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Reisetagebuch Kapitel 21 [September 2009 - August 2010] als PDF
(Skandinavien: charmant zu jeder Jahreszeit )

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Dänemark: ein paar Ferienwochen

Wir trafen am Samstag dem 26. September 2009, von Island her kommend mit der grossen Autofähre Norröna in der Dänischen Hafenstadt Esbjerg ein. Während der letzten Jahre suchten wir im Herbst jeweils nach einem warmen Ort um den Winter zu verbringen, doch dieses Jahr sollte es anders sein! Wir wollten uns der Kälte stellen und entschieden uns, in Skandinavien zu überwintern. Langsam reisten wir nordwärts und verbrachten die meiste Zeit in Ferienhäusern entlang unseres Weges. Bis zum Frühling wollten wir’s bis in die Nähe des Nordkaps geschafft haben, um dann entlang der Norwegischen Küste wieder südwärts zu ziehen. Danach wollten wir den Sommer in Schweden verbringen.

 

Aber starten wir jetzt im September, als wir in Jütland eintrafen. Esbjerg ist eine überraschend hübsche Kleinstadt der etwas Aufmerksamkeit gebührt. Nach den vielen kleinen Orten, welche wir im Atlantik besuchten, empfanden wir hier die Fussgängerzone als riesig, sehr lebhaft und kosmopolitisch.

Wie schon vor unserer Abfahrt mit der Norröna, folgten wir wiederum der landschaftlich sehr schönen Strasse entlang Jütlands Westküste. Vor allem auf dem südlichen Abschnitt wimmelte es immer noch von Deutschen Touristen, welche von und zu ihren Ferienhäusern unterwegs waren. Bis zum Abend erreichten wir denselben Campingplatz etwas Inland bei Humlum, wo wir schon vor 2 Mon. logiert hatten. Hier übernachteten wir im selben alten Hüttchen und überfielen nochmals das grossartige Büffet im Humlum-Kro.

 

Am nächsten Morgen fuhren wir entlang des wunderschönen Limfjordes nach Tranum, wo wir für die nächsten 4 Wochen ein Sommerhaus organisiert hatten. Sommerhäuser sind in Dänemark sehr beliebt und können total unterschiedlich sein. Eine einfache romantische Hütte am Wasser, oder häufiger: ein echtes Luxushaus. Sie werden über mehrere Agenturen vermietet, welche Ferienhaus-Kataloge herausgeben, dicker als Telefonbücher. In der Nebensaison gehen sogar die luxuriösesten zu moderaten Preisen.

Das Haus welches wir ausgewählt hatten, war erst ein Jahr alt. Es hatte 3 Schlafzimmer, 2 Bäder und eine voll verglaste Südfassade. Es hatte nicht weniger als 8 Glastüren, von denen 7 ins Freie führten… Das Wohnzimmer mit der angeschlossenen offenen Küche war sehr gross und sehr hell. Um sicherzustellen, dass die Feriengäste auch richtig ausspannen können, war das Haus mit Geschirrspüler, Waschmaschine, Trockner, einer Badewanne mit Massagedüsen, einer Sauna, Sonnenliegen, Satelliten Fernsehen, DVD Video und Internetzugang ausgestattet. Auf der anderen Seite waren die Schlafzimmer sehr schmal – bei den meisten konnte man aber durch 3 Türen die Flucht ergreifen, falls man Platzangst kriegte… Mit sovielen Annehmlichkeiten die einem hier zur Verfügung standen, sollte man aber nicht meckern und das Tüpfelchen auf dem i war sicher das Sprudelbad im Garten, welches für 6 Personen Platz bot.

 

Ausflüge zu viert in die Umgebung unseres Sommerhauses

 

Nach zehn Tagen gesellten sich Heinz’Schwester Edith und ihr Partner Kari zu uns. Nachdem wir sie vom Flughafen Aalborg abgeholt hatten, verbrachten wir 10 sehr nette Tage zusammen. Neben viel erzählen, kochen und essen, war unser Bad im Jacuzzi jeweils der Höhepunkt des Tages, manchmal noch ergänzt mit einer Schwitzrunde in der Sauna. Wir genossen es auch um den Kamin zu sitzen, den Kari des Öfteren einfeuerte, wenn ihn Edith darum bat. Obwohl Edith und Kari auch gerne ein Buch lasen und sicher mehr Entspannung brauchten als wir, hatten sie immer Energie für Ausflüge. Zwei Mal liessen wir sie allein mit dem Auto losfahren, aber meistens zogen wir zu viert aus, um die Umgebung zu erkundigen. Dabei machten wir lange Spaziergänge am Strand von Tranum und anderen Orten an der Jammerbucht. Wir besuchten das touristische Feriendorf Blokhus und das Städtchen Fjerritslev. Wir waren überrascht, wie viele alte Windmühlen wir in der flachen grünen Landschaft vorfanden. Daneben gab es aber auch viele moderne Windfarmen.

 

Auch die nahegelegene Ortschaft Brovst war mehr als nur unser Einkaufsort. Dänemark hat ja nicht gerade den Ruf einer billigen Destination und gewisse Artikel sind wirklich ziemlich teuer. Allerdings kann Einkaufen recht preiswert sein, denn Dänische Supermärkte offerieren immer wieder riesige Rabatte auf Grossmengen. Wenn ein Artikel z.B. 10 Kronen kostet (€ 1.33/CHF 2), kann es gut sein, dass man für 14 Kronen 3 Stück davon kriegt. Oft ist es sogar noch viel extremer: wenn ein Artikel 30 Kronen kostet, kriegt man für 50 Kronen vielleicht schon 4 davon. Das Unglaublichste war: 1 Stück für 10 DKK oder 5 Stück für 18 DKK! Auch für Fleisch gibt es oft Angebote mit Grosspackungen. Für ein Schweinefilet zahlt man üblicherweise 60-75 Kronen; im Angebot sahen wir aber einmal 3 Filets für 99 Kronen und es kam nicht einmal auf das Gewicht an, denn die kleinste Packung wog 900g und die grösste über 2 kg – aber drei Stück sind drei Stück – also 99 Kronen! Ähnlich verhält es sich mit Früchten die oft zum Stückpreis angeboten werden. Oft kann man zum Einheitspreis von 20 Kronen 8-10 Stück unterschiedlicher Früchte aussuchen. In der Schweiz kriegt man für denselben Preis kaum mehr als ein halbes Kilo Äpfel! Deshalb raten wir allen Touristen in grossen Gruppen über Dänemark „herzufallen“, viel zu essen und im Gepäck immer Platz für das Überzählige freizuhalten.

 

Zurück zu unseren Ausflügen; die schönste Stadt in der Umgebung war sicher Aalborg, wo wir einen vollen Tag verbrachten. Wir genossen die hübsche Fussgängerzone und die vielen historischen Gebäude im Zentrum. In einem nahegelegenen Park stand der Aussichtsturm “Aalborg-Tårnet”. Wir hatten Glück, dass er an diesem Tag noch geöffnet hatte, da dies der letzte Tag der Schulferien war (13.10.09). Die 360° Aussicht dort oben war wirklich grossartig! Wir sahen nicht nur über die gesamte Stadt, sondern auch über den blauen Limfjord, die herbstliche Landschaft und selbst das offene Meer an der Jammerbucht.

 

Ein anderes Mal besichtigten wir die eindrückliche Wanderdüne bei Rubjerg Knude, wo der Leuchtturm langsam aber sicher dem Sand unterliegt. Als der Leuchtturm im Jahr 1900 in Betrieb genommen wurde, stand er 200 Meter vom Ufer entfernt auf einem Hügel. Bis 1968 hatte sich der Sand so hoch vor dem 23 m hohen Leuchtturm aufgeschichtet, dass er vom Meer her nicht mehr sichtbar war. In der Zwischenzeit ist die Düne am Turm vorbei gewandert und geht weiter inland. Auf der anderen Seite wird die Küste jährlich um 1-2 Meter ins Landesinnere ausgewaschen. Die Wellen nagen an den hohen Sandklippen, welche in der Zwischenzeit schon so nah am Leuchtturm sind, dass dieser in naher Zukunft ins Meer fallen wird. In 100 Jahren wurden also 200 Meter Land einfach ins Meer gespült.

 

Am 18. Oktober 2009 brachten wir Edith & Kari zurück zum Flughafen Aalborg. Mittlerweile hatte der Herbst sichtbar Einzug gehalten und die Nächte waren oft frostig. Wir nutzten unsere letzte Woche im Tranum Haus um uns in Schweden und Norwegen ein paar schöne Ferienhäuser zu organisieren um sicher zu stellen, dass wir in den kommenden Wintermonaten ebenfalls stilvoll wohnen können.

 

Kopenhagen: Kurzbesuch in einer wunderschönen Stadt

 

Am 25. Oktober 2009 fuhren wir 450 km durch die herbstlich bunte Landschaft südostwärts nach Kopenhagen. Für drei Tage übernachteten wir in der fast ausgestorbenen Jugendherberge Amager. Diese befindet sich am Stadtrand, ist aber mit dem öffentlichen Verkehr hervorragend ans Zentrum angebunden. Damit besuchten wir die Sehenswürdigkeiten der Dänischen Hauptstadt, auch wenn es oft regnete.

Wir genossen es in der grossen Fussgängerzone und am Wasser beim touristischen Nyhavn zu flanieren. Wir hatten zwar das Gefühlt, dass es schon eher kühl war, doch die meisten Restaurants boten noch immer „al fresco dining“ auf der Terrasse an. Um potentielle Gäste hereinzulocken, wurden Wolldecken und Gaspilze zur Verfügung gestellt.

Wir waren natürlich begeistert, dass wir von so vielen verschiedenen Küchen auswählen konnten, welche die zahllosen Restaurants aus aller Herren Ländern anboten. Einige Mittags-Angebote werden so scharf kalkuliert, dass es kaum billiger ist, sich im Supermarkt selbst etwas zusammenzustellen.

In Kopenhagen findet man eine gute Mischung zwischen gut restaurierten historischen Gebäuden und ultramodernen Bauten der Neuzeit. Nach 2 ½ Monaten im dünn besiedelten Nordatlantik war es für uns ein besonderer Genuss, ins quirlige Treiben dieser Metropole einzutauchen.

 

Wir verliessen Dänemark über die eindrückliche 16 km lange Öresund Verbindung nach Schweden. Die Strasse führt zuerst durch einen Untersee-Tunnel auf eine künstliche Insel. Von dort schwingt sie sich auf eine fast 8 km lange Brücke, welche schwindelerregende 57 Meter hoch über das Meer führt. Die vier Haupt-Pfeiler des beeindruckenden Bauwerks sind über 200 Meter hoch.

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Schweden: ein paar Wochen im Herbst

Auf der Schwedischen Seite der Öresund Brücke brachte uns die Schnellstrasse bald ins Stadtzentrum von Malmö, welches wir am 28. Oktober 2009 besichtigten. Mit 280‘000 Einwohnern, die sich aus 150 Nationen zusammensetzen, ist Malmö die drittgrösste und auch multikulturellste Stadt des Landes. Als erstes besuchten wir das Stadtzentrum mit vielen schönen historischen Gebäuden. Auch die Altstadt Gamla Staden, sowie der alte Fischerhafen in der Nähe des Schlosses sind sehr reizvoll. Gleich neben dem Schloss befindet sich eine alte Windmühle. Sie steht in einem Park, welcher in den schönsten Herbstfarben leuchtete.
Es gibt aber auch beeindruckende Gebäude der Neuzeit, wie den Wolkenkratzer „turning torso”, welcher erst 2005 fertiggestellt wurde. Der berühmte Spanische Architekt
Santiago Calatrava hat dieses 190 Meter hohe Gebäude, welches von unten bis oben um 90° verdreht ist, entworfen.

 

Noch bevor wir die Stadt um 16:00 Uhr wieder verliessen, konnten wir schöne Fotos im Dämmerlicht machen. Als wir im Regen weiterfuhren, war es gegen 17:00 Uhr schon recht dunkel.

 

Nach einer Stunde trafen wir in Helsingborg ein, wo wir für die nächsten drei Nächte ein Zimmer in einer kleinen Pension gebucht hatten. Die Stadt mit ihrer langen Strandpromenade ist sehr einladend. Nach Sonnenuntergang wirkt die Altstadt (Gamla Stan) mit ihren vielen Geschäften und Restaurants entlang der mit Kopfstein gepflasterten Gassen ganz besonders attraktiv. Die schönsten und zugleich auffälligsten Gebäude sind das Rathaus, sowie der eckige Turm Kärnan. Zusammen mit den imposanten Stufen die sich romantisch zwischen Torbögen und Rundtürmen hinaufschwingen, bildet er die letzten Überbleibsel einer Burg, die einst über der Stadt thronte. Man muss der Burg aber nicht allzu stark nachtrauern, denn das Rathaus mit seinen dutzenden kleinen Türmchen macht den Verlust wett. Das imposante rote Backsteingebäude strahlte im flachen Sonnenlicht; ein wirklich beeindruckender Anblick!

 

Die Fähren, welche die nur 4 km breite Meerenge nach Dänemark überbrücken, legen direkt im Stadtzentrum an. Helsingborg hat einen bunten Markt und mehrere Parks. In Erwartung der Wintertemperaturen liess die Stadtverwaltung ihre Blumenständer mit Zierkohl bepflanzen.

 

Sehenswürdigkeiten ausserhalb Helsingborgs

 

An unserem zweiten Tag schwärmten wir aus um die Umgebung zu erkunden, zuerst zu Fuss, dann mit unserem fahrbaren Untersatz. Auf unserem Spaziergang zum Sofiero Schloss im nordwesten der Stadt, bewunderten wir die bunten Herbstbäume. Buchen, Eichen und Birken zeigten ein Feuerwerk goldbrauner Farben, in Konkurrenz mit kleineren Büschen die mit Rot und Grüngelb auftrumpften. Mitten aus dieser Farbpalette heraus leuchteten die roten Backsteinmauern des Schlosses über dem glitzernd blauen Meer.

 

Hungrig von diesem langen Marsch kehrten wir in Helsingborgs Winterbad Palsjö zum Mittagessen ein. Vom hervorragenden Restaurant sahen wir auf das einzigartige Badehaus. Es besteht aus 36 kleinen Strandhäuschen, sowie ein paar grösseren Gebäuden, welche alle ein paar Meter vom Ufer entfernt, auf Pfählen über dem Wasser thronen. Die Leute gehen im Winter dorthin um sich in der Sauna aufzuheizen und danach im kalten Meer abzukühlen. Während unseres Essens sahen wir alle paar Minuten jemanden die Leiter hinunter steigen und nackt ins Wasser eintauchen.

 

Anschliessend fuhren wir zum malerischen Kulla Peninsula, wobei wir an der wunderschönen alten Windmühle Kullabygden bei Höganäs und im hübschen Fischerdorf Mölle vorbeikamen. An der Spitze der Halbinsel befinden sich das Kullaberg Naturreservat und ein Leuchtturm. Wir mussten uns beeilen, denn Ende Oktober geht die Sonne schon früh unter. Eine magische Landschaft mit steilen Klippen und windgeprüften Bäumen umgab uns. Das Meer schimmerte in einem Spektrum von Pastelltönen und wir genossen diesen bezaubernden Sonnenuntergang sehr.

 

Stilvolles Ferienhaus in Skavböke

 

Am 31. Oktober 2009 fuhren wir nach Skavböke, etwa 30 km nordöstlich von Halmstad, wo wir für die nächsten 4 Wochen ein Ferienhaus arrangiert hatten. Obwohl sich dieses von aussen nicht viel von einer Hütte auf einem Campingplatz unterschied, sah es innen schon fast aus wie ein Designer-Haus. Das Wohnzimmer war bis unters Dach offen und daran angeschlossen befand sich eine offene Küche und ein Essplatz. Das Schlafzimmer war alles andere als klein, aber trotzdem nur knapp grösser als das Badezimmer. Eine Wendeltreppe führte ins Obergeschoss, wo sich zwei offene Schlafzimmer befanden. Das eine lag über dem grossen Schlafzimmer und dem Bad, das andere auf der gegenüberliegenden Gebäudeseite, direkt über dem Gartensitzplatz. Die beiden Zimmer waren durch eine Brücke verbunden, die sich über das Wohnzimmer schwang. Alles war modern dekoriert, vor allem in Schwarz und Weiss.

Das Haus war Teil einer Farm, der junge Besitzer (in unserem Alter) der es gebaut hatte, lebte aber von seinem Baugeschäft, welches offensichtlich auch sein Hobby war. Er wäre sicher auch ein guter Architekt geworden.

 

Wir nutzten unsere Zeit in diesem modernen Haus vor allem dazu, den Reisebericht über unsere Nordatlantik-Reise zu erstellen. Dafür war es hier perfekt, denn das Wetter war es meist nicht. Während des ganzen Novembers war es meist regnerisch und stürmisch, mit launischen Temperaturen zwischen -10°C und +10°C. An den wenigen sonnigen Tagen machten wir Spaziergänge in den nahen Wald und staunten, dass es die Sonne nicht mehr über die Baumwipfel schaffte. Sie ging auch täglich merklich früher unter und an den meisten (wolkigen) Tagen wurde es noch bevor der Monat endete, gegen 15:00 Uhr schon dunkel.

Dies hatte natürlich auch seine guten Seiten. So konnten wir bei unserem Ausflug nach Halmstad schon gleich nach dem Frühstück schöne Aufnahmen mit Dämmerlicht machen. Diese lebhafte Stadt bietet gute Einkaufsmöglichkeiten und wurde gerade weihnächtlich dekoriert. Hier konnten wir auch ein Set guter Occasions-Spikes-Reifen aufziehen lassen, welche uns sicher durch den Skandinavischen Winter bringen sollten. Auf dem Rückweg zu unserem Ferienhaus sahen wir drei Elche die Strasse überqueren. Nur schade, dass es zu dunkel war um mit der Kamera auf sie zu zielen.

 

Als unsere Zeit hier vorbei war, fuhren wir Richtung Norwegen. Während eines kurzen Stopps an der Bohuslän Küste merkten wir sehr schnell, dass hier um diese Jahreszeit tote Hose herrscht. So mussten wir auf das ausgemalte stilvolle Mittagessen am Meer verzichten und mit einer simplen Pizzeria im Dorf Ljungskile vorlieb nehmen.

 

In Strömstad, kurz vor der Norwegischen Grenze, war hingegen wieder einiges los. Die Norweger pilgern für „billige“ Geschäfte, Restaurants und/oder Besäufnisse hierher. Man sah hier fast mehr Norwegische als Schwedische Autos. Strömstad ist ein charmantes Städtchen am Meer, welches sich in der Dämmerung besonders schön präsentiert.

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Norwegen: drei Winterwochen im Kvitfjell

Am 28. November 2009 kamen wir über die Grenzbrücke bei Halden nach Norwegen. Nach kurzer Zeit erreichten wir die Jugendherberge Tuneheimen in Sarpsborg, wo wir ein Zimmer reserviert hatten, da wir nicht allzu lange im Dunkeln fahren wollten. Wenn es aber darum geht, die Sehenswürdigkeiten der Region anzusehen, sieht die Sache wieder anders aus: die kurzen Tage sind für uns keine Entschuldigung die touristischen Höhepunkte auszulassen. Diese können nach Sonnenuntergang sogar noch idyllischer wirken als bei Tageslicht. So fuhren wir zur historischen Altstadt Fredrikstads: „Gamle Byen“. Dort gibt es viele gut unterhaltene Holzgebäude mit bis zu vier Stockwerken. Darunter fanden wir auch ein gutes Restaurant, wo wir ein traditionelles Norwegisches Weihnachtsmahl genossen.

Als wir in die Jugendherberge zurück kamen, wimmelte es im Korridor von Leuten in Frack und Abendkleidern. An diesem Abend war der Speisesaal für eine Feier gebucht. Wie viele Jugendherbergen in Skandinavien war auch dieses „Vandrarhjem” eher ein Konferenz- und Veranstaltungs-Zentrum mit einem Gästehaus, welches dem Internationalen Jugendherbergsverband angeschlossen ist, als ein Treffpunkt Weltreisender. Einige Alleinreisende finden es vermutlich befremdend, dass sie hier eher unter Geschäftsleuten und einheimischen Familien sind, als unter Weltenbummlern. Für NOK 670 (€ 80) kriegten wir ein Doppelzimmer mit eigenem Bad und ein grossartiges Frühstücks-Büffet mit einem üppigen Angebot an leckeren Speisen. Dieses ermöglichte es uns, mehrere Käsesorten zu probieren, welche man sonst in Skandinavischen Supermärkten nur in ein- und zwei-Kilo-Packungen findet.

Am nächsten Tag fuhren wir über Nebenstrassen Richtung Kvitfjell, nördlich von Lillehammer. Als wir losfuhren, war die Landschaft noch grün, doch nördlich von Oslo war sie schon etwas schneebedeckt und die Seen waren entlang ihrer Ufer bereits gefroren. Zu dem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass wir für die nächsten fünf Monate nur noch von weissen Landschaften, sowie gefrorenen Seen und Flüssen umgeben sein würden.


Ferienhaus im Schnee

 

Sobald wir die E6 verliessen, waren die Strassen mit Glatteis bedeckt und unsere Spikes-Reifen konnten sich bereits zum ersten Mal beweisen. Bei Ankunft in unserem Ferienhaus in Fåvang war es eiskalt und viele Eiszapfen hingen vom Dach. Innen war es jedoch herrlich warm, denn man hatte uns die Bodenheizung bereits am Vortag eingeschaltet. Die Holzwände und Decken machten dieses Haus zwar heimelig, aber auch etwas dunkel. Hier hatten wir dafür mehr Platz und Luxus als wir brauchten, denn es bot Geschirrspüler, Sauna und Solarium.
Dieses Ferienhaus war super gelegen; nur ein paar hundert Meter vom Dorfzentrum Fåvangs entfernt. Dort fanden wir neben mehreren Supermärkten auch eine sehr gute Bäckerei und freuten uns so doppelt auf die nächsten drei Wochen.

 

Das Tal war zwar schneebedeckt, aber es lagen kaum 10cm. Ausser einer kurzen Periode mit etwas weniger kalten Temperaturen, zeigte das Thermometer meist etwas zwischen 12°C und 29°C unter dem Gefrierpunkt an. So konnten wir sowohl das Zufrieren des Troms Baches in Fåvang, als auch des Flusses durch das Gudbrandsdalen, der hier zum Lagen See wird, miterleben. Das Eis auf dem See bestand aus flachen Eisplatten, doch da der Fluss darunter in Bewegung war, rieben sie sich aneinander und stellten sich wie Keilstücke auf. Dies sah man vor allem entlang der Bruchkanten, welche sich wie lange dunkle Fäden über den See zogen. Beim schnell fliessenden Fluss Troms bot sich ein ganz anderes Bild. Um jeden grösseren Stein im Wasser gefror das Eis zu vielfältigen Formen, welche sich täglich veränderten. Am Anfang war der Fluss erst entlang des Ufers gefroren. Um die Steine, welche nur ganz knapp unter der Wasseroberfläche lagen, bildeten sich flammenförmige Eisplatten. Nur zwei Tage später waren die Steine unter Wasser von wulstigen Eisgebilden umgeben bis schlussendlich alles zufror.


Ausflüge ins Winter Wunderland

 

Nur 10km nördlich von Fåvang befindet sich Ringebu, eine grössere Gemeinde mit vielen Einkaufsmöglichkeiten und was für Touristen noch interessanter ist; einer der grössten und bedeutendsten Stabkirchen Norwegens. Sie wird in einem Dokument aus dem Jahre 1220 zum ersten Mal erwähnt und wurde im Laufe der Zeit mehrmals restauriert. Stabkirchen gehören zu den ältesten Holzgebäuden die heute noch existieren und den Namen gab man ihnen aufgrund ihrer Stabbau Architektur, bei der die Last des Gebäudes auf senkrecht stehenden "Stäben" ruht, welche mit Querträgern verbunden sind.

 

Im Dezember sah Ringebu dank seinen Weihnachtsdekorationen besonders ansprechend aus. Sowohl Strassen, als auch viele Fenster der Wohnhäuser waren hell beleuchtet.

 

Das Besuchermagnet der Region ist sicher das Kvitfjell (bedeutet einfach weisser Berg) das sowohl für seine Skipisten, als auch zum wandern bekannt ist. Brigitte hatte anfänglich etwas bedenken, ob wir es mit unserem Wagen dorthinauf schaffen würden, da die Strasse nicht nur sehr steil sondern auch sehr eisig war. Heinz steuerte unser Auto aber souverän zum Parkplatz inmitten der tief verschneiten Berge hinauf. Schon unterwegs machten wir einen ersten Halt, da wir an einer hohen Felswand vorbeikamen die fast gänzlich mit riesigen Eiszapfen behangen war. Nicht nur die Eiszapfen waren faszinierend, sondern auch die vereisten Zweige der Büsche unterhalb des Felsens. Sie waren von einer dicken transparenten Eisschicht umgeben, die etwa zehnmal so dick war, wie die Zweige selbst.

Hier in den Bergen hatte es viel mehr Schnee als in Fåvang, welches bloss ein paar hundert Meter tiefer liegt. Die Tannen waren dick mit Schnee bedeckt; es war ein echtes Winter-Wunderland! Wir freuten uns über die vielen Spazier-Möglichkeiten auf den Erschliessungs-Strässchen zu den Ferienhäusern die gepflügt, aber weiss belassen waren.


Die Wände vieler Ferienhäuser waren so stark mit Frost behaftet, dass sie fast weiss erschienen. Dies gab ihnen ein märchenhaftes Aussehen, vor allem denjenigen, deren Holzbalken mit Schnitzereien verziert waren. Das Thermometer zeigte jetzt nur noch etwa 15°C Minus, doch diese fühlten sich dank der trockenen Luft viel wärmer an.

Kvitfjells Skipisten wurden Tag und Nacht beleuchtet, waren aber momentan noch alles andere als überfüllt. Ein Besuch lohnt sich aber auch für Nicht-Skifahrer. Von einem Punkt aus hatten wir uneingeschränkte Sicht über das Gudbrandstal, hinüber zu den baumlosen Gipfeln in den Nationalparks Dovrefjell und Rondane. Ein paar Sonnenstrahlen erleuchteten diese Gebirgskette, sodass sie in einem unwirklichen Licht wie „Schnee-Dünen“ leuchtete.


Kvitfjell West

 

Zwei Tage später brachen wir erneut ins Kvitfjell auf, diesmal an die westliche Flanke. Auch hier drehte sich jetzt alles ums Skifahren, obwohl es hier nicht ganz so viele Lifte gibt. Die Landschaft ist allerdings ebenso beeindruckend! Wir befanden uns etwa an der Baumgrenze, aber hier hatte es noch Mischwald: Birken und Tannenbäume, die alle mit dickem Raureif überzogen waren. Die Bäume bogen sich unter ihrer Schneelast und selbst die Stämme waren buchstäblich in Schnee und Frost gehüllt. Es war magisch hier zu spazieren, doch wir mussten uns an die gepflügten Pfade halten, da wir sofort Hüfttief im Schnee versanken, sobald wir nur einen Schritt daneben machten.

 

Skipisten und Langlaufloipen kreuzten die Strassen oft über Brücken. Obwohl es bereits Mitte Dezember war, waren noch 95% der Ferienwohnungen und Aparthotels leer. Die meisten Hotels standen immer noch vor der Saisoneröffnung. Kaum vorstellbar, dass in nur 10 Tagen der Weihnachtsrummel in vollem Gang sein sollte.

Hier oben schien die Sonne deutlich länger als unten im Tal. Das heisst, sie ging etwa um 14:00 Uhr unter, wogegen wir sie von unserem Ferienhaus aus etwa ab 10:30 Uhr für nur 100 Minuten sahen, denn schon um 12:10 Uhr verschwand sie wieder hinter einem Hügel. Es waren nicht nur wenige Sonnenstunden, die Sonne stieg auch nie hoch über den Horizont. Während wir den Sonnenschein genossen, fiel es uns nicht auf, dass hier das Licht so viel weniger intensiv ist, als beispielsweise in der Schweiz. Den Skandinaviern hingegen fällt dies schon auf und deshalb sind die Skipisten auch tagsüber voll beleuchtet. Handwerker benutzen starke Scheinwerfer, selbst wenn sie in der Mittagssonne an einer Fassade arbeiten. Bei bewölktem Wetter fiel es auch uns auf, wie dunkel es eigentlich ist. Wir waren überrascht von wie weit her wir die Scheinwerfer entgegenkommender Fahrzeuge selbst am Mittag wahrnahmen.

Sobald wir in unser Holzhaus eintraten, hatten wir das Gefühl es sei selbst dann noch dunkel, nachdem wir das Licht einschalteten. Wir fanden eine Studie die belegt, dass es die Sonne während des Winters nicht einmal in Deutschland schafft, soviel Licht auf die Erde zu strahlen, dass der Körper genügend Vitamin D produzieren kann um einen positiven Effekt zu erzeugen. Je weiter nördlich die Menschen leben, desto mehr sind sie davon betroffen. Viele Skandinavier leiden unter Winterdepression (SAD = Seasonal Affective Disorder), ausser Isländer. Von ihnen nimmt man an, dass sie dank ihres hohen Fischkonsums nicht davon betroffen sind.

Das coole Venabygdsfjell

 

Ein weiterer Ausflug führte uns aufs Venabygdsfjell, wo wir eine phantastische Sicht auf die Kette der weissen Gipfel in den Dovrefjell- und Rondane Nationalparks hatten. Von hier aus sahen sie noch viel spektakulärer aus als vom Kvitfjell, da sie uns hier um einiges näher waren. Auch hier lag sehr viel Schnee und die Bäume waren mit Raureif dekoriert, der sich wegen des Windes allerdings nur auf der einen Seite der Äste ansetzte. Mancherorts sah der Raureif aus wie eine steife Fahne, da er zehnmal so breit sein konnte wie der Ast an dem er sich kaum sichtbar festhielt.

Auch hier gab es unzählige tolle Fotosujets, doch manchmal war es fast unmöglich ein Bild zu machen, ohne dass unser Schatten darin sichtbar war. Wegen der tief stehenden Sonne konnte er auch um die Mittagszeit bis 20 Meter lang sein. Das Venabygdsfjell liegt auf 920 Metern über Meer und die Temperatur lag mittlerweile bei 25°C unter dem Gefrierpunkt. Sogar mit langer Unterwäsche fühlte sich dies empfindlich kalt an und jedes Mal wenn wir unser Auto für mehr als ein paar Minuten verliessen, begannen die Scheiben auch innen zu gefrieren. Stellt Euch vor wie überrascht wir waren, als wir sahen, dass der Campingplatz geöffnet hatte und der Schnee zwischen den ~50 Wohnwagen der Dauermieter sauber geräumt war. Viele Vorzelte und Wohnwagen waren weihnächtlich dekoriert und sahen überhaupt nicht verlassen aus. Auf unserer Rückfahrt kreuzten wir ein paar Touristen aus Deutschland und Norwegen, die ihre Wohnwagen im Schlepptau hatten; das sind die wirklich hartgesottenen Camper!

 

Noch am selben Abend sank die Temperatur auch bei unserem Ferienhaus im Tal auf Minus 30°C. Nach dem Schwitzen in der Sauna rannten wir aber trotzdem barfuss bis zum Hals hinaus in den Schnee. Die Kälte versuchte aber richtiggehend ins Haus hinein zu kriechen; sogar die gut isolierten dreifach-verglasten Fenster gefroren entlang der Ränder. Um das Schlüsselloch setzte sich auch im Innern des Hauses Frost an, genauso wie an allen Lüftungsschlitzen in den Wänden. Um es angenehm warm zu halten, mussten wir die Heizung noch mehr aufdrehen, was bei unserer Abreise nach 3 Wochen mit € 300 zu Buche schlug.

Bei unserer Rückreise nach Schweden kamen wir erst durch Schneegestöber, aber etwas weiter südlich schien zum Glück wieder die Sonne. Wir waren überrascht, dass die Hauptverbindungsstrasse E6, welche streckenweise eine Autobahn ist, direkt durch Oslo’s Stadtzentrum führte.

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Schweden im Winter: kalt aber wunderschön

Als wir am 19. Dezember 2009 zurück nach Schweden kamen, war alles weihnächtlich geschmückt. Ganz im Gegensatz zu den Schweizern, welche allabendlich ihre Vorhänge ziehen damit niemand in die Wohnung sehen kann, lieben es die Skandinavier und die Schweden im Besonderen, ihre Fenster nach aussen hin zu dekorieren. Hier in Nordeuropa sind sie eigentlich vor allem als Schaufenster für die Nachbarn gedacht. Wenn es einmal Vorhänge hat, dienen diese nur als Rahmen um die „Ausstellung“. Stilvolle Ausstellungsobjekte werden ins Fenster gestellt und dass man sie auch nachts sieht, gehört ein Beleuchtungskörper dazu. Üblicherweise gibt es in jedem Fenster eine Lampe und diese sind auch dann eingeschaltet, wenn niemand zu Hause ist.

Die Dekorationen werden der Jahreszeit angepasst und zur Weihnachtszeit werden die Lämpchen im Fenster mit Julstake‘s ersetzt. Dies sind elektrische Kerzen, welche auf einer Art Torbogen stehen. Die meistverbreiteten bestehen aus 7 Kerzen und sie leuchten überall; sogar in unbewohnten verlassenen Gebäuden, oder in Ferienhäusern die den ganzen Winter über leer stehen. Auch aussen werden die Häuser oft wunderschön dekoriert und deshalb ist es im Dezember besonders lohnenswert, nachts durch Schwedische Dörfer und Städte zu schlendern, da sie dann noch ansprechender aussehen.


Ferienhaus in Färgelanda

 

Es war bereits dunkel als wir in unserem Ferienhaus bei Färgelanda, nordöstlich von Göteborg eintrafen. Vor und im Haus brannten Kerzen und die Fenster waren mit ‚Julstakes‘ dekoriert. Obwohl das Haus einem Deutschen Paar gehört, war es so schwedisch dekoriert wie es nur sein kann. Es war fast, als ob wir in einen weihnächtlichen Themenpark eintreten würden. Als Kerzenhalter dienten grosse oder kleine Zwerge und Nikoläuse und dazu gab es einen winzigen aber echten Weihnachtsbaum, sowie Tischläufer, Tischsets und Geschirr mit Weihnachtsmustern. Das Haus erschien von aussen recht klein, weil die beiden Zimmer aber je ein ganzes Stockwerk einnahmen, fühlte es sich grosszügig an. Für Sommergäste hatte man ein zusätzliches Schlafzimmer angebaut. Dieses war aber nicht so gut isoliert wie der Rest des Hauses. In diesem ungeheizten Zimmer fielen die Temperaturen regelmässig unter den Gefrierpunkt, obwohl der Raum auf der anderen Seite der dünnen Holztür auf 20°C aufgeheizt war.

Das Ferienhaus steht am Waldrand direkt neben dem Haus der Besitzer, hat aber nur wenige andere Nachbarshäuser.

 

In der Woche vor unserer Ankunft war in Südschweden der erste Schnee gefallen und alles lag nun unter einer weissen Decke. Es war schon so kalt, dass die Seen zufroren. Während unseren 17 Tagen in Färgelanda, konnten wir beobachten wie das Eis auf dem nahegelegenen See dicker wurde. Zu Beginn schimmerte es noch im Sonnenlicht und es gab Streifen aus Raureif quer über den See. Nachdem mehr Schnee gefallen war, schlossen sich die letzten der witzigen sternförmigen Löcher und das Eis wurde bald ebenfalls von Schnee bedeckt, wonach man das Ufer kaum noch ausmachen konnte.


Schneemassen bringen Freud und Leid

 

In der Tat kam am Weihnachtstag so viel Schnee, dass sich viele Bäume unter der Last bogen und sogar brachen. Da viele Stromleitungen auf Masten durch die Wälder geführt sind, wurden etliche durch umgefallene Bäume unterbrochen.

Nur ein paar Minuten nach dem ersten Stromunterbruch erkundigten sich die Besitzer unseres Ferienhauses, ob wir Taschenlampen und weitere Kerzen benötigten. Nebenbei erwähnten sie, dass wir am nächsten Morgen bei ihnen einziehen könnten, falls der Stromunterbruch bis dahin nicht behoben sei, da sie mit Holzöfen und einem Generator ausgestattet sind.

 

Wir machten uns keine Sorgen da wir uns sicher waren, dass der Strom schon bald wieder funktionieren würde, aber da irrten wir uns gewaltig! Am nächsten Morgen brachten uns die Eigentümer Tost, gekochte Eier, sowie eine Thermos-Flasche voll Kaffee und informierten uns, dass sie nun ihr Gästezimmer für uns bereit machen würden. Um uns aufzuwärmen gingen wir auf einen langen Spaziergang und als wir zurückkehrten, insistierten unsere Vermieter, dass wir jetzt in ihr Haus kommen sollten, da es in unserer Hütte ohne Strom inzwischen zu kalt sei.

 

So begaben wir uns in ihr Untergeschoss, wo man uns sowohl ein Wohn- als auch ein Schlafzimmer hergerichtet hatte. Wenn es eine zweite Nacht ohne Elektrizität gäbe, sollten wir da schlafen. Sie heizten den Kamin so stark ein, dass wir fast das Bedürfnis bekamen uns auszuziehen. Nun hatten wir also genug Licht und mehr als genug Wärme, doch wir mussten uns was einfallen lassen, wie wir das Abendessen zubereiten sollten, da der Generator für den Kochherd nicht genug Strom lieferte. Glücklicherweise hatte Brigitte gestern noch zwei Brote gebacken und zudem hatten wir eine grosse Wurst, welche unsere Vermieterin in einer Pfanne auf dem Holzofen aufwärmte. Nach etwa 40 Stunden war die Stromleitung am nächsten Morgen gegen 10 Uhr wieder repariert.

 

Die Aussentemperaturen lagen bei etwa 20°C unter null und alle Heizkörper liefen auf vollen Touren. Kaum war es in unserem Haus wieder angenehm warm, fiel der Strom noch am selben Abend erneut aus. Inzwischen hatten unsere Vermieter Freunde zu Besuch, die über Neujahr blieben und so waren ihre Gästezimmer nun besetzt. Um uns zu retten, fuhren die Eigentümer unverzüglich in die nächste Stadt, kauften Kabel, bohrten ein Loch und installierten für unser Haus ebenfalls eine Notstrom-Versorgung. Nach noch einmal 40 Stunden mit kalten Mahlzeiten, lief die öffentliche Stromversorgung schlussendlich wieder an.

 

Die Schneefälle endeten und die Sonne zeigte sich wieder. Nachdem wir unser Auto ausgegraben hatten, machten wir Ausflüge in die märchenhafte Winterlandschaft. Wir mussten nicht weit ausschwärmen um zu sehen, wie viel Schaden der Schnee den Wäldern und konsequenterweise auch den unzähligen Stromleitungen zugefügt hatte. Wo immer wir hinkamen, sahen wir umgeknickte Bäume und Mitarbeiter des Schwedischen Stromversorgers Vattenfall, die emsig Leitungen flickten. Schon fast Armee-mässig durchkämmten sie die Wälder mit Kleinpanzern auf der Suche nach weiteren unterbrochenen Stromleitungen. Nachdem wir dies gesehen hatten, waren wir fast überrascht, dass wir nur noch drei weitere Stromunterbrüche erdulden mussten und diese waren alle recht kurz.

 

Abgesehen davon, war es unglaublich schön über die weissen Strassen zu fahren und die tief verschneite Landschaft zu bewundern. Dank dem viele Einheimische nun mit Kettensägen unterwegs waren, um allfällige Bäume aus dem Weg räumen zu können, kamen wir überall durch. Die Flüsse und Seen leuchteten zwar nicht mehr in ihrem kontrastreichen Blau da sie gefroren waren, die hübschen Schwedenhäuser hingegen erschienen nun in einem viel stärkeren Kontrast zu ihrer verschneiten Umgebung. Die typisch roten und gelben Häuser leuchteten richtiggehend im goldenen Licht der tiefstehenden Wintersonne. Die Bäume bogen sich nicht nur vor lauter Schnee, sie waren auch mit einer dicken Schicht Raureif überzogen, was sie noch schöner machte. Die Kälte machte uns nichts aus, da wir von dieser faszinierenden Landschaft kaum genug kriegen konnten. Mit den Spikes-Reifen war es einfach, auf den kleinen schneebedeckten, aber gut gepflügten Strassen herumzukurven. Sie waren sehr griffig und wir kamen nie ins schleudern.

 

Vor unserem Ferienhaus bauten wir aus den Schneebergen einen Eisberg mit Loch, welcher uns an die Zeit in Grönland erinnern sollte. Und weil noch mehr Schnee kam, honorierte Brigitte auch Island, indem sie einen Vulkan formte dessen Krater sie nachts mit einer Kerze befeuerte (ohne Einschränkungen des Flugverkehrs)...

 

Bohuslän und Dalsland

 

An einem sonnigen Tag schwärmten wir aus, um zwei der schönsten Dörfer der Bohuslän-Küste zu besuchen: Smögen und Fjällbacka. Es war sehr ungewöhnlich, Smögens Bryggan (Seebrücke) ganz für uns alleine zu haben. Jetzt war sie mit einem Hauch von Schnee überzogen, wogegen sie im Sommer regelrecht von Touristen überschwemmt wird.

Im touristischen Teil Smögens sahen wir nur ein paar Schlittschuhläufer die sich auf den gefrorenen Teichen zwischen den Felsen vergnügten. Mit der tiefstehenden Wintersonne sahen die sich spiegelnden Häuser entlang des Hafens nun besonders schön aus. Entlang Smögen’s Hafenpromenade reihen sich Souvenir-Shops und Cafés aneinander, aber alle waren geschlossen. Nur das Dorfzentrum war belebt und die Leute gingen dort ihrem täglichen Trott nach.

 

In Fjällbacka war es ähnlich; unzählige geschlossene Touristen-Geschäfte aber keine Urlauber. Als wir um 15:00 Uhr dort eintrafen, war der Zeitpunkt gerade richtig um schöne Bilder im Abendrot zu machen. Die Häuser die sich an den Hang oberhalb des Wassers schmiegen, leuchteten richtiggehend im letzten Abendlicht - es war einfach magisch! Fjällbackas grosser Sportshafen war nun leer. Das Meer dampfte als Zeichen dafür, dass es wohl bald einfrieren würde. Hier lagen zwar nicht die Schneemassen wie in Färgelanda, 70km im Landesinnern, doch Fjällbacka fühlte sich kälter an.

 

Ein anderer Ausflug führte uns zum Aquädukt und den Schleusen von Håverud am Vänernsee. Hier kreuzen sich eine Strassen-, eine Eisenbahn- und eine Kanalbrücke auf verschiedenen Ebenen. Das Aquädukt wurde 1868 als Teil des Dalsland-Kanals gebaut. Nach der Durchquerung des Aquädukts müssen die Boote 4 Schleusen passieren, bevor sie das Niveau des Vänernsees erreichen. Im Sommer ist es interessant, die Boote zu beobachten, doch jetzt fror alles zu.

 

Wir fuhren weiter nach Köpmannebro, wo sich die Ferien- und Farmhäuser gerade magisch im Wasser spiegelten, welches erst am Rand gefroren war. Als wir in Mellerud eintrafen, schmunzelten wir über die Verkehrskreisel, die mit mehreren Dutzend Kerzen beleuchtet waren, die im Schnee standen. Somit fühlte man sich im Kreisverkehr, als ob man um eine gigantische Geburtstagstorte fahren würde. Später fiel uns auf, dass viele Gemeinden ihre Plätze, Brücken und Kreisel abends jeweils mit brennenden Kerzen schmücken. In Schweden ist es sehr beliebt in den langen Winternächten Kerzen anzuzünden, sei es vor Haustüren oder Geschäften. Teelichter brennen auf jedem Tisch und auf jedem Fenstersims und wir wundern uns, ob IKEA wohl mit Kerzen oder mit Möbeln mehr Umsatz macht.

 

Schon stand Sylvester vor der Tür. Um das für uns besonders erlebnisreiche Jahr 2009 gebührend zu verabschieden, bereiteten wir uns eine speziell gute Mahlzeit zu: Fondue Chinoise mit vielen verschiedenen Saucen. Zu unserer Überraschung zündeten unsere Vermieter um Mitternacht ein (halb-professionelles) Feuerwerk.

Wir genossen noch ein paar weitere Tage in Färgelanda und machten viele Spaziergänge durch den Wald oder zum gefrorenen See. Wir mussten zwar nicht einmal das Haus verlassen um Rehe zu sehen; während des ganzen Winters sahen wir sie regelmässig zwischen den Häusern oder auf offenen Feldern, oft sogar mitten am Tag. Die schlauen Kerle wissen wohl, wann die Jagdsaison vorbei ist…

Dank dem das Wetter schön blieb, gingen wir noch ein paar Mal auf Entdeckungsfahrt, fanden den Skihügel des Dorfes, bewunderten noch mehr der wunderschönen Schwedischen Häuser und freuten uns über die magischen Szenen, welche die Auennebel über die sonnige Landschaft zauberten.


Zwei Tage um Örebro

 

Am 5. Januar 2010 zogen wir ostwärts weiter nach Örebro, welches etwa in der Mitte zwischen der Westküste (Göteborg) und Stockholm liegt. Örebro ist eine hübsche Stadt mit 130‘000 Einwohnern und sie präsentierte sich im Winter besonders ansprechend. Im ganzen Zentrum waren die Strassen geräumt aber immer noch weiss und so war es sehr einfach, auch nach Sonnenuntergang noch gute Aufnahmen zu machen. Schneeberge türmten sich überall und beschränkten die Zirkulations- und Parkflächen. Bei Temperaturen von minus 20 Grad erwies sich unsere Jugendherberge im Stadtzentrum als ideal.
Die vielen Plätze und breiten Strassen waren von historischen Gebäuden gesäumt und immer noch weihnächtlich dekoriert. Im Rathaus diente jedes Fenster als Teil eines Advents-Kalenders, wo jeden Tag ein neues Bild aufgedeckt worden war. Auf einem anderen Platz stand ein riesiger „Jul Bok“, ein Ziegenbock aus Tannenzweigen. Er gilt als Beschützer-Symbol zu Weihnachten. Als nicht Saison-abhängige Sehenswürdigkeiten bieten sich das Vasa Schloss und Wadköping an. Das Schloss dient heute der Regierung als Bürogebäude. Im Museums-Dorf Wadköping werden im Sommer Leute angestellt um ein althergebrachtes Leben in traditioneller Kleidung zu mimen. Jetzt hatte es natürlich keine Statisten, doch das Museumsdorf war geöffnet und wir konnten nicht nur zwischen den schiefen alten Holzhäusern umher spazieren, sondern auch in einige eintreten um die Ausstellungen und die Eisblumen an den Fenstern zu bewundern. Ein Besuch in Wadköping war auch im Winter lohnenswert.

 

Nach zwei Tagen fuhren wir nach Nora weiter. Dort besuchten wir zuerst das stillgelegte Eisenbergwerk Pershyttan mit seinem Bergmansbyn (Arbeiterdorf) dessen rote Gebäude sich gut vom Schnee abhoben.

Auch Nora selbst ist bekannt für seine schönen Holzgebäude und diese sind wirklich sehr hübsch, obwohl es in ganz Schweden überall schöne Städtchen gibt. Nora liegt wunderschön an einem nun gefrorenen See. Während des Sommers bringt ein Touristenzug die Besucher zum alten Eisenbergwerk. So ist es kaum verwunderlich, dass es hier viele Unterkünfte und Restaurants gibt. Im Gegensatz zu anderen Urlaubszielen waren hier aber auch jetzt alle Lokale geöffnet.

 

Mit so einem Überangebot, aber fast keinen Touristen, war es kaum verwunderlich, dass die Preise für Mittags-Angebote noch tiefer lagen, als sie sonst in Schweden schon sind. Die günstigsten Mittagessen wurden für SEK 45 (€ 4.50) angeboten und bestanden aus einem Salat, einem frisch zubereiteten Hauptgericht (Pizza, Steak mit Pommes und Béarnaise Sauce oder ein Teller mit Kebab), dazu ein Süssgetränk und Café. Anderswo kosten ähnliche Angebote zwischen SEK 60 und 75, vielleicht 95 in einem echten Gourmet-Tempel. Für diesen Preis erhält man natürlich kein Rinds-Filet, doch auf Pizzas werden häufig Streifen davon serviert, selbst zum Mittagspreis. Salate nimmt man sich meist von einem kleinen Büffet und dazu gibt es dicke Saucen oft mit Joghurt. Auch Fleisch wird normalerweise mit einer sämigen Sauce gereicht. Sauce Béarnaise beispielsweise, ist so beliebt, dass sie sogar mit Pizza serviert wird. In Schweden werden preiswerte Lokale meist von Einwanderern aus dem Nahen oder Fernen Osten geführt. Einheimische sagten uns, dass kein Schwede so lange und so hart arbeiten würde.

 

Auch Thailänder sind in Schweden überraschend gut vertreten. Je nördlicher wir kamen um so mehr sahen wir. Sie werden offensichtlich vom kühlen Klima angezogen, welches sie schön weiss hält (andere Länder – andere Sitten). Wie schon in Grönland, gibt es auch hier viel mehr Thailänder als Chinesen. Thailändische Restaurants und Imbiss-Buden sind in ganz Schweden zu finden und bieten eine gesunde Alternative zu Fast-Food. Thailändisches Essen (genauso wie Pizzas) ist so populär; fast jedes Restaurant fühlt sich dazu verpflichtet, wenigstens ein paar wenige Thailändische Gerichte anzubieten.

Viele Schweden kennen Thai-Food von ihrem Urlaub. In den meisten Schwedischen Buchhandlungen ist es einfacher  Thailändische- als Skandinavische Strassenkarten zu finden! Diejenigen 33% der Thailänderinnen aus dem Nordosten ihres Landes, die weder mit einem Deutschen noch mit einem Schweizer verheiratet sind, müssen wohl mit einem Skandinavier verheiratet sein!


Zwei Tage um Västerås

 

Zurück nach Schweden: von Nora fuhren wir weiter nach Västerås, wo wir ebenfalls zwei Tage verweilten. Die dortige Jugendherberge ist Teil der 4-Sterne Unterkunft „Quality Hotel“ und als wir das Zimmer betraten, war der Fernseher bereits eingeschaltet und wir wurden auf dem personalisierten Bildschirm namentlich begrüsst. Die Gäste der Jugendherberge kriegen normale, wenn auch nicht die besten, Einzelzimmer mit einem kleinen Sofa, das zu einem zweiten Bett ausgezogen werden kann. Vom Fenster sah man in die grosse Halle, denn man war unter einem Glasdach. Wie hier in Jugendherbergen üblich, sind Handtücher und Bettlaken nicht im Preis inbegriffen (aber mietbar) und man erwartet von den Gästen, dass sie ihr Zimmer selbst reinigen. Das Hotel lag etwa 2km ausserhalb des Zentrums doch wir stellten uns der Kälte und gingen zu Fuss in die Stadt.

 

Genauso speziell wie unsere Unterkunft, war auch das Stadtzentrum (d.h. luxuriös aber kurios). Es bestand vor allem aus einer Ansammlung hässlicher Shopping-Komplexe. Die  Strassen und Fussgängerzonen dazwischen, waren beheizt und deshalb absolut Schneefrei. Dies war ein solch skurriler Anblick, inmitten des Winters; irgendwie total künstlich! Wenigstens gab es noch zwei Stadtviertel mit hübschen alten Häusern und schneebedeckten Strassen. Dazwischen stand eine grosse Kirche: die Domkyrka und ein Park. Dutzende zahmer Enten rannten und flogen dort auf alle Passanten zu. Da der Boden sehr eisig war, landeten viele Enten drollig auf dem Bauch und einige überrollten sich sogar direkt vor unseren Füssen. Nicht genug der Kuriositäten: der Fluss neben diesem Park hatte ein paar Stromschnellen und diese waren mit Eiszapfen übersäät. Das dampfende Wasser war nur noch in der Flussmitte offen und dort bildete sich bei allen Wasserwirbeln Pfannkucheneis. Dieses sah aus wie Seerosenblätter aus Eis, welche auf dem Wasser tanzten.

 

In der Nähe des Quality Ho(s)tels befindet sich das Museumsdorf Villby. Es besteht aus einer Sammlung roter Holzgebäude, welche in einem Waldstück verteilt stehen. Mit soviel Schnee, aber keinen anderen Touristen, war es einfach gute Aufnahmen zu machen.

 

Ängelsberg war ein kleiner Umweg auf unserem Weg nordwärts. Dort befindet sich ein anderes Eisenbergwerk aus früheren Zeiten (1680) und dieses gehört sogar zum Weltkulturerbe. Zu jener Zeit war die angewandte Technologie „State of the Art“ und diese Mine wurde dadurch sehr wichtig.

 

Ferienhaus bei Falun

 

Am 9. Januar 2010 erreichten wir unsere Temporär-Bleibe für die nächsten zwei Wochen: ein schmuckes Ferienhaus in Svärdsjö. Es stand in einem Waldstück direkt neben dem Haus der Eigentümer. Als grosses Plus hatte es hier einen Holzofen, zusätzlich zu den elektrischen Heizkörpern. Bei unserer Ankunft war es fast 30°C unter null und der Besitzer erzählte uns, dass es am Morgen sogar minus 33°C gehabt hätte. Er jammerte, dass es noch nie so kalt gewesen sei. Als wir nachfragten, wie kalt es denn in einem „normalen Winter“ werde, antwortete er nach etwas nachdenken: „Minus 33°C sind hier schon normal, aber erst im Februar!“ Na gut, da wussten wir wenigstens was uns erwartete!

 

Da die Schwedischen Häuser alle gut isoliert sind, kann man sie problemlos auf angenehme Temperaturen aufheizen. Elektrizität ist normalerweise im Mietpreis nicht inbegriffen und unsere bisherigen Mietobjekte waren alle nur mit elektrischen Heizkörpern ausgestattet gewesen. Ganz offensichtlich kann es nicht billig sein, ein Haus von -33°C auf +20°C aufzuheizen. Mit dem Holzofen der uns hier zur Verfügung stand, sah die Sache natürlich ganz anders aus! Für SEK 100 die Woche (€ 10), konnten wir so viel Feuerholz verwenden wie wir brauchten. Der Ofen war so effizient, dass wir die Elektro-Heizungen die meiste Zeit ausschalten konnten.

 

Auf seinen 80m2 bot uns dieses Haus eine sehr grosse Küche, ein grosszügiges Wohnzimmer, sowie ein Schlafzimmer. Es stand uns auch eine Waschmaschine zur Verfügung, bei der sich allerdings die Tür nicht schliessen liess. Dies war aber kein Problem; bereits am nächsten Tag stellte uns der Vermieter eine brandneue Maschine ins Bad.

Als die Wasch-Maschine in unserem Norwegischen Ferienhaus gestreikt hatte, stellte man uns sogar noch am selben Tag eine neue ins Haus! Auch mit der Internet-Verbindung stimmte etwas nicht. Da der defekte Router aber noch unter Garantie stand, dauerte es 10 Tage, bis er ersetzt wurde. Nun; der gelieferte Garantie-Ersatz hatte zwar eine gebrochene Antenne, aber man konnte ihn zumindest mit etwas Klebstreifen provisorisch in Betrieb nehmen.


Besuch im berühmten Falun

 

Zuoberst auf unserer Liste der Ausflüge stand Falun, eine weitere Minen-Stadt, welche in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde. Im 17. Jahrhundert förderte diese Kupfermine, welche bis 1992 in Betrieb war, stolze 70% des Weltbedarfs. Dadurch war Falun damals ebenso wichtig wie die Hauptstadt. Die beeindruckend grosse Grube und mehrere Minen-Gebäude können immer noch besichtigt werden. Ein Teil des Geländes wird nun aber von anderen Firmen genutzt.

 

Schweden ist für seine roten Häuser mit weissen Giebeln und Ecken bekannt. Die Farbe, welche man für den typisch roten Anstrich verwendet, heisst „Falu Rödfärg“ und ist ein Nebenprodukt der Kupfergewinnung. Sie wird aus dem roten Ocker der Mine hergestellt, ist sehr billig und schützend für das Holz.

 

Faluns Wohlstand manifestiert sich in seinen vielen schönen Häusern, aber auch Elsborg, das ehemalige Wohnquartier der Mineure ist beeindruckend. Dort stehen viele Reihen hübscher einfacher Häuser. Bei manchen sind spezielle Spiegel vor die Fenster montiert. Diese ermöglichen es den Bewohnern das Leben auf der Strasse zu beobachten ohne das Fenster öffnen zu müssen. Ganz ohne Vorhänge ist es logischerweise möglich, nicht nur hinein- sondern auch hinaus- zu schauen.

 

Da die Schönwetterperiode anhielt, war es weiterhin sehr kalt. So ist halt der Schwedische Winter; entweder ist es sonnig und sehr kalt (zwischen -20°C und -30°C ev. auch kälter) oder es ist bewölkt und etwas wärmer (so -5° bis -10°C).

Verglichen mit der Schweiz ist die trockene Luft für uns sehr ungewöhnlich. So sind die tiefen Temperaturen viel besser zu ertragen und auf den Autoscheiben bildet sich meist nicht einmal bei -33°C eine Eisschicht.

 

Unsere Dacia startete pflichtbewusst auch unter so kalten Bedingungen. Das Vorglühen des Dieselmotors dauerte allerdings bis zu 30 Sekunden und nachdem der Motor anlief, tönte er zuerst wie ein alter Traktor. Nach ein paar hundert Metern auf der Strasse, tönte er aber schon wieder normal und wenn die Temperaturen nicht unter -20°C fielen, war alles von Anfang an, wie es sich gehört.

Die Einheimischen konnten kaum glauben, wie problemlos unser Wagen immer startete. In Schweden werden alle Autos mit einer Standheizung verkauft, welche mit 220 Volt betrieben wird. Konsequenterweise sind alle Parkplätze nördlich von Stockholm mit Steckdosen ausgerüstet. Oft wird nicht nur der Motor, sondern auch der Fahrgastraum elektrisch vorgeheizt. Auch ohne Zusatzheizung wurde unser Innenraum immer innert nützlicher Frist warm. Nur mit den Türen hatten wir ab und zu ein Problem; manchmal fror eine zu und liess sich wochenlang nicht mehr öffnen - zum Glück betraf dies nur die hinteren Türen.

 

Tour um gefrorene Seen

 

Ein anderer Ausflug führte uns um die vielen gefrorenen Seen der Umgebung. Sogar um die Mittagszeit leuchteten die hübschen roten, gelben und weissen Schwedenhäuser wie im schönsten Abendrot. Da alles unter einer weissen Decke lag, ging das Land übergangslos in die gefrorenen Seen über.

 

Bei unserem Ausflug zum berühmten Siljan See bot sich uns wiederum ein ähnliches Bild. Nur dass hier die Bäume zusätzlich noch wunderschön mit Raureif überzogen waren. Dieser entstand „dank“ des aussergewöhnlichen Nebels, der nun den riesigen gefrorenen See versteckte. Hätten wir ihn nicht vor Jahren einmal im Sommer gesehen, könnten wir nie erahnen wie gross er ist.

In dieser Gegend ist es Brauch, den Maibaum stehen zu lassen. Direkt neben einem mit riesigen roten Kugeln beladenen Weihnachtsbaum, bot der Maibaum ein bizarres Bild, wie er nun so gefroren dastand. Der touristischste Ort war Tällberg, wo die meisten Hotels geöffnet waren, weil sie mit Konferenzen auch im Winter gutes Geschäft machen können. Auch Rättvik, der geschäftliche Knotenpunkt der Region Siljan See, sah mit Weihnachtsdekorationen sehr ansprechend aus.

 

Schon war unsere Zeit in Falun vorbei und wir fuhren weiter nordwärts, wobei wir einen Mittagshalt in Järvsö einlegten. Die Fahrt entlang der Strasse Nr. 83 nach Ljusdal war besonders schön, da sie vielen gefrorenen Seen folgte. Die Strasse war zwar nicht sehr angenehm zu fahren, weil das Eis tiefe Spurrillen aufwies. Vor allem auf Nebenstrassen ist es bei Temperaturen die regelmässig unter -20°C fallen, nicht einfach das Eis zu beseitigen. Als wir später auf die Schnellstrasse E4 einbogen, war diese zum grössten Teil schnee- und eisfrei. Hier donnerte der Verkehr mit bis zu 110 km/h entlang und es schauerte uns ein wenig, als wir die Spuren der Schneemobile sahen, welche immer wieder die Strasse kreuzten.


Häuschen in Svedje nördlich von Sundsvall

 

Vom 23. Januar bis zum 20. Februar wohnten wir in einem kleinen Ferienhaus, welches der Marketing Organisation “Bo på lantgård” (Ferien auf dem Bauernhof) angehört. Die junge Besitzerfamilie hält zwar ein paar Tiere, aber ihren Lebensunterhalt verdienen sie mit anderen Jobs. Wir verstanden uns sehr gut mit ihnen und sie luden uns sogar zu einem leckeren Abendessen ein. Unser Häuschen war zweistöckig, wobei das ganze obere Stockwerk nur aus einem grossen Schlafzimmer unter der Dachschräge bestand. Das Erdgeschoss war unterteilt in Küche, Wohn- und Badezimmer und fühlte sich dadurch etwas eng an.

 

Während unseres Monats kam sehr viel Schnee, ab und zu gab es sogar Schneestürme. Eines Nachts deckte eine Schneeverwehung den gesamten 30 Meter langen Zugangsweg zu unserer Hütte zu. Heinz musste sich durch hüfttiefen Schnee kämpfen um die Schaufel zu erreichen, welche dummerweise am falschen Ende des ehemaligen Pfades wartete. Er brauchte recht viel Zeit einen neuen Weg freizuschaufeln, doch es sollte nicht das letzte Mal sein. Zwischen dem vielen Schneetreiben hatten wir aber auch viele sonnige, wenn auch sehr kalte Tage.


Sundsvall

 

An einem der seltenen Tage, an dem die Temperatur entgegen aller Gewohnheit, ein bis zwei Grad über Null stieg, fuhren wir nach Sundsvall. Die verschneite Stadt präsentierte sich im schönsten Sonnenschein. Mit dem Tauwetter wurde es jedoch gefährlich, den Gebäuden entlang zu spazieren. Von vielen Dächern hingen gigantische Eiszapfen. Die Stadtverwaltung hatte bereits diejenigen Abschnitte der Gehsteige gesperrt, über denen die grössten Brocken hingen. Genauso wie die Einheimischen, gingen wir wo immer möglich, mitten auf der Strasse statt auf den Trottoirs. Während Heinz gerade ein Foto schoss, kam eine grosse Schneeladung von 10 Metern über ihm herunter.

Da stand er nun, wie vom Blitz getroffen und wusste gar nicht wie es ihm geschah. Verdutzt realisierte er, dass er die Kamera nicht mehr in den Händen hielt und dass auch die Brille nicht mehr auf seiner Nase sass. Als er empor schaute, konnte er sich immer noch nicht erklären, wo all dieser Schnee hergekommen war, der ihm nun zu Füssen und in seinem Kragen lag. Zum Glück war die Brille noch ganz und die Kamera funktionierte auch wieder nachdem wir sie trockneten.

 

Sundsvall unterscheidet sich grundlegend von anderen Schwedischen Städten aus derselben Periode, da es im Zentrum keine Holzgebäude gibt. Nach einem verheerenden Brand im Jahr 1888 wurde Sundsvall als Steinstadt neu aufgebaut. Da damals dank der boomenden Holz und Sägerei-Industrie viel Wohlstand herrschte, wurden Architekten aus ganz Europa für den Wiederaufbau herbeigerufen, welche sich hier mit den neuesten Architekturtrends verwirklichen konnten. Manche Gebäude Sundsvalls sind mit Türmchen und Zinnen verziert; eine wirklich einladende Stadt mit vielen grossen Plätzen.


Auskundschaften der umliegenden Dörfer

 

Neben vielen Spaziergängen in der näheren Umgebung, fuhren wir auch oft hinaus zu den umliegenden Fischer- und Feriensiedlungen. Jedes Mal erlebten wir dabei wieder eine andere Überraschung. Viele Einheimische nahmen sich Zeit, uns die verschiedenen Aspekte des Schwedischen Winters näher zu bringen.

Als wir uns der gefrorenen Bucht bei Holmö auf der Insel Åstön näherten, kamen uns drei Eisfischer entgegen, die ihre grossen Eisbohrer und ihren Fang auf den Schultern trugen. Als wir sie fragten, ob es sicher sei, aufs Eis zu gehen, lachten sie nur und erklärten uns, wie dick die Eisschicht sei und dass man sicher noch bis Mitte April aufs Eis gehen könne. Sie erzählten uns wie viel Kraft es koste, ein Loch ins Eis zu bohren. Nun waren wir also sicher und spazierten direkt hinaus zu den Bootsanlegestellen im Hafen, wo sich wie überall, keine Boote mehr befanden. Es war verrückt die verankerte Boje zu berühren, die oberhalb der Eis- und Schneeschicht geblieben war. Nun konnten (auch) wir übers Meer gehen und es war witzig die Hafenmole auch ohne Boot aus der Perspektive eines Kapitäns zu sehen. Viele Ferienhäuser säumten das gefrorene Ufer und auch sie waren wirklich bildhübsch.

 

Bei einem Ausflug nach Svenskär, sahen wir entlang eines Eiszapfen-verzierten Piers, eine Reihe von Fischerhütten direkt am Meer. Sie waren alle schön renoviert und dienten nun als Sommerhäuser für diejenigen „die zum Fischen geboren, aber zum Arbeiten gezwungen“ sind. Die meisten Hütten standen leer, doch ein Paar war hierhergekommen, um den Schnee vom Dach zu räumen. Sie waren sehr nett und zeigten uns gleich ihr Fischerhaus, welches auf Pfeilern über dem Eis (Wasser) steht. Sie erklärten uns, wie im Sommer der Fang, zusammen mit dem Boot in die Hütte gehoben wird.


Schnee und Eis

 

Nachdem eine Sportshalle in Stockholm der schweren Schneelast nicht mehr standhalten konnte und einstürzte, standen plötzlich fast alle Schweden auf ihren Hausdächern und befreiten sie von der weissen Pracht.

 

Der Schnee brachte nicht nur zusätzliche Arbeit, sondern auch viele zusätzliche Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Je weiter nördlich wir kamen, desto mehr Schneemobile kreuzten unseren Weg. Als wir einmal anhielten um ein paar zu fotografieren, kamen die Eigentümer dazu und erklärten uns, dass die Motoren einiger Schneemobile mehr PS hätten, als unser Auto und dass ihre Maschinen Geschwindigkeiten von 160km/h erreichen können. Nachdem wir dies hörten, verzichteten wir dankend auf den offerierten Ritt. Für die wenigsten sind Schneemobile Nutzfahrzeuge, mit denen sie ihre Insel erreichen können, wenn das Wasser gefroren ist. Für die meisten sind sie reine Spass-Vehikel mit denen sie über Schnee und Eis flitzen. Die mit Raupen versehenen Motorschlitten sind vorne mit Kufen (mit kleinen Rädern) ausgestattet und können problemlos über Eis, Schnee und sogar Asphalt fahren.

 

Nun fuhren wir zu einer Stelle von der wir auf das Bottnische Meer sehen konnten. Entlang des Ufers war alles gefroren und nur wenn wir auf einen Hügel stiegen, konnten wir ganz in der Ferne noch etwas blaues Wasser sehen. Wir mussten uns aber an gepflügte Pfade halten, sonst sanken wir hüfttief in den Schnee ein. Brigitte musste es immer mal wieder probieren um es zu glauben, da sie überall Felsen sah, die sich als Foto-Podest eignen könnten.

 

Das gefrorene Meer hatte auf uns eine besondere Faszination und es zog uns immer wieder an sein Ufer. Dies soll natürlich nicht heissen, dass im Landesinnern nichts Sehenswertes auf uns wartete. Wir malten uns aus, der gefrorene Wasserfall Västanåfallet müsste grossartig aussehen. Allerdings lag dann die Eisschicht, welche ihn zum grössten Teil zudeckte noch unter einer Schneeschicht und so hörten wir mehr von ihm, als wir sahen.

 

Die Fahrt dorthin hat sich aber auf jeden Fall gelohnt. Dabei kamen wir an der alten Kirche von Viksjö vorbei, die wie viele Schwedische Kirchen einen freistehenden Glockenturm aufweist. Daneben standen ein paar alte Stallungen, welche mit dickem Raureif überzogen waren und deshalb besonders süss aussahen. Die Strasse führte weiter entlang des gefrorenen Graningesjön Sees, aus welchem eine kleine Insel mit einem kleinen Sommerhaus aus dem Nebel aufragte der dicht über dem Eis schwebte.

 

Es war mystisch über kleine verschneite Landstrassen durch den dichten Wald zu fahren. Oft kamen wir auch an Felswänden vorbei, die von einem dicken Vorhang aus Eiszapfen überzogen waren. Wenn das Wasser mit verschiedenen Mineralien angereichert war, bargen die Eiszapfen unterschiedliche Farben. Die ~20 Meter breite Eiszapfen-Wand am Kramforsån See war einfach unglaublich. Sie schimmerte in den unterschiedlichsten Pastelltönen; von grün über blau und gelb zu braun, abgesehen von weiss natürlich!

 

Die Höga Küste

 

Auf zwei eindrücklichen Ausflügen erkundeten wir die Höga Küste. Die berühmte Hängebrücke mit demselben Namen, war ein ganz besonderer Anblick, wie sie sich über den gefrorenen Storfjärden schwang. Das beeindruckende Bauwerk ist 1‘867m lang, hat zwei 180m hohe Hauptpfeiler, eine Spannweite von 1,2km und führte uns auf luftigen 40m über das Eis.

 

Kleine Nebenstrassen mit weiteren imposanten Brücken erschliessen die Küstenlandschaft der „Höga Kusten“. Im Sommer sieht man viele Boote, die zwischen den Inseln schippern, doch jetzt sah man Langläufer, Schneemobile, sowie all ihre Spuren auf den gefrorenen Gewässern. Die weisse Landschaft leuchtete im goldenen Licht der Sonne die immer noch sehr tief im Himmel stand, obwohl es jetzt schon Mitte Februar war.

 

Wir besuchten mehrere Dörfer entlang der Küste und zu einem kehrten wir ein zweites Mal zurück: Bönham – unser Favorit. Mit seiner Häuserzeile ähnlicher Fischerhütten, die nur unterschiedliche Torfarben haben, sieht das Dorf wirklich bildhübsch aus. Diese Häuser gruppieren sich um ein Hafenbecken, das bereits bei unserem ersten Besuch Ende Januar gefroren war. Nun waren drei Wochen vergangen und inzwischen war auch das Meer gefroren, soweit unser Auge sehen konnte.

Mehrere Schneemobile waren vor dem Dorfpub parkiert, wohingegen es bei unserem letzten Besuch so ruhig war, dass Rehe und Füchse sogar mitten am Tag um die Häuser schlichen.

 

Obwohl Bönhamn im Winter ziemlich ausgestorben ist, ist es in der Nacht gar nicht so dunkel, da in vielen Häusern das Licht brennt, obwohl die Besitzer nur im Sommer hier sind. Dies beobachteten wir im ganzen Land. Die Schweden schalten die Aussenbeleuchtung und auch die Beleuchtung der Fenster auch dann ein, wenn niemand zuhause ist. Seltsamerweise scheinen die Skandinavier mehr Energie dafür zu verwenden, ihre Häuser von aussen schön beleuchtet zu präsentieren, denn die Zimmer zu erhellen in denen sie sich aufhalten; diese sind oft eher schummrig.


Umgang mit extremen Winter-Wetterbedingungen

 

Wenn wir Richtung Sundsvall fuhren, kamen wir am grossen Einkaufszentrum Birsta vorbei, welches eigentlich aus mehreren grösseren Shoppingkomplexen besteht, darunter einem riesigen IKEA. Der Schnee auf den Parkplätzen türmte sich höher als die Gebäude. Diesen Winter erhielten auch die Schweden noch mehr Schnee und noch kältere Temperaturen, als in einem durchschnittlichen Jahr. Im Vorjahr, so beklagten sie sich allerdings, sei es zu warm gewesen und hätte zuwenig Schnee gehabt. Zu warm hiess, dass die Temperaturen „nur“ etwa bis -20°C fielen und die gesamte Gegend hier oben von Ende November bis Mitte April unter (wenig) Schnee lag. Somit lag der Unterschied zu diesem Jahr nur darin, dass sich die Schneeberge noch etwas höher türmten und die Temperaturen öfters -25°C bis -35°C erreichten.

 

Im Gegensatz zu den Ländern weiter südlich, sind die Skandinavier gewohnt und gewappnet mit solch tiefen Temperaturen und grossen Schneemengen umzugehen. Wir mussten grinsen als wir im Englischen TV-Sender BBC eine Reportage über einen grossen Kälteeinbruch in Schottland sahen. Zusätzlich zu heftigen Schneefällen fielen die Temperaturen auf +2°C bis -5°C. Dies veranlasste die Leute dazu die Supermärkte panikartig leerzukaufen, da sie davon ausgingen, dass die Strassenbedingungen die Lieferung neuer Waren verhindern würden und sie selbst das Haus auch nicht mehr verlassen könnten.

 

Im nördlichen Skandinavien macht niemand auf Panik wegen heftigen Schneefällen und eisigen Strassen, da dies hier einfach zum Winter gehört. Dankdem fast alle Autos Spikes-Reifen haben, ist das Fahren auf vereisten oder Schnee-bedeckten Strassen recht sicher. Die Schneeräumung ist gut organisiert und es scheint, dass immer genügend Lastwagen und Traktoren zur Verfügung stehen, welche mit Schneepflügen und Schneeschleudern ausgerüstet sind. Um den wirklich dicken Eisschichten wenigstens auf Hauptstrassen Herr zu werden, wurden oft sogar Grader (Strassenhobel) eingesetzt.

 

Südlich von Sundsvall besuchten wir das malerische Fischerdorf Lörudden. Im Sommer ist es wohl ziemlich touristisch, doch jetzt im Winter war es total tot. Hübsche Fischerhütten umrahmten den Hafen in dem ein paar Boote im Eis eingefroren waren. Hier hat niemand richtig den Schnee geräumt und die meisten Türen waren zugeschneit.

 

Auf dem Rückweg nahmen wir noch den steilen Weg auf einen, der beiden Aussichtsberge über Sundsvall unter die Räder. Von beiden hat man eine super Aussicht auf die Stadt und konnte zudem dort Skifahren.

 

 

 

Mieten von Ferienhäusern in Skandinavien

 

Normalerweise fanden wir unsere Ferienhäuser über Agenturen, in Schweden auch über Web-Seiten, bei denen der Besitzer sein Haus jeweils direkt anbietet. Wir denken, dass es während der Hauptsaison (Mitte Juni bis Mitte August, ausser in Skigebieten), oder abseits der beliebtesten Ferienregionen, meist am preiswertesten ist, wenn man das Ferienhaus direkt vom Besitzer mietet. In Schweden halfen uns die folgenden Internet Seiten weiter:

 

·      Bo på Lantgård (Ferien auf dem Bauernhof ):  www.bopalantgard.org

·      Stugknuten: www.stugknuten.com                          Stugsidan: www.stugsidan.se

·      Stugbo: stugbo.se                                                    Hyrahyra: http://www.hyrahyra.se

Während der Nebensaison (Mitte August bis Mitte Juni, ausser in Skigebieten) sieht die Sache aber ganz anders aus. Nicht nur in Schweden, sondern auch in Dänemark und Norwegen fanden wir die besten Angebote eigentlich immer über Agenturen. Wir buchten jeweils via Internet und haben mit folgenden Vermittlungsbüros gute Erfahrungen gemacht: Dancenter, Novasol und Interchalet. Alle bieten recht Benutzer-freundliche Internet Seiten, auf denen man eine Fülle an Informationen über jedes Haus findet. Was uns aber noch viel wichtiger erschien, war die Tatsache, dass gezielte Suchkriterien halfen, unser jeweiliges Traumhaus in der richtigen Region, zur gewünschten Zeit und mit dem erhofften Komfort und Preis zu finden. Weiter gibt es auch Casamundo, einen Zwischenhändler, der Ferienhäuser mehrerer Agenturen, inklusive der oben erwähnten, vermittelt. Da wir oft eher kurzfristig buchten, erwies es sich als einfacher, direkt zu buchen, obwohl der Preis derselbe gewesen wäre.

 

Die Lage eines Ferienhauses ist natürlich auch von Bedeutung. In einem abgeschiedenen Haus mag man zwar viel Privatsphäre haben, doch der Eigentümer der in der Nähe wohnt gibt einem vielleicht auch gute Tipps und räumt im Winter pflichtbewusst die Zufahrt vom Schnee. Bei Wintermieten können die Energiekosten einen grossen Teil der Miete ausmachen. Wenn man ein Haus von eisigen -35°C auf behagliche 21°C aufheizt, kann dies offensichtlich nicht billig sein. Am preiswertesten ist es sicher, wenn es einen Holzofen, oder eine Wärmepumpe hat (meist eine Klima-Anlage die auch heizen kann). Leider gibt es aber oft nur elektrische Radiatoren oder Bodenheizungen. Wir haben selbst erfahren, dass es ziemlich ungemütlich werden kann, wenn im Winter der Strom ausfällt und kein Schwedenofen zur Verfügung steht. Was wir dafür sehr schätzten: jedes Haus war bei unserer Ankunft bereits vorgeheizt!

 

Ferienhaus in Tavelsjö westlich von Umeå

 

Am 20. Februar 2010 fuhren wir 250km nordwärts nach Tavelsjö, wo wir für die nächsten 4 Wochen ein weiteres Ferienhaus reserviert hatten. Dieses war das erste, das wir direkt vom Eigentümer gemietet hatten.
Der Besitzer führte uns zum Blockhaus im Finnischen Stil. Es war gemütlich und komfortabel und bot sogar zwei Schlafzimmer. Das Haus hatte auch eine grosse Terrasse, die aber nicht ganz schneefrei war, was Heinz jedoch bald änderte. Allerdings schaufelte er noch oft, denn während unseres Aufenthalts kam sehr viel mehr, der weissen Pracht vom Himmel geflogen. Schon bei unserer Ankunft lag ein halber Meter Schnee auf dem Dach und bald wurde es noch mehr.

Während der ersten zwei Wochen fielen die Temperaturen regelmässig auf 20 bis 25 Grad unter den Gefrierpunkt. Torbjörn, unser Vermieter hatte viel Arbeit. Er räumte regelmässig mit seinem Traktor den Schnee von den Zufahrten und hackte Holz für uns und seine Verwandtschaft. In der dritten Woche hatten wir sogar eine kurze Warmfront. An einem Tag kletterte das Thermometer tatsächlich auf PLUS 8 Grad. Als Folge davon rutschte die schwere Schneelast von unserem Dach hinunter, was sich anfühlte wie ein Erdbeben von oben. Es tönte beängstigend, als innerhalb von Sekunden mehrere Tonnen Schnee herunter donnerten. Nachdem wir hinausrannten, sahen wir, dass unter der Schneeschicht eine 5cm dicke Eisschicht haftete. Nun waren wir froh, dass wir unser Auto vorher weggestellt hatten um dem Traktor für die nächste Holzlieferung Platz zu machen.

Bald sahen wir den ersten Regen in diesem Jahr, aber kurz darauf  wurde es wieder kalt und wir wurden mit weiteren Schneemassen beglückt. Der Schneeberg neben unserem Haus wuchs auf über fünf Meter an, doch er war zu hart um sich modellieren zu lassen! Wir hörten, dass es im März oft mehr schneit, als während der übrigen Wintermonate.

 

Auch hier lernten wir wieder viel über das Leben in Schweden, da wir mehrmals mit Torbjörn und seiner Partnerin Marie Louise zusammen sassen. Den beiden haben wir es zu verdanken, dass wir einen Elch so nahe sahen wie noch nie; nämlich auf unseren Tellern. Wir genossen die leckere Mahlzeit und revanchierten uns bald, indem wir sie in ihr eigenes Ferienhaus zum Abendessen einluden.

 

Sie ermöglichten uns, eine typisch Schwedische Winteraktivität zu erleben, da sie uns ihre ‚Sparken‘ ausliehen. Dieser Ausdruck steht kurz für „Sparkstötting“ oder Tretschlitten. Falls du noch nichts darüber gehört hast: ein Sparken sieht aus wie ein Stuhl auf 2 Meter langen schmalen Kufen. Man stösst ihn wie einen Einkaufswagen. Wer fit ist, steht mit einem Fuss auf der einen Kufe und gibt mit dem anderen an, wie bei einem Trottinett (für die Jungen: Micro Scooter). Am besten läuft er auf Glatteis oder sehr hartem Schnee und überall, wo es bergab geht, lassen ihn die Mutigen laufen und setzen den zweiten Fuss auf die andere Kufe. Nachdem Brigitte wie ein Käfer auf dem Rücken die Auffahrt hinunter schlitterte, vergass sie diese olympische Disziplin. Stattdessen erinnerte sie sich daran, dass der Tretschlitten von älteren, und nicht ganz tretsicheren Menschen, als Gehhilfe benutzt wird, wie ein Rollator speziell für Eis und Schnee.
Ausser an Tagen mit Neuschnee machte es richtig Spass mit unseren Sparken auszuschwärmen. Im Umkreis einiger Kilometer um unser Haus wurde die leicht befahrene Nebenstrasse regelmässig gepflügt, aber immer noch weiss belassen. Sie führte an adretten Höfen, gefrorenen Seen, Wäldern und Wiesen vorbei. An einer Stelle wurde die Strasse regelmässig von Elchen gekreuzt, doch wir sahen jeweils nur ihre neuen Spuren.


Ausflüge um Umeå

 

Nur 20km nördlich von Tavelsjö befindet sich die Ortschaft Vindeln. Die Stromschnellen im dortigen Fluss Vindelälven waren die einzigen Stellen wo die Wasseroberfläche nicht ganz zugefroren war.  Der Schnee auf dem Holzsteg und der Aussichts-Plattform beinahe so hoch wie das Geländer. Dankdem schon jemand vor uns dort rumgestapft war, blieb es uns erspart, die Schuhe mit Schnee zu füllen. Da es an diesem Tag sehr kalt war, dampfte das Wasser an den wenigen offenen Stellen. Die Eisränder am schnell fliessenden Fluss hatten wunderschöne Formen. Nicht weit von den Stromschnellen entfernt, war der Fluss jedoch komplett zugefroren und die Eisschicht offensichtlich dick genug, dass sich die Einheimischen sicher fühlten, mit ihren Schneemobilen darüber zu rasen.

 

Ein weiterer Ausflug führte uns nach Umeå, einer angenehmen Studentenstadt. Im Zentrum sahen wir viele wunderschöne Gebäude wie das Rathaus, den Bahnhof, oder einfach die Villen der reichen Schnösel. Erst vor kurzem wurde hier ein Schnee- und Eisskulpturen-Festival abgehalten und die Kunstwerke konnten immer noch bewundert werden. In einer Stadt mit 100‘000 Einwohnern ist es logischerweise nicht ganz einfach, Platz für den geräumten Schnee zu finden. So waren hier die Gehsteige und die Fahrbahn durch meterhohe Schneeberge getrennt.

 

Eine Woche lang fand in Umeå ein Sami-Festival statt, welches vor allem aus Vorträgen bestand. In der Englisch-sprachigen Broschüre des Verkehrsbüros wurden aber auch mehrere Anlässe für die Öffentlichkeit erwähnt. Wir suchten uns den Tag aus, an dem die Broschüre versprach: „das Universitätsgelände wird von Sami und ihren Rentieren in Beschlag genommen“. Welch ein Witz! Da stand ein Sami-Zelt, davor zwei Sami-Frauen, drei Rentiere und etwa zwanzig Touristen aus Asien, welche mit ihren Kameras die „Sami-Kultur“ festzuhalten versuchten… Im nördlichen Skandinavien d.h. vor allem in Lappland, sieht man regelmässig Rentiere entlang der Strassen. Die Sektionen wo die Fahrer am ehesten mit Rentieren rechnen müssen, werden mit schwarzen Plastiksäcken markiert. Diese warnen die Automobilisten, dass Sami ihre Herden durch dieses Gebiet treiben.


Das gefrorene Bottnische Meer: etwas ganz Normales

 

Von Umeå gibt es eine Fährverbindung zur Finnischen Stadt Vasa auf der gegenüberliegenden Seite des Bottnischen Meerbusens. Da dieser nun gefroren war, nahm es uns wunder, ob die Fähre immer noch auslaufen kann und so fuhren wir zum Fährhafen bei Holmsund. Dies war ein sehr interessanter Ausflug. Wir fanden die grosse Autofähre vertäut im Hafen, umgeben von Eis. Zwei Eisbrecher der Küstenwache lagen gleich daneben vor Anker. In der Abfertigungshalle wimmelte es von Schulkindern, welche heute Nacht noch nach Finnland übersetzen wollten. Das einzige, was wir hier nicht vorfanden, war irgendein Hinweis auf offenes Wasser. Das Bottnische Meer friert in seinem nördlichen Teil alljährlich komplett zu. Im Süden gefriert es mindestens entlang der Küste, aber in besonders harschen Wintern kann es auch bis zur Dänischen Insel Bornholm komplett zufrieren.

In einem durchschnittlichen Winter wächst die Eisdecke auf 280‘000 km2 an und kann bis zu 1.2 Metern dick werden. Die Fähren, welche während des Winters das Bottnische Meer überqueren, haben mittelmässige Eisbrecher-Qualitäten. Trotzdem bleibt ab und zu eine im Eis stecken und dann muss ein echter Eisbrecher zu Hilfe gerufen werden. Dieser Winter war besonders hart und deshalb mussten Rettungs-Eisbrecher öfters ausrücken als in anderen Jahren. Alleine an einem Februartag blieben 50 Schiffe im Eis stecken. Ab und zu werden die Schiffe von den zu
Hilfe eilenden Eisbrechern angehalten, sich an einem bestimmten Punkt zu versammeln. Von dort aus werden sie im Konvoi zu ihren Destinationen geführt. In kalten Wintern wie diesem, werden Eisbrecher auch auf mehreren Inlandseen in Südschweden und sogar an der Westküste um Göteborg eingesetzt.

 

Von Umeås Fährhafen schwärmten wir noch etwas weiter nordwärts und besuchten mehrere kleine Dörfer, unter anderem Ratan. Hier gibt es eine Handvoll netter Häuser und eine kleine Insel direkt vor der Küste. Zunächst sah es so aus, als könnten wir über’s Eis die beiden Gebäude auf der Insel erreichen, welche wunderschön in der Sonne leuchteten. Doch die Schneedecke auf dem Eis war zu dick. Für das Reh, das gemütlich im Sonnenlicht hinüberlief, war dies offensichtlich kein Hindernis.


Biomasse oder Energie aus Holz

 

Oft waren wir sowohl zu Fuss, als auch mit dem Auto in den Wäldern unterwegs. Diese sind meist angepflanzt und liefern 16% des Schwedischen Energiekonsums. Die gesamte Biomasse Schwedens kommt aus dem Wald und wird vorwiegend zum heizen, ab und zu auch zum generieren von Strom eingesetzt. Es wird zwar sehr viel Holz geschlagen, doch der Wald wird so bewirtschaftet, dass die Waldflächen immer noch zunehmen.

Wir waren sehr beeindruckt zu sehen, wie die Schweden ihre Bäume „ernten“. Eine eher kleine Vorrichtung wird entweder an einem Bagger, Traktor oder an einem manövrierbaren Erntegerät montiert. Diese Maschinen sind in der Lage eine 30 Meter hohe Tanne zu fällen, alle Äste zu entfernen und den Stamm in gleichlange Stücke zu zersägen; alles innerhalb einer einzigen Minute! Für uns war dies eine sehr beeindruckende Vorführung.

 

Dankdem so viel Holz zur Verfügung steht, sind die Häuser gut geheizt, aber auch sehr gut isoliert. So frönen die Schweden auch im Winter ihrer Liebe zu Eiscreme. Dies wissen natürlich auch diejenigen, die damit Geld verdienen. So kommt der “Eis Mann” mit seinem Hemglass (Heim Eis)Verkaufswagen wöchentlich in die Wohnquartiere, egal ob das Thermometer 30°C über, oder unter dem Gefrierpunkt anzeigt. Wir waren sehr erstaunt darüber, diese Hemglass-Wagen den ganzen Winter immer wieder zu sehen. Da wir uns ein wenig integrieren wollten, stellten wir uns an, nachdem vom Eis-Wagen direkt neben unserer Ferienhütte die (Eis)weltverbindende Melodie „The Entertainer“ von Scott Joplin ertönte.


Lichtverhältnisse im Winter

 

Am 21. März, ist ja bekanntlich die Tag- und Nachtgleiche. Dies bedeutete für uns, dass wir ab sofort längere Tage geniessen durften, als die Leute südlich von uns. Die „dunkle Zeit“ war nun vorbei, doch sie war bei weitem nicht so schlimm gewesen, wie viele glauben. Natürlich waren die Tage kurz und die Sonne stieg nur ganz wenig über den Horizont. Auf der anderen Seite verschwindet sie hier oben am Abend auch nicht so tief unter den Horizont, was zu sehr langer Dämmerung führt. Da in Nordskandinavien lange Schnee liegt, wird das schwache Licht reflektiert, wodurch die Tage länger erscheinen, als sie wirklich sind. Dadurch bekamen wir die Möglichkeit viele Fotos in schönem weichem Licht zu schiessen.

 

Die folgende Grafik soll aufzeigen wie hoch die Sonne am längsten und am kürzesten Tag in den Himmel steigt, und wie viele Stunden sie über dem Horizont bleibt. Durch die lange Morgen- und Abenddämmerung, wird es in den Skandinavischen Sommernächten auch weit unterhalb des Polarkreises nicht richtig dunkel.

 

 

 

 

21.12.

21.06.

 

Sonne
über dem Horizont

Sonnen-Höchststand

Sonne
über dem Horizont

Sonnen-Höchststand

N – Tromsø

(350 km nördl. des Polarkreises)

geht nicht auf

1,9° unter’m Horizont

geht nicht unter

43,8°

N - Bodø

(70 km nördl. des Polarkreises)

44 min.

0,1°

geht nicht unter

46,2°

S – Umeå

(300 km südl. des Polarkreises)

4 h 17 min.

3,0°

20 h 50 min.

49,6°

S – Stockholm

(800 km südl. des Polarkreises)

6 h 03 min.

7,3°

18 h 38 min.

54,1°

D – Berlin

(1’500 km südl. des Polarkreises)

7 h 39 min.

14,1°

16 h 50 min.

60,9°

CH – Bern

(2’100 km südl. des Polarkreises)

8 h 30 min.

19,7°

15 h 53 min.

66,5°

E – Malaga

(3’400 km südl. des Polarkreises)

9 h 39 min.

29,9°

14 h 40 min.

76,7°


Reizendes Piteå

 

Unsere nächste Destination war die hübsche Küstenstadt Piteå am Bottnischen Meer. Während den (zwei) Sommer-Monaten strömen die Urlauber zu den warmen Stränden und zum Schärengarten. Im Juli erreichen die Temperaturen regelmässig 30°C doch momentan arbeitete man hart, um die Strassen von Eis und Schnee zu befreien. Das Verkehrs-Büro bot momentan wöchentlich Touren mit einem Eisbrecher an.

 

Wir übernachteten in der Jugendherberge, welche sich an ruhiger Lage nur wenige Gehminuten vom Stadtzentrum befindet. Dort gibt es viele Holzgebäude, alte und auch neue, welche dem Ort einen ganz speziellen Charme verleihen. Piteå ist eine Kleinstadt mit einem Herz und einer Seele.

Auf einem verschneiten (Grün-)Streifen war ein grosser Osterhase aus Schnee modelliert worden. Es war zum schreien, wie er nachts mit seinen rot leuchteten Augen blinzelte. Da der untere Teil der Skulptur von Schnee umgeben war, sah es aus, als würde der Hase direkt daraus auftauchen.


Die Kirchendörfer Öjebyn & Gammelstad

 

Ein weiterer Höhepunkt erwartete uns 5km ausserhalb von Piteå im Dorf Öjebyn. Dort gibt es 175 alte Holzhütten welche sich um eine Kirche gruppieren. Diese bilden das „Kyrkstaden”, was einfach Kirchendorf heisst. Hier übernachteten die Leute zu jener Zeit, als es noch ein Verbrechen war nicht in die Kirche zu gehen, da viele von weither anreisen mussten um ihre wöchentliche Pflicht zu erfüllen. Dieses Gesetz wurde erst 1860 abgeschafft, doch die Trennung von Kirche und Staat wurde in Schweden erst 1990 vollzogen.

Obwohl wir fanden, dass die malerischen Hütten im Schnee besonders schön aussahen, zog es keine anderen Touristen n.

 

Auf unserem Weg nordwärts besuchten wir in der Nähe von Luleå ein weiteres Kirchendorf: Gammelstad. Da dies das grösste und besterhaltene Kirchendorf im Norden Schwedens ist, wurde es in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Die 424 Holzhäuschen stammen aus dem 17. Jahrhundert. Auch diese waren sehr hübsch, jedoch gefielen uns diejenigen in Öjebyn mindestens so gut. Deren unbehandelte Holzwände hatten jeweils bunt gestrichene Türen und Fensterläden, wogegen in Gammelstad, alle Häuser rot, mit weissen Türen und Fensterrahmen waren; alle uniform gleich.

 

Luleå:  unerwartete Abenteuer auf dem Eis

 

Am 23. März erreichten wir Luleå, das fast zuoberst am Bottnischen Meerbusen liegt. Bereits bevor wir in unserer Herberge im Zentrum eintrafen, fiel uns auf, wie viel Volk zu Fuss und mit Schlittschuhen unterwegs war. Es sah aus, als ob die Leute ganz normal mit Kind und Kegel auf einem Spaziergang wären. Doch da gab es einen kleinen, aber bedeutenden Unterschied; sie waren auf dem gefrorenen Meer unterwegs. Luleås Zentrum liegt wunderschön auf einer Halbinsel, umgeben vom nun gefrorenen Meer. Jeden Winter präpariert die Stadtverwaltung darauf ein 10 km langes Netz von Schlittschuhbahnen. Diese werden beidseitig von Fusswegen flankiert, welche aus Schnee präpariert sind, sodass man darauf spazieren kann. Von dieser Möglichkeit machte die Bevölkerung rege Gebrauch und wir schlossen uns bald an, indem wir einen 7km langen Marsch machten.

 

Dass man auf dem Meer gehen kann, ist nicht die einzige ungewöhnliche Attraktion, die die Stadt im Winter zu bieten hat. Luleå präpariert jährlich auch etwa 30km befahrbare Strassen über das Meer. Die sogenannten „Isvägen“ (Eis-Strassen) werden Teil des öffentlichen Strassennetzes und deshalb ist man auf ihnen genauso versichert, wie auf  anderen Strassen.

Mehrere hundert Kilometer solcher Eisstrassen werden jeden Winter in ganz Skandinavien angelegt, die meisten davon sind aber inoffiziell. Man ist sich einig, dass eine 10cm dicke Eisschicht genügt um ein Auto zu tragen und 15cm reichen schon für einen Lastwagen. Die offiziellen Eisstrassen, welche von der Regierung aufbereitet werden, unterstehen allerdings viel strengeren Bestimmungen. Sie werden erst freigegeben, nachdem die Eisschicht eine Dicke von 50cm erreicht hat. Ironischerweise werden sie von schwerem Gerät präpariert und anschliessend mit einem Gewichtslimit von 2 Tonnen versehen, sofern die Schicht „nur“ einen halben Meter dick ist. Erst wenn das Eis auf 80cm Dicke anwächst wird das Limit kontinuierlich auf 9 Tonnen angehoben. Diese Eisstärke ist in der nördlichen Hälfte des Bottnischen Meeres nichts Ungewöhnliches, sie wächst ab und zu sogar auf 120cm an.

 

Eisstrassen werden erstellt, um bewohnte Inseln zu erreichen, welche im Winter offensichtlich nicht mehr mit Autofähren angelaufen werden können. Die Bewohner dieser Inseln überbrücken die Zeit bis zur Eröffnung der Eisstrassen indem sie mit ihren Schneemobilen zum Festland fahren. Normalerweise gefriert das Meer um Luleå anfangs November und die Eisstrassen werden um Weihnachten oder im Januar eröffnet. Etwa Mitte April werden sie geschlossen, obwohl das letzte Eis erst im Juni schmilzt.

 

Als wir von diesen Eisstrassen hörten, wollten wir sie natürlich gleich selbst erleben. So organisierten wir uns eine Seekarte, auf welcher die „Isvägen“ ebenfalls eingezeichnet sind, und stachen mit unserem Auto in See. Mit einem etwas komischen Gefühl im Bauch, fuhren wir über den 45 Meter breit gepflügten Pfad auf dem Eis zu einer Insel, die etwa 20km von der Küste entfernt liegt. Die meisten anderen Fahrer, denen wir begegneten, beachteten zwar die Höchst-geschwindigkeit von 30 km/h, das Anhalteverbot hingegen, wurde oft ignoriert. Ein paar Leute sonnten sich auf Liegestühlen oder frönten dem Eisfischen direkt neben ihren Wagen.

Die einzigen Herausforderungen waren die sehr schmal gepflügten Strassen auf der Insel, sowie die Stellen wo wir vom Land auf das Meer wechselten: dort lag nämlich Wasser. Zum Glück hat uns eine Mitarbeiterin des Verkehrsbüros davor gewarnt. Sie klärte uns auf, dass es sich dabei um ein natürliches Phänomen handelt aber absolut sicher sei, da die Eisschicht darunter sehr dick ist.


Eishotel in
Jukkasjärvi

 

Am 25. März 2010 fuhren wir wieder auf asphaltierten Strassen weiter und überquerten den Polarkreis, bevor wir die Eisenminen-Stadt Kiruna erreichten. Dort warteten weitere eisige Höhepunkte auf uns. Das Eishotel in Jukkasjärvi, etwa 18 km südöstlich von Kiruna ist sicherlich die winterliche Hauptattraktion der Region. Nachdem wir während der letzten Monate fast immer die einzigen Touristen waren, umgaben uns hier plötzlich Besucher aus aller Welt. Was vor 20 Jahren als eine verrückte Idee Gestalt annahm, ist mittlerweile zu einer gewinnträchtigen Institution geworden, welche sogar ausserhalb Schwedens Filialen betreibt. Ein Team aus 150 kälteresistenten Mitarbeitern beginnt alljährlich im November Schnee und Eis zu modellieren. Die Eckpfeiler aus soliden Eisblöcken werden jeweils schon im Frühjahr aus dem Fluss Torneälv herausgesägt, der gleich neben dem Hotel liegt. Dank einem Kühlhaus kann nun die Arbeit aufgenommen werden, bevor das neue Eis dick genug ist. Die Wände und Decken werden wie Beton in Schalungen gegossen. Statt Beton wird allerdings Snice verwendet, eine Mischung aus Schnee und Wasser.

 

Nach seiner Eröffnung Mitte Dezember, wird das Eishotel tagsüber jeweils als Museum betrieben. Nachdem die Besucher einen happigen Eintritt (€ 30) entrichtet haben, dürfen sie alle Räume frei betreten und sich zudem einer geführten Tour anschliessen. Deshalb dürfen Hotelgäste (welche deutlich mehr bezahlen) ihre Zimmer nicht vor 18:00 Uhr beziehen. Im Winter 2009/10 gab es im Eishotel 70 Zimmer, 10 mehr als im Vorjahr. Alle Betten haben einen Lattenrost und eine Matratze, welche mit Rentierfellen belegt ist. Die Zimmer werden mit LED Lampen beleuchtet und können nur mit einem Vorhang gegenüber dem Korridor hin „abgeschlossen“ werden. Dank einer kleinen Öffnung durch die Decke kommt immer genug Frischluft ins Zimmer und die Wärme der Schlafenden kann entweichen. Der Teppich, d.h. der Schnee am Boden wird wöchentlich ausgewechselt.

Die einfachsten Zimmer waren sogenannte Schneezimmer. Sie waren sehr nüchtern eingerichtet, mit einem aus Schnee modellierten Bett. Je nach Woche (Saison) zahlte man für eines dieser Zimmer zwischen  € 250 und € 410 pro Nacht. Es gab auch sogenannte Eiszimmer. Dort war das Bett aus Eis modelliert und zudem gab es ein Tischchen und zwei Stühle, ebenfalls aus Eis. Man merkte aber bald, dass man nicht darauf sitzen kann, da das Eis nicht nur kalt sondern auch rutschig ist! Trotzdem; sie sehen sehr originell aus. Ein Doppelzimmer kostete hier zwischen € 270 und € 540.

Diese Zimmer sind alle ziemlich nüchtern und wer im Eishotel übernachten möchte, will sicherlich in einem der ausgefallenen, von Künstlern gestalteten Zimmer schlafen, die das Eishotel so berühmt gemacht haben. Für € 340 bis € 640 pro Doppelzimmer ist man dabei. In diesem Jahr gab es 22 solche „Art Rooms“ und sie wurden alle von Künstlern aus der ganzen Welt individuell gestaltet. Ihre Namen, sowie das Thema ihres Werkes sind jeweils in ein beleuchtetes Eisschild neben dem Zimmer-Eingang eingraviert. Diese Räume sind alle recht gross und ein wahres Fest für die Augen. In diesen Flügeln ist es beeindruckend von einem Zimmer ins nächste zu gehen, denn die Themen die die Künstler gewählt haben, sind total unterschiedlich und manche ziemlich verrückt.

Etwa Mitte April werden die Bettgestelle und Leuchtkörper weggeräumt und das Hotel schliesst. Danach wird es der immer länger scheinenden Sonne überlassen, kann aber während des Schmelzprozesses noch lange besichtigt werden, bis es schlussendlich vollständig in den Torneälv-Fluss zurückgeflossen ist.

 

Jukkasjärvi ist einer der kältesten Orte Schwedens, aber wie kalt es auch immer draussen sein mag, im Innern des Eishotels herrschen konstant behagliche fünf Grad unter dem Gefrierpunkt. Wir brauchten fast einen halben Tag um alles zu bewundern, doch schon nach einer Stunde hatten wir kalte Füsse. Wir fragen uns, wie oft die Leute die hier übernachten, wohl zur Toilette rennen müssen. Diese sind ziemlich weit von den Zimmern entfernt – befinden sich aber in einem gut geheizten Gebäude. Es muss wohl etwas kompliziert sein aus dem speziellen Eishotel-Schlafsack herauszukriechen und in die eiskalten Schuhe zu steigen.

Kalte Füsse

 

Sehr beeindruckend war die vier Meter hohe Eingangshalle des Hotels, gestützt von halb-durchsichtigen hellblauen Eispfeilern. Selbstverständlich waren auch die Kronleuchter aus Eis gemacht. Die Eisbar war ebenfalls sehr cool! Flaschen in allen Farben waren auf Eistablaren ausgestellt und die Getränke konnten sogar in Eisbechern bestellt werden. Allerdings hatte es weder Kaffee noch Tee zum Aufwärmen auf dem Menü. Die Bar bestand aus einer grosszügigen und sehr hellen Halle mit vielen (eisigen) Sitzgelegenheiten und einer Tanzfläche. Hier werden viele Brauttänze aufgeführt, da in der Hoteleigenen Eiskapelle täglich 2-4 Trauungen abgehalten werden. Die meisten die hier heiraten, haben wohl im wahrsten Sinne des Wortes kalte Füsse gekriegt! Viele Paare kommen mit total romantischen Vorstellungen zu ihrer Hochzeit ins Eishotel und möchten möglichst viele Bilder vor einem tollen Hintergrund mit nach Hause nehmen. Den meisten wird es erst hier bewusst, dass es nicht ganz so spassig ist, für mindestens eine halbe Stunde im rückenfreien Kleid bei Minus 5°C zu posieren. Die Bräute beginnen meist sehr bald zu schlottern und mit den Zähnen zu klappern, von den tauben Füssen in ihren Stöckelschuhen ganz zu schweigen. Tapfer richten sie ihr gefrorenes Lächeln in Richtung des Fotografen, der Daunenjacke, Handschuhe, Mütze und auch warme Stiefel trägt. Der Touren-Führer erzählte uns, dass sich nur ganz selten ein Paar dazu entscheidet im Ski-Anzug zu heiraten…

 

Glücklicherweise wärmte uns draussen die Sonne. Dort wurden gerade grosse Eisblöcke für das nächste Eishotel aus dem Fluss Torneälv gesägt. Wir konnten es kaum glauben, mit welch schweren Maschinen das Eis zerteilt wurde. An einem Baggerarm war eine Art überlange Kettensäge montiert, die die gefrorene Flussoberfläche aufteilte. Mit einer speziellen Pallett-Gabel wurden danach die 2m x 80cm x 80cm grossen Eisblöcke aus dem Wasser gehoben. Während des ganzen Vorgangs stehen die schweren Baumaschinen direkt an der Kante des frisch aufgeschnittenen Eises. Reihenweise werden die tonnenschweren Blöcke danach auf dem Eis gelagert, bevor sie ins Kühlhaus abtransportiert werden.

 

Währendem wir dem Geschehen zusahen, kam immer wieder ein Hundeschlitten-Gespann oder eine Gruppe mit Motorschlitten vorbei. Das Eishotel bietet eine Fülle von Touren an und viele Gäste haben vermutlich gar nicht die Zeit, all die verschiedenen Räume des Komplexes anzusehen, da sie sich schon den ganzen Tag mit Touren auf Trab gehalten werden um den Schnee und die Nordlichter (falls man sie sehen kann) zu geniessen. Die Idee des Eishotel-Managements ist, dass die Gäste eine Nacht in einem Eis- oder Schnee-Zimmer verbringen, sowie ein paar weitere Nächte in billigeren, gewöhnlichen, aber komfortableren (geheizten) Zimmern oder Chalets des Eishotels.

 

Kiruna

 

Wir entschieden uns für ein Zimmer in Kiruna, in derselben Unterkunft, in der wir schon vor 10 Jahren logiert hatten. Obwohl Kiruna über 20‘000 Einwohner hat, fühlt es sich eher wie eine grosse Ansammlung von Häusern und Wohnblocks, als wie eine echte Stadt an. Als Kontrast zu den hübschen Schwedenhäusern sieht man vielerorts auch reihenweise eher hässliche Wohnblocks.

Das staatliche Eisenbergwerk ist der grösste Arbeitgeber und da das Abbaugebiet grössere Ausmasse annimmt als ursprünglich geplant, wird die ganze Stadt etappenweise an eine neue Stelle in der Nähe verschoben.

Soweit nördlich ist das Klima deutlich harscher als weiter südlich. Hier lag deutlich mehr Schnee und viele Gebäude waren buchstäblich hinter Schneebergen versteckt. Während unserer vier Tage wurden wir mit noch mehr der weissen Pracht beglückt. Es scheint, dass die meisten Leute das Beste draus machen und (fast) alle besitzen einen Snow-Scooter.

 

Als sich die Wolken wieder lichteten, konnten wir die majestätischen Berge, welche die Stadt umgeben, bewundern. Die Rezeptionistin unseres Gästehauses meinte, dass der Mai der einzig deprimierende Monat sei, da sich dann die Landschaft weder weiss noch grün, sondern grau präsentiere. Es habe dann zu wenig Schnee um den Motorschlitten zu gebrauchen aber noch zuviel Eis auf den Seen, um mit dem Boot in See zu stechen. Die Schneeberge schmelzen und überall liege Matsch der dann alles sumpfig macht. Momentan hatte es allerdings noch überall hohe Schneeberge, aber auch Eisskulpturen vor den Eingängen vieler Geschäfte, Hotels und auch vor Kirunas Verkehrsbüro.


Abisko Nationalpark

 

Als wir noch weiter nördlich zogen, erreichten wir die Bergkette Lapporten. Nachdem wir diese hinter uns liessen, waren wir bereits im Abisko Nationalpark. Obwohl es sich um eine sehr kalte Gegend handelt, lag hier nur wenig Schnee, da er von den regelmässigen Windböen weggefegt wird. Als wir auf dem 70km langen Torneträsk See spazierten, wurde dies noch offensichtlicher. Die Schneedecke auf dem Eis war sehr dünn aber hart. Der Wind hatte Muster auf dem Schnee hinterlassen, wie man sie sonst im Sand sieht. Immer wieder fanden wir eine kleine blanke Eisfläche, die aussah wie ein gesprungenes dickes Fenster nach unten. Obwohl das Eis ziemlich klar war, konnten wir das Wasser nicht sehen, da die Eisschicht sehr dick war. Neugierig näherten wir uns einigen der vielen Wohnwagen, Hütten und Zelten die auf dem ganzen See verteilt standen. Bald wurde uns bewusst, dass diese den Eisfischern als Windschutz dienten. Oft bläst der Wind so stark, dass diese „Behausungen auf dem Eis“ mit starken Seilen und riesigen, in die „See Oberfläche“ gebohrten Heringen angebunden werden müssen. Einige Hütten standen auf Kufen damit sie einfacher übers Eis und zurück ans Ufer gezogen werden können, bevor das Eis unstabil wird. Wir hörten später, dass man voraussichtlich bis Ende Mai eisfischen und den See betreten kann.

 

Da die Unterkünfte in diesem Nationalpark sehr gut belegt waren, hatten wir das Privileg zwei verschiedene auszuprobieren. Die erste Nacht verbrachten wir im „Dog Camp“ einer Backpacker’s Herberge welche viele Touren anbietet, die meisten davon mit Schlittenhunden. Am Abend lädt der Eigentümer jeweils alle Gäste in die Sauna ein. An diesem Abend waren wir bloss drei, die ihm in den Schwitzkasten folgten. Er erzählte uns, dass er an einigen Abenden sogar drei Sitzungen abhalten muss, da so viele Gäste von der Sauna profitieren möchten. Seitdem in einem Chinesischen Reiseführer erwähnt ist, dass dieses Hostel Hundeschlitten-Touren und gemischte FKK Sauna Sitzungen anbietet, wimmelt es hier von Chinesischen Gästen. Er erzählte uns, dass in der Zwischenzeit 70% seiner Kunden Chinesische Studenten sind, welche irgendwo in Europa studieren. Es ist offensichtlich, dass sich die Welt des Tourismus ändert und alternative Ideen auch in Asien Fuss fassen.

 

Traditionsgemäss kommen die meisten Besucher des Abisko Nationalparks aus Schweden oder Norwegen. Vor allem die Norweger kommen nicht nur wegen der wild-herben Natur hierher, sie möchten auch von den deutlich tieferen Schwedischen Preisen profitieren. Obwohl das Dorf Abisko bloss 150 permanente Einwohner zählt, gibt es hier einen grossen Supermarkt, welcher fast alles in Grosshandels-Packungen anbietet. Wir hatten den Eindruck, dass die Preise eher hoch angesetzt seien, wenn wir aber die überladenen Einkaufswagen der Norweger sahen, war es klar, dass sie sich hier wie im Konsumenten-Paradies fühlten. Nicht nur der Kofferraum, auch der Sarg auf dem Autodach wurden randvoll gefüllt, genauso wie der Magen und der Treibstoff Tank!

 

Am letzten Märztag fuhren wir Richtung Riksgränsen an die Grenze zu Norwegen. Die Strasse war sehr eisig und von riesigen Schneemassen gesäumt. Es gab Stellen mit hohen Schneeverwehungen und andere wo man den nackten Fels sah, da der Schnee vom Wind weggefegt worden war.

Campingplätze waren aus den Schneemassen ausgegraben worden und erfreuten sich, vor allem bei Norwegischen Gästen grosser Beliebtheit, da die Osterferien nahten. Dieser stahlblaue Tag war ein perfekter Abschied von Schweden.


Schlussgedanken zum Winter in Schweden

 

Es war für uns absolut erlebnisreich und lohnenswert den Winter in Schweden zu verbringen; eine tolle Erfahrung! Obwohl die Temperaturen mehrmals 33°C unter null erreichten, fühlte es sich gar nicht so kalt an, da die Luft hier viel trockener ist als weiter südlich. An sonnigen Tagen fühlte sich -10°C schon richtig mild an und dank dem es nie Nebel hatte, war das Wintererlebnis noch positiver. Die eiskalten Wetterbedingungen haben auch ihre guten Seiten; nach dem Einkaufen kann man ohne weiteres noch für ein paar Stunden einen Ausflug machen, ohne dass man sich dabei um tiefgefrorene Produkte, Fleisch oder Fisch im Kofferraum, Sorgen machen müsste: alles wird noch kalt oder gefroren sein, wenn man zuhause ankommt. Man sollte nur bedenken, bei dieser Kälte weder Salat noch frische Kräuter zu kaufen, da sie in weniger als einer halben Stunde zu Tode frieren. Wenn man Pech hat und irgendwelche Flüssigkeit im Kofferraum ausläuft, muss man erst gar nicht ans Aufwischen denken, da alles innert Sekunden steinpickelhart einfriert!

 

Nach solchen Erfahrungen waren wir jeweils froh zum Aufwärmen wieder in unser Haus zu kommen. Hier im hohen Norden sind die Häuser alle sehr gut isoliert und nachdem wir etwas Bio-Treibstoff d.h. ein paar Bäume, in den Holzofen steckten, wurde es in unseren jeweiligen Ferienhäusern immer sehr schnell gemütlich warm.

 

Die dunkle Zeit haben wir bei weitem nicht als so negativ empfunden, wie ihr Ruf ist. Im November werden die Tage zwar sehr schnell kürzer, doch schon im Februar werden sie in derselben Geschwindigkeit wieder sehr viel länger. Dank dem vielen Schnee fühlten sich auch die kürzesten Tage nicht allzu dunkel an. Die allgegenwärtigen Weihnachts-Beleuchtungen in den Dörfern verliehen dieser Jahreszeit zudem einen ganz speziellen Charme.

 

Solange es auf den Bäumen noch Schnee hatte, war es nicht unangenehm im Dunkeln zu fahren, da sich die Tiere kontrastreich vom Weiss abgehoben hätten. Die Strassen wurden viel besser unterhalten und gepflügt als wir es erwartet hätten. Es war sicherer an eiskalten Tagen auf der Strasse unterwegs zu sein, als an den wenigen Tagen, an denen es etwas taute, weil dann der Schnee mehlig statt griffig war und Matsch die Scheiben verschmierte. Wir hatten zwar sehr viele Niederschläge, doch da diese als Schnee fielen, halfen sie nur, dass das Winterwunderland an den nachfolgenden sonnigen Tagen noch schöner dastand.

 

Die Schweden sind sehr gastfreundlich und kommunikativ. Sie halfen uns die verschiedenen kulturellen Unterschiede und Eigenarten aufzunehmen und besser zu verstehen. Sie zeigten uns auch, dass das Leben sogar bei extremer Kälte in geordneten Bahnen verlaufen kann. Nur wegen etwas Kälte, Eis und Schnee werden in Skandinavien weder Strassen noch Flughäfen gesperrt!

 

Schweden ist sicher immer einen Besuch wert, aber viele Sehenswürdigkeiten sind im weissen Winterkleid noch beeindruckender! Irgendwie war es ein Privileg, auch die touristischsten Höhepunkte ganz für uns alleine zu geniessen und im sanften Licht der tiefstehenden Sonne bewundern zu können. Wir waren beeindruckt zu sehen wie Flüsse, riesige Seen und sogar das Meer zufroren. Während hier in Schweden solides Eis ein ganz normaler Teil des Winters ist, bedeutet ein gefrorener See in der Schweiz ein Jahrhundert-Ereignis und sollte jemand daran denken, mit dem Auto darauf zu fahren, würde er vermutlich sofort ins nächste Irrenhaus eingeliefert!

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Norwegen im Frühling: vom Schnee zu sattgrünen Wiesen

Am 31. März 2010 überquerten wir die Grenze von Schweden nach Norwegen auf der E10 nördlich von Abisko. Zuerst veränderte sich die Landschaft noch nicht stark. Wir waren immer noch von riesigen Schneemassen umgeben, nur dass die Strasse hier auf der Norwegischen Seite etwas vereister war, als vor der Grenze und sich die Schneehaufen zudem am Strassenrand noch höher türmten. Auf einmal hatte es deutlich mehr Verkehr, da viele Norweger jetzt kurz vor Ostern in die Berge strömten. Alle paar hundert Meter hatte man einen Parkplatz aus dem Schnee gefräst und so waren die Autos hinter meterhohen Schneemauern parkiert. Es war fast unmöglich diese Parkfächer von weitem zu erkennen, aber falls man doch das Glück hatte eine der engen Einfahrten zu finden, waren sicher schon alle Parkplätze überstellt. Viele Einheimische kamen zum Langlaufen, Schneemobil fahren oder zum Eisfischen. Wer ein hier ein Ferienhaus hatte, kam über Ostern her. Für einige der „möchte-gern-Urlauber“ war es fast ein Ding der Unmöglichkeit, einen Pfad zu ihrem Ferienhaus freizuschaufeln. Mehr als einmal sahen wir, wie ein armer Teufel mit einer kleinen Schaufel vor einer 4 Meter hohen Schneemauer stand und hoffnungsvoll versuchte, sein mehrere hundert Meter vom Strassenrand entferntes Haus, noch vor Ferienende zu erreichen. Sie standen alle da, wie Esel am Berg.

 

Ein paar Kilometer weiter trafen wir einen Troll Riesen, der das hinter ihm liegende Restaurant bewachte, obwohl es vollständig in den Schneemassen versunken, auf den Sommer wartete. Er sah recht drollig aus, wie er einen halben Meter Schnee auf seiner Betonnase balancierte. Weniger als 50 km hinter der Grenze erreichten wir bei Narvik die Küste. Hier sahen wir das erste blaue Wasser seit Monaten. Der Fjord, der uns in Norwegen willkommen hiess, war nicht gefroren! Doch die gesamte Landschaft lag auch hier noch unter einer dicken Schneedecke.

Auf dieser kurzen Strecke machte das Klima einen gigantischen Sprung vorwärts. Dank dem Golfstrom ist es entlang Norwegens Küste viel milder, als im Landesinnern, oder in Schweden und Finnland. Bald entdeckten wir, dass trotz spürbar höheren Temperaturen auch hier, sowohl alle Seen, als auch die Enden einiger tief eingeschnittener Fjorde noch von einer Eisschicht überzogen waren. Auch hier ist das Eisfischen und Langlaufen auf gefrorenen Seen sehr beliebt. Später erfuhren wir, dass die Seen jeden Winter zufrieren, Fjorde hingegen, nur in einem speziell kalten Winter wie diesem. Ganz offensichtlich ist der Winter auch an der vom Golfstrom verwöhnten Küste, nicht ganz so mild.


Ferienhaus auf den
Vesterålen Inseln

 

Wir fuhren zu den Vesterålen Inseln nördlich der Lofoten, wo wir unser nächstes Ferienhaus reserviert hatten. Seine Lage war einfach fantastisch! Das Haus thronte direkt über einem Fjord bei Myre. Es war gut ausgestattet und sehr geräumig. Ausser einem Wohn-Esszimmer, hatte es ein Obergeschoss mit zwei Schlafzimmern, und sogar einen Keller.

 

Hier wurden die Tage nun sehr schnell länger und am 1. April blieb die Sonne schon bis 20:00 Uhr am Himmel. Um 21:30 Uhr war es noch immer nicht vollkommen dunkel, und täglich schien die Sonne 10 Minuten länger. Dies war nun also unsere letzte Chance überhaupt noch Nordlichter zu beobachten. Diese sahen wir auch, dank dem der Himmel während unserer 10 Tage meist klar war. Fast jeden Abend boten uns diese flackernden Lichtstrahlen eine fantastische Vorführung. Manchmal konnten wir sie schon sehen, bevor es vollkommen dunkel war und wenn sie besonders stark waren, störten nicht einmal mehr die Lichter des Dorfes vom gegenüberliegenden Ufer des Fjordes. Wir verbrachten viel Zeit damit, Nordlichter von unserer Terrasse aus zu beobachten. Nach einigem Fummeln an Kamera und Stativ schafften wir es sogar, ein paar Szenen der Aurora Borealis aufs Bild zu bannen. Nur schade, dass die besten so spät erschienen.

 

Dank dem guten Wetter gingen wir fast täglich auf Erkundungsfahrt. Unser Ferienhaus hatte auch eine perfekte, zentrale Lage, um die verschiedenen Inseln der Vesterålen zu erkunden. Wir kamen oft spät nach Hause, kochten und assen unser Abendessen, schauten Fotos durch und beschrifteten diese, und dann begannen die Lichter zu tanzen… wie gesagt; wir hatten nicht viel Schlaf während dieser Zeit!


Entdeckungsfahrten auf den schneebedeckten
Vesterålen Inseln

 

Die langen Tage und die wunderschöne schneebedeckte Landschaft machten es besonders lohnenswert, die Umgebung zu erkundigen. Unsere ersten Ausflüge führten uns in den Norden Langøyas. Die Inseln und Fjorde sind durch schmale Strassen und faszinierende Brückenbauwerke untereinander verbunden. Es gibt hohe zerklüftete Berge und kleine Fischerdörfer. Mancherorts hing der Dorsch (Kabeljau), welcher jeweils im Winter in diesen Gewässern gefangen wird, an grossen Holzgestellen zum trocknen.

 

Auf der Karte sah es so aus, als würde die Strasse über Dämme zu nahe gelegenen Inseln führen. Um uns herum war jedoch alles von Schnee und Eis bedeckt und wir konnten nicht ausmachen, wo das Land aufhört und das Meer beginnt. Wir befanden uns immer noch inmitten eines faszinierenden Winter-Wunderlandes. Bei einigen Fjorden konnten wir beobachten, wie sie langsam auftauten und grosse Eisplatten über das blau schimmernde Wasser davon schwammen. Die Strassen waren schneegesäumt, aber schon schwarz und trocken, ausser nachts wenn das Schmelzwasser gefror.

Anfangs April erreichten die Tages-Temperaturen oft so um die 5°C, aber nachts fielen sie regelmässig unter den Gefrierpunkt. Dank unserem windgeschützten Balkon konnten wir manchmal ‚ganz ohne‘ ein Sonnenbad nehmen. Dabei sahen wir hinunter zum Fjordarm, der in den Nächten regelmässig wieder zufror. Obwohl Heinz zum Schnee schaufeln nur das Adamskostüm trug, begann er zu schwitzen.

 

Ganz am Ende einer engen Strasse liegt Nyksund, ein ehemaliges Walfängerdorf, das einst verlassen wurde, momentan aber wieder bevölkert und schön restauriert wird. Dank dem ruhigen Wasser spiegelten sich die Häuser im schönsten Licht und so sahen sogar die letzten baufälligen Gebäude fast schön aus. In Nyksund haben sich auch viele Möwen angesiedelt. Diese Vögel müssen wirklich schwanzgesteuert sein, sonst hätten sie bei dem vielen Schnee nicht schon im März angefangen zu nesten. Einige bauten ihr Nest sogar auf Schneeflecken in der steilen Felswand.

 

Mehrmals konnten wir beobachten, wie eines der bekannten Hurtigruten-Boote zwischen den Inseln navigierte. Anfänglich hat man sie eingeführt, um die abgelegenen Dörfer entlang der Norwegischen Küste mit Post und dringend benötigten Gütern zu versorgen. Inzwischen sind sie wohl eher zu Kreuzfahrtschiffen geworden, die nebenbei noch ein paar Dienstleistungen im Allgemeininteresse übernehmen.
Manchmal sahen wir uralte Raupenfahrzeuge, die wie Pistenfahrzeuge aus der Vorkriegszeit aussahen. Wir wunderten uns, in einem sonst so fortschrittlichen und wohlhabenden Land, so altmodische Fahrzeuge zu  finden.

 

Nachdem wir die Brücke bei Sortland überquert hatten, erkundeten wir die nordwestlichste der Vesterålen Inseln: Andøya. Ausser dem hübschen Ort Nordmela, hat sich dieser Ausflug eher für die Landschaft, als für die Dörfer gelohnt. Der Hauptort Andenes ist, wegen seiner Touren zur Wal- und Papageientaucher-Beobachtung, im Sommer sehr touristisch. Jetzt war hier aber absolut tote Hose. Die Insel ist von einer Gebirgskette dominiert die zum Meer hin flach ausläuft. Die Lichtverhältnisse hatten sich natürlich verändert, bis wir zurückfuhren und die Schneeberge schimmerten nun golden. Da sich der Wind  inzwischen gelegt hatte, spiegelten sie sich nun majestätisch im Wasser, was wir vor allem von der Hogn-Brücke auf Hinnøya toll erlebten. Auch die Bogenbrücke selbst, sah grossartig aus, umso mehr zusammen mit den rosa Wölkchen über dem blauen Fjord.

 

Auf einem anderen Tagesausflug besuchten wir den westlichen Teil Langøyas. Die Strasse folgte mehreren, teilweise gefrorenen Fjorden, in denen sich die schneebedeckten Berge majestätisch spiegelten. Diese Landschaft war einfach umwerfend. Unser erster grösserer Stopp galt Ringstad, wo wir die Jugendherberge wieder fanden, in der wir vor 10 Jahren übernachtet hatten. Bereits damals gab es hier eine einladende Terrasse über dem Wasser. Wir erinnern uns, dass wir dort zweimal von Passanten gefragt wurden, ob‘s Kaffee gäbe, da sie dachten, die Jugendherberge sei ein Restaurant.

In der Zwischenzeit war es nun tatsächlich in eines umgebaut worden, und was der ausländische Küchenchef lieferte, schmeckte hervorragend. Als wir weiterzogen, erreichten wir das malerische Fischerdorf Nykvåg, wo sich bunte Häuser und Boote im stillen Wasser spiegelten. Auch hier versuchten die Möwen den Fortbestand ihrer Gattung dadurch zu sichern, dass sie auf noch schneebedeckten Klippen Nester bauten.

 

Während unserer zehn Tage in den Vesterålen hatten wir so tolles Wetter, dass wir uns jeweils kaum entscheiden konnten, ob wir  einen weiteren Ausflug machen, oder einfach zu Hause die Aussicht geniessen sollten, die normalerweise, oder ausserhalb Norwegens, Millionären vorbehalten ist.


Ferienwohnung auf den Lofoten

 

Am 10. April 2010 fuhren wir weiter zu den Lofoten Inseln. Über Brücken und Untersee-Tunnels arbeiteten wir uns viele Inseln weiter. Vorbei an vielen gefroren oder auftauenden Seen und der Stadt Svolvær, erreichten wir den Weiler Mølnarodden, in welchem wir eine Ferienwohnung arrangiert hatten. Der Eigentümer, der normalerweise im Obergeschoss desselben Hauses wohnt, konnte uns nicht persönlich empfangen. Der Isländischer Vulkan unter dem Eyjafjallajökull Gletscher verzögerte seine Rückkehr nach Norwegen. Glücklicherweise hat er einen netten Nachbarn, der sich um uns kümmerte. Diese Wohnung war nun etwas einfacher, aber wir hatten wohl einfach mit all den anderen mehr Glück gehabt, als wir es verdient hätten. Aber für Ausflüge war ihre Lage wiederum perfekt. Wir mussten allerdings eine Woche warten, bis uns das gute Wetter wieder einholte. Während dieser ersten Woche hatten wir einige Schneestürme und typisch launisches Aprilwetter. Es kam oft vor, dass wir eitel Sonnenschein sahen, wenn wir durch das vordere Fenster schauten, hingegen heftige Schneeschauern, wenn wir durchs hintere sahen, oder umgekehrt. Direkt hinter dem Haus lag ein kleiner See und wir hatten die Illusion, dass wir beobachten könnten, wie er langsam auftaut. Bei unserer Abreise, zwei Wochen später, war er allerdings fester gefroren, als vorher und lag nun wieder unter einer Schneedecke, obwohl sich in der Zwischenzeit die erste Krokusse zeigten.


Henker: in Nord-Norwegen eine alltägliche Arbeit

 

Überall wo wir auf den Lofoten hinkamen, sahen wir riesige, oft giebeldachförmige Holzgestelle, an denen Dorsch zum trocknen hing. Seit über 1‘000 Jahren ist bekannt, dass jeden Winter grosse Polardorsch-Schwärme zum laichen in diese Gewässer kommen. Ihr Fang wurde für ganz Norwegen sehr wichtig und ist unter dem Namen „Lofoten Fischerei“ bekannt geworden. Noch immer pilgern jeden Winter tausende von Saisonarbeitern hierher. Obwohl es inzwischen notwendig wurde, den Dorschfang zu beschränken, werden immer noch jährlich mehrere zehntausend Tonnen gefangen.    

 

Diejenigen Fische die das Pech haben sich in den Netzen zu verfangen, werden enthauptet. Nun werden ihre Zungen für eine einheimische Spezialität entnommen und ihre Köpfe dutzendweise an Schnüren aufgehängt. Danach werden ihre Körper paarweise am Schwanz zusammengebunden und auf den Holzgerüsten zum Trocknen aufgehängt. Dadurch werden sie zu Stockfisch und das ideale Klima der Lofoten ist für die ‚gute Qualität‘ verantwortlich, die sie während der 16 wöchigen Trocknungsphase erhalten. In dieser Zeit verliert der Fisch 80% seines Gewichts.  

 

In ganz Nord-Norwegen hing immer wieder der Geruch von trocknendem Fisch in der Luft. Da der so konservierte Fisch für lange Zeit essbar (jedoch kaum ein Genuss!) bleibt, war er früher auf langen Seereisen sehr wichtig. Stockfisch hatte bereits im Mittelalter seinen Weg nach Italien gefunden, wo ihn die Katholiken als Fastenspeise adoptierten. Zumindest ist das Essen von wieder-aufgeweichtem Stockfisch wirklich eine religiöse Busse, wogegen das Essen von frischem Fisch eher eine Fest- als eine Fastenspeise ist. Der Hauptabnehmer für Stockfisch ist immer noch Italien, wogegen die getrockneten Fischköpfe vorwiegend nach Afrika exportiert werden, vor allem nach Nigeria, wo sie in Suppen enden.

 

Heute sind nur noch die Ober-Henker der hiesigen Fischindustrie Norweger, die meisten Henker und Enthaupter hingegen, sind Gastarbeiter aus den Baltischen Staaten oder aus Osteuropa. Auch die meisten anderen Saisonstellen in Norwegen sind mit Gastarbeitern aus den ehemaligen Ostblock-Ländern besetzt; sogar in der Touristeninformation.

Die meisten Einheimischen fischen selbst und trocknen ein paar Stockfische in ihrem Hinterhof. Oft sahen wir ein paar an Wäscheleinen hängen, zusammen mit T-Shirts, BHs oder Teppichen…


Hübsche Lofoten-Dörfer in rauer Landschaft

 

Å am südwestlichen Ende der Strasse E10, ist eines der bekanntesten Lofoten-Dörfer.  Å ist auch der letzte Buchstabe des Norwegischen Alphabets, daher stammt der Ortsname. Heute ist es ein Museumsdorf und die Türen zu vielen Häusern sind während des Sommers geöffnet. Während dieser Zeit können die Besucher miterleben, wie das Leben hier einst war. Jetzt im April, war aber noch nicht einmal das Restaurant geöffnet. Überall hing Fisch zum trocknen und man arbeitete daran, die Rorbuer für die Touristen bereit zu machen. In früheren Zeiten waren Rorbu einfache Hütten, die den Fischern in der (Stockfisch) Saison als Unterkunft gedient hatten. Heutzutage sind die meisten dieser Hütten, welche sich auf Pfählen über dem Wasser befinden, nett renoviert und mit Badezimmern und anderem Luxus ergänzt worden. Die meisten davon werden während der Ferienzeit für gutes Geld vermietet. Sie sind in der Zwischenzeit so gefragt, dass ganze „Rorbu- Siedlungen“ exklusiv für Hobby-Fischer und andere Touristen gebaut werden.

 

Die hohen und steilen Berge waren immer noch schneebedeckt und boten einen spektakulären Hintergrund zu den bunten Dörfern. Die meisten der echten Fischerdörfer auf den Lofoten sind sehr malerisch. Wir fuhren häufig hinaus und besuchten das eine oder andere und genossen die spezielle Atmosphäre. Am besten gefielen uns: Hamnøy, Sakrisøy, Moskenes/Reine, Sørvågen, Napp und Henningsvær. Dann gibt es noch Nusfjord, welches es auf die berühmte Weltkulturerbe-Liste geschafft hat. Heute ist es fast nur noch ein Museumsdorf und in seinem Hafen fehlten die Fischerboote. Stattdessen sahen wir überall Schilder, auf denen angegeben war, wieviel es kostet hier herumzuschlendern. Im April fehlten aber die Touristen und folgedessen auch der Abzocker.

 

Die Strassen, welche die einzelnen Inseln der Lofoten untereinander verbinden, sind oft sehr schmal. Wir fragen uns, wie sie mit den 300‘000 Touristen zurechtkommen, die in den zwei Sommermonaten hierher pilgern. Während wir bei jedem Wetter auf diesen engen Strassen herumkurvten, wurde uns bewusst, wie stark die Einheimischen der unglaublich starken Macht der Natur ausgesetzt sind. Die Inseln sind karg und sehr schmal, weshalb die Strasse oft sehr nah entlang des Wassers führt. Es war beeindruckend zu sehen, wie wild das Meer manchmal tobt und wir hörten von Vorfällen bei denen Autos wie Spielzeuge ins Meer gespült worden seien. Die Strassenabschnitte, welche am dichtesten dem Wasser entlang führen, sind neu mit einem automatischen Warnsystem ausgestattet. Wenn irgendwo die Wellen zu hoch werden, senkt sich dort eine Barriere. Wer hinter einer solchen Barriere stecken bleibt, betet am besten zu Neptun, oder nimmt sich gleich ein Zimmer in der nächsten Pension. Die Lofoten sind zweifelsohne sehr schön, aber es ist eine raue Schönheit.

Am 24. April verabschiedeten wir uns von den Lofoten und gingen dem Norwegischen Festland entgegen. In Lødingen auf der Ofoten Inselgruppe, nahmen wir die Autofähre nach Bognes. Auf der Überfahrt kamen wir an beeindruckenden schneebedeckten Bergen vorbei. Diese bestachen durch ihre skurrilen Formen, die für hier oben typisch sind.


Die Strasse Nr. 17: der Kystriksveien

 

Auch auf dem Festland waren die Seen und viele Fjordenden noch steinpickelhart gefroren. Wenn man einmal eine kleine ungefrorene Stelle sah, war es weil ein Kraftwerk dort Wasser einliess, welches durch die Generatoren geflossen war.

Am Abend übernachteten wir in einem kleinen Hüttchen auf einem Campingplatz in Bodø. Als wir am nächsten Morgen aus dem Fenster schauten, wurden wir von einem Schneesturm begrüsst. So liessen wir uns Zeit und frühstückten erst mal in aller Ruhe. Währenddessen zeigte sich tatsächlich schon bald die Sonne und wir machten uns auf den Weg, entlang der beeindruckenden Küstenstrasse Nr. 17; dem Kystriksveien.

 

Nur 33 km südlich von Bodø befindet sich der Saltstraumen, einer der stärksten Gezeitenströme der Welt. Weil die Mündung zu einem gigantischen, über 40km tiefen Fjordsystem nur 150 Meter breit ist, fliesst das Gezeitenwasser mit Geschwindigkeiten bis zu 20 Knoten durch die 3 km lange Meerenge. Die dabei entstehenden Wirbel haben bis zu 10 Meter Durchmesser und bis zu 5 Meter Tiefe. Nur bei Gezeitenwechsel steht das Wasser für einige Zeit still, aber alle 6 Stunden drängen sich bis 400 Mio. Kubikmeter Wasser durch diese Meerenge. Dadurch könnte man meinen, diese sei ein Fluss, der einmal flussaufwärts- und dann wieder flussabwärts fliesst. Dann wölbt sich der Wasserstrom in der Mitte deutlich sichtbar nach oben. Die dadurch verursachten gefährlichen Wirbel und Strömungen stellen schon für so manches Boot eine echte Herausforderung dar.

 

Nach der Durchfahrt des 7,6 km langen Svartisen-Tunnels, sahen wir den gleichnamigen Gletscher. Vom Weiler Holand aus, sieht man auf der gegenüberliegenden Fjordseite zwei Gletscherarme über die Bergkreten, zum Fjord herunter-kriechen. Zur Freude der Touristen wurden entlang dieser Strasse, welche von der Norwegischen Regierung als „Nationale Touristen Route“ designiert worden ist, viele Aussichts- und Picknick-Plätze eingerichtet.

 

An diesem Tag überquerten wir zwei Fjorde mit Autofähren. Die zweite brachte uns von Jektvik nach Kilboghamn und damit wieder südlich des Polarkreises. Wir waren vom hohen Standard der Fähren beeindruckt. Oft gab es eine Cafeteria, welche Snacks oder sogar richtige Mahlzeiten anbot. Das Essen auf den Autofähren war weder überteuert, noch besser oder schlechter als das, was man in einem normalen Restaurant kriegt. Wie überall in Norwegen, war es weder speziell preiswert, noch speziell kreativ.

 

Nur wenige Kilometer hinter dem Fähranleger fanden wir eine hübsche Campinghütte für die nächste Übernachtung. Sie war eigentlich schon fast ein richtiges Ferienhaus. Da wir ausserhalb der Saison kamen, zahlten wir NOK 500 (€65), aber im Sommer muss man dafür fast das Doppelte hinblättern.


Südlich des Polarkreises

 

Obwohl wir uns nun wieder südlich des Polarkreises befanden, war es immer noch offensichtlich, dass der wärmende Einfluss des Golfstroms nicht weit über die Fjorde reicht. Die Küste war nun schneefrei, doch weniger als 50 Meter (!) über dem Meeresspiegel, lag die Landschaft noch immer unter einer weissen Schneedecke. Dies war schon unser zweiter „Tag der Elche“, da wir fast hinter jedem Schild “stor elgfare” (grosse Elchgefahr) eines dieser gigantischen Tiere zu Gesicht bekamen. Sie stellen im Strassenverkehr eine grosse Gefahr dar und wir hatten Glück, dass wir sie immer aus sicherer Distanz sahen. Zu unserer Überraschung sahen wir Elche oft in der Nähe von Häusern.

Die Strasse führte uns über drei weitere Fähren, sowie über die beeindruckende Helgeland Brücke vor Sandnessjøen. Mit 1‘065m Länge ist sie eine der längsten Schrägseilbrücken der Welt. Über künstlich angelegte Dämme schwingt sich die Strasse in einer Kurve hinauf zur Bücke, auf 45m über dem Meeresspiegel.

 

Wiederum übernachteten wir in einer Hütte auf einem Campingplatz, diesmal in Brønnøysund. Erst regnete es in Strömen, doch während der Nacht schneite es. So mussten wir am nächsten Morgen unser Auto zunächst von 5cm Schnee befreien, bevor wir wieder losfahren konnten. Es war nun der 27. April und das Wetter präsentierte uns seine gesamte mögliche Palette, ausser Donner. Es war sonnig, als wir anhielten um den berühmten Berg Torghatten zu fotografieren. Er hat ein grosses Loch, durch das man jetzt allerdings nicht hindurch sehen konnte, da es mit Eis verstopft war. Kurz darauf begann es wieder zu schneien und hageln, und als nächstes wiederholte sich das ganze Wetter-Menü von vorn.

 

Schon bald sahen wir wieder Elche, und auch die ersten gelben Blümchen, die tapfer dem rauen Wetter trotzen. Die Strasse führte uns wiederum durch spektakuläre Küsten-Landschaften und über mehrere Autofähren. Wir machten einen Umweg und verliessen dazu die Strasse Nr. 17, um den malerischen Küstenort Rørvik, mit seinen traditionellen Hafenhäusern zu besuchen. Das neue Wahrzeichen ist das super moderne “Norveg Museet Midt”, welches von einem Isländischen Architekten entworfen wurde. Die Frontfassade stellt drei Segel im Wind dar. Für Norwegen ist dieses schon fast übertrieben modern, da die meisten Norwegischen Gebäude eher funktionell, als schön sind. Man findet dieselben simplen Haustypen im ganzen Land, wieder und wieder.

 

Weiter ging es, über sehr schöne Streckenabschnitte. Manchmal sahen wir vom selben Ort aus Sonnenschein, dunkle Wolken und Schneeschauer, was der Landschaft einen magischen Anstrich mit krassen Farben verlieh. Die roten Felsen bei Ytterbysund erschienen im letzten Sonnenlicht noch röter. Schon war es wieder Zeit, nach Unterkunft zu suchen und wiederum verbrachten wir die Nacht in einem Campinghüttchen. Obwohl es mittlerweile Ende April war, hatte es noch kaum anderen Touristen und wir waren auch hier die ersten Gäste des Jahres. Dieser Camping befand sich in der Nähe von Steinkjer, wo der Kystriksveien endet.

Wir waren froh, dass wir vorgängig die handliche Broschüre  Kystriksveien RV17 vom Touristenbüro in Namsos bestellt hatten. Auf 160 Seiten findet man detaillierte Fahrpläne der Autofähren und eine Liste der Gaststätten und Logiermöglichkeiten. Wir mussten vorsichtig wählen, da viele Unterkünfte erst im Mai öffnen. Dafür bekamen wir oft sehr gute Angebote, mit viel tieferen Preisen als in der Hochsaison, ohne danach zu fragen. Die Reise führt über schmale Strassen, oft entlang malerischer Fjorde oder durch dramatische Landschaften. Die gesamte Fahrt entlang der Strasse Nr. 17 beinhaltet 7 Autofähren, von denen einige nur 10-20 Minuten, andere aber eine Stunde dauern. Wenn das Wetter mitmacht, sind diese Überfahrten besonders schön und bieten weitere Möglichkeiten für Fotos und Pausen. Für die 7 Fährüberfahrten zahlten wir insgesamt ~ €140 (1 Pkw + 2 Passagiere). Dies ist eigentlich nicht zuviel, wenn man Norwegens hohe Lebenshaltungskosten in Betracht zieht.


Auf unserem Weg nach Trondheim fühlten wir, dass der Frühling definitiv unterwegs war. Je südlicher wir kamen, desto wärmer wurde es. Die Seen waren immer noch gefroren und mehr als 50 Meter über Meereshöhe lag immer noch sehr viel Altschnee. Auf Meereshöhe hingegen, sprossen nun schon Blumen und frisches Gras in der vom Schnee braunen Landschaft. Entlang des Skauga Flusses war eine grosse Wiese mit riesigen schmutzigen Eisbrocken übersät. Einige dieser Eisblöcke lagen mehrere hundert Meter vom Flussbett entfernt. Jemand erklärte uns, dass es regelmässig vorkommt, dass die Eisdecke über dem Fluss durch eine Überschwemmung angehoben und in der Umgebung verteilt wird. Ganz offensichtlich schmilzt dieses Eis auf den Feldern deutlich langsamer, als im Wasser, wo es mit dem Schmelzwasser aus den Bergen zusammentrifft.


Trondheim

 

Wir trafen frühzeitig in Trondheim ein und bezogen ein Zimmer in der Jugendherberge. Da die Tage schon recht lang waren, blieb danach noch viel Zeit, diese wunderschöne Stadt zu erkundigen. Mit seinen 170‘000 Einwohnern ist Trondheim eine der grössten Städte des Landes. Die vielen alten Holzgebäude verleihen ihr viel Charme. Besonders reizvoll sind die Werfthäuser am Flussufer der Nidelva. Diese grossen bunten Gebäude säumen auf einer Länge von etwa 700 Metern beide Ufer. Die Werfthäuser ruhen alle auf Pfählen über dem Wasser. Bei den meisten dieser Häuser handelt es sich um alte, schön renovierte Gebäude, andere sind aber Neubauten, welche eine Fassade im alten Stil erhalten haben. Heute beherbergen diese Bauten Wohnungen, Büros, Geschäfte, Restaurants und Parkplätze.

Auch andere Stadtteile sind sehr ansprechend und so zogen wir stundenlang umher. Am Abend belebte sich die Gegend um den Nedre Elvehavn, da die Leute in die vielen Restaurants am Wasser strömten. Dort befinden sich auch ein grosser Bootshafen und das Einkaufszentrum Solsiden. Eigentlich hatten wir Lust, noch mehr Zeit in dieser Stadt zu verbringen, aber wir hatten erst gerade unser Ferienhaus umgebucht, und so mussten wir am nächsten Morgen weiter.

 

Während unseres Monats in Nord-Norwegen war es eine grosse Ausnahme gewesen, wenn wir einmal Strassenzoll bezahlen mussten, aber südlich von Trondheim änderte sich dies sehr schnell. Schon auf den 200 km von Trondheim nach Eide, unserer nächsten Destination, registrierte eine Kamera nach der andern unser Nummernschild. Diese gehören zu automatischen Mautstation, oder „Bompenger“ wie sie hier genannt werden. Die meisten Einheimischen haben ein Gerät in ihrem Wagen installiert, welches die fällige Maut direkt ihrem Konto belastet. Ausländer müssen sich darauf gefasst machen, dass man ihnen die Rechnung an ihren Wohnort zustellt. Theoretisch ist es auch möglich, die fällige Gebühr an gewissen Tankstellen zu bezahlen, doch diejenigen die wir aufsuchten waren zum Einkassieren der Gebühren, der von uns befahrenen Teilstrecken nicht zuständig, und schlugen jeweils vor, dass wir auf die Rechnung warten sollten. Für grössere Beträge hatte es meistens eine bemannte Mautstation.

Immer wenn eine Fähre durch eine Brücke, oder einen Untersee-Tunnel ersetzt wird, wird ein Teil der Baukosten mittels Strassenzoll abbezahlt. Die Maut ist oft höher, als der Preis für die Überfahrt mit der Fähre, die ersetzt wurde. Dafür kann die Strasse gratis benutzt werden, sobald das Bauwerk nach ein paar Jahren abbezahlt ist. Viele Touristen empören sich über die hohen Strassenzölle, doch sie sollten eigentlich eher mit den Einheimischen Mitleid haben, die solche Strassen auf ihrem täglichen Weg zur Arbeit benutzen müssen, selbst wenn diese einen kleinen Rabatt erhalten.


Ferienhaus bei Molde

 

Am 29. April 2010 erreichten wir unser Ferienhaus in Eide, wo wir für 10 Tage blieben. Dieses Haus war ein gemütliches kleines Bijou und die Besitzer hatten uns erst noch eine Fruchtschale und frische Blumen auf den Tisch gestellt. Es war geschmackvoll dekoriert, wenn auch etwas dunkel. An unserem Ankunftstag regnete es, doch in der ersten Mai-Woche schneite es dann immer wieder. Etwa an vier Tagen waren wir beim Aufstehen von einer weissen Landschaft umgeben. Wenn sich dann die Sonne zeigte, schmolz der Schnee schnell wieder und bis zum Nachmittag konnten wir auf unserer Terrasse ohne viele Kleider sonnenbaden.

 

Das Dorf Eide mit vier Supermärkten war bloss 7 km entfernt. Ausser am Sonntag, wenn Norwegens Supermärkte alle strikte geschlossen sind, waren sie jeden Abend bis 23:00 Uhr geöffnet. Da das Dorf nur 2‘500 Einwohner hat, sah man selten viele Kunden und bei manchen Artikeln war das Verfalldatum bereits überschritten. Was man in Norwegischen Supermärkten findet, ist meist von guter Qualität, trifft aber nicht immer den Geschmack von uns Ausländern. So sind z.B. Fisch oder Fleisch oft stark gesalzen. Gewisse Artikel können ziemlich teuer sein, wie z.B. Beutel-Suppen, die über 3.- € kosten können. Auf der anderen Seite sind aber Spanische Orangen oder Mandarinen deutlich preiswerter, als in den Läden ihres Ursprungslandes. Für etwa 16 Kronen (2.- €) findet man oft ein halbes Kilo gefrorenen Fisch, wie etwa Lachs, oder ein Kilo gefrorene Garnelen zum selbst puhlen.


Dramatische Strassen und hübsche Dörfer: von Bud bis Ålesund

 

Die Umgebung bot viel zu entdecken und wir begannen mit der nahegelegenen Küste. Das Fischerdorf Bud ist vor allem um seinen alten Hafen sehr malerisch. Viele traditionelle Hafenhäuser spiegelten sich im blauen Wasser. Im Hochsommer muss es hier wohl sehr touristisch sein, doch momentan waren wir fast die einzigen Besucher. Eine Festung aus dem Zweiten Weltkrieg liegt über dem Dorf und bietet eine tolle Aussicht über das umliegende Schärengebiet.

Woanders sahen wir einmal ein grosses Rudel Rehe auf einem Feld, direkt am Strassenrand weiden.

 

Nur 10km nördlich unseres Ferienhauses, d.h. 40km nördlich von Molde, befindet sich ein berühmtes Strassenstück, welches mehrere Inseln miteinander verbindet: der Atlanterhavsvegen. An klaren Tagen sieht man im Westen das offene Meer mit seinen spektakulären Schären und im Osten hohe dramatische Berge. Das herausragendste Bauwerk dieses 7km langen Strassenstücks ist Storseisundbrua, eine seitlich geschwungene Bogenbrücke. Sie hat die Form einer S-Kurve mit einem Buckel in der Mitte. Dahinter kamen wir auf die Insel Averøya mit ihrer zerklüfteten Küste. Entlang dieser liegen zahlreiche kleine charmante Fischerdörfer, wie z.B. das malerische Sveggen. Ganz im Osten der Insel findet man Kvernes mit seinen zwei schönen Kirchen, wovon die eine, eine Stabkirche aus dem 13. Jahrhundert ist.

 

Molde ist eine lebhafte Kleinstadt mit einem neuen Wahrzeichen; dem Hotel Rica Seilet. Dieses Hochhaus hat die Form eines Segels und die beste Sicht darauf, hat man wohl von der Autofähre zwischen Molde und Vestnes. Von dort aus hatten wir auch eine tolle Sicht auf die immer noch schneebedeckten Berge. Nun Anfangs Mai war es erstaunlich, dass die Norweger immer noch zum Langlaufen fuhren und erst recht, dass dies nur ein paar hundert Meter über dem Meeresspiegel möglich war.

 

Sehr eindrücklich war auch unser Besuch in Ålesund. Nachdem das gesamte Stadtzentrum 1904 einem verheerenden Feuer zum Opfer fiel, wurde es Gesetz, dass kein neues Gebäude im Zentrum aus Holz sein durfte. In sieben Jahren wurde die Stadt wieder aufgebaut, diesmal im Jugendstil. Das Zentrum hat nun wirklich viele schmucke Häuser und diejenigen am Hafen sehen besonders malerisch aus, wenn sie sich im Wasser spiegeln. So adrett die meisten Gebäude auch sind, so schlecht stehen die Regierungsgebäude, wie Rathaus oder Bibliothek da. Es sind hässliche Betonbauten aus den 60-er oder 70-er Jahren, welche bereits abbröckeln und einen sehr verlotterten Eindruck machen!

 

Wenn man bedenkt, welch reiches Land Norwegen ist, erstaunt es immer wieder, in welch schlechtem Zustand sich viele staatliche Gebäude und Strassen befinden. Obwohl Norwegen mit Öl ein Vermögen verdient, sind die Steuern sehr hoch. Das Ölgeld wird nicht ausgegeben, sondern investiert, um den nächsten Generationen ihre Rente zu sichern. Um eine Überhitzung der eigenen Wirtschaft zu verhindern (und der Norwegischen Sucht nach Bescheidenheit gerecht zu werden) wird der Gewinn nicht im eigenen Land investiert. Die von der Regierung verwalteten Ölgelder dürfen nur im Ausland investiert werden, und nur in Firmen die nach strengen ethnischen Richtlinien produzieren.

 

Wir erlebten die Norweger, als von Natur aus bescheidene und eher reservierte Menschen. Man ist eher bereit, den Status Quo zu akzeptieren, als einen Konflikt offen auszutragen. Wir sprachen auch mit mehreren Einwanderern und alle hatten von der Norwegischen Gesellschaft den gleichen Eindruck wie wir. Als Beispiel; wir hatten ja dieses Ferienhaus in Eide über eine Agentur gebucht. Da wir schon zwei Tage früher ankommen wollten, riefen wir die Besitzer an. Bevor wir uns überhaupt erklären konnten, wurde aber der Hörer mehrmals aufgehängt. Vielleicht sprachen sie ja nicht gut Deutsch oder Englisch, also versuchten wir es mit einer SMS. Postwendend und in korrektem Englisch kam die Antwort, dass dies in Ordnung sei. Nebenbei wurden wir noch gefragt, ob wir die Endreinigung selbst übernehmen wollten oder nicht?

Auf diese Frage gingen wir nicht ein, da wir dachten, wir könnten dies den Besitzern dann persönlich mitteilen. Sie legten uns den Schlüssel, sowie einen Blumenstrauss und eine Früchteschale ins Haus. Ausser einer SMS, in dem sie uns einen schönen Aufenthalt wünschten, hörten und sahen wir aber von ihnen nichts! Als wir per SMS nachfragten, wieviel denn die beiden Zusatz-Nächte kosten und ob wir uns zur Bezahlung treffen könnten, kam keine Antwort. Wir machten gerade Witze, ob die Besitzer uns eher zwei Nächte schenken, als uns zur Bezahlung zu empfangen, da läutete das Telefon. Eine Dame der Agentur erkundigte sich, ob wir mit den Hauseigentümern, welche ganz in der Nähe wohnen, ein Problem hätten. Es käme ihr schon seltsam vor, dass man sie - in Oslo - bat, uns zu fragen, ob wir die Endreinigung übernähmen.
Keine fünf Minuten, nachdem dies geklärt war, bekamen wir von den Besitzern eine SMS. Darin wurde uns mittgeteilt, dass wir für die zwei Zusatz-Nächte nichts bezahlen müssten. Zudem wurden wir gebeten, NACH unserer Abreise eine SMS zu senden; wohl damit sie wussten, wann die Luft wieder rein ist…


Geiranger Fjord

 

Als wir Eide verliessen, entschieden wir uns für eine Weiterreise kreuz und quer durch das Norwegische Inland. Nach zwei Fährüberfahrten und einer schönen Fahrt entlang mehrerer gefrorener Seen, erreichten wir den Geiranger Fjord.

Während es über mehrere Haarnadelkurven hinunter zum Fjord ging, genossen wir die spektakuläre Aussicht über das enge Tal. Auch jetzt im Mai, war es immer noch eine Ausnahme, wenn wir andere Touristenfahrzeuge auf der Strasse sahen. Im Dorf Geiranger hingegen, wimmelte es auf einmal von Touristen, da dieser Ort von „Postschiffen“ der Hurtig-rute und anderen Kreuzfahrtschiffen angelaufen wird. Wir durchquerten die gesamte Länge des geschlängelten Fjords mit einer, vornehmlich auf Touristen ausgelegten, Autofähre. Als wir an einem Wasserfall vorbei kamen, konnten wir die Schiffstaufe zweier Boote beobachten, die für Norwegens Offshore Ölplattformen in Dienst genommen wurden. Unsere Fähre war recht voll, doch neben unserem, war nur noch ein Norwegischer Pkw, sowie ein Reisebus auf dem Autodeck. Die anderen Passagiere waren Pauschalurlauber, die man per Bus oder Schiff nach Geiranger gebracht hatte und die froh waren, dass man ihnen die Sehenswürdigkeiten entlang des Weges per Lautsprecher erklärte. Uns ist aufgefallen, dass die Gefriertruhe mit Eis auf dieser Fähre leer und ausgeschaltet war. Dagegen ist auf all den vielen Booten die von Einheimischen genutzt werden, der Verkauf von Eis ein grosses Geschäft, egal wie kalt es ist und wieviel Schnee liegt.

 

Der Geiranger Fjord ist sicherlich sehr spektakulär, doch in Norwegen findet man viele ähnlich dramatische Fjorde, die viel weniger touristisch sind. Wieder an Land, fuhren wir weiter Richtung Sogndal.


Beeindruckende, aber simple Tunnels

 

Entlang des Weges passierten wir viele Tunnels. Mit so vielen Fjorden und Bergen sind Tunnels oft die beste Lösung für eine schnelle und kurze Verbindung. In Norwegen gibt es viele Untersee-Tunnels und unzählige Löcher durch die Berge. Eines davon ist der Lærdaltunnel, welcher mit 24.5km der längste Strassentunnel der Welt ist. Da die Norweger nur für das Allernotwendigste Geld ausgeben, sind die meisten Tunnels nicht viel mehr, als ein kaum beleuchtetes Loch durch den Fels. Während der kalten Jahreszeit hängen oft Eiszapfen von der Decke und bilden Eis-Stalagmiten auf der Fahr-bahn, wenn sie tropfen. Nur an den Stellen, an denen es besonders stark tropft, wird die Tunnelwand verkleidet; nicht mit Beton, sondern nur mit Plastikfolie. Es wird wirklich kein Zentimeter mehr abgedeckt, als absolut notwendig: für 50cm kann der Fels verkleidet sein, dann kommt für 2m nackter Fels und dann wieder ein kurzes Stück mit Plastikverkleidung.

 

Auch bei den längsten Tunnels gibt es keine Notausgänge. Auf der anderen Seite, werden aber Norwegische Tunnels sehr schnell und sehr ökonomisch gebaut. Während die Schweizer viel Geld ausgeben um ihre Tunnels zu vergolden, könnten die Norweger wenigstens etwas mehr Geld für die Sicherheit ausgeben. Während der Neubau des 24.5km langen Lærdaltunnels fünf Jahre dauerte und 130 Mio. Euro kostete, wird alleine die Renovation des 17km langen Gotthardtunnels, 3-7 Jahre dauern und 380 Mio. Euro verschlingen, bzw. mehr als das Doppelte, wenn man die Kosten für die provisorische Verkehrsführung während der Umbauzeit dazurechnet.

 

In Sogndal gab es schon sichtbare Anzeichen des Frühlings. Dieses Dorf befindet sich am Sognefjord, welcher mit seinen 200km der zweitlängste Fjord der Welt ist (nach dem Scoresbysund in Grönland). Durch den Einfluss dieses gigantischen Fjordes und warmen Winden, ist das Klima um Sogndal viel milder als, an anderen Orten im Norwegischen Landesinnern. Nach einer Übernachtung in einem lausigen Gästehaus in Sogndal, folgten wir dem Lustrafjorden mit seinem türkisgrünen Wasser. Die frisch gesprossenen Blätter hatten so ein zartes Grün, dass sie fast gelblich erschienen und mit Herbstfarben verwechselt werden konnten. In diesem Tal war definitiv der Frühling eingezogen, doch nur ein paar hundert Meter höher kamen wir wieder ins winterliche Wunderland. Als wir dem Sognefjellsvegen  (Strasse Nr.55) folgten war die Landschaft von den Gipfeln im Jotunenheimen Nationalpark geprägt, die vielfach 2‘500m hoch sind. Die Strasse erreicht eine Höhe von 1‘400 m ü. M. und sogar hier oben war sie trocken, wenn auch wieder von meterhohen Schneemauern gesäumt.

Im nächsten Tal erreichten wir die Stabkirche von Lom, welche wir uns in aller Ruhe anschauten.

 

Von dort aus nahmen wir die Valdresflya Strasse (Nr.51) nach Beitostølen, wo wir wieder übernachteten. Dieser Skiort auf 900 M ü. M. lag selbst Mitte Mai noch unter einer Schneedecke und die Leute kamen immer noch hierher zum Langlaufen. Das Dorf besteht vor allem aus Ferienhäusern. Obwohl nur ein paar hundert Menschen permanent hier leben, gibt es drei grosse Supermärkte. Da viele Norweger hier ihre Winterferien verbringen, glauben alle Supermarkt-Ketten, dass sie nur schon aus Prestigegründen vertreten sein müssten. Ausser einigen gigantischen Hotel- und Aparthotel-Komplexen, haben hier auch mehrere Campingplätze ganzjährig geöffnet. Auch diese erzielen den grössten Teil ihrer Einnahmen im Winter. Wir bekamen eine Campinghütte im Schnee, welcher sich zwischen den Wohnwagen noch immer mehrere Meter hoch türmte.

 

Als wir Beitostølen verliessen, begann es ziemlich heftig zu schneien und hörte recht lange nicht mehr auf. Dies brachte den gefrorenen Seen sicherlich noch eine zusätzliche Isolationsschicht, um dem bald einziehenden Frühling noch etwas länger wiederstehen zu können. Unser Weg führte durch viele Wälder, die mit schweren Maschinen abgeholzt wurden.


Historische Stabkirchen

 

Bald erreichten wir die Ortschaft Gol, wo wir erneut eine wunderschöne Stabkirche besichtigten. Das Original steht zwar mittlerweile im “Norsk Folkemuseum” in Oslo, doch nun gibt es hier ein Replikat. Da dieses von einem kommerziellen Unternehmen erbaut worden ist, muss normalerweise Eintritt bezahlt werden, um es zu sehen. Doch auch hier waren noch keine Touristen zu sehen, und so kassierte auch niemand ab. Eckige und runde Türmchen sind an- und übereinander geschichtet und jedes ist von einem steilen Schindeldach gedeckt. Der höchste Turm steht in der Mitte und besteht aus sechs übereinander gestuften Pultdächern. Ausser dem Steinfundament wurde die ganze Kirche, bis hin zum Schindeldach, aus Holz gebaut. Die einzelnen Dächer sind mit Drachenköpfen verziert. Diese gelten als Symbole aus der Wikinger Zeit. Aus diesem Grund nennt man die Stabkirchen manchmal auch „Pagoden des Nordens“.

 

In Torpo, nur ein paar Kilometer weiter westlich, befindet sich bereits die nächste Stabkirche. Sie steht direkt neben einer weissen Steinkirche, welche für Gottesdienste genutzt wird, wohingegen die Stabkirche „nur noch“ als schönes Monument dient. Im Vergleich zur Stabkirche in Gol ist diese hier recht simpel, aber ebenfalls in traditioneller Stabbauweise konstruiert worden. Sie stammt aus dem Jahr 1192 und ist damit fast 200 Jahre älter als das Original der Stabkirche von Gol. Die Stabkirche von Torpo hat heute ein Schieferdach aus Steinen unterschiedlicher Farbe, dieses muss aber ursprünglich anders ausgesehen haben. Durch die Jahrhunderte wurden die ursprünglich schwarz geteerten Holzwände der alten Kirche ausgebleicht und erscheinen heute gelblich. Viele Schnitzereien verzieren den Eingang und den Innenraum, wo es auch Gemälde hat.

In ganz Norwegen findet man heute nur noch 28 gut erhaltene Stabkirchen, die meist zwischen 700-900 Jahre alt sind.

Da wir nun so richtig auf Kirchen eingestimmt waren, hielten wir auch in Hol, wo wir uns eine neuere rote Holzkirche anschauten. Auch diese ist sehr schön, hat aber, bis auf weiteres, keine historische Bedeutung.


Von Geilo’s Strandbad hinauf zur Hardangervidda

 

Nach ein paar Kilometern erreichten wir Geilo, ein Dorf auf 770m ü. M.. Da es nun Mitte Mai war, folgten wir dem Schild zum Strandbad. Trotz dem wunderschönen gelben Sandstrand reizte es uns überhaupt nicht, uns auszuziehen. Um den einladenden Sandstrand lag nämlich noch überall Schnee und der See war noch steinpickelhart gefroren!

Enttäuscht fuhren wir weiter und folgten der Strasse Nr. 7 über die Hardangervidda. Mit ihren 8‘000 km2 ist dies die grösste Hochebene Europas und Teile davon gehören gleichzeitig zu Norwegens grösstem Nationalpark. Das gesamte Plateau liegt oberhalb der Baumgrenze und die Strasse steigt bis auf 1‘200m ü. M.. Hier oben sahen wir nun noch grössere Schneemassen als je zuvor. Von den paar Häusern entlang der Strasse sahen wir kaum mehr als das Dach und wie zuvor schon erwähnt; es war bereits Mitte Mai! Es war ein stahlblauer sonniger Tag, aber der Wind wehte ab und zu so stark, dass die sonst trockene Strasse komplett mit Schneeverwehungen bedeckt wurde, sodass der Schneepflug nochmals in Einsatz genommen werden musste. Die Schneestangen entlang der Strasse waren etwa 7 Meter hoch und damit an einigen Stellen kaum höher als die Schneewände.

 

Kurz bevor es von der Hardangervidda steil ins Tal hinunter ging, erreichten wir den Zwillings-Wasserfall Vøringsfossen. Er zieht jährlich etwa 600‘000 Touristen an, aber momentan konnte man die Autos auf dem gigantisch grossen Parkplatz an einer Hand abzählen und wir sahen keinen einzigen Reisebus. Auch die vielen Souvenir-Geschäfte waren immer noch verlassen. Dieser Wasserfall ist so beliebt, weil der nahegelegene Eidfjord mit Kreuzfahrtsschiffen angelaufen werden kann. Zwischen hier und dort muss man allerdings mehrere enge Spiraltunnels durchfahren. Wir waren heilfroh, dass wir nicht mit Reisebussen kreuzen mussten, welche manchmal bis zu 2‘500 Kreuzfahrtpassagiere hierher karren.


Grüne Täler und weisse Pässe

 

Unten im Tal war es deutlich wärmer und sogar schon etwas grün – ein beeindruckender Klimasprung! Wir übernachteten im immer noch sehr ruhigen Dorf Eidfjord. Der Besitzer des Gästehauses erzählte uns, dass wir zu den ersten Touristen des Jahres gehörten, dass aber das erste Kreuzfahrtsschiff mit 2‘500 Passagieren bereits unterwegs sei.

 

Als wir am nächsten Morgen dem Eidfjord und später dem Sørfjord folgten, beides Seitenarme des Hardangerfjords, waren wir erstaunt, wie eng die Strassen waren. Meistens mussten wir anhalten, um mit einem anderen Fahrzeug kreuzen zu können. Wir waren nur froh, dass die Wohnmobile und Wohnwagen noch nicht unterwegs waren.

Auch hier leuchtete das Wasser in einer wunderschönen pastellgrünen Farbe. Die Hänge zwischen den Berggipfeln und den Fjorden waren mit Obstgärten bepflanzt und genau dafür ist diese Gegend bekannt. Bereits standen die Obstbäume kurz vor der Blüte. Auf den Weiden wimmelte es von übermütigen kleinen Lämmchen.

Kurz nach Odda kamen wir an mehreren grossen, malerischen Wasserfällen vorbei. Überraschenderweise gab es bei den schönsten weder einen Parkplatz noch eine Info-Tafel. Bei weniger hübschen Kaskaden gab es genau das, und noch mehr. Um einen Wasserfall berühmt zu machen, braucht es wahrscheinlich einen innovativen Landbesitzer der den bestmöglichen Aussichtspunkt mit Parkplätzen, einer Cafeteria und Souvenir Shops ergänzt!

 

Nun nahmen wir die Abzweigung nach Røldal, wo wiederum eine Stabkirche steht. Es ist eher eine schlichte Kirche und einige Sachkundige sind sogar im Zweifel, ob sie wirklich als Stabkirche, oder als Pfostenbau konstruiert wurde. Im Mittelalter war Røldals Kirche wegen seines wundertätigen Kreuzes sehr berühmt. Man glaubte, dass es Krankheiten heilen konnte und zog deshalb viele Pilger an. In jeder Mittsommer-Nacht konnte eine grosse Pilgerschar miterleben, wie Wassertropfen aus dem Kreuz austraten. Man sagte diesen Tropfen eine heilende Wirkung nach. Inzwischen konnten Wissenschaftler allerdings beweisen, dass das „Schwitzen“ des Kreuzes nichts anderes ist, als das Resultat der, von den vielen Menschen verursachten hohen Luftfeuchtigkeit …

 

Nun folgten wir der Strasse Nr. 520 Richtung Sauda, welche auf 850m ü. M. ansteigt. Vom Klima her entspricht dies etwa 2‘500 -3‘500 Metern Höhe in den Alpen. Wir kamen auf eine sehr enge Strasse, welche wie alle andern, sauber und trocken war, wenn wir einmal von den paar kurzen Schneeschauern absehen. Unglaublicherweise waren die Schneemauern am Strassenrand hier nochmals höher, als diejenigen auf der Hardangervidda. Zwischen den teilweise sechs Meter hohen Schneemauern erschien die Strasse wie eine unendlich lange, verengende weisse Schlucht - wenigstens gab es ab und zu eine Ausweichstelle. Der grosse Stausee Svartavatnet (Schwarzes-Wasser) war steinpickelhart gefroren, einzig die dicken Eisschichten die auf den schwarzen, erhöhten Felsen ruhten, begannen langsam zu schmelzen. Als wir uns im schönsten Sonnenschein dem Ende der Hochebene näherten, erwarteten uns schwere schwarze Wolken über dem Tal.

Wir wurden nicht nass, aber noch schwärzer, als die Wolken, waren die schmutzigen Fabriken in Sauda. Genauso wie vorher in Odda, befanden sich auch hier viele hässliche Industriekomplexe mitten in der Stadt. Wie oft in Norwegen, sind auch hier die Fabriken sehr funktionell, aber für Luxus wie Farbe oder Rostbehandlung, wird kein Geld ausgegeben. Ironischerweise liest sich das Selbstportrait eines dieser Industrie-Giganten wie folgt: „unser Standort in der Mitte von  Hardanger, umgeben von Fjorden, Gletschern, Bergen und Wasserfällen gilt als einer der schönsten der Welt“ *. Also bitte! In diesem Fall sollte Brigittes beliebtes Sprichwort wohl eher umgedreht werden. In diesem Fall auf: „schau in den Spiegel und nicht nur auf die Welt um dich herum“!

* Boliden Odda A/S

Während unserer Weiterfahrt nach Haugesund präsentierte sich die Landschaft, dank einer Gewitterstimmung, sehr mystisch, besonders als einige Sonnenstrahlen durch die Wolken brachen. Es hat uns weniger überrascht, dass es hier, nah den Bergen und ein paar hundert Meter über Meereshöhe schneite, als dass am 11. Mai sogar die Küstenstadt Haugesund mit der weissen Pracht beglückt wurde.

Ferienhaus bei Haugesund

 

Am Abend erreichten wir unser nächstes Ferienhaus, welches sich auf der Insel Karmøy in der Nähe von Haugesund befindet. Es war ein grosses altes Haus, welches neu renoviert und mit modernen Einrichtungen ausgestattet worden war. Im Obergeschoss befanden sich fünf Schlafzimmer und somit hatten wir wirklich Platz zum Verschwenden. Neben dem Haus gab es eine grosse Veranda, auf der wir viel Zeit verbrachten. Es gehörte zum Weiler Ytraland wo es uns schien, als ob jedermann ein Pferd und ein Boot besässe. Unser Haus stand am Hang und wir hatten sogar Meersicht, wenn auch bloss durch eine Lücke zwischen Häusern und Hügeln. Das grosse Grundstück hatte viele Blumen, blühende Büsche und Bäume, an denen nun die neuen Blättchen sprossen. Der Frühling war in vollem Gang und wir waren von wahren Blumenteppichen umgeben, wenn auch die Osterglocken hier erst zu Pfingsten blühten.

 

Auch dieses Haus hatten wir via Internet über eine Agentur gebucht. Für Norwegen waren wir jeweils mit Dancenter oder Novasol erfolgreich. Genauere Details dazu im oberen Schweden-Kapitel: „Mieten von Ferienhäusern in Skandinavien“.

Da die Eigentümer dieses Domizils während unserer ersten Woche selbst in den Ferien waren, hatten sie Freunde organisiert, um uns ein paar touristische Tipps zu geben. Ihrem Rat folgend besuchten wir das hübsche Dorf Skudeneshavn am Meer. Die meisten der weissen Häuser stehen auf Pfeilern über dem Wasser; ein malerisches Bild. Nur schade, dass es keinen durchgehenden Steg entlang des Wassers gab.

 

Als wir hier die Gegend erkundeten, fiel es uns sehr bald auf, dass es hier viel mehr Verkehr hat, als in den Gegenden die wir zuvor besuchten. Auch dort wo wir gemäss der Landkarte das Gefühl hatten, dass es nur dünn besiedelt sein müsste, wimmelte es auf der Strasse nur so von Autos. Überall gab es automatische „Bompenger“ (Mautstationen). Als wir Süd-Karmøy umrundeten fiel uns auf, dass die Westküste sehr dicht besiedelt war, entlang der Ostküste hingegen gab es nicht viel mehr als ein paar Höfe und die Strasse wurde zudem sehr eng.

 

Das interessanteste Ausflugsziel in Nordkarmøy war die Kupfermine in Visnes. Dort erinnert ein kleines Replikat der Freiheitsstatue von New York daran, dass das verwendete Kupfer aus dieser Mine stammt. Ironischerweise wurde diese Statue aus Plastik und nicht aus Kupfer nachgebaut. Ganz im Norden Karmøys sieht man auf Haugesund. Der Anblick ist allerdings eher enttäuschend, da das Ufer von grossen, unpersönlichen Wohnsilos und Fabriken gesäumt ist.

Ein paar alte hässliche Fabrikgebäude befinden sich ebenfalls am nördlichsten Ende der Insel. Einmal mehr konnten wir nicht erkennen, ob sie noch in Betrieb sind, oder einfach dem Zerfall überlassen wurden.

 

Der 17. Mai ist Norwegischer Nationalfeiertag und als gute Touristen mussten wir natürlich dabei sein. An diesem Tag tragen viele Frauen eine Tracht, wogegen die Männer diesen Tag meist mit einem Anzug ehren. Die Feierlichkeiten konzentrieren sich auf die Kinder, welche jeweils im Schulhof zusammenkommen. Am Nachmittag findet in vielen Dörfern ein Umzug statt. Trachten werden in Norwegen zu vielen Anlässen getragen. Es gibt strenge Regeln, wer diese nähen darf und wie sie genäht werden müssen. Viele Trachten werden von einer Generation zur nächsten vererbt. Natürlich kann man eine Tracht auch kaufen. Obwohl sie sehr teuer sind werden sie nur an Personen verkauft, welche zum Ort von dem die Tracht stammt, einen Bezug haben. Muster und Farben sind von Region zu Region unterschiedlich.

 

In der Zwischenzeit war die Landschaft saftig grün, der Frühling hatte Einzug gehalten. Hier in Skandinavien kam er schlagartig und sehr intensiv, genauso wie es uns die Einheimischen vorhergesagt hatten. Nun war es Zeit unsere Spikes-Reifen gegen Sommer-Reifen einzutauschen. Da man in Norwegen nicht mit Gebrauchtreifen handelt, empfahl uns ein Pneu-Händler, unseren immer noch guten Spikes- Reifen doch einfach die Zähne zu ziehen und weiterzufahren. So machten wir uns an einem warmen Nachmittag, mit Zangen ausgerüstet, ans Werk und entfernten etwa 600 dieser lärmigen Stahlstifte. Nach drei Stunden hatten wir die Mission erfüllt.


Eine letzte Fahrt über schneebedeckte Pässe

 

Am 25. Mai 2010 verliessen wir unser Ferienhaus bei Haugesund und fuhren auf der Strasse Nr. 46 nach Ropeid. Dort nahmen wir die Autofähre nach Sand an der Strasse Nr. 13. Sie führte uns wiederum durch malerische Landschaften und folgte oft Seitenarmen des Boknafjordes. Manchmal waren die Felswände sehr steil und sehr hoch, vor allem in der Nähe der Autofähre bei Nesvik. Vor Stavanger bogen wir Inland auf die Strasse Nr. 45, welche uns ins Skigebiet Sirdal auf etwa 500-800 M ü. M. führte. Dort übernachteten wir in einer Campinghütte in Sulkeskar. Wir machten gleichentags noch einen Zusatz-Ausflug, denn es blieb bis nach 22:00 Uhr taghell. Wir wollten hinunter zum berühmten Lysefjord. Zuerst überquerten wir eine Hochebene mit vielen kleinen Seen. Sie waren alle im Auftauen begriffen, wurden aber teilweise noch immer von einer dünnen Eisfläche bedeckt und entlang der Strasse gab es immer noch Schneefelder.

 

Der eigentliche Höhepunkt war die spektakuläre Fahrt hinunter zum engen Fjord. Die Talfahrt über die 27 Haarnadel-Kurven war so steil, dass wir um unsere Bremsen fürchteten, aber diese hatten natürlich kein Problem damit. Wir genossen die atemberaubende Sicht bis hinunter ins Tal.

 

Am nächsten Tag machten wir uns auf Nebenstrassen in Richtung der Norwegischen Hauptstadt auf. Am Anfang gab es entlang der Strasse oft noch Schneeverwehungen. Das Wetter war nicht gerade grossartig, ab und zu regnete es und manchmal fiel auch Schnee. An diesem 26. Mai sagte der Wetterbericht sogar für einige Orte Südnorwegens Schnee voraus. Für uns waren dies aber endgültig die letzten Schneeflocken dieses Winters.

 

Weiter östlich zeigte sich wieder die Sonne und wir kamen an vielen Höfen mit alten Speichern vorbei. Diese kleinen Holzgebäude haben verblüffende Ähnlichkeit zu den Walliser „Spycher“ und sind oft mit schönen Holzschnitzereien verziert. Diese kleinen Häuschen boten einen grossartigen Kontrast zu den hier schon sattgrünen Weiden, mit ihren vielen Frühlingsblumen. Da wir uns nun im Landesinnern befanden, führte unser Weg eher an Seen, als an Fjorden vorbei.

 

Unser nächster Höhepunkt war die Stabkirche von Heddal. Nun hatten wir den riesigen Parkplatz fast für uns alleine. Ein paar Wochen später sah es hier aber bestimmt ganz anders aus. Heddals Stabkirche ist nicht nur Norwegens grösste, sondern auch eine der schönsten. Ihr Dach ist auf drei übereinander liegende quadratische Ebenen unterteilt, die jeweils mit einem runden Turm abgeschlossen werden. Seit diese Stabkirche im dreizehnten Jahrhundert gebaut wurde, hat sie mehreren Religions-Epochen gedient. Sie ist heute noch in Gebrauch und steht stolz inmitten eines gepflegten Rasens mit jahrhundertealten Grabsteinen.


Oslo, Norwegens schmucke Hauptstadt am Fjord

 

Wir scheinen ein Talent zu haben, zur falschen Zeit am falschen Ort sein zu wollen. Wir wollten Oslo bereits im November besuchen, als wir das letzte Mal hier durchkamen. Wegen eines uns unbekannten Grossanlasses waren aber auch damals sämtliche Unterkünfte belegt und so verschoben wir unseren Besuch. Nun machten wir also den nächsten Versuch, aber schon wieder war alles ausgebucht. Diesmal kam uns der „Concours Eurovision de la chanson“ in die Quere, von dem wir natürlich nichts wussten. Nachdem wir am Tag vor unserer Abfahrt stundenlang sämtliche Jugendherbergen und Frühstückspensionen Oslos mit E-Mails und Telefonanrufen bombardiert hatten, waren wir schlussendlich doch noch erfolgreich: jemand musste, zu unserem Glück, sein Zimmer annullieren, das er schon Lichtjahre im Voraus reserviert hatte. So kamen wir in ein nettes B&B, von dem wir das Zentrum erst noch zu Fuss erreichen konnten.

 

Als wir uns Oslo von Westen her näherten, fuhren wir kilometerlang an Sporthäfen vorbei. Die Norweger lieben es, am und mit dem Meer zu leben.

Als wir im Stadtzentrum ankamen, war die Zeit reif für unser Abendessen und wir fanden bald ein gutes und preiswertes Sushi Lokal. Norwegen ist nicht unbedingt ein Paradies für Feinschmecker; das Essen ist hier weder besonders fantasie-voll noch günstig. Zumindest in der Hauptstadt findet man noch ein paar Ausnahmen zu dieser Regel. Als wir um 22:30 Uhr satt waren, war die Sonne gerade untergegangen und wir konnten die Stadt im ansprechenden Dämmerlicht geniessen. Oslo hat eine gute Mischung von allem: altem und modernem. Die Stadt ist gut unterhalten und sehr sauber, vielleicht etwas nüchtern. Sie bietet in jedem Fall ein paar herausragende Sehenswürdigkeiten, die einen Besuch wert sind.

 

Oslos neustes Wahrzeichen steht direkt am Wasser; das im April 2008 eröffnete Opernhaus. Die Fassade dieses ultra- modernen Gebäudes besteht vor allem aus Glas, aber auch aus Aluminium. Eine etwa 300 m2 grosse Sektion der gläsernen Südfassade wurde mit Solarzellen ergänzt. Die Form des Opernhauses entspricht einem riesigen liegenden Tortenstück auf das ein kleineres Stück in die entgegengesetzte Richtung gesetzt wurde. Es ist möglich, fast auf den höchsten Punkt des Gebäudes zu gehen, denn das ganze Dach besteht aus nichts anderem als aus, teilweise leicht geneigten, teilweise flachen, Terrassen. Sie sind miteinander verbunden und mit Marmor- und Granitplatten belegt.  Der gesamte Aussen- und Dach-Bereich des Opernhauses ist sogar Skateboard-freundlich ausgelegt – wahrscheinlich ein cleverer Marketing Trick um die Jugend der Oper näherzubringen.

 

Nicht weit vom Opernhaus entfernt liegt der Bezirk mit Oslos neuesten und höchsten Gebäuden. Diese sind alle sehr modern und passen irgendwie gar nicht so recht zu Norwegen. Gleich neben diesem futuristischen Quartier steht der Hauptbahnhof. In der Nähe befindet sich das königliche Schloss, immer noch ganz im Zentrum. Da die Skandinavier von ihren Adeligen erwarten, dass sie “folkselig” (volksnah) sind,  steht der Schlosspark der Öffentlichkeit zur Verfügung und der Pöbel kann ungehindert um das Haus der Königsfamilie herumschleichen.

 

Für uns war Oslos Hauptattraktion der beeindruckend grosse Vigeland Park, mit Skulpturen, welche vom gleichnamigen Künstler entworfen wurden. Insgesamt findet man hier 212 Skulpturen aus Granit, Schmiedeeisen und Kupfer. Die grösste Struktur ist ein17 Meter hoher Monolith, welcher aus 121 ineinander verschlungenen Körpern besteht. Insgesamt sind 600 nackte Menschen in verschiedenen Lebenssituationen und fast jeden Alters und jeder Statur vertreten. Die meisten der Nackten sind lebensgross und lebensgetreu dargestellt. Der Betrachter kann die portraitierten Situationen leicht erkennen. Man findet z.B. eine Mutter die ihre Tochter im Teenager Alter tröstet, spielende Kinder oder einen alten Mann der seine sterbende Frau in den Armen hält.

Es dauerte mehrere Jahrzehnte bis dieser Park seine endgültige Form erhalten hatte. Gustav Vigeland verstarb 1943, sieben Jahre bevor sein Lebenswerk fertiggestellt war. Ein kleines Museum illustriert den Werdegang der Skulpturen. Auf Zeichnungen und Bildern sieht man, wie die Figuren entstanden und an ihren Platz im Park kamen. Beim Eingang, mitten in einem gelben Tulpenbeet, stand eine Statue Gustav Vigelands, ironischerweise die einzige mit Kleidern.


Schlussgedanken über Norwegen

 

Insgesamt verbrachten wir drei Winterwochen und zwei Frühlingsmonate in diesem einzigartigen, von Trollen bewohnten Land. Es stimmt: die Menschen sind etwas reserviert und sehr bescheiden, alles ist etwas teuer und man isst nicht besonders gut. Bescheiden wie es ist, glänzt Norwegen vor allem mit der Schönheit seiner Natur, aber alles Hausgemachte sieht oft etwas lottrig oder schlecht unterhalten aus, dies trifft auch auf die Strassen zu – doch die Landschaft ist unglaublich spektakulär!

Allen die etwas mehr über die Eigenheiten der Norweger erfahren möchten, empfehlen wir das humorvolle Buch „Gebrauchsanweisung für Norwegen“ von Ebba D. Drolshagen.

 

Wir wurden es nicht müde die einmaligen Berglandschaften und die faszinierende Küstenlinie mit ihren tief eingeschnittenen Fjorden zu bewundern. Da wir entlang unseres Weges mehrmals Ferienhäuser mieteten, konnten wir die jeweilige Umgebung immer bei gutem Wetter erkunden. Wenn es schlechte Laune hatte, blieben wir einfach im Haus oder fuhren zum einkaufen. Wenn wir eine Reservation für das nächste Haus hatten, mussten wir aber trotz Aprilwetter (im Mai) weiterfahren. Deshalb erlebten wir wohl den Kystriksveien dieses Mal nicht als einen ebenso herausragenden Höhepunkt, wie beim letzten Mal.

 

Als wir am 31. März in Nord-Norwegen eintrafen, fühlte sich das Klima sofort viel milder an, als zuvor in Schweden, was sicher auf den Einfluss des Golfstroms zurückzuführen ist. Trotzdem waren sogar im Süden Norwegens anfangs Mai noch fast alle Seen gefroren. Mitte Mai sahen wir immer noch viel grössere Schneemassen entlang Norwegens Strassen, als wir sie während des ganzen Winters in Schweden je gesehen hatten. Der letzte Schnee fiel Ende Mai, der Frühling kam aber schlagartig und mit voller Wucht. Die Pflanzen wuchsen genauso schnell, wie die Tage länger wurden. Schon anfangs April waren die Tage faszinierend lang und ab Ende April erlebten wir nie mehr eine wirklich dunkle Nacht und dies, obwohl wir südwärts fuhren.

 

Dass wir in der Neben-Saison unterwegs waren, war überhaupt kein Nachteil. Es war viel schöner in den Dörfern entlang der Küste Fischer anzutreffen, statt lauter Touristen. Obwohl viele Unterkünfte ihre Saison noch nicht eröffnet hatten, war es mit etwas Planung immer möglich, ein Bett zu finden.

Einige Attraktionen, wie die Trollstigen oder der Preikestolen, waren wegen dem Schnee noch nicht zugänglich. Die weisse Pracht bescherte uns hingegen im Hochland ein echtes Winter-Wunderland. Die meisten Stabkirchen waren noch bis zur Hauptsaison abgeschlossen. Wir konnten allerdings immer durch das Grundstück schlendern und diese schönen Holzkirchen von aussen bewundern – dafür mussten wir weder Eintritt bezahlen noch warten, bis wir Fotos ohne Bustouristen schiessen konnten.

 

Norwegen ist eine grossartige und wirklich lohnenswerte Destination. Uns hat der Besuch im Winter und Frühling sogar noch mehr begeistert, als unsere früheren Besuche im Sommer!

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Ein warmer Sommer in Schweden

Von Oslo fuhren wir in nordöstlicher Richtung nach Kongsvinger. Von dort aus waren es nur noch etwa 50km zur Schwedischen Grenze bei Torsby, welches wir am 28. Mai 2010 erreichten. Es war ein sonniger Tag und Schweden präsentierte sich in den schönsten Frühlingsfarben, genauso wie die meisten Touristen denken, dass Schweden aussehen muss. Es hatte viele Seen und Teiche, in denen sich die Wolken wunderschön spiegelten.

Wir genossen unser Mittagessen in vollen Zügen; hier in Schweden bekamen wir wieder gutes und preiswertes Essen, statt etwas kaum essbares zu einem überrissenen Preis, wie im Nachbarland Norwegen. Etwa um 19:00 Uhr promenierte ein grosser Elch im schönsten Sonnenlicht direkt auf der Strasse auf uns zu. Wir waren so überrascht, dass wir es nicht einmal schafften ein scharfes Foto von ihm zu schiessen, bevor er wieder im Unterholz verschwand.

 

Wir übernachteten in Mora in einem gemütlichen Hüttchen, welches wir dank eines Schildes am Strassenrand fanden. Mora liegt zwischen zwei Seen: Orsasjön und Siljan. Letzteren sahen wir letztmals im Januar, als er steinpickelhart gefroren und von einer Nebeldecke überzogen war. Im Winter ist Mora das Ziel des 90km langen Vasaloppet, dem Langlauf-Grossanlass, welcher zu Ehren des Freiheitskämpfers Gustav Vasa – dem Schwedischen Pendent zu Wilhelm Tell, benannt wurde.

Eine alte Dampflokomotive steht am Ufer des Siljansees. Mora ist der südliche Endpunkt der Inlandbana Eisenbahnstrecke, sowie Ausgangspunkt der Dalabana die nach Süden führt. Die Stadt ist auch Geburtsort des Malers Anders Zorn, dessen Aquarelle ihm zu einem Namen und Mora zu Ruhm verhalfen.

Es dauerte nicht lange bis wir uns nach einem guten Restaurant umsahen. Solche sind im touristischen Mora nicht schwer zu finden. So genossen wir bald eine Schwedische Gourmet-Mahlzeit; die erste von vielen.

 

Am nächsten Morgen fuhren wir zur Insel Sollerön im Siljansee. Diese ist über mehrere Dämme mit dem Ufer verbunden. Etwas weiter östlich besuchten wir das Dorf Siljansnäs, welches majestätisch auf einem Hügel thront. Hier sah es aus wie im Bilderbuch: sattgrüne Blumenwiesen und lauter typisch rote Schwedenhäuser. Das Dorf war herausgeputzt und die Leute gingen typischen Frühlingsaktivitäten nach, wie gärtnern, streichen oder reparieren von Zäunen.


Ferienhaus als privates Naturisten Paradies bei Svanskog

 

Gegen Abend erreichten wir unser Ferienhaus in der Nähe von Svanskog, welches wir in der Vorwoche via Internet reserviert hatten. Es war ein älteres Haus, welches neu renoviert und angebaut worden war. Der Eigentümer wollte eigentlich diese Woche noch die letzten Abschlussarbeiten erledigen und war etwas überrascht, dass jemand dieses Haus so kurzfristig reservierte.

Wir erklärten ihm, dass wir so kurzfristig gebucht hatten, weil der Norwegische FKK Verein den wir zuerst besuchen wollten, die Saison noch nicht eröffnet hatte. Er erwiderte, dass er selbst nie eine Badehose trägt, wenn er im See schwimmen geht und dass wir es ebenso machen könnten. Er erlaubte uns sogar ums Haus „ganz uns selbst zu sein“. Im Garten stand ein wunderschöner Apfelbaum in voller Blüte und wir genossen es, uns darunter zu sonnen.

Wir konnten es uns kaum vorstellen, dass der Rasen bis vor vier Wochen, d.h. Ende April, noch unter einer zwei Meter hohen Schneedecke lag. In ganz Skandinavien bricht der Frühling schlagartig und in voller Kraft aus. Während unserer zwei Wochen in diesem Ferienhaus, wuchsen überall Lupinen heran und zierten jede Böschung mit ihren vielfältigen Farben.

 

Ein paar hundert Meter vom Haus entfernt, befand sich das Ufer des langgezogenen Eldan Sees. Dort standen uns eine Feuerstelle, ein eigener Steg, sowie ein Ruderboot zur Verfügung. Fast täglich ruderten wir hinaus. Wenn wir jeweils genug Energie hatten, überquerten wir den See und paddelten um die kleinen Inseln vor dem gegenüberliegenden Ufer. Eine bestand nur aus ein paar Felsen mit toten Bäumen, welche den Wasservögeln als beliebter Aussichtspunkt dienten. Das Rudern auf dem See war sehr geruhsam und wir fühlten uns eins mit der Natur. Die Sonne ging nun etwa um 22:00 Uhr unter und so machten wir manchmal nach dem Abendessen noch eine „sunset-cruise“. Über das, um diese Zeit spiegelglatte Wasser zu gleiten, war total idyllisch. Eines Abends, als wir durch den Wald zum Haus zurückgingen, stand ein junger Elch mitten in unserem Weg und starrte uns die längste Zeit an, als wollte er fragen: „reicht dies um glückliche Touristen zu sein?“

 

Da die Nächte nun nicht mehr richtig dunkel wurden, konnten die Tiere des Waldes nicht mehr im Schutze der Dunkelheit auf Futtersuche gehen. So hatten wir das Glück, dass wir immer wieder Rotwild oder Füchse sahen. Ende Frühling und anfangs Sommer folgt dem Sonnenuntergang, selbst in Südschweden, eine stundenlange Dämmerung, wobei die Abenddämmerung ohne Dunkelheit nahtlos in die Morgendämmerung übergeht.

 

Svanskog gehört zu Dalsland, welche eine der seenreichsten Provinzen Schwedens ist. Sie bietet eine Vielzahl an Ausflugsmöglichkeiten am und auf dem Wasser und ist landschaftlich sehr reizvoll. Da uns Heinz‘ Schwester und ihr Partner bald besuchen würden, waren wir motiviert auszuschwärmen um zu evaluieren, welche Höhepunkte wir ihnen in ein paar Wochen zeigen wollten. Auf diesen Ausflügen wurde uns erstmals bewusst, wie kurz die Schwedische Hauptsaison ist. Jetzt, anfangs Juni, erkundigten wir uns im Verkehrsbüro von Bengtfors nach Bootsmiete für den nächsten Monat. Wir erhielten folgende Antwort: „Ich würde niemandem empfehlen, hier im Juli ein Boot zu mieten. Dann wimmelt es auf dem See und in den umliegenden Kanälen nur so von Booten. Warum mietet ihr euch nicht jetzt ein Boot? Da hättet ihr wahrscheinlich den ganzen See für euch alleine?“ Später, in Dals Ed, erkundigten wir uns in der „Moose Ranch“ nach Prospekten. Der Eigentümer informierte uns, dass sie noch im Druck seien, da die Elch Farm noch nicht geöffnet war. Er war nur kurz vorbei gekommen, offerierte uns aber spontan einen Gratis-Eintritt ins Elch-Gehege.

 

Ein weiterer Ausflug führte uns ins nahegelegene Åmål, eine ansprechende Kleinstadt, welche durch den preisgekrönten Film „raus aus Åmål“ (Originaltitel: fucking Åmål) bekannt wurde. Danach machten wir eine Wanderung im Yttre Bodane Naturreservat am Vänernsee. Wir besuchten auch das berühmte Aquädukt bei Håverud und die zerklüftete Vänernküste bei Köpmannebro. Beiden Orten machten wir bereits im Winter unsere Aufwartung und es war interessant, sie jetzt nochmals zu sehen. Natürlich hatte die Umgebung jetzt total andere Farben. Nun verkehrten Boote auf blauem Wasser, statt dass man Eis sah. Dank der Atmosphäre mit der weissen Schneedecke und dem goldenen Licht, waren die beiden Orte auch im Winter sehr ansprechend gewesen.

 

Wir genossen unsere Ausflüge in vollen Zügen, doch es war auch sehr schön, beim Haus zu bleiben. Dank dem das tolle warme Wetter anhielt (20°-25°C), konnten wir uns fast täglich in der Sonne aalen und mit dem Boot hinausfahren. Das Ferienhaus bot allen Luxus: eine kleine Sauna mit winzigen Sitzbänken, einen Geschirrspüler, eine Waschmaschine und einen Wäschetrockner. In einem der zwei schön gekachelten Badezimmer stand eine High-Tech Duschkabine mit Dampf- und Massagedüsen. Damit verbrühte sich Heinz fast, als er, die Fernbedienung in der Hand, da drin stand und versuchte herauszufinden, wie dieses moderne Ding funktioniert, ohne sich dabei mit allen Düsen Wasser ins Gesicht zu spritzen.


Schulabschluss Fest

 

Nachdem wir am 11. Juni 2010 von Svanskog Abschied nahmen, ehrten wir, mit unserem ersten Stopp, eine der wohl bekanntesten Schwedischen Institutionen: IKEA. Nachdem wir dort die Schwedische, die Chinesische und die Türkische Wirtschaft anzukurbeln halfen, sahen wir per Zufall eine Feier der Hoffnungsträger für die Zukunft Schwedens.

 

Die Abiturienten von Kristinehamn feierten ihren Schulabschluss. Der Anblick dieser Jungs und Mädels verhiess für die Zukunft des Landes allerdings nicht allzu viel Gutes. Grosse, dekorierte Anhänger wurden von Traktoren durch die Stadt gezogen. Die Schulabgänger johlten in die Menge, sangen und tanzten auf den Anhängern und betranken sich langsam aber sicher immer mehr. Ab und zu fiel einer von der Karre - aber einige werden immer (durch)fallen.

Speziell lobeswert ist aber, dass sage und schreibe 99.5% der Schwedischen Jugend ein Gymnasium besucht!

 

Unsere Reise ging nach einer Weile auf einer malerischen Landstrasse entlang vieler Seen weiter. Etwas später trafen wir in Nora ein, wo wir ein Zimmer im FKK Verein bezogen.

Die Wetterprognose veranlasste uns, rasch nach Stockholm aufzubrechen und das Entspannen in diesem Verein auf später zu verschieben.

 

Auf dem Weg von Nora Richtung Hauptstadt sahen wir immer wieder Lupinen am Strassenrand. Mit ihren vielen Farben setzten sie einen schönen Akzent. Zum Mittagessen stoppten wir in Arborga, einem malerischen Dorf mit hübschen Holzhäusern. Wir gönnten wir uns ein traditionelles Schwedisches Gericht. Im Preis von SEK 79 (€ 7.90) war auch ein Salatteller, ein Getränk, Kaffee und die wunderschöne Lage am Fluss mit inbegriffen.


Stockholm: ein Inselreich als Hauptstadt

 

Am 15. Juni 2010 erreichten wir die Jugendherberge Zinkensdamm in Stockholm, welche wir dank „Google Map + Google Street View“ sehr schnell fanden. Wir nutzen diese hilfreichen Anwendungen öfters und können gar nicht verstehen, weshalb so viele Leute dagegen sind. Man kann den Datenschutz auch zu ernst nehmen.

Von dieser Jugendherberge, welche am Rand eines Parkes liegt, kann das Zentrum bequem zu Fuss erreicht werden. Normalerweise gibt es in Skandinavien keine Probleme mit Kriminalität, aber hier riet man uns davon ab, unser Auto einfach entlang der Strasse zu parkieren. Dies hing vermutlich mit den nahegelegenen Bars zusammen, und so zahlten wir halt die Gebühr für die Tiefgarage im Hostel.

 

Da es so aussah, als ob es bald regnen würde, bewaffneten wir uns mit Regenjacke und Schirm, bevor wir uns aufmachten, die Stadt zu erkunden. Wie immer, wenn man gewappnet ist, zeigte sich schon bald wieder die Sonne. So konnten wir nun ganz gemütlich diese 800‘000 Seelen Stadt geniessen, in der es momentan nie richtig dunkel wurde. Die Metropole Stockholm ist über 14 verschiedene Inseln verteilt, welche untereinander mit Brücken verbunden sind. Man kriegt hier aber keinen Inselkoller, denn oft ist das Wasser zwischen den Inseln nicht breiter als ein Fluss.

 

Als seriöse Touristen erkundeten wir natürlich als Erstes die Altstadt „Gamla Stan“ und dies nicht nur, weil hier viele der gastronomischen Höhepunkte der Stadt zu finden sind… Die mit Kopfstein gepflasterten Strassen und Gassen sind von gut erhaltenen Handelshäusern gesäumt. Diese erstrecken sich hinauf zur Storkyrka (grossen Kirche) ganz oben auf dem Hügel. Gleich dahinter erstreckt sich das königliche Schloss bis hinunter ans Ufer.

 

Bereits an diesem ersten Abend kriegten wir einen guten Eindruck der Hauptstadt und es wurde morgens um 01:00 Uhr bis wir wieder zurück in der Jugendherberge waren. Am nächsten Morgen war der Himmel wieder stahlblau. Wir hatten das Glück, den „Montelius Vägen“ zu entdecken. Entlang dieses Pfades hatten wir eine tolle Aussicht auf die Stadt, währenddem wir entlang Södermalm’s Nordküste, von Westen her Richtung Gamla Stan gingen.  Heute ging unsere Entdeckungstour vom Schloss in Richtung Helgeandsholmen weiter. Diese kleine Insel beherbergt vor allem das Schwedische Parlamentsgebäude. Weiter geradeaus über die nächste Brücke, erreichten wir die belebte Fussgängerzone „Drottninggatan“ (Königinstrasse). Es handelt sich dabei um eine sehr lange Einkaufsmeile, entlang welcher für Kaufsüchtige mehr als genug Möglichkeiten geboten werden, um „einzukaufen bis zum umfallen“. Zur Erholung gibt es aber auch viele Strassencafé’s und Restaurants. Etwas östlich dieser Fussgängerstrasse befindet sich Sergelstorg, ein belebter Platz mit dem Kulturhaus, weiteren Geschäften, sowie einem farbenfrohen Markt. Danach führte unsere Besichtigungstour weiter zu einigen ansprechenden älteren Gebäuden. Darunter waren z.B. das Hauptpostamt, die Polizeistation, das Stadttheater, die Oper und das Rathaus. Letzteres ist sehr schön am Wasser gelegen und hat einen gepflegten Park, der zum Spazieren einlädt. Am Hauptbahnhof stehen ein paar sehr moderne Gebäude, welche durch das alte Hauptgebäude ergänzt werden.


Paparazzi wie Sand am Meer

 

Das königliche Schloss (Kungliga Slottet) belegt einen grossen Teil von Stockholms Gamla Stan. Mit seinen 608 Zimmern ist es das grösste Königsschloss der Welt, das noch heute für seinen ursprünglichen Zweck genutzt wird. Momentan hatten die Hoheiten alle Hände voll zu tun, denn bis zur Hochzeit von Kronprinzessin Viktoria mit ihrem Fitness-Trainer Daniel, war es nicht mal mehr eine Woche. Fast jeder Parkplatz in der weiteren Umgebung ums Schloss war bereits von High-Tech Ausrüstungen belegt, welche von Schwedischen und internationalen Radio- und Fernsehstationen angeschleppt wurden. Diese bereiteten sich alle darauf vor, den grossen Anlass zu übertragen. Die Sattelschlepper der Fernsehgesellschaften wurden stündlich mehr und viele der Hauptverbindungsstrassen im Zentrum waren nur noch für Regierungsfahrzeuge und Taxis geöffnet.

 

Viele königliche Empfänge fanden bereits vor der “Kungliga Bröllop” (königlichen Hochzeit) statt, aber die Presse war nicht immer dazu eingeladen. Zwei Mal beobachteten wir, wie sich Paparazzi in einem Korb von Mobilkränen in schwinderlerregende Höhen hieven liessen, um mit ihren Kameras in eine bestimmte Richtung zu zielen. Wir schüttelten nur ungläubig den Kopf und liefen weiter. Nach ein paar hundert Metern erreichten wir die verankerte Segeljacht A/F Chapman, welche heute als Jugendherberge genutzt wird. Da wir dort vor ein paar Jahren in einer Kombüse übernachtet hatten, streckten wir interessiert die Hälse, um zu sehen, ob dort viel Betrieb herrscht. Und tatsächlich; aber anders als erwartet. Auf dem Oberdeck drängten sich Paparazzi, die alle ihre übergrossen Teleobjektive auf den Grossegler „Göteborg“ richteten, welcher in der Nähe vor Anker lag. Aus reiner Neugier nahm Heinz unsere Kompakt-Kamera hervor und drückte den magischen Knopf um das Zoomobjektiv voll auszufahren. Er richtete es in dieselbe Richtung wie die Paparazzi und drückte ab. Ohne zu wissen was überhaupt los war, schafften wir es als Passanten, ein paar Bilder „der Königs“ zu schiessen. Am nächsten Tag verglichen wir unsere Fotos mit den Bildern, die wir in den Zeitungen fanden. Wir waren überrascht, dass diejenigen die unter den übergrossen Schlagzeilen abgebildet waren, kein bisschen besser waren, als die unseren. Wir haben schliesslich weder Zeit noch Geld investiert um sie zu machen – aber leider zahlte uns auch niemand etwas dafür…

 

Die Stadt Stockholm lud, zusammen mit Sponsoren wie IKEA, Ericsson und Telia, zur zweiwöchigen Veranstaltung „LOVE 2010“ ein. Genau genommen handelte es sich um mehrere kleinere Anlässe, wie Konzerte oder Veranstaltungen für Kinder.

 

In ganz Stockholm waren Andenken an die königliche Hochzeit ebenso einfach zu finden, wie das Wasser das die Inseln der Stadt umgibt. Als guter Sohn sandte Heinz seiner Mutter eine königliche Postkarte, frankiert mit Sondermarken zur königlichen Hochzeit. Da er es aber nicht lassen konnte, ein paar zynische Bemerkungen zur abgebildeten Familie auf die Karte zu kritzeln, sorgte sich seine Mutter anschliessend, wir könnten wegen Majestäts-Beleidigung verhaftet werden.

Wir verliessen Stockholm aber genau einen Tag, bevor der Schwedische Normalbürger Daniel, sein Privatleben im Austausch gegen eine Prinzessin, an die Weltpresse abgab.

 

Nur 60km weiter nördlich machten wir als nächstes Halt in Uppsala, einer Stadt mit 180‘000 Einwohnern. Da es hier regnete, gingen wir direkt zum Mittagessen. Wir könnten uns nun über die Details zu diesem Gourmet Restaurant und die vielen Geschäfte in denen wir vor dem Regen Zuflucht nahmen auslassen, oder wir können einfach nur erwähnen, dass die Stadt einen hübschen Eindruck machte.

 

In Uppsala sahen wir nicht nur reichlich viel Regen, sondern auch Zeugen einer reichen Geschichte. Wir wollen damit aber niemanden langweilen, sondern erwähnen dies nur, weil wir später, als sich die Sonne wieder zeigte, alte Grabhügel besuchten. Diese stammen aus Vor-Vikinger Zeiten und werden etwa auf das 6. bis 12. Jahrhundert datiert. An dieser heiligen Stätte wurden damals den Göttern Menschenopfer dargebracht.

 

Am späten Nachmittag fuhren wir auf Nebenstrassen westwärts wieder zurück nach Nora. Es war viel interessanter die Gegend entlang der Landstrassen zu erkunden, kostete aber logischerweise viel mehr Zeit, als wenn wir auf der Autobahn gerast wären. So stoppten wir fürs Abendessen in einem netten Landgasthof in Norberg. Dort genossen wir einen sehr guten Fisch, sowie eine typisch Schwedische Spezialität: ein Plank Steak. Dabei handelt es sich um ein Steak oder ein Fischfilet, welches auf einem Holzbrett gebacken und serviert wird. Dieses ist von Kartoffelstock umgeben, welcher mittels einer Spritztülle hübsch garniert wird. Sauce Béarnaise und weitere Saucen runden das Gericht ab.


Naturistengelände Gustavsberg bei Nora

 

Nora ist ein bildhübsches Dorf mit vielen schönen Holzhäusern, wie sie für Schweden so typisch sind. In unserem (Lonely Planet) Reiseführer stand, dass Nora so hübsch sei, es zieht einem vor lauter Charme die Hose aus („Nora is... clearly confident in its ability to charm the pants off anyone“). Als wir im Januar hier gewesen waren, bestaunten wir diesen Ort im Schnee, aber minus 25°C war definitiv zu kalt, auch nur daran zu denken, irgendetwas auszuziehen…Jetzt lag der Fall aber ganz anders, und wir zögerten keine Sekunde, uns während unseres Aufenthaltes in Nora sogar ganz auszuziehen – aber nicht wirklich wegen dem charmanten Dorf, sondern weil wir hier ein FKK Gelände fanden.

 

Das Naturistengelände Gustavsberg liegt an den Ufern des Norasjön Sees, nur etwa 2 km nördlich von Noras Ortsmitte. Wir übernachteten in einem der 20 preiswerten Zimmer, welche auf zwei grosse Klubhäuser verteilt sind. Die Zimmer sind klein und nüchtern, die Gemeinschaftseinrichtungen hingegen, sehr grosszügig und komfortabel. Es gibt grosse gemütliche Aufenthaltsräume und die Terrassen bieten eine super Aussicht über den Campingplatz hinunter zum See. In jedem Haus gibt es eine Gemeinschafts-Küche, in der jedem Zimmer ein grosszügiges Abteil, sowohl im Kühl-, als auch im Gefrierschrank, zugeteilt ist. Zwei Computer und ein Drucker sind weitere Annehmlichkeiten, die den Gästen zur Verfügung stehen. WLAN Empfang ist bis in die hinterste und letzte Ecke des grossen Campingplatzes möglich.

 

Als wir am 11. Juni 2010 in Gustavsberg eintrafen, hatten wir eines dieser grossen Häuser ganz für uns alleine und als wir am 18. von Stockholm zurück kehrten, war die Situation noch immer dieselbe. Man hatte uns allerdings bereits bei Ankunft darauf hingewiesen, dass sowohl sämtliche Zimmer und Apartments, als auch sämtliche Plätze für Wohnwagen über die Mittsommertage solide ausgebucht seien. Nur für Zelte hätte es dann noch Platz. So waren wir etwas überrascht, dass vor dem Mittsommerfest, ausser denjenigen Klubmitgliedern, welche den ganzen Sommer hier verbringen, nur ein paar Touristen auf dem grossen Gelände waren und dies, obwohl die Schulferien bereits am 12. Juni angefangen hatten. Dieses Jahr fand die Mittsommer-Feier am 25. Juni statt und wie aus heiterem Himmel kamen hier am 24. Juni innerhalb weniger Stunden ein paar hundert Schwedische Gäste an. Sie übten sich an der Rezeption geduldig im Anstehen und bis zum Abend war der FKK Platz Gustavsberg randvoll. Wohnwagen und Wohnmobile standen an Stellen, wo wir nie gedacht hätten, dass man überhaupt dorthin kommt, wenn man bedenkt, dass sich das Gelände an einem Hang befindet. Wir hatten Glück, dass wir diese Nacht noch in unserem Zimmer bleiben durften, aber am nächsten Tag mussten wir das Zelt aufstellen, ob wir dies nun mochten oder nicht. Zumindest war der Platz für Zelte nicht so überlaufen, genauso wenig wie die Küche für Camper. Auch in Schweden meint man mit „campieren“ eigentlich „Urlaub im Wohnwagen oder Wohnmobil“.


Das Schwedische Mittsommerfest am 25. Juni 2010

 

Nach Schwedischer Tradition, wird am Morgen des Mittsommerfestes eine Birke für die Midsommarstången (den Maibaum) „geopfert”. Die dünnen Ästchen werden samt Blättern um den Birkenstamm gebunden. Ein Querbalken wird im oberen Teil angebracht, sodass der Maibaum nun wie ein Kreuz aussieht. Später wird an dessen äusseren Enden je ein Ring festgebunden. Diese gelten als Fruchtbarkeitssymbole, denn dieses Kreuz hat heidnischen, nicht christlichen Ursprung. Danach gehen alle auf die mit Blumen übersäten Wiesen um Sträusse zu pflücken. Die Blumen werden danach als Dekoration um den Stamm, und vor allem um die Ringe angebracht.

 

Wie auf den meisten Schwedischen FKK Geländen, wird auch in Gustavsberg bei Nora ein traditionelles Mittsommer-Fest gefeiert und eine Midsommarstånge aufgerichtet. So konnten wir hier die Vorbereitungen erleben, wollten jedoch für diesen Anlass, die traditionellen Tänze lieber mit Trachten, als mit Tenü Splitternackt sehen.

Deshalb fuhren wir am Nachmittag hinaus, um ein traditionelles Mittsommerfest zu erleben. Zu unserer Überraschung gab es in Nora selbst keine solche Feier, aber beim Verkehrsbüro gab man uns eine Liste der geschichtsträchtigen Orte, an denen sich die Leute versammeln und tanzen. Wir wählten das Mittsommerfest in Siggebohyttans Bergsmansgård aus, wo ein paar alte Minengebäude in ein Museum umfunktioniert wurden.

 

Scharenweise strömten die Familien hierher und machten es sich auf Decken gemütlich. Viele hatten sich ein Pick-Nick mitgebracht, andere standen in der Cafeteria für Mittsommer-Kuchen und Kaffee an und es schien so, als ob jeder irgendwann für Eis anstehen würde. Alkohol wurde weder verkauft noch getrunken und so herrschte hier eine sehr angenehme Atmosphäre. Viele Kinder und Frauen trugen einen Blumenkranz im Haar. Nach einer Weile spielte eine kleine Band auf und eine Volkstanzgruppe begann auf der Wiese zwischen den Gebäuden Tänze vorzuführen. Nach einer halben Stunde unterhaltsamer und sehr theatralischer Tänze, folgten wir der Menge, welche sich nun auf eine grössere Wiese begab. Um 15:00 Uhr kam der grosse Moment: die Midsommarstången wurde aufgerichtet. Eine Vorsingerin stimmte das Mittsommer-Lied (über Frösche) an und die meisten Eltern mit Kindern schlossen sich dem Reigentanz um den Mai(en)baum an. Es war sehr süss zuzusehen, wie ernst sich die kleinen Kinder aufs Tanzen konzentrierten.

 

Da uns dieser Anlass sehr gut gefiel und der Nachmittag noch nicht vorbei war, als es in Siggebohyttan wieder ruhig wurde, gingen wir ins nahegelegene Uskavi, wo wir ein weiteres Mittsommerfest miterleben durften. Hier begannen die Festivitäten etwas später und wir trafen fast gleichzeitig mit der Tanzgruppe ein. Auf der einen Seite gefiel uns hier die Umgebung am Ufer eines Sees mit vielen Inseln recht gut, aber auf der andern Seite war der Standort dieses Schauplatzes, der inmitten eines Feriendorfes mit Campingplatz lag, bei weitem nicht so idyllisch, wie der Festplatz zwischen den historischen Gebäuden in Siggebohyttan.

 

Um diesen perfekten Tag abzurunden, wollten wir uns mit Schwedischer Gourmet-Küche verwöhnen. Da wir ja jeden Abend in Nora einkehren könnten, entschieden wir, woanders nach einem geeigneten Lokal Ausschau zu halten. Da ‚stor‘ in der Schwedischen Sprache gross bedeutet, hofften wir, dass uns in der Stadt Stora eine grosse Auswahl an Restaurants erwarten würde. Zu unserer Überraschung war der Ort so klein, dass wir ihn erst kaum finden konnten, und Restaurants schon gar nicht! In den nächsten paar Orten sah es kein bisschen besser aus, aber schlussendlich landeten wir in Lindesberg, wo es tatsächlich eine grosse Auswahl an Speiselokalen gibt. Leider nützte uns dies nicht viel, denn wir merkten sehr bald, dass am Mittsommerabend die meisten geschlossen sind. Die Schweden feiern nämlich vorwiegend mit Freunden, entweder zu Hause, oder aber in den Ferien auf einem Campingplatz, in einem Hotel, oder in einem Sommerhaus. Nachher will niemand mehr auf die Strasse – viele wollen sich betrinken!

Schlussendlich war uns aber das Glück doch noch hold; nur zwei Lokale hatten geöffnet und dasjenige, welches wir aussuchten, kochte wirklich hervorragend. Am darauffolgenden Tag sieht die Sache dann ganz anders aus; eine ausgelaugte Kellnerin jammerte, dass ihr Lokal am Mittsommerabend total leer gewesen war, am nächsten Tag hingegen total überrannt wurde, bis alle Vorräte aufgegessen waren.


Die wahren Süchte der Schweden...

 

Nach diesem erlebnisreichen Tag waren wir am Mittsommerabend um 23:00 Uhr wieder zurück im Naturisten Verein. Auf dem Campingplatz war es erstaunlich ruhig, aber als sich Heinz um Mitternacht noch in die Sauna am See aufmachte, war es fast, als träte er in ein Wespennest. Er fand dort etwa 40 betrunkene Männlein und Weiblein, denen es offensichtlich nicht bewusst war, dass ihr Bad nach der Sauna ihr letztes sein könnte…

 

In Schweden sind ausgiebige Trinkorgien wie eben am Mittsommerabend, eher die Ausnahme als die Regel. Aus unerklärlichen Gründen scheinen die Skandinavier einfach die gesamte Statistik auf einmal zu trinken. Schweden (und auch Norwegen) haben sehr strenge Alkoholgesetze. Folgedessen haben die beiden Länder Europas niedrigste Alkohol-Konsum und Abhängigkeitsraten. In 2009 hiess dies, dass die Schweden pro Kopf jährlich 4,9 Liter und die Norweger 4,4 l reinen Alkohol trinken. Der unrühmliche Weltmeister Deutschland versäuft mit 10,2 l mehr als das Doppelte. (Zahlen von 2009) Bevor Schweden der EU beitrat, lag sein Alkoholkonsum sogar noch etwa 20% tiefer, aber eine eher unsinnige EU Vorschrift zwang das Land, die Einfuhrbestimmungen für die Droge Alkohol zu lockern.

 

In der Tat sind nicht allzu viele Schweden Alkoholabhängig, die meisten scheinen aber süchtig nach Eiscrème zu sein, genauso wie die meisten Skandinavier. Auch auf dem FKK Camping Gustavsberg hörten wir wieder die bekannte Melodie “The Entertainer” von Scott Joplin. Es ging nicht lange und der Eis-Verkaufswagen von „HemGlass“ war von einer Schar Kinder und Erwachsener umgeben. Obwohl die meisten nur für 2-3 Tage hier blieben, hielt sie dies nicht davon ab, die handlichen Familienpackungen mit 20-50 assortierten Eis-Spezialitäten zu kaufen. Wir erinnerten uns daran, wie einmal einer dieser Verkaufswagen mitten im Winter bei Minus 25°C aus dem Schnee auftauchte und immer noch ein gutes Geschäft machte. Als wir dies den umstehenden Naturisten erzählten, meinten sie nur: „natürlich essen wir im Winter auch oft ein Eis, wir gehen damit einfach nicht auf der Strasse spazieren“.


Gesellige Zeit im Verein

 

Nachdem wir Schweden zuerst in einem der kältesten Winter seit langem erlebt haben, wurden wir danach mit einem sehr warmen Sommer belohnt - die Temperaturen stiegen teilweise bis auf 33°C. Zum Glück (für uns) regnete es aber am Morgen des 26. Juni, dem Tag nach dem Mittsommerfest, was ein paar Urlauber dazu veranlasste, den Verein früher zu verlassen, als ursprünglich geplant. So konnten wir nach nur einer Nacht im Zelt, in einem der Gebäude des Vereins bereits wieder ein Zimmer beziehen. Während der nächsten Tage sind viele Leute abgereist.

Sie wurden aber sogleich wieder von anderen Familien ersetzt, welche hier ihren 1-2 wöchigen Urlaub verbrachten. Dies war recht schön, da wir nun die meisten anderen Gäste etwas besser kennenlernten und oft mit ihnen, entweder beim grillieren oder beim Kaffee (aus unserer Espresso Maschine) in der Küche, oder dann auf der Terrasse, zusammensassen. Oft waren bei diesen geselligen Zusammenkünften die halben Gäste des Hauses dabei, während die andere Hälfte versuchte zu schlafen. Dies war nicht wirklich ein Problem, wie eine ältere Dame sich ausdrückte: „im Zimmer nebenan schläft mein Mann und er ist schwerhörig. Ich werde nicht vor den letzten ins Bett gehen, also haben WIR überhaupt kein Problem…“

In der meist total gemischten Gruppe aus Jungen und Alten, Schweden und Ausländern, Armen und Reichen, herrschte eine tolle Atmosphäre. Wer Englisch spricht, hat es in Schweden einfach, denn die meisten Einheimischen sprechen sehr gut Englisch und lieben die Geselligkeit.

 

Oft sassen wir auch mit Robin + Ray zusammen, zwei Holländern, die hier zelteten. Bei unserem eintägigen Camping-Intermezzo waren die beiden unsere Nachbarn. Sie waren verwundert, als ihnen bewusst wurde, dass sie offensichtlich die einzigen auf dem Platz waren, die wirklich zelten wollten. Robin + Ray brachten es auf den Punkt: „ausser uns betrachten wohl alle die Zeltwiese nur als Warteraum, bis ein Zimmer verfügbar wird. Sobald eines frei wird, ist jeder in Null Komma Nix umgezogen“.

Ansonsten hatten wir aber sehr viel gemeinsames, da die zwei auch zur Gattung der Globetrotter gehören. Momentan waren sie gerade für 6 Monate unterwegs und hatten schon früher mehrere längere Reisen in der ganzen Welt unternommen. So hatten wir natürlich jede Menge Gesprächsstoff.

 

Der FKK Camping Gustavsberg ist ein Vereinsgelände und gehört zur “Naturistföreningen Bergslagens Solsport”. Viele Vereinsmitglieder verbringen hier den ganzen Sommer. Sie wechseln sich bei den Unterhalts- und Reinigungsarbeiten ab. Der Sanitärblock war immer quietsch-sauber. Sogar diejenigen Mitglieder die körperlich nicht mehr ganz so fit waren, halfen, wo immer sie konnten. Ab und zu wurde der Rasen sogar täglich gemäht – wohl um dem Ausdruck „Vereins-Meier“ gerecht zu werden… Die Gebäude werden regelmässig neu gestrichen, oft natürlich im typischen Falu Rödfärg.

Die Geräte auf dem Kinderspielplatz, wie auch das Floss und die zwei Badestege, wurden erst ganz kurz vor Saisonbeginn wieder montiert. Da die Seen jedes Jahr einfrieren, müssen in Skandinavien alle schwimmenden Gerätschaften an Land gebracht werden, bevor der Winter einbricht.

 

Als eine selbst auferlegte Regel, wollen die Vereinsmitglieder nicht mehr als die Hälfte der 20 Zimmer und 100 Camping-Plätze belegen. Die übrigen sind für Gäste aus dem In- und Ausland reserviert. Der Verein machte die Erfahrung, dass auf dem Gelände eine viel bessere Atmosphäre herrscht, wenn sich Dauermieter und Urlauber gut mischen und die Atmosphäre war hier wirklich grossartig!
Auch bei Ausländern ist Gustavsberg sehr beliebt. Die tolle Lage am See erinnert irgendwie an die Essenz Schwedens, welche wir hier, an dieser reizvollen Lage, in zwei der extremsten Formen erleben durften: im Winter trugen wir Thermo-Unterwäsche und genossen, bei minus 25°C, die Sicht über den gefrorenen See, während wir uns jetzt, im Sommer, splitternackt in der Sonne aalten und zur Abkühlung in den 25°C warmen See sprangen!

 

Der Platz war nun sehr belebt und alle beschäftigten sich mit irgendetwas wie sonnenbaden, schwimmen, Sport treiben oder schwitzen in der Sauna am See. Gemäss dem Schwedischen ‚allemansrätten‘ (Jedermanns-Recht) müssen Gäste, die nur zum Sonnenbaden und Schwimmen hierher kommen, nicht einmal Eintritt bezahlen.

 

Wir genossen es, dass Noras Ortszentrum in einem schönen zwanzig minütigen Spaziergang erreicht werden kann. Dort gibt es nicht nur ein paar gut sortierte Supermärkte und eine gute Auswahl an Speiselokalen, sondern auch „Nora Glass“ was schon fast eine Institution ist. Hier werden täglich drei wechselnde Eissorten hergestellt und feilgeboten.

Für uns war Nora im Winter irgendwie noch etwas charmanter gewesen, aber jetzt im Sommer war es sicherlich das FKK Gelände, das uns „vor Charme die Hosen auszog…“


Ausflüge nach Pershyttan und Örebro

 

In der Gegend um Nora gibt es viele Seen mit Inseln. Obwohl es hier etwas touristisch ist, ist diese Region im Sommer nicht so überlaufen, wie manche Ferienorte an der Küste. Dasselbe gilt auch für Pershyttan, ein gut erhaltenes Eisenbergwerk aus dem 14. Jahrhundert, welches nun ein Museum mit Vorführungen ist. Während des Sommers fährt eine Dampfeisenbahn von Nora zu dieser Mine und ihrem Arbeiterdorf. Es gibt geführte Touren und in den ehemaligen Werkstätten sind Ausstellungen eingerichtet, in denen der damalige Eisenabbau erklärt wird. Sehr beeindruckt hat uns das 11 Meter hohe Wasserrad, dessen Energie über ein System zusammengefügter Balken übertragen wird. Weil diese Holzstangen asymmetrisch an den Radseiten befestigt sind, bewegen sie sich vor- und rückwärts. Die beiden Gestänge aus aneinander befestigten Holzlatten sind unglaublich lang. Sie ziehen sich einen Hang hinauf und transportieren so die Energie des Rades bis zu zwei Grubenschächten. Diese beeindruckende Konstruktion wurde erst 2005 renoviert.

 

Örebro ist eine hübsche Stadt, etwa 4 Schwedische Meilen südlich von Nora. Für diejenigen, welche diese Masseinheit noch nicht kennen; wenn Schweden von 4 mil sprechen, meinen sie 40 Kilometer, denn eine Schwedische Meile entspricht 10 (Bünzli-Schweizerischen) Kilometern (oder 32‘808 stinkigen Englischen Fuss).
Zurück nach Örebro: Jetzt im Sommer präsentierte sich die Stadt mit einer ganz andere Atmosphäre, als während unseres Besuches im Winter. Nun wimmelte es nicht nur in den Strassen, sondern auch in den Gartencafés, von Menschen.

Restaurants, welche im Winter kaum Gäste hatten, waren nun berstend voll und es sind nun noch viele weitere Lokale dazugekommen. Offensichtlich lieben die Schweden Gartenrestaurants im Sommer über alles. Bevor wir uns ihnen anschlossen, hatten wir aber das Bedürfnis, die Sehenswürdigkeiten der Stadt nochmals abzuklappern.

 

Das Wasserschloss Vasa reflektierte wunderschön im Wasser. Wir folgten dem Fluss, der uns von den Häusern weg in einen Park führte. Hier blühten reihenweise bunte Blumen und auf dem Spielplatz wimmelte es von Kindern. Schon bald erreichten wir das Museumsdorf Wadköping mit seinen vielen, gut erhaltenen alten Holzhäusern. Die Fenster waren nun nicht mehr, wie im Winter mit Eisblumen, sondern mit etwas zeitgemässem dekoriert. Weil es schon etwas spät war, hatten die meisten Geschäfte bereits geschlossen und die Schauspieler, die hier traditionelles Leben in althergebrachten Kostümen mimen, waren schon heimgegangen, aber wir konnten trotzdem gemütlich durch die Gassen schlendern.

Zurück im Zentrum bewunderten wir noch das wunderschöne Stadttheater, das sich im Fluss spiegelte. Nicht viel weiter erreichten wir die Ågatan 3. Dies ist nicht nur eine Adresse, sondern auch gleich der Name eines Schwedischen Gourmet-Tempels, welcher im „White Guide“ gut bewertet ist. Dieser ist, wie wir (leider erst) hier erfuhren, das Schwedische Pendent zum Gault Millau oder Michelin Führer. So genossen wir eine wahre Schlemmermahlzeit.

Auf unserem Weg zurück nach Nora sahen wir am Strassenrand schon wieder einen grossen Elch und waren froh, dass wir relativ langsam fuhren, als die Schnellstrasse den Wald durchquerte.

 

Am 3. Juli verabschiedeten wir uns im FKK Gelände Gustavsberg und schlüpften in unsere T-Shirts, die wir als Abschiedsgeschenke bekamen. So konnten wir mehr als nur gute Erinnerungen an Gustavsberg mitnehmen, als wir an die Westküste weiterfuhren. Auf unserer Fahrt entlang des Nordufers des Vänern Sees waren wir etwas verdutzt, dass wir bereits erste Anzeichen von Herbstfarben an Bäumen und Farnen entdeckten. Es ist unglaublich, wie schnell die Natur in Skandinavien voranschreitet!


Mieten von Ferienhäusern

 

Unser nächstes Ferienhaus war das zweite, das wir direkt vom Eigentümer, und nicht über eine Agentur mieteten.

Wie wir unsere Skandinavischen Ferienhäuser jeweils fanden, erklären wir ein paar dutzend Seiten weiter oben (nördlich), unter dem Paragraphentitel „Mieten von Ferienhäusern in Skandinavien“.

Familientreffen im Ferienhaus bei
Hunnebostrand

 

Am 3. Juli 2010 erreichten wir am späten Nachmittag unser nächstes (und letztes) Ferienhaus bei Hunnebostrand an der Bohuslän Küste. Dieses war kein klassisches Ferienhaus, sondern das Einfamilienhaus der Besitzer, die es während ihren eigenen Sommerferien vermieten. Sie stellen ein paar persönliche Dinge beiseite, markieren ein paar Schränke mit einem Zettel „privat“ und vertrauen darauf, dass sich ihre Mieter nicht mit dem ganzen Hausrat aus dem Staub machen. Nachdem uns ihre erwachsene Tochter empfangen und das Haus gezeigt hatte, brachen wir zum Flughafen Göteborg auf. Dort nahmen wir Heinz’ Schwester Edith mit ihrem Mann Karl in Empfang, welche die nächsten 15 Tage mit uns verbrachten. Da wir erst um 02:00 Uhr morgens mit ihnen im Haus eintrafen, verschoben wir die genaue Besichtigung unseres Domizils und seiner Umgebung auf den Morgen.

 

Das Anwesen stand ganz alleine zwischen Wald und Wiesen und hatte einen schön gestalteten Garten. Es gab nur wenige Häuser und einen Golfplatz in der näheren Umgebung. In einem Fotoalbum sahen wir, wie das Haus immer wieder an- und umgebaut wurde. Momentan hatte es zwei Schlafzimmer und eine Wohn-Küche mit drei-geteiltem Wohnzimmer.

Es gab ein riesiges Badezimmer, einen grosszügigen Wintergarten und eine gewaltige Terrasse. Es waren aber nicht alle Einrichtungen funktionstüchtig, bzw. zu unserem Gebrauch gedacht, wie z.B. die Klima-Anlage oder die Sauna. Hingegen standen uns ein Geschirrspüler, eine Waschmaschine samt Trockner, ein kleines Sprudelbad, sowie ein riesen Kühlschrank mit Eiswürfel Maschine zur Verfügung.

 

Sehr bald entdeckten wir, wie überlaufen und hektisch es in einigen der nahegelegenen Perlen der Bohuslän Küste zuging und so genossen wir jeweils die Ruhe und das Entspannen um unser Haus umso mehr, nachdem wir von erlebnisreichen Erkundungstouren zurückkehrten. Der einzige „Nest Eindringling“ war die angeblich scheue Katze, von der man uns erzählt hatte, dass sie sich nie zeige, wenn Fremde im Haus seien. Ganz offensichtlich befriedigte sie der Fütterungsautomat in der Garage nicht vollständig und so suchte sie schon bald unsere Gesellschaft.

 

Wettermässig gab es überhaupt nichts zu motzen: Viel Sonne, hohe Temperaturen und etwa jeden dritten Tag etwas Regen, sodass man auch mal ein Buch zur Hand nehmen konnte. Aufwendiges Kochen nahmen wir (hier) nicht ins Programm – entweder feuerte Kari den Grill ein, oder wir liessen uns vom „White Guide“ zu einem gut bewerteten Gourmet Tempel führen.


Besichtigungstouren an der Bohuslän Küste

 

Natürlich schwärmten wir oft aus um die Höhepunkte der Bohuslän Küste zu entdecken. Diese erstreckt sich in etwa nördlich von Göteborg bis hinauf zur Norwegischen Grenze. Es handelt sich um eine dramatische und wunderschöne Schärenküste. Die kleineren Inseln bestehen typischerweise aus glatten roten Granitfelsen, auf denen überhaupt nichts wächst; bloss nackter Fels. Sie stehen in starkem Kontrast zu den unzähligen, üppig bewachsenen Inselchen in den Schwedischen Seen. Auf grösseren Inseln und entlang der Küste findet man an der Bohuslän oft ebenfalls nackten Fels. Beeindruckende Brücken und kostenlose Autofähren verbinden die bewohnten Inseln und das Festland. Die Bohuslän Küste ist eine sehr beliebte Destination für Angel- und Badeferien, doch wir beschränkten uns auf Besichtigungstouren.

 

Entlang der Küste gibt es viele malerische Fischer- und Feriendörfer. In den meisten gibt es zusätzlich zu den kommerziellen Fischerhäfen jeweils noch sehr beliebte Sporthäfen. Die touristischsten Dörfer haben eine „Bryggan“ (Fussgängersteg entlang des Wassers), welche jeweils mit Cafés und Souvenir-Shops gesäumt ist. Aber auch diese Ortschaften sind alle bildhübsch und natürlich gewachsen. Es gab so viele die uns gefallen haben, es ist eigentlich unfair, dass wir nur ein paar herausragende erwähnen: Grundsund, Fiskebäckskil, Mollösund und Klädesholmen. Andere wie z.B. Bovallstrand, heben sich durch ihre phantastischen Aussichtspunkte, oder natürlich gehaltenen Strandbäder auf- und zwischen den Felsen, ab.

 

Nicht ganz überraschend, sind unsere langjährigen Favoriten Smögen und Fjällbacka von anderen schon lange vor uns entdeckt worden. Obwohl wir beide Orte aus der ruhigen Reisezeit kennen, sind sie dennoch auch jetzt wirklich lohnenswerte Reiseziele. Als wir kurz vor Weihnachten zum letzten Mal hier waren, hatten wir weder ein geöffnetes Souvenir Geschäft, noch einen anderen Touristen gesehen. Jetzt im Juli, herrschte hier natürlich eine ganz andere Atmosphäre; gelinde gesagt, wimmelte es auf Smögens Bryggan nur so von Menschen. Im Gästehafen lagen pro Anlegestelle bis zu sieben Boote nebeneinander vor Anker. Wahrscheinlich waren die meisten Freizeitkapitäne eh hier, um zu sehen, und gesehen zu werden. Da die meisten bis spät in die Nacht hinein auf ihren Booten Party feierten, wäre wohl keiner fit gewesen, frühmorgens abzulegen. Es ist sicher kein leichtes Unterfangen, ein einzelnes Boot aus diesem Wirrwarr auszufädeln.

Dessen ungeachtet, reflektieren die bunten Fischerschuppen, am Ende des langen Fussgängerstegs, wie eh und je majestätisch im Wasser. Wenn wir noch weiter zu den Felsen hinter dem Hafen ausschwärmten, konnten wir uns dem Touristengewühl sogar ganz entziehen. Ausser uneingeschränkter Sicht aufs Meer, fanden wir dort auch ein paar Fisch-Verarbeitungs-Fabriken. Smögen hat sich mit dem Fang von Hummer und Garnelen (Smögen Räkor) einen Namen gemacht. Im Sommer werden diese Delikatessen in vielen Lokalen entlang der „Bryggan“ angeboten. In Schweden ist es übrigens nicht ungewöhnlich, auch inmitten der Touristenmeilen ausgezeichnete Restaurants zu finden!

 

Viele Sportboote die in Smögen anlegen, sind im Besitz von Norwegern. Auf ihrem Weg entlang der Küste, wählen viele das ruhige Wasser des Sote Kanals als Passage. Motorboote können ungehindert durchfahren, doch die Brücke nach Ramsvikslandet ist für Segeljachten nicht hoch genug. Da sie als Schwenkbrücke konstruiert wurde, müssen sich Jachten und Autos beim Warten abwechseln. Jetzt im Sommer, muss man nie lange warten bis sich die Brücke öffnet und ein paar Segelbooten die Durchfahrt ermöglicht. Etwa 4.8km der 7km langen Passage sind künstlich angelegt. Jetzt im Jahr 2010 konnte der „Sotekanalen“ schon sein 75. Jubiläum feiern. Jedes Jahr benutzen etwa 60‘000 Freizeitkapitäne diesen malerischen 15 Meter breiten Kanal, doch für die kommerzielle Schiffahrt ist er bedeutungslos.

 

Auch der Bootshafen von Fjällbacka, etwas weiter nördlich, war nun randvoll. Da Ingrid Bergman in diesem hübschen Küstendorf ihre Ferien verbrachte, ist es noch mehr zu Ruhm gekommen. Einige Jahrzehnte später, schrieb Astrid Lindgren das Kinderbuch „Ronja Räubertochter“. Episoden zur Verfilmung wurden hier in der Kungsklyfta (Königs Kluft) aufgenommen. Mittels Treppen und Holzstegen gelangt man in diese spektakuläre Schlucht, welche sich in den Felsen, direkt über dem malerischen Dorf, befindet. Die Wände dieser Felsspalte sind recht hoch, doch was den engen Durchgang wirklich beängstigend macht, sind die tonnenschweren Felsbrocken, welche zwischen den Wänden eingeklemmt sind. Wer den Mut aufbringt, darunter durchzugehen und das Glück hat, nicht wegen einem Erdbeben von einem Felsbrocken zerquetscht zu werden, wird später auf einem Aussichtspunkt über den Felsen mit atemberaubender Sicht auf Fjällbacka und die Küste belohnt. Zur Feier, dass wir dieses Abenteuer überlebt hatten, begaben wir uns alle vier in ein preisgekröntes Lokal direkt am Hafen und schwelgten in der Schwedischen Gourmetküche.

Wo auch immer wir an der Bohuslän Küste durchkamen, begeisterte uns die Landschaft und jedes einzelne der bildhübschen Dörfer. Wir hielten immer wieder an um Bilder zu schiessen. Einige der besten entstanden auf den hohen Brücken und auf Autofähren.


Begegnung mit Elchen

 

Wir mussten natürlich dafür sorgen, dass auch unsere Kurzzeit-Urlauber den Elch, das Wahrzeichen der Schwedischen Wälder, kennen lernen. So fuhren wir erneut zur „Moose Ranch“ in Dals-Ed. Während unseres Skandinavien-Jahres hatten wir dieses beeindruckende Säugetier in sehr unregelmässigen Abständen gesichtet; manchmal nur alle paar Monate, manchmal aber auch täglich. Während es Touristen kaum erwarten können, einen Elch zu sehen, sind die Einheimischen froh, keinem zu begegnen, da diese ein grosses Unfallrisiko darstellen. Allein in Schweden sind Elche jeden Tag für durchschnittlich zehn Unfälle verantwortlich. Diese enden oft für alle beteiligten tödlich. Im Gegensatz zu vielen Touristen montieren Schweden nie einen Elch-Aufkleber an ihrem Fahrzeug.

 

Natürlich posieren freilebende Elche nie so lange, bis Touristen in ihrem verzweifelten Versuch, ein Foto zu machen, erfolgreich waren. Wenn man am Strassenrand anhält, rennt erstens der Elch davon, und zweitens werden die einheimischen Automobilisten ungeduldig. Deshalb war die Elchfarm auch für uns die erste Möglichkeit, diesen Tieren ohne Gefahr für beide Seiten, nahe zu kommen und sie in aller Ruhe fotografieren zu können.

Auf der „Moose Ranch“ hatte es einen grossen Bullen, vier Teenager und vier Jungelche, welche erst ein paar Wochen alt waren. Der Besitzer der Farm gab sein Wissen bereitwillig den Besuchern weiter, von denen etwa 10 zugegen waren. Die meisten Besucher sind überrascht, wie langbeinig diese Tiere sind, obwohl die Skandinavische Gattung kleiner ist, als ihre Nordamerikanischen Verwandten ‘the moose’.

Hier können ausgewachsene Bullen über 500 kg schwer werden und ihr Geweih kann zwei Meter Spannweite erreichen. Heute leben jeweils vor der Jagdsaison etwa 400‘000 Elche in den Schwedischen Wäldern, und etwa 300‘000 nachher. Die Tiere vermehren sich sehr schnell, aber der Mensch versucht ihren Bestand zu kontrollieren, um den Schaden an Wäldern und das Unfallrisiko auf den Strassen zu begrenzen. Diese Zahlen gelten allein für Schweden, doch der Elch ist in der gesamten nördlichen Hemisphäre verbreitet; von Alaska über Kanada und Skandinavien bis in den Osten Sibiriens. Mit dem Kalten Krieg hatten die Elche überhaupt kein Problem. Sie fühlen sich in Temperaturzonen zwischen 10°C plus und 20°C minus am wohlsten, doch sie können auch Temperaturen bis minus 50°C problemlos aushalten.


Ausflüge ins Landesinnere nach Dalsland

 

Damit Edith & Kari ein umfassenderes Bild vom typischen Schweden erhalten, machten wir mit ihnen Ausflüge zur Dalsland Provinz im Landesinnern, wo Wälder und Seen dominieren. Die Elch-Farm war erst der Anfang, aber eigentlich wollten wir in erster Linie die Seen und Wälder geniessen. Von letzteren kriegten wir aber bald mehr als uns lieb war. Als wir einem, wie wir dachten, gut markierten Waldpfad bei Färgelanda folgten, verirrten wir uns schlussendlich total im Gehölz. Nach einer Weile kamen wir in ein Gebiet das so stark abgeholzt worden war, dass wir weder die Markierungen noch den Pfad finden konnten. Wir brauchten ziemlich lang bis wir wieder aus diesem Chaos von Mikado-Baumstämmen herausfanden und, mit zerkratzten Beinen, zurück in die Zivilisation kamen.

 

Wir liessen uns aber nicht entmutigen und kamen an einem anderen Tag zurück nach Dalsland. Diesmal hielten wir uns allerdings an Attraktionen, die von Menschenhand geschaffen wurden. In Mellerud, am Westufer des Vänernsees besuchten wir eine Glasbläser Werkstatt. Hier folgten wir einer Vorführung wie Glas geformt wird, widerstanden aber der Versuchung, im dazugehörenden Souvenir Shop etwas zu kaufen.


Fahrt mit einer Draisine

 

Nach einem leckeren Thailändischen Mittagsbüffet fuhren wir nordwärts weiter nach Forsbacka bei Åmål. Hier machten wir etwas wirklich touristisches, das Spass macht und ebenfalls zu Schweden gehört wie Volvo (bevor die Marke zuerst von den Franzosen, dann den Amerikanern und nun den Chinesen gerettet wurde): wir mieteten Draisinen. Nach einer kurzen Einführung kriegten wir zwei dieser Schienen-Gefährte, welche wie ein Fahrrad angetrieben werden und noch mit einer Bank für Passagiere ausgestattet sind. Die stillgelegte Schienenstrecke führte uns durch typische Dalsländische Landschaften mit Wäldern und blauen Seen, in denen sich die Bäume spiegelten. Wir hatten das Glück, dass uns nur zwei andere Parteien entgegen kamen, da eines der schweren Gefährte zum Kreuzen aus den Schienen gehoben werden muss. In eine Richtung hat der „Verkehr“ jeweils Vortritt und da dies unsere war, hatten wir doppelt Glück. In etwas weniger als zwei Stunden radelten wir 14 km durch malerische Landschaften bis nach Svanskog, dem Dorf wo wir vor einem Monat ein Ferienhaus gemietet hatten.

 

Der Bahnhof war geschlossen, da der Touristenzug mit Dampflokomotive vorübergehend eingestellt werden musste, nachdem ein Gewitter die Gleise ausgewaschen hatte. Wir holten uns ein Eis und machten ein paar Gruppenfotos um das alte Dampfross, bevor wir unsere beiden Draisinen wieder aufs Gleis zurück hoben. Es war bereits 18:00 Uhr, als wir wieder zurück strampelten. Das Licht war nun besonders schön, nur im kurzen Tunnel war es noch genauso dunkel wie bei der Hinfahrt… Auf den Abschnitten, wo wir uns vorher anstrengen und keuchen mussten, rollten die Wagen nun fast von alleine, und natürlich auch umgekehrt. Im Grossen und Ganzen war es eine leichte Strecke, doch es war ideal, dass wir den menschlichen Motor von Zeit zu Zeit wechseln konnten. Das ländliche Schweden liess sich mit unserem Draisinen-Ausflug auf beschauliche Art erleben und es begeisterte uns vier Junge um die fünfzig alle sehr!

 

Nachdem wir die Draisinen abgegeben hatten, war noch genug Energie übrig, um den Aquädukt und die Schleusen bei Håverud zu besichtigen. Es war nun zwar der richtige Monat um den Bootsverkehr zu beobachten, doch 21:00 Uhr war definitiv die falsche Zeit. Die Touristen-Lokale liefen aber auf vollen Touren und die Menschen genossen es, entlang des Dalsland Kanals im Gartenrestaurant zu sitzen. Wir machten mit und bestellten uns ein paar typisch Schwedische Sommerspezialitäten mit handgeschälten Garnelen. Während unserer 2 ½ stündigen Rückfahrt nach Hunnebostrand sahen wir am Strassenrand mehrmals Rehe, einen Fuchs und sogar einen Elch.

 

In den nächsten Tagen schwärmten wir nochmals aus in die Fischerdörfer an der Bohuslän Küste, machten ein paar Wanderungen und Spaziergänge, oder entspannten einfach in unserem Ferienhaus.


Kurzvisite in Göteborg; der zweitgrössten Stadt Schwedens

 

Am 17. Juli packten wir unsere sieben Sachen wieder zusammen und fuhren Richtung Göteborg – aber nicht ohne in der Villa Sjötorp, einem altehrwürdigen Restaurant ausserhalb von Ljungskile, eine Mittagsrast einzulegen. Nachdem wir unsere Gaumen verwöhnt hatten, fuhren wir weiter nach Mölnlycke. Inmitten eines schönen Parkes fanden wir das eindrückliche alte Herrenhaus Wendelsberg, das heute auch als Jugendherberge dient. Die wunderschöne alte Holzvilla aus dem 19. Jahrhundert beherbergt die Rezeption und den Speisesaal des „Vandrarhem’s“. Unsere Zimmer befanden sich aber in einem modernen Gebäude. Wir bekamen ein sogenanntes „Familien Duplex“ wo sich zwei Zimmer ein Bad teilen – gerade richtig für zwei Paare. Mit SEK 370 (€ 37) pro Doppelzimmer plus SEK 70 pro Frühstück, war der Preis sicher nicht überrissen. Bettwäsche und Reinigung konnten für eine Zusatzgebühr bestellt werden. Wendelsberg ist eine unter vielen Schwedischen Unterkünften, die dem Jugendherbergs-Verband (Hostelling International) angeschlossen sind und zum Budget-Preis Hotelstandard anbieten. Konferenz- und Banketträume sind ebenso selbstverständlich, wie Internet-Zugang in jedem Zimmer. Das Frühstücksbüffet in Wendelsberg und vielen anderen Skandinavischen Jugendherbergen kann es leicht mit denjenigen in Sterne-gekrönten Hotels aufnehmen und sogar Kaviar wird standardmässig serviert.

 

Aber wir greifen der Zeit wieder vor, denn am Vorabend haben wir uns noch ein wenig in Göteborg umgesehen. Wir mochten die Uferpromenade entlang des Flusses Göta Älv, an dem der eindrückliche Viermaster ‚Barken Viking‘liegt, der heute als Hotelschiff dient. Ein weiteres Wahrzeichen ist direkt dahinter zu sehen: Utkikken ein rot-weisses Büro- und Shopping Hochhaus, das wegen seiner Form landläufig als Lippenstift bekannt ist.

Das moderne Opernhaus befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite des Sporthafens. Das beeindruckende Gebäude spielt mit Formen und Farben und vermittelt dem Betrachter, je nach Standort, ganz unterschiedliche Ansichten. Etwas weiter Flussabwärts befindet sich das Schiffahrtsmuseum Maritiman, wo die Ausstellung auf 19 verschiedene Kähne, verteilt ist, vom Unterseeboot bis zum Frachter.

 

Ein paar Ecken weiter fanden wir einen der grösseren „Godis Shops“; eine typisch Schwedische Institution. Diese werden vielleicht in keinem Stadtführer erwähnt, doch wir finden, dass es sich für Touristen absolut lohnt, einen solchen zu sehen und zu riechen. Es handelt sich um ein Bonbon- und Schokoladen Geschäft. Die Kunden können aus einer unglaublichen Vielzahl an Süsswaren ihre Mischung nach Lust und Laune zusammenstellen. Es ist ein buntes Schlaraffenland mit überquellenden Büchsen und Handwagen voll von kleinen, süssen Naschereien; von Lakritz zu Gummibärchen und bunten Bonbons, von simpler Milchschokolade zu exquisiten Pralinen – keine Leckerei die es hier nicht gibt. Um es einfach zu machen, wird hier alles zum Einheitspreis abgegeben. Hier waren es beispielsweise SEK 7.90 (€ 0.79) pro 100 Gramm ‚Godis‘. Die Schwedische Bevölkerung ist schon richtig süchtig danach. Kein Kiosk und kein Supermarkt der nicht wenigstens in einer kleinen Ecke ein paar offene Süssigkeiten zum selbst Mischen anbietet. In grösseren Läden findet man oft ganze Gestelle mit Naschereien im Offenverkauf zum Tiefstpreis. In einer andere Ecke dann meist die etwas edleren gefüllten ‚goodies‘, wie Bouchée, oder Schoko Eier von Lindt und Mozart, die dann auch etwas teurer sind.

 

Nachdem sich auch Edith wieder von diesem Geschäft lösen konnte, setzten wir unsere Besichtigung Göteborgs fort und kamen bald zum ‚Gustav-Adolfs Torg‘, einem grossen Platz im Zentrum. Wir schlenderten entlang schöner Gebäude, schlürften ein Getränk in einem Strassencafé und suchten danach ein geeignetes Lokal fürs Abendessen.

Göteborg bezeichnet sich gerne als die Gourmet-Kapitale Schwedens und die Auswahl an Lokalen war auch wirklich gigantisch. Mehrere Strassen waren im wahrsten Sinn des Wortes mit Restaurants gesäumt. Die Einheimischen genossen die langen Sommerabende und standen oft in langen Schlangen an, um einen Tisch im Gartenrestaurant zu ergattern. Dafür waren wir inzwischen zu hungrig und entschlossen uns, mit einem Speisesaal vorlieb zu nehmen.


Eksjö; ein hübsches Städtchen mit unaussprechlichem Namen

 

Am 18. Juli 2010 fuhren wir zum Flughafen Landvetter und verabschiedeten uns von Edith & Kari die ihren Schweden-Aufenthalt wirklich genossen hatten. Da sie früh abflogen, hatten wir noch einen vollen Reisetag vor uns. Für unsere Weiterreise Richtung Osten wählten wir kleine Nebenstrassen, damit wir die Landschaft mit den vielen Seen besser in uns aufnehmen konnten. Am späten Nachmittag erreichten wir unser Ziel: Eksjö, eine gut erhaltene Kleinstadt, deren Gassen von schönen alten Holzhäusern gesäumt sind. So schön der Ort auch ist, seinen Namen korrekt auszusprechen ist für die meisten Ausländer ein Albtraum. Wer sich eine Fahrkarte dorthin kaufen möchte, sollte den Ortsnamen aufschreiben – genau wie in China.

 

Ein Teil der Stadt wurde bei einem Brand im Jahr 1856 ausradiert und danach durch Steingebäude im neoklassischen Stil ersetzt. Die schönen Holzgebäude im alten Teil, stammen aus dem 17. Jahrhundert und säumen die mit  Kopf-stein gepflasterten Strassen. Auch unsere Unterkunft in der Jugendherberge, befand sich in einem dieser charmanten Holzhäuser. In diesen denkmalgeschützten Gebäuden darf natürlich nicht viel geändert werden und es bestehen zudem strikte Vorschriften zum Brandschutz. Das Abbrennen von Kerzen ist absolut tabu, was den Schweden sicher weh tut.

Wir hätten uns immer daran erinnern müssen, den Kopf einzuziehen, wenn wir im oberen Stock durch eine Tür gingen. Das Erdgeschoss war hingegen mehr als drei Meter hoch, da es wahrscheinlich als Stallung gebaut worden war. Wir wunderten uns, weshalb die Rezeption alle Zwerge im unteren- und alle Riesen im oberen Stockwerk einquartierte.

 

Es war zu jeder Tages- und Nachtzeit schön durch Eksjö zu schlendern. Am Tag empfanden wir das Städtchen als ziemlich touristisch, am Abend hingegen als sehr ruhig. Die meisten der vielen Restaurants waren am Sonntagabend geschlossen, aber wir hatten Glück; dasjenige in dem wir doch noch Zuflucht fanden, hatte einen sehr guten Koch.


Altehrwürdige Schlösser und Kanäle

 

Nach zwei Tagen in Eksjö fuhren wir nordwärts zum Vätternsee. Gegen Mittag erreichten wir Vadstena, wo wir uns ein gutes Essen gönnten, bevor wir uns hinter die touristischen Höhepunkte machten. Es war ein sehr heisser Tag und so waren wir froh um jedes bisschen Schatten. Zuerst besichtigten wir die 1346 gegründete Abtei des Birgittinenordens, einem wuchtigen Symbol früherer Kirchenmacht. Die Ortschaft Vadstena wurde gleichzeitig mit dem Kloster gegründet und man sagt, dass ihr Rathaus das älteste Schwedens sei. Am anderen Ende des hübschen Dorfes steht ein beeindruckendes Wasserschloss, welches 1545 von den ersten Vasa Königen erbaut wurde. Heute wird der grosse Wassergraben, der das Schloss umgibt, als Sporthafen genutzt. Boote aus ganz Europa lagen hier vor Anker, da diese den Vätternsee über verschiedene, künstlich angelegte Kanäle erreichen können.

 

Der bekannteste unter ihnen ist sicher der Göta Kanal. Sein erster Abschnitt verbindet das Baltische Meer (die Ostsee) mit dem Vätternsee. Der zweite Abschnitt wurde zwischen den zwei grössten Seen Schwedens ausgehoben; dem Vättern- und dem Vänernsee. Letzterer ist durch den Trollhätte Kanal mit der Nordsee verbunden. Über dieses ausgeklügelte Kanal-System, welches zur Zeit seiner Entstehung vor 200 Jahren, die grösste Meisterleistung der Schwedischen Baukunst war, können Boote den Weg von der Ostsee zur Nordsee durch das Landesinnere Schwedens abkürzen. Die Gesamtlänge der Querung beträgt 390 km und schliesst fünf Seen und mehrere Flüsse mit ein. Die Boote müssen dabei einen Höhenunterschied von 91.8 Metern überwinden und 64 Schleusen passieren.

 

Der Göta Kanal hat 58 Schleusen, ist für einen Tiefgang von 2.82m ausgelegt und hat eine Gesamtlänge von 191km, wovon 87km künstlich angelegt wurden. Der Trollhätte Kanal hat 6 Schleusen, ist für einen Tiefgang von 5.40m ausgelegt, seine Länge beträgt 82km, wovon nur 10km von Menschenhand gegraben wurden. Die übrige Strecke führt über den Fluss Göta Älv. Noch heute ist der Trollhätte Kanal, der zwischen 1793 und 1800 gebaut wurde, als Handels-route wichtig, denn er ist mit Frachtschiffen bis 4‘000 Tonnen befahrbar. Im Gegensatz dazu verlor der Göta Kanal, der zwischen 1810 und 1832 gebaut wurde, seine Stellung als wichtiger Handelsweg später an die Eisenbahn. Er konnte sich aber inzwischen als Touristen-Magnet wieder bestens etablieren und zieht jährlich 3 Mio. Besucher an.

 

Wir schlossen uns dem Touristenstrom an und besuchten den malerischen Abschnitt des Göta Kanals bei Bergs Slussar. Hier kann man beobachten, wie die Boote eine Klappbrücke passieren und dann auf einer sieben-stufigen Schleusentreppe 19m Höhenunterschied überwinden. Vor- oder nachher gilt es dann nur noch zwei zwei-stufige Schleusen zu durchqueren. Es ist ein interessanter Ort um die Freizeitboote, welche die verschiedenen Schleusenkammern passieren, zu verfolgen. Es dauert doch so einiges an Zeit, bis sich die Kammern leeren oder füllen und die Schleusenwärter den Weg in die nächste Kammer freigeben können - bergauf und bergab.


FKK Verein Vikbolandet

 

Der Göta Kanal erreicht das Baltische Meer südlich der, von Farmland und Wäldern dominierten, Halbinsel Vikbolandet in der Nähe von Norrköping. Vikbolandet ist auch der Name eines FKK Geländes auf dieser Halbinsel und dort verbrachten wir die nächste Woche. Um den Campingplatz optimal in die natürliche Umgebung einzupassen, wurde am Grundstück so wenig wie möglich verändert. Es handelt sich um ein kleines Vereinsgelände und die Mehrzahl der Gäste gehört diesem Verein an. Es hatte hier nicht so viele auswärtige Besucher wie auf anderen Geländen. Wir mieteten eines der beiden Zimmer, welche eine winzige Küche teilen. Es gibt auch zwei komfortable Holzhütten, doch die waren belegt.

 

Während unserer ersten paar Tage was es aussergewöhnlich heiss, weshalb wir oft zum kleinen Waldstück gingen, das zum Platz gehört. Es ist eine natürliche ruhige Ecke mit vielen Felsbrocken, welche von Flechten überzogen sind. Es war so trocken, dass diese unter unseren Schuhen zerbröselten. Schon bald liess sie der Regen wieder aufleben und wir hatten einen Grund in die grosse Sauna zu gehen, was immer sehr gesellig war. Meist kamen wir mit jemandem ins Gespräch, entweder mit Vereins-Mitgliedern, oder dann mit anderen Touristen, wovon die meisten aus den Niederlanden stammten.

 

Wir erfuhren, dass der Klub dieses Grundstück vor 15 Jahren gekauft hatte. Seither wurde es immer wieder ausgebaut und die Mitglieder versuchen immer noch, es auf Hochglanz zu bringen. Wir schätzten es, dass jeden Abend jemand dafür verantwortlich war, die holzbefeuerte Sauna und den Grill einzufeuern. Oft hielt sich die Runde ums Feuer bis spätnachts und wurde immer feuchtfröhlicher. Ausser einem grossen Sanitärblock gibt es auch ein Klubhaus, ein Schwimmbecken mit einer Sonnenterrasse und: selbstverständlich wird an der Rezeption Eis verkauft.

 

Unsere Zeit verging sehr schnell und wir wollten auch noch etwas ausschwärmen um die Umgebung zu erkunden. Die Gegend um Vikbolandet war von Farmland geprägt und die vielen Kornfeldern leuchteten nun, Mitte Juli, goldgelb und schienen fast zum ernten reif.

An einem Nachmittag fuhren wir nach Linköping, einer angenehmen Stadt mit einem Museums-Dorf am Stadtrand; Gamla Linköping (Alt Linköping). Dies ist ein hübscher Ort mit vielen alten Holzhäusern, wo jeden Sommer die Angestellten, sowohl im Museum, als auch in den Touristen-Geschäften, in mittelalterlicher Kleidung arbeiten. Wie bei vielen touristischen Einrichtungen Schwedens, werden auch hier die Gehsteige schon ziemlich früh hochgeklappt. Wenigstens servierte man uns in der altmodischen Bäckerei noch Kaffee und Kuchen.

Der neuere Teil Linköpings besteht aus Steingebäuden und hat grosszügige breite Alleen, wohl weil die Stadt im Jahre 1700 einem verheerenden Brand zum Opfer gefallen war. Die sauberen Kopfstein-Strassen waren mit Lokalen gesäumt und Garten-Restaurants, wie überall, berstend voll, da die Leuten die langen warmen Sommerabende geniessen wollten.

 

Am 26. Juli 10 verliessen wir Vikbolandet und fuhren südwärts, wie immer entlang vieler Seen mit süssen kleinen Inselchen. Wir machten Mittagsrast im Dorf Atvidaberg, wo wir bei der Weiterfahrt zufälligerweise auf viele schöne „Falu Rödfärg“ Häuser stiessen. Weiter südlich sahen wir vor allem grüne Wiesen, Blumenfelder und Ent- oder Bewässerungskanäle, welche von Entengrütze überwuchert waren.


Glasriket; das Schwedische Glasreich

 

Mittlerweile waren wir in der Provinz Småland, im Südosten des Landes. Die nächsten zwei Nächte verbrachten wir in Nybro, einer 20‘000 Seelen Stadt in der abends enttäuschend wenig los war. Egal, wir waren ja in Nybro weil sich in dieser Ecke Smålands das ‚Glasriket‘ befindet, was nichts anderes bedeutet als Glasreich.

 

Schweden hat sich einen guten Ruf für die Herstellung von Qualitätsglas aufbauen können. Wir nahmen die Gelegenheit wahr einige der ~11 Glashütten zu besichtigen, welche der Öffentlichkeit zugänglich sind. Einige sind grosse Fabriken für die Massenproduktion von Gebrauchsglas, welche dennoch viel Handarbeit verlangt. Andere wiederum, sind kleine Designer-Werkstätten mit nur wenigen Angestellten. In allen sind Besucher willkommen den Glasbläsern über die Schultern zu schauen. Der Hochsommer ist nicht gerade die beste Zeit für einen Besuch. Die meisten Zuschauertribünen sind gut belegt, ironischerweise geniessen aber die meisten Glasbläser gerade jetzt ihre Betriebsferien. Unser letzter Besuch im Herbst war irgendwie interessanter gewesen. Damals wurde in allen Betrieben auf Hochtouren gearbeitet. Auf ein paar Besucher kamen oft über hundert Angestellte, welche pflichtbewusst ihrer täglichen Arbeit nachgingen. Jetzt hingegen, waren in jedem Betrieb nur zwei bis sechs Freiwillige zugegen, die etwas flüssiges Glas formten, um die Touristenschar zufriedenzustellen. Manchmal gab es eine Tribüne und einen Kommentator der die Arbeitsgänge erklärte. Da es natürlich etwas kostet diese „Vorführungen“ während der Betriebsferien aufrecht zu erhalten, wurde jeweils ein kleiner Eintritt verlangt.

 

Ausserhalb des Betriebsurlaubes konnten wir einