied sich das Angebot deutlich von demjenigen in der übrigen Schweiz. Spezialitäten wie Vitello Tonnato, ein an Thunfisch-Sauce servierter kalter Kalbsbraten, oder Produkte aus Kastanien fand man an jeder Ecke. Weniger begeistert hat uns hingegen das Brot. Die meisten Brotlaibe waren doppelt so gross, aber nur halb so schwer wie ihre Namensvetter in der Deutschschweiz, allen voran das landesweit beliebte Tessinerbrot.

 

Wir wollen aber nicht jammern, da der Mangel an dem, was wir als gutes Brot betrachten, sicherlich der Gesundheit und Fitness von Heinz nicht geschadet hat. Das Brot im kleinen Dorfladen, etwa 200m von unserer Wohnung, wurde von einer preisgekrönten Bäckerei geliefert. Nun, wir würden eher der Fleischtheke dieses Geschäfts einen Preis verleihen, für Brot zog es Heinz jedoch vor, zum über einen Kilometer entfernten Dorfladen in Orselina zu marschieren. Damit konnte er zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: wir erhielten besseres Brot und er wurde erst noch fitter.

 

Fitness war unabdingbar um von den unzähligen Spazier- und Wanderwegen um unsere Ferienwohnung zu profitieren. Viele ansprechende Ziele konnten wir zu Fuss erreichen. Locarno zum Beispiel, war weniger als eine Stunde und 286 Höhenmeter entfernt. Überraschend viele schmale Treppen und Pfade sind zwischen den Häusern angelegt worden. Oft führen sie durch naturbelassene Waldstücke mit malerischen Bächlein und Wasserfällen. Dazwischen kommt man durch Villenviertel mit üppigen Gärten voller Palmen, Kakibäumen und Kamelien, von denen einige sogar im Januar blühen.

Diese Pflanzen können hier gedeihen dankdem die Tessiner Winter eher mild sind.

Während unseres Aufenthaltes, war es meist Zeit um die 8-15°C und zudem war es meist sonnig - häufiger, als in einem durchschnittlichen Winter, wie man uns sagte. Somit war es sehr angenehm die steilen Hänge hinauf und hinunter zu spazieren, wir denken aber, dass dies in der Sommerhitze die Hölle sein muss. Während unserer fünf Wochen in Brione marschierten wir fast täglich, entweder ans Seeufer in Locarno, Ascona, Minusio oder Tenero, oder zur Wallfahrtskirche Madonna del Sasso, dem malerischen Bergtal Valle Resa, zum beeindruckenden Verzasca Staudamm, oder einfach durch den Wald oberhalb der Siedlungen. Die meisten Wanderungen boten immer wieder eine tolle Aussicht, diejenige direkt vor unserem Wohnzimmer blieb aber unerreicht.

 

Mogno: ein Wallfahrtsort für unterschiedliche Pilger

 

Mit einer grossartigen Aussicht und den Wandermöglichkeiten direkt vor der Tür, mussten wir uns ab und zu richtig motivieren, ins Auto zu steigen um die weitere Umgebung zu erkunden.

Einer dieser Ausflüge brachte uns an dasjenige Ende des Verzasca Tales, welches wir nicht mehr in vernünftiger Zeit zu Fuss erreichen konnten. Im Gegensatz zum grössten Teil des Kantons Tessin, ist dieses sehr dünn besiedelt. Nur ein paar wenige Dörfer, alle mit traditionellen Steinhäusern, liegen entlang des klaren grünen Flusses. Die wilde Schönheit der Natur ist sicherlich das Besuchermagnet des Verzasca Tales und eine angenehme Abwechslung zum geschäftigen Treiben der dichtbesiedelten Gebiete des Tessins, mit unzähligen Supermärkten, Einkaufszentren, Hobby- und Fachmärkten.

 

Ein weiterer Ausflug führte uns durchs ziemlich dicht besiedelte Maggia Tal ins Val Lavizzara. Im fast verlassenen Weiler Mogno besuchten wir die Kapelle. Niemand würde über sie sprechen, wäre sie nicht von einer Lawine zerstört und dann nach den Plänen eines berühmten Architekten wieder aufgebaut worden. Dadurch wurde dieses Gotteshaus zu einem Touristen-Magnet. Nicht einmal das enge und abenteuerliche Strässchen hindert die Massen der „Pilger“ daran, diese kleine Kapelle zu besuchen, die von einem berühmten Sohn des Tessins entworfen wurde: Mario Botta. Jeder Normalbürger weiss, dass selbst eine kleine Kapelle ein Vermögen kostet, wenn sie von einem berühmten Star-Architekten gebaut wird. Deshalb hat die Kirchgemeinde neben dem Opferstock einen grossen Stapel Einzahlungsscheine aufgelegt, um die erhofften grosszügigen Spenden zu vereinfachen.

Kommen wir zur Architektur. Wir lasen viel negative Kritik über die farbliche Gestaltung der Kapelle und dass sie nicht in dieses Bergdörfchen passe. Gespannt, wie sie uns gefallen würde, waren wir dann vor allem darüber erstaunt, wie klein sie ist. Die Kapelle ist rund und gleicht einem abgeschrägten Zylinder. Auch ohne Fenster ist der Innenraum sehr hell, da das abgeschrägte Dach eine reine Glaskonstruktion ist. Das Gebäude besteht aus einer Mischung aus weissem Marmor und grauem Granit, die sich farblich abwechseln. Einige Architektur-Kritiker erinnert die Farbgebung an das Moorische Design in Cordoba und wir sehen es genauso. Immer wieder findet man helle und dunkle Streifen, die in verschiedene Richtungen verlegt wurden. Sowohl hinter dem Altar, als auch beim Eingang sind die Wände weiss-grau gewürfelt und konisch verjüngt, was den Raum optisch viel grösser erscheinen lässt, obwohl er nur 15 Sitzplätze hat. Alles in allem, ist diese kleine Kapelle ein sehr beeindruckendes Bauwerk, das uns mit seiner modernen Architektur begeisterte.

 

Brontallo und andere Ausflüge ums Maggia Tal

 

Zurück im eigentlichen Maggia Tal, besuchten wir das schmucke Dorf Brontallo. In diesem adretten Steindorf hat man sich schon seit langem um die Erhaltung des traditionellen Dorfbildes gekümmert. Heute sind die meisten Gebäude renoviert und obwohl viele Stallungen zu Ferienhäusern umgebaut wurden, behielten sie äusserlich ihre traditionellen Fassaden. Aus diesem Grund sind moderne doppel- und dreifach-Glasfenster hinter massiven Holzbalken versteckt. So müssen sich die Ferienhausbesitzer mit modernen, aber eher dunklen Hüttchen begnügen, dafür erfreuen sich die Fotografen am bilderbuchhaften Dorfbild.

 

Nun besuchten wir das Seitental Valle Bavona. Jetzt, während der kürzesten Tage des Jahres, erreichen die Sonnenstrahlen wegen der hohen Berge den Talboden nie, weshalb er gefroren bleibt. Welch ein Kontrast zu unserem sonnigen warmen Plätzchen am Lago Maggiore. Hier im Valle Bavona, keine 40km entfernt, war alles mit Reif bedeckt und somit boten Wiesen, Steine und Häuser einen ganz speziellen Anblick, weil sie mit einer dünnen weissen Schicht überzogen waren.

 

An einem anderen Tag kamen wir nochmals zurück ins Maggia Tal und diesmal kletterten wir bei Ponte Brolla in der Schlucht des grünen Flusses umher. Obwohl die Felswände nicht sehr hoch sind, bilden sie trotzdem einen eindrücklich engen Canyon. Das Gestein ist hier vom Maggia-Wasser wunderschön ausgehöhlt und geschliffen worden.

 

Etwa zwei Wochen vor Weihnachten hatten wir Lust auf einen Spaziergang hinunter nach Locarno. Wir wollten uns im Städtchen umsehen, vielleicht das eine oder andere Restaurant auskundschaften, und nach einer leckeren Mahlzeit wieder den Hang hinaufdampfen. Wir waren überrascht, wieviel da los war, fast zuviel, um einfach etwas umherzuschlendern und sich umzusehen. Schon bald entdeckten wir die Gründe, für diesen Menschenauflauf. Eine Kunsteisbahn, umgeben von Marktständen, war für einen Monat auf dem Marktplatz aufgebaut. Weiter wurde in der malerischen Altstadt ein grosser und überaus beliebter Weihnachtsmarkt abgehalten. Die verschiedenen Düfte, die nächtlichen Marktstände und die Weihnachtsbeleuchtung waren einfach magisch. Wir fanden auch mehrere edle Speiselokale die stolz auf ihre Auszeichnungen von Gourmetführern hinwiesen. Es gab nur ein Problem; wie kommen wir zurück zu dem Lokal, für das wir uns schlussendlich entschieden? Die Menschenmasse bewegte sich kaum mehr als einen Meter pro Minute und unser hirneigenes GPS funktionierte durch die vielen Ablenkungen nur noch mittelmässig. Dafür waren wir dann wirklich hungrig, bis wir endlich in unserem ausgesuchten Lokal Platz nahmen. Das Essen schmeckte hervorragend und der Marsch hinauf nach Brione half uns anschliessend, dieses zu verdauen.

 

Ausflug nach Italien

 

Anfangs Januar 2014 machten wir einen Ausflug nach Morcote, etwas südlich von Lugano. Wir wissen, dass es in dieser kleinen Ortschaft am Luganersee im Sommer nur so von Touristen wimmelt. Jetzt hingegen, war sie so tot, man konnte schon fast riechen, wie sie verfault… Nichtsdestotrotz, für uns hat sich dieser Ausflug absolut gelohnt. Die einzige Schweizer Reparaturwerkstätte für unsere geliebte Espresso-Maschine lag auf dem Weg. Glücklicherweise war das benötigte Ersatzteil am Lager und erst noch viel günstiger, als erhofft.

 

Nun fuhren wir weiter ins Italienische Marktstädtchen Luino. Nun gut, im Winter gibt es hier keine Touristen und folgedessen auch keinen Markt. Das einzig Gute, das wir in diesem Ort fanden, war eine übertrieben geheizte Italienische Eisdiele; unwiderstehlich und hervorragend. Etwa 20km weiter südwärts entlang des Lago Maggiore, nahmen wir im malerischen Dorf Laveno die Autofähre über den See nach Verbania. Nun fuhren wir nach Cannero Riviera, welches sich als das Italienische Gegenstück zu Morcote entpuppte; schön, aber schön tot. Jetzt bereuten wir es, dass wir uns weder in Laveno, noch Verbania umgesehen hatten. In beiden Städtchen war deutlich mehr los gewesen und sie hätten uns einen authentischeren Einblick ins Italienische Leben ermöglicht.

 

Überall viel Schnee

 

Das Tessin ist bekannt für viel Sonne, aber nicht für Schnee und Regen. Während des grössten Teils unseres Aufenthaltes hatten wir sonniges und für die Jahreszeit überdurchschnittlich warmes Wetter. Aber genau dann, als Brigitte pflichtbewusst ihre Eltern zu Weihnachten besuchen wollte, gab es hier allerdings mehr Niederschläge, als je gemessen wurden. Strassen mussten geschlossen werden; in den Tälern wegen Überschwemmungen und im Gebirge wegen Schnee, aber auch wegen Sturmschäden, die durch starke Böen verursacht wurden.

 

Glücklicherweise sahen wir die Wetterwarnungen und verschoben die 4-stündige Reise für ein paar Tage. Da wir eine Tessiner Spezialität mitbringen wollten, kauften wir in einer Bäckerei einen Panettone. Nun, was wir bekamen war sicherlich keine Werbung für diese Spezialität. Jeder andere Panettone, den wir zuvor in Supermärkten oder Superdiscountern erstanden hatten, hatte viel besser geschmeckt. Zufälligerweise wurden wir nach unserer Rückkehr zu genauso einem Gebäck eingeladen. Unsere Vermieter Marlies und René hätten sich gar nicht viel Mühe geben müssen, etwas besseres zu produzieren, als jene Bäckerei - sie konnten es nur besser machen! Ein anderes Mal hingegen, luden sie uns zu einem hervorragenden Abendessen ein und dabei hat René bewiesen, welch guter Koch er ist.

 

Bei unserer Ferienwohnung in Brione schneite es nur zweimal und die weisse Pracht schmolz bald wieder dahin. Durch unsere grossen Panorama-Fenster sahen wir aber zum anderen Seeufer, wo immer etwas Schnee lag - manchmal mehr, manchmal weniger. Die armen Schlucker dort drüben leben so nah unter dem Gebirge, dass sie in den kürzesten Tagen des Jahres nie ein Sonnenstrahl erreicht. Wir waren überglücklich, dass es uns ans nördliche Seeufer verschlagen hat.

 

Ein mildes Klima ist angenehm, es ist aber auch schön, ein Winterwunderland in der Nähe zu haben. Bosco Gurin ist ein Dorf wie aus einem Märchenbuch. Es befindet sich nur etwa 40 kurvenreiche Kilometer von Brione entfernt. Über zwei Meter Schnee türmten sich dort entlang der Strasse und fast soviel auf den Dächern. Einige schmale Fusswege waren so tief in den Schnee gefräst worden, dass nur Giraffen die schöne Landschaften und das charmante Dorf um sie herum hätten sehen können... Wir konnten uns an der bildschönen Umgebung und den adretten Holzhäusern kaum sattsehen. Bosco Gurin ist eine deutschsprachige Oase im Italienischen Teil der Schweiz. Das Völkchen, das sich hier niederliess, waren Walser, die um 1244 aus dem Bündnerland her kommend, von der andern Bergseite einwanderten. Deshalb gleichen die Häuser hier auch nicht den typischen Steinhäusern der umliegenden Täler, sondern eher den Holzstrukturen des Walsertales.

 

Bosco Gurin befindet sich an einer schattigen Stelle, etwa 1‘500 Meter über Meer und gilt deshalb im Winter als schneesicher. Damit wurde es zu einem attraktiven und überschaubaren kleinen Wintersportort. Es ist wohl eher der Charme des Dörfchens, der Touristen anzieht.

 

Für unser Gefühl waren die fünf Wochen viel zu schnell vorüber. Obwohl das Tessin, laut Statistik, den niederschlagsreichsten Winter seit Beginn der Wetteraufzeichnungen erfuhr, hatten wir glücklicherweise während unseres Aufenthaltes die meiste Zeit überdurchschnittlich gutes Wetter. Irgendwie haben die meisten Niederschläge, egal ob Regen oder Schnee, auf wundersame Weise unser Paradies mit der tollen Aussicht verschont.

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Schweiz Teil 3 : Sechs Wochen im Berner Oberland

Am 11. Januar 2014 verliessen wir das Tessin und kamen zügig durch den Gotthard- und weitere Autostrassen-Tunnels, ins Berner Oberland. Als wir Faulensee, welches zu Spiez gehört, erreichten, bezogen wir eine schöne Ferienwohnung oberhalb des Thunersees. Wiederum hatten wir eine aussergewöhnlich schöne Aussicht, obschon die Fenster hier deutlich kleiner waren, als am letzten Ort. Mit 94m2 war es dafür die grösste Wohnung, die wir diesen Winter mieteten. Sowohl die Küche, als auch das Wohnzimmer und das Bad waren besonders gross und dazu hatten wir auch zwei Schlafzimmer.

 

In Faulensee gibt es einen kleinen Volg Laden, der auch frisches Brot anbietet. Verschiedene grössere Supermärkte in Spiez waren ebenfalls zu Fuss, in weniger als einer halben Stunde, erreichbar. Zudem war die Umgebung unserer Ferienwohnung ein wahres Paradies zum Spazieren und Wandern. Schöne Aussicht auf den See und die Berge war bei allen garantiert.

 

Zwischen dem Thuner- und dem Brienzersee liegt der Touristenort Interlaken, etwa 15km von uns entfernt. Interlaken ist ein sehr gutes Beispiel, wie der Einfluss des Tourismus den Charakter einer Ortschaft verändern kann. Vor zwanzig Jahren gab es hier viele Sushi-Restaurants, da es in Interlaken nur so von Japanern wimmelte, die auf dem Weg den zur berühmten Jungfrau (dem 4‘158 Meter hohen Berg natürlich...), hier einen Zwischenhalt einlegten.

Inzwischen wird das grosse Geschäft jedoch mit Chinesischen Touristen gemacht. Die Sushi Restaurants sind verschwunden, dafür haben sich nun aber viele einfache und preiswerte Asiatische Lokale etabliert, welche die unterschiedlichsten ethnischen Küchen anbieten. Für uns ist dies nur einer, von vielen positiven Einflüssen, welche Immigranten auf die Schweiz ausüben.

 

Jetzt gibt es in Interlaken sogar noch mehr Uhren- und Schmuckgeschäfte als früher. Chinesisches Personal eröffnet der kaufwilligen Kundschaft die Möglichkeit, Schweizer Qualität in ihrer Muttersprache zu erstehen, sofern sie das Preisschild nicht sprachlos macht… Bis spät in die Nacht wimmelt es in den Juwelier-Geschäften von Kunden aus China. Nicht nur diejenigen die mit Reisegruppen unterwegs sind, sondern auch junge Individualreisende geben ihre Touristen-Dollars grosszügig für teure Andenken aus. Jedes Geschäft im Ort möchte sich ein Stück des Kuchens abschneiden, vom Schokoladen-Konfiseur über die Apotheke zum Maroni-Stand: alle werben in Chinesisch. Es ist schon so weit, dass einige Shops sogar anschreiben, dass ihr Personal auch Deutsch, die Sprache der Region, spricht.

 

Die Welt verändert sich schnell. Vor zwanzig Jahren durften Chinesen ohne Bewilligung nicht einmal ihren Wohnort verlassen, und heute reisen von keinem anderen Land so viele Menschen ins Ausland, wie von China. Für die rechtspopulistischen Parteien sind die Asiaten wohl die idealen Ausländer: sie kommen hierher um viel Geld auszugeben und reisen innerhalb von ein paar Tagen wieder ab. Wer aber von Ausländern profitieren will, muss auch bereit sein, Nachteile in Kauf zu nehmen. Seriöse Politik erfordert viel mehr Können, als bloss populistisches Gehabe.

 

Heissluftballon-Festival in Château-d’Œx

 

Die meisten Ausflüge brachten uns zu den umliegenden Bergen, Hügeln und Tälern. Für einen ganz speziellen Anlass fuhren wir jedoch etwas weiter, in die Französische Schweiz. Nach 15 Jahren besuchten wir noch einmal das Heissluft-Ballon Festival im verschneiten Château d’Oex.

Es ist besonders spektakulär zuzusehen, wie dutzende bunter Heissluft Ballons in einem Schneefeld aufgeblasen werden und abheben. Das Wetter war zwar traumhaft, der Wind aber sehr flau, weshalb die Ballons über dem Dorf und zwischen den umliegenden Bergen verweilten.

Insgesamt starten während des achttägigen Festivals, alljährlich etwa 100 Ballons aus ungefähr 15 Nationen. Die Höhepunkte im Wochenend-Programm bilden die zwei täglichen Massenstarts: einer für gewöhnliche, und einer für Figuren-Ballons. Schon die „normalen“ Heissluft Ballons begeistern mit ihren vielen Farben und Grössen, wenn sie sich fast gleichzeitig aufrichten und vom schneebedeckten Startfeld abheben.

 

Natürlich wollen die Sponsoren ihre Namen auf dem Ballon verewigt haben, doch dies ist für Zuschauer naturgemäss weniger interessant, als die oft ulkigen und sonderbaren Formen der Kategorie Spezialformen, von denen nur einer einen erkennbaren Sponsor hatte. Solche Ballons haben wir sonst noch nirgendwo gesehen und darunter waren ein riesiges fliegendes Schwein, ein Huhn, eine Ente, ein Löwe, eine Sonnenblume, gar ein Leuchtturm, ein übergrosser Kopf einer Cartoon-Figur und vieles witziges mehr. Es verlangt sicher sehr viel Können, solche Ballons zu nähen, die sich so stark von der üblichen Tropfenform unterscheiden und sie sind im Wind auch viel schwieriger zu manövrieren.

 

Kulinarischer Ausflug

 

Ein weiterer Ausflug ausserhalb des Berner Oberlandes brachte uns ins Emmental, dorthin wo der gleichnamige Käse herkommt. Käseliebhaber hören sicher gerne, dass „das Original“ einen viel kräftigeren Geschmack hat, als die vielen Kopien, die auf der ganzen Welt produziert werden.

 

Emmentaler Meringues sind eine weitere Spezialität dieser Region, aber diese sind wohl nur in der Schweiz „weltbekannt“. Wirklich weltbekannt, sind hingegen Kambly Biskuits, die weitherum exportiert werden. Der Fabrikladen in Trubschachen wurde zu einem echten Touristenmagnet. Er versteht sich gleichzeitig als „Probierstube“ und Infoquelle, mit gut gemachter, mehrsprachiger Multimedia Show, die beide überaus beliebt sind. Etwa 100 verschiedene Kekse, pikante wie auch süsse, dürfen gratis probiert, respektive verglichen, werden. Nur schade, dass die meisten so unwiderstehlich gut sind, dass viele der Versuchung nicht widerstehen können, mehr der handlichen 500 Gramm Pakete zu kaufen, als sie tragen können! Die Auswahl ist einfach unglaublich und es gab viele Biskuits, die wir vorher noch nirgendwo zu kaufen sahen.

 

Fast hätten wir vergessen zu erwähnen, weshalb wir das Emmental eigentlich besuchten: wegen der charaktervollen Bauernhäusern mit ihren typischen riesigen Dächern, die zerstreut auf grünen, bzw. momentan teilweise schneebedeckten, Hügeln stehen. Wunderschön!

 

Ansprechendes Berner Oberland

 

Wir haben Faulensee vor allem deshalb als Basis ausgewählt, weil die umliegenden Ortschaften, Täler und Seen von dort aus gut erreichbar sind. Ausser dem touristischen Interlaken, besuchten wir auch mehrmals das charmante Städtchen Thun. Andere Ausflüge führten uns nach Frutigen, wo der 35km lange Lötschberg Eisenbahn-Basistunnel endet. Von dort besuchten wir den malerischen Blausee, ein kristallklarer kleiner See, der im Winter gratis bewundert werden kann. Die Strasse endet in Kandersteg, von wo aus Autoreisezüge durch den 15km langen Lötschbergtunnel ins Wallis führen. Heute ist Kandersteg ein ruhiger, aber ansprechender Wintersportort, welcher momentan ganz frisch verschneit war.

 

Bekannter sind wohl Adelboden und Grindelwald, von denen uns letzteres viel besser gefiel. Beschaulich und sehr ansprechend empfanden wir das Dorf Lenk, wo wir Zeugen eines Lawinenniederganges wurden. Aus sicherer Entfernung sah es so aus, als ob ein weisser stiebender Wasserfall über die Felswand donnern würde, bevor er das Schneefeld darunter mit sich riss. Glücklicherweise kam niemand zu Schaden. Lawinen sind aber im ganzen Alpenraum eine ernstzunehmende Gefahr.

 

Mit etwas mehr Distanz zu den Bergen sieht man oft mehr von ihnen und so hat man z.B. von Guggisberg und vom Gurnigel (1‘600 m.ü.M.) eine phantastische Sicht auf verschiedene Seen und Berggipfel, darunter das berühmte Trio Eiger, Mönch und Jungfrau.

Begeistert waren wir auch vom Diemtigtal, wo wir nach der Fahrt durch das liebliche Tal mit dem Anblick bizarrer Berge belohnt wurden.

 

Der Winter dauerte hier nicht lange - es war einer der wärmsten nördlich der Alpen. Bereits im Februar blühten überall Frühlingsblumen und die Temperaturen stiegen auf angenehme 10-12°C. So reizte es uns, um den Thuner- und den Brienzersee zu fahren. Charmant war es vor allem entlang der Nordufer, mit engen Strassen und malerischen Dörfern, wie Sigriswil und Brienz. An den Südufern hingegen, dominierten, von Autostrassen-Tunnels durchzogene, Felswände.

 

Um die schöne Landschaft um Faulensee zu bewundern, machten wir oft lange Spaziergänge direkt von unserer Ferienwohnung aus. Zu Fuss erreichten wir nicht nur Spiez, sondern auch Aeschi, Aeschiried und Krattigen. Ab und zu wurden wir auch von Besuchern begleitet, die für ein Wochenende zu uns „in die Ferien“ kamen. Als erstes besuchten uns Edith und Kari, danach Annemarie und Beat und dann auch Petra und Otti. Es war sehr schön, mehr als nur ein paar Stunden mit Freunden verbringen zu dürfen, was wir vor allem mit Petra und Otti seit langem nicht mehr konnten.

 

Bern: die historische Hauptstadt

 

Während unserer letzten Woche im Berner Oberland, verbrachten wir einen Tag in der Hauptstadt Bern. Wir parkten unseren Wagen beim modernen Paul Klee Museum, das uns mit seiner faszinierenden Architektur begeisterte. Äusserlich sieht die Metallkonstruktion aus wie drei wellenförmige Gebäude, die durch verglaste Korridore verbunden sind. Nach hinten erscheint es, als ob die drei Gebäude in einem Feld versinken würden. Dort befindet sich der grasbedeckte hintere Teil der Kunstgalerie, welche die drei vorderen Trakte zu einem riesigen Komplex verbindet.

 

Vom Paul Klee Museum erreicht man in 20 Minuten zu Fuss eine von Berns bekanntesten Sehenswürdigkeiten: den Bärengraben. Dieser wurde inzwischen in einen etwas artengerechteren Bärenpark, entlang des Flusses Aare, umgebaut. Da die Bären gerade Winterschlaf hielten, verweilten wir nicht lange und gingen wir über die Brücke weiter zur Altstadt. Auf einem Hügel in einem Flussknie findet man reihenweise charmante alte Stadthäuser in einander ähnelnder Architektur. Viele stammen aus dem 15. und 16. Jh. und haben entlang der Strassen breite Arkaden, die in Bern „Laubengänge“ genannt werden.

 

Mitten im Kuchen befindet sich das Bundeshaus, der Sitz der Schweizer Regierung. In ganz Bern sieht man Botschaften und Fahrzeuge diplomatischer Vertretungen. Jetzt, kurz nachdem das Schweizervolk die von der rechtspopulistischen SVP vorgeschlagenen Einwanderungsbeschränkungen angenommen hat, waren die diplomatischen Aktivitäten rund um die Schweizer Hauptstadt sicherlich besonders intensiv. Einwanderungs-Beschränkungen verletzen nämlich die Bilateralen Verträge mit der Europäischen Union. Wir wissen nun nicht genau, ob wir uns für unsere Landsleute schämen, oder sie bloss bemitleiden sollen, dass sie sich von populistischen Argumenten hinters Licht führen liessen.

Die SVP schaffte es, dem Normalbürger einzureden, dass die sogenannte „Massen-Einwanderung“, vor allem aus Deutschland und Italien, zu hoher Arbeitslosigkeit, tiefen Löhnen, hohen Mietzinsen, ja sogar zu Verkehrsstaus und überfüllten Bahnen und Bussen geführt habe.

Nun gut, hohe Arbeitslosigkeit heisst in der Schweiz etwa 3,5%, eine der tiefsten Arbeitslosigkeitsraten weltweit! Im Jahr 2013 mussten die EU Länder mit Arbeitslosenzahlen zwischen 4,9 und 27,8% leben, was im EU Schnitt 12% ausmachte.

Auch bei den tiefen Löhnen, wird auf hohem Niveau gejammert. Die Saläre in der Schweiz gehören weltweit zu den höchsten und stiegen während der letzten 10 Jahre „nur“ doppelt so stark, wie in der EU!

Nur 10% der Schweizer verdienen weniger als CHF 4000 pro Monat (€ 3290)! In Tat und Wahrheit erlebte die Schweiz seit der Einführung der Bilateralen Verträge, welche das Freihandelsabkommen und die Personen-Freizügigkeit mit der EU beinhalten, ein erstaunliches wirtschaftliches Wachstum. Viele internationale Firmen zogen in die Schweiz, da sie hier nun genügend qualifiziertes Personal fanden  und zudem von einem sicheren Umfeld, tiefen Steuern und minimalem Streik-Risiko profitieren konnten.

 

Während das übrige Europa mit Rezession und Finanzkrise zu kämpfen hatte, stieg das Bruttosozialprodukt der Schweiz munter weiter und weiter.

Es stimmt; die Strassen sind verstopft. Wenn aber die Schweizer auf ihre guten alten Drahtesel zurückgreifen würden, könnten die Ausländer auf fast menschenleeren Strassen fahren, die es ohne Ausländer ohnehin nicht geben würde, da sich die meisten Schweizer für mühsame Drecksarbeit zu schade sind! Es stimmt auch, dass das Schweizer Verkehrsnetz, obwohl es zu den effizientesten und dichtesten der Welt gehört, während der Rush-hour hoffnungslos überlastet ist. Ohne die vielen ausländischen Angestellten, wie z.B. Busfahrer, stünde aber der öffentliche Verkehr still und auch die meisten Schweizer Spitäler und Pflegeheime könnten kaum mehr, als absolute Notfallbehandlungen anbieten. Zugegeben, ein paar Ausländer (wie auch einige waschechte Schweizer), missbrauchen das Sozialversicherungssystem. Im Allgemeinen zahlen aber Ausländer mehr ein, als sie beziehen!

 

Gut, wir können verstehen, dass jeder, der mit einer unangenehmen Situation umgehen muss, sei es Arbeitslosigkeit, Verkehrsstaus, überfüllte Verkehrsmittel, oder was auch immer, einen „angebotenen Sündenbock“ dankbar annimmt. Dies ist offensichtlich viel einfacher, als das eigene Gehirn einzuschalten und zu überlegen, was man selbst tun könnte, um eine unbefriedigende Situation zu verbessern.

Die populistische Werbemaschinerie hat ganz geschickt Angst und Furcht geschürt. Vor allem Regionen mit wenigen Ausländern stimmten für die Einwanderungsbeschränkungen. In Gebieten, in denen der Ausländeranteil hingegen bereits recht hoch ist, wurde der Vorschlag der rechtspopulistischen Partei hingegen abgelehnt, da man dort offensichtlich realisiert hat, dass Immigranten für die Gesellschaft auch ein Gewinn sind. Demokratie ist eigentlich eine grossartige Errungenschaft, sie hat aber auch ihre Grenzen, da viele Stimmbürger damit überfordert sind. Die Italiener wählen regelmässig für Berlusconi, die Niederländer für Wilders, die Türken für Erdogan, die Ägypter für die Moslembrüder und die Schweizer entschieden sich in einer Volksabstimmung dafür, den Ast abzusägen, auf dem sie sich’s bequem gemacht haben.
Die Personenfreizügigkeit ist nur ein Paragraph der Bilaterale Verträge zwischen der Schweiz und der EU und diese sind nun gefährdet. Demokratie kann nur mit reifen Wählern gut funktionieren und diese sind auch in Ländern mit langer demokratischer Tradition nur dünn gesät. Deshalb sollte der Westen nicht davon ausgehen, dass Demokratie für alle das beste System ist und deshalb überallhin exportiert werden muss. Vernünftige Diktatoren können ihre Länder weiterbringen, als unvernünftige, manipulierte Wähler!

 

Hoffentlich hat das Schweizer Votum gegen die „Masseneinwanderung“ im Rest Europas die Alarmglocken läuten lassen und gezeigt, dass es notwendig ist, zusammenzustehen und sicherzustellen, dass populistische Argumente nie mehr die Oberhand gewinnen. Wir sollten nie vergessen: sogar Hitler kam durch eine Volkswahl an die Macht!

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Deutschland: ein früher Frühling am Bodensee

Nach sechs Wochen am Thunersee wechselten wir das Seeufer und verliessen Faulensee am 23. Februar 2014 Richtung Bodensee. Wir hatten uns für das Deutsche Ufer entschieden und bezogen eine hübsche Ferienwohnung in Immenstaad, auf halbem Weg zwischen den Touristenhochburgen Friedrichshafen und Meersburg. Wir wohnten auf dem Apfelhof, einem unter vielen Bauernhöfen der Region, die vom Obstanbau leben. Im obersten Stockwerk des Hauses der Besitzerfamilie erhielten wir eine moderne, gut ausgestattete Ferienwohnung, von der wir eine tolle Aussicht über den See zu den Schweizer Alpen geniessen konnten.

 

Die Lage war perfekt; hinter dem Haus befand sich eine Bäckerei und nicht viel weiter, begannen schon die Obstplantagen. Vor dem Haus befand sich das schmucke Dorf Immenstaad, dessen Ortskern man in nur fünf Minuten zu Fuss erreicht und nach weiteren fünf Minuten steht man bereits am Ufer des Bodensees.

 

Obwohl es theoretisch noch Winter war, hatte es oft Temperaturen um die 15°C und dank dem vielen Sonnenschein, bekam man das Gefühl, der Frühling sei schon eingezogen. Die Schneeglöckchen waren bereits verwelkt, dafür sprossen überall Narzissen und sogar Tulpen in den vielen Gärten.

 

Wir wissen, wie scharf die Deutschen auf Eis sind und dass einige Eisdielen sogar ganzjährig geöffnet sind. Bei diesem frühlingshaften Wetter kamen aber schon jetzt wöchentlich weitere dazu. Da wir Besuch von Glacé-Liebhabern erwarteten, fühlten wir uns natürlich verpflichtet, die beste „Gelateria“ der Region ausfindig zu machen. Egal für wie gut wir eine Eisdiele befunden hatten, wir mussten immer noch weitersuchen, um sicherzustellen, dass es nicht doch eine noch bessere gibt…. Heinz stellte mit Freuden fest, dass eine normale Portion in unserer (bald Lieblings-) Eisdiele in Immenstaad, bereits fünf Kugeln umfasste.

An einem Wochenende besuchten uns dann Beat (ein süchtiger Eiscreme Fanatiker), zusammen mit Annemarie und Echo (einer weiteren Eis- Liebhaberin). Alle drei schätzten unsere harte Arbeit des Vorevaluierens Italienischer Eisspezialitäten, wohingegen wir in den Augen von Andrea und Peter, die uns als nächstes besuchten, total versagt haben müssen. Die beiden standen nämlich eher auf Kuchen und wir konnten ihnen kein einziges Kaffeehaus empfehlen, sondern bloss Eisdielen, die halbherzig noch einige Backwaren verkaufen. Dafür hatten Andrea & Peter vier Tage Zeit und so konnten wir mal wieder so richtig ausführlich von unseren jeweiligen Globetrotter-Erfahrungen schwärmen.

 

Meersburg: malerischer Ort mit tollem Thermalbad

 

Nicht nur wegen süsser Leckereien brachten wir all unsere Freunde nach Meersburg, sondern weil Meersburg selbst ein süsses Städtchen ist. Der hübsche Hafenort mit seinen vielen Riegelhäusern in der Altstadt, schmiegt sich malerisch an einen Hang. Mehrere stattliche Gebäude, wie das alte und das neue Meersburger Schloss, thronen über dem Dorf und dem See. Die Gassen waren im Moment fasnächtlich geschmückt, teilweise mit bunten Stoffbändern, teilweise mit Krawatten, die zwischen den Häusern hingen.

 

Wir bedauerten es etwas, dass wir die Therme Meersburg nicht früher besucht hatten, da wir auf den ausgeschriebenen FKK-Abend warteten, welcher alle zwei Wochen stattfindet. An diesen Abenden können auch die grossen Thermalbäder im Naturkleid besucht werden, wogegen sich der FKK-Bereich an allen anderen Tagen auf die Saunalandschaft beschränkt. Nachdem uns aber die Grösse und Raffinesse des Saunabereiches bewusst wurden, merkten wir, dass wir schon dort allein locker fünf Stunden verbringen könnten. Zum Glück gibt es hier auch ein kleines Restaurant, wo man sich verpflegen kann. Wenn man ins grosse Bad, oder ins grosse Restaurant möchte, muss man allerdings, ausser an FKK Tagen, Badekleidung tragen. Aber bereits in der Saunalandschaft findet man mehrere kleinere Schwimmbecken und zusätzlich befindet sich im Nacktbereich ein direkter Zugang zum Bodensee, ideal für ein kühlendes Bad nach der Sauna.

   

Die meisten der sieben Saunen und Dampfbäder sind nicht nur gross, sondern riesig und bieten Platz für bis zu 60 begeisterte Schwitzer. Besonders hübsch sind die Saunahütten im Aussenbereich, oberhalb des Sees, welche einem Pfahlbauerndorf nachempfunden sind. Die regelmässig angesagten Aufgüsse waren sehr beliebt. In der Therme Meersburg gibt es nicht nur die gewöhnlichen Aufgüsse, sondern ein vielfältiges Aufguss-Menü, das jeweils an der Eingangstür zur Saunakabine angeschlagen ist. Wir durften einen „Eis-, Salz-“, sowie einen „Klang-Aufguss“ miterleben. Das Ambiente der Therme gefiel uns so gut, dass wir nach ein paar Tagen gleich nochmals zurückkehrten.

 

Ravensburg und andere lohnenswerte Ausflüge

 

Ein weiteres wunderschönes Städtchen, das wir mehrmals besuchten, war Ravensburg, etwa 40km von unserer Immenstaader Ferienwohnung entfernt. Der Ort besticht mit über einem Dutzend Stadttoren und Türmen und einer grossen Fussgängerzone. In der belebten Altstadt findet man recht viele, attraktive, historische Gebäude und natürlich auch viele Geschäfte und Lokale. Teile der alten Stadtmauer sind noch immer intakt und wer den Burghügel besteigt, wird mit einer tollen Aussicht belohnt.

 

Ein weiterer Ausflug führte uns ins Hinterland des Bodensees. Durch die Hügel bei Salem fuhren wir zum ansprechenden Städtchen Saulgau mit seinen Fachwerkhäusern.

 

Weitere adrette Fachwerkhäuser sahen wir im Allgäu, wo wir die pittoresken Orte Wangen, Kempten und Immenstadt, den Namensvetter unseres Immenstaads, besuchten.

An den meisten Tagen bewegten wir aber unser Auto nicht, sondern machten Spaziergänge zu den Obstplantagen in unserer nächsten Umgebung, entlang des Bodensees, oder vorbei am Weiler Kippenhausen zum roten Türmchen, das über einem Rebberg thront.

 

Am 19. März 2014 packten wir unsere sieben Sachen bereits wieder und fuhren zurück in die Schweiz, wo wir ein weiteres Mal bei Edith & Kari, Heinz‘ Schwester und Schwager mitwohnen durften. Wir nutzten die Zeit um einige weitere Freunde und Verwandte zu besuchen und einige Dinge zu organisieren, bevor wir wieder auf Reisen gingen.

 

Schlussgedanken zu unserem Aufenthalt in der Schweiz und Deutschland.

 

Ein weiteres Mal verbrachten wir den Winter in einer Gegend, welche ganz und gar nicht für ihr mildes Klima bekannt ist, und ein weiteres Mal waren uns die Wettergötter so gut gesonnen, wie sie es überhaupt sein können. Wiederum erlebten wir einen Schweizer Winter mit viel Sonne und milden Temperaturen und dies, obwohl wir uns nicht einmal in die sonnigsten Ecken des Landes zurückzogen. Um in den Schnee zu kommen, mussten wir meist in höhere Gefilde wandern oder fahren. Mit dem Bündner Surselva Tal, dem Tessin, dem Berner Oberland und schlussendlich dem Bodenseegebiet in Deutschland, erlebten wir wiederum Regionen, die wir bisher nicht gar so gut kannten.

Wir wählten diese Regionen aus, um die Seele baumeln zu lassen und uns dabei Gedanken zu unserer Zukunft zu machen. Da aber all diese Gegenden so ausserordentlich schön waren, konnten wir nicht anders, als immer auszuschwärmen wenn die Sonne schien, und sie schien oft!

Wiederum genossen wir ausgiebig Schweizer Spezialitäten wie Käse, Wurst, Schokolade oder Joghurt - und andere Delikatessen, mit denen wir unsere Gaumen schon länger nicht mehr verwöhnen konnten…

 

Natürlich ist es ein grosses Glück, dass wir realisiert haben, wie weit unser Erspartes reicht, wenn wir auf die sogenannte Sicherheit  verzichten. Mit so viel Zeit können wir regelmässig Dinge sehen und erleben, die denjenigen verborgen bleiben, die gestresst im hektischen Arbeitsalltag auf der Karriereleiter dem Geld nachrennen.

 

Auf der einen Seite ist es für uns sehr einfach geworden, in jedem der besuchten Orte, auch in unserem Heimatland, die besten Seiten zu sehen. Auf der anderen Seite erlaubt uns aber das Privileg, sehr viel Zeit zu haben, hinter die Fassade der „Vorzeigewelt“ zu sehen, welche einem die Tourismusindustrie vorgaukeln möchte. So realisieren wir vieles, das den gestressten Stadtmenschen auf ihrem zweiwöchigen Urlaubstrip verborgen bleibt.

 

Wir sind dankbar, wenn wir die Welt noch einige weitere Jahre mit „mehr Zeit als Geld“ entdecken dürfen. Dieses Privileg ermöglicht uns, Dinge zu erfassen und zu verstehen, die andere gar nicht bemerken - seien sie positiv oder negativ - als weiteren Bonus zu unserem reichhaltigen Schatz aus Erfahrungen und Erlebnissen.

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Frankreich: Kleiderlos und sorglos

Am 4. April 2014 verliessen wir die Schweiz wieder Richtung Frankreich. Da uns der Winter in der Schweiz und Deutschland viele Erlebnisse und viel Sonnenschein beschert hatte, brauchten wir immer noch etwas Zeit in der Ideenschmiede über unsere weiteren Reisepläne nachzudenken. Nachdem wir das Privileg, schon 15 Jahre ein Dasein als Weltenbummler, statt als Gehaltsempfänger zu geniessen, ausgelebt hatten, sieht es nun ganz unerwartet danach aus, als ob die Party noch so lange weitergehen könnte, wie wir möchten. Eigentlich haben wir uns darauf eingestellt, dass unsere Mittel nach 12 Jahren zur Neige gehen würden. Offensichtlich wurden wir dafür belohnt, dass wir das Sicherheitsdenken abgelegt haben, und so konnten wir alle Orte bereisen, welche uns wichtig waren. Nun haben wir das Privileg darüber nachdenken zu können, wie wir die zweite Hälfte unseres Globetrotterlebens in Freiheit gestalten sollen.

Nackt wie Adam und Eva, die Sonne und eine Brise auf der Haut zu spüren, ist immer eine gute Basis um unsere Wünsche offenzulegen, darüber nachzudenken und zu diskutieren und schlussendlich eine Entscheidung zu treffen. Deshalb entschieden wir uns, einen weiteren Sommer auf Französischen FKK-Geländen zu verbringen und deshalb wählten wir vor allem Feriendörfer aus, die wir schon ziemlich gut kennen.

 

Von Beaune zu den Cévennen: überall Frühling

 

Über das Juragebirge beidseits der Grenze, fuhren wir bei schönstem Sonnenschein von der Schweiz nach Beaune, unserer ersten Destination in Frankreich. Brigitte erfreute sich besonders an den vielen Frühlingsblumen entlang unseres Weges und natürlich auch, dass wir wieder im Restaurant Fleury, einem ihrer absoluten Lieblingslokale, dinierten.

 

Am nächsten Tag, dem 5. April, fuhren wir auf einer schmalen Strasse entlang des Canal du Centre südwärts. Nach einem Mittagessen in Charolles, umfuhren wir Roanne bevor wir auf die D8 kamen. Abends suchten wir uns in Montbrison ein Zimmer. Das Städtchen gefiel uns recht gut und wir hatten Glück mit dem Hotel und ebenfalls mit dem Lokal, das wir fürs Abendessen wählten.

Der Weg führte uns am dritten Tag zuerst über Hügel und dann über Passstrassen, die uns auf 1‘200 M.ü.M. brachten. Da oben wehte jeweils eine kühle Brise und man spürte nichts von den sonst sehr milden Frühlingstemperaturen. Es hatte auch noch keine Blätter in den Bäumen. Dafür war die Luft sehr klar und bot uns auf jeder Anhöhe beste Fernsicht. Zur Mittagszeit erreichten wir das hübsche Pilgerstädtchen Le-Puy-en-Velay. Auf drei markanten Felsnadeln thront je ein mächtiges, religiöses Symbol. Wir erreichten den Ort gerade als eine Prozession mit singenden Gläubigen durch die Altstadt zu einer Kirche hinaufzog.

 

Unsere Weiterfahrt südwärts belohnte uns mit einer spektakulären Hügellandschaft, in welche der Stausee Lac de Villefort eingebettet liegt. Nicht viel weiter, stoppten wir bei einem Belvedère, von dem sich eine sagenhafte Aussicht in die tiefe Chassezac Schlucht öffnete. Nun war es nur noch eine kurze Fahrt nach Les Vans, am östlichen Rand der Cevénnen-Hügel. Wir übernachteten dort und liessen uns wieder einmal in der „Auberge des Enclos“ in St.-Paul-le-Jeune kulinarisch verwöhnen.

 

Domaine de la Sablière: ein warmer Saisonstart 

 

Obwohl es erst der 7. April 2014 war, erreichten die Temperaturen bereits erstaunliche 25°C. So lag es nun auf der Hand, ein weiteres Mal die Domaine de la Sablière zu besuchen. Da erst vor 10 Tagen Saisoneröffnung war, waren grosse Teile der Ferienanlage noch nicht für Gäste bereit. Deshalb erhielten wir ausnahmsweise ein Mobilheim im oberen Teil des Campingplatzes und nicht unten beim Fluss und beim Supermarkt, wie wir dies erhofft hatten. Kein Problem, wir gehen gerne und unsere Schuhe sind sich eh gewohnt, uns jede Woche mehrere dutzend Kilometer weit zu tragen.

 

Das gut ausgestattete Resort ist in die bewaldeten Hügel des Cèze Tales eingebettet, das dank einiger markanter Felsformationen entlang des Flusses, einen ganz speziellen Charakter hat. Es gibt sowohl viele sonnige, als auch schattige Stellplätze. Wegen Sablières steiler Hanglage, welche die Geländeleitung versucht so natürlich wie möglich zu erhalten, ist das Wegenetz da und dort etwas rustikal. Aus Anlass des 40-jährigen Bestehens des Sablières, war man nun überall dran, alles aufzufrischen und zu verbessern. Eines der Schwimmbäder hatte bereits ein neues und grösseres Dach erhalten, Strassen und Fusswege wurden renoviert und verbreitert. Sowohl bei den Schwimmbädern, als auch bei den fast 200 Mietunterkünften, wurden hunderte von Liegestühlen ersetzt. Zum mieten stehen Chalets, Mobilheime und fest installierte Zelte in vielen verschiedenen Standards zur Verfügung und ständig kommen neue dazu. Die bestehenden werden regelmässig saniert und auch die Matrazen ausgewechselt.

 

Wettermässig erwischten wir wohl eine perfekte Hochsommerwoche, auch wenn es erst anfangs April war. Ausserhalb vom Sablière hat die Touristen-Saison aber noch überhaupt nicht begonnen und so blieben viele Restaurants und Geschäfte noch mindestens bis Ostern geschlossen. Glücklicherweise bot der Supermarkt auf dem FKK-Gelände schon ein gutes Angebot, darunter frischer Fisch, Fleisch, Früchte, Gemüse und Brot. Die freundliche Filialleiterin, die von La Grande Cosse zurück kam, leistet hier gute Arbeit.

Auch das Menü in Sablières Restaurant, bot schon eine gute Auswahl. Da alles sorgfältig, auf französische Art, zubereitet wird und das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt, erfreute es sich grosser Beliebtheit.

Wir genossen hier eine sehr entspannende Woche, ein perfekter Start zu unserem FKK Sommer. Während unserer Spaziergänge durch Sablières bewaldetes Gebiet hinunter zum Flüsschen, konnte unsere Haut schon recht gut vorbräunen.

 

Gorge de Tarn: Fahrt entlang spektakulärer Felswände

 

Am 14. April verliessen wir das Sablière in Richtung La Grande Cosse am Mittelmeer, welches theoretisch bloss etwa drei Autostunden entfernt wäre. Als echte „roving spirits“ studierten wir die Strassenkarte jedoch sorgfältig und fanden mehrere verlockende Umwege, teilweise mit bekannten Sehenswürdigkeiten. So entschieden wir uns, den Weg an die Küste auf drei Tage aufzuteilen. Als erstes nahmen wir den Weg zurück in die Hügel der Cevennen. Danach fuhren wir auf, für uns unbekannten, Strassen westwärts Richtung Tarn Schlucht. Überraschenderweise brachte uns der Umweg in die Nähe der Quelle bei Le Pont de Montvert. Schon wieder war es ein klarer Tag mit stahlblauem Himmel und so lohnte sich unsere Fahrt entlang der Tarn bereits bevor wir die spektakulärsten Abschnitte, zwischen St. Enimie und Le Rozier, erreichten.

 

Wir sind schon zweimal, jeweils im Herbst, durch die Tarn Schlucht gekommen. Jetzt aber, bei bilderbuchhaftem Frühlingswetter und mit den ersten spriessenden Blättern, war sie noch atemberaubender. Kilometerweit fuhren wir zwischen steil abfallenden Felswänden, teilweise mit bizarren Felsvorsprüngen, oder Felsnadeln. Ab und zu schmiegte sich ein kleiner Weiler aus alten Steinhäusern ans Flussufer. Einige konnten nur mit kleinen, privaten Seilbahnen erreicht werden, oder dann natürlich mit Booten. Im Hochsommer ist hier Kanufahren der grosse Hit und man könnte wohl mit Kanu-hüpfen von einem Ufer ans andere gelangen.

Wir stoppten fast nach jeder  Kurve. Es ist einfach super, so viel Zeit zu haben. Wir erreichten Le Rozier immer noch im besten Licht und da sich die Landschaft nun langsam ausflachte, suchten wir hier nach einer Möglichkeit zum übernachten. Wir schauten uns um und stiegen zum Dörfchen Peyreleau hinauf, welches über Le Rozier thront. Von dort genossen wir die tolle Aussicht und es fiel uns auf, dass hier noch eine weitere schöne Schlucht endet. Glücklicherweise bot unsere gewählte Unterkunft, das Hotel Doussière, auch gleich das beste Lokal im Ort. Das Restaurant Alicanta war der perfekte Ort, einen so tollen Tag ausklingen zu lassen.

 

Von tiefen Schluchten zu hohen Bergen: oder von Höhepunkt zu Höhepunkt

 

Da wir noch nicht genug von Schluchten hatten, entschieden wir uns am nächsten Tag, durch die Gorge de la Jonté weiterzufahren. Sie war fast genauso spektakulär wie die Tarnschlucht, aber bei weitem nicht so touristisch. Nachdem wir Meyrueis hinter uns gelassen hatten, kamen wir über zwei kleine Gebirgspässe und entschieden spontan, zum, auf 1‘600 Meter gelegenen, Wetterobservatorium auf dem Mont Aigoual zu fahren. Bei wiederum sehr klarem Wetter, genossen wir ein phänomenales 360°C Panorama; von den schneebedeckten Alpen bis hinunter ans Mittelmeer.

 

Es gab immer noch weitere Höhepunkte die auf uns warteten. Südlich von Le Vigan standen wir hoch über dem Cirque de Navacelles, dem südlichen Canyonrand der Gorge de la Vis. Der Ausblick von den Aussichtspunkten über die tief ausgewaschene Schlucht, mit ihren vielen Flussknien, war einfach atemberaubend, genauso wie die Fahrt über die Haarnadelkurven vom einen Canyonrand hinunter zum Fluss und auf der andern Seite wieder hoch. Wir wissen nicht seit wie lange der Fluss Vis so zahm ist, wie wir ihn an diesem warmen Frühlingstag sahen. Jedenfalls haben ein paar unerschrockene Menschen fast ganz unten im Talboden die Siedlung Navacelles gebaut. Wir verzichteten darauf, dort zu übernachten, sondern fuhren weiter bis nach Villeneuvette, wo wir ein Zimmer im Hotel La Source reserviert hatten. Das dazugehörende Gourmet-Restaurant hatten wir vor zwei Jahren entdeckt, als wir zum Nacktwandern in der Domaine Lambeyran waren, die aber bis Mai noch geschlossen war.

 

Für den Rest unseres Weges zu La Grande Cosse machten wir genau dasselbe, wie die meisten andern: wir nahmen die Autobahn und erreichten das Mittelmeer innerhalb einer Stunde.

 

La Grande Cosse: ein wahres Natur- und Naturisten Reservat

 

Je näher wir La Grande Cosse kamen, umso mehr hatten wir das Gefühl, als ob wir durch einen Afrikanischen Nationalpark fahren würden. Die Tiere fehlten zwar, aber dieses Naturistenreservat liegt tatsächlich inmitten eines Naturreservates. Von der Nähe zu den Grossstädten Béziers und Narbonne kriegt man hier überhaupt nichts mit.

Da es erst der 16. April 2014 war, hatten wir es nicht für notwendig befunden, zu reservieren und dies war sicherlich kein Nachteil. Obwohl viele Mobilheime noch nicht zum Vermieten bereit waren, fragten wir scheu und ohne grosse Erwartungen, ob eines in der vordersten Reihe frei wäre. Zu unserer grossen Überraschung war dies möglich und so genossen wir die freie Sicht auf das Naturreservat, das zwischen La Grande Cosse und dem Strand liegt. Unser Mobilheim war sehr gut ausgestattet, viel besser, als in vielen anderen FKK Geländen. Bloss die Matratze war eher eine Badewanne.

 

Genauso wie bei unserem ersten Aufenthalt in La Grande Cosse vor zwei Jahren, waren viele Angestellte mit der Pflege der Gärten beschäftigt und Blumenrabatten blühten schon im ganzen Gelände. Es gibt hier etwa 150 Miet-Mobilheime, einige Mietzelte, etwa 250 Stellplätze, sowie Platz für ca. 100 Dauermieter, von denen die meisten Franzosen sind.

Als wir mitte April in La Grande Cosse eintrafen, ging es noch nicht so lebhaft zu, wie vorher im Sablière. Es hat uns ziemlich überrascht, dass sich hier sowohl die Mobilheime, als auch die Stellplätze erst kurz nach und nicht vor Ostern füllten. Zuerst kamen vor allem Rentner, aber mit Beginn der niederländischen Frühlingsferien zu Ehren des Königshauses, trafen urplötzlich viele Familien mit Kindern hier ein.

 

Reise- und Zugvögel

 

Während unseres Aufenthaltes gab es zwar kostenlosen WLAN-Zugang, doch dieser beschränkte sich auf die Bar. Man war zudem (wieder einmal) daran, ein kostenpflichtiges WLAN-System für den gesamten Campingplatz aufzubauen. Da wir ja wieder ein paar Monate in Frankreich verbrachten, lohnte es sich für aber uns nach einer unabhängigen Lösung zu suchen und in ein mobiles 3G Internet-Device zu investieren. Dies gab uns Flexibilität, wenn der angebotene Anschluss entweder nervig langsam, oder nur zu beschränkten Zeiten an der Rezeption, bzw. im Freien, zur Verfügung stand. Da wir dauernd unterwegs sind, erwies sich für uns die 3G-Verbindung mit Orange als eine zuverlässige und befriedigende Lösung.

 

Das Internet verbindet Menschen und obwohl wir überhaupt keine „virtuellen Internet-Freunde“ sammeln, haben wir durch unseren „Footprint“ im Netz auch schon Bekanntschaften mit echten Menschen gemacht. Unerwartet erschien ein Paar auf unserer Terrasse in La Grande Cosse. Wir kannten die beiden nicht, doch von dem was sie erzählten, erhielten wir den Eindruck, dass sie viel von uns wussten. Nach unserem Aufenthalt in Australien sind sie wohl unseren Fussstapfen gefolgt. Sie hatten unsere Homepage gefunden und nachdem sie in unseren Reiseberichten geschmökert hatten, besuchten auch sie einige der erwähnten Plätze, darunter Sunseekers, ein FKK Verein bei Perth. Sehr schnell entdeckten wir viele Gemeinsamkeiten mit Gudrun & Uli und wir redeten für Stunden. Es ist selten, dass wir andere weltreisende Naturisten treffen. Die meisten sind entweder Naturisten ODER Globetrotter. So diskutierten wir danach noch ein paarmal bis tief in die Nächte über Gott und die Welt, die es zu verbessern gilt!

 

Nur zwei Tage nach ihrer Abreise kriegten wir nochmals Überraschungsbesuch. Diesmal waren es Sonia & Toni, ein Französisches Paar, das wir vom Sablière her kennen. Wiederum gab es viel zu erzählen, da wir die beiden zwei Jahre nicht gesehen hatten und auch sie oft auf reisen waren. Die ruhige Familie im Mobilheim nebenan, wunderte sich vermutlich, woher wir all die Leute kennen, mit denen wir nächtelang diskutieren.

 

Der Saisonanfang in La Grande Cosse, hat Vor- und Nachteile. Auf der einen Seite fühlte sich der stete Wind, den milden Frühlingstemperaturen zum Trotz, oft noch etwas kühl an. Deshalb mussten wir oft windgeschützte Ecken aufsuchen, egal ob um unser Mobilheim, beim Schwimmbad oder am Strand. Auf der anderen Seite kamen aber die Olivenbäume gerade in Blust und Flamingos bevölkerten noch die umliegenden Salzwassertümpel. Wir brauchten bloss etwas überzuziehen und ein paar hundert Meter zu gehen, bis wir das Zoom-Objektiv auf diese eleganten Vögel richten konnten. Manchmal sah man eine kleine Gruppe mit verrenkten Hälsen und dem Kopf unter einem Flügel versteckt, schlafend im Wasser stehen. Es erstaunt, wie Flamingos dem ab und zu sehr starken Wind trotzen können, wenn man bedenkt, dass sie oft nur auf einem ihrer dünnen Beine stehen. Ab und zu konnte man ein Dutzend, oder auch zwei, dieser faszinierenden Vögel beobachten, wie sie auf Futtersuche durchs Wasser waten. Wenn wir Glück hatten, flogen sie sogar über uns hinweg. Vielleicht ist es das reichhaltige Vogelleben, das La Grande Cosse dazu veranlasst, Naturisten einfach als weitere Vogelart im Observatorium zu betrachten. Weshalb sonst würden sie es wohl wagen, alle ihre  Urlauber mit nicht-abnehmbaren Armbändern zu beringen? - ausser man greift zur Schere!

 

Eine grossartige Beach und andere lohnenswerte Sehenswürdigkeiten

 

Ein weiterer Höhepunkt unseres Aufenthaltes in La Grande Cosse, war jeweils der Spaziergang zum Strand. Glücklicherweise gehört derjenige Teil des Naturreservates Parc naturel Narbonnaise, welches wir für 500 Meter durchqueren mussten, zum naturistenfreundlichen Gebiet. Es handelt sich um unberührtes Marschland, das in jeder Jahreszeit einen anderen Charakter hat. Obwohl der Frühling extrem trocken war, war der Wasserstand in den Salzwassertümpeln und Binnenseen relativ hoch. Ein kleiner Fussweg führt an mehreren Teichen vorbei und überquert auch zwei Gewässer über Brücken. Es ist alles extrem fotogen, nicht bloss entlang des grössten Gewässers, dem „étang de pissevaches“. Vielleicht weisst du, was dies heisst. Wir können dir aber versichern, dass es nicht danach riecht.

 

Auch der Strand, den man nach der Überquerung einer kleinen, bewachsenen Sanddüne erreicht, ist nur Natur pur. Man findet dort bloss etwas Schwemmholz und Sonnenanbeter im Naturkleid - wiederum alles Natur pur. Offiziell ist der FKK Strand etwa zwei Kilometer lang, doch zumindest in der Nebensaison findet man fast auf dem gesamten 6km langen Abschnitt zwischen den Ferienorten Cabanes de Fleury und St. Pierre-la-mer fast ausschliesslich Naturisten.

 

Da wir uns inmitten einer wunderschönen Oase fühlten, verspürten wir kaum Lust auszufahren. Ausser zum Einkaufen, denn das Lebensmittelgeschäft in La Grande Cosse hatte in der Nebensaison nur wenige Frischprodukte und Büchsen-Nahrung ist nicht ganz unser Ding.

Obwohl es viele Sightseeing-Möglichkeiten gibt, machten wir nur einen richtigen Ausflug. Etwas südwestlich stoppten wir bei den neuen Feriensiedlungen um den Hafen bei Gruissan. Es war das Wochenende des ersten Mai, dem sogenannten Tag der Arbeit; der Tag an dem kaum ein Arbeiter arbeitet! Eher besuchten sie die Strassencafés, Eisdielen und Souvenirshops, während dem ihre Vorgesetzten mit ihren grossen Jachten ausfuhren.

Direkt neben diesem hektischen Treiben liegt, beinahe unbeachtet, die historische Altstadt von Gruissan, über der eine Burgruine thront. Nur etwas weiter erreichten wir die bunten Salzpfannen von „île St. Martin“. Über eine schmale Brücke, die eigentlich nur ein Brett war, gelangten wir auf einen Weg entlang der partitionierten Felder und bewunderten deren verschiedene Rosa- und Weisstöne. Ein anderes Paar folgte uns begeistert. Nach einer Weile erreichten wir ein Gebäude, das aussah wie eine Salzverarbeitungsanlage und dort hatte es auch andere Touristen. Eine freundliche Dame kam auf uns zu, bloss um uns zu informieren, dass wir uns auf verbotenem Grund befanden. Besucher sind nur im Museum mit dem angeschlossenen Souvenir Shop und dem Restaurant des Salzwerks erwünscht. Dort wo man aber „nur gucken - nichts kaufen“ kann, ist man unerwünscht - auch wenn ein Holzbrett dort hinführt…

 

Zurück in La Grande Cosse realisierten wir nun erst richtig, dass der Wind hier deutlich schwächer weht, als bloss 20km nördlich oder südlich. Offensichtlich hatten wir einen der besseren Orte gefunden, um am Mittelmeer das Strandleben zu geniessen. Wir mochten die natürliche Atmosphäre sehr und das ungewöhnlich warme Frühlingswetter hat unseren Aufenthalt noch angenehmer gemacht. Ausser an ein paar Tagen um Ostern, hatten wir viel gutes Wetter. Wir verbrachten vier genussreiche Wochen an der Sonne und machten dabei immer wieder ausgiebige Spaziergänge, sei es am Strand, im grossen Gelände, oder in seiner Umgebung. Wir schätzten den Komfort von La Grande Cosse, aber noch fast mehr seine Lage inmitten unberührter Natur - ein perfekter Ort für Naturisten.

 

Von Küste zu Küste: der Weg ist das Ziel

 

Am 12. Mai 2014 verliessen wir das Mittelmeer und fuhren langsam, aber sicher, Richtung Atlantik. Nachdem wir durch das malerische befestigte Städtchen Carcassonne gefahren waren, stoppten wir in den Dörfern Revel und Gaillac, die beide ebenfalls sehr ansprechend sind. In jedem gibt es einen beeindruckenden Hauptplatz mit gedecktem Markt. Die Häuser um den Platz haben grosszügige, von dicken Balken gestützte, Arkaden. In Revel sind sie vor jedem Shop in einer anderen Farbe gestrichen.

Die Landschaft war geprägt von grünen Hügeln und nachdem wir an Cordes-sur-ciel vorbeigefahren waren, erreichten wir Villefranche-de-Rouergue. Als wir hier ein Hotelzimmer gefunden hatten, erkundeten wir die historische Altstadt mit ihren vielen engen Gassen. Sogar der Hauptplatz war eng, oder vielleicht erschien er auch nur so, wegen der mächtigen Kirche.

 

Der nächste Tag bot wiederum viele Höhepunkte. Zuerst fuhren wir entlang des Flusses Lot und besuchten das malerisch darüberliegende Dorf Calvignac. Etwas weiter nahmen wir die Abzweigung nach St. Cirq-Lapopie, welches sich an eine Felswand schmiegt. Der einsamen Zufahrtsstrasse zum Trotz, waren wir hier plötzlich von anderen Touristen umgeben. Einige kamen sogar mit Bustouren. Zur Abwechslung mussten wir hier fürs parken bezahlen, was ausserhalb der Französischen Städte eher eine Ausnahme ist. Nun waren wir halt bei einer Hauptattraktion angekommen - „un des aller-plus beaux villages de France“.

Nachdem wir uns sattgesehen hatten, fuhren wir weiter ins nahe Cahors. In der befestigten Altstadt gibt es ein paar extrem enge Gassen. Viele der mittelalterlichen Häuser bräuchten mehr als nur eine Pinselrenovation. Zum Glück wurde die Brücke auf der anderen Stadtseite, bereits einer Renovation unterzogen. Pont Valentré war früher Teil der Stadtmauer und hat deshalb drei Wachtürme die aus dem Fluss Lot aufragen. So schön sie auch aussehen, man kriegt sie kaum alle drei auf ein einziges Foto.

 

Nun mussten wir uns Gedanken machen, wo wir die Nacht verbringen wollten. Heinz’ Idee gewann und so endeten wir in La Roque Gageac, welches wir recht gut kennen. Die Verbreiterung und Verschönerung der dortigen Hauptstrasse war fast abgeschlossen und so schlenderten wir auf dem neuen Gehsteig von unserem Hotel zu einem Restaurant, von dem wir wussten, dass es uns nicht enttäuschen würde.

 

Der nächste Tag war noch reicher an Höhepunkten! Während wir über die Hügel des Departementes Dordogne westwärts fuhren, profitierten wir davon, dass wir genügend Zeit hatten. Wir besuchten viele der malerischen Dörfchen entlang unseres Weges; wir umfuhren diejenigen, die wir bereits sehr gut kannten, und stoppten bei denjenigen, die wir kaum kannten. So besuchten wir Cadouin, wo gerade ein (Touristen-) Markt abgehalten wurde, sowie Beaumont-du-Perigord, wo aus Holz und Stoff gemachte Esel, das Emblem Kataloniens, ausgestellt waren. Anschliessend kamen wir durch Issigeac, wo wir ein (Bretonisches) Crêpe genossen und schlussendlich durch Eymet. Hier gefielen uns besonders der Marktplatz und das alte Schloss.

 

Düne von Pilat: rundum fotogen

 

Nun umfuhren wir Bordeaux auf relativ schnellen Nebenstrassen und erreichten so gegen 18:00h Arcachon an der Atlantikküste. Nachdem wir uns in das sehr moderne B&B Hotel eingecheckt hatten, schwärmten wir wieder aus, um die berühmte Sanddüne von Pilat noch vor Sonnenuntergang zu sehen. Nun gut, sogar heute, an einem gewöhnlichen Werktag ausserhalb der Schulferien, waren wir bei weitem nicht die einzigen Besucher. Nachdem wir eine Allee mit Souvenir- und Verpflegungsständen passiert hatten, erreichten wir eine Polyestertreppe. Dank dieser war es nun recht einfach die momentan ~110m hohe Wanderdüne zu erklimmen.
Es wehte zwar ein starker Wind, der goldgelbe Sand war jedoch angenehm warm. Die Sicht da oben ist einfach spektakulär! Die untergehende Sonne warf lange Schatten über die windgeformten Konturen der Düne. Im Westen sahen wir am Fuss der Düne auf den Sandstrand und das seichte Wasser mit der Sandinsel Banc d’Arguin. Gegen Norden liegt das Arcachon Becken und gegen Osten ein riesiger Pinienwald, in den sich die Düne langsam vorfrisst. Es war so unglaublich schön! Ein Chinesisches Paar erkor die Pilat Düne als Hintergrund für ihre Hochzeitsbilder und wir entschieden uns, am nächsten Morgen gleich nochmals hierher zurückzukommen.

 

Mit der hochstehenden Sonne, erschienen die Formen der Düne nun nicht mehr so kontrastreich. Das Meer hingegen, leuchtete jetzt tiefblau. Weil gerade Ebbe war, zeigten sich nun nicht bloss eine, sondern ein dutzend Sandbänke, die im, oder teilweise nur durch das seichte Wasser sichtbar waren. Die Farben waren wahrhaft “incroyable, mais vrai!!!”

 

Am Nachmittag sahen wir uns die Stadt Arcachon und die touristischen Ortschaften entlang des Arcachon Bassins an. Dieses grosse Binnenmeer ist mit dem äussersten Zipfel des Cap Ferret, welcher bloss 2,5km von Arcachon entfernt liegt, fast vom Festland umschlossen.

 

La Jenny: FKK und Golf zwischen farbenfrohen Ferienhäuschen

 

Am späten Nachmittag des 15. Mai 2014 erreichten wir La Jenny. Dieses attraktive Feriendorf befindet sich zwischen Ares und Le Porge, direkt am Atlantik. La Jenny‘s 750 Chalets verteilen sich über ein 127 Ha grosses, hügeliges Grundstück, mitten im Pinienwald. Obwohl alle Häuser ein eigenes Bad haben, findet man noch immer dutzende Sanitärgebäude. Campieren ist aber im La Jenny ein absolutes Tabu - sogar Kinderzelte hinter dem Haus sind unerwünscht. Wir erinnern uns noch gut daran, dass wir hier vor zehn Jahren mit einem nassen Zelt angekommen waren und dieses zum Trocknen aufstellten. Es dauerte keine fünf Minuten, bis uns jemand darauf hinwies, dass Zelte den Hausregeln widersprechen.

 

Hier sieht man also ausschliesslich Ferienhäuschen und dies verleiht La Jenny den besonderen Charme. Alle sind freistehend und in den meisten gibt es nur eine Wohneinheit. Von den kleineren Ferienwohnungen sind aber oft zwei oder drei unter einem Dach vereint. Die Holzchalets sind entweder lackiert, oder aber in unterschiedlichen Farben gestrichen, wodurch ein buntes Bild entsteht. Wegen dem sandigen Boden, stehen alle Gebäude auf Betonplattformen, welche durch teilweise sehr hohe Pfeiler abgestützt sind.

 

Zusammen mit ihren zum Teil riesigen Terrassen, sehen einige von La Jennys charmanten Häusern sehr stattlich aus. Trotzdem bieten aber selbst die grössten nicht mehr als 60 m2 Wohnfläche.

 

Anbauten sind immer so gestaltet, dass der ursprüngliche Charakter des Gebäudes erhalten bleibt. Obwohl es etwa 13 verschiedene Typen Häuser gibt, ist ihr Baustil innerhalb eines Quartieres immer sehr ähnlich. Alle Chalets sind so gut in den Föhrenwald integriert, dass man die Grundstücksgrenzen bloss erahnen kann. In Gebieten mit grösseren Häusern ist der Abstand ziemlich grosszügig bemessen, bei den kleinen Hüttchen hingegen etwas knapper.

 

Die meisten von La Jenny’s bunten Hütten befinden sich in Privatbesitz und etwa 450 von ihnen können über die Rezeption gemietet werden. Es kann von einem Dutzend Typen, die zwischen 11m2 und 60m2 variieren, ausgesucht werden. Logischerweise unterscheiden sich Standard und Ausstattung je nach Geschmack und Bedürfnis der Eigentümer. Unsere Hütte war super ausgestattet und so üppig möbliert, dass wir das zweite Schlafzimmer bis unter die Decke mit überzähligen Stühlen, Polstermöbeln und Krims-Krams füllen mussten, bis wir uns endlich ohne überall anzustossen, einen Weg durchs Wohnzimmer bahnen konnten.

Wir kosteten die grosse Küche voll aus und profitierten gerne vom Backofen und dem Geschirrspüler. Wie fast alle Hütten, hatte auch unsere eine zusätzliche Dusche auf der Terrasse, was wir an heissen Tagen besonders schätzten.

Unser hübsch grün und weiss gestrichenes Häuschen hatte zwei riesige, insgesamt 65m2 grosse, Terrassen. Dies war fast doppelt so gross, wie die Wohnfläche. Diese Terrassen waren teilweise gedeckt und nach Süden, Osten und Westen ausgerichtet. Somit konnten wir immer Sonne, Schatten oder Windschutz finden. Wir hatten mehr als genug Möglichkeit, unsere Nachbarn, meist die Haus-Besitzer, beim Erledigen ihrer selbst auferlegten Pflichten zu beobachten, wie z.B. beim Waschen der Fassade, Reinigen des Daches, Malen, Mähen, Büsche schneiden oder was auch immer…

Ein paar Mal konnten wir auch freilebende Tiere beobachten. Mehr als einmal grasten Rehe direkt neben unserem Haus. Andere Urlauber hatten einen Fuchs gesehen und Wildschweine gehört. Eichhörnchen hingegen, konnten zuverlässig jeden Tag beobachtet werden. Wir staunten immer wieder, wie mühelos diese kleinen Kerlchen von einer Baumkrone zur nächsten rasten, wenn sie einander jagten.

 

Golfspielen verlangt nach weniger Kleider, als der Spaziergang zum Strand

 

Auf seinem beeindruckenden Grundstück von 2‘500 Metern Länge und 500 Metern Breite, bietet La Jenny nicht nur eine Vielzahl an Unterkünften, sondern auch an Spiel- und Sportplätzen. Darunter befinden sich auch mehr als zehn Tennisplätze. Das Speziellste ist sicherlich der 9 Ha grosse 6-Loch Golfplatz mit Driving Range. Je nachdem, ob man sich auf La Jenny’s deutscher, oder englischer Webseite informiert, handelt es sich um den einzigen FKK-Golfplatz in Europa, oder sogar in der ganzen Welt. Wie in fast allen Golfklubs, gibt es auch hier strickte Bekleidungsvorschriften: es wird nackt gespielt!

 

Nicht nur der Golfplatz, sondern das ganze Gelände von La Jenny ist sehr schön gestaltet. Für Fahrrad-Enthusiasten und Spaziergänger gibt es separate Rad- und Fusswege. Dadurch, dass nur sehr wenige Parkplätze zur Verfügung stehen, werden die Gäste erfolgreich davon abgehalten, innerhalb der Ferienanlage unnötig ins Auto zu steigen - FKK wie es sein soll. So gibt es z.B. beim Beach-Zugang keine Parkplätze, abgesehen von zwei Feldern für Behinderte, eine faire und perfekte Lösung.

 

Um den etwa 850 Meter entfernten FKK-Strand zu erreichen, muss man durch ein Waldstück ausserhalb des Geländes gehen und einen öffentlichen Radweg kreuzen. Aus diesem Grund sollte man sich mit „einem Minimum bekleiden“, wie auf einem Schild beim Ausgang von La Jenny in mehreren Sprachen erklärt wird. Wir bekamen den Eindruck, dass „a minimum“ auf die unterschiedlichste Art und Weise interpretiert wird. Wir sahen zwar niemanden vollkommen nackt, aber vor allem viele von La Jenny’s Hausbesitzern trugen nicht mehr, als Strandlatschen oder eine Halskette! Andere wiederum wählten elegante Stadtkleider, aber die meisten entschieden sich für genau das, was Passanten an jedem Textilstrand erwarten: ein kleines sexy Etwas, welches vor allem die Fantasie anregt. Dies betrifft den Weg. Dort hingegen, wo der öffentliche Weg dem FKK Dorf am nächsten kommt, braucht es überhaupt keine Fantasie. Ausgerechnet in diesem Teil von La Jenny’s Grundstückgrenze gibt es überhaupt keinen Sichtschutz, nur einen Maschendrahtzaun mit freier Sicht auf die vielen Nackten auf dem sehr beliebten „Boulodrome“ und den anderen Sportplätzen direkt hinter dem Hag!

 

Es ziehen sich eh alle aus, sobald sie unten am Strand sind. Dieser war bereits im Mai und Juni sehr belebt, lange bevor die MNS (Rettungsschwimmer bzw. “Maître-nageur sauveteurs”) ihren Dienst aufnahmen. Dort findet man feinen goldenen Sand und es beeindruckte uns immer wieder, wie stark die Breite des Strandes mit den Gezeiten variiert. Hier konnte er zwischen 30 und 300 Metern breit sein. Wir liebten es am weitläufigen Strand zu spazieren, welcher uns in keine Richtung limitierte. In nördliche Richtung trifft man auf einen weiteren FKK Strand und Richtung Süden sahen wir, soweit wir gingen, nichts als Sand, nicht einmal mehr die alten Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg.

Wie überall am Atlantik, hatte es die meiste Zeit tosende Wellen; perfekt zum surfen, spielen und beobachten. Für sicheres Schwimmen zogen wir hingegen die grossen Schwimmbäder vor.

Mit einer Wasseroberfläche von insgesamt 1’000 m2 ist die Gruppe von vier Schwimmbecken im Zentrum von La Jenny eine beeindruckende Anlage. Mit ihren unterschiedlichen Formen, mal eckig, mal abgerundet, sind sie eine echte Augenweide. Insgesamt beinhaltet der Wasserpark ein grosszügiges Planschbecken, ein kleines Schwimmbad und zwei grosse Pools, wovon der eine gut beheizt ist. Die Becken sind, wie in einem Amphitheater, von Terrassen umgeben, die zum Sonnenbaden auf ihren bunten, bequemen Stühlen einladen. Direkt neben den Schwimmbädern gibt es ein Wellness- und Beauty-Zenter, dem auch ein Fitnesscenter und eine Sauna angeschlossen sind. Daneben befinden sich ein grosses Restaurant, eine Austern-Bar, sowie ein paar Geschäfte. Das grösste davon ist die „épicerie“, das beliebte Lebensmittelgeschäft, das mit seinem guten Angebot überzeugt. Es wird von einem echten Naturistenpaar geführt, und wenn es das Wetter zulässt, arbeiten sie im Naturkleid. Zusammen mit den nackten Animatoren, tragen sie dazu bei, dass La Jenny zum Ausziehen anzieht.

 

Dieses Feriendorf ist der perfekte Ort für Naturisten, die nicht nur eine natürliche Atmosphäre suchen, sondern es auch vorziehen, in einem kleinen Sommerhaus inmitten der Natur zu wohnen, statt auf einem parzellierten Campingplatz, oder in einer städtisch anmutenden Feriensiedlung aus Beton.

Im La Jenny findet man qualitativ hochstehende, gut ausgestattete Ferienchalets, eingebettet in die natürliche Umgebung des Föhrenwaldes. Dazu gibt es hervorragende Sport- und Freizeiteinrichtungen, sowie einen grossartigen FKK Strand am Atlantischen Ozean.

 

CHM Montalivet: ursprüngliche FKK Ideale transformiert in die moderne Zeit

 

Am 10. Juni 2014 fuhren wir vom Arcachon Becken knappe hundert Kilometer nordwärts nach Montalivet. Dies ist wohl das einzige kleine Dorf, wo man im Umkreis von 5km zwei riesige FKK-Feriendörfer findet, von denen jedes während der Sommermonate um die 15‘000 Urlauber beherbergt: Euronat im Norden und CHM Monta (Centre Héliomarin Montalivet) im Süden.

 

Im letzten Jahr waren wir im Euronat, aber dieses Jahr entschieden wir uns für CHM Monta(livet). Auf der einen Seite wollten wir wissen, ob es die grossartige Atmosphäre, die wir von früheren Besuchen in guter Erinnerung haben, noch immer gibt. Zudem wollten wir auch die Unterschiede zum Euronat ausspionieren. Zumindest an der Rezeption fanden wir keine; in beiden Zentren ist das Einchecken super-effizient wenn man mit einer Reservation anreist, dauert jedoch ewig, wenn man keine hat.

 

Da die Internationale Naturisten Föderation (INF) 1950 hier gegründet wurde, gilt CHM Monta als die Wiege des Naturismus. Christiane Lecoq, die das CHM zusammen mit ihrem Mann Albert gegründet hat, lebt immer noch hier - sie ist mittlerweile über hundert Jahre alt.

Für lange Zeit war das CHM Monta die erste Adresse für einen alternativen Kreis von Menschen, die in erster Linie simpel und nackt leben wollten - moderne Einrichtungen suchten sie nicht. Mittlerweile hat sich hier viel geändert. Socnat, die Muttergesellschaft von CHM, befindet sich heute im Besitz und unter professionellem Management von Village-Centre, der Tochtergesellschaft einer grossen, an der Börse kotierten Kapitalanlagegesellschaft.

 

Die Ideale aus der FKK Gründerzeit werden auch heute noch hochgehalten, obwohl sich CHM Monta inzwischen zu einem modernen Naturistenresort mit zeitgemässen Unterkünften, elektrifizierten Stellplätzen und erstklassigen Einrichtungen gemausert hat. Dies zieht viele junge Familien an, welche die Zukunft der Naturisten-Ideale sichern, allerdings im Einklang mit der heutigen Zeit. Die Veteranen, auf der anderen Seite, möchten am liebsten immer noch am Alten festhalten, ohne Strom, Boiler und eigene Bäder. Wir hörten von Vandalenakten an WLAN-Antennen, sowie einer nackten Strassenblockade auf der Hauptstrasse. So protestierte die alte Garde gegen den Ausbau des WLAN-Netzes auf das gesamte Feriendorf.

Wir dachten immer, Alter macht weise, aber diese ehrwürdigen Greise haben wohl etwas vergessen: wenn die Naturisten-bewegung (sie) überleben soll, muss sie sich der modernen Zeit anpassen, ansonsten stirbt sie vielleicht aus - genauso wie jedes andere nicht adaptierende Ideal.

 

Unterkünfte von unglaublichem Standard

 

Wir hatten für sechs Wochen ein Mobilheim gebucht und für eine so lange Zeit war es lohnenswert, dass wir uns nicht für das kleinste entschieden hatten. Wir erhielten ein neues, helles und modernes Modell, genauso wie wir es mögen. So hatten wir zwei Schlafzimmer, eine Wohnküche, Bad und WC, sowie eine Holzterrasse mit Tisch und Bänken. Vom neu installierten Pay-TV profitierten wir anders, als es von CHM Monta gedacht war. Man musste uns nämlich einen neuen Parkplatz bauen, nachdem unser Auto im nur mit Sand zugeschütteten Graben des Antennenkabels stecken geblieben war.

Für unseren Geschmack standen die Mobilheime etwas gar nahe beieinander, was aber wiederum den Vorteil hatte, dass wir mit all unseren netten Nachbarn ins Gespräch kamen.

 

Heutzutage sind alle Miet-Unterkünfte des CHM Monta einladend und modern. Die letzten der einfachen Hütten sind alle in Privatbesitz, aber auch von denen sind viele renoviert und auf heutigen Standard gebracht worden. In den letzten Jahren hat man hunderte von bezugsbereiten Zelten, Mobilheimen und Chalets aufgestellt. In den Gebieten mit den Häuschen fühlt man sich wie in einem Dorf, da zwischen den einzelnen immer sehr viel Platz bleibt. Die meisten von CHM’s Stellplätzen sind sehr gut in die hügelige Dünenlandschaft integriert. Deshalb gibt es hier viele reizvolle, aber nicht unbedingt ganz ebene Plätze. Die vielen Sanitärblocks sind sauber gehalten, einige sind winterfest und geheizt, andere haben überdeckte Aussenduschen, nach Osten, Süden oder Westen ausgerichtet. So kann sich der Urlauber entscheiden, ob er lieber in einem geschlossenen Raum, oder in der Morgen- bzw. Abend-Sonne duschen möchte.

 

Obwohl es hier schon einen sehr grossen Anteil an Dauermietern hat, die ein Zelt, Wohnwagen, Mobilheim oder Chalet besitzen, motiviert CHM seine Feriengäste ebenfalls zu Eigentümern zu mutieren. In vielen Mietunterkünften liegt ein Informationsblatt auf, das die Urlauber darauf hinweist, dass sie die gemietete Unterkunft kaufen können.

 

CHM Monta hat realisiert, dass Eltern vielleicht gerne eine feste Unterkunft kaufen möchten, sich aber denken, dass sie ihren Kindern einen Gefallen tun, wenn sie zelten. Kein Problem, im Verkaufsbüro wird alles angeboten und einige Modelle kann man in der Verkaufsausstellung besichtigen. Wir trauten unseren Augen kaum, was wir dort sahen. Es gab nicht nur grosse Plastikzelte mit doppelverglasten Fenstern und Türen, möbliert mit ansprechenden Holzmöbeln, sondern auch Zelte mit Bad und Toilette, sowie einer richtigen Einbauküche inklusive Dampfabzug, vollwertigem Backofen und Geschirrspüler. Um der nicht existierenden Isolation der dünnen Plastikfolienwände etwas entgegenzusetzen, waren sogar elektrische Heizkörper installiert. So kann das Elektrizitätswerk wenigstens wieder etwas weniges von dem Umsatz zurückholen, der ihm mit den modernen Energiespar-Häusern verloren geht!

 

Geschäfte und Freizeit-Anlagen: etwas für jeden

 

Das CHM Monta erstreckt sich über eine Fläche von insgesamt 200 ha. Wie in jedem anderen Dorf mit bis zu 18‘000 Einwohnern (wenn auch nur in der Hauptsaison), findet man im Zentrum viele Geschäfte und Speiselokale. Um den Hauptplatz gruppieren sich etwa 15 Shops und 5 Restaurants. Ein paar weitere findet man beim Strandzugang. Alle erfreuen sich grosser Beliebtheit da sowohl die Auswahl, als auch die Qualität so gut sind, dass man überhaupt nicht rausfahren muss. Man findet diverse Supermärkte und Bäckereien, ein Bio Lebensmittelgeschäft, ein Fischladen, eine Metzgerei, einen grossen französischen Delikatessen-Take-Away, ein Frisör, eine Eisenwarenhandlung, ein Blumengeschäft und natürlich auch ein Zeitungs- und Buchladen. Dies ist noch nicht alles; was immer man sucht, man findet es und dass man das alles bezahlen kann, steht sogar ein Geldautomat zur Verfügung.

Im CHM Monta wird normalerweise nackt eingekauft und diniert. In einigen Restaurants, z.B. der Crêperie, arbeiten die Kellnerinnen und Köchinnen auch oben ohne.

 

Wer eine Vorliebe für Touristenmärkte hat, kann sich durch den, während der Hochsaison täglich stattfindenden, Markt in Montalivet quälen. Vor dem 14. Juli ist er eher bescheiden, danach bis Ende August riesengross, fast Kirmes-mässig!

Zurück im CHM Monta gibt es ab und zu einen Flohmarkt und sogar ein Kinderkarussell auf dem Hauptplatz.

 

Unzählige Animationen und viele Freizeiteinrichtungen stehen für jedes Alter und jeden Geschmack zur Verfügung Die Anlagen und Gebäude, inklusive einer riesigen Bibliothek, sind modern und beinhalten mehrere grosse Sport- und Spielplätze, darunter zwei Kunstrasen-Fussballfelder. Im CHM Monta ist es selbstverständlich, dass die Animatoren nackt arbeiten. An der Rezeption erhält man ein kleines Büchlein, in dem alle Aktivitäten, Öffnungszeiten, Fahrpläne und Ausflugsmöglichkeiten aufgeführt sind. Während der Hauptsaison wird ein Freiluftkino betrieben und zusätzlich werden in einem Saal auch in der Nebensaison Filme gezeigt.
Kinder schätzen es sicherlich, dass es im CHM Monta nicht bloss gewöhnliche Schaukeln und Rutschbahnen gibt, sondern auch ein beeindruckend grosses Segelschiff zum Klettern, sowie ein paar stattliche Hüpfburgen.

Wer Lust auf Wellness hat und bereit ist, dafür etwas Taschengeld locker zu machen, findet in CHM Montas Therme ein breites Angebot mit Sauna, Jacuzzi, Dampfbad und Schönheitskuren.

Gratis dagegen sind zwei einladende Schwimmbad-Anlagen. Der ursprüngliche Badekomplex wurde erst kürzlich renoviert und erweitert. Einige Bahnen sind für seriöse Rundenschwimmer reserviert. Daneben gibt es ein grosses Planschbecken, ein Sprudelbad und einladende Liegestühle.

Ganz in der Nähe des Strandzuganges, d.h. etwa 500 Meter entfernt, befindet sich das neue Aqua Center, welches sofort zu einem Besuchermagnet wurde. Es ist viel grösser, als das andere Bad und in einer schönen Landschaftsarchitektur gestaltet. Über eine Brücke gelangt man zu einem von zwei, mit Palmen gesäumten Inselchen, zwischen denen ein Wasserfall über eine grosse Grotte plätschert. Während sich die Erwachsenen an den Massagedüsen erfreuen, können sie die Kinder beobachten, wie sie die fünf grossen Wasserrutschbahnen herunterschiessen, von denen eine wie ein Korkenzieher geschwungen ist.

Wie es in einem führenden FKK Gelände angebracht ist, werden sowohl die Schwimmbecken, als auch der Strand von nackten Rettungsschwimmer/innen überwacht MNS (maître nageuse sauveteuse). So konsequent vorgelebt, haben wir den Naturismus vorher noch nie erlebt und dies trägt hier wesentlich zur natürlichen Atmosphäre bei.

 

Plage 100% naturiste

 

Wer im CHM Monta ankommt, passiert zwei grosse Schilder mit dem Hinweis „centre exclusivement naturiste und wir glauben, dass dies in jeder Sprache verstanden wird. Sonst versteht man vielleicht die vielen, im ganzen Gelände verteilten, originellen Cartoons, die dazu motivieren sollen, die Nacktheit den ganzen Tag auszuleben. Bevor man auf dem Weg zur Beach über die Düne kommt, steht ein weiteres illustriertes Schild das unmissverständlich darauf hinweist, dass (auch) am Strand 100%-ige Nacktheit angesagt ist. Dies provoziert natürlich, dass man sich umsieht, ob auch wirklich alle nackt sind, weil es ja immer ein paar Ausnahmen gibt, die glauben, nur die andern sollen sich ausziehen. Während unserer ersten vier Wochen sahen wir tatsächlich niemanden mit Badehose. Mit dem Beginn der Hauptsaison sah man aber ab und zu eine Jugendliche mit Höschen. Sie waren aber so grosse Ausnahmen, dass sie sich nach einer Weile unwohl fühlten und ebenfalls die Hüllen fallen liessen. Wer von nackten Gleichaltrigen umgeben ist, fühlt sich natürlich ebenfalls einem Gruppendruck ausgesetzt.

 

Wie schafft es CHM Monta, dass sich am Strand alle ausziehen? Die Vorbildfunktion der nackten Rettungsschwimmer/innen hilft sicher und auch die Kontrolleure beim Strandzugang arbeiten im Naturkleid. Dazu kommt, dass hier die Mehrheit der Urlauber Franzosen sind. Uns ist aufgefallen, dass die französischen Kinder mit weniger Regeln und Kontrollen aufwachsen, als diejenigen anderer Nationen. So finden sie es wohl auch weniger nötig, gegen die ältere Generation zu revoltieren, indem sie sich mit Badekleidern an den FKK Strand setzen. Zudem befinden sich unter CHM Monta’s Dauermietern viele junge Familien. Deren Kinder wachsen so ganz natürlich mit dem Naturismus auf und wenn sie ins Teenager-Alter kommen, haben sie wohl noch nie einen Urlaub an einem Textilstrand verbracht. Es ist auffällig, wie viele Gruppen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen hier den FKK Strand bevölkern und sich offensichtlich in dieser pudelnackten Gemeinschaft pudelwohl fühlen. Für diese jungen Leute braucht es die „Sittenwächter“ sicher nicht, aber vielleicht vermögen sie andere zu beeindrucken. Nur selten muss jemand an die FKK Ethik erinnert werden. Wenn ein paar freundliche Worte keine Wirkung zeigen, kann es auch passieren, dass die gesamte Familie des Uneinsichtigen vom Gelände verwiesen wird.

Da Village-Centre, die Eigentümerin von CHM Monta, auch textile Feriendörfer betreibt, darunter ein Campingplatz direkt neben CHM Monta, bietet die Gesellschaft die Wahl, entweder nackt oder textil Ferien zu machen. Dafür darf erwartet werden, dass sich alle in der Gruppe oder Familie an die Entscheidung des Familienrates (Ma-/Patriarch/in?) halten. Seitdem Village-Center auch FKK-Feriendörfer als zusätzliches Standbein in ihr Portfolio aufgenommen hat, kann sie nun sogar dem nackten Mann das Geld aus der Tasche ziehen!

 

Natürlich zieht CHM Monta nicht nur Französische-, sondern auch andere Urlauber, von irgendwo zwischen Spanien und Osteuropa, an. Zusätzlich macht schon allein die Grösse und die Kapazität dieses FKK Resorts Besucher aus Übersee neugierig, egal ob aus den Amerikas, Down-Under oder Asien. Die meisten ausländischen Feriengäste reisen aber aus Deutschland und den Niederlanden an. Selbstverständlich ist das Personal im CHM Monta mehrsprachig. Es gibt aber kein zusätzlich, von einem ausländischen Reisebüro geführtes und mit Landsleuten besetztes Empfangsbüro, wie in ein paar wenigen anderen, grösseren FKK Zentren. Dies zieht, unserer Meinung nach, eine ganz andere Kundschaft an. CHM Monta ist vor allem bei eingefleischten und selbstzufriedenen Naturisten beliebt, die versuchen, wenigstens ein paar Worte Französisch zu sprechen und gerne fühlen, dass sie in Frankreich sind. Sie haben wenig gemeinsam mit den ewig nörgelnden und aufgetakelten Pauschalurlaubern, die vielleicht gerne nackt baden, aber nackt leben oder einkaufen? Sowas Unhygienisches!

 

Sand soweit das Auge reicht

 

Zurück zu CHM Monta’s Strand: man findet denselben goldgelben Sand wie man ihn vielerorts an der Atlantikküste sieht. Dahinter erhebt sich eine Sanddüne und man bemüht sich, diese überwachsen zu halten. Meerseitig sickert Grundwasser aus der Düne und fördert Mineralien und vielleicht auch etwas Umweltverschmutzung zutage. Auf einigen Strandabschnitten entstehen so farbige, fast artistisch anmutende Sandbilder: wunderschön anzuschauen, aber wenig einladend zum Sonnenbaden. Um CHM Monta’s Nord- und Südstrände wurde trockener Sand aufgeschüttet, um den Sonnenanbetern genügend Platz zur Verfügung zu stellen. Mit tausenden von Badegästen kommt man sich bei Flut trotzdem urgemütlich nah, bei Ebbe hingegen, gibt es für alle Platz zum verschwenden. Es ist immer herrlich und unterhaltsam zugleich, der steigenden Flut zuzuschauen, die mit jeder ansteigenden Welle weitere grillende Sonnenanbeter vom Dösen aufschreckt und in die Flucht schlägt. Die Breite des Strandes verändert sich je nach Gezeitenstand um bis zu 500 Meter.

Gerade rechtzeitig bevor die Lebensretter Mitte Juni ihre Arbeit aufnahmen, wurde das Wasser angenehm warm. Hunde sind bis 19:00h an- und zwischen den beiden bewachten Strandabschnitten nicht zugelassen. Dies ist himmlisch für alle die sich von Hunden, bzw. deren unflätigen Meistern gestört fühlen, die weder eine Leine, noch das Einsammeln der Exkremente ihres Vierbeiners notwendig finden.

Anfangs Juli wurden die Paare langsam von Familien abgelöst. Nun drehten zwei Studentinnen ihre Runden und versuchten gleichzeitig Eis zu verkaufen, und Ganzkörperbräune an sich selbst zu bringen. Ansonsten gab es überhaupt keine Strandhändler. Das einzige andere Geschäft, war eine Juice-Bar, welche frische Fruchtsäfte mischte, eine grossartige Idee und viel gesünder, als ein Biergarten! Gesund waren auch die Spaziergänge entlang des Strandes. In südliche Richtung kann man im Naturkleid für drei- bis vier Kilometer gehen, bevor man sich für ein paar hundert Meter ein bisschen bedeckt geben sollte. Gegen Norden erreicht man nach zwei Kilometern Nacktspaziergang das touristische Dorf Montalivet. Nun muss man sich entscheiden, ob man sich in Kleider und das Getümmel der Touristenfallen stürzen möchte. Wer lieber dem Strand entlang weitergeht, braucht bloss ein Tuch umzuwickeln. Nach etwa 500 Metern kann man sich wieder auspacken und erreicht nach weiteren 5km die Naturistensiedlung Euronat. Wenn es die Kondition zulässt, kann man von dort sorgen- und kleiderfrei noch viel weiter laufen.

 

Wenn man das Strandleben genug ausgekostet hat und ins CHM Monta zurückkehrt, wird man von einem Comic-Plakat begrüsst: „du bist im Centre Héliomarin, es gibt keinen Grund dich anzuziehen“. Die vielen originellen Cartoons bilden Teil der exzellenten Beschilderung die man im ganzen Feriendorf findet. Sie macht das Finden des Stellplatzes, der Unterkunft oder der Freizeitaktivität zum Kinderspiel.

 

Sehenswürdigkeiten um Montalivet

 

Ausflüge? Nun, was wir nie verpassen wenn wir in der Region sind, ist „chez Gilles & Marika“ zu tafeln. Ihr hervorragendes Restaurant findet man im Hotel de France in Vendays. Es gibt aber Attraktionen denen man nicht nachfahren muss, weil sie hierher kommen. So z.B. das Harley Davidson Treffen, das alljährlich am letzten Juni-Wochenende 10‘000 - 20‘000 der schweren Maschinen nach Monatlivet lockt. Mindestens 100 Motorradfahrer/Innen logierten mit ihren spiegelblank polierten Feuerstühlen im CHM Monta. Das touristische Montalivet war aber im wahrsten Sinne des Wortes besetzt von tausenden von Harley Davidsons, welche dem Ort einen ganz anderen Charakter verliehen. Nun versprühte sich tatsächlich sowas wie Charme um die vielen Touristenfallen. Weniger charmant war es hingegen, in den Strassen abseits des Rummels, wo so mancher mit seinem Pimmel den Rasen sprengte.

 

Viele mögen wohl die nahegelegenen Weingüter besuchen, aber für uns Anti-Alkoholiker sind die Giftküchen in den sogenannten „Châteaus“ uninteressant. Dafür fanden wir zwei andere schöne Plätze, die wir vorher noch nie besucht hatten. Am besten gefiel uns die Landschaft um den Leuchtturm Phare de Richard in der Nähe von St. Vivien. Er steht am Mündungstrichter der Gironde mit Sicht bis zum andern Ufer. Vor allem nördlich des Leuchtturms findet man dutzende von malerischen „carrelets“, kleine Fischerhütten auf Pfählen. Entlang eines Fussweges gibt es viele unterschiedliche Typen in allen Farben zu sehen. Jedes „carrelet“ ist mit einem traditionellen, rechteckigen Netz ausgestattet, um die begehrten Delikatessen frisch in der Flussmündung zu fangen.

 

Ein anderer Ausflug brachte uns nach Hourtin Port, südlich von Montalivet. Obwohl die Ortschaft Hourtin auch einen Strandzugang hat, befindet sich der Hafen an einem Süsswassersee etwas im Landesinnern. Man findet dort eine Ferienanlage, welche Aktivitäten wie Wasserskifahren mit Hilfe eines über dem See installierten Liftes anbietet. Uns erinnert der Lac Hourtin teilweise an Landschaften Skaninaviens. Die Ufer sind dominiert von Pinienwald und immer wieder bedecken rosa und weisse Wasserlilien den See.

 

Ab und zu gab es aber auch unfreiwillige Ausflüge. Diesen Sommer mussten wir beide zum Zahnarzt. Wir hatten Glück, da dies in Frankreich meist eine unkomplizierte und günstige Angelegenheit ist. Gegenüber dem Hauszahnarzt, den wir früher in der Schweiz hatten, sparten wir in Frankreich jedes Mal viel Zeit und noch viel mehr Geld. Es war kein Nachteil, dem Zahnarzt ehrlich zu sagen, dass wir auf einem FKK Platz wohnen. Beide Zahnärzte, wie auch die Kellnerin eines Sushi Restaurants, gaben zu, dass sie ebenfalls dorthin gehen.

 

Abschied von CHM Monta

 

Unser Aufenthalt im CHM Monta, zwischen dem 10. Juni und dem 20. Juli 2014, machte uns einmal mehr bewusst, wie kurz die Saison ist. Wegen der vielen Dauermietern ist es hier zwar nie richtig einsam und auch in den Geschäften findet man immer ein gutes Angebot. Wenn man aber sieht, dass anfangs Juli noch dutzendweise neue Mietzelte aufgebaut werden, wird einem eindrücklich vor Augen geführt, in welch kurzer Zeit hier das Geld verdient werden muss. Der späte Aufbau war keine Verzögerung, sondern beabsichtigt, denn in der Broschüre wurden diese Zelte eindeutig erst ab dem 10. Juli angeboten. Zehn Tage später waren fast alle besetzt und in einer anderen Ecke des Campingplatzes wurden noch weitere aufgebaut.

 

Wir bereuen unsere Entscheidung, nochmals ins CHM Monta zu kommen, nicht im geringsten. Die grossartige Atmosphäre und die Ideale, die man am Geburtsort des Naturismus zu finden hofft, existieren noch immer. Inzwischen hat sich aber CHM Monta zu einem modernen, effizient geführten und gut ausgestatteten Feriendorf entwickelt. Es ist ein perfekter Ort für alle, die grosse Gelände mögen, wo jedes Familienmitglied entscheiden kann, ob es nur etwas ausspannen möchte, oder an den unzähligen Aktivitäten und Freizeitmöglichkeiten teilnehmen möchte.

Es ist ein Ort, wo man wirklich Ferien machen kann, da man, wenn man es nicht will, nicht einmal zum Einkaufen und Essen hinausfahren muss - im CHM Monta findet man alles und auch über die Qualität kann man nicht jammern. Wir liebten den einladenden Aqua-Park und den weitläufigen Strand, alles ist perfekt für echte Naturisten.

 

CHM Monta möchte wirklich ein Naturistengelände bleiben und erstickt deshalb die ersten Ansätze von “man darf, aber muss sich nicht ausziehen“ bereits im Keim. Wir denken, die harte Linie gegenüber den wenigen, die meinen FKK sei eine grossartige Sache, solange sich nur die anderen ausziehen, bringt sicher mehr Leute ins CHM Monta, als sie abschreckt. Dieser Ansatz zieht vorwiegend echte Naturisten an, die hierher kommen um nackt zu leben und nicht nur nackt zu baden. Zusammen mit den nackten Rettungsschwimmern, Animatoren und weiterem unbekleideten Personal tragen sie zur sehr natürlichen, alternativen Atmosphäre im CHM Monta bei und übernehmen eine Vorbildfunktion für Neulinge. Hier können sie gar nicht anders, als bei der FKK Lebensphilosophie mitzumachen. Hand aufs Herz, wenn ein Jugendlicher von dutzenden Gleichaltrigen umgeben ist, die sich im Naturkleid sonnen, ist er viel mehr motiviert es ihnen gleichzutun, als wenn er sich dem Machtwort der Eltern fügen muss.

 

Wir hoffen, CHM Monta bleibt so wie es ist: ein echtes FKK Feriendorf wo sich sowohl Franzosen, als auch Ausländer willkommen fühlen. Wir kommen sicherlich wieder, es ist genauso wie wir es mögen…

 

ARNA: sehr natürlich, sehr lebhaft und gleichzeitig sehr ruhig

 

Am 20. Juli 2014 fuhren wir weiter ins Arnaoutchot, kurz Arna genannt. Auch dies ist ein sehr attraktives FKK Feriendorf in einem Pinienwald direkt an der französischen Atlantikküste. Es liegt in der Nähe von St. Girons, etwa auf halbem Weg zwischen Biarritz und Mimizan. Wir waren bereits im letzten Jahr hier gewesen und mochten die einzigartige Atmosphäre so sehr, dass wir zurückkommen wollten. Wie an den meisten Orten, liegen die Hochsaisonpreise auch hier über unserem Globetrotter-Budget. Wir hatten aber das Glück, dass uns ein IT Fehler in der Internet Buchungsmaske zu einem Rabatt verhalf. So freuten wir uns nun auf unsere sechs Wochen in einem kleinen, aber sehr gut ausgestatteten Mobilheim.

 

Was macht Arna so speziell? Mit seiner Kapazität von bis zu 4‘000 Urlaubern ist es zwar gross, aber doch nicht anonym.

Dank der vorwiegend alternativ und ökologisch denkenden Gästeschar herrscht auch hier, wie bereits im CHM Monta, eine sehr natürliche Atmosphäre, was heissen soll: Designerklamotten, Stöckelschuhe und City-Gehabe (sofern vorhanden) lässt man bewusst zu Hause und freut sich den Urlaub nackt verbringen zu dürfen. Nacktheit ist hier die natürlichste Sache der Welt und wenn es einmal kalt ist, ziehen die Leute einfach etwas wärmendes über.

 

Kaum waren wir im Arna angekommen, begegneten wir bereits den ersten bekannten Gesichtern, die wir vom letzten Jahr kannten und wurden herzlich begrüsst. Hier kommt man nicht nur mit seinen Nachbarn einfach in Kontakt, sondern auch mit anderen Leuten die man bei diversen Aktivitäten, am Strand, um die Pools oder in den Restaurants trifft. Sowohl Kinder, als auch Erwachsene können hier die Ruhe geniessen, wenn sie dies möchten, es werden aber auch unzählige Animationen, Spiel und Sport, Ausflüge und Vorführungen angeboten an denen man teilnehmen, oder auch nur zuschauen kann.

 

Zusammen mit den sehr einladenden Innen- und Aussenschwimmbecken, dem gut sortierten Lebensmittelladen, dem mobilen Fischhändler und den wöchentlichen Aufführungen auf der Freilichtbühne, gehört der weitläufige FKK Strand für uns sicher zu Arnas Hauptattraktionen. Andere schätzen vielleicht eher die Sport- und Spielplätze, die Surfschule, den wöchentlichen grossen Markt, das Wellness und Beauty Zentrum, die Disco oder das preiswerte Restaurant.

 

Arna’s Einrichtungen sind vielfältig und von erster Güte, wie z.B. das neue moderne Waschhaus, oder der geländeeigene „Ökihof“, der 2014 eröffnet wurde. So manches Dorf besitzt keine so grosszügige und saubere Recycling- und Entsorgungs-Einrichtung. Arna hat seine Abfallentsorgung an einen zentralen Punkt beim Eingang verschoben, da sich viele Gäste über Lärm und Gestank der bisherigen, vielen kleinen, auf dem Camping verteilten, Abfallsammelstellen beschwerten. Nun gut, die unbesonnenen „Naturisten“ die jetzt regelmässig nur ins Auto steigen, um ihren Abfall zu entsorgen, verursachen auch unnötigen Lärm und Gestank! Wir betrachteten den Weg zum Ökihof jeweils als einen idealen Verdauungsspaziergang.

 

Selbstinszenierte und professionelle Shows auf ARNA's Bühne

 

Auch bei Animationen und Aufführungen wird Perfektion grossgeschrieben. Da die Freilichtbühne fast wie in einem Stadttheater ausgestattet ist, wird sogar die „offene Bühne“ mit viel Liebe zum Detail choreographiert und es stehen unzählige Kostüme zur Verfügung. Besser machen es nur die Tanz- und Unterhaltungsgruppen, die jeden Mittwoch unter Vertrag stehen, um Arna’s Gästeschar zu erfreuen. Diese Berufskünstler kommen ab und zu aus einem Nachbarland, meistens aber aus Frankreich. Und Frankreich ist ja nicht so klein. Der diesjährige kulturelle Höhepunkt war sicherlich die Vorführung einer Tanzgruppe aus Französisch Polynesien. Die Männer und Frauen von „Haiva i Tahiti“ kamen von den Pazifikinseln, waren tätowiert und die meisten hatten lange schwarze Haare. Ihre Haka Tänze, welche jeweils mit aufgerissenen Augen und herausgestreckten Zungen enden, waren unverfälscht, genauso wie wir sie im Pazifik erlebt hatten.

 

In Anbetracht der vielen Urlauber und Arna’s unzähligen Aktivitäten während der Hauptsaison, war es fast unglaublich, wie ruhig es um unser Mobilheim war. Ab und zu hatten wir fast das Gefühl, wir seien die einzigen, die Lärm machten, da wir uns oft mit Bekannten unterhielten. Bereits bevor wir hier ankamen, hatte sich ein Schweizerpaar, das wir vom Burgund her kennen, mit ihrem Wohnwagen auf einem nahe gelegenen Stellplatz eingerichtet. Später, gegen Ende unseres Aufenthalts im Arna, kamen auch Gudrun und Uli, die weltenbummelnden Naturisten, die wir diesen Frühling kennengelernt hatten, mit ihrem Wohnmobil. Die beiden blieben eine Woche und so hatten wir wieder Zeit über Gott und die Welt, sowie unsere gegenwärtigen und zukünftigen Reisen zu diskutieren.

 

Es war die perfekte Wahl, die Hochsaison im Arna zu verbringen. Wir genossen unsere täglichen ausgedehnten Spaziergänge entlang des weitläufigen FKK Strandes. Zudem profitierten wir von relativ mildem und trockenem Wetter, wenn wir die eher feucht-kalten Konditionen bedenken, welche der Rest Europas aushalten musste. Mit seiner angenehmen und natürlichen „Wohlfühl-Atmosphäre“ übertrumpft Arna viele andere Naturisten-Resorts die wir kennen und es ist sicherlich zur Spitze unserer Favoritenliste aufgestiegen. Wer mehr über dieses sehr natürliche Gelände erfahren möchte, findet vielleicht die detailliertere Beschreibung unseres letztjährigen Aufenthaltes im Arna interessant.

 

Reservieren oder auch nicht: beides kann zu Problemen führen

 

Wenn man seine Urlaubsplanung macht, stellt sich immer wieder die Frage, ob es sinnvoll ist, zu reservieren, oder nicht.

Als "Roving-Spirits" geniessen wir unsere Freiheit und legen uns nicht gerne lange im Voraus fest. Die Erfahrung hat uns aber gelehrt, unsere Abneigung, zumindest für die Hauptsaison, zu überwinden. Wir haben auch gelernt, wo wir wahrscheinlich von einer Unterkunft in die nächste geschoben werden, wenn wir in der Nebensaison ohne Reservation eintreffen. Davon abgesehen, ist man vor Überraschungen nie gefeit. Jedes der FKK-Gelände, in dem wir diesen Sommer Station machten, hielt uns eine bereit. Aber der Reihe nach.

 

Auf dem ersten Platz fragten wir, ohne vorher reserviert zu haben, nach einem Mobilheim in einem bestimmten Gebiet, mussten aber erfahren, dass die Unterkünfte dort um diese Jahreszeit noch nicht bereit seien. So gaben wir uns mit etwas anderem zufrieden, das sich als viel sonniger herausstellte, dafür aber einen langen (deshalb gesünderen) Fussmarsch vom kleinen Supermarkt entfernt war.

 

Am nächsten Ort war es ähnlich; an unserer Wunschlage wurde noch nichts vermietet und so fragten wir keck nach einer noch besseren Lage, im Glauben, dass diese sicherlich reserviert sei. Sie war es auch, doch dem freundlichen Mitarbeiter an der Rezeption war dies nicht klar und so erfüllte er uns diesen Wunsch. Im Verlauf der folgenden Wochen lernten wir ein Paar kennen, das genau unser Mobilheim vor langer Zeit gebucht und vorausbezahlt hatte. Sie erzählten uns, dass sie recht hart dafür kämpfen mussten, um ein anderes, wenigstens an ähnlich guter Lage, zu bekommen, nachdem die Rezeption ihren Fehler realisierte.

 

Bevor wir ans nächste Ort zogen, riefen wir kurz an, um herauszufinden, um welche Zeit die Rezeption schliesst. Dabei erfuhren wir, dass es unumgänglich sei eine Reservation zu machen, auch wenn der Platz noch fast leer sei. Wir einigten uns darauf, dass man uns einen Schlüssel zu unserem Traumhüttchen hinterlegt. Wir fanden zwar den Schlüssel und die Unterkunft, sie war aber viel kleiner, als die, die wir reserviert hatten. So mussten wir die Sache dann am nächsten Morgen regeln.

 

Inzwischen kam die Hauptsaison, für die wir schon Monate im Voraus gebucht hatten. Wir erhielten die Schlüssel zu einem adretten Hüttchen, doch auch dieses Mal war es nicht der Typ, den wir reserviert hatten und zudem stand es auf einem winzigen Grundstück. Als wir reklamierten, stellte sich heraus, dass unser reserviertes dringend repariert werden musste. In der Folge konnten wir uns ein anderes Mobilheim aussuchen.

 

Wir hatten bereits unseren nächsten Platz an der Sonne ausgesucht und wollten dort einen dreiwöchigen Aufenthalt buchen. Da uns auffiel, dass die Internet-Buchungsmaschine auch während der Hauptsaison einen riesigen Rabatt abzog, versuchten wir spontan, gleich sechs Wochen zu buchen. Nach einer Aussprache mit dem glücklosen Management, welches über dieses so grosszügige Angebote wenig begeistert war, einigten wir uns auf einen Kompromiss.

 

Als der Sommer endete, fühlten wir uns frei, wieder ohne Reservation aufzukreuzen. Jetzt hatten wir uns für ein FKK- Gelände entschieden, das gerade erst konkurrenzfähige Nebensaisonpreise eingeführt hatte. Natürlich waren wir nicht die einzigen, die davon Wind bekamen. Ach du liebe Zeit! Von den vielen Mietunterkünften war bloss ein Zelt übrig geblieben und darauf hatten wir nun wirklich keine Lust. So zogen wir wieder ab. Während der Nacht in einem nahe gelegenen Hotel, spürte unser Computer ein 30%-last-Minute Angebot in einem nahegelegenen Gelände auf. Ironischerweise war dies genau dort, wo man uns im letzten Jahr mit einem € 80-Gutschein beglückt hatte, den wir sogar noch bei uns hatten. Konnten wir etwas Besseres machen, als demütig dieses Angebot anzunehmen?

 

Die Liste ist nicht ganz fertig, aber in jedem FKK-Gelände, das wir in diesem Jahr besuchten, spielte sich entweder bei der Buchung, oder bei der Ankunft eine kleine Anekdote ab.

 

Domaine Laborde: zwischen Sommerhitze und Tischtüchern

 

Am 1. September 2014 erreichten wir Domaine Laborde, ein ansprechendes, niederländisch geführtes Naturisten-Gelände, welches Gäste aus verschiedenen Ländern anzieht. Der Name stammt von seiner Lage direkt an der Grenze zwischen den Departementen Dordogne und Lot-et-Garonne. Ein kleines Bächlein bildet sowohl Labordes Grundstück-, als auch die Distrikt-Grenze. Das ganze Gelände ist schön unterhalten, und viele der Gebäude auf dem 25 Hektar grossen Platz, beherbergen einen, als Turm gestalteten, Taubenschlag.

Wir entschieden uns für ein Mobilheim an einer sonnigen Hanglage. Dieses war sehr gut ausgestattet und unterschied sich ein wenig von den Modellen, welche wir auf anderen Campingplätzen gemietet hatten, da Laborde diese von einem anderen Hersteller bezogen hatte. Vom freundlichen, französischen Rezeptionisten erfuhren wir, dass hier der Sommer ungewöhnlich nass und kühl gewesen sei. Jetzt im September konnten wir hingegen fast den ganzen Monat von Temperaturen um die 30°C profitieren. Die Nächte wurden zwar schon kühl, doch tagsüber verzogen wir uns gerne unter die schattigen Bäume, sei es bei einem der zwei malerischen Teiche, oder beim Schwimmbecken.

Wenn wir jeweils das Gelände verliessen, egal ob für einen Ausflug, oder zum Abendessen, packten wir unsere Kleider in eine Tasche und marschierten im Naturkleid zu Labordes grossem Parkplatz. Erst dort zogen wir uns an - nur Sekunden bevor die Klimaanlage unseres Wagens die anspruchsvolle Aufgabe übernehmen musste, die Wärme der Kleider wegzukompensieren.

Nachdem wir den ganzen Sommer an der übertouristischen Atlantikküste, mit ihren vielen Touristenfallen, verbracht hatten, entschieden wir uns wegen der malerischen, historischen Dörfer und Städtchen mit hochkarätigen Speiselokalen, für die Dordogne und Lot-et-Garonne Region. Nun wollten wir etwas Kultur fühlen und geniessen! Diese Gegend ist wahrlich himmlisch für Schlemmermäuler und wir entdeckten sogar noch mehr Gourmet-Restaurants, als bei unseren letzten Aufenthalten.

 

Anfangs September war Laborde noch gut belegt mit Gästen jeden Alters und verschiedenen Nationalitäten; ausser vielen Franzosen und Briten, hatte es die "üblichen" Niederländer (dagegen lässt sich nichts einwenden). Da die Schulferien zu Ende gingen, kamen mehr und mehr Pensionäre, sowie jüngere kinderlose Paare. Der neue Spielplatz verwaiste täglich mehr und die beiden grossen Wasserrutschen, darunter eine Korkenzieherrutsche, waren nur noch auf Anfrage in Betrieb. Nicht viele trauten sich danach zu verlangen, aber wenn, dann erfreuten sich auch etliche übermütige Erwachsene daran.

Wegen dem aussergewöhnlich warmen Wetter, war das gut beheizte Hallenschwimmbad momentan nicht so begehrt. Die Sauna und das Dampfbad waren aber trotzdem dreimal pro Woche in Betrieb.

 

Da Laborde Ende September seine Tore schliesst, war es ab Mitte Monat auf dem Camping ziemlich ruhig. Es wurde aber noch immer viel geboten. Das Restaurant öffnete nur noch an ein paar Tagen pro Woche, an diesen war es aber recht beliebt, bis es Ende der dritten Septemberwoche schloss. In der letzten Woche waren kaum noch 25 Gäste übrig, doch der kleine, geländeeigene Supermarkt hatte noch immer geöffnet. Wir mussten also zum Einkaufen nicht unbedingt ins Dorf fahren, wenn wir zu bequem dazu waren. Obwohl der Laden sehr klein ist, bietet er viel mehr, als man auf den ersten Blick erkennt, da viele Delikatessen im Kühlraum versteckt waren. Fisch und Fleisch von guter Qualität wurden stückweise und nicht überteuert angeboten.

 

Von den brünstigen Hirschböcken, die die Urlauber jeden Abend mit ihrem Röhren unterhielten, wurde hingegen kein Fleisch verkauft.

 

Obwohl wir die Region schon sehr gut kennen und Laborde dazu verführt, sich einfach in der Sonne zu aalen, waren wir nicht zu faul, ein paar Ausflüge zu machen. Wir genossen die sanften Hügellandschaften, sowie die malerischen Städtchen und Dörfer wie Monflanquin, Villereal, Monpazier, Castillonès oder Lauzun. Zweimal fuhren wir etwas weiter, einmal ins hübsche La Roque Gageac, das sich ans Ufer der Dordogne schmiegt, und ein andermal für einen ganzen Tag nach Agen. Oft verbanden wir unsere Ausflüge mit einem gastronomischen Abendessen. Glücklicherweise war unser Lieblingslokal: „La Table du Moulin“, das Nächstgelegene. Die „Ferme Auberge des Selles“ war leider um diese Jahreszeit nur noch mittags geöffnet. Sie bietet eine interessante Mischung zwischen Bauerntisch und Gourmetküche.

 

Es war unser dritter Aufenthalt in Laborde und ursprünglich wollten wir bloss etwa zehn Tage bleiben. Da sowohl das Wetter, als auch die Atmosphäre, ganz nach unserem Geschmack waren, blieben wir schlussendlich fast den ganzen September. Erst ein paar Tage bevor man uns eh rausgeschmissen hätte, gaben wir unser komfortables Mobilheim wieder frei ...

 

Domaine Le Couderc: ein sehr persönlich geführtes FKK-Gelände

 

Ursprünglich planten wir gegen Ende September nach Spanien weiterzureisen, aber irgendwie reizte es uns, noch länger in der Dordogne Region zu bleiben. Heinz' Schwester und Schwager, Edith & Kari, entschlossen spontan, sich uns zum "vivre nu et manger bien" anzuschliessen, und so lieferten sie uns die perfekte Entschuldigung, noch länger in der Gegend zu verweilen. Vor allem zum Schlemmen ist der Dordogne Distrikt einfach perfekt.

 

Im Oktober ist es nicht einfach, in Frankreichs Landesinnern, einen FKK-Platz zu finden, der noch geöffnet hat, ausser man findet Le Couderc. Dieses Gelände befindet sich im Herzen der Dordogne, etwa 20km südlich von Bergerac und ist umgeben von erstklassigen Speiselokalen! Wir haben diesen Platz vor 14 Jahren schon einmal besucht und erinnern uns noch gut an seine einzigartige Atmosphäre. Damals waren wir (noch) jünger und hatten die Illusion, dass wir mit campieren in einem einfachen Zelt viel Geld sparen könnten, und so ertrugen wir dies ganze vier Hauptsaison-Wochen.

 

Wir haben von anderen gehört, dass sie Le Couderc's spezielle Atmosphäre als "Himmel für Kinder, aber Hölle für Erwachsene empfinden". Wir würden eher sagen, es ist ein sehr lebhaftes und sehr familienorientiertes FKK Gelände mit unzähligen Aktivitäten und Animationen. Für ihre „Geisternacht“, wird auch Mal der Verkehr auf den umliegenden Strassen geregelt. Dank einer "Armee" von jungen enthusiastischen "Ferien-Jobbern", fühlte man sich in Le Couderc inmitten eines Jungbrunnens. Die Gästeschar bestand fast ausschliesslich aus niederländischen Familien mit Kindern jeden Alters. Diese genossen ihre Freiheit und schlossen sich in Banden zusammen. Kein Wunder, dass das Jungvolk alljährlich ins Couderc zurückkehren will.

 

Wir bekamen den Eindruck, dass es sich bei der Hälfte der Gäste um Berufskünstler aus den Niederlanden handelte. Das "open podium", die offene Bühne, wurde regelrecht überrannt und die meisten Vorführungen waren richtig hochklassig, eher was man in einer Konzerthalle erwarten würde, als auf einem Campingplatz. Obwohl die einzelnen Vorführungen auf sieben Minuten begrenzt waren, dauerten die Shows von 21 Uhr bis 02 Uhr morgens.

 

Auch wenn wir Le Couderc gut gemocht hatten, kehrten wir bisher nie zurück. Dies hing wahrscheinlich damit zusammen, dass wir uns dort eher wie in den Niederlanden, als in Frankreich fühlten. Im Nachhinein ist uns auch aufgefallen, dass wir nie an einen Ort zurückkehrten, an dem wir (nur) campiert hatten. Zudem entwickelten wir später eine Vorliebe für grössere Gelände mit viel Auslauf.

 

Nun stellten wir fest, dass Le Couderc viele adrette Chalets zu mieten anbietet und dass das Gelände erweitert wurde. Bei unserer Ankunft am 27. September 2014 wurden wir von den niederländischen Eigentümern Marieke, Nico und Olivier, die das Herz und die Seele dieses Platzes sind, herzlich begrüsst. Bei Ankunft offeriert man jedem Gast ein Willkommensgetränk und einer der Eigentümer, die selbst echte Naturisten sind, nimmt sich Zeit, alles über den Campingplatz zu erklären. Wir entschieden uns für eines der neuen Chalets mit extra Isolation. Dies war sicherlich ein Pluspunkt, da es während der Nacht schon langsam kühl wurde, wenn auch die Tagestemperaturen immer noch auf 25° bis 30°C anstiegen. Dies sogar jetzt noch, im Oktober - sozusagen Sommer im Herbst - einfach perfekt für FKK.

Das 33 ha grosse Gelände bietet viel Platz für alle, denn es gibt nur 22 Chalets, 6 Miet-Zelte und 160 Stellplätze. Das Grundstück besteht aus flachen, von Feldern und Wäldern gesäumten Wiesen. Zäune gibt es nirgends. Die Bauern der Nachbarschaft haben sich wohl an den Anblick von nackten Menschen gewöhnt und die FKKler wissen wohl, wann sie etwas umwickeln müssen. Le Couderc bietet aber reichlich Möglichkeiten zum Spazieren und Wandern ganz ohne, sowohl im Wald, als auch entlang der Felder.

 

Sommerhitze: wenn ein Teich zum Schlammbad wird

 

Sehr malerisch sind auch die beiden Teiche, welche zum Schwimmen und Fischen einladen. Sosehr die Urlauber den lang andauernden Sommer genossen, hat sich dieser leider negativ auf das Wasser ausgewirkt. Es entwickelten sich zu viele Algen und der Grund wurde schlammig.

In einem der Teiche nahm dies solche Ausmasse an, dass er ausgepumpt und ausgebaggert werden musste. Eines Morgens erwachten wir durch den Lärm grosser Baumaschinen und staunten über die riesigen Muldenkipper, die hin und her fuhren. Diese Monster waren fast höher, als das Restaurant. Das letzte Mal, als wir solch gigantische Lastwagen sahen, waren wir in einer Australischen open-cut Mine. Unten am Teich erlebten wir ein beeindruckendes Spektakel. Ein schwerer Raupenbagger und einer der riesigen Muldenkipper versanken fast im Schlamm. Da das Ganze zu gefährlich wurde, musste "die Show" abgebrochen- und ein paar Tage später mit noch schwererem Gerät fortgesetzt werden. Ein grösserer Bagger mit einem beeindruckenden, 18 Meter langen Arm, übernahm nun die Arbeit vom sicheren Ufer aus. Insgesamt wurden etwa 1'500m3 Schlamm und Morast aus dem Tümpel ausgebaggert. Später wurde weisser Sand hergeführt und damit ein neuer Strand angelegt. Nur wenige Tage später war der, nun deutlich grössere, Teich wieder gefüllt, da man einen nahegelegenen Bach umgeleitet hatte. Bis die nächsten Sommerurlauber eintreffen, wird das Ufer wieder begrünt sein und der Teich wird Kinder und Erwachsene aufs Neue erfreuen.

 

Momentan waren wir mit dem beheizten Schwimmbecken mehr als zufrieden. Es hatte noch herrliche 24°C. Wenn wir noch mehr Wärme wünschten, konnten wir uns ins Sprudelbad, oder in die Sauna setzen. Alles wurde täglich beheizt, selbst im Oktober.

Bei unserer Ankunft herrschte um den Pool noch erstaunlich viel Betrieb. Um ein paar Franzosen unter die sonst niederländisch dominierte Gästeschar dieses FKK Platzes zu mischen, locken die Besitzer die Naturisten der Umgebung erfolgreich mit Saisonkarten an. Bei diesem fantastischen Wetter kamen regelmässig ein paar Leute aus der Nachbarschaft, um von Le Couderc's ausgezeichneten Einrichtungen zu profitieren.

 

Sehr beliebt waren auch das gute und preiswerte Restaurant, der Imbiss- und Pizzastand, die Bar und das kleine, gut sortierte Lebensmittelgeschäft. Trotz der schrumpfenden Zahl der Gäste war fast alles bis zum Saisonschluss in Betrieb, und einiges sogar noch länger. Natürlich war nicht mehr jede Theke besetzt. Man musste aber bloss eine Glocke läuten und schon erschien jemand. Zur "Happy Hour" war es genau umgekehrt. Sobald die Glocke ertönte, wussten die Schnäppchenjäger, dass sie wieder zuschlagen können. Selbst als der Campingplatz schon fast leer war, staunten wir immer wieder, wie viele Leute da auf einmal erschienen.

 

Open podium: enorm populär im Sommer, weniger im Herbst

 

Ebenfalls sehr beliebt ist Le Couderc's "open podium", wo die Gäste eingeladen sind, etwas auf der Bühne vorzuführen. Stolz verkündete Olivier in mehreren Sprachen, dass wir das Privileg haben, das erste, im Oktober abgehaltene, "open podium" mitzuerleben. Wir erinnern uns noch sehr gut an unseren damaligen Aufenthalt in der Hochsaison, als fast mehr Gäste etwas auf der Bühne vortragen wollten, als Zuschauer da waren. Jetzt im Herbst war es offensichtlich anders. Es hatte kaum noch Zuschauer und noch viel weniger Talente. Die Berufskünstler waren wieder in den Niederlanden, um mit ihren Engagements Geld zu verdienen, statt die anderen Ferientechniker mit Gratisvorführungen während ihres Urlaubs in Le Couderc zu erfreuen. Glücklicherweise war da noch ein sehr talentierter Französischer Ferien-Jobber, der zwischen zwei Liedern von Gästen, immer wieder die Bühne übernahm.

 

In unserer ersten Woche freundeten wir uns mit dem niederländischen Paar an, das das Hüttchen neben uns bewohnte. Sie unterschieden sich deutlich von den typischen Holländern, die man sonst in Frankreich trifft. Normalerweise kommunizieren diese gerne in fast jeder Sprache, ausser Französisch. Lieber sprechen sie Englisch, Deutsch oder sogar Indonesisch. Wir genossen es richtig, dass unsere Nachbarn gern auf Französisch mit uns kommunizieren wollten, um ihre Sprachkenntnisse aufzubessern. Wir mussten alle vier schmunzeln, als einer der Eigentümer zu uns an den Tisch kam und sagte: "Brigitte & Heinz sprechen auch Englisch, ihr müsst euch also nicht mit Französisch quälen"...

 

Die Dordogne: wir bringen unseren Besuchern die Schönheit dieser Region näher

 

 

In der zweiten Woche bezogen Edith & Kari das Häuschen neben uns. Auch ihnen gefiel das gut eingerichtete Chalet, mit dem grosszügigen Wohn-Esszimmer, mit seiner grossen modernen Küche. Es bot auch eine gedeckte Terrasse, ein grosszügiges Schlafzimmer und ein modernes Bad mit kontrollierter Lüftung.

Wie immer, wenn uns Edith & Kari besuchen, verbrachten wir eine sehr aktive Zeit zusammen. Am ersten Tag nahmen wir es aber noch ruhig, da die beiden eine lange Autofahrt hinter sich und zudem bereits das hauseigene Museum über Le Couderc's Geschichte besucht hatten.

 

Glücklicherweise stehen Edith & Kari während ihres Urlaubs auch eher auf Spät- statt auf Früh-stück. Aber danach muss es ein vollgeladenes Programm sein. Nach- oder zwischen den ausgedehnten Spaziergängen durch das FKK-Gelände, etwas sonnenbaden, sprudeln im Jacuzzi, schwitzen in der Sauna und abkühlen im Schwimmbecken, blieb längstens noch genügend Zeit für Ausflüge.

Wir wissen, dass die Dordogne-Region unzählige Ausflugsziele bietet und es ist auch verständlich, dass unsere Besucher möglichst viele sehen wollten. Als Reiseführer fungierend, versuchten wir eine gute Balance zwischen Dörfern und Kleinstädtchen zu finden.

 

Während unseres ersten Ausflugs brachten wir die beiden ins nahegelegene Beaumont und von dort ins winzige St. Avit-Sénieur, mit seiner mächtigen Kirche und der historischen Benediktinerabtei. Von dort ging's weiter zu den adretten Marktstädtchen Belvès und St. Cyprien. Ostwärts, dem Flusslauf der Dordogne folgend, sahen wir bald die Silhouette des malerischen Beynac mit seiner mächtigen Burg, die auf einer Klippe über dem Dorf und dem Fluss thront. Natürlich mussten wir den steilen Pfad zwischen den alten Steinhäusern hinaufschnauben, um die Aussicht auf das Tal und die umliegenden Schlösser auszukosten.

 

Die Dordogne ohne Gourmet-Küche wäre wie Paris ohne Eiffelturm

 

Für den Abend fuhren wir nach Les Eyzies-de-Tayac, welches dank seiner beeindruckenden Lage unterhalb einer überhängenden Felswand, und noch mehr, wegen seines grossen Nationalmuseums über die Frühgeschichte der Menschheit, viele Besucher anzieht. Natürlich regte so ein intensives Besichtigungsprogramm unseren Hunger an. Zum Glück findet man in diesem kleinen Dorf gleich mehrere edle Lokale mit Auszeichnungen. Das Schwierigste war, dass wir uns nur für eines entscheiden konnten. Die Wahl fiel auf eine malerisch gelegene, alte Mühle, wo wir mit einem lecker zubereiteten und sehr schön präsentierten 7-Gänge-Menü verwöhnt wurden. Edith hatte zwar anfangs noch etwas Bedenken, dass 7-Gänge doch etwas zu üppig seien. Nachdem sie aber realisierte, wie gut die Grösse der einzelnen Portionen angepasst war, posaunte sie spontan heraus, dass sie sich für den Rest ihres Urlaubes, nicht mehr mit weniger, als fünf Gängen zufrieden geben möchte!

 

Die Dordogne Region ist für ihr vielfältiges Angebot an Gourmet-Tempeln bekannt und zum Glück findet man einige ganz in der Nähe von Le Couderc. Im etwa 7km entfernten, hübschen Dorf Issigeac, gibt es mindestens zwei Lokale mit Sterneköchen. Beide wurden uns empfohlen und so wollten wir herausfinden, ob das eine ebenso gut sei wie das andere. „La Brucelière“ serviert schmackhaft und kreativ zubereitete Gerichte, doch im Gegensatz zu anderen Restaurants seiner Klasse, sind die Portionen nicht auf die Anzahl Gänge angepasst. Obwohl das Essen ausgezeichnet war, fühlten wir uns wie eine Schar gestopfte Gänse, als wir wieder davonwatschelten. Im nahegelegenen Restaurant „El Borini, Chez Alain“, wird genauso kreativ und gut gekocht, wenn man aber dort vom Tisch aufsteht, wünscht man sich, jeden Tag so zu essen.

 

Als das ansonsten super schöne Oktoberwetter zur Abwechslung von einigen Regentropfen getrübt wurde, fanden wir es ideal, ein paar der nahegelegenen Städtchen zu besuchen. Als erstes fuhren wir ins 27'000 Einwohner zählende Bergerac, welches bereits die zweitgrösste "Stadt" der Dordogne ist. Obwohl dieser hübsche Ort recht viele Touristen anzieht, ist es einfach, ein erstklassiges Speiselokal zu finden.

Sarlat-la-Canéda, 75km östlich, ist ein besonders schönes, mittelalterliches Städtchen und wird noch viel mehr vom Touristenstrom überrannt. Unbeabsichtigt fördert dieser die vielen Touristenfallen, die es darauf abgesehen haben, den Dummen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Hier ist es viel schwieriger, ein gutes Lokal zu finden. Glücklicherweise gibt es aber in der Umgebung viele schmucke Dörfer, die auch gastronomisch viel zu bieten haben. Nicht nur wegen des Essens, sondern um in die Schönheit dieser Orte einzutauchen, fuhren wir nach Castelnaud la Capelle mit seinem mächtigen Burghügel, dann hinauf ins befestigte Domme, welches auf einer Anhöhe thront und wieder zurück ans Ufer der Dordogne. Dort wollten wir Edith & Kari unbedingt unser Lieblingsdorf zeigen: La Roque-Gageac, ein besonders schmuckes Örtchen, das sich malerisch an eine Felswand entlang des Flussufers schmiegt. Es ist seit langem ein beliebtes Ausflugsziel, obwohl die Besucher und der Durchgangsverkehr bisher die enge Fahrbahn teilen mussten. Eine neue Strasse, mit beidseitigen breiten Gehsteigen, wurde erst dieses Jahr fertiggestellt und hat La Roque-Gageac noch attraktiver gemacht.

 

Historische Bastiden und Schlösser

 

Zum Abendessen fuhren wir nach Monpazier, welches eine sogenannte "Bastide" ist. Darunter versteht man ein mittelalterliches Dorf, wo zusammengebaute Häuser eine Festung um den geschützten Ortskern bilden. Dadurch wurden diese Wohnungen zur Befestigungsmauer und die Bewohner zum Kanonenfutter...

Das Restaurant Eléonore im Schlosshotel Château Edward 1. war die noble Adresse, wo wir diesen wunderschönen Tag abschlossen.

Jetzt war es Zeit, etwas auszuspannen und so blieben wir im Le Couderc und genossen das perfekte Wetter mit sonnenbaden, spazieren und schwitzen in der Sauna. Erst am Abend fuhren wir aus, natürlich zum Schlemmen. Dieses Mal zu "La Gentilhommière", einer Frühstückspension mit dem hauseigenen Gourmet-Restaurant "Etincelles". Wer sich in diesem edlen Lokal in Sainte Sabine Born einen Tisch reserviert, muss sich überraschen lassen, da der Küchenchef täglich ein neues kreatives Menü zusammenstellt.

 

Tags drauf war wieder ein Besichtigungsprogram angesagt. In und um die Dordogne Region gibt es unzählige Schlösser und zur Abwechslung besuchten wir einmal eines von innen, nicht bloss von aussen. Es war das fast 1'000 jährige Château Biron, das majestätisch auf einem Hügel thront. Nachdem wir uns in jeder Ecke der renovierten Gebäude umgesehen hatten, ging's weiter ins adrette Monflanquin, und danach in die befestigte Stadt Villeneuve-sur-Lot, die als grösste "Bastide" Südfrankreichs gilt. Zwischen der Neo-byzantinischen roten Backsteinkirche St. Catherine und den Brücken über die Lot, gibt es viel zu sehen.

Am Abend feierten wir Edith & Kari's 29. Hochzeitstag, wiederum in einem stattlichen Herrenhaus: „Château les Merles“, das heutzutage ein luxuriöses Golfhotel mit Feinschmeckerlokal ist.

 

Ist nun Saisonende im Le Couderc oder doch nicht?

 

Schon bald waren Edith & Kari's acht Tage verstrichen und sie verabschiedeten sich wieder von uns. Damit sie auf ihrer Heimreise den hohen Standard der Dordogne beibehalten können, buchten wir ihnen auf halbem Weg ein adäquates Hotel, in dessen Restaurant wir selbst schon mehrmals geschlemmt hatten. Wir haben ihren Besuch sehr genossen, wollten es nun aber wieder etwas ruhiger nehmen. Wir warteten noch auf ein Paket und da dieses verspätet war, hatten wir eine gute Ausrede, noch länger zu bleiben.

Glücklicherweise war es überhaupt kein Problem, unseren Aufenthalt im Le Couderc sogar über das offizielle Saisonende hinaus zu verlängern. Wir waren nicht einmal die Einzigen, und am Wochenende kamen sogar noch die Franzosen aus der Nachbarschaft hinzu. Das beheizte Schwimmbecken, die Sauna und das Sprudelbad waren immer noch täglich in Betrieb und auch frisches Brot konnte weiterhin bestellt werden. Über einen solchen Service kann man wirklich nicht jammern!

 

Le Couderc ist ein sehr sympathisches, gut ausgestattetes FKK-Gelände mit vielen Aktivitäten. Die Eigentümer sind voll engagiert und mischen sich regelmässig unter die Gäste. Die einen vermissen hier vielleicht das Gefühl in Frankreich Urlaub zu machen, da die allermeisten Gäste aus den Niederlanden stammen. Es ist aber einfach zu kompensieren, da von diesem Naturisten-Camping aus, unzählige charmante Dörfer, Schlösser, Flusstäler und weitere Attraktionen, sowohl der Dordogne-, als auch Lot-et-Garonne Region, mit einer kurzen Autofahrt erreicht werden können. Le Couderc bietet ein breites Angebot an Unterhaltung und Aktivitäten. Im Restaurant findet man eine ansprechende Auswahl an qualitativ guten Gerichten, mit Französischem-, wie auch Niederländischem Einschlag. Wer aber auf Französische Haute Cuisine steht, findet in der näheren Umgebung eine breite Auswahl an echten Schlemmerlokalen. Adressen findet man in den einschlägigen Gourmetführern und an der Rezeption geben Marieke, Nico oder Olivier gerne ihre Empfehlungen weiter.

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Spanien: kreuz und quer von Frankreich nach Andalusien

Wir haben entschieden, den ersten Teil des Winters ein weiteres Mal in Vera Playa zu verbringen. Wir planen etwa 10 Tage ein, um unser Ziel zu erreichen, da wir verschiedene lohnenswerte Umwege ins Auge fassen. Wir denken gar nicht erst daran, in einem Tages-Marathon auf der gebührenpflichtigen Autobahn nach Südspanien zu rasen und uns womöglich ausrauben zu lassen, wie dies zu vielen Winterflüchtlingen passiert. Das Landesinnere Spaniens ist friedlich und wunderschön und unsere diversen Routen waren alle sehr lohnenswert!

 

Am 18. Oktober 2014 verliessen wir schlussendlich die Dordogne-Region und kamen bis Pau, am Fusse der französischen Pyrenäen. Dort genossen wir die charmante Altstadt und ein letztes "dîner gastronomique".


Am nächsten Tag fuhren wir auf engen Bergstrassen in die
Spanische Navarra Region. Unser erster Sight-seeing Stopp galt der beeindruckenden Schlucht "Foz de Arbayún", welche vom Rio Salazar ausgewaschen wurde. Viele Geier zogen ihre Kreise über der Schlucht, da sie sich, dank eines Aufzucht-Programms für verschiedene Vogelarten, wieder gut vermehren. Schon bald flachte die Landschaft aus und nun begaben wir uns auf Futtersuche. Es war Wochenende und so hatten viele Restaurants geschlossen. Am Sonntag nehmen sich die Spanier gerne Zeit um mit Familie und Freunden in einem besseren Lokal zu Mittag zu essen. Die besten und beliebtesten Restaurants liegen oft abseits und deshalb ist es für Touristen Glücksache, eines zu finden.

Unser neuestes Spielzeug ist ein Smartphone, und so probierten wir etwas damit herum, um herauszufinden, ob es uns hilft, durch Spanien zu navigieren. Bingo, dank Internet- und Navi-Apps, fanden wir ein super Restaurant mitten im Nichts. Wir hätten uns sonst nie getraut, auf diese Feldwege zu fahren, die dorthin führten, doch wenn man an die moderne Technik glaubt, fährt man einfach! Wir waren jedenfalls vom Essen und der familiären Atmosphäre, die wir dort fanden, begeistert.

 

Satt fuhren wir weiter ins historische Dörfchen Ujué. Es liegt zuoberst auf einem Hügel mit terrassierten Feldern. Ujué ist bekannt für seine befestigte Kirche aus dem 12. Jh. Durch den konstanten Touristenstrom wurden die Einheimischen erfinderisch. Während wir durch die engen Gassen mit den alten Steinhäusern schlenderten, stieg uns immer wieder süsser Duft in die Nase, wie er beim Rösten von Mandeln entsteht. Diese Köstlichkeiten kann man an jeder Ecke kaufen.

 

Wir übernachteten im pittoresken befestigten Städtchen Olite. Hier gibt es viele charaktervolle, stattliche Gebäude. Das auffälligste davon ist sicherlich das märchenhafte Castillo, welches auch Palacio Real genannt wird. Am Stadtrand fanden wir ein luxuriöses, aber preiswertes Hotel, von dem wir das malerische Zentrum gut zu Fuss erreichen konnten.

 

Am nächsten Tag war es nur noch ein kurzer Weg bis nach Burgos, wo wir ein Hostal mit Tiefgarage fanden. Wie in vielen Spanischen Städten üblich, schien es auch in Burgos keine Vororte zu geben. Nach der Fahrt durch karges, oder landwirtschaftlich genutztes Land, wo kaum je ein Haus steht, erreicht man urplötzlich "eine Wand" aus mehrstöckigen Wohnblocks und genau dort beginnt die Stadt mit 180'000 Einwohnern!

 

Von unserem Hotel, im Quartier mit den grossen modernen Apartmenthäusern, war es ein interessanter Spaziergang bis zu den alten Stadthäusern im Zentrum. Viele haben einen kleinen, verglasten Balkon. Die mächtige Kathedrale ist das eindrücklichste Gebäude in der Altstadt. Ebenfalls beeindruckend sind die verschiedenen, verzierten Stadttore. Ein modernes Wahrzeichen, ist der Komplex aus drei ineinander übergreifenden Gebäuden, in denen ein neuer Kongress-palast und das gigantische Museum der menschlichen Evolution, untergebracht sind.

 

Mittags stach uns eine sehr kreative Tapas Bar, mit einer unwiderstehlichen Auswahl appetitlicher Köstlichkeiten ins Auge. Zum Abendessen, fanden wir hingegen nichts als Touristenfallen. Dies hat vielleicht damit zu tun, dass die Kathedrale von Burgos eine wichtige Station auf dem St. Jakobsweg, der Pilgerroute nach Santiago de Compostella, ist. Nach stunden-, oder gar tagelangem Marsch entlang vielbefahrener Strassen und Autobahnen, sind diese Pilger wahrscheinlich einfach zufriedenzustellen.

 

Am nächsten Tag fuhren wir weiter ins Marktstädtchen Aguilar de Campo, wo sogar gerade Markt war. Nachdem wir uns bei Cervera de Pisuerga verfahren hatten (ohne Navi...) hielten wir spontan bei einem Parador zum Mittagessen. Paradores sind Luxushotels in Schlössern, Klöstern oder sonstigen historischen Gebäuden, die dem Spanischen Staat gehören. Das mit dem Tourismus erwirtschaftete Einkommen hilft, diese wunderbaren Baudenkmäler zu erhalten. Die Aussicht war dort ebenso gut, wie das, was auf den Tellern serviert wurde.

 

Picos de Europa: Nordspaniens bizarres Gebirge

 

Nun war es Zeit, wieder etwas in die Natur einzutauchen und so machten wir einen Umweg zum Picos de Europa Nationalpark. Insgesamt verbrachten wir drei Tage in diesem Gebiet und übernachteten dabei im adretten, aber touristischen Potes, sowie in Cangas-de-Onís mit seiner römischen Brücke. Wir umrundeten den Nationalpark und fuhren auf drei Bergstrassen in sein Inneres, wobei wir immer wieder mit atemberaubender Sicht auf das bizarre Gebirge belohnt wurden. Unsere Fahrt auf der steilen und engen Strecke zu den Covadonga Seen, war einfach spektakulär! Da das Wetter klar und mild war, hatten wir uneingeschränkte Rundsicht über die Berge bis hinunter zum Meer. Ausser, dass wir die bekannten Gipfel sehen konnten, kamen wir auch durch enge und tief geschnittene Felsschluchten, was uns total überraschte. Im ganzen Park leuchteten die Bäume in den schönsten Herbstfarben und die engen Bergstrassen mussten wir immer wieder mit Schaf-, oder Rinderherden teilen.

 

Als nächstes stand die Kleinstadt Zamora auf unserer Agenda. Sie hat eine beachtliche Anzahl an historischen Gebäuden, darunter viele Kirchen, eine Kathedrale und eine teilweise restaurierte Burg.

 

Nur 70km weiter südwärts, besuchten wir Salamanca. Diese Stadt gefiel uns bereits vor 15 Jahren und deshalb wollten wir sie noch einmal sehen. Mit ihrer lebhaften Atmosphäre in den Strassen und auf den vielen Plätzen, strahlt sie viel Charme aus. Schon von weitem, sobald man Salamanca's Silhouette erkennt, sieht die Stadt sehr attraktiv aus. Es gibt hier so viele aussergewöhnlich schöne Gebäude, dass wir gar nicht alle erwähnen können. Der Hauptplatz, "Plaza Major", ist wohl der grösste Platz, den wir je in Spanien gesehen haben, auch wenn wir erfuhren, dass er vor dreihundert Jahren sogar noch viel grösser gewesen sei. Mit seinen vielen schönen Kirchen, Kollegien und den vielen Studenten, könnte man Salamanca fast "das Oxford von Spanien" nennen.

 

Nach so viel Besichtigungsprogramm, wollten wir zur Abwechslung etwas schneller vorwärts kommen und so fuhren wir auf Hauptverkehrsstrassen bis hinunter nach Úbeda, welches wir vor zwei Jahren schon einmal besichtigt hatten. Damals war es allerdings nasskalt und neblig gewesen. Nun aber, erlebten wir die Stadt im besten Licht. Wir gingen nochmals ins selbe Hotel und nachdem wir dem Rezeptionisten gegenüber erwähnten, dass wir schon einmal hier gewesen sind, fühlte er sich verpflichtet, uns wieder das gleiche, extra-grosse Zimmer zu geben. Diesmal schauten wir uns länger in der Stadt um und machten viele Fotos, welche die letzten alt aussehen lassen.

 

Inzwischen waren wir bereits in Andalusien. Die Landschaft wurde noch karger und wir sahen nicht mehr viel anderes, als Olivenplantagen. Diese überzogen hier aber ganze Hügelzüge. Schon bald erreichten wir die Küste und freuten uns darauf, ein paar Monate an der Sonne verbringen zu können.

 

Natsun: sommerlich bis zum Jahresanfang

 

Am 26. Oktober 2014 erreichten wir Natsun in der FKK-Zone von Vera Playa. Die Eigentümer, Hedi und Jan, begrüssten uns freundlich und übergaben uns die Schlüssel zur selben Wohnung, die wir schon ein paarmal gemietet hatten. Dort konnten wir wieder die tolle Aussicht geniessen, die in vielen von Natsun's Apartments im Preis inbegriffen ist.

Als wir uns umsahen, fielen uns ein paar Neuerungen auf, welche das Apartment gegenüber vor zwei Jahren noch mehr aufwerteten. Das allerbeste war eine neue bequeme Matratze. Weiter war ein kleines Türchen am Eingang zu unserer grossen Terrasse eingebaut worden, sodass wir etwas mehr Privatsphäre haben. Über der Eingangstür zur Wohnung befindet sich neu ein Regendach und schlussendlich ist nun in allen Ferienwohnungen ein WLAN-Signal fürs Internet verfügbar.

 

Bis anfangs Dezember konnten wir von gutem, fast noch sommerlichem, Badewetter profitieren. Selbst danach war es noch oft möglich, in der FKK Uniform für ein/zwei Stunden an den Strand zu gehen. Auch wenn wir hoffen, dass es bis zu unserer Abreise Mitte Februar 2015 so bleiben möge, ist dies unwahrscheinlich. Die gefühlte Temperatur ist im Winter stark vom Wind abhängig und nach Neujahr werden sich nur noch die hartgesottenen Eier am Strand sonnen. Wir Normalbürger (wenigstens was dies anbelangt...), werden uns eine windgeschützte Stelle suchen, wenn wir denn auf unserer Terrasse eine finden. Dies natürlich nur, wenn die Sonne scheint. Im Winter erwarten wir ja nicht jeden Tag eitel Sonnenschein und so sollten wir Zeit haben, genau zu planen, wie unser permanentes Fernweh gestillt werden soll. Ab Mitte Februar kann man uns also überall antreffen, wo wir entweder noch nie, oder schon lange nicht mehr waren, sei es in Europa oder Übersee...



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