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Reisetagebuch Kapitel 27 [Mai 2015 - Dezember 2015] als PDF
(Naturisten- und Reisefreuden in Zentral- & Ost-Europa)

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Spanien, Nizza & Perpignan
Mehr über Korsika: Kapitel 13
Einleitung

Naturisten- und Reisefreuden in Zentral- & Ost-Europa

Osteuropa ist eine weitere Region, die wir bisher bei der Wahl unserer Reiseziele kaum berücksichtig haben. Vor 25 Jahren besuchten wir jedoch ein paar seiner Hauptstädte, und vor 15 Jahren sind wir einmal durch Kroatien, Slowenien und Ungarn gereist. Die Länder hinter dem ehemaligen eisernen Vorhang haben uns aber nie richtig angezogen. Mit all den politischen Veränderungen der letzten paar Jahrzehnte, haben aber die ehemaligen Ostblockländer mehr, als nur ein paar kosmetische Änderungen erfahren.

Somit wäre es interessant zu sehen, was sich seit unserem letzten Besuch in der Region, verändert hat. Nun, bereits beim Kauf der Reiseliteratur stellten wir überrascht fest, dass ehemalige Ostblockländer wie Slowenien, Ungarn, die Slowakei, Tschechien oder Polen nun Seite an Seite mit Deutschland, Österreich und der Schweiz in einem Reiseführer über Zentraleuropa aufgeführt sind!

Da unsere Zentral- und Osteuropa-Reise in die warmen Sommermonate fällt, wollten wir natürlich vorwiegend auf FKK Plätzen übernachten. Beim Wechseln von einem Gelände zum nächsten, lassen wir aber immer ein paar Reisetage dazwischen. Einige der gewählten FKK-Ziele liegen zudem mitten in touristisch interessanten Regionen...

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Mehr über Österreich: Kapitel 13
1. Mai-Juni
2. Hauptkapitel (August-September)
3. November

Österreich: Naturismus am Keutschacher See in Kärnten

Am 29. April 2015 überquerten wir die Italienischen Dolomiten ins Österreichische Osttirol. Unser erstes Ziel war das hübsche Stadtzentrum von Lienz. Nachdem wir uns gebührend umgesehen hatten, erreichten wir den von schön renovierten Gebäuden umgebenen Hauptplatz, wo wir uns in einem Gartenrestaurant niederliessen. Wir waren von den tiefen Preisen in diesem doch eher noblen Café überrascht. Natürlich war die Auswahl an Gerichten recht unterschiedlich, es erschien aber alles viel günstiger, als im nahe gelegenen Italien. Selbst Kaffee und Kuchen, bei Österreichern beliebt wie eh und je, erschienen uns hier viel preiswerter, als bei früheren Besuchen im Land.

 

FKK Grosscamping Sabotnik: Naturismus am Keutschacher See

 

Von Lienz fuhren wir über einen kleinen Pass mit dem witzigen Namen Gailberghöhe. Leider war er nicht ganz so "gail" wie der Name versprach. Dahinter öffnete sich das grüne Tal und wir erreichten das sonnige Kärnten, welches auch für seine vielen Seen bekannt ist. Der Keutschacher See ist einer von ihnen und fast sein gesamtes Südufer ist Naturisten vorbehalten. Diese freuen sich darüber, vier FKK-Plätze zu finden. Von West nach Ost: Müllerhof, FKK Grosscamping Sabotnik, FKK Kleincamping, ein öffentlicher FKK Strand, sowie das Klubgelände des Kärntner Lichtbundes. Für diejenigen, die gerne ihre Bademode herzeigen, gibt es am Ostufer zudem einen grossen textilen Campingplatz und ein Strandbad.

 

Da wir grosse Gelände mit viel Platz für Bewegung mögen, fiel unsere Wahl logischerweise auf das grösste "Gehege" für die Nackten, den FKK Grosscamping Sabotnik. Sein 9Ha grosses Gelände liegt an etwa 500 Metern des See-Ufers und bietet seinen Besuchern mehrere grosszügige Badestege, komplett mit Sitzbänken und Einstiegsleitern zum Wasser. Der Schilf zwischen den Stegen macht den Platz so richtig idyllisch. In der Nähe der Badestellen laden grosse, von Bäumen gesäumte Wiesen zum sonnenbaden ein, an einigen Stellen sind sie jedoch etwas sumpfig.

Sabotnik bietet etwa 750 grosse Stellplätze an, von denen 280 von Dauermietern belegt sind. Weiter gibt es 10 Miet-Wohnwagen und 24 Hotelzimmer. Über die Strasse befindet sich ein separates Gebiet für Hundebesitzer, die vierbeinigen Freunde dürfen jedoch nicht mit ans See-Ufer. Andere Gebote beinhalten, dass zwischen 13 und 14h weder abgewaschen, noch mit dem Auto gefahren werden darf. Weiter verlangen die Hausregeln, dass sowohl im Laden, als auch im Restaurant etwas übergezogen werden muss. In beiden ist aber das Personal aussergewöhnlich freundlich und hilfreich. Obwohl Sabotniks "Kaufhaus" nicht sehr gross ist, war das Angebot doch recht vielfältig. Zudem wurden auch einige "Take-Away Snacks", sowie kalte und warme Getränke angeboten.

 

WLAN-Zugang findet man im Hauptgebäude und dort befand sich auch unsere Unterkunft. Da wir ein Zimmer mit Frühstück gebucht hatten, assen wir jeden Tag auswärts. Zum Glück war Sabotniks Restaurant eines der besseren. Es bot eine gute Auswahl an lecker zubereiteten Gerichten und dies erst noch zu sehr konkurrenzfähigen Preisen. An der Rezeption erhielten wir zudem eine Liste mit empfohlenen Lokalen rund um den Keutschacher See. Diesen kann man in einem angenehmen, 1½ stündigen, und 7,5km langen, Spaziergang umrunden und erreicht dabei etwa 10 Restaurants.

Das FKK Gelände Müllerhof liegt direkt neben Sabotnik und da sich die beiden nicht unbedingt als Konkurrenten, sondern eher als Mitbewerber betrachten, findet man das Restaurant des Müllerhofs ebenfalls auf Sabotniks Liste der empfohlenen Speiselokale. An einem Abend machten wir uns dann auf, um dieses zu testen. Es erschien uns zwar eleganter, die Auswahl an Gerichten war aber deutlich kleiner als "auf unserer Seite". Was man uns dann servierte, war zwar einfach, aber ebenfalls gut zubereitet. Natürlich spionierten wir vor dem Verlassen des Müllerhofs noch ein wenig die Unterschiede aus. Das Gelände erschien uns manikürierter, alles stand in Reih und Glied, sowohl die Stellplätze, als auch die Blumen. Wir konnten kaum glauben, dass es im Müllerhof sogar noch mehr Gebote und Regeln zu beachten gilt, als bei uns im Sabotnik. Wir erhielten den Eindruck, dass es dort mehr Besucher, aber weniger Dauermieter hat und genau wie bei uns, kaum Niederländer.

 

Um den Keutschacher See gibt es sicher keinen Mangel an guten Speiselokalen, unsere Versuche ausserhalb der FKK Gelände zu essen, endete aber immer im Desaster. An einem regnerischen Abend "googelten" wir nach dem besten Restaurant der Region und entschieden uns für das Gourmetlokal beim Aussichtsturm auf dem Pyramidenkogel, den man sogar von Sabotnik aus sehen kann. Nun gut, das Restaurant schloss gleichzeitig mit der Aussichtsplattform bereits um 20 Uhr, und wegen der tiefhängenden Wolken konnten wir kaum einen Blick von der guten Aussicht am Fusse des modernen Turms erhaschen. So suchten wir uns ein anderes Lokal.

 

Ein andermal folgten wir einem Schild zu einer "Buschenschenke", einem Bauernhof-Restaurant, wie uns gesagt wurde. Wir erhofften uns natürlich etwas ähnliches, wie in einer Französischen "ferme auberge". Nach einem anstrengend steilen, 3km langen Marsch mussten wir aber erfahren, dass in dieser "Buschenschenke" bloss hausgemachte Wurstwaren mit Brot und vielleicht noch ein Stück Kuchen serviert werden, aber keine gekochten Speisen. Die Gäste die davon schwärmten, waren wohl eher vom hauseigenen sauren Most und Schnaps begeistert. Enttäuscht rannten wir zurück zu Sabotniks Restaurant, wo wir uns von Schweinsfilet mit Spargeln und Sauce Hollandaise, sowie einem hausgemachten, dick gefüllten Cordon-Bleu verwöhnen liessen, bevor wir die gediegene Mahlzeit mit einem saftigen Apfelstrudel be-endeten.

 

Insgesamt verbrachten wir sechs angenehme Tage am Keutschacher See. FKK Grosscamping Sabotnik ist eine wunderschöne, natürliche Oase direkt am See und bietet seinen Gästen alles, was Sonnenanbeter suchen. Wer Lust auf Ausflüge hat, kann zudem das touristisch interessante Bundesland Kärnten direkt von der Haustür aus erkunden.

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1. Anfangs Juni
2. Ende Juni
3. Hauptkapitel (November)

Via Slowenien nach Kroatien

Am 4. Juni 2015 verliessen wir Österreich und fuhren über den unglaublich steilen, jedoch nur 1'073m hohen Wurzenpass (Korensko Sedlo), nach Slowenien. Auf den steilsten Abschnitten, müssen Motorfahrzeuge und hartgesottene Radler mit bis zu 18% Steigung klarkommen. Nun waren wir in den Julischen Alpen und kamen schon bald am tiefgrünen Jasna See vorbei. Von dort windet sich die Strasse über viele kopfsteingepflasterte Haarnadelkurven zum 1'611m hohen Vršič-Pass. Nachdem zuerst der Motor gefordert wurde, mussten sich nun die Bremsen beweisen, da die Strasse auf der andern Seite ebenso steil hinunter ins Soči Tal führt.

Entlang unseres Weges kamen wir kaum an richtigen Dörfern vorbei. Erst in Postojna stiessen wir wieder auf dichter bewohntes Gebiet und dort übernachteten wir in einem netten Privatzimmer. Nach einem üppigen Frühstück setzten wir unsere Fahrt fort und erreichten schon bald Kroatien. Noch vor dem Mittagessen waren wir im Küstenstädtchen Opatija, welches wir als sehr touristisch empfanden. Etwas weiter südlich, nahmen wir noch am selben Nachmittag die Autofähre zur dünnbesiedelten Insel Cres (ausgesprochen: tsrès).

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1. Juni
2. Hauptkapitel (September-Oktober)
3. Oktober-November

Baldarin: FKK inmitten einer Bilderbuchumgebung auf der Insel Cres

Im Jahr 2000 hatten wir an einer FKK Segeltour, entlang der Küste Kroatiens teilgenommen. Während des einwöchigen Segeltörns hatten uns das klare Wasser und die malerische Inselwelt der Adriatischen See total begeistert. Aufgrund dieser bleibenden Erinnerung hatten wir Lust, auf einer dieser Inseln ein FKK Gelände zu finden, um in die Einsamkeit und Schönheit dieser Region einzutauchen.

 

Obwohl wir uns auf eine einsame Insel einstellten und von der Zivilisation weg wollten, waren wir doch überrascht, wie einsam Cres, unsere ausgesuchte Insel, wirklich ist. Als wir sie von Norden nach Süden durchquerten, kamen wir entlang des 80km langen Strassenstücks bloss an einer Handvoll Siedlungen vorbei. Tatsächlich zählt die 66km lange und 2-12km schmale (406km2 grosse) Insel nur etwa 3'200 permanente Einwohner, wovon fast 2'900 in der Ortschaft Cres wohnen.

 

Am Südzipfel der Insel, erreichten wir unser Ziel, das FKK Camping Baldarin bei Punta Križa. Dies ist kein Ort für Puristen, egal ob sie nun FKKler, oder "Textiler" sind. Etwa 20% des Geländes sind für die Prüden, und die übrigen 80% für die Nackten reserviert. Nur ein kleiner Zaun trennt die beiden Sektionen und man kann einfach von einem Teil in den anderen spazieren. Kleidervorschriften werden nur im Lebensmittelgeschäft und im Restaurant konsequent befolgt, ansonsten sieht man aber im FKK Bereich oft auch Badeklamotten, währendem sich im Textilbereich manche splitternackt in der Sonne aalen.

 

Die meisten Gäste des Baldarin kommen wahrscheinlich eh nicht für klassische Badeferien hierher, sondern eher, um die naturgegebene Schönheit der zerklüfteten Küste und das tiefblaue Wasser zu bestaunen. Viele entscheiden sich für einen der winzigen Stellplätze direkt am Meer. Da verbringen sie dann ihren Urlaub und lassen die Seele baumeln. Dabei können sie sich an den Kalksteinfelsen entlang der Küste, dem Wechsel von Wind und Wellen, der Sicht zu den Nachbarinseln, und an den Booten, die durch das unglaublich blaue Wasser gleiten, kaum sattsehen.

 

Obwohl es viele Stellplätze in der ersten Reihe gibt, wollen, oder müssen sich viele an einem schattigen Platz im Wald niederlassen. Natürlich möchten auch die Naturisten von den hinteren Reihen ab und zu ans Meer gehen. Wenn aber am Ufer alles belegt ist, kann es schwierig sein, einen der wenigen schmalen Zugänge zu finden, die es zwischen den Campingplätzen gibt. Direkt hinter den Stellplätzen gibt es zwar viele zusätzliche Abgänge zum Meer, diese sind aber in der Praxis unzugänglich, obwohl sie eigentlich für alle offen gehalten werden müssten. Wohnwagen und Wohnmobile verbauen die Sicht und belegen den gesamten Stellplatz. Zudem hatten wir den Eindruck, dass die Privilegierten alles Mögliche und Unmögliche um sich herum auftürmen und aufhängen, und sich dann hinsetzen um ihr Glück zu bewachen, damit es ihnen niemand "weggucken" kann. Da wir uns gerne bewegen, verliessen wir die Küste mit ihren Felsen nie über denselben Pfad, über den wir sie erreicht hatten. Die Blicke, die uns die Leute zuwarfen, wenn wir in ihre Nähe kamen, gaben uns häufiger als nicht, den Eindruck, dass sie sich durch unser Vorbeikommen gestört fühlten.

 

Unterkunft, einkaufen und essen

 

Auf seinem bewaldeten, 20Ha grossen Grundstück bietet Baldarin etwa 550 Stellplätze, plus 30 Mietmöglichkeiten. Letztere sind im Besitz und unter Verwaltung von Gebetsroither, einem Österreichischen Unternehmen, das sich auf Mietunterkünfte auf Campingplätzen in Europa spezialisiert hat. Etwa 20 Miet-Wohnwagen und 10 Mobilheime werden in Baldarin angeboten. Wir hatten uns für eines der sehr gut ausgestatteten Mobilheime entschieden, die komplett mit Klima-Anlage, Fernseher und einem extragrossen Kühl-Gefrierschrank ausgestattet sind. Bei der Buchung wussten wir noch nicht, dass unsere Unterkunft auf einem privilegierten, extra-grossen Platz steht, der fast fünf Mal so gross ist, wie Baldarin's normalerweise eher winzigen Stellplätze.

 

Auf dem Campingplatz gibt es ein eher grosses Lebensmittelgeschäft. Wenn alles, was während unseres zweiwöchigen Aufenthaltes für ein- oder zwei Tage verfügbar war, die ganze Zeit über verfügbar gewesen wäre, wäre es einfach gewesen, aus dem Angebot eine vollwertige Mahlzeit zusammen zu stellen. Aber genauso, wie in den guten alten kommunistischen Zeiten, war meist ein grosser Teil des Sortiments ausverkauft, und wurde sicher nicht schon in den nächsten Tagen ersetzt! Wenn dann neue Produkte kamen, waren es sicher nicht diejenigen, die schon lange ausgegangen sind, sondern nur eine neue Variation von etwas, von dem es eh schon im Überfluss hatte. Konsequenterweise begannen die Kunden zu hamstern, sobald wieder einmal etwas anderes in die Regale kam. Nur Strudel und Torten gab es immer in Hülle und Fülle, wenn auch lieblos präsentiert. Diese waren zwar gut und billig, aber nicht unbedingt die gesündeste Diät… Einen besser bestückten Laden zu finden war nur dann eine Option, wenn es einem Freude machte, 40km auf einem langsamen Strässchen zu fahren. Dort war die Auswahl dann zwar besser, aber die Preise waren kaum günstiger.

 

Auswärts essen zu gehen, war sicher einfacher! Die Gerichte sind einfach: perfekt gegrilltes Fleisch, oder weniger perfekt gegrillter Fisch. Dazu gibt es meist Mangold und Kartoffeln. Glücklicherweise empfanden wir Baldarins, direkt am Meer gelegenes, Restaurant als deutlich besser, als die drei, die wir ausserhalb des Geländes probiert hatten. Feinschmecker sollten aber keine ausgefallenen Kreationen erwarten und unsere Freunde aus Genf erzählten uns, weshalb Franzosen normalerweise nur einmal hierher kommen. Schon bald sagen sie "il y a rien a bouffer ici!" (hier gibt es ja nix zu fressen!)

Solange der Preis stimmt, scheinen die Deutschen hingegen nicht so heikel zu sein. Zusammen mit den Österreichern und Slowenen stellen sie im Baldarin die Mehrzahl der Gäste.

Zum Glück stellten wir aber später fest, dass sich das gastronomische Angebot in Kroatien im Generellen, massiv von demjenigen in dieser abgelegenen Ecke auf Cres unterscheidet. Wer sucht, kann inzwischen so gut essen wie "Gott in Frankreich", wer es aber vorzieht, findet immer noch etwas "einfaches und günstiges".

 

Ausflüge zu Wasser und zu Land

 

So faszinierend wie die Küste um den Campingplatz anzusehen ist, so schwierig ist es dagegen, entlang des Ufers zu gehen. Dieses besteht nur aus scharfkantigen Kalksteinfelsen und begeisterte Schwimmer können nur an einigen, speziell präparierten Stellen bequem ins Meer eintauchen. Wegen der kantigen Felsen und der vielerorts präsenten Seeigeln, tun Baldarin's Gäste ihren Füssen einen grossen Gefallen, wenn sie zum Schwimmen Wasserschuhe anziehen. Es gibt weder ein Schwimmbecken, noch einen Sandstrand, nur ein paar von Menschenhand geschaffene Abschnitte mit grobem Kies.

 

Wir hatten Glück, dass Annie & Herbert, Freunde aus der französischsprachigen Schweiz, gleichzeitig mit uns hier waren. Sie campierten mit ihrem kleinen Zelt nah des Meeres. Da sie schon seit 35 Jahren hierher kommen, kennen sie die Insel Cres wie ihre Hosentasche und wir freuten uns, dass sie ihr Wissen mit uns teilten. An einem Nachmittag durften wir mit Herbert einen Ausflug mit seinem Motorboot, einem Zodiac, machen. So erhielten wir eine andere Sicht auf die Küste mit ihren vielen kleinen Buchten. Das unglaublich klare, tiefblaue Wasser ist einfach umwerfend und charakteristisch für die Dalmatische Küste. Herbert erzählte uns, dass Nacktbaden im gesamten Süden von Cres üblich und akzeptiert sei und in vielen Buchten praktiziert wird. Die Fünf-Finger Bay (Meli Bucht) hat uns besonders beeindruckt, denn sie ist die einzige mit feinem Sand und seichtem Wasser, perfekt zum Schwimmen. Nachdem wir erfuhren, dass diese wunderschöne Bucht in weniger als einer Stunde auch zu Fuss erreicht werden kann, machten wir uns bereits am nächsten Tag auf, den Weg dorthin zu finden. Ein Teil des Pfades war als Feuerschneise zwischen den niedrigen Busch-Wald geschlagen worden. Deshalb war er heiss und steinig, dafür mussten wir uns aber keine Kleider überziehen. Auch um die limitierten Spaziermöglichkeiten im Baldarin etwas zu kompensieren, marschierten wir insgesamt dreimal dorthin. Das Bad in der tiefblauen Bucht war jeweils unsere freudig erwartete Belohnung.

 

An einem anderen Tag führten uns Annie & Herbert mit ihrem Auto auf die Nachbarinsel Lošinj. Dort hat sich der Tourismus viel mehr entwickelt, als auf Cres. Es gibt aber trotzdem ein paar charmante alte Ortschaften, die sich meist um einen Hafen schmiegen. Annie & Herbert zeigten uns die hübschen Dörfer Mali Lošinj, Veli Lošinj und Nerezine, und es dauerte nicht lange, bis wir an unzähligen Souvenirgeschäften und Eisdielen vorbeikamen, bzw. in letzteren eine Rast einlegten. Sowas findet man nirgendwo in der Nähe von Baldarin. Genau wegen dieser Ruhe und diesem Frieden lieben die meisten regelmässigen Besucher diesen Platz. In Baldarin ist alles nur Natur und man kann regelmässig Rotwild, Vögel, Eidechsen und harmlose Schlangen beobachten.

 

Für Annie & Herbert, die Baldarin schon fast seit vier Jahrzehnten kennen, ist der Platz inzwischen schon etwas zu kommerziell geworden.  Natürlich geniessen auch sie die modernen Sanitäranlagen und den Internetzugang per WLAN. Sie denken aber wehmütig an die Zeiten zurück, als Baldarins Gäste noch alle zelteten. Heutzutage "campiert" auch hier der Grossteil der Besucher entweder mit einem Wohnwagen oder einem Wohnmobil. Wenn man die Grösse der Stellplätze in Betracht zieht, ist Baldarin offensichtlich als reiner Zeltplatze ausgelegt. Wenn er immer noch so genutzt würde, könnten sich alle problemlos auf dem Gelände bewegen und überall ans Meer gelangen. Die heutzutage üblichen, grossen modernen "Campingausrüstungen" (mit oder ohne Räder) passen aber eigentlich nicht so richtig in die süssen, verträumten Nischen. Wie in einem echten Dorf, besetzen ein paar glückliche die Uferpartie, und der Pöbel kann froh sein, wenn man ihn dort ab und zu duldet…

 

Viele von Baldarins Stammgästen bringen ein kleines Boot mit und dies ist wohl der beste Weg, um die idyllischen (und einsamen) Buchten in der Adriatischen See zu erkunden. Es hat uns sehr gefallen, die pittoreske Küstenlandschaft um Baldarin sowohl vom Ufer, als auch vom Boot unserer Freunde aus, bestaunen zu können.

 

Am 20. Juni 2015 ging unsere Reise weiter. Wir machten uns auf, um einige interessante Orte entlang unseres Weges, der uns nordostwärts zum Plattensee in Ungarn bringen sollte, zu erkunden. Noch auf der Insel Cres bogen wir zum Weiler Vrana ab, um den gleichnamigen See zu bestaunen. Nicht viel weiter besuchten wir das Dorf Cres, die einzige grössere Ortschaft der Insel. Da sie sich malerisch um einen Hafen schmiegt, ist sie ziemlich touristisch. Leckeres Eis war um jede Ecke erhältlich. Als gute Touristen schlossen wir uns den lokalen Sitten an, und schlenderten mit einer Tüte in der Hand weiter.

 

Nachdem wir den Fahrplan konsultiert hatten, hetzten wir zum Fährhafen Merag, wo wir das Boot zur Insel Krk gerade noch erwischten. Dort besuchten wir das Städtchen Krk, welches ebenfalls einen schönen Hafen hat und bei Touristen sehr beliebt ist. Wir fanden es auch lohnenswert, die Uferpromenade zu verlassen und die schmalen Gassen der dahinterliegenden befestigten Altstadt zu erkunden.

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Slowenien Kroatien: Varaždin
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Trip durch Kroatien und Slowenien nach Ungarn

Kaum hatten wir die beeindruckende Verbindungsbrücke zwischen der Insel Krk und dem Kroatischen Festland überquert, wechselte das Wetter von sehr sonnig zu sehr nass und wir kamen in ein Gewitter. Als wir sahen, wie sattgrün die vorher so karge Landschaft plötzlich war, wussten wir, dass Regen hier wohl keine Seltenheit ist. Die kleine Landstrasse auf der wir fuhren, war schon fast zu einem Bächlein geworden, als wir an einem jungen Paar vorbei fuhren, das sich zu Fuss durch das Wasser kämpfte. Weil uns die beiden leid taten, boten wir ihnen an, mit uns mitzufahren. Ihretwegen kamen wir in das altmodische, aber hübsche Dorf Fužine, wo ihr Auto wartete.

 

Nachdem wir dem Grenzfluss Kolpi gefolgt waren, der zwischen Kroatien und Slowenien fliesst, kamen wir bald am Weiler "Kot" vorbei. Dieses unappetitlich getaufte Örtchen hat wohl so stark zum Himmel gestunken, dass sich die Wolken verzogen und die Sonne wieder hervorkam. Schon bald überquerten wir die Grenze nach Slowenien, wo wir später in Črnomelj ein Hotelzimmer suchten. Um ein paar Flaschen Wasser zu kaufen, stoppten wir in einem einfachen Superdiscounter entlang der Strasse. Nach zwei Wochen auf der einsamen Insel Cres, kam uns sogar dieser Laden wie ein Feinschmecker-Paradies vor…

Da das Dorf  Črnomelj überhaupt nicht touristisch ist, gibt es kaum Hotels, die Auswahl an Speiselokalen ist hingegen nicht bescheiden. Wir hatten Glück, dass uns jemand den richtigen Tipp gab, und so genossen wir in einem stilvollen Restaurant bald ein hervorragendes Abendessen zu moderaten Preisen.

 

Am nächsten Morgen fuhren wir über sanfte grüne Hügel nach Brežice, ein Dorf, das wir vor 15 Jahren schon einmal besucht hatten. Wir bewunderten die schön restaurierte Altstadt ein weiteres Mal, erlebten sie aber ganz anders, als bei unserem letzten Aufenthalt. Nach Zagreb sind es nur 40km, und die Einheimischen erzählten uns im Jahr 2000, dass Brežice der kroatischen Hauptstadt sozusagen "als Einkaufszentrum" dient, da das Angebot in Slowenien viel besser sei. Seit aber beide Länder der EU beigetreten sind, müssen die Kroaten nicht mehr über die Grenze fahren, um richtig einkaufen zu können. Brežice tat uns nun irgendwie leid, denn an diesem Sonntagnachmittag war das schmucke Ortszentrum so leer, dass es fast mehr Restaurants und Eisdielen hatte, als Besucher.

 

Von Brežice war es also nicht mehr weit bis zur Kroatischen Grenze. Später machten wir in Krapina Halt, welches in unserer Strassenkarte als "sehenswerter Ort" markiert war. Dies war aber eher dem Neandertaler-Museum, als einem schönen Ortszentrum zu verdanken und so blieben wir nicht lange. Nach einer weiteren Fahrstunde erreichten wir Varaždin. Als wir sahen, wie schön die Stadthäuser sind, parkten wir spontan unseren Wagen und sahen uns um. Dabei entpuppte sich Varaždin als ein total unerwarteter Höhepunkt! Obwohl es hier touristisch ist, haben noch nicht viele Ausländer diese schöne Stadt entdeckt. Weil gerade ein langes Wochenende war, wimmelte es aber in den Strassen und Restaurants nur so von Kroaten. Wir bewunderten die vielen, von schön restaurierten, farbenfrohen Häusern gesäumten Plätze. Grosszügig angelegte Fussgängerzonen verbinden diese imposanten Piazzas. Hätten wir für diese Nacht nicht schon in Ungarn reserviert, wären wir sicher hiergeblieben. So fuhren wir um 19 Uhr weiter und hetzten zur Autobahn.

Ungarn
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Ungarn: FKK Berény am Plattensee

Ungarn ist ein eher flaches Land mit einer wechselvollen Geschichte. Zuerst unternahm es selbst Raubzüge, danach musste es sich verschiedenen Mächten unterwerfen. Das Land wurde 1867 ein gleichberechtigter Teil der Österreichisch-Ungarischen Doppelmonarchie, welche bis 1918 bestand hatte. Nach einer Annäherung an Nazi-Deutschland, kam Ungarn nach dem zweiten Weltkrieg bis zum Fall des Eisernen Vorhangs, unter Russische Vorherrschaft. In seinen heutigen Grenzen ist Ungarn 93'036 km² gross und hat fast 10 Millionen Einwohner. Das ehemalige Ostblockland ist seit 2004 Mitglied der EU, hat aber im moment noch seine eigene Währung, den Ungarischen Forint.

 
Unsere Destination in Ungarn war der
Camping Naturist Berény in Balatonberény, wo wir am 21. Juni 2015 etwas spät eintrafen. Als ältester FKK Platz am Plattensee, findet man auf dem 5,5Ha grossen Gelände stattliche Bäume und grosszügige Wiesen zum sonnenbaden. Die 117 rasenbewachsenen Stellplätze für Wohnwagen und Wohnmobile sind durch Hecken und breite Kieswege unterteilt. Echte Camper können ihr Zelt auf einer von zwei speziell für sie reservierten Wiesen aufstellen, wo bis zu 100 Zelte Platz finden. Gäste die mit wenig Gepäck reisen wollen, können zwischen 17 Motelzimmern, 3 Ferienwohnungen, 3 Bungalows, 6 Mobilheimen und mehreren, fest installierten, Wohnwagen aussuchen. Wir hatten uns für ein extra-grosses Mobilheim entschieden. Da es sich um ein älteres Modell aus Grossbritannien handelte, war es ganz gemütlich (über-) möbliert, samt einer kompletten Polstergruppe. Es war aber gepflegt und hatte eine neue gedeckte Terrasse.

 

Weil Ungarn im Grossen und Ganzen recht flach ist, hat es oft Wind, was auf dem See zu starkem Wellengang führen kann. Dies mag der einzige kleine Wermutstropfen sein, ansonsten ist das Baden im Plattensee ein reines Vergnügen. Zudem besteht am gesamten See ein generelles Hundeverbot; des einen Freud, des andern Leid.

 

Der Seegrund besteht aus nichts anderem als Sand. Wegen seiner geringen Wassertiefe, die im Schnitt bloss 3,25m beträgt, wird der See im Sommer angenehm warm; manchmal bis 30°C. Mit einer Länge von 77km und einer Breite von maximal 14km, ist der grünliche Balaton (nach Wasseroberfläche gerechnet) der grösste See Zentraleuropas.


Das FKK Berény, das am Südwestufer des Plattensees liegt, begeistert mit seinem grosszügigen runden Holzsteg. Auf seinen 30 Metern Durchmesser, lädt er die Gäste zum sonnenbaden und trocknen nach dem Schwimmen ein. Dank dem seichten Wasser, ist der Plattensee ein wahres Paradies für Familien. Hier bei Berény, kann man über 100 Meter vom Ufer weg waten, bis man den Pfahl erreicht, auf dem die Wassertiefe mit 1,20m markiert ist.

Nicht nur vor dem Gelände, sondern am gesamten Plattensee, sind grosse Teile des Ufers schilfbewachsen. Fast überall ist der See der Öffentlichkeit zugänglich. Besitzer von grossen Villen müssen sich hier mit der zweiten Reihe begnügen!

 

Berény ist eines der wenigen FKK Gelände, das sich buchstäblich direkt vor den Toren eines Dorfes befindet. Auf dem Platz selbst gibt es einen kleinen Laden, eine Strandbar, sowie ein Selbstbedienungs-Restaurant. Vom Eingang sind es keine 100 Meter zum ersten Lokal ausserhalb und zudem liegt das Dorfzentrum von Balatonberény kaum 10 Gehminuten entfernt. Im kleinen Dorf und beim Strandbad hoffen 10 Restaurants und drei kleine Supermärkte auf Kundschaft. Die meisten ausländischen Urlauber essen auswärts, da die Auswahl in den Lebensmittelgeschäften eher bescheiden, die Preise für Produkte, die die Westeuropäer kennen, eher überteuert sind. Dies ist in krassem Gegensatz zur Preisgestaltung in den Lokalen. Für den Preis von drei Gläsern Qualitäts-Konfitüren, kann man im Restaurant eine vollwertige drei-Gänge-Mahlzeit für zwei Personen erhalten! Es ist zwar nicht immer "Haute Cuisine", es wird aber eine vielfältige Auswahl an traditioneller Ungarischer Hausmannskost angeboten. Im Vergleich zu unserem letzten Aufenthalt vor 15 Jahren, ist es nun viel einfacher geworden, gesunde Alternativen zu den althergebrachten frittierten Gerichten zu finden.

 

Ausflüge und Dental-Tourismus

 

Alles Notwendige ist höchstens ein paar Gehminuten von Berény entfernt verfügbar und so mussten wir unser Auto nur für Ausflüge in Bewegung setzen. Als erstes mussten wir aber noch tanken. Dabei fiel uns auf, dass wir wohl die einzigen sind, die volltanken. Die Einheimischen füllten jeweils nur so zwischen 2,5 und 5 Liter nach. Es scheint so, als ob viele Ungaren finanziell nicht allzu gut dastünden und sich kaum das Allernotwendigste leisten könnten; ein Auto ist eh schon Luxus. Mindestens Zahnbehandlungen sollten sich alle leisten können. In Ungarn ist dies ironischerweise aber nicht so! Wegen der vielen Ausländer die für "preiswerte Zahnbehandlungen" extra nach Ungarn pilgern, sind die Preise explodiert. Nun gut, was Westeuropäer als günstige Zahnbehandlung empfinden, können sich die meisten ungarischen Normalbürger gar nicht leisten. Warum sollten die Zahnärzte auch motiviert sein, die Zähne ihrer Landsleute für ein Trinkgeld zu reparieren? Mit dem Geld, das sie beim vergolden der Beisserchen ihrer erlauchten ausländischen Kundschaft verdienen, lassen sie lieber ihre Villen vergolden. Wenn wir den schlechten Zustand der Zähne vieler Ungaren sehen, und realisieren, mit welch einfachen Behandlungen unsere Zahnprobleme gelöst wurden, wird uns bewusst, dass zu viele Westeuropäer (von Agenten in ihren Heimatländern) zu unnötig aufwendigen Behandlungen verführt werden. Je komplexer und je öfter die Zähne repariert werden, desto mehr spart der Patient und beide Seiten fühlen sich als Gewinner; sowohl der Zahnarzt, als auch der Patient!

 

Am Plattensee blüht auch das Geschäft mit dem Sommertourismus. Ferienhäuser, Ferienwohnungen, Hotels und Campingplätze findet man in Hülle und Fülle. Des weiteren hat es unzählige Restaurants, Eisdielen und Souvenir Shops. Die Saison ist aber extrem kurz. Als wir Ende Juni das Städtchen Keszthely besuchten, war das Strandbad immer noch geschlossen, bloss der Strandpark war für Spaziergänger geöffnet. So sahen wir, dass es auch innerhalb des Strandbades dutzende Restaurants, Geschäfte und Eisdielen gibt, zusätzlich zu Spielautomaten, Kirmesanlagen und Spielplätzen wo man Eintritt bezahlt. Von einer handvoll Geschäften abgesehen, war alles noch geschlossen oder vielleicht in Vorbereitung auf die Saisoneröffnung.

 

Natürlich erhielt man in den Lokalen in Keszthely's charmanter Altstadt viel mehr fürs Geld, als in den Restaurants direkt am See. Die meisten Urlauber ziehen aber die Ferienanlagen am Wasser vor, und sind bereit den höheren Preis zu bezahlen. Balatonmáriafürdõ und Fonyód waren zwei weitere Touristenmagnete am Südufer, denen wir unsere Aufwartung machten. Um eine, wie wir hofften, etwas authentischere Ungarische Ortschaft zu sehen, fuhren wir ins historische Städtchen Nagykanizsa, welches etwa 50km vom Plattensee entfernt liegt. Dort findet man einige wunderschön renovierte Art-Deco Häuser (Jugendstil), sowie einen modernen Stadtpark mit Springbrunnen und Monumenten.

Im Stadtzentrum sahen wir vor allem Geschäfts- und Wohnhäuser. Wie in vielen anderen Ungarischen Städten, sah es aber in den Seitengassen eher aus, wie in einem Dorf, denn dort gab es fast nur kleine Einfamilienhäuser mit kleinen Anbauten oder Ställen. Welch ein Kontrast zum touristischen Plattensee!

 

Bloss Menschen sahen wir kaum! Niemand promenierte durchs schöne im Stadtzentrum von Nagykanizsa, und es gab auch kaum Restaurants! Welch ein Kontrast zum touristischen Plattensee. Bei dieser mageren Auswahl blieben auch wir nicht, und fuhren zurück zum See. Um den Plattensee findet man extrem viele Lokale und die meisten übersetzen ihre Menüs ins Deutsche, ab und zu auch ins Englische. Wir hatten aber den Eindruck, dass zumindest in der Hauptsaison, die Ungaren den Grossteil der Besucher ausmachen.

 

Gäste auf dem FKK Gelände

 

Einheimische stellten auch die Mehrzahl der Gäste auf unserem Platz, dem FKK Berény, erst recht bei den Tagesbesuchern. Berény dient auch als öffentliches FKK Strandbad und dieses ist sowohl bei Ungaren, als auch Ausländern extrem beliebt. Viele wohnen in nahegelegenen Ferienunterkünften, profitieren aber gerne von Berény's grosszügigen FKK Liegewiesen und dem angenehmen Strandzugang über den einzigartigen runden Pier.

 

Während unseres Aufenthaltes stammten die meisten Feriengäste, die für ein paar Tage, oder Wochen auf dem FKK Camping blieben, aus Deutschland, Österreich und verschiedenen Ländern Osteuropas. Jetzt, Ende Juni, war die Saison zwar noch nicht richtig in Schwung gekommen, im Berény war es jedoch schon deutlich belebter, als in den umliegenden textilen Ferienanlagen. Wer es der Sonne erlaubt, den nackten Po zu küssen, scheint einen längeren Sommer zu haben…

 

Ein Paar von einem anderen Mobilheim kam auf uns zu, und bat uns ein paar Bilder von ihnen zu machen. Natürlich dienten wir den beiden gerne als "Zweibein-Stative". Sie waren ganz erpicht darauf, eine gute Auswahl an photographischen Souvenirs zu erhalten und wir baten sie, von uns ebenfalls ein paar Fotos zu machen. Im Laufe unserer Unterhaltung fragten Petra & Dieter, ob es möglich sei, dass sie unsere Gesichter schon in einem Deutschen FKK Magazin gesehen hätten. Nachdem wir dies bejahten, meinten sie ganz bedauernd, dass sie es leider schon mehrmals verpasst hätten, sich rechtzeitig für ein Fotoshooting des Deutschen FKK Verbandes einzuschreiben. So ergab es sich, dass wir spontan bei Berény's Wahrzeichen, dem runden Steg, noch mehr Fotos zu machen. Es war erfrischend zu sehen, wie enthusiastisch Petra & Dieter für Fotos posierten und auch zu spüren, dass es für sie ein natürlicher Teil ihrer FKK Philosophie ist, dass diese auch in einem Naturisten-Magazin veröffentlicht werden dürfen.

 

Für uns war das FKK Berény eine gute Wahl für unsere 10 Tage in Ungarn. Wir mochten die tolle Lage am See, das seichte Wasser, die natürliche Atmosphäre, sowie die gute Auswahl an Speiselokalen direkt vor der Haustür. Das Gelände gehört Balatontourist, einem grossen Unternehmen, das rund um den Plattensee 13 Textil- und 2 FKK Campingplätze, sowie ein Hotel betreibt. Trotz dieser grossen Organisation, lernen Berény's Besucher jeden Angestellten kennen: alle sind sehr freundlich und motiviert. Als wir unsere Rechnung bezahlten, erhielten wir 10% INF-Ermässigung, ein paar hilfreiche Tipps und wurden sehr herzlich verabschiedet. Wir spürten förmlich, dass es ihnen wichtig ist, die Gäste wissen zu lassen, dass man sie gerne wiedersehen würde.

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Slowakei: 16 Tage in einem der jüngsten Länder Europas

Am 1. Juli 2015 verliessen wir Ungarn über einsame Landstrassen, und fuhren über die Slowakische Grenze. Die Slowakische Republik ist erst seit dem 1.1.1993 ein eigenständiges Land, nachdem sie die Union mit der Tschechischen Republik aufgelöst hatte. Zusammen beendeten sie drei Jahre vorher, die Kommunistische Era in der Velvet Revolution Heute geht es den 5.5 Mio. Einwohnern des 49'035km2 grossen Landes recht gut, obwohl es zwischen Stadt und Land riesige Unterschiede gibt. Die Slowakische Wirtschaft entwickelte sich erstaunlich schnell. Das Land trat 2004 der EU bei und konnte bereits 2009 den Euro einführen.

 

Bratislava: ein auf Hochglanz poliertes Juwel

 

Während eines zweitägigen Aufenthaltes in Bratislava, erhielten wir einen ersten Eindruck von der Slowakei. Unser nobles Hotelzimmer, für das wir samt Tiefgaragenplatz 50 Euro hinblätterten, war sicher nicht überteuert, aber danach erhielten wir fast einen Preisschock. Die Preise in Bratislava waren wirklich sehr hoch! Sie waren um einiges höher, als

im Österreichischen Kärnten, wo wir vor einem Monat zu Gast waren. Im nahegelegenen Wien mag dies anders sein. Wir haben gelesen, dass bis vor kurzem die Österreicher zum Einkaufen in die Slowakei fuhren, dies heutzutage aber umgekehrt sei.

 

In Bratislavas Vororten dominieren grosse Geschäfts- und Wohnhäuser. Viele sind neu und modern, es gibt aber auch noch die Plattenbauten aus früheren Ostblockzeiten. Letztere sind inzwischen renoviert und farbenfroh gestrichen worden. Die grösste Herausforderung der Stadtplaner war wohl das Schaffen von genügend Parkplätzen, denn es scheint so, dass heutzutage jeder ein Auto besitzt. Wie auch in Ungarn, gibt es hier ein grosszügiges Fuss- und Radweg-Netz. Damit wurde der 30-minütige Spaziergang von unserem Hotel zur Altstadt ein wahres Vergnügen. Wir erreichten sie über die wohl bekannteste Donaubrücke Bratislavas. Die Abspannkabel sind an einem Pylon befestigt, auf dem in 85m Höhe das sogenannte UFO thront, welches als Restaurant betrieben wird. Fussgänger und Radfahrer können, ungestört vom motorisierten Verkehr, die Donau überqueren, da unterhalb der Fahrbahn beidseits der Brücke, grosszügige Fuss- und Radwege erstellt wurden.

Beim Überqueren der Brücke sieht man auf der einen Seite als erstes das Schloss, beziehungsweise von der anderen, den Anlegesteg für die Donau-Kreuzfahrtschiffe. Nun sind es nur noch ein paar Schritte, und schon ist man inmitten der historischen Altstadt. Es war ein sehr heisser Tag und so genossen wir den baumgesäumten Platz "Hviezdoslavovo námestie" ganz besonders. Im gesamten Zentrum buhlen unzählige Cafés, Restaurants und Eisdielen um die Gunst der Touristenschar. Natürlich sind darunter auch einige Touristenfallen, die einfache, aber überteuerte Gerichte als lokale Spezialitäten hochloben, oder Gäste mit stinkbilligen Mahlzeiten anlocken, um dann mit alles anderem als billigen Alkoholika, ein Vermögen zu verdienen! Die Einwohner der 430'000 Seelen Stadt verstehen es aber, die Spreu vom Weizen zu trennen. Wer sich etwas Zeit nimmt, findet ein paar echte Juwelen, darunter auch Spezialitätenrestaurants aus aller Welt.

Bratislavas recht grosse Fussgängerzone erstreckt sich über die gesamte Altstadt mit ihren unzähligen schön renovierten historischen Gebäuden. In den Gassen wimmelte es nur so von Menschen, sowohl von Touristen, als auch Einheimischen. Es dauerte eine Weile, bis uns auffiel, dass hier Geschäfte, die den täglichen Bedarf abdecken, vollkommen fehlen. Die Einkaufsstrassen für die Stadtbevölkerung liegen ein paar Blocks abseits des absoluten Zentrums. Dort findet man genau dieselben Detailhandelsunternehmen, wie in ganz Europa; einheimische Marken sind kaum vertreten. Deutsche Superdiscounter, Österreichische, Englische und Französische Supermärkte, Möbelhäuser aus Skandinavien, Schuh- und Kleidergeschäfte aus Österreich, Frankreich, den Niederlanden, Spanien oder Schweden, Do-it-yourself Baumärkte aus Deutschland und Grossbritannien - alle sind hier - und alle verdienen gutes Geld! Was die EU in die ehemaligen Ostblockländer investierte, kommt ganz offensichtlich um ein Vielfaches an die West-Europäische Wirtschaft zurück.

 

Die ländliche Slowakei

 

Nachdem wir von Bratislava weiterfuhren, waren wir natürlich neugierig, ob die hohen Hauptstadtpreise im ganzen Land gelten. Nun gut, westeuropäische Detailhandelsunternehmen sahen wir immer noch überall, und deren Preise sind kaum tiefer, als in der City. Alles andere ist aber auf dem Land deutlich billiger! Genauso wie die Amerikaner für Preisvergleiche den "Hamburger-Index" anwenden, greifen wir jetzt auf den "Eiscreme-Index" zurück. In Bratislavas Altstadt muss man für eine Kugel leckeres hausgemachtes Eis einen ganzen Euro investieren, in den Vororten kostet sie noch -.80 Cents, in einer mittelgrossen Stadt -.50 Cents, auf dem Lande -.40 und in einem abgelegenen Dorf bloss noch -.30 Cents. Wer auf etwas nahrhafteres aus ist, findet dort auch Mittagsmenüs ab bereits € 2.70.

 

Bevor wir uns ans erste Glacé machten, folgten wir erst einmal der Donau. Etwa nach 50 Kilometern erreichten wir die Schleusen und das Flusskraftwerk bei Gabčíkovo. Touristen dürfen beim Kontrollturm eine Aussichtsplattform besteigen und den Schiffen beim Passieren der Schleusen zusehen. Dieses Kraftwerk wurde ursprünglich 1977 als gemeinsames Projekt zwischen Ungarn und der Tschechoslowakei geplant. Nachdem sich Ungarn wegen ökologischer und finanzieller Bedenken zurückzog, realisierte die damalige Tschechoslowakei auf ihrem eigenen Staatsgebiet eine reduzierte Stauanlage. Da dadurch der Wasserfluss nach Ungarn massiv beeinträchtigt worden ist, liegen sich die Nachbarländer auch heute noch deswegen in den Haaren.

 

Als wir durch einsame, landwirtschaftlich genutzte Landschaften weiterfuhren, meldete unser Navigationssystem auf einmal, dass eine Autobahn vor uns läge. Obwohl wir eine brandneue Strassenkarte dabei hatten, konnten wir nichts derartiges finden und mit so wenig Verkehr, hätte eine Autobahn auch keinen Sinn gemacht. Schon bald entdeckten wir den Fehler: ganz unerwartet standen wir an den Ufern eines schmalen Flusses. Eine kleine Autofähre, welche bereits zwei Fahrzeuge geladen hatte, wartete. Zum Glück ist unser Auto eher kurz und so reichte der Platz gerade noch - sonst hätten wir auf die nächste Querung warten müssen.

 

Nachdem wir inzwischen durch das halbe Land gefahren sind, fiel uns auf, dass sich die Slowakischen und die Ungarischen Dörfer von ihren Layouts her ziemlich ähnlich sind. In der Slowakei sind die Einfamilienhäuser jedoch deutlich grösser und nur selten steht eines zum Verkauf angeschrieben. Man sagte uns, dass etwa 80% der Slowakischen Familien das Privileg haben, in einem Eigenheim zu wohnen.

In der Mittelslowakei fuhren wir zwischen sanften Hügeln, mit goldenen Kornferder. Wegen einer lang anhaltenden Hitzewelle flimmerte die Luft richtiggehend. Etwas weiter nördlich liess dies etwas nach, da wir inzwischen etwas höher gelegene Waldgebiete erreicht hatten.

 

Dobrá Lúka: FKK auf einem Niederländisch geführten Ferienbauernhof

 

Als wir am 3. Juli 2015 bei Dobrá Lúka eintrafen, wurden wir von Mark und Margode, den Niederländischen Eigentümern nett begrüsst. Wir störten sie gerade bei der Gemeinschaftsmahlzeit und wunderten uns, dass alle warm angezogen waren. Wir sind doch hier auf einem FKK Gelände und die Sonne schien immer noch. Aber nur kurze Zeit später spürten auch wir, wie die Temperaturen in kürzester Zeit von 30°C auf 15°C fielen. Margode erzählte uns, dass dies hier normal sei, da wir uns hier auf 700m über Meereshöhe befinden. Grossartig, es scheint so, als hätten wir den richtigen Platz ausgewählt, um die grosse Hitzewelle zu überstehen, die gerade über Europa rollte.

 

Dobrá Lúka wurde 2010 als erstes FKK Gelände der Slowakei eröffnet und ist bis heute das einzige. Dieser kleine Campingplatz ist eher eine Lifestyle-Farm, auf der wir während unseres Aufenthalts immer mehr Tiere sahen, als Naturisten. Die Besitzer haben gerne möglichst viele verschiedene Tiere, die den Gästen und ihnen selbst etwas Unterhaltung bieten. Ziegen, Schafe, Pferde, Schweine, Hühner, Kaninchen, ein Hund und einige Katzen, sowie die Kälber des Nachbarn, bevölkern den Streichelzoo. Das Beobachten dieser Tiere, vor allem der Jungen, die es regelmässig schafften aus dem weitmaschigen Zaun auszubüchsen, war aber nicht unsere einzige Beschäftigung. Es gibt auch ein kleines Schwimmbecken, eine gebührenpflichtige Sauna und eine grosse Scheune, die in hübsch dekorierte Räume unterteilt wurde. Dort steht den Gästen Internetzugang, eine Bibliothek mit Broschüren zu Ausflugstipps, und ein grosser Aufenthaltsraum mit offenem Kamin zur Verfügung. Ab und zu werden Kanutouren und andere Ausflüge organisiert.

Zudem wird drei Mal wöchentlich eine Gemeinschafts-Mahlzeit angeboten. Da man diese um 18h servierte, waren wir uns nicht ganz sicher, ob sie als Nachmittagstee, oder Abendessen gedacht war. Der einheimischen Köchin zum Trotz, war die Atmosphäre am Tisch sehr Holländisch, da die meisten Gäste aus den Niederlanden stammten. Die Eigentümer sprechen zwar sehr gut Englisch, die Mehrheit der Anschläge und Listen, um sich für etwas einzutragen, gab es aber nur auf Niederländisch, selten auch in Englisch und nur sehr selten in Slowakisch. So wunderte es uns kaum, dass die wenigen Osteuropäischen Gäste den Platz nach ein, oder zwei Tagen schon wieder verliessen.

 

Über mehrere sonnige Wiesen verteilt, gibt es 18 Stellplätze. Weiter werden ein grosses Studio, und zwei fest installierte Wohnwagen vermietet. Als "roving spirits" entschieden wir uns natürlich für die neueste Unterkunft; den Zigeunerwagen. Ursprünglich, hat er auf Slowakischen Baustellen als Personalunterkunft gedient. Nachdem er zu Dobrá Lúka gebracht wurde, ist er perfekt renoviert worden. Den Innenraum hat man mit Holztäfer verkleidet, es wurde eine Kochnische und ein Holzofen eingebaut und zudem kam eine grosse Terrasse davor. Da der leuchtend blaue Wagen an einem Hang steht, konnten wir von einer wunderschönen Aussicht und einer kühlenden Brise profitieren.

 

Wir genossen unseren Aufenthalt, aber leider ist Dobrá Lúka nicht der ideale Ort, um viel vom Slowakischen Leben mitzubekommen. Der Platz befindet sich in einer sehr dünn besiedelten Gegend, ohne viele Ausflugsmöglichkeiten für Touristen. Man muss schon 15km fahren, nur um eine Pizzeria, eine Eisdiele, oder einen mittelgrossen Supermarkt zu finden. Zu einem richtigen Slowakischen Restaurant, oder zur nächst grösseren Ortschaft, sind es bereits 30 Kilometer. Dies ist die Stadt Zvolen und dort findet man ein breites gastronomisches Angebot und westliche Grossverteiler jeder Couleur, darunter auch einen Tesco Supermarkt, der 24 Stunden geöffnet hat. Um das nächstgelegene lohnenswerte Ausflugsziel, die ehemalige Minenstadt Banská Štiavnica zu erreichen, fuhren wir bereits 45km, verbrachten dann aber einen netten Nachmittag dort.

 

Unterwegs zum Nordosten der Slowakei

 

In der Slowakei gibt es eigentlich sehr viele sehenswerte Ausflugsziele und Ortschaften, und dass fast alle abseits der ausgetretenen Touristenpfade liegen, macht sie noch attraktiver! Die meisten davon findet man in der nördlichen Landeshälfte. Wir reservierten uns ein paar Tage, um wenigstens den Nordosten zu entdecken. Um genügend Zeit zu haben, verliessen wir die Holländische Kolonie einen Tag früher, als geplant. Nachdem wir in Zvolen Mittagsrast gemacht hatten, fuhren wir zur alten Holzkirche nach Hronsek. Dort hatten wir das Privileg, die einzigen Besucher zu sein, obwohl die Kirche sogar als Weltkulturerbe aufgeführt wird. Nun gut, ganz alleine waren wir nicht. Ein paar Frauen aus der Nachbarschaft waren gerade dabei, die Kirchenfassade mit Besen zu säubern.

 

Den Rest des Tages widmeten wir dem hübschen Städtchen Banská Bystrica, wo wir auch übernachteten. Die in hellen Farben gestrichenen Häuser entlang des riesigen, langgezogenen Hauptplatzes, waren allesamt wunderschön renoviert. Zahlreiche Kirchen- und Uhrtürme wachten über den, den Fussgängern vorbehaltenen, Platz, welcher mit Blumenbeeten, einem Springbrunnen und einem Kriegsdenkmal dekoriert war. Die Bevölkerung vertrieb sich die Zeit in den vielen Strassencafés und Gartenrestaurants, oder flanierte mit einer Tüte Eis in der Hand. Wir mischten uns unter sie und bestellten als Erstes ein leckeres hausgemachtes Eis. Später dinierten wir in einem feinen Lokal und vor Mitternacht gönnten wir uns woanders noch ein Stück Kuchen und einen Frucht-Cocktail. Wie in jeder anderen, etwas grösseren Slowakischen Stadt, findet man auch in Banská Bystrica eine grosse Auswahl an trendigen Kaffee- und Cocktail-Bars, welche mit Torten und raffinierten Getränken die Kundschaft anlocken. Da es erst Anfang Woche war, wunderten wir uns erst recht, wie beliebt die unzähligen Trend-Lokale bei jungen Slowaken sind. Es scheint, dass sie genügend Geld haben, um sich mit extravaganten Drinks zu verwöhnen, die leicht mehr kosten können, als ein Mittagsmenü. Man trank offensichtlich lieber veredelten, als zu viel Alkohol. Genauso wie wir über die Gewohnheiten der Einheimischen staunten, konnten sich diese keinen Reim daraus machen, weshalb wir hier waren. Es kam mehrmals vor, dass uns jemand nach dem Grund fragte, weil sie sich einfach nicht vorstellen konnten, was uns hier interessieren könnte. Die Slowaken scheinen alle zu glauben, dass die Schweizer in einem wunderschönen Land, inmitten der spektakulären Alpen leben, die alles übertrumpfen müssen, das die Slowakei zu bieten hat.

 

Natürlich waren wir nicht hierhergekommen um hohe Berge zu sehen, obwohl die Hohe Tatra einige Überraschungen bot. Wie schon vorher angetönt, hatten wir, wo immer wir hinkamen, den Eindruck die einzigen Touristen zu sein. In Štrbské Pleso war dies allerdings überhaupt nicht der Fall. In diesem Ferienort, welcher auf 1'350m Höhe in der Hohen Tatra liegt, wimmelte es nur so von Besuchern. Sie kamen aus ganz Osteuropa, nur "Westeuropäer" schien es keine anzuziehen. Alle bewunderten den kleinen See Štrbské Pleso. Darin spiegelten sich nicht nur die Bäume, sondern auch ein paar grosse Hotels majestätisch im Wasser. Viele Touristen entschieden sich für einen, der sehr beliebten Wanderwege, wo sie bald Teil einer menschlichen Ameisenstrasse wurden. Einfach perfekt um seine Designer-Wanderausrüstung vorzuführen. Hier oben war es offensichtlich, wie schnell sich Osteuropa zu einer Konsumgesellschaft wandelte und an den unzähligen Souvenirständen kam auch niemand vorbei, ohne Geld liegen zu lassen!

 

Abseits der Touristenpfade

 

Am späten Nachmittag fuhren wir weiter zum malerischen Städtchen Kežmarok. Es lag so nah, und doch so fern vom Touristenzirkus in der Vysoké Tatry, wie die Hohe Tatra auf Slovakisch heisst. Der Name Kežmarok hingegen, steht für "Käsemarkt". Geräucherte Käse, welche oft aus Schafsmilch hergestellt werden, findet man in ganz Osteuropa. Diese gehören zu den kulinarischen Höhepunkten der Region. Das Essen war eh einer der unerwarteten Höhepunkte unserer Reise in die Slowakei. Viele Köche haben gemerkt, dass mit kreativer Küche mehr Geld zu verdienen ist, als mit einfachen Gerichten und die Einheimischen scheinen dies zu schätzen. Als weniger erfreulich hingegen, stuften wir das Slowakische Frühstück ein. Wir geben zwar zu, dass das Brot, das in den Hotels serviert wird, genauso frisch ist wie direkt aus der Bäckerei. In den wenigen Backstuben bekamen wir bestenfalls ein ultraleichtes schwammiges Etwas, das sich so frisch anfühlte, als ob es in den letzten 14 Tagen gebacken worden wäre… Die einzig erwähnenswerte Ausnahme war ein, dem Schweizer Butterzopf ähnliches Gebäck, das man in jedem Supermarkt erwerben konnte. Slowakische Bäckereien legen das Schwergewicht eher auf leckere Strudel und Torten, als auf Brot. Konsequenterweise nennen sich die meisten "Cukráreň", was für Zuckerbäcker, respektive Konditorei steht. Solche findet man im ganzen Land in Hülle und Fülle, oft zusammen mit einer Kaffeestube. Diese sind im ganzen Land sehr beliebt.

 

Am nächsten Tag fuhren wir zum östlichsten Punkt unserer Sommertour. Auf dem Weg machten wir kurz Halt in Stará Ľubovňa, wo eine mächtige Burgruine über der Stadt thront. Diese Stadt hat eine andere Atmosphäre, da die meisten Bewohner der Volksgruppe der Roma angehören. Effektiv sind etwa 10% der Slowakischen Bevölkerung Romas und diese scheinen nicht allzu gut integriert zu sein. Die meisten leben in abgelegenen Siedlungen, oft in inadäquaten Behausungen. Der fehlende Wille der Gesellschaft diese Volksgruppe zu integrieren ist zu einem grossen Problem geworden und es ist vor allem Osteuropa, das darunter leidet. Besonders schlimm ist, dass die wenigen integrierten Roma gegenüber nicht-integrierten oft zu Rassisten werden. Die meisten Spannungen entstehen zwischen Roma aus verschiedenen Gegenden, und nicht zwischen Roma und Nicht-Roma.

 

Sehr friedlich war es um die alte Holzkirche Venécia, oberhalb des kleinen Dorfes Lukov. Wie bei vielen von Osteuropas touristischen Höhepunkten, waren wir wiederum die einzigen Besucher dieses Griechisch-Katholischen Holzkirchleins aus dem Jahr 1708. Die nächste Perle, die wir besuchten war die historische Altstadt von Bardejov. Der riesige Hauptplatz, in dessen Mitte sich einzig das kleine Rathaus von 1511 befindet, ist sehr beeindruckend. Um den Platz befinden sich schön renovierte bunte Stadthäuser und eine imposante Kathedrale. Wenn man bedenkt, dass wir jetzt mitten in den Sommerferien waren, ging es in Bardejov's Altstadt erstaunlich ruhig zu und her; handelt es sich doch auch hier um eine UNESCO Weltkulturerbestätte.

Die Slowakei nimmt ihr touristisches Potenzial sicherlich nicht wahr. Die etwa zehn Eisdielen um den Hauptplatz Bardejovs sind ein gutes Beispiel dafür: Fremde finden sie nur, wenn sie gerade jemanden mit einer Eistüte in der Hand aus der Tür kommen sehen. Die Vitrine befindet sich normalerweise in einem Hinterraum und kein Schild weist auf die leckere Versuchung hin. Wozu auch? Die Einheimischen wissen ja ganz genau, wo sie was kriegen.

 

Slowakische Touristen scheinen mehr von der Heilkraft des Wassers im nahegelegenen Thermalkurort Bardejovské Kúpele angezogen. Ganz offensichtlich sind hier Kuraufenthalte schon seit langer Zeit in Mode. Dies reflektiert sich in einer Mischung aus wunderschönen alten Kurbädern und riesengrossen hässlichen Betonklötzen aus der kommunistischen Epoche. Das Freilichtmuseum am Ortsrand, in dem mehrere historische Holzgebäude bestaunt werden können, scheint nicht ganz so beliebt zu sein. Weshalb sonst würde es auch in der Hauptsaison bereits um 16:30h dicht machen, und dies nach einer Mittagspause, versteht sich!?!

 

An Orten mit so wenigen ausländischen Touristen, lernt man einander kennen. Als wir, zurück in Bardejov, nach einem Lokal fürs Nachtessen Ausschau hielten, lud uns ein Paar aus Österreich ein, uns an ihrem Tisch niederzulassen. Auch sie konnten es kaum glauben, dass Bratislava die einzige Stadt der Slowakei zu sein scheint, welche bei westlichen Touristen beliebt ist und noch viel weniger, dass wertvolle, jahrhundertealte Kulturgüter von den Touristen vollkommen ignoriert werden. Auf der anderen Seite hat dies natürlich den Vorteil, dass die Einheimischen die wenigen Besucher schätzen. Wir fühlten uns immer sehr willkommen und sehr sicher. Wir empfanden die Slowaken während unseres gesamten Aufenthaltes als sehr freundlich und hilfreich, ganz egal ob wir eine gemeinsame Sprache fanden, oder nicht.

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Polen: Land der grossen Kontraste

Vom Nordosten der Slowakei herkommend, erreichten wir Polen am 17. Juli 2015.  Mit einer Fläche von 312'679 km² und fast 38.5 Millionen Einwohnern, ist Polen sowohl flächen-, wie auch bevölkerungsmässig, das sechst-grösste Land der EU. Während seiner bewegten Geschichte, hatte das Land abwechslungsweise den Status einer einflussreichen Macht, wurde besetzt und mehrmals aufgeteilt, war wieder unabhängig und trat in seiner heutigen Form 2004 der EU bei, übernahm den Euro aber bisher noch nicht. Nach dem Ende des Kommunismus entwickelte sich Polen sehr schnell und hat inzwischen eine blühende Wirtschaft.

 

Weltkulturstätten: unkommerzielle Kulturschätze

 

Schon kurz hinter der Polnischen Grenze warteten die ersten Höhepunkte auf uns: im Weltkulturerbe aufgeführte Holzkirchen. Bisher erlebten wir im Unesco Weltkulturerbe aufgeführte Stätten vor allem als überkommerzialisierte Besuchermagnete, wo es nur so von Menschen wimmelt. Hier in Osteuropa ticken die Uhren aber anders! Man kann bei solchen Kulturschätze sogar während der Sommerferienzeit, der einzige Besucher sein, sofern man sie überhaupt findet, denn oft ist der Weg dorthin kaum ausgeschildert. Dazu gehören die vielen malerischen Holzkirchen Polens. Kaum ist man aber angekommen, taucht oft scheinbar aus dem Nix, der Schlüsselhalter auf, öffnet die Tür, und lässt den Besucher auch das kostbare Innere des Kirchleins bewundern. Die drei- bis sechshundert Jahre alten Gotteshäuser sehen schon von aussen bildhübsch aus. Die meisten sind als reine Holzkonstruktionen gebaut worden, mit geschindelten Dächern. Alles wird durch "Holz-Nägel" zusammengehalten. Inzwischen haben aber einige durch Renovierung Kupfer- oder sonstige Metalldächer erhalten. Architektur und Formen unterscheiden sich frappant, da die Tempel in verschiedenen Stilepochen gebaut wurden, wie Gotik, Renaissance oder Barock. Quadratische und runde Elemente findet man häufig über dem Kirchenschiff und an den Türmen, von denen einige mit Zwiebeldächern geschmückt sind. Viele waren ursprünglich Ukrainisch-griechisch-katholisch von Lemkos, bzw. orthodox, werden heute aber Römisch-katholisch "genutzt".

 

Zu Anfang machten wir noch Umwege, um soviele Holzkirchen wie möglich zu sehen, aber schon bald merkten wir, dass es in Kleinpolen so viele davon gibt, dass wir eh nicht alle sehen können! Wir besuchten unter anderem die hölzernen Kleinode in Konieczna, Kwiatoń, Skwirtne, Hańczowa, dann die neue und die alte Kirche von Wysowa-Zdrój, je eine in Czarna, Brunary, Binczarowa, und zu allerletzt, diejenige von Bogusza, die einen kleinen freistehenden Glockenturm hat.

 

Als wir durch das ländliche Polen fuhren, fiel uns auf, wie viele Einfamilienhäuser entlang der ganzen Strecke standen und nicht wenige waren brandneu. Man sah sie nicht nur in Siedlungen und Dörfern, sondern einfach überall und sie waren immer von einem grossen Grundstück umgeben.

 

Am späten Nachmittag machten wir Halt im hübschen Dorf Stary Sącz. Hier fiel uns ein weiterer Kirchentyp auf: eine Freiluftkirche. Im Innenhof des Klarissenklosters (Klasztor Sióstr Klarysek), standen die Holzbänke für die nächste Messe bereit, davor war der Altar in einer Art Musikpavillon untergebracht.

 

Da wir immer noch unter dem Einfluss einer Hitzewelle standen, war es absolut überlebensnotwendig, das Polnische Wort für Eiscrème zu lernen. Zum Glück ist dies hier viel einfacher, als in den anderen Slawischen Ländern: einfach Lody. Genauso wie in den anderen ehemaligen Ostblock Ländern, gibt es überall Eisdielen, und natürlich sind sie auch hier gut versteckt…

 

Krakau: schön, aber überbewertet

 

Gegen Abend erreichten wir Krakau, zweifelsohne eine von Polens meistbesuchten Städten. Der riesige, von schön restaurierten historischen Gebäuden umgebene Hauptplatz, ist wirklich sehr beeindruckend. Gleich um die Ecke dieses Vorzeige-Platzes, fällt leider bei vielen Gebäuden buchstäblich der Putz von den russgeschwärzten Fassaden. So hatten wir es eigentlich nicht erwartet! Die Touristen strömen dennoch in Massen hierher, vielleicht auch nur wegen dem Kult, der um den früheren polnischen Papst gemacht wird, oder um die Fabrik zu besichtigen, in der Teile des Films "Schindler's Liste" aufgenommen wurden.

Sonst erhielten wir den Eindruck, dass Krakau eine ziemlich wohlhabende Stadt ist. Die 760'000 Einwohner haben schnell einen modernen westlichen Lebensstil, mit all seinen Vor- und Nachteilen, angenommen. Luxuriöse Einkaufs-Zentren findet man überall und sie erfreuen sich grosser Beliebtheit. Die Strassen vermögen den immer mehr werdenden Verkehr kaum zu schlucken, Staus sind an der Tagesordnung. Junge Leute können es sich leisten auszugehen und das Geschäft in den unzähligen Lokalen, exklusiven Bars und einfachen Gartenrestaurants anzukurbeln. Auf der positiven Seite fiel uns auf, dass Restaurants mit kreativer Küche inzwischen so weitverbreitet sind, dass Gault Millau und Michelin bereits eigene Gastronomieführer über Polen herausgeben. Auf der negativen Seite ist es offensichtlich, dass übermässiger Alkohol- und Tabakkonsum zu einem ernsthaften Problem wurden. Es ist fast so schlimm wie in Grossbritannien. Jeden Morgen sahen wir die Polizei Betrunkene von den Gehsteigen und Parks einsammeln; kein Wunder bei den vielen Spirituosen-Geschäften, die die legalisierten Drogen 24 Stunden täglich verkaufen.

 

Nach zwei Tagen in Krakau, ging unsere Reise in südwestlicher Richtung weiter. Verteilt über die grüne, hügelige Landschaft, sahen wir wiederum überall Einfamilienhäuser stehen. Bei unserem Halt in Zator sahen wir etwas, das man in ganz Polen findet, nur mit einem kleinen Unterschied. Hier war es augenfällig, und nicht so versteckt, dass es nur von der Dorfbevölkerung gefunden wird: eine Eisdiele. Osteuropa hat schnell den westlichen Lebensstil angenommen und sich daran gewöhnt, dass alles fast überall verfügbar ist. Die Ladenbesitzer gehen aber oft davon aus, dass ihre Wunsch-Kunden wissen, was sie feilbieten. Sie halten es nicht für nötig, ihr Geschäft so zu gestalten, dass von aussen klar sichtbar ist, ob sie nun Motoren, Fleisch, oder Kleider verkaufen.

Die Europäische Union will dazu beitragen dies zu ändern. Man hat ein finanzielles Unterstützungsprogramm auf die Beine gestellt, um Ladenbesitzern zu helfen "das Angebot attraktiver zu vermarkten..". Unternehmer, die davon profitierten, werden verpflichtet, mittels eines Aushangs darauf hinzuweisen, dass sie von der EU, bzw. einem ihrer Freihandelspartner, einen Beitrag erhalten haben. Hier sahen wir ein Schild, auf dem wir erfuhren, dass die Schweizerische Eidgenossenschaft einen Beitrag von 44'000 Franken bezahlt hat, um die Eis-Vitrine von einem dunklen Hinterraum in der Kneipe, an eine neue Lage direkt neben den Eingang am Hauptplatz zu verschieben. Und tatsächlich; diese Eisdiele hatte deutlich mehr Kundschaft, als die anderen, die wir gesehen hatten. Da die EU, respektive die Schweizer Regierung weiss, dass ein Eis noch besser schmeckt, wenn es während eines kostenlosen Konzerts genossen werden kann, unterstützte ein weiterer Schweizer Fonds auch ein Rockfestival hier in Zator. Ähnliche Anlässe wurden auch in anderen Osteuropäischen Städten, wie z.B. der Slowakischen Hauptstadt Bratislava unterstützt. Es ist eine gute Möglichkeit, den Wohlstand auf dem Kontinenten etwas umzuverteilen. Wenn Europa durch solche Beiträge etwas gleicher wird, ist dies sicher zum Vorteil aller. Zudem kann die Schweizer Regierung dadurch risikolos kulturelle Anlässe unterstützen, ohne dass sie mit Klagen aus der eigenen Bevölkerung über Lärmbelästigung rechnen muss…

 

Centrum Naturystyczne Cezar: ganzjährig geöffnetes FKK Zentrum in Polen

 

Es war der 19. Juli 2015, als wir bei der Sauna Cezar eintrafen. Dies ist Polens nähestes Pendant zu einem FKK Ferien-Zentrum. Die Anlage wurde 2003 von einem Polnisch-Niederländischen Paar in Bielsko-Biała eröffnet. Wie der Name sagt, ist es in erster Linie ein Indoor-Zentrum, mit einer sehr grossen Sauna, Sprudelbecken und Hallenschwimmbad. An warmen Tagen laden die Liegestühle auf terrassierten Wiesenflächen oberhalb des Hauptgebäudes dazu ein, sich nahtlos zu bräunen. Familien mit Kindern schätzen sicherlich die verschiedenen Spielplätze, während Erwachsene eher vom Billiard-Tisch, dem kleinen Sportfeld und der Grillhütte, oberhalb der Sonnenterrassen begeistert sind. Sauna Cezar ist bei Polnischen Familien und Paaren, die 95% der Kundschaft ausmachen, sehr beliebt. Die meisten kommen als Tagesgäste. Da Sauna Cezar täglich bis Mitternacht geöffnet hat, kommen viele Besucher erst nach der Arbeit, und dies sowohl im Sommer, als auch im Winter. Sie schätzen es, dass sie auch ein paar Gerichte an einem Schalter bestellen können, die mit viel Sorgfalt frisch zubereitet werden. Es ist ein Ort, wo man spürt, dass man in Polen ist.

 

Das kleine charmante Zentrum bietet auch ein paar Übernachtungsmöglichkeiten: ein paar Plätze für Zelte, ein paar für Wohnwagen, drei Campingzimmer, zwei Hotelzimmer, und eine Ferienwohnung. Wer hier übernachtet, zahlt nur an denjenigen Tagen Eintritt zum FKK Komplex, an denen er ihn nutzt. An Ausflugstagen zahlt man nur für die Unterkunft.

Wir hatten Sauna Czesar's grosszügiges Luxus-Apartment für 10 Tage reserviert und es gefiel uns, genauso wie seine Lage, sehr gut. Das Zentrum befindet sich in Hügellage, oberhalb eines Einfamilienhaus-Quartiers. Wer fit ist, kann mehrere hervorragende Speiselokale, Lebensmittelgeschäfte, und sogar ein Einkaufszentrum zu Fuss erreichen. Die weniger Fitten, benutzen das Auto, oder den öffentlichen Verkehr. Eigentlich ist nichts weit entfernt, man muss es nur finden. Wir waren nicht lange in Polen, bis uns auffiel, dass es hier keine Zonenplanung gibt. Von ein paar historischen Stadtzentren abgesehen, die vor langer Zeit von früheren Herrschern gegründet wurden, hat hier niemand Regeln aufgestellt, wo man was bauen darf. Wer inmitten eines Wohnquartieres (Polen besteht fast nur aus Wohnquartieren) ein Grundstück erbt, darf frei entscheiden, ob er hier ein Haus für seine Familie, ein Hotel, eine Disco, eine Werkstatt, eine Fabrik, ein Einkaufszentrum, oder ein FKK Zentrum bauen will. Wenn der Platz und der Geldbeutel gross genug sind, ist alles möglich; just do it! Wenn wir von Sauna Czesar aus losliefen, war es immer interessant zu sehen, welche Geschäfte sich entlang unseres Weges, zwischen den Einfamilienhäusern niedergelassen haben. Wo auch immer wir die Polnische Küche durchprobierten, das Lokal oder Hotel befand sich meist inmitten eines Wohnquartieres.

Auf Ausflügen fiel uns auf, dass es in vielen Dörfern und Städten kein erkennbares Zentrum gibt und die Geschäfte einfach überall verteilt stehen. Die Zwillingsstadt Bielsko-Biała ist eine löbliche Ausnahme. Hier gibt es eine pittoreske Altstadt, welche von früheren Herrschern, vor allem aus Deutschland und Österreich, gebaut wurde. Während Polens ereignisreicher Geschichte teilte der Fluss Biala, zeitweise nicht nur die beiden Städte Bielsko und Biała, sondern bildete über Jahrhunderte auch die Grenze zwischen verschiedenen Ländern und Grafschaften. Im Jahr 1939 wurden die beiden Städte von den Nazis vereinigt und kamen 1945 schlussendlich (wieder) zu Polen.

 

Bielsko-Biała wird auch gern als "Klein Wien" bezeichnet und seine Blütezeit, hat dank seinen vielfältigen Industrie-zweigen schon vor langer Zeit begonnen. Der Übergang vom kommunistischen System zur westeuropäischen Marktwirtschaft, fand hier wohl noch schneller statt, als im Rest des Landes. Obwohl es überraschend viele kleine einheimische Supermärkte gibt, kam es zu einer Invasion der Grossverteiler aus ganz Europa. Heute bemühen sich drei riesige Edel-Einkaufszentren, wo fast nur westlichen Marken vertreten sind, die steigenden Konsumbedürfnisse der 175'000 Einwohner zu befriedigen. Wenn jemandem das Geld ausgehen sollte, beantragt er einfach einen Kredit bei seiner "lokalen Bank", wie z.B. Crédit Agricole oder BNP Paribas aus Frankreich, der ING (International Netherlands Group) oder der Spanischen Banco Santander, um nur einige zu nennen. Die westeuropäischen EU-Länder holen ihr investiertes Geld mehrfach zurück, wo immer sie können!

 

Als wir bei Sauna Czesar reservierten, wussten wir noch nicht, dass sie in einer so schönen, aber untouristischen Gegend liegt. Es war ein richtiger Glückfall. Wir schätzten die grosse Auswahl an kreativen Restaurants in der Nachbarschaft und erfreuten uns auch, dass es in Polen überall kompaktes dunkles Brot zu kaufen gibt.

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Tschechien: überrannt oder übersehen - aber immer gepflegt

Von West-Polen her kommend, erreichten wir die Tschechische Republik am 29. Juli 2015. Dieses 78'864km2 grosse Land, welches heute 10.5 Mio. Einwohner zählt, war lange Zeit von den Habsburgern beherrscht. Deshalb haben viele Dörfer und Städte, nicht nur einen Tschechischen, sondern auch einen Deutschen Ortsnamen. Die heutige Tschechische Republik entstand 1993, nachdem die Slowakei die Union mit der Tschechoslowakei, also Tschechien, beendete. Seit dem Beitritt zur EU im Jahr 2004, sind die beiden aber über diesen Kanal sozusagen "wieder vereinigt". Inzwischen gibt es so gut wie keine sichtbaren Überbleibsel der Ostblock-Vergangenheit mehr. Auch wenn Tschechien den Euro mehr aus politischen, als wirtschaftlichen Gründen noch nicht einführte, entwickelte es sich zu einer modernen Industrienation, mit starker Wirtschaft und tiefer Arbeitslosigkeit.

Dazu ein Zitat vom renommierten Ökonomen Tomáš Sedlácek: …wir haben "manisch-depressive Gesellschaften" geschaffen, die schnell wachsen können, aber sehr instabil sind. Zugunsten des Wachstums haben wir die Stabilität verkauft. Aus meiner Sicht aber ist Stabilität wichtiger als Wachstum.

Es braucht nicht zwingend eine Zunahme des Bruttoninlandprodukts. Das zeigt das Beispiel der Nachbarländer Tschechien und Slowakei. Tschechien hatte in den letzten 10, 15 Jahren ein geringes Wachstum und Arbeitslosenquoten von sechs bis acht Prozent. Dagegen lag in der Slowakei die Arbeitslosigkeit bei über zehn Prozent, obwohl das Wachstum doppelt so hoch war als jenes von Tschechien. Zitat Ende

 

Wir bereisen das malerische Land von Ost nach West

 

Unser erstes Ziel war die unerwartet schöne Stadt Olomouc bzw. Olmütz auf Deutsch. Die UNESCO fand, dass der Dreifaltigkeitssäule ein Platz im Weltkulturerbe zusteht. Wir würden aber die gesamte Altstadt dort eintragen! Das "gekürte" Monument steht auf dem grössten Platz der Stadt, dem "Horní náměstí". Von dort aus muss man nicht weit gehen, um einen der anderen Plätze zu erreichen. Keiner ist wirklich rechteckig, aber alle sind, genauso wie die meisten Strassen, von malerischen vielfarbigen, schön restaurierten Häusern gesäumt. Olomouc hat viel Grandeur, und wir können es nicht verstehen, weshalb es von den meisten Touristen links liegen gelassen wird. Für unseren Geschmack hat diese Stadt viel mehr Anziehungskraft, als Krakau in Polen, welches von Touristen nur so überschwemmt wird. Olomouc ist halt nichts weiter, als eine aussergewöhnlich schöne Stadt mit 100'000 Einwohnern, aber es gibt hier weder eine bekannte Kultfigur, noch eine andere moderne Pilgerstätte.

 

Als nächstes war es an der Zeit, etwas naturgemachtes zu sehen. Der Mährische Karst nördlich von Brno (Brünn) ist für seine unzähligen Grotten und Höhlen bekannt. Auf einer Fläche von 100km2 sind etwa 1'100 Höhlen entdeckt worden. Fünf davon sind teilweise dem Tourismus zugänglich gemacht worden, sodass Hans Normalbürger wenigstens einen kleinen Eindruck von den Wundern der Unterwelt erhaschen kann. Jetzt in der Hochsaison muss die beliebteste unter ihnen Wochen im Voraus gebucht werden. Dies ist nicht unser Ding und so entschieden wir uns für die Balcarka Höhle, wo wir fünf Minuten vor der nächsten Tour noch Tickets ergattern konnten. Der kleine Parkplatz war ziemlich voll. Die Besucher kamen vor allem aus Tschechien und anderen Osteuropäischen Ländern. Wir waren die einzigen "Westler". Konsequenterweise verstanden wir die Höhlenführerin nur akustisch, erhielten aber ein kleines Faltblatt in Deutsch. Mit 14 Teilnehmern war die Gruppe nicht allzu gross und es brauchte eh keine Worte, um die Schönheit der vielfältigen Höhlenformationen zu erklären. Obwohl die Führung durch das ausgedehnte Höhlensystem eine Stunde dauerte, fühlte sich Brigitte, wie bei jeder Höhlenführung, etwas gar zu schnell durchgedrängt. Es blieb kaum genug Zeit um die Stalaktiten und Stalagmiten zu bewundern, bevor die Lichter hinter uns wieder ausgemacht wurden.

 

Von ganz normalen zu grandiosen Dörfern

 

Bereichert mit vielen neuen Eindrücken verliessen wir die Höhle im Waldgebiet, und fuhren über sanfte Hügel und entlang unzähliger künstlich angelegter Fischteiche weiter. Häufig kamen wir auch an riesigen Kornfeldern vorbei, wo gerade mächtige Mähdrescher bei der Ernte waren. Zum Glück begegnete uns keines dieser Monster auf den engen Strassen. Der Sommer ist auch die beste Zeit, um Strassenarbeiten auszuführen und so kamen wir immer wieder an Umleitungen. In Tschechien bedeutet eine Verkehrs-Umleitung meist nicht nur ein paar hundert Meter Umweg, sondern eher mehrere dutzend Kilometer. Mit so vielen Zusatzmeilen kamen wir natürlich nicht weit, und so endeten wir am Abend im Dorf Velká Bíteš. Irgendwie fanden wir es interessant, einen ganz normalen, unbekannten Ort zu entdecken. Wie in so vielen Tschechischen Dörfern, findet man auch in Velká Bíteš einen grossen, mit Kopfstein gepflasterten Hauptplatz, der von wunderschön renovierten Häusern und einem Rathaus umgeben ist. Wir konnten zwischen verschiedenen Unterkünften auswählen und es war auch hier einfach, ein gutes Speiselokal zu finden.

 

Nach einem kurzen Aufenthalt in Třebíč, erreichten wir das 6'000 Seelendorf Telč. Dies ist ein weiteres, ins UNESCO Weltkulturerbe aufgenommenes Schmuckstück, welches von Touristen aus dem Westen zum grössten Teil ignoriert wird. Einheimische Besucher sieht man hingegen schon, vor allem um die Souvenir-Stände. Der grosse, langgezogene Hauptplatz ist eine wahre Augenweide. An seinem nördlichen Ende findet man ein grosses Schloss und eine Kirche. Beeindruckend sind aber vor allem die langen, ununterbrochenen Reihen von Häusern aus dem 16. Jahrhundert, die den Platz umgeben. Die meisten haben eine Arkade und schön dekorierte Giebel. Häufig ist dies ein Stufengiebel und die Fassaden sind geschmückt mit Malereien, oder Sgraffito (Kratzputz wie z.B. auch an Engadinerhäusern).

 

Vorbei an weiteren Hügeln, Seen und Teichen, erreichten wir das Städtchen Třeboň. Die hübsche Altstadt sieht nicht viel anders aus, als diejenige von Telč. Sie ist jedoch deutlich kleiner, dafür leben mehr Menschen in ihrer Agglomeration. Třeboň war genauso schön, wie jedes andere Städtchen, das wir in der Tschechischen Republik besucht hatten, es gab nur einen kleinen Unterschied: an diesem Freitagabend waren alle Unterkünfte sehr gut belegt und wir hatten richtig Mühe, ein passendes Zimmer zu finden. Erst 5km ausserhalb des Zentrums wurden wir fündig. Am nächsten Morgen entdeckten wir den Grund für diesen Menschenauflauf. Hunderte von Marktständen belegten den Hauptplatz und alles was sie anboten, war reiner Touristenramsch! Damit schienen sie sogar erfolgreich zu sein. Zudem wurden die Einheimischen auch mit ein paar Konzerten angezogen. Als wir dies sahen, mussten wir nur lächeln und fuhren ungläubig weiter. Dabei staunten wir gleich noch mehr. Der Verkehr staute sich nämlich vom Dorfrand weg über 5km, und alle warteten geduldig auf "Einlass", bzw. einen freien Parkplatz.

 

Wir begannen schon darüber nachzudenken, ob wir auf unser nächstes Ziel, die 100'000 Seelen Stadt České Budějovice (Budweis), verzichten sollten. Doch wir hätten uns keine Sorgen machen müssen. An diesem Samstag war Budweis menschenleer! Warum, wussten wir nicht. Wir genossen es einfach, eine weitere Tschechische Stadt voller Höhepunkte fast für uns alleine zu haben. Wiederum war nicht nur der kopfsteingepflasterte Hauptplatz, sondern fast jede Strasse im Zentrum von wunderschön restaurierten, farbigen Stadthäusern gesäumt. Speziell interessant war das stattliche, grau-violette Stadthaus, das reich mit Türmchen, Statuen und Wappen dekoriert war. Nicht nur die historische Architektur war etwas verspielt, sondern auch die moderne Kunst. Auf einem kleinen Teich, am Rande der Altstadt, schwamm ein Floss mit sechs, aus schwarzem Draht geflochtenen, Badenixen. Ihnen war entweder ein Bikini, oder nur ein Bade-Höschen aufgemalt worden. Eine weitere "Gruppe" machte offensichtlich im Wasser Handstände, denn es tauchten nur die, sich bewegenden, weissen Beine aus dem Wasser auf.

 

Geschichtsträchtig gegen Finanzträchtig  

 

Weniger als 20km westlich von Budweis besuchten wir das kleine Dorf  Holašovice. Auch dieses verträumte Idyll wird vom Touristenstrom grösstenteils ignoriert. Die aussergewöhnlich schönen Höfe sind in Südböhmischem Bauernbarock erbaut worden, und zwischen 150 und 200 Jahre alt. Alle waren wunderschön renoviert und frisch gestrichen. Trotz ihrer individuellen Gestaltung, passen sie perfekt zueinander. Wenn Holašovice mehr Touristen anziehen würde, kämen sich die 400 Einwohner wohl vor, wie in einem Museumsdorf. Zum Glück ist der Ort immer noch unberührt, und dies obwohl er zum Weltkulturerbe gehört. Besucher zahlen hier weder Eintritt, noch Parkgebühren.

 

Ein schlauer Bauer hat sich ausgerechnet, dass gebührenpflichtige Attraktionen dagegen zu echten Goldgruben werden können. Jedes Mal wenn er das Gras mähte, war ihm ein riesiger Felsbrocken im Weg. Statt darüber zu jammern, kam ihm die nüchterne Idee(?), dass dieser Stein das Startkapital seines neuen Touristen-Unternehmens werden könnte. Im Jahr 2000 begann er am Dorfrand, mit dem Bau von Holašovice's eigenem "Stonehenge". Bis 2011 bestand das megalithische Sonnenschiff bereits aus 25 Steinen, einem Menhir und einem Dolmen, alle perfekt ausgerichtet zur Sonnenwende. Inzwischen ist die Wiese zu einem "magischen Ort" geworden, der auf magische Weise Besucher anzieht, die nun tatsächlich freudig Parkplatz- und Eintrittsgebühren bezahlen. Schliesslich ist ja mit dem Besuch die vage Hoffnung verbunden, dass man hier vielleicht eine höhere Ebene erreichen kann…

 

Als nächstes besuchten wir Český Krumlov, oder in Deutsch: Krumau an der Moldau. Die Altstadt und ein grosses Schloss geben diesem Städtchen in einem Flussknie, einen ganz speziellen Charakter. Die meisten Gebäude wurden zwischen dem 14. und 17. Jh., entweder im Gotischen-, Renaissance-, oder Barocken Stil, erbaut. Das Schloss thront auf zwei Hügeln über der Moldau und ist über eine beeindruckende, mehrstöckige Mantelbrücke verbunden.

Český Krumlov war der touristischste Ort, den wir in Tschechien besuchten. Die meisten Besucher stammten aus Tschechien und den andern ehemaligen Ostblock-Ländern, gefolgt von Bus- respektive Flugzeug-Ladungen von Chinesen. Da wir uns nun im Grenzgebiet zu Deutschland und Österreich befanden, hörten wir oft auch Deutsch. Die Urlauber fühlen sich nicht nur von der Altstadt und dem schönen Schloss angezogen, sondern lassen ihren Adrenalinspiegel auch gerne mit einer Kanufahrt über die kleinen Stromschnellen ansteigen.

 

Auf unserer Weiterfahrt nordwestwärts durch Südböhmen, machten wir Halt in Prachatice (Prachatitz). Dieses Kleinstädtchen entpuppte sich als ein weiteres, grossartiges, unbekanntes Juwel Tschechiens. Wir bewunderten die adretten, schön renovierten Gebäude um den Hauptplatz, von denen das schmucke Rathaus besonders herausstach. Dieser Hauptplatz war, genauso wie die Zufahrtstrassen, mit Kopfstein gepflastert und von stattlichen Bürgerhäusern gesäumt. Im ganzen Land ist uns aufgefallen, dass die Tschechen zu ihren Städten und Dörfern viel Sorge tragen. Ansonsten erschienen uns die Menschen aber eher etwas emotionslos. Wir beobachteten beispielsweise mehrmals, dass sie bei Aufführungen auf Freilichtbühnen nie klatschten, und dies obwohl einige recht amüsant und hochklassig waren.

 

Mléčná Dráha: ein FKK Gelände mit einem einladenden Badeteich

 

Nach so viel Besichtigungs-Programm brauchten wir wieder etwas Ruhe. Wir entschieden uns für Mléčná Dráha, einem hübsch angelegten FKK Gelände in der Nähe von Vimperk; zu Deutsch Winterberg. Mittlerweile war es der 2. August 2015, und somit war der Campingplatz von kinderreichen Familien belebt, die ihre zweiwöchigen Sommerferien hier verbrachten. Wohl weil die Eigentümer Holländer sind, ziehen sie vor allem Gäste aus den Niederlanden und dem Flämischen Teil Belgiens an. Tschechische Gäste sahen wir hier wenige. Für ein- oder zwei Tage kreuzten aber immer wieder ein paar Nicht-Niederländer auf, die auf ihrem Weg von- oder an die Küste (Kroatiens) einen Stopp einlegten.

 

Umgeben von Feldern und Wäldern, bietet Mléčná Dráha auf einer 12Ha grossen Hügelflanke, etwa 80 ebene Stellplätze. Zudem gibt es ein Holzhäuschen mit Kochgelegenheit, sowie eine Frühstückspension mit 7 Zimmern.

 

Wir mieteten für unseren 11 tägigen Aufenthalt eines dieser Zimmer, merkten aber bald, dass sie eher für Leute gedacht sind, die nur ein paar Tage bleiben. Die Eigentümer zeigten sich aber grosszügig und machten uns etwas Platz im Kühlschrank der Bar. So konnten wir wenigstens Wurst und Käse für die Mittagsverpflegung lagern. Das servierte Frühstück war zwar nicht klein, aber nichts für Individualisten. Es wurde immer genau um 9 Uhr, an einem Gemeinschaftstisch serviert und wir waren nicht die einzigen, die den Wecker stellen mussten. Mléčná Dráha hat zwar kein Restaurant, aber Naturisten die gerne mit anderen zusammen sitzen, können sich jeden Tag zur Gemeinschafts-Mahlzeit am Abend einschreiben. Wie alle anderen Bekanntmachungen, wird auch das Menü nur auf Niederländisch ausgehängt. Auf unsere spitze Bemerkung meinte der Eigentümer bloss lakonisch: "mit eurem deutschen Hintergrund solltet ihr in der Lage sein, zu erkennen, was auf dem Menü steht". Für einige Dinge mag dies wohl zutreffen, man erwartet aber anscheinend auch von den wenigen Gästen aus Frankreich, Grossbritannien, Norwegen, und selbst von den einheimischen Tschechen, ähnliche Kenntnisse der Weltsprache Flämisch. Wie viele würden es als Affront empfinden, wenn eine Tschechische Familie in Amsterdam eine Ferienanlage eröffnen würde und ganz einfach erwartete, dass jeder Niederländer Tschechisch verstehe?

 

Jedenfalls findet man in jedem Restaurant der Umgebung, wo auch ausländische Kunden geschätzt werden, das Menü in verschiedene Fremdsprachen übersetzt.
Da uns wichtig war zu fühlen, dass wir uns in Tschechien befinden, fuhren wir zum Abendessen jeweils hinaus. Zum Glück gibt es in der Umgebung von Mléčná Dráha eine gute Auswahl an hervorragenden Speiselokalen. Jedes einzelne Lokal das wir besuchten, hatte ein Deutsches, und oft auch ein Englisches Menü und häufig beherrschte auch das Personal verschiedene Fremdsprachen.

Auch in der Tschechischen Republik war das Essen eine positive Überraschung und viel besser, als wir dies erhofft hatten. Nachdem der eiserne Vorhang fiel, realisierten die Wirte sehr schnell, dass höhere Preise nur über bessere Qualität, und kreativere Gerichte gerechtfertigt werden können. Im Grossen und Ganzen servierte man uns hervorragende Speisen, die oft schon Richtung gastronomische Küche tendierten.

 

Da dieser Sommer von einer ausserordentlich langanhaltenden Hitzewelle dominiert war, schätzten es die Gäste von Mléčná Dráha besonders, dass sich das Gelände auf 700 Metern über Meereshöhe befindet und dadurch ein paar Grad kühler ist. Am beliebtesten war der kleine Schwimmteich, welcher von einem kalten Bächlein gespeist wird. Kinder und Erwachsene waren begeistert von den zur Verfügung gestellten Surfbrettern. Vor allem die Kleinkinder plantschten bis ihnen fast Schwimmhäute wuchsen, oder sie die Eltern zur nächsten Mahlzeit riefen. Für kältere Tage steht noch eine Sauna zur Verfügung, die man für ein paar extra Kronen benutzen kann. Man muss sich auf einer niederländischen Liste für die separaten Kinder- und Erwachsenen-Sitzungen eintragen. Zudem gibt es im Hauptgebäude mehrere Gemeinschaftsräume. Dort kann man das bestellte Brot abholen, an der Bar ein Getränk, oder ein Eis kaufen und die Heim-Elektronik mit dem Wi-Fi Signal verbinden.

 

Wir erhielten den Eindruck, dass sich die Tschechen nicht viel aus FKK machen, aber kein Problem damit haben, wenn andere nackt baden. Mléčná Dráha liegt nur ein paar hundert Meter unterhalb eines Weilers. Sowohl von der Strasse aus, als auch von einigen Häusern, kann man ohne weiteres ein paar Nackte sehen. Wenn die Naturisten hingegen einige der attraktivsten Sehenswürdigkeiten des Landes besuchen möchten, müssen sie mindestens eine Stunde fahren, oder diese wie wir, auf den Weg "einbauen", da mehrere Hauptattraktionen etwa 70km entfernt liegen. Die Dörfer, die wir uns in der Nähe ansahen, waren Vimperk, Volyně, sowie der Winterkurort Kašperské Hory (früher Bergreichenstein) im Böhmerwald.
Wir denken, dass Mléčná Dráha sehr gut für einen FKK Urlaub mit der Familie geeignet ist, zumindest für diejenigen die sich nicht daran stören, dass sie sich dort eher wie in den Niederlanden, statt in der Tschechischen Republik fühlen.

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Regensburg

Regensburg: drei Tage in einer erfrischenden deutschen Stadt

Durch den Böhmerwald fuhren wir am 13. August 2015 weiter, nach Deutschland, eh, Entschuldigung: Bayern. Unser einziges Ziel war Regensburg, eine pittoreske Stadt an der Donau. Wir nahmen ein Zimmer im Ibis Hotel, das direkt am Rande der Altstadt liegt. Regensburg trumpft mit dem grössten mittelalterlichen Stadtzentrum Deutschlands auf. Dazu gehört auch eine grosse Kathedrale und eine mächtige Steinbrücke aus der Römerzeit. In den engen Gassen fanden wir überraschend viele Asiatische Speiselokale, welche sich oft in historischen Gebäuden befanden. Dadurch vereinigen sich die modernen Essgewohnheiten mit den alten Zeiten.

 

Die grosse historische Altstadt erstreckt sich über die steinerne Brücke ans andere Donau-Ufer, wo eine weitere, besonders schöne Reihe von Stadthäusern die Strasse säumt. Als wir entlang des Flusses spazierten, sahen wir viele luxuriöse Donau-Kreuzfahrtsschiffe, welche hier am Ufer vertäut lagen. Den vielen gemütlichen Restaurants im schönen Stadtzentrum zum Trotz, dinierten die Kreuzfahrt-Passagiere in der Sicherheit ihres Schiffes, und begnügten sich mit der langweiligen Sicht zur Hafenmauer. Wenn dies Medellín in Kolumbien gewesen wären, könnten wir dies ja vielleicht noch verstehen, es handelte sich aber um Schweizer Touristen auf einer "abenteuerlichen" Reise durch Deutschland...

 

Weiter flussabwärts, erreichten wir Regensburgs Binnenhafen, wo wir uns wegen des Wochenendes ungestört umsehen konnten. Es gibt dort ein grosses Areal mit Kontainerlade-Einrichtungen, Hafenbecken und Kränen. Brigitte hätte am liebsten einen der hölzernen Kräne mitgenommen und ihn in ein drehbares Heim auf Rädern umgebaut.

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Österreich: Besuch einer früheren Weltmacht

Nach drei brütend heissen Tagen in Regensburg, fuhren wir am 16. August 2015, einem regnerischen und schon fast wieder kühlen Tag, nach Österreich weiter. Dieses Alpenland im Herzen Europas war in seiner Vergangenheit als Österreichisch-Ungarische Doppel-Monarchie, viel mächtiger als heute. Genaugenommen war es bis 1918 das zweit-grösste Land Europas, direkt nach Russland. In seiner Glanzzeit erstreckte sich das Österreichisch-Ungarische Reich vom Südtirol bis zu den westlichen Republiken der Ukraine, und vom ehemaligen Jugoslawien bis zum Süden Polens. In jedem Osteuropäischen Land, das wir diesen Sommer besucht hatten, war der Österreichische Einfluss immer noch deutlich sichtbar. Heutzutage sind Österreichs verbliebene 83'878 km² Heimat von 8,6 Mio. Einwohnern.

 

Salzburg: überall etwas Spezielles...

 

Unser erstes Ziel in Österreich war die wunderschöne Stadt Salzburg, welche normalerweise sehr gut auf die Bedürfnisse der Touristen eingeht. An unserem Ankunftstag war es aber nach der langanhaltenden Hitzewelle zum ersten Mal wieder so richtig kühl. So suchten die meisten Besucher wieder eher Kaffee und Kuchen, statt Eis, wie in den Wochen davor. Die meisten Kaffeehäuser schienen jedoch nicht darauf gefasst und so glichen die meisten Kuchenvitrinen am Abend einem verlassenen Schlachtfeld.

 

Mit seinen vielen Schlössern und Türmchen strahlt Salzburg sehr viel Grandeur aus und zieht deshalb Touristen aus der ganzen Welt an. Ironischerweise waren einige der Reisebusse, die mit Besuchern aus Asien unterwegs waren, in einer ebenso schönen Tschechischen Stadt immatrikuliert, die aber vom Tourismus schlichtweg ignoriert wird. Hier in der ehemaligen Salzminen-Stadt, wo das Gegenteil der Fall ist, werden natürlich noch Festspiele organisiert, um noch weitere Besucher anzuziehen. Mit den Salzburger Festspielen wird der berühmteste Sohn der Stadt geehrt: Wolfgang Amadeus Mozart. Dies zieht viele gutbetuchte Zuschauer an, die niemals im Bus anreisen würden. Die berühmtesten Jet-Setter kommen mit dem (z.T. eigenen) Flugzeug, und der Autohersteller Audi ist ganz versessen darauf, diese mit einer grossen Flotte von Luxuslimousinen in der Stadt herumchauffieren zu dürfen.

 

Es war nicht unser erster Besuch in Salzburg, aber wir geniessen es immer wieder, durch die engen Gassen, die grossen Plätze und entlang des Salzach-Ufers zu schlendern. Der zweieinhalb Kilometer lange Fussmarsch von unserer netten Frühstücks-Pension ins Zentrum bescherte uns genügend Bewegung, dass wir uns anschliessend mit gutem Gewissen hinter die einheimischen Spezialitäten machen konnten: Mozartkugeln, Sachertorte und Schlemmermahlzeiten.

 

Salzburger Land: wo wir fanden, was wir gar nicht suchten .....

 

Nach zwei Tagen fuhren wir südwärts Richtung Kärnten weiter. Schon bald sahen wir ein Schild am Strassenrand und hielten an, um zu sehen worum es geht. So kam es, dass wir die tiefe Lammerklamm Schlucht kennenlernten. Heute windet sich der kleine Lammerbach durch die verschlungene Kluft, die während Jahrtausenden von der Kraft des Wassers ausgeschliffen wurde. Über einen Holzsteg kann man durch die eindrückliche Schlucht gehen, die so tief ist, dass man den Himmel kaum noch sieht. Verglichen mit dieser imposanten Arbeit der Natur sind unsere Leben nicht viel mehr, als ein unbedeutend kurzer Augenblick in der kosmischen Zeit.

 

Durch die Hohen Tauern erreichten wir Mauterndorf, wo wir spontan nach einer Unterkunft suchten. Nachdem uns eine ältere Dame ein Zimmer gezeigt hatte, das uns etwas gar einfach erschien, versuchten wir es bei einer jüngeren Dame mit neueren Zimmern. Wir wurden fündig, doch wir mussten genauso früh zum Frühstück erscheinen, wie wir dies bei der älteren gemusst hätten. Kein Jammern half, wir mussten um 9 Uhr aufstehen. Egal. In Mauterndorf gibt es auf jeden Fall viele schöne Häuser, einige gute Restaurants und es hat sich für uns wirklich gelohnt, hier zu übernachten.

 

Rutar Lido: ein sehr ruhiges FKK Gelände in Kärnten

 

Am 19. August 2015 erreichten wir Rutar Lido, ein gut ausgestattetes FKK Ferienzentrum in Eberndorf, etwas östlich von Klagenfurt. Dort bezogen wir ein luxuriöses Mobilheim mit zwei separaten Schlaf- und Badezimmern. Wir teilten dieses mit unserer Österreichischen Freundin Gusti, die Brigitte vor 28 Jahren in Australien kennengelernt hatte. Damals machten die beiden "Mädchen" als Rucksacktouristinnen Autostopp, heute wünschen sich die beiden Damen etwas mehr Komfort.

 

Auf seinen 19Ha bietet Rutar Lido eine breite Auswahl an Unterkünften, von ganzjährig bewirtschafteten Hotelzimmern, zu einfachen Campinghütten. Insgesamt gibt es etwa 700 flache Stellplätze, wovon etwa 300 von Dauermietern belegt sind. Das Ferienzentrum befindet sich nur etwa einen Kilometer vom Dorfzentrum mit seinem imposanten Stift entfernt. Deshalb ist es für die Naturisten nur ein kurzer Spaziergang um sich unter die Dorfbevölkerung zu mischen und einige Dorfbewohner können die Naturisten von ihren Wohnhäusern aus sehen. In Österreich braucht es keine Sichtschutzwände, niemand fühlt sich gestört. Es gibt ja auch wirklich nichts Spezielles zu sehen; bloss Leute beim baden und sonnenbaden in und um einige Badeteiche.

 

Vor allem Gusti war ein bisschen enttäuscht, dass diese Teiche auf Rutar Lidos Broschüre etwas grösser erscheinen, als sie in Realität sind. Bei genauerem Hinsehen gibt es aber mehr als genug Möglichkeiten zum Schwimmen. Zwei Teiche sind einfach schöne Biotope, einer ist für Hunde reserviert, aber der grösste ist den Zweibeinern vorbehalten. Eine Halbinsel und eine Brücke unterteilen diesen in zwei Abschnitte.

 

Wer dem Naturbad ein Schwimmbecken vorzieht, findet zwei grosse offene Pools, umgeben von Liegestühlen, sowie separate Sommer- und Winter-Hallenbäder. Des weiteren findet man eine überdachte Gruppe von vier kleineren Becken mit unterschiedlichen Temperaturen, darunter ein beeindruckendes 18 m2 grosses Sprudelbad. Dazu gehört auch eine grosse Sauna und immer wenn das Wetter nicht ganz perfekt ist, kann diese gratis benutzt werden. Der Aqua Komplex bietet zwar viel Luxus, aber in einem eher nüchternen Design. Auch eher steif, waren die Regeln betreffend der Mittags- und Abendruhe und die Zahlungsbedingungen, um für einen kleinen Preisnachlass zu qualifizieren. Die geschäftstüchtige Geländeleitung kalkuliert ihre Kosten peinlichst genau. Man kann z.B. nicht einfach einen Jetton für die Waschmaschine kaufen. Oh nein! Einige Gäste bringen ja grosse Waschladungen, die etwas mehr Wasser gebrauchen als andere und die Hausfrauen wählen ja verschiedene Programme und Waschtemperaturen. Da ist es einfach nur normal, dass der zusätzliche Wasser- und Stromverbrauch weiterverrechnet werden muss. Die Anzahl der benötigten Münzen hängt also vom Waschgang ab, wie uns an der Rezeption erklärt wurde...

 

In Rutar Lidos eigenem "Dorfladen" stehen nicht nur ein paar jüngere Mitarbeiterinnen zu Diensten, sondern auch eine ältere Dame die zur Besitzerfamilie gehört und eine enthusiastische Verkäuferin ist. Sobald man nach etwas Ausschau hielt, war sie gleich zugegen und bot Hilfe an. Wenn sie den gewünschten Artikel nicht an Lager hatte, war ihre Fantasie unbegrenzt, welchen Ersatzartikel man stattdessen erwerben könnte. Als wir nach einer Abwasch-Bürste fragten, schlug sie uns vor, vielleicht lieber etwas Saft, eine Gurke, Plastikbesteck, vielleicht doch eher einen Apfelstrudel, oder eine Zeitung zu kaufen… Mit demselben Elan läutete sie jeweils die Glocken vor der wöchentlichen Messe in Rutar Lidos eigener Kapelle. Nach dem Erfüllen dieser Pflicht, war es schon bald Zeit um ins Bett zu gehen. Die Ungläubigen, die stattdessen auswärts essen gingen, müssen ihr Auto nach der Rückkehr vor der Rezeption parken, denn die Schranke schliesst um 21 Uhr, danach gilt Nachtruhe!

 

Während unseres Aufenthalts, hatte Rutar Lido vor allem ältere Pensionäre als Gäste. Familien schien es nicht anzuziehen, was für ein so gut ausgestattetes Naturisten-Ferienzentrum eigentlich schade ist. Die Besitzerfamilie hat sogar selbst bewiesen, welche Wunder Änderungen bewirken können. Bei unserer Ankunft am 19. August wurde das Restaurant von einem Pächter geführt, der mehr daran interessiert war, möglichst viele Getränke zu verkaufen, statt gut zu kochen. Wir sahen auch nie viele Gäste. Am 1. September übernahm dann Rutar Lidos Besitzer das Restaurant persönlich. Plötzlich war dasselbe Lokal jeden Abend voll, und dies obwohl in der Zwischenzeit nur noch relativ wenige Gäste auf dem Platz waren.

 

Ausflüge: Schlösser, Torten und Gräber

 

Das Wetter war im Grossen und Ganzen angenehm und warm. Da wir unsere Freundin Gusti schon jahrelang nicht mehr gesehen hatten, gab es viel zu erzählen. Deshalb verbrachten wir viel Zeit auf dem Gelände. Wir kochten nicht allzu oft selbst. Ab und zu fuhren wir zu einem etwas weiter entfernten Lokal, ab und zu spazierten wir zu einem in der Nähe von Rutar Lido. Um die Vollmondzeit war es besonders schön, nach dem Abendessen über die Feldwege zurückzukommen.

 

Einer unserer Ausflüge galt dem Städtchen mit dem dubiosen Namen Völkermarkt. Auf dem Weg dorthin überquert man eine Staumauer im Völkermarkter Stausee. Gleichentags machten wir Halt beim Märchenschloss Elberstein in Globasnitz. Ein energiegeladener Österreichischer Künstler erbaute es erst vor kurzem, sozusagen als sein Einfamilienhaus. Wie immer für Gusti, war der Höhepunkt des Tages, ein Besuch auf dem lokalen Friedhof. Es hat uns überrascht, auf wie vielen Grabsteinen ein Slowenischer Name stand. Hier in der Nähe der Grenze, sind viele Kärntner zweisprachig und auch viele Dörfer haben sowohl einen Deutschen, als auch einen Slowenischen Ortsnamen. Wir mussten etwas über die formellen Titel schmunzeln, die oft in die Grabsteine graviert waren. Gusti erzählte uns, dass man auf älteren Friedhöfen sogar regelmässig nicht nur Titel, sondern auch Eigentum und Ehrenämter der Verstorbenen erwähnt sind, wie z.B. Mehrfamilienhausbesitzer, Feuerwehrkommandant oder Musikdirektor.

 

An einem anderen Tag stiegen wir hinauf zur Schlossruine oberhalb von Griffen. Sie sitzt auf einem der wenigen Felshügel, in sonst sehr flacher Landschaft. Am Fuss des Schlossberges befindet sich auch der Eingang zur Griffener Tropfsteinhöhle, wo Führungen angeboten werden. Man sah hier zwar auch einige andere Touristen, die meisten Urlauber zieht es aber an den kleinen Klopeiner See, welcher von Hotels und Restaurants gesäumt ist.

 

Unser letzter Ausflug galt dem Städtchen Bleiburg. Auch über diesem verträumten kleinen Ort mit seinen farbenfrohen Häusern, thront ein altes Schloss. Da es zu regnen begann, hatten wir die perfekte Entschuldigung, in ein Kaffeehaus zu gehen. Wir genossen es noch ein wenig, mit Gusti zusammen zu sitzen, bevor wir uns allem vom Rutar Lido verabschiedeten und in verschiedene Richtungen abreisten

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Kroatien: Rückkehr ins Land der schönen Strände und Städte Teil 1: FKK auf Istrien: beliebt und immer besser

Da es am 5. September 2015 in Strömen regnete, war die Zeit gerade richtig um weiterzufahren. Nachdem wir Slowenien durchquert hatten, fanden wir die Sonne auf der Kroatischen Halbinsel Istrien wieder.

 

Kroatien ist eines der jüngsten Länder Europas. Für mehr als tausend Jahre war es von den Römern, den Byzanthinern, Osmanen, Habsburgern und dem Österreichisch-Ungarischen Reich umkämpft.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Land zu einer Teilrepublik innerhalb Tito's Jugoslawien. Die Unabhängigkeits-erklärung von 1991 führte, zusammen mit den ethnischen Säuberungen, zu einem 4 jährigen Krieg mit Serbien. Dieser wurde erst im November 1995 mit dem Übereinkommen von Erdut beendet. Seit Mitte 2013 ist auch Kroatien Mitglied der EU. Damit "rückte" das Balkanland ins Zentrum Europa's. Politische Spannungen unter den 4.3 Mio. Einwohnern des 56'542 km2 grossen Landes, sind aber immer noch sehr hoch. Deshalb verhalten sich ausländische Investoren immer noch eher etwas zurückhaltend. Trotzdem entwickelte sich Kroatien zum schnellst wachsenden Touristenmarkt am Mittelmeer. So waren wir gekommen, um diesem Land einen weiteren Schub zu geben: zuerst möchten wir die Istrische Halbinsel vorwiegend als Naturisten entdecken, und danach den Rest des Landes vorwiegend als Touristen erkunden.

 

FKK auf Istrien: beliebt und immer besser

 

Bereits Tito hatte den Tourismus als willigen Goldesel entdeckt. Er realisierte, dass die malerische Küste mit ihrem kristallklaren Wasser ein Vermögen wert ist und erkannte das riesige Potential des Nacktbadens als Nischenmarkt, den er gezielt entwickelte.

Innerhalb kurzer Zeit entstanden nur schon entlang Istriens 100 Kilometer langer Küste 20 FKK Ferienanlagen. Diese boten Platz für 100'000 Urlauber und machten Kroatien zur beliebtesten FKK Destination der Welt. Während des Bürgerkrieges verlor das Land den grössten Teil dieses Geschäftes, vor allem an Frankreich. Viele Urlauber blieben bei "La grande Nation", weil sie dort bessere Unterkünfte zu günstigeren Preisen fanden, vor allem während der Nebensaison.

Auch in Französischen Lebensmittelgeschäften entsprach die Auswahl und Qualität dem Standard, den Westeuropäer gewöhnt sind. Beim Essen gehen gab es ebenfalls Unterschiede: in Frankreich würde ein Lokal seine Speisen niemals zum Spottpreis anbieten. Viele zahlten aber den Mehrpreis gerne, weil sie dafür echte Schlemmermenüs bekommen konnten, und nicht nur eintönigen und billigen Frass wie in der Tito Epoche.

 

In der Zwischenzeit hat sich der Tourismus in Kroatien wieder erholt und auch die Einrichtungen wurden besser. Einige Naturistenzentren werden inzwischen textil betrieben, aber entlang der Küste, insbesondere in Istrien, gibt es immer noch eine sehr hohe Dichte an FKK Ferienanlagen. Die meisten sind recht gross und bieten eine breitgefächerte Auswahl an verschiedenen Unterkünften und Camping-Möglichkeiten. Unser erster Aufenthalt im Jahr 2000 gab noch keinen Anlass für Begeisterungsstürme. Was wir aber im Juni 2015 auf der einsamen Insel Cres erlebten, war in vieler Hinsicht schon deutlich besser, wenn auch noch nicht ganz überzeugend. Auf der italienisch beeinflussten Istrischen Halbinsel mag wohl vieles anders sein, und so wagten wir einen Versuch.

 

Koversada: ein komfortables, aber natürlich gehaltenes FKK Gelände

 

Am 5. September 2015 trafen wir also im FKK Koversada bei Vrsar ein. Dies war unser erstes Ziel auf der Istrischen Halbinsel. Genauso wie auf der Webseite (und denjenigen der meisten anderen Kroatischen Ferienanlagen), ist es etwas verwirrend herauszufinden, wer wofür zuständig ist. Oft bietet eine grosse Muttergesellschaft (in diesem Fall Maistra) ein breitgefächertes Angebot an Urlaubsunterkünften; von textilen, zu FKK und von rustikalen Campingplätzen bis zu 5-sterne Hotels. Wenn der Wind dreht, geht das Geld noch immer in dieselbe Tasche.

Wir hatten eine Ferienwohnung reserviert und deshalb verwies man uns bei der Haupt- und Camping-Rezeption am Eingang, zu einem weiteren Büro innerhalb der Ferienanlage. Dieses verwaltet die Apartments, ein drittes ist für die Zimmer mit Halbpension zuständig. Wir mieteten eine von Koversadas neu renovierten und sehr gut ausgestatteten Ferienwohnungen und waren damit sehr zufrieden.

 

Koversada ist ein grosses, sehr natürlich gehaltenes FKK Gelände an der Mündung des Limfjordes. Auf dem 85 Ha grossen Grundstück findet man rund 400 Ferienwohnungen und Hotelzimmer, sowie ein paar tausend Stellplätze. Wir kamen eher spät an, da wir aber schon vor 15 Jahren einmal hier waren, dachten wir, es sei überhaupt kein Problem, in einem der Lokale innerhalb der Anlage zu essen. So dachten wir jedenfalls. Wenn aber nach einem starken Gewitter der Strom ausfällt und nur ein paar Notlichter brennen, kann es passieren, dass man an mehreren Restaurants vorbeigeht, ohne sie zu erkennen. Am nächsten Morgen wunderten wir uns, wie wir dieses offensichtliche, und auch gar nicht so bescheidene Angebot übersehen konnten.
Jetzt war es wieder sonnig und warm und wir begannen Koversada zu erkunden. Als erstes wunderten wir uns, wie voll und belegt dieser Platz noch war. Irgendwie hatten wir das Gefühl, dass wir an diesem 6. September wieder zurück in der Hauptsaison waren. Nicht nur Rentner, sondern auch viele jüngere Leute und Kinder tummelten sich hier in der Sonne. Der schöne Spaziergang entlang Koversadas Küste und um die gleichnamige Insel ist fast 4 km lang. Eine 200 m lange Brücke verbindet die kleine Insel, die ausschliesslich für die wenigen Urlauber reserviert ist, die wirklich nur mit einem Zelt campieren. Auch zum Schwimmen und Sonnenbaden kommen viele hierher.

 

Entlang der gesamten Adriatischen Küste ist das Wasser aussergewöhnlich klar und besonders einladend zum baden. Das klare Wasser ist darauf zurückzuführen, dass das Ufer nicht sandig, sondern felsig ist. Mutter Natur schenkte den Kroaten eine mit Inseln durchzogene Küste, die besonders schön anzuschauen ist. Aber: weil sie fast überall von scharfkantigen Kalksteinfelsen gesäumt ist, ist es leider schwierig zum Schwimmen ins Wasser zu gelangen. Um für Badeferien zu taugen, hat man da und dort die Küste mit Hilfe von Presslufthammer und Beton etwas verändert. Im Koversada hat man dies mit Mass gemacht. Fast das gesamte Ufer ist zum Sonnen und Baden zugänglich gemacht worden, und trotzdem sieht man fast überall noch Kalksteinfelsen. Wo die Wellen die zerklüfteten Felsen nicht erreichen, lagern sich Erde und Samen ab, und so gedeihen kleine Steingärten.

 

An den meisten Orten, wo Koversadas Ufer verändert wurde, hat man sie mit flachen Natursteinen unterschiedlichster Formen "gefliest". Im Gegensatz zu Baldarin, wo wir im Juni waren, kann man hier im Koversada entlang des gesamten Küstenabschnittes gehen; hier ist die vorderste Reihe öffentlich! Wer mit einem Wohnwagen, Wohnmobil oder was auch immer campiert, muss vom Meer ein paar Meter Abstand wahren, sodass das Ufer für jeden der 5'000 anderen Urlauber jederzeit und überall zugänglich bleibt. Neben den vielen Sonnenterrassen, laden auch mehrere Liegewiesen dazu ein, der Sonne zu frönen, oder im Schatten zu spielen, lesen, dösen etc. Zusätzlich gibt es für Jung und Alt viele Spiel- und Sportplätze. Mittels eines Betondamms und viel Sand, wurde eine Bucht in ein riesiges, natürliches, kinderfreundliches Schwimmbecken umgewandelt. Für Gäste die ein Boot mitbringen, bietet Koversada geschützte Ankerplätze mit einem Bojenfeld und eine Werft.

 

Kulinarische und Touristische Aus- und Höhenflüge

 

Auf einem so grossen Gelände zu marschieren und zu schwimmen, macht hungrig. Im Koversada findet man verschiedene Geschäfte, darunter eine hervorragende Bäckerei und zwei Konzum Supermärkte. Obwohl beide recht gut sortiert aussahen, entpuppte sich die Auswahl bei genauerem Hinsehen doch eher als bescheiden. Zusammen mit den immer noch recht günstigen Restaurantpreisen, mag dies wohl mit ein Grund sein, weshalb sich die meisten Urlauber in Kroatien auswärts verpflegen, und genauso machten wir es auch.
Es gäbe zwar preiswert Halbpension im Büffet-Stil, aber wir ziehen es vor, uns jeden Abend ein anderes Lokal auszusuchen. Im Koversada findet man vier weitere Restaurants, und tagsüber, noch mehrere Snack-und Strandbars. Da dort aber im Speisesaal dauernd ein Fernseher mit Sportnachrichten dröhnte, waren diese für uns nur eine Alternative, wenn man draussen auf der Terrasse essen konnte. Zum Glück liegt die hübsche Ortschaft Vrsar nur 15 Min. Fussmarsch vom Eingang zum Koversada entfernt und dort säumen unzählige Lokale den Hafen. Darunter waren leider viele, die sich vor allem auf diejenige Gattung von Touristen einstellten, denen es wichtig ist, möglichst preiswerte Nahrung zu sich zu nehmen und diese mit möglichst viel Alkoholika herunterzuspülen. Mit etwas Umsicht, konnte man aber auch etwas Besseres finden -es ist halt schon so: dort wo die Masse ist und isst, isst man nicht am Besten.

Wir erhielten den Eindruck, dass die Restaurants im 10 km entfernten Poreč im Allgemeinen besser und gepflegter sind. Die vielen Touristen aus Italien mögen das Angebot dort vielleicht etwas beeinflusst haben und in einigen Lokalen geht die Tendenz inzwischen schon Richtung gastronomische Küche. Der italienische Einfluss kommt übrigens nicht nur von den Touristen, sondern auch von den Kroaten selbst. Hier in Istrien haben viele Einwohner Italienisch als Muttersprache und wachsen zweisprachig auf. Die meisten Kroaten die in den Feriengebieten arbeiten, sind sehr sprachbegabt und können sich mit den Gästen aus aller Welt unterhalten.

 

Wir konnten es kaum glauben, wie geschäftig es sowohl in Poreč, als auch in Vrsar, Mitte September noch zuging. Beide Orte haben wirklich hübsche mittelalterliche Altstädte. Dort hoffen Horden von Souvenirverkäufern, dass die Touristen den angebotenen Ramsch ebenso begeistert anschauen, wie die historischen Gebäude. In beiden Orten gibt es malerische Häfen mit Fischerbooten. Die meisten Fischer haben aber schon lange realisiert, dass sie mehr verdienen können, wenn sie Touristen fangen. Jeden Tag werden dutzende von Bootsausflügen angeboten und die Skipper haben ein gutes Arsenal von Gründen, weshalb man unbedingt bei ihnen buchen soll. Wir wissen nicht, ob die "Sichtung von Naturisten" auch versprochen wird. Es fällt jedenfalls auf, wie viele volle Ausflugsboote tagtäglich sehr nahe an Koversadas Ufer vorbei tuckern. Etwas offizieller, werden Fahrten zum Sonnenuntergang mit "Sichtung von Delphinen" angeboten. Wir hatten aber das Glück, dass sich einmal gegen Abend eine grössere Anzahl dieser faszinierenden Tiere direkt vor Koversada's Strand tummelten. Welch wunderbare Welt!

 

Valalta: FKK Campingplatz oder fünf-Sterne Hotel?

 

Am 15. September 2015 machten wir uns auf, um eine weitere FKK Ferienanlage wieder zu entdecken, die wir vor 15 Jahren schon einmal besucht hatten: Valalta. Obwohl zwischen Koversada und Valalta gut 35 Strassenkilometer zurückzulegen sind, liegen die beiden Gelände bloss 700m Luftlinie voneinander entfernt. Der wunderschöne, 10 km tiefe Limfjord trennt die beiden grossen und beliebten FKK Ferienanlagen.

 

Auf seinen rund 90 Ha, kann Valalta bis 6'500 Urlauber beherbergen. Etwa 2'000 von ihnen können den Luxus der etwa 620 Ferienwohnungen, B&B Zimmer und Mobilheime geniessen, die anderen müssen sich mit "simplem" Camping begnügen. Es ist aber alles relativ! Im Valalta ist auch "einfach" gleichzusetzen mit "übertrieben luxuriös", ganz egal ob Naturisten dies auch wünschen, oder nicht. Wir glauben nicht, dass alle begeistert sein werden, aber wir empfehlen jedem wärmstens, sich die Anlage ein paar Tage anzusehen, denn sie ist so ganz anders, als jede andere FKK Ferienanlage die wir kennen - und wir haben doch einige gesehen. Valalta kommt uns vor, wie ein Fünfsterne-Hotel, das seine Gäste im ausgedehnten Hinterhof campieren lässt…

 

Wir konnten kaum glauben, wie stark sich der Platz seit unserem ersten Aufenthalt im Jahr 2000 geändert hat. Damals war das Zielpublikum "der Deutsche und Österreichische Normalbürger", der hierher kam weil es fast so war wie zu Hause, nur sonniger und billiger, und zudem durfte man hier nackt baden. Man ging davon aus, dass alle Gäste Deutsch als Muttersprache hatten. Valaltas hauseigene Brauerei zog aber irgendwie die falsche Kundschaft an.

 

Die legalizierte Droge wird zwar immer noch hier hergestellt, der angeschlossene Biergarten ist aber nur noch einmal wöchentlich für ein paar Stunden geöffnet. Heutzutage hängen alle Bekanntmachungen in Kroatisch, Deutsch, Italienisch und Englisch aus. Die meisten Gäste stammen zwar immer noch aus Deutschland und Österreich, inzwischen erfreut sich Valalta jedoch auch bei Italienern, Slowenen, Holländern und vielen anderen Nationalitäten grosser Beliebtheit. Die ehemals einfachen Lokale mutierten von Kantinen, wo es kaum was anderes, als gegrilltes Fleisch mit Pommes und Mangold gab, zu gediegenen Speiselokalen. In einigen findet man auch kreative Gerichte, wie z.B. Rindsfilet an  pikanter Schokoladensauce, oder mit weisser Schokolade überzogenen Spargel als Nachspeise.

Insgesamt findet man in Valata sechs Restaurants, sowie fünf Snack-, Eis-, und Getränkebars. In den meisten Bars können Gäste wählen, ob sie ihre Bestellung an einem "trockenen", oder "nassen" Tisch, oder auf Barhockern geniessen möchten. Die "nassen" sind entweder in einem Schwimmbad, oder Planschbecken platziert! Sollte ein Getränk, oder ein Snack mal ins Wasser fallen; überhaupt kein Problem. Alle Pools, die einer Bar angeschlossen sind, werden allabendlich geleert und am nächsten Morgen wieder frisch gefüllt. Selbst Ende September waren alle 11 Bars und Restaurants noch täglich in Betrieb. Jeden Abend spielte zudem in mindestens einem Restaurant eine Life-Band auf.

Vier Kilometer von Liegestühlen gesäumter Strand

 

Es stimmt natürlich, beim Naturismus geht es nicht ums Essen, sondern darum nackt zu leben, oder wie es Valalta wohl definiert; darum nackt zu baden und zu sonnen. Deshalb ist, von einem ein Kilometer langen, unzugänglichen Teilstück einmal abgesehen, Valaltas gesamte 5 km lange Uferpartie (die ehemalige Kalksteinküste) gestaltet wie ein Hotel Pool.

 

Die Badegäste entscheiden, ob sie lieber von einer mit Naturstein, oder Kacheln gefliesten Betonplattform, oder von einem der zahlreichen Stege und Molen ins Wasser steigen. Als Alternativen stehen sowohl fein-, als auch grobkörnig aufgeschüttete Kieselstrände zur Verfügung, und selbstverständlich hat es auch reihenweise terrassierte Liegeflächen zum sonnenbaden.

 

Die Landschaftsarchitekten von Valalta wissen jedoch, dass Eltern ihren Kindern etwas über die Kalksteinfelsen beibringen möchten. Deshalb hat man sie in drei kleinen Abschnitten fast naturbelassen, d.h. nur etwas abgeflacht, damit Sonnenliegen darauf platziert werden können. Natürlich erwartet niemand von der werten Kundschaft, dass sie ihre eigenen Liegen mitbringt. Demzufolge wurden entlang der gesamten 4 Kilometer von Valalta's zugänglicher Uferpartie tausende von Liegestühlen und Bambussonnenschirmen platziert!!! Wer sich lieber vor der Küste sonnt, findet genügend Holzflosse, welche in verschiedenen Buchten verankert liegen. Dass dies für Kinder zu langweilig ist, ist hinreichend bekannt. Deshalb hat man in zwei Buchten etwa ein Dutzend schwimmende Hüpfburgen, sowie eine spiralförmige Rutschbahn platziert. Des weiteren gibt es natürlich auch unzählige gewöhnliche Spielplätze. Für grosse Kinder steht ein grosser Bootshafen mit einem mächtigen Bootskran zur Verfügung. Freizeitkapitäne können ihre Spielzeuge dort auch reparieren lassen. Einige übernachten im eigenen Boot, statt auf dem Campingplatz.

 

Wer künstliche Badegelegenheiten vorzieht, findet etwa ein Dutzend Becken jeder Grösse und Tiefe. Einige sind mit Süss- andere mit Salzwasser gefüllt, aber um alle stehen wiederum Liegestühle und Sonnenschirme in Reih und Glied! Um eventuell aufkommender Langeweile vorzubeugen, wurden auch Ende September noch täglich über 10 Animationen angeboten. Sollte es zu einem kleinen Unfall kommen, müssen sich die werten Feriengäste keine Sorgen machen. Valalta hat nicht nur seine eigene Apotheke, sondern sogar eine eigene Arztpraxis, wo mehrere Mediziner zur Verfügung stehen! Wir wissen nicht, ob sich dort die Patienten zwischen einem traditionellen Arzt, einem Medizinmann, oder einem Homöopathen entscheiden können. Jetzt in der Nebensaison waren die regulären Arzttermine "reduziert" auf zwei Stunden am Morgen, und drei am Nachmittag. Neben all dem, hat es rund um die Uhr einen Notfalldienst!

 

Fast alles, das man im Valalta vorfindet, ist genau so, wie man es in einer Fünf-Sterne Ferienanlage erwarten würde. Die einzige, erwähnenswerte Ausnahme, ist das Lebensmittelgeschäft. Beim Betreten wirkt es zwar grosszügig und modern, man merkt aber bald, dass die Auswahl eigentlich eher bescheiden ist. Kein bisschen besser, als in anderen kroatischen Ferienanlagen - aber auch hier essen ja eh die meisten Urlauber auswärts.

 

Um die angefressenen Kalorien wieder zu verbrennen, findet man eine Vielfalt an Sportplätzen. Ausserdem kann man im ausgedehnten Naturistengelände kilometerweit gehen und wer hoch hinaus will, nimmt den Kiesweg zu den tollen Aussichtspunkten hoch über den Limfjord. Von zwei hölzernen Aussichtstürmen hat man einen sensationellen Rundblick, über die Ferienanlage hinunter zum malerischen Fjord und aufs Meer.

 

Mitte September im Valalta: gut belegt, aber ruhig

 

Um sicher zu stellen, dass die Urlauber möglichst viel Ruhe und Erholung finden, sind Hunde im gesamten Valalta verbannt. Den motorisierten Verkehr hat man durch die geschickte Regel reduziert, dass normale Motorfahrzeuge nur zum Ein- und Ausfahren aus der Ferienanlage bewegt werden dürfen. Für Fahrten innerhalb des Geländes sind nur Elektro-Fahrzeuge und Fahrräder zugelassen, und man kann ja auch zu Fuss gehen. Wir waren überrascht, wie gut der Platz in der zweiten Septemberhälfte noch belegt war. Obwohl die Sommerschulferien vorbei waren, sahen wir noch viele Familien und sicherlich mehr junge Paare, als man normalerweise auf einem FKK Platz findet. Die Leute gingen überall zu Fuss, sei es zu den Aktivitäten während des Tages, oder zu den Restaurants, die sich jeden Abend füllten. Ab und zu wunderten wir uns, wie früh einige zum Abendessen gingen. Vielleicht wollten sie von ihrem Tisch aus den Sonnenuntergang geniessen, oder anschliessend noch tanzen. Die Abendunterhaltung endete nämlich, mit Rücksicht auf diejenigen die schlafen wollten, jeweils schon um 23h. Wenn man bedenkt, dass in der Ferienanlage noch so viel Betrieb herrschte, hatten wir eine sehr ruhige Zeit. Ironischerweise hatten wir den Sound von Valalta's Abendunterhaltungen während unseres vorherigen Aufenthaltes im Koversada, am gegenüberliegenden Ufer des Limfjords, öfters gehört.

 

Auch in der Nebensaison waren Valaltas Unterkünfte nicht wirklich preiswert. Zwischen dem kleinsten und dem grössten Mobilheim lagen aber nur ein paar Euro, und so entschieden wir uns für letzteres. Es war sehr gut ausgestattet und bot uns Klimaanlage, zwei Badezimmer und TV. Um uns davor zu bewahren, unser Haus zu kehren, wurden weder Besen, noch sonstiges Putzmaterial zur Verfügung gestellt. Im Valalta werden Ferienwohnungen und Mobilheime täglich gereinigt. Wie es sich für ein 5-Sterne Hotel gehört, verschwindet der Abfall mit der Raumkosmetikerin. Damit ist aber noch nicht genug; das ausgedehnte asphaltierte Strassennetzwerk wird regelmässig mit der hauseigenen Strassenkehrmaschine gescheuert!

Es versteht sich von selbst, dass auch Gästen, die sich fürs campieren entschieden haben, Toiletten und Waschanlagen der Spitzenklasse zur Verfügung stehen. Alle neuen Sanitär-Gebäude sind unterteilt in grosszügige "Wohneinheiten", wo man sich waschen und andere dringende Bedürfnisse erledigen kann. Hinter der privaten "Wohnungstür" findet der Camper jeweils einen Korridor und drei Abteile, welche alle mit Designer-Armaturen eingerichtet sind: eines mit Toilette, eines mit Lavabo und eines mit Dusche! Um auch den kleinsten Kindern schon früh etwas Selbständigkeit beizubringen, stehen zudem winzige Dreier-"Apartemente", mit kleineren Designer-Armaturen zur Verfügung. Wer hat aber nicht schon weinende Kinder gehört, die sich eingeschlossen haben? Wir sind uns nicht ganz sicher, ob diese Luxus-Waschhäuser zum Wohle der Naturisten erbaut wurden, oder eher um Valalta's 5-Sterne-Klassierung weiter in die Höhe zu treiben… Die meisten Naturisten die wir kennen, würden grosse familienfreundliche Gemeinschafts-Duschräume mit viel Ellbogenfreiheit vorziehen, wo man nicht anstehen muss, weil sich gerade jemand rasiert oder brunzt!

Dinieren im malerischen Rovinj: genauso dekadent wie der Luxus im Valalta?

Nachdem man sauber und herausgeputzt ist, mag man vielleicht das historische Städtchen Rovinj besuchen, welches nur 5 Kilometer ausserhalb von Valalta liegt. Ähnlich wie Poreč, ist auch Rovinj nicht nur ein beliebtes Ausflugsziel für die Massen der Sommerurlauber dieser Region. Die Stadt ist auch eine attraktive Destination für Busladungen von Kultur-Touristen, die den Weltkulturerbe-Stätten nachreisen. Das malerische Städtchen entstand auf einem Hügel, welcher als Halbinsel ins Meer ragt. Auf der Kuppe wacht eine mächtige Kirche über die Reihen von hohen Stadthäuser, die bis hinunter ans Wasser reichen. Rovinj hat auch einen pittoresken Fischerhafen, aber zumindest im Sommer, scheinen die Fischer eher an Touristen, als an Fisch interessiert zu sein. Auch Valalta versucht, noch ein paar zusätzliche Kuna zu verdienen, wo immer es geht! In Rovinj sahen wir zwei Modeboutiquen, sowie ein Discount-Lebensmittelgeschäft mit dem Valalta Logo. Dasselbe sah man auch auf einem Lastwagen, der an einem Stadtfest zum Verkauf von Getränken und Speisen verwendet wurde. All dies hilft vielleicht, die Akzeptanz der FKK-Ferienanlage bei den Einheimischen zu fördern. Der momentane Bau eines von Valalta geführten Textil-Campingplatzes, direkt neben dem FKK Resort, dient aber sicherlich nur der Erschliessung neuer Einnahmequellen.

Auch gegen Ende September hatte der Touristenstrom noch kaum abgenommen und für die besten Lokale musste man noch immer anstehen, oder im Voraus reservieren. Rovinjs Hafen ist gesäumt von Restaurants und Eisdielen, die meisten Souvenirgeschäfte findet man hingegen eher in der Altstadt. Wie in vielen Kroatischen Ortschaften, sind die mit Kopfstein gepflasterten Gassen durch die Generationen von Fussgängern wie glattpoliert.

Es freute uns natürlich, dass es nun auch in Kroatien, und insbesondere auf der Istrischen Halbinsel, eine gute Auswahl an exquisiten Speiselokalen gibt. Dazwischen findet man auch immer noch einfache und preiswerte Mahlzeiten. Konkurrenzdenken und steigende Nachfrage, generiert von anspruchsvoller werdenden Einheimischen und Italienischen Gästen, führten bei hochklassigen Restaurants zu einem starken Aufschwung.

Inzwischen ist Rovinj stolz darauf, mehrere mit Michellin-Sternen ausgezeichnete Restaurants zu haben. Die Österreich- Ausgabe der Gourmet-Bibel Gault Millau, beinhaltet auch ein paar der ehemaligen Ländereien, und listet allein in Istrien 20 preisgekrönte Schlemmer-Tempel auf. Von unserem Aufenthalt im Jahr 2000, erinnern wir uns noch ans Restaurant Monte. Damals war es zwar für Kroatische Verhältnisse gut, aber nichts weltbewegendes. In 2015 wurde dieses kleine Lokal von Gault Millau gekrönt, aber nicht einfach als ein weiteres Spitzenlokal, sondern als DAS BESTE in ganz Kroatien! So konnten wir natürlich nicht widerstehen, dort nochmals zu essen. Mit 750 Kuna (~€ 100) pro Person, war es alles andere als günstig, aber es war es uns wert, in Kroatiens bestem Schlemmerlokal zu essen, wogegen wir uns Frankreichs beste Adresse schlichtweg nicht leisten könnten.
Restaurant Monte's 7-Gänge-Menü entpuppte sich als absolut kreative Angelegenheit, mit insgesamt 15 kleinen Traum-Gerichten, die in 13 Etappen serviert wurden. Die Qualität und Präsentation waren absolut spitzenmässig!!! Da der Koch wohl fand, dass 16 Gänge deutlich besser tönen, als bloss 15, erhielten wir noch 2 Stück Apfeltorte mit auf den Weg.

Unser Lonely Planet Reiseführer bemerkt, dass die hochtrabendsten Lokale auf der Istrischen Halbinsel schon fast etwas dekadent sind. Für einige Naturisten mag "dekadent" wohl auch das richtige Wort sein, um den Luxus, den man in Valalta findet, zu beschreiben. Einfaches Naturistenleben und fünf-Sterne Resorts sind irgendwie widersprüchlich. Es scheint aber, als ob es Valalta geschafft hätte, eine Kundschaft zu finden, die genau das sucht: nackte Lebensfreude in feudaler Umgebung mit extravaganten Dienstleistungen.

 
Solaris: Saison-Ende in einem angenehmen Naturisten Ferienzentrum

Am 27. September 2015 wechselten wir wieder auf die nördliche Seite des Limfjords. Wir wollten die FKK Anlage  Solaris auf der Halbinsel Lanterna kennenlernen, und hätten eigentlich schon anfangs September dorthin aufbrechen wollen. Da aber Solaris das einzige, uns bekannte Kroatische FKK Gelände ist, das Nebensaison-Preise anbietet, die diesen Namen auch verdienen, waren die Ferienwohnungen alle schon lange ausgebucht - und dies bis zum 24. September, zehn Tage vor ihrem Winterschlaf. So nahmen wir nun die Chance wahr, vor Saisonende wenigstens noch eine Woche hier zu verbringen. Wir entschieden uns für eine geräumige Ferienwohnung im neu renovierten Teil der zweistöckigen Apartmentblocks.

Nur die 128 Zimmer der Frühstückspension wurden nicht mehr vermietet, von den 156 Ferienwohnungen war jedoch ein Grossteil belegt. Die Stellplätze, die insgesamt 4'000 Camper beherbergen können, dünnten sich aus, wenn man einmal von den vordersten Plätzen am Strand absah. Diese bieten nicht nur die beste Meersicht, sondern jeder einzelne ist mit einem grossen, gemauerten Grill, einem schilfgrasbedeckten Sonnenschirm und natürlich Wasser und Strom ausgestattet. Es scheint ganz so, als ob sich Kroatische Campingplätze mit einem Angebot an überschwänglichem Luxus konkurrenzieren. Sonst kam uns aber Solaris etwas bescheidener, und eher den Bedürfnissen der FKK-ler angepasst vor, als Valalta. Wiederum kann man der gesamten 3 km langen Küste entlanggehen. Wie fast überall in Kroatien, musste auch hier der scharfkantige Kalkstein am Ufer etwas modifiziert werden, damit ein Strand zum sonnen und baden entsteht. Ähnlich wie im Koversada, fand man im Solaris einen guten Kompromiss zwischen Benutzerfreundlichkeit und Naturbelassenheit. Die Urlauber finden eine gute Mischung von Naturstein-Sonnenterrassen und aufgeschütteten Kiesstränden.

Im 49 Ha grossen Solaris findet man neben vielen Sport- und Spielplätzen, ein ansprechendes Schwimmbecken. Vom angrenzenden Restaurant sieht man über den Pool direkt aufs Meer. Genauso wie am Strand, können Liegestühle und Sonnenschirme gemietet werden. Wir trafen Leute, die schon jahrelang hierher kommen und jeden Abend im selben Lokal essen und täglich am selben Ort in der Sonne liegen. Bei Solaris hat man dieses urmenschliche Bedürfnis perfekt verstanden. Deshalb gibt es spezielle Wochenmieten, welche einen Sonnenschirm, zwei Liegestühle und einen RESERVIERTEN Platz am Strand beinhalten.

Da sich die Saison zu Ende neigte, waren drei der vier Restaurants bereits geschlossen. Glücklicherweise haben Gäste von Solaris, mit ihrer Magnetkarte Zugang zum danebenliegenden, textilen Feriendorf Lanterna. In jener riesigen Anlage gibt es viele weitere Lokale, und ein ausgedehntes Netz an Spazierwegen. Zusätzliche Restaurants findet man ausserdem im, und auf dem Weg zum Dorf Tar-Vabriga. Verwöhnte Schlemmermäuler zieht es vielleicht eher ins 12 km entfernte Poreč.

Die Sonne und das Meer luden noch immer dazu ein, das Naturistenleben voll auszukosten. So spazierten wir täglich  entlang des 3km langen Strandes von Solaris. Die gezeitenabhängige Lagune am Südende hat besonders viel Charme. Für uns war es recht amüsant zuzusehen, wie schnell die Wohnwagen vom Campingplatz verschwanden. Nun gut, schnell ist relativ, und viele verschwanden auch nicht wirklich! Einige Caravan-Besitzer mieteten für ein paar Tage eine Ferienwohnung, um genügend Zeit zu haben, ihre gesamte Campingausrüstung im Wohnwagen zu verstauen. Viele Urlauber nehmen ihr Sommerhaus auf Rädern überhaupt nie mit nach Hause. Für die Istrischen Bauern ist dies ein gutes und verlässliches Geschäft geworden. Mit ihren Traktoren schleppen sie tausende von Wohnwagen auf ihre Grundstücke, wo sie sie über den Winter lagern um sie im nächsten Jahr gegen Bares wieder auf den Camping zurückzubringen.

Einer von Solaris' drei Supermärkten war bis zum Saison-Ende täglich noch ganztägig geöffnet. Die Auswahl an Broten und süssem Gebäck war enorm. Obwohl die Regale im Laden auch sonst voll erschienen, konnte man aus dem Angebot nur schwer die passenden Zutaten finden, um eine  vollwertige Mahlzeit zu kochen. Oder positiv gesagt: dieser Laden war sogar besser, als diejenigen der anderen, von uns besuchten, FKK Ferienanlagen in Kroatien!
Wir konnten kaum glauben, dass die Rezeption bis zum allerletzten Tag rund um die Uhr geöffnet hatte. Nichts desto trotz, wenn geschlossen wird, wird geschlossen! Am 4. Oktober hatte Solaris Saisonende, und zwar morgens um 10:00h und nicht erst um 10 nach 10! Da gab es nichts zu rütteln…

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Mehr über Kroatien: Kapitel 13
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Kroatien: Rückkehr ins Land der schönen Strände und Städte Teil 2: Wir entdecken Kroatien in der Herbstwärme

Nach fünf Wochen "Sommerferien" war jetzt die Zeit gekommen, den südlichen Landesteil Kroatiens zu erkunden. Auf uns warteten die faszinierende Küstenlinie mit ihren vielen Inseln, historische Städte und die Herbstfarben im Landesinnern.
Unsere enthusiastische Entdeckungsreise startete aber mit einer kleinen Hürde. Wegen irgendeines Autorennens war die kurvenreiche Strasse zum Limfjord teilweise gesperrt. Da es die Behörden nicht für nötig fanden eine Umleitung zu markieren, suchten wir selbst nach einer Alternative entlang der engen Landstrassen, genauso wie viele andere Autofahrer, darunter auch viele Kroaten. Als wir dann aber anderthalb Stunden später als geplant, endlich in Pula eintrafen, stand uns das Glück wieder beiseite. Ohne es überhaupt zu realisieren, parkten wir direkt neben der Hauptattraktion der Stadt. Erst als wir aus dem Wagen stiegen, sahen wir das mächtige Römische Amphitheater, und zwar direkt vor uns. Obwohl es frühere Generationen etwas verfallen liessen, ist immer noch so viel vom mächtigen Bauwerk aus dem 1. Jahrhundert übrig, dass man ins Staunen versetzt wird. Das 105 Meter breite und 132 Meter lange Oval besteht aus zwei- respektive drei-geschossigen Torbögen und hat eine Gesamthöhe von 33 Metern. Während der Zeit der Gladiatorenkämpfe konnte Pulas Amphitheater 26'000 Zuschauer fassen. Auch heute wird die Arena immer noch regelmässig für öffentliche Veranstaltungen genutzt. Wer in der Manege steht, muss aber heute nicht mehr um sein Leben fürchten, und auf die Zuschauertribünen passen auch nicht mehr so viele Hintern.

 

Die Insel Krk: Bustouren verlängern die Saison

 

Da uns der Rest von Pula nicht so beeindruckte und es zudem regnete, fuhren wir weiter auf die Insel Krk. Im Sommer zieht es vor allem Sonnenanbeter und Wasserratten hierher, aber selbst jetzt im Oktober, sah man hier immer noch recht viele Touristen. Bustouren und Individualtouristen besuchen nun die historischen Städtchen und Dörfer, sowohl auf den Inseln in der Adria, als auch entlang der Küste.

Im Juni hatten wir bereits einen kurzen Stopp im Städtchen Krk gemacht, doch jetzt kamen wir mit genug Zeit, um in die malerische Altstadt einzutauchen. Wir basierten uns in einem "Sobe", einem Privatzimmer ohne Frühstück. Die meisten Lokale hatten immer noch geöffnet, die einfacheren blieben aber fast leer, dafür waren nun die besseren auch bei Einheimischen sehr beliebt. Für uns war es nun die ideale Reisezeit, denn jetzt waren wir nicht nur von (anderen) Touristen umgeben.

 

Am nächsten Tag schien wieder die Sonne und so machten wir uns auf, die Insel Krk zu erkunden. Ganz im Süden schlenderten wir durchs Dorf Baška, wo die Touristengeschäfte am Schliessen waren. Baška liegt in einem grünen, von kargem Felsgebirge umgebenen Tal. Vor der Südküste sieht man die knochentrockene Insel Prvić, die grösste unbewohnte Insel der Adria.

Im Osten von Krk besuchten wir die charmante, nicht sehr touristische Ortschaft Vrbnik. Sie liegt auf einer Kalkstein-Klippe, etwa 50m über ihrem Hafen. In den engen Gassen des Ortskerns kann man immer noch traditionelles Dorfleben beobachten. Zu unserer grossen Überraschung, fanden wir sogar hier ein Restaurant mit einem sehr kreativen Menü.

 

Insel Rab: ein Städtchen und Sandstrände wie auf einer Postkarte

 

Jetzt im Oktober verkehrten die direkten Autofähren zwischen den Inseln Krk und Rab nur noch zu Pendlerzeiten. Deshalb entschieden wir uns für die zwei kurzen Überfahrten zwischen dem Festland und den jeweiligen Inseln. Als wir im Städtchen Rab eintrafen, stand uns das Glück zur Seite. Wir fanden eine  Ferienwohnung mit einer wunderschönen Aussicht über den Hafen und die Altstadt. Da das Wetter nicht immer so perfekt war wie die Aussicht, blieben wir schlussendlich sechs Nächte, denn wir wollten die Kroatische Küstenlandschaft unbedingt bei idealen Wetterbedingungen erleben. Für den Moment waren unsere Höhepunkte also die Abendessen in den Speiselokalen, welche uns der Eigentümer eines besonders edlen Restaurants, welches bei unserer Ankunft gerade dicht machte, empfohlen hatte.
Besucher, welche den charmanten Ortschaften nachreisten, gab es immer noch, die Masse der Sommerurlauber war aber schon abgereist. Lokale, die sich darauf spezialisiert hatten diese mit etwas einfachem, aber nicht unbedingt billigem zu stopfen, hatten bis zur nächsten Saison bereits zugemacht. Die wenigen Restaurants die noch geöffnet waren, kochten besonders kreativ und waren auch bei Einheimischen beliebt. Für uns war das Essen in Kroatien ein unerwarteter Höhepunkt. Es ist bemerkenswert, wieviel kreativer heute gekocht wird, als vor 15 Jahren! Heutzutage ist es oft möglich, etwas gleichwertiges zur Französischen "Haute Cuisine" zu finden. Nur bei Fischgerichten zögern wir etwas, diese gleich hoch zu loben. Erstaunlicherweise sind Gerichte aus rohem Fisch, wie Carpaccio oder Tartar, immer ausgezeichnet. Wenn es aber um gegrillten Fisch geht, scheinen die Kroaten einen anderen Geschmack zu haben, als wir. Scampi hingegen, mochten wir immer; sie waren durchs Band sehr zart und auch preiswert.

 

Wir genossen Rabs charmante Altstadt, wie auch die langen Fusswege entlang des Ufers. In starkem Kontrast zu den ansonsten vorherrschenden Kalksteinküsten, rühmt sich Rab dafür, mehr Sandstrände zu haben, als jede andere Kroatische Insel. Einmal fuhren wir nach Lopar im Norden der Insel. Da einige Buchten ohne Taxi-Boot kaum erreichbar sind, sahen wir nur den Sandstrand direkt vor dem Ort. Im Moment war es eine wunderschöne einsame Beach, doch wenn man sieht, wieviele geschlossene Touristengeschäfte diese säumen, kann man sich gut vorstellen, dass Sommerurlauber diesen Strand ganz anders erleben.
Wie überall auf der Kroatischen Seite der Adria (im Gegensatz zur Italienischen), können sich die Badegäste entscheiden, ob sie lieber an einen textilen- oder an einen FKK Strand gehen. Nach einer Legende der Neuzeit, waren der Englische König Edward VIII und seine Geliebte, Frau Simpson, die ersten FKK Touristen auf Rab. Es wird davon ausgegangen, dass die beiden nackt in der Kandarola Bay badeten. Na ja; wir gehen davon aus, dass die lokalen Behörden vielleicht den Britischen Humor etwas zu ernst nahmen. Vielleicht hat der Monarch auch nur so etwas gesagt wie: "stellt sicher, dass uns niemand stört, wir denken daran nackt zu baden…"

Insel Pag: zur Hälfte karg, zur Hälfte grün

 

Am 12. Oktober 2015 liessen die Herbststürme nach, die Sonne zeigte sich unverhüllt und die Fähre zum Festland konnte wieder verkehren. So setzten wir unsere Reise, wie geplant, bei bestem Wetter fort und erfreuten uns am tiefblauen Dalmatischen Meer mit seinen vielen Inseln. Wir fuhren nur etwa eine halbe Stunde südwärts, bevor wir die nächste Autofähre nahmen. Diesmal nahmen wir die 15-minütige Querung zur Insel Pag. Viele Dalmatische Inseln sind sehr karg, nicht viel mehr als gigantische, trockene, baumlose Felsen. Vom Festland sieht Pag genauso aus. Zu unserer Überraschung war aber die nördliche Westküste ziemlich grün und ganz zuoberst am Zipfel, sahen wir viele Olivenhaine mit uralten knorrigen Bäumen.

 

Später besuchten wir das Städtchen Pag, das etwa in der Mitte der langgezogenen Insel, an einem grossen, natürlichen Hafen liegt. Nachdem wir eine Hügelkuppe überquerten, sahen wir das Städtchen plötzlich ganz nah unter uns. Seine Lage ist einfach spektakulär! Eine natürliche Halbinsel und ein künstlicher Damm mit der Zufahrtsstrasse, trennen den grossen Hafen von den ausgedehnten Salzfeldern dahinter. Die mit Kopfstein gepflasterten Gassen des verträumten Örtchens, sind von malerischen Stadthäusern gesäumt, die aus demselben Kalkstein gebaut sind, wie die Pflastersteine.

 

Zadar: eine geschichtsträchtige, pulsierende Stadt

 

An Pags Südzipfel mussten wir nicht auf die Fähre warten, da die 300m lange Brücke "Paski Most" die Insel mit der zerklüfteten Küste am Festland verbindet. Von dort waren es nur noch 30km nach Zadar, einer Stadt mit 75'000 Ein-wohnern. Nach fünf Wochen in Kroatien war dies für uns der erste Ort, an dem die Wirtschaft nicht vorwiegend vom Tourismus abhängt.

Wir hatten Glück, direkt vor der Stadtmauer ein nettes Zimmer zu finden. Der historische Stadtteil befindet sich auf einer langgestreckten, fingerähnlichen Halbinsel. Die Bucht zwischen dem "Finger" und dem Festland, bildet einen natürlichen Hafen. Die belebte Altstadt war perfekt restauriert und am Westufer um zwei Attraktionen der Neuzeit ergänzt: die Meeresorgel, die von Wind und Wellen gespielt wird, und direkt daneben "Pozdrav Suncu" der sogenannte Sonnengruss. Es handelt sich hierbei um eine begehbare Glasplatte von 22 Metern Durchmesser, die mit Solarzellen und Leuchtdioden (LED) bestückt ist. Die tagsüber gespeicherte Energie wird in den Abendstunden in eine faszinierende Licht-Show umgewandelt. Auf der Glasplatte erscheinen leuchtende Muster, die nach dem Zufallsprinzip konstant ihre Formen und Farben wechseln und den Kreis von bunten Mosaiken, in eine einfarbige Oberfläche umwandeln.

Nach der Dämmerung kommen allabendlich Busladungen von Touristen, vor allem aus Asien, um das von der Natur betriebene und von Menschenhand geschaffene Spektakel zu bewundern. Die Meeresorgel und der Sonnengruss sind faszinierende Spielereien, die Altstadt hingegen ist, mit ihren, von historischen Gebäuden gesäumten und mit Kopfstein gepflasterten Gassen, die wirkliche Attraktion.

 

Da wir uns das Privileg nahmen, vier Tage in Zadar zu verbringen, schlenderten wir auch in die neueren Teile der Stadt. Dabei kamen wir auch an überraschend vielen Überbleibsel des deprimierenden Bürgerkrieges vorbei. Zerstörte und verlassene Wohn- und Geschäftshäuser stehen immer noch als Zeugen der sinnlosen und barbarischen "ethnischen Säuberungen". Heutzutage wird das Gesetz, dass man fremdes Eigentum respektieren muss, unabhängig vom Eigentümer, befolgt. Sie hätten sich aber besser daran gehalten, bevor alles mit Granaten beschossen wurde! Wenigstens war es hier das erste Mal, dass uns Schäden vom Bürgerkrieg aufgefallen sind. Vor 15 Jahren hatten wir viel mehr zerstörte und verlassene Gebäude gesehen.

Nationalpark Plitvicer Seen: tosende Wasserfälle und kristallklare Seen

 

Am 16. Oktober 2015 fuhren wir nordostwärts, hinaus in die Natur. An den Plitvicer Nationalpark, hatten wir gute, wenn auch verblassende, Erinnerungen und wollten ihn deshalb wieder sehen. Der Herbst hat den Vorteil, dass man buchstäblich vor den Toren zum Park ein Privatzimmer finden kann. Als wir dann aber drinnen waren, waren wir alles andere als allein! Unzählige Reisebusse brachten Touristen aus aller Welt um die Seen und die Wasserfälle zu sehen, die auch wirklich sehr schön sind!

 

Für uns ist der Plitvicer Nationalpark ein Musterbeispiel, wie Marketing und eine aufgeblasene Infrastruktur einen Ort verändern können. Obwohl wir im Jahr 2000 schon Ende August hier gewesen sind, hatten wir damals das Gefühl, die einzigen Besucher zu sein. Es gab keine Restaurants in dieser einsamen Gegend, aber zum Glück kochte unsere Schlummermutter einfache Mahlzeiten. Dies war erst möglich, nachdem ein paar Nachbarn mit einem vollbesetzten Auto zum Einkauf auf den Schwarzmarkt von Bihać, im nahegelegenen Bosnien gefahren sind.

Heute ist die Situation um einiges anders! Zehn Restaurants und Schnellimbiss-Buden innerhalb des Plitvicer Parks, stehen in Konkurrenz zu dutzenden von Speiselokalen in der Umgebung. In den umliegenden Dörfern entstanden unzählige Hotels. Einfamilienhausbesitzer vermieten tausende von Privatzimmern an eine stetig wachsende Zahl von Individualtouristen.

 

Der Plitvicer Seen Nationalpark erstreckt sich über eine Fläche von 300km2 und ist, unter anderem, Habitat von Bären und Wölfen. Der, den Besuchern zugänglich gemachte Teil, und was diese vor allem sehen möchten, liegt entlang eines etwa 18km langen Netzwerks von Holzstegen und Wanderwegen. Diese führen, beidseits entlang einer weiten Schlucht des Flusses Korana. Für die Jahreszeit eher ungewöhnlich, war der Flusspegel, wegen heftiger Regenfälle in der Vorwoche, stark angestiegen. In vielen Abschnitten waren die Holzstege überflutet und deshalb geschlossen. Das Westufer war überhaupt nicht zugänglich, und so mussten wir unsere Wanderung etwas einschränken. Nichts desto trotz war es atemberaubend, die mächtigen Wasserfälle und schäumenden Stromschnellen zu bewundern.
Mit einer Fallhöhe von insgesamt 153 Metern, verbinden sie, alles in allem, 16 kleinere und grössere Seen. Indem wir uns überall umsahen und unsere Wanderschuhe um viele Meilen bereicherten, verbrachten wir schlussendlich den ganzen Tag im Park. Wären alle Wanderwege geöffnet gewesen, hätten wir sicherlich noch einen zweiten Tag gebraucht. Der Eindruck vom Park ist naturgemäss, stark von den Wetterbedingungen abhängig. Wir hatten das Privileg auf einen Gutwettertag warten zu können und so sahen wir die Plitvicer Seen an einem nebelfreien Tag und im schönsten Herbstlicht. Mit so brillanten Herbstfarben und so stark tosenden Wasserfällen, war es einfach fantastisch hier!

 

Die Nationalparkverwaltung weiss natürlich, dass vor allem die vielen Reisebustouristen, in möglichst kurzer Zeit möglichst viel sehen wollen. Deshalb hat man sich etwas einfallen lassen. Ein ausgeklügeltes Verkehrsnetz von Touristenzüglein und elektrischen Booten, die beide im Eintrittspreis inbegriffen sind, vereinfacht den Zugang und verkürzt die Besuchszeit. Im Jahr 2014 sind 1,2 Mio. Eintrittskarten zum Plitvice Nationalpark verkauft worden, 100'000 mehr, als im Vorjahr! Der Oktober war bei Touristen aus Asien besonders beliebt. Wir hörten, dass jemand die Balkan-Region geschickt in Südkorea vermarktet hat. Die Chinesen kommen sowieso, und erst recht, weil die dort beliebten Partisanenfilme im ehemaligen Jugoslawien gedreht wurden.

Etwas ähnliches vernahmen wir, als wir den Weiler Rastoke, bei Slunj besuchten. Offenbar war in den Sechzigerjahren im Plitvicer Park auch ein Winnetou Film gedreht worden.

Rastoke ist eine kleine Siedlung mit alten Bauernhöfen und Wassermühlen. Sie befindet sich an einer Hanglange, oder genauer gesagt: im Zusammenfluss der Flüsse Slunjčica und Korana. Zwischen den dadurch entstandenen Wasserfällen findet man mehrere kleine Inseln, die als Standort von Getreidemühlen genutzt wurden. Die noch verbleibenden Gebäude können heute als Museums-Dorf besucht werden.

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Bosnien und Herzegowina: Leiden der Selbstzerstörung

Bosnien und Herzegowina, oft als BiH abgekürzt, ist eines der Länder, welches aus dem ehemaligen Jugoslawien hervorging, nachdem es sich 1992 unabhängig erklärt hatte. Während seiner bewegten Geschichte war das Land zeitweise unabhängig, zeitweise ausländischen Mächten, wie dem Osmanischen- und später dem Österreich-Ungarischen Reich einverleibt. Nach dem zweiten Weltkrieg folgten ein paar Jahrzehnte als Teilrepublik in Tito's Jugoslawien. In den Jahren nach dessen Tod in 1980, schürten populistische und nationalistische Emporkömmlinge die Spannungen zwischen den drei ethnischen und religiösen Volksgruppen, dass daraus 1992 ein Krieg entstand.

Wie genau der Konflikt entstand, ist immer noch umstritten. Je nachdem ob man einen Bosniaken (Moslem), einen Serben (Orthdox), oder einen Kroaten (Katholik) fragt, kriegt man eine andere Version "der Wahrheit". Natürlich halfen sowohl der Vatikan, als auch die anderen zwei grossen Sekten tüchtig mit, ihre Schäfchen zu unterstützen. Insgesamt verloren mehr als 100'000 Menschen ihr Leben und 1.8 Mio. wurden vertrieben.

 

Auch nach dem Ende des Bürgerkrieges 1995, gingen die "ethnischen Säuberungen" noch über mehrere Jahre weiter. Nach einem Übereinkommen, haben die Vertriebenen das Recht auf Rückkehr. Wer sich traute, erfuhr jedoch neue Aggression und musste oft mitansehen, wie sein Wohnhaus niedergebrannt wurde, und dies wurde - so unglaublich es tönt - leider zur Regel. Für uns ist Bosnien und Herzegowina ein erschreckendes Beispiel dafür, wie einfach es für nationalistische und religiöse Führer ist, den Normalbürger mit populistischen Argumenten soweit zu manipulieren, dass er glaubt, es sei absolut akzeptabel das Haus des Nachbarn zu zerstören. Wenn man weiss, dass Freundschaft und Ehen zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen während der Tito Epoche normal waren, ist dies um so schockierender! Die Gründe für diesen Hass (welcher schon vor ein paar Jahrhunderten seinen Anfang nahm), sind umso absurder, wenn man bedenkt, dass ursprünglich alle Menschen im Balkan eigentlich denselben slawischen Hintergrund haben. Die gegnerischen ethnischen Gruppen entstanden erst, nachdem die Machthaber verschiedener Besatzungsmächte ihrem neu unterworfenen Volk, auch unter Gewaltanwendung, neue Religionen eintrichterten.

 

Später begannen die Völker von BiH sogar "ethnische Unterschiede" zu betonen, wie z.B. die Serben, die auf Kyrillische Buchstaben umstellten, und dies obwohl sich ihre gesprochene Sprache überhaupt nicht von derjenigen der Bosniaken und der Kroaten unterscheidet. Nicht nur in Bosnien und Herzegowina, sondern im ganzen Balkan bestehen die ethnischen Unterschiede eigentlich nur in den Köpfen!

 

Bosnien-Herzegowinas heutige Grenzen wurden im Dayton-Abkommen von 1995 festgelegt. Die nun 3,9 Mio. Einwohner teilen sich eine Landfläche von 51'197km2, die wiederum unterteilt ist:

 

         Übersetzung eines Englischen Wikipedia Eintrags +++: …Bosnien und Herzegowina hat eine Zweikammerlegislative mit einer auf drei Personen aufgeteilten Präsidentschaft, in der jede ethnische Gruppe vertreten ist. Die Macht der Zentralregierung ist aber stark eingeschränkt, da das Land stark dezentralisiert ist und zwei autonome Gebiete enthält: die Federation von Bosnien und Herzegowina. Die Republik Srpska, sowie als dritte Region, der Brčko Distrikt, welche alle unter der Kontrolle einer lokalen Regierung stehen. Die Federation Bosnien und Herzegowina ist schon für sich alleine sehr komplex und besteht aus 10 Kantonen…+++Zitat beendet 

Eine wahrlich komplizierte Angelegenheit und leider können sich die Hitzköpfe noch immer nicht einig werden.

 

Das heutige Bosnien und Herzegowina, möchte nun gerne der EU beitreten. So wie wir es aber erlebt haben, ist das Land noch Welten von Europa entfernt!

 

Bihać + Bosanska Krupa: unsere ersten Eindrücke

 

Selbst 20 Jahre nach dem theoretischen Frieden, sind Zeugen der Zerstörungen des Bürgerkrieges noch allgegenwärtig, wo immer man hinkommt. Wir sammelten unsere ersten Eindrücke dieses kriegsgeplagten Landes, nachdem wir am 19.      

Oktober 2015 in Bosnien und Herzegowina eintrafen. Wir kamen im Nordwesten, in der Nähe der Stadt Bihać an. Das Wetter widerspiegelte die Atmosphäre: neblig, feucht und grau. Bihać hat ein kleines Zentrum, wo es (natürlich) mehrere Kirchen und eine Moschee gibt. Bei einigen Gebäuden waren die Kriegsschäden renoviert worden, andere waren immer noch zerstört und bei vielen sah man deutliche Einschusslöcher. Sogar an einer Statue sah man Schiessspuren. Viel mehr Menschen liefen auf der Strasse, oder warteten auf einen Bus, als im nahen Kroatien. Trotzdem gab es auch Verkehrsstau. Die Autos waren zwar nicht allzu neu, aber unerklärlicherweise oft eher teure Marken, wie Audi, BMW oder VW.

 

Die Natur ist echt lieblich. Wir folgten der guten Strasse entlang des Flusses Una, welche uns von Bihać nach Bosanska Krupa führte, wo wir ein Zimmer in einem Hotel nahmen. Seine Lage auf einer Insel in der Una war sehr schön. Leider können wir über die Stadt selbst nicht dasselbe sagen. Verschiedene wunderschöne Kirchen und Moscheen bildeten einen Kontrast zu den übrigen Gebäuden. Fast die Hälfte der Wohn- und Geschäftshäuser war immer noch zerstört oder verlassen. Viele der bewohnten Häuser waren immer noch mit Einschusslöchern "dekoriert" und häufig wurden die Geschäftslokale im Erdgeschoss zweckentfremdet genutzt. Da viele Geschäftsinhaber den Krieg nicht überlebten oder im Rahmen der "ethnischen Säuberungen" vertrieben wurden, werden nun viele Ladenlokale als Notunterkünfte genutzt. Hinter vielen Schaufenstern, fiel uns auf, unter welch einfachen Bedingungen viele Bosnische Familien hausen. Hinter anderen sahen wir, wie Feuerholz, Reifen oder Heu gelagert wurde. Ganz offensichtlich hat der Krieg auch die Wirtschaft zerstört und da es immer noch Spannungen gibt, stehen finanzkräftige Investoren nicht Schlange. Logischerweise ist auch die Arbeitslosigkeit extrem hoch - vielerorts über 40%! Jobs werden eher nach der Höhe der Schmiergelder, als nach Qualifikationen vergeben und wer Arbeit hat, wird darum beneidet. Weiter wird gemunkelt, dass fast jede Regierungsstelle dreifach vergeben sei. Es lässt sich darüber streiten, ob dies gut oder schlecht sei. Offensichtlich werden hier Steuergelder verschwendet, eine effiziente Administration würde aber die Arbeitslosigkeit nur noch weiter anheben...

 

Im Generellen erlebten wir Bosnier als warmherzige Menschen und mit so viel Armut müssten sie einem eigentlich leidtun. Im Wissen darum, dass es sich um eine selbstgemachte Misere handelt, kommt dieses Gefühl aber nicht auf! Wenn das Fussvolk eher den populistischen Hass-Parolen seiner ethnischen und religiösen Führern glaubt, als selbst zu denken, muss es auch mit den Konsequenzen leben. Haben sie denn wirklich geglaubt, dass sie mit herumschiessen weiter kommen? Schade ist nur, dass die skrupellosen Rädelsführer meist schadlos davonkommen und wieder einmal mehr, nur das gemeine Fussvolk darunter leidet. Je nachdem, welcher ethnischen- oder religiösen Gruppe sie angehören, sind sie felsenfest von IHRER Version des Geschehens überzeugt.

Und was passiert gerade jetzt im Herzen Europas? Es scheint, als ob niemand etwas gelernt hätte! Im Jahr 2015 demonstrieren Kosovaren gegen ein von der EU vermitteltes Abkommen, das die Spannungen mit den Serben lindern soll. In Deutschland demonstrieren Zehntausende für die rassistische Pegida Bewegung und in der Schweiz stimmen 30% für die rechtspopulistische SVP. In Bosnien und Herzegowina begann alles ebenso harmlos - bzw. naiv! Vielleicht müssen unsere Schweizer Landsleute auch bald mit den Konsequenzen leben.

 

Zurück nach Bosanska Krupa: ein Restaurant zu finden, war eher schwierig. Es gab jedoch unzählige Café Bars, Fast-Food Buden und sogar dutzende von Discos und Nachtlokalen. Es scheint so, als ob die Bevölkerung bereit ist, sich oft mit etwas zu verwöhnen, das nicht allzuviel kostet. Mit Kaffee und Kuchen konnte man sich bereits für 1 KM verwöhnen (2 Konvertible Mark=1 Euro). Wir hatten auch den Eindruck, dass die Einheimischen dazu tendieren, ans Schicksal zu glauben. Wir sahen jedenfalls eine unglaubliche Anzahl an Annahmestellen für Lottoscheine und Sport-Wetten, ein Phänomen das wir später im ganzen Land vorfanden.

 

Una Nationalpark: klein aber fein

 

Auch das Navigieren auf der Strasse erwies sich als trickreicher, als in anderen Ländern. So funktionierten beispielsweise unsere beiden Navigationssysteme so gut wie gar nicht. So waren wir froh, dass auch BiH auf unserer Kroatienkarte eingezeichnet war. Da wir viel über schlechte Strassen gelesen hatten, entschieden wir, uns an die fett gedruckten "roten" Hauptstrassen zu halten. Nun gut, schon an unserem zweiten Tag auf der Strasse, entpuppte sich unsere ausgewählte Hauptstrasse als enger, aber ausserordentlich gut markierter Waldweg. Die Landschaft war erneut wunderschön, der Wald zeigte sich in den schönsten Herbstfarben und es hatte kaum Verkehr. Es dauerte zwar etwas, aber schlussendlich erreichten wir wieder eine asphaltierte Strasse und schon bald ging's weiter in den schon fast etwas "touristischen" Una Nationalpark. Super, dachten wir uns. So sollte es nun einfach sein, etwas zum Mittagessen zu finden. Nun gut, die ersten beiden Lokale, bei denen wir stoppten, schienen entweder geschlossen, oder verlassen. Bei einer Kaffee-Bar schlug man uns vor, im nebenanliegenden Supermarkt Zutaten für ein Brotzeit zu holen. Nur dumm, dass dort das Brot schon ausverkauft war. Deshalb schlug uns der Barbetreiber ein anderes Restaurant, etwa 5km weiter, vor. Nachdem wir dort geklingelt hatten, kochte uns die Wirtin ein paar Ćevapčići, und servierte sie mit eher schmutzigem Besteck, auf eher schmutzigen Tellern, die sie auf einem Tischtuch im selben Zustand platzierte…
Na ja. Zumindest waren wir nun ganz nah bei der Hauptattraktion des Nationalparks am Fluss Una: den Wasserfällen bei Martin Brod. Hast du gelesen, was wir über den Kroatischen Plitvicer Nationalpark und dessen 1,2 Mio. Besucher geschrieben haben? Diese werden alle an zwei Eingängen abgefertigt. Hier in Bosnien und Herzegowinas Una Nationalpark sahen wir hingegen keine anderen Touristen. Nebenbei bemerkt; wir fanden auch nirgendwo eine Statistik über die Besucherzahlen. Wer aber hierher kommt, kann zwischen fünf bemannten Eingängen auswählen. Leider konnten wir weder die Statistik, noch die Finanzen positiv beeinflussen, da die Parkwächter fünf Minuten vor unserer Ankunft abgezogen sind. Somit bestaunten wir die beeindruckenden Wasserfälle umsonst. Auch hier entsprach die Wassermenge eher dem Frühling, als dem Herbst, d.h. die Fälle waren enorm tosend.

 

Drvar: Bürger, so unreif wie es nur geht

 

Wir folgten der Strasse oberhalb der sehr eindrücklichen Schlucht des Unac Flusses. Gegen Abend erreichten wir Drvar, wo wir im einzigen Hotel übernachteten. Dieses Dreisterne-Hotel sah zwar von aussen ziemlich nobel aus, entpuppte sich aber bei genauerem Hinsehen, als eher heruntergekommen. Man versuchte Geld zu sparen, wo immer es ging und ehrlich gesagt, würde es uns nicht wundern, wenn das Hotel noch vor Ende Winter Konkurs anmelden müsste. Nur wenige Glühbirnen funktionierten und unser Zimmer war feucht und sehr kalt.

 

Drvar ist eine, der vom Bosnienkrieg am schwersten in Mitleidenschaft gezogenen Städte. Wir mussten das Hotel nicht einmal verlassen, um zu sehen in welch schlechtem Zustand sie noch immer ist. Die wenigen Gebäude um uns herum waren alle zerstört oder verlassen - ausser der Kirche natürlich. Wenn man ein Land nach einem Bürgerkrieg wieder aufbaut, muss man natürlich Prioritäten setzen! Nur schade, dass Frömmigkeit während des Krieges nicht wichtig war!

 

In Drvar gingen die ethnischen Säuberungen auch unter den Augen von mehreren hundert Mitgliedern der UN Friedenstruppen weiter. Im Jahr 1998, zweieinhalb Jahre nach dem Friedensvertrag von Dayton, mussten diese von Friedensüberwachung, zur Durchsetzung des Friedens, übergehen. Die UNO hatte gar keine andere Wahl, nachdem der Vizebürgermeister einen "Volksaufstand" orchestriert hatte. Dieser gipfelte darin, dass der Bürgermeister fast zu Tode geprügelt wurde, und die Häuser der vertriebenen, aber rückkehrwilligen Mitbürger angezündet wurden. Auch UNO Fahrzeuge wurden vandalisiert. Wir fanden folgenden Artikel eines Kanadischen Professors, der einen interessanten Einblick vermittelt, vor welchen Problemen die (Kanadischen) Friedenstruppen während ihres 8 jährigen Einsatzes in Drvar standen. http://peacemagazine.org/archive/v20n3p16.htm (in Englisch)

 

Was wir auf den nächsten 100 Kilometern zwischen Drvar und Livno sahen, war wiederum sehr schön, wenn man die Natur beurteilt, aber sehr hässlich, wenn man die Zivilisation beurteilt! Vor allem in diesem Gebiet, warnen sehr viele Schilder vor Landminen, denen alljährlich noch mehrere Personen zum Opfer fallen.
Obwohl es sich um eine eher einsame Region handelt, lagen in allen Dörfern und Weilern entlang unseres Weges, 90% der Bauernhöfe, Wohnhäuser und Fabriken, in Schutt und Asche. Sie standen noch genauso da, wie man sie im Bürgerkrieg durch Granatenbeschuss und Niederbrennen hergerichtet hatte. Man bestätigte uns, dass die meisten Häuser zerstört worden sind, NACHDEM der Friedensvertrag in Kraft getreten war. Auch hier haben nationalistische "Anführer" jeder Couleur, so viel Öl ins Feuer gegossen, dass die manipulierten Bürger mit den "ethnischen Säuberungen" weitermachten, bis fast jedes Haus zerstört war - auch das eigene! Diejenigen, die zurückkehren wollten, wurden manchmal wie Tiere geschlachtet.

 

Um Livno hat sich das Bild zum Besseren gewandt. Dank ausländischer Hilfe wurden die meisten der demolierten Häuser wieder renovierte, zumindest äusserlich. Als wir zu einer jungen Frau sprachen, hörten wir den unglaublich ironischen Satz: "jetzt mangelt es uns an Arbeitgebern und Konsumenten, wir müssten hier mehr tatkräftige Leute haben". Wer hat mit den Vertreibungen begonnen? Die heutigen Probleme sind alle hausgemacht! Tut uns leid, sie tun uns nicht leid!

 

Mostar: wozu ist eine Brücke gut?

 

Entlang verschiedener Karstgebirge, Hochebenen, Hochmooren, und entlang diverser Flüsse und grosser Seen, erreichten wir bis zum Abend Mostar. Mit viel Glück fanden wir ein Zimmer in einem neu renovierten Hotel, und dies erst noch viel näher an der Altstadt, als wir dies zu hoffen gewagt hatten. Mostar war der erste von uns besuchte Ort in BiH, der eine grössere Anzahl ausländischer Touristen anzog. Nicht viele übernachteten hier, sondern kamen eher mit einer Bus-tour von Kroatien. Das Besuchermagnet ist "Stari Most". Der Name übersetzt sich als alte Brücke, doch sie war eigentlich brandneu, als sie 2005 in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde. Wie so viele andere Kulturgüter, war die 427 Jahre alte "Stari Most", 1993 während des Bürgerkrieges komplett zerstört worden. Mit finanzieller Unterstützung aus aller Welt, wurden sowohl die Brücke, als auch die eher kleine Altstadt wieder aufgebaut.

Mostar hat eine lange Geschichte von Besetzungen und Kriegshandlungen. Eines der dunkelsten Kapitel wurde aber erst im Bosnienkrieg, zwischen 1992 und 95 geschrieben. Zu Beginn kämpften Kroaten und Bosniaken Seite an Seite, gegen die Serben. Der Sieg wurde gefeiert, indem man einen neuen Krieg anzettelte; diesmal zwischen den ehemals verbündeten: Bosniaken gegen Kroaten. Am Ende dieser Konflikte zwischen den ethnischen Gruppierungen, sah Mostar so aus, wie Dresden nach dem Zweiten Weltkrieg.

Obwohl die berühmte Brücke restauriert wurde, konnte sie die Kluft zwischen den Volksgruppen nicht überbrücken. Seit dem Ende des Bürgerkrieges sind Mostars 110'000 Einwohner durch den Fluss Neretva getrennt; die Kroaten leben am Westufer und die Bosniaken am Ostufer. Der Anteil der Serben ist von ehemals 19% auf weniger, als 1% geschrumpft.

Die zwei-Stadtteile "Apartheid" wurde 2004 "formell aufgehoben". Seither besteht Mostar aus sechs Stadtbezirken, die eigentlich eine Einheit bilden sollten. Die Leute sind aber bis heute entzweit. So sehr, dass man sich immer noch über eine gemeinsame Verwaltungsstruktur streitet. Aus diesem Grund konnten seit 2008 keine Lokalwahlen mehr abgehalten werden. Die Lokalpolitiker scheinen auf jeden Fall eh lieber ihre Partnerstädte zu besuchen, denn die Probleme ihrer Gemeinde zu lösen. Die von uns besuchten Ortschaften hatten bis zu 16 Partnerstädte.

 

Als wir durch Mostar schlenderten, erhielten wir den Eindruck, dass die Stadt nur langsam Fortschritte macht. Auch wenn wir uns inzwischen schon fast daran gewöhnt hatten, zerstörte Gebäude zu sehen, war die Anzahl solcher Mahnmale, nur gleich um die Ecke des renovierten Stadtzentrums, immer noch schockierend. Darunter waren grosse Wohnblocks, Schulen, Spitäler, Gemeinde- und Einkaufszentren. Wo aber renoviert wurde, ist dies oft sehr verschwenderisch geschehen, und dies nicht nur bei Kirchen und Moscheen, welche wie überall, in Hochglanz dastehen. Im Gegensatz dazu, erhielten wir den Eindruck, dass die Bosnischen Moslems einen eher liberalen Islam praktizieren, sogar erotische Werbung war nichts ungewöhnliches.

 

Republik Srpska: Ljubinije und Trebinje

 

Am 24. Oktober 2015 verliessen wir Mostar und fuhren weiter nach Ljubinje, einer Ortschaft in der Halbautonomen Republik Srpska. Hier erschien das Dorfleben friedlich und viele Menschen spazierten und schwatzten auf den Gehsteigen. Natürlich gab es auch hier ein paar Zeugen des Bürgerkrieges, aber sogar die verlassenen Gebäude waren mit einer minimalen Renovierung kaschiert worden. Nur wer bewusst nach Spuren des Krieges suchte, fand diese. Die allerschönsten Gebäude dieses Serbischen Ortes, waren eine grosse Orthodoxe Kirche, die direkt neben einer kleinen Moschee und einer kleinen Kapelle steht. Auch hier gab es überall Kaffe-Bars, Wettbüros und Diskotheken.

 

Unsere Weiterfahrt führte entlang von Kalksteinbergen und der fruchtbaren Ebene Popovo Polje nah Strujići. Der Charakter dieser Ebene ist vor allem deshalb sehr speziell, weil grosse Wassermengen im porösen Kalkgestein versinken und andernorts als Quellen wieder heraussprudeln. Sogar noch mehr Kapriolen vollführt der Fluss Trebišnjica, ein klassisches Sinkgewässer bzw. Karstfluss. Man überlegt sich, die magische Energie des Wasserdurchlaufes im Karst für ein grenzübergreifendes unterirdisches Kraftwerk zu nutzen, dem sogenannten Projekt "Systems Gornji horizonti".

Momentan wird das Wasser des Flusses Trebišnjica nur auf viel einfachere Art genutzt. Grosse hölzerne Mühlenräder schöpfen Wasser zur Bewässerung.

 

Trebinje, immer noch in der von Serben dominierten Republik Srpska, war unser letzter Stop in Bosnien und Herzegowina. Wir machten einen Umweg um diese Ortschaft zu sehen, von der unser Reiseführer schwärmte, dass sie eine der schönsten im Lande sei. Nun gut, von weitem sah sie recht ansprechend aus, von der Nähe, waren wir aber nicht sonderlich beeindruckt. Die bescheidenen Preise in den vielen Lokalen ziehen wohl vor allem Bewohner des nahegelegenen Kroatiens an.

 

Schlussgedanken zu Bosnien und Herzegowina

 

Uns hat Bosnien und Herzegowina wohl eher die Augen geöffnet und schockiert, als charmiert! Wie schon erwähnt, ist es schockierend zu realisieren, wie einfach populistische und Nationalistische Führer so viel Hass streuen können, dass langjährige Nachbarn plötzlich glauben, sie seien Feinde. So viel Hass, dass Menschen nicht davor zurückschrecken, das Eigentum der Nachbarn zu zerstören und sie sogar brutal umzubringen! Selbst über 20 Jahre nach dem Bürgerkrieg, berücksichtigen zu viele für ihre Einkäufe und Geschäftsbeziehungen nur Mitglieder ihrer eigenen Volksgruppe.

Uns ist nun noch klarer als vorher, dass Populismus im Keim erstickt werden muss, nicht nur im Balkan, sondern auf der ganzen Welt.

 

Unter Druck der UN und der EU, leben die Anhänger der verschiedenen Religionsgemeinschaften von BiH nun wieder in relativem Frieden zusammen. Tief in ihren Herzen sind sie aber immer noch mit rassistischem Gedankengut infiziert.

 

An unserem letzten Tag im Land, sagten uns mehrere Angestellte des Hotels beim Abschied wahrlich warmherzig, wie stark sie hoffen, dass wir zurückkehren mögen. Momentan ist uns nicht danach. Es war einfach zu frustrierend zu sehen, dass in den Köpfen von zu vielen Leuten die Ressentiments gegenüber den anderen Volksgruppen noch nicht geglättet sind. Zudem gibt es nettere Orte zu besuchen, als Kriegsgebiete.

 

Wir können nur hoffen, dass zukünftige Generationen reifer werden, vergeben können und Vorurteile vergessen. Mehr als 20 Jahre, nachdem die Weltgemeinschaft Bosnien und Herzegowina den Frieden aufgezwungen hat, ist eine neue Generation herangewachsen. Es ist nur traurig zu sehen, wie vom Leitfahrzeug eines Hochzeits-Konvoys eine übergrosse Fahne geschwenkt wird. Es war nicht die Flagge von Bosnien und Herzegowina, sondern diejenige der ethnischen Gruppe, der das Hochzeitspaar angehörte, oder genaugenommen, die Flagge eines Nachbarlandes, dem man eigentlich angehören möchte… Im ganzen Land sieht man, in von Kroaten dominierten Regionen nur Kroatische Flaggen, in der Srpska Region nur Serbische Flaggen, und in Bosniakischen Gebieten nur die Bosnische… Wir hoffen ganz ehrlich, dass die Menschen von Bosnien und Herzegowina Freiheit und Frieden finden werden, bis dahin ist es aber noch ein langer Weg.

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Dalmatien Dubrovnik Split
Mehr über Kroatien: Kapitel 13
1. Juni
2. Hauptkapitel (September-Oktober)
3. Oktober-November

Kroatien: von Dubrovnik nordwärts durch Dalmatien

Am 24. Oktober 2015 überquerten wir die Grenze zurück nach Kroatien und besuchten Dubrovnik, ganz im Süden von Kroatiens Dalmatischer Küste. Diese Stadt war zu Beginn des Kroatienkrieges, der von 1991 - 1995 dauerte, schwer getroffen worden. Bis im Jahr 2000, als wir zum ersten Mal hier waren, hatte man die Altstadt bereits wieder gut aufgebaut. Seither ist auch die alte Befestigungsmauer renoviert worden. Damit wurde Dubrovnik zu einer noch attraktiveren Stadt, die nun Touristen aus aller Welt anzieht. Der Besucherstrom scheint auch im Winter kaum nachzulassen. Während unserer 6 Tage wimmelte es in der Altstadt tagsüber nur so von Touristen. Auch abends war immer noch viel los, denn nun mischten sich auch die Leute der Umgebung unter die Besucher.

 

Wenn eine Stadt so beliebt ist, hat das natürlich auch seine Nachteile. Die Parkgebühren z.B., waren mit Abstand die höchsten, die wir im ganzen Land bezahlen mussten! Natürlich bieten viele Lokale durchschnittliches Essen zu überdurchschnittlichen Preisen an. Wenn man sich aber in Ruhe umsieht und sich nicht von einem sogenannten "Animator" in eine Touristenfalle hineinziehen lässt, findet man unter den hunderten von Lokalen auch einige hervorragende Schlemmertempel.

 

Jetzt im Herbst kamen die meisten Besucher mit Kreuzfahrtsschiffen oder Bustouren. Letztere übernachteten in grossen Hotels etwas ausserhalb. Somit waren Privatzimmer nicht mehr so stark gefragt. Wir hatten widerum Glück ein superschönes "Sobe", ein Zimmer bei einer einheimischen Familie zu finden. Unsere über 80 jährigen Schlummereltern verwöhnten uns mit kleinen Extras, wie frisch gebrautem Kaffee zum Frühstück, wie auch mit Fruchtsaft und hausgemachten Torten am Nachmittag.

 

Insel Korčula: wie die "Queen" einen abgelegenen Ort verändert

 

Mit guten Erinnerungen verliessen wir Dubrovnik am 30.10.15 und fuhren nordwärts. Entlang der Küstenstrasse waren wir fast alleine. Im Dorf Ston, am Schaft der Halbinsel Pelješac, änderte sich dies aber wieder schlagartig. Weil eine 5km lange Befestigungsmauer, die vor langer Zeit an einem Hügel über dem Dorf gebaut wurde, ein bisschen der Chinesischen Mauer gleicht, zieht diese ganze Busladungen von heimwehkranken Besuchern aus China an.

 

Nachdem wir über die lange Halbinsel nordwärts gefahren sind und mit einer Autofähre zur Insel Korčula übersetzten, waren wir wieder soviel wie die einzigen Ausländer. Uns gefiel das hübsche Städtchen Korčula mit seiner gut erhaltenen Stadtmauer sehr gut. Obwohl die Stadt mit gleichem Namen wie die Insel, auch als Mini-Dubrovnik bekannt ist, scheinen die Urlauber den Ort bereits nach den Sommerschulferien verlassen zu haben.

Wiederum fanden wir ein breites Angebot an Privat-Zimmern und Ferienwohnungen. Als wir aber nach einem Lokal fürs Abendessen Ausschau hielten, war die Auswahl hingegen sehr bescheiden. Nicht dass es kaum Restaurants gegeben hätte, die meisten waren einfach bereits im Winterschlaf. Am nächsten Morgen änderte sich dies aber schlagartig. Mindestens zwanzig Lokale hatten wieder eröffnet und um die Mittagszeit wimmelte es in allen von Leuten. Wir sahen zwar keinen roten Teppich, aber bald war klar, dass "die Queen" im Ort angekommen ist. Genaugenommen: das Kreuzfahrtsschiff Queen Elizabeth.

Nachdem die Britische Invasion abgezogen war, kehrte wieder Frieden ein. Am nächsten Tag war Allerheiligen, Sonntag 1.  November, und die Insel war sogar noch ruhiger, als an unserem Ankunftstag. Beim Besteigen des Hügels hinter Korčula, hatten wir wunderschöne Sicht auf die, auf einem Felsvorsprung liegende, kuppelförmige befestigte Stadt. Zuoberst standen wir vor einem mächtigen Wehrturm: dem Forteca. Er wurde 1813 von der damaligen Englischen Besatzungsmacht gebaut und Fort Wellington getauft.

Da wir auf den Rest der Insel neugierig waren, fuhren wir über die bewaldeten Hügel ins Landesinnere. Wie auf den meisten Inseln in der Adria, gibt es auch auf der 270km2 grossen Insel Korčula ein paar Gebirgszüge. Vierzehn von Kroatiens 60-88 Inseln (je nachdem, ab welcher Grösse ein Fels als Insel gilt…) sind grösser als 50km2. Auf den meisten gibt es 300-600m hohe Hügelzüge. Vidova Gora auf Brač, ist mit seinen 780m der höchste "Gipfel" auf den Adriatischen Inseln.

Somit waren wir überrascht, mitten auf Korčula eine flache bewirtschaftete Ebene zu finden. Nachdem wir Smokvica an der Südküste erreicht hatten, kamen wir durch eine sehr einsame Gegend. Es hatte aber immer wieder Ferienhäuser, und diese schienen vor allem von Skandinaviern bewohnt zu sein. Zu den grösseren Dörfern gehören Blato auf der grünen westlichen Inselhälfte, sowie Vela Luka (übersetzt grosser Hafen) ganz im Westen.

 

Am Montagabend waren wir die einzigen Gäste im Lokal, von dem wir denken, dass es das beste im Ort Korčula sei. Als wir mit der Wirtin sprachen, erfuhren wir, dass es während der vergangenen fünf Monate unmöglich gewesen sei, einen Tisch zu bekommen, wenn man nicht entweder für 18:30h oder 21:00 Uhr reserviert hatte.

 

Hvar: bekannt als Nobel-Badeferieninsel

 

Unser nächstes Ziel war die Insel Hvar, die wir entweder durch eine lange Autofahrt und zwei kurze Fährquerungen, oder durch zwei kurze Autofahrten, sowie einer langen und einer kurzen Querung mit Autofähren erreichen konnten. Wir brachen von Korčula auf und erreichten, nach 10 minütiger Überfahrt, die Halbinsel Pelješac. Dort gönnten wir uns als erstes in Orebić ein leckeres Frühstück. Während wir im Kaffee sassen, kam Wind auf und die See wurde recht rau. Überraschenderweise war das Meer auf der anderen Seite des Peninsulas total ruhig. So entschieden wir uns für die einstündige Autofähre von Trpan nach Ploče auf dem Kroatischen Festland. Dies ersparte uns etwa 150km Autofahrt, sowie zwei Grenzkontrollen, da wir somit den Neum-Korridor durch Bosnien-und-Herzegowina vermieden. Stattdessen mussten wir nur eine halbe Stunde fahren, bis den Hafen von Drvenik erreichten, wo wir gleich die 20-Minütige Autofähre nach Sućuraj nehmen konnten. Nun waren wir also auf der Insel Hvar. Nach einem Mittagessen hatten wir noch 80km, meistens sehr enge und sehr langsame Strasse vor uns, bevor wir Hvar, die grösste Ortschaft der Insel Hvar, erreichten.

Da viele der 10'000 Inselbewohner mit der Olivenernte beschäftigt waren, verwies man uns an eine der wenigen Unterkünfte, wo die Vermieterin Zeit hatte, Touristen zu beherbergen. Preiswerte Privatzimmer und Ferienwohnungen findet man im ganzen Land und sie eignen sich ideal, um Kroatien zu erkunden.

Die alten Steinhäuser von Hvar gruppieren sich um einen, grossen mit Kopfstein gepflasterten Hauptplatz, direkt neben einer hufeisenförmigen Bucht. Es war sehr hübsch, aber Kroatien hat ja viele aussergewöhnlich schöne Ortschaften. Da diese Insel gut mit der Grossstadt Split verbunden ist, ist sie zu gewissen Zeiten wohl ziemlich überlaufen. Auch im November sahen wir immer noch Bus- bzw. Bootsladungen mit Asiaten, obwohl die meisten Touristengeschäfte bereits geschlossen hatten.

Da Hvar im Sommer anscheinend ein eher gut betuchtes Publikum anzieht, gibt es eine grosse Auswahl an noblen und teuren Hotels und Restaurants. Das Auswärtsessen hat uns aber trotzdem nicht in den Ruin getrieben. Die noch geöffneten Lokale boten ein eher gutes Preis-Leistungs Verhältnis. Wenn man in der Nebensaison unterwegs ist, merkt man, wie aufgeblasen die Preise in der Hochsaison sein müssen. Mit fast jeder Mahlzeit erhielten wir nun Rabatte und Speisen auf Kosten des Hauses. Getränke wurden teilweise offeriert, oder kosteten nur noch halb soviel, bestellte Nachspeisen wurden nicht verrechnet, wir erhielten 10% Rabatt, oder eine Musik CD als Souvenir.

 

Wie im ganzen Land, lieben es die Leute, sich täglich im Kaffehaus zu treffen und solche am Wasser waren ausgesprochen beliebt. Am Morgen zogen sie besonders viel Publikum an, aber eigentlich waren sie bis am späten Abend gut besucht. Es scheint so, als ob Kroaten (genauso wie die meisten Osteuropäer - von den Polen abgesehen), eher bei Kaffee und Cola, als bei Alkoholischen Getränken zusammensitzen. Es ist schön zu sehen, dass es immer noch Länder gibt, wo die Leute genug Menschenverstand haben, zu realisieren dass, sie auch eine gute Zeit haben können, ohne viel Geld zu verschwenden, damit sie am Schluss noch einen Kater kriegen. Wir haben den Verdacht, dass man die Schnäps-chen, die in Touristenlokalen häufig offeriert werden, nur brennt um ausländische Gäste zu mehr Trinkgeld zu bewegen…

 

Wir hatten Glück, dass das sommerliche Wetter und die warmen Temperaturen wochenlang, bis in den Spätherbst, anhielten. Nur Schade, dass auf Hvar niemand mehr hausgemachtes Eis verkaufte. Wenigstens konnte niemand die Strände "schliessen" und so nahmen wir zweimal die Gelegenheit wahr, uns nochmals in der Sonne zu aalen.

 

Um etwas von der Insel zu sehen, besuchten wir die nahegelegene Ortschaft Stari Grad. Weil hier nun wirklich schon fast alle Geschäfte im Winterschlaf waren, war es extrem ruhig. Während wir durch die malerischen Strassen und Gassen schlenderten, entdeckten wir den mittelalterlichen Charme dieser kleinen Altstadt. Witzigerweise steht das Kroatische Wort "stari" für alt und "grad" für Stadt. So wundern wir uns, ob Stari Grad einen anderen Namen hatte, als es neu war.

 

Split: eine erfrischende Hafenstadt

 

Am 9. November 2015 verliessen wir Hvar, und kehrten zum Festland zurück. Die staatliche Fährgesellschaft  Jadrolinija verbindet die vielen Kroatischen Inseln in der Adria mittels eines grossen Netzwerks von Passagier-, Fracht-, und Autofähren. Eine dieser Autofähren brachte uns nach einer ruhigen, zweistündigen Überfahrt, direkt ins Zentrum von Split. Wie immer war das Entladen wieder so effizient, wir würden dies eher chaotisch nennen. Die Ausfahrtsrampe wird bereits heruntergelassen, während das Schiff noch im Hafen manövriert. Die Motoren der Autos werden gestartet und eine Sekunde nachdem die Fähre gedockt hat, bekommen sowohl die Fusspassagiere, als auch die Fahrzeuge sämtlicher Spuren, vom Personal das Zeichen zur Ausfahrt. Alle gleichzeitig! Da sich die Fähre hier direkt ins Stadtzentrum entlud, standen die ersten Fahrzeuge bereits im Stau, bevor die letzten überhaupt vom Boot fahren konnten.

 

Mit 350'000 Einwohnern ist Split die zweitgrösste Stadt Kroatiens. Aus der Ferne gleicht es einer Betonwüste. Im Zentrum hingegen, sieht man davon überhaupt nichts. Splits Promenade ist gesäumt von netten Kaffeehäusern. Überall wimmelte es nur so von Menschen, die vom guten Wetter profitierten. Vielerorts konnten wir wieder hausgemachtes Eis kaufen. In einer Grossstadt wie Split, pulsiert das Leben, egal ob die Touristenmassen schon abgereist sind, oder nicht.

Mit viel Glück fanden wir, direkt am Rande der Altstadt, eine Pension mit Parkplatz. Nun gut, Parkplatz hiess, die Eigentümer haben zusätzlich zum Familienauto noch eine alte Rochel, die man einzig dafür einsetzt, auf den wenigen öffentlichen Parkfeldern direkt vor dem Gästehaus, Parkplätze für die Gäste zu reservieren! Für Kuna 375 (€ 50) war dies zwar das teuerste Zimmer, das wir in Kroatien hatten, wenn man aber die Lage, Aussicht und den hohen Standard in Betracht zieht, war es ganz sicher nicht überteuert.

 

Splits charmante Altstadt mit ihren vielen Plätzen, gilt als Weltkulturerbe. Die Hälfte des historischen Zentrum wird vom " Diokletianspalast " eingenommen. Beim Umherschlendern, nimmt man aber von diesem riesigen Römischen "Palast" überhaupt nichts wahr. Heutzutage ist er nicht viel mehr als ein, von Stadtmauern umgebener, Teil der Altstadt, in dem sich Wohn- und Geschäftshäuser, Restaurants und vieles weitere befinden. Die Gebäude innerhalb dieses riesigen Komplexes, wurden im Jahr 305 erbaut und dienten als Alterssitz für den früheren Kaiser Diocletian und sein Gefolge. In den folgenden Jahrhunderten hat man die Häuser renoviert und umgebaut, um den zeitgenössischen Bedürfnissen der Normalbürger gerecht zu werden.

 

Split hat nicht nur ein attraktives Zentrum, sondern auch eine ausgedehnte, attraktive Strandpromenade. Spazierwege entlang des Wassers führen in beide Richtungen und wenn immer wir an einem Strandabschnitt vorbei kamen, war dieser recht beliebt und es gab oft noch ein paar Wasserratten, die von der aussergewöhnlich warmen Novembersonne profitierten. Es war schön zu sehen, dass die Strände auch bei Einheimischen, und nicht nur Touristen, beliebt sind. Ganz zufällig kamen wir an einen FKK Strand. Spontan gesellten wir uns dazu, und genossen das Privileg, die einzigen Ausländer zu sein. Bei unserer Reise entlang der Dalmatischen Küste ist uns schon positiv aufgefallen, dass es zu einem FKK Strand nie weit ist. Wir hätten aber trotzdem nicht erwartet, so nahe der Stadt einen zu finden. Nach der Mittagszeit zogen die jüngeren wieder ab, da sie zurück zur Arbeit mussten. So wurde uns wieder bewusster, welch ein Privileg es ist, als Dauerglobetrotter unterwegs zu sein.

 

Ausser von Schlemmerlokalen, die wir in Split ebenfalls einfach fanden, möchten wir auch vom Marjan Waldpark schwärmen. Man hat einen grossen Tunnel gebaut, um den Park vom motorisierten Verkehr zu befreien. Kilometerweit werden nun die ehemaligen Hauptstrassen enthusiastisch von Fussgängern und Radfahrern genutzt. Der 3km lange Park umfasst einen Hügel, der die lange Zunge einer Halbinsel bildet. Im Süden gibt es hohe Felswände mit alten Höhlenwohnungen.

 

Trogir und Šibenik: zwei charmante Städtchen auf unserem Weg nordwärts

 

Als wir Split verliessen, war es bereits der 13. November 2015. Im schönsten Sonnenschein fuhren wir der Küste entlang nordwärts, bis zum befestigten Städtchen Trogir. Wie in anderen Touristenorten auch, sah man auch hier überall Handwerker, welche die historischen Gebäude im Zentrum, und die Touristengeschäfte renovierten und erweiterten. In Kroatien können normalerweise die letzten Sommerurlauber den ersten Bauleuten die Hand geben. Die einheimischen Geschäftsleute reinvestieren das mit dem Tourismus verdiente Geld, lange bevor die nächste Saison beginnt, oder wie sich einer unserer Vermieter ausdrückte: "wir haben alle etwas von der Deutschen Mentalität angenommen: schaffe schaffe Häusle bauen".

 

Wir spazierten durch die hübschen Gassen von Trogirs uraltem Zentrum und bewunderten die mächtigen, mittelalterlichen Gebäude. Um möglichst viel von der Stadt und ihrer Befestigungsmauer zu sehen, überquerten wir die Brücke nach Otok Čiovo. Der historische Teil von Trogir liegt auf einer kleinen Insel, eingeklemmt zwischen dem Festland und der viel grösseren Insel Čiovo. Während wir durch den Hafen kamen, bemerkten wir die vielen luxuriösen Mietjachten, die auf finanzkräftige Kunden warteten. Uns ist vorher schon aufgefallen, dass Bootsvermietung entlang Kroatiens Küste zu einem blühenden Geschäft geworden ist. Die wirklich reichen hingegen, mieten sich kein Boot, sondern besitzen eines. Die Reichen wissen aber auch, wie man Geld spart. Deshalb übergeben viele stolze Jachtbesitzer ihr Spielzeug einer preiswerten Kroatischen Werft zum Service und zum Überwintern.

 

Auf unserer Weiterfahrt, kam die Silhouette eines weiteren pittoresken Örtchens in Sicht: Primošten, das an einem Hügel klebt, der ins Meer hinaus ragt. Da dort die Gehsteige bereits über den Winter hochgeklappt waren, fuhren wir nach Šibenik weiter. Hier fanden wir für 225 Kuna (€ 30.-), ein schönes und grosses Appartement samt Garage.

Diese Küstenstadt mit etwa 50'000 Einwohnern, machte keinen Winterschlaf, sondern erfreute uns mit ihrem ursprünglichen Kroatischen Charakter. Es ist zwar überhaupt kein herausgeputztes Touristenstädtchen, aber längstens geschichtsträchtig und schön genug, um Reisegruppen aus Asien anzuziehen, selbst im November. Šibenik begeistert auch dank seiner langen Promenade entlang des Wassers. Am Ende des Strandes fand gerade ein Angler-Wettbewerb statt. Wir vermuten, dass das Organisations-Komitee davon ausging, dass die Teilnehmer nicht allzu erfolgreich sein werden. Ansonsten hätte man einen Grill vorbereitet, statt Risotto serviert…

Gleichentags kamen wir noch an einer anderen Veranstaltung vorbei. Verschiedene Chöre und Volkstanzgruppen gaben auf einem Platz ihr Bestes, wenn auch der Zuschaueraufmarsch enttäuschend klein war. So klatschten WIR halt so laut wie wir konnten. Šibenik war ein sehr bereichernder, zweitägiger Stopp, in einer ursprünglichen Kroatischen Stadt.

 

Am Sonntag, dem 15. November 2015, nahmen wir eine lange Fahrt nordwärts in Angriff, bei der wir an vielen Orten vorbei kamen, die wir auf unserem Weg südwärts besucht hatten. Da es auf der Küstenstrasse kaum Verkehr hatte und uns das neblige Wetter nicht zu vielen Stopps verleitete, schafften wir es bis Opatija, ganz zuoberst an der Kvarner Bucht. Hier hatten wir am 5. Juni unsere Entdeckungstour durch Kroatien gestartet, und somit hat sich der Kreis nun geschlossen. In der Zwischenzeit haben wir nicht nur grosse Teile Kroatiens besucht, sondern auch 8 weitere Länder in Zentral- und Osteuropa.

Jetzt im Jahr 2015, erlebten wir Kroatien viel angenehmer, als bei unserem ersten Besuch vor 15 Jahren. Sozusagen als Abschiedsgeschenk, belohnten wir uns mit einem letzten Essen in einem Gourmet-Restaurant, bevor wir tags drauf nach Slowenien weiterfuhren.

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1. Anfangs Juni
2. Ende Juni
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Slowenien: ein modernes, gut entwickeltes Land

Am 16. November 2015 überquerten wir die Grenze von Kroatien nach Slowenien. Für über tausend Jahre war Slowenien umkämpft zwischen den Römern, Byzantinern und den Ostfranken. Später kam das Land unter Kontrolle der Habsburger, des Österreichisch-Ungarischen Reiches und Titos Jugoslawien.

Am 25. Juni 1991 erklärte sich Slowenien unabhängig, was einen 10 tägigen Krieg mit Jugoslawiens Armee provozierte. Im Gegensatz zu den meisten andern Balkanländern, gab es aber in Slowenien KEINE "ethnischen Säuberungen". Dank dem entwickelte sich das Land viel schneller, als die anderen, die aus dem ehemaligen Jugoslawien hervorgingen und wo sich die Spannungen zwischen den ethnischen Gruppen auch heute noch nicht gelegt haben.

Das heutige Slowenien hat eine Fläche von 20'273 km2 und gut 2 Mio. Einwohner. Es ist seit 2004 Mitglied der EU und konnte bereits 2007 den Euro einführen. Damit war Slowenien das einzige der 10 Neumitglieder, das die Bedingungen so schnell erfüllte. Inzwischen ist sein Bruttonationaleinkommen (BNE), sogar schon auf mittleren Euroschnitt angestiegen.

 

Schon vor 15 Jahren, als wir Slowenien zum ersten Mal besuchten, erhielten wir den Eindruck eines sauberen gepflegten Landes, das wirtschaftlich den anderen, ehemaligen Ostblock-Staaten, einiges voraus hatte. Die Architektur der Wohnhäuser und die Mentalität der Leute, entspricht viel eher derjenigen in den Österreichischen Alpenregionen und derer im Italienischen Südtirol, als derjenigen der Mittelmeer Regionen. Tatsächlich wird auf allen Seiten dieser Grenzen sowohl Deutsch, als auch Slowenisch gesprochen.

 

Auch während unserer diesjährigen, drei kurzen Aufenthalten, ist uns wieder aufgefallen, wie freundlich, sprachbegabt und weitgereist die Slowenen sind. Es ist ein sehr nettes Land mit viel Stil und wir hatten eigentlich geplant, wie vor 15 Jahren, ein paar Wochen zu bleiben. Leider hat die Wetterprognose das Ende des diesjährigen "endlosen Sommers" vorausgesagt, d.h. genau gesagt Schneefälle, gefolgt von einer extremen Kältewelle. Normalerweise würden wir dies nicht als ein Problem betrachten, mit unseren alten Sommerreifen hingegen, würden wir wohl nicht weit kommen. So kamen wir zum Schluss, dass es weiser sei, in der Schweiz unsere Winterreifen zu fassen, bevor wir stecken bleiben…

 

So machten wir uns auf die Socken und legten die 700 Kilometer in die Zentralschweiz in tatsächlich nur 4 (vier) Tagen zurück. Unseren einziger Übernachtsstopp in Slowenien, machten wir in Kobarid. Im Sommer pilgern vor allem Rafter und Feinschmecker hierher. Erstere suchen den Nervenkitzel einer Wildwasserfahrt auf dem Fluss Soča, letztere kitzeln ihre Geschmacksnerven bei Mehrgänge-Menüs in den gepflegten Lokalen, von denen gleich zwei zu den Besten des Landes gehören. Natürlich hatten an diesem November Montag, alle ihren Ruhetag. Unser Zimmervermieter riet uns, frühzeitig in die Pizzeria zu gehen, da diese vielleicht schliesst, wenn keine Gäste auftauchen. Wie auch immer, das Lokal war jedenfalls stilvoll, die Pizza gut, der Salat zwar ausgegangen, dafür wurden Kaffee und Nachspeise offeriert.

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2. Hauptkapitel (August-September)
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Österreich: über die Berge in die Schweiz

Am nächsten Tag, dem 17. November 2015, verliessen wir Slowenien und fuhren nach Italien. Auf einer sehr engen (Einspur)Strasse durchquerten wir das Val Resia, bevor wir über die super breite und super schnelle Plöckenpass-Strasse nach Österreich weiterfuhren. Schon bald erreichten wir das pittoreske Städtchen Lienz, wo wir gerne ein paar Tage geblieben wären, wenn uns die vorhergesagten Schneefälle nicht weitergetrieben hätten. So begnügten wir uns mit einer warmen Mahlzeit und leckeren Torten in unserer Lieblings-Kaffeestube. Nun war es uns gerade recht, dass die Österreicher schon fast Autobahnen über die Berge bauten. So kamen wir zügig in den glamourösen Winterkurort Kitzbühel. Das schmucke Dorfzentrum gefiel uns sehr, doch als wir nach Zimmern umherfragten, kriegten wir einen Preisschock. Wir sahen überhaupt keinen Grund, weshalb ein Bett in einer Frühstückspension Mitte November, in der absoluten Nebensaison, doppelt so viel kosten sollte, wie ein gleichwertiges Zimmer in Salzburg im August.
Etwa 5km ausserhalb, fanden wir dann doch noch etwas zahlbares.

 

Am nächsten Morgen fuhren wir über die Berge weiter nach Innsbruck. Wir haben diese Stadt schon mehrmals besucht, doch diesmal hatte sie einen ganz anderen Charakter, da überall Weihnachtsmarkt war. Es ist unglaublich, wie kommerziell Weihnachten geworden ist! Gleichzeitig werden verschiedene Weihnachtsmärkte (in der Stadt) abgehalten. Die meisten starteten schon Anfangs November, keiner schliesst vor dem 24. Dezember und einige hoffen sogar bis zum 6. Januar auf kaufwillige Kundschaft.

Wir hatten Glück, dass wir in derselben Frühstückspension, in der wir vor 20 Jahren schon einmal nächtigten, ein Zimmer bekamen. Zwischenzeitlich ist es schön renoviert worden, der Preis stimmt aber immer noch.

 

Der 19. November 2015 war der "letzte Sommertag", bevor der angekündigte Schnee fallen sollte. So wollten wir es noch auskosten und nahmen uns eine Pässefahrt vor. Unser Favorit, die Silvretta Hochalpenstrasse, war gemäss einer Internetseite, bereits geschlossen. Als wir aber bei der Abzweigung zu dem Tal vorbeikamen, welches zur Passstrasse führt, war diese als geöffnet markiert. Etwas zögernd nahmen wir die Abzweigung, doch 50 km später standen wir vor einem allgemeinen Fahrverbot! So wendeten wir uns an das nahegelegene Luxushotel, das zwar auch als geschlossen markiert war, aber ein offenes Büro hatte. Eine neu eingestellte Dame nahm den Hörer in die Hand und versuchte uns zu helfen. Das zuständige Verkehrsbüro liess mitteilen, dass wir das Fahrverbot ignorieren sollten, denn die Strasse sei definitiv noch bis Morgen um 18h geöffnet. Auf der Bielerhöhe, welches zugleich die Passhöhe ist, begegneten wir dann Familien mit Kindern und vielen Bauarbeitern, die das Kraftwerk umbauten. Natürlich zog auch jemand die Maut für die Private Silvretta Strasse ein. Die Dame konnte es gar nicht glauben, dass die Strasse am anderen Ende "geschlossen" war.

 

Wir verbrachten unsere letzte Nacht in Österreich, im angenehmen Städtchen Feldkirch, schon fast an der Schweizer Grenze. Am nächsten Tag war es dann neblig und trüb, und es regnete. In höheren Lagen schneite es jetzt. Wir kamen sicher zurück in die Zentralschweiz und konnten noch am selben Tag unsere Winterreifen montieren lassen.

 

Nach ein paar Tagen bei Heinz' Schwester und Schwager, fuhren wir weiter nach Immenstaat am Deutschen Bodensee-Ufer, und hier werden wir den Winter verbringen!

 

Schlussgedanken zum Sommer in Zentral- und Osteuropa

 

Nun gut, als wir uns dafür entschieden, noch einmal die Länder hinter dem ehemaligen eisernen Vorhang zu besuchen, waren unsere Erwartungen nicht besonders hoch. Von früheren Besuchen her, erinnern wir uns an unmotiviertes Personal, verfallende Städte, sowie Mahlzeiten, die so schlecht waren, dass Brigitte davon ein "Fritteusen-Trauma" kriegte. In dieser Hinsicht, waren wir zwar auf das Schlimmste gefasst, hofften aber, von den faszinierenden Landschaften und Küstengebieten der Region, kompensiert zu werden. Wer wagt gewinnt. Unsere Reise belohnte mit sechs aussergewöhnlich guten Monaten, sowie sechs aussergewöhnlich aufwühlenden Tagen!

 

Abgesehen von insgesamt einem Monat in Österreich und Deutschland, war vieles anders, als wir es erwarteten. Alles in allem, verbrachten wir fast fünf Monate in den ehemaligen Ostblock Ländern Slowenien, Kroatien, Ungarn, Polen und der heutigen Slowakei und Tschechien.

 

Wo immer wir auch hingingen, es war einfach fantastisch. Freundliche hilfsbereite Menschen sorgten dafür, dass wir uns in ihrem Land willkommen fühlten. Sie mochten zwar eine andere Sprache sprechen, von ihrer Mentalität unterschieden sich die meisten aber nicht stark, von den Leuten im deutschsprachigen Europa. Und schon bald erkannten wir, dass das von der EU im ehemaligen Ostblock investierte Geld, um ein Mehrfaches an die westliche Wirtschaft zurück fliesst.

 

Faszinierende, oft als Weltkulturerbe gelistete Kulturstätten, warteten auf uns. Immer wieder konnten wir sie ganz für uns alleine geniessen. Irgendwie wurde uns bewusst, dass geschicktes Marketing, die Geburtsstätte einer berühmten Person, oder der Drehort eines Filmes, die Massen viel mehr anzuziehen vermag, als die reine Schönheit eines Ortes.

 

In jedem der besuchten Länder, war auswärts essen ein wahres Vergnügen. Für jeden gibt es etwas. Im heutigen Osteuropa kann man preiswert und einfach essen, aber auch so gut "wie Gott in Frankreich". Die Qualität des Essens, und die Kreativität der Gerichte, hat sich dramatisch gesteigert. Vor allem in Polen und Kroatien gibt es mittlerweile viele Sterne-Köche.

 

In krassem Gegensatz zu den landläufigen Vorurteilen in unserem Kulturkreis, fühlten wir uns überall sehr sicher. Ironischerweise sagte man uns immer: "hier gibt es keine Kriminalität, nur im Osten von hier". Egal wie weit östlich wir kamen, man sagte uns immer noch "nur im Osten…".

 

Wir genossen unsere Reise durch Osteuropa in vollen Zügen und mit einer Ausnahme erschien uns jedes der besuchten Länder so attraktiv, dass wir gerne nochmals dorthin zurückkehren.

 

Einzig nach Bosnien-und-Herzegowina möchten wir nicht nochmals zurückkehren! Die Menschen waren zwar auch freundlich und warmherzig, doch was wir dort gesehen haben, war zwar interessant und Augen öffnend, aber auch sehr aufwühlend.

Es ist schockierend zu realisieren, wie einfach populistische und nationalistische Argumente die Leute soweit manipulieren können, dass aus friedlich zusammenlebenden Nachbarn Feinde werden, nur weil sie aus einem anderen ethnischen Hintergrund stammen. Auch der daraus resultierende grausame Bürgerkrieg konnte den Hass nicht stoppen. Jede ethnische Gruppe blieb eher bei ihrer Version der Wahrheit, und kämpfte weiter, als dass sie sich mit den anderen zusammengetan, und an den Wiederaufbau gemacht hätte. Der Krieg dauerte ganze vier Jahre und würde wohl immer noch andauern, wenn die Weltgemeinschaft die Hitzköpfe nicht zu einem Friedensvertrag verdonnert hätte. Dieser wurde aber nur sehr halbherzig unterzeichnet.

In der Folge gingen die "ethnischen Säuberungen" trotzdem über Jahre weiter. Es war an der Tagesordnung, Häuser zu beschiessen und anzuzünden, ob UNO Friedenstruppen den selbsternannten Patrioten zuschauten oder nicht.

 

Die Leute haben aber nichts gelernt. Auch heute, zwanzig Jahre später, werden Politiker gewählt, welche verurteilten Kriegsverbrechern den Status von "Volkshelden" geben wollen, indem sie Plätze und Strassen nach ihnen benennen möchten.

 

Populistische Wahlreden scheinen die Stimmbürger mehr zu beeindrucken, als die unzähligen zerstörten Häuser und Fabriken, die als stumme Zeugen der schrecklichen Selbstzerstörung des Landes noch überall stehen.

 

Das Rezept, welches nationalistische Politiker verwenden, um den Hass zwischen den ethnischen Gruppen zu schüren (bzw. erhalten), ist so simpel, wie effizient: ausgefeilte Reden mit einfachen Worten, die jeden zu überzeugen vermögen, der zu faul ist, kritisch zu denken und sich eine eigene Meinung zu bilden!

- diese Reden streuen Angst und Unsicherheit vor allem Unbekannten

- diese Reden stellen geschickt formulierte Fragen, die man impulsiv mit JA beantworten muss
- diese Reden suggerieren, dass WIR zuerst für UNS selbst schauen müssen

- diese Reden spielen den Trumpf aus, dass alle davor Angst haben, selbst zu kurz zu kommen, wogegen die andern alles gratis bekommen

- diese Reden machen Angst, dass man arbeitslos wird, oder bleibt, weil einem die andern den Job wegnehmen, da sie viel billiger Arbeiten

 

Wer glaubt, der Balkan sei weit weg, und dass so etwas im Westen nicht passieren könne, liegt leider total falsch. Dieselben, geschickt formulierten Phrasen werden von populistischen Parteien auf der ganzen Welt gedroschen. In ganz Europa sind populistische Parteien mit dieser einfachen, aber effizienten Masche momentan sehr erfolgreich. Der Französische Premierminister Valls, der im Dezember 2015 warnte, dass ein Wahlsieg von Marie Le Pen's Front National, zu einem Bürgerkrieg führen könnte, liegt leider absolut richtig. Traurig aber wahr!

 

Wenn eine politische Partei, welche die Menschenrechte abschaffen möchte und mit Wahlslogans wie "Kosovaren schlitzen Schweizer auf" auf Stimmenfang geht, drei Stimmen erhält, sind dies drei zuviel! Wenn eine solche Partei 30% der Stimmen erhält, wie dies in der Schweiz geschehen ist, ist dies mehr, als nur etwas beängstigend! Wo bleibt der Anstand und Verstand und das hohe Bildungsniveau?

 

Terrorismus ist wahrlich eine Gefahr. Nach unserem Besuch in Bosnien und Herzegowina wissen wir jedoch, die grösste Gefahr droht von innen: populistische Parteien und andere rassistische Bewegungen. Zum Glück kann diese Gefahr ohne Blutvergiessen bekämpft werden: wir müssen einfach lernen, vor der Stimmabgabe selbst zu denken, statt uns durch grosse Worte lenken zu lassen!

 


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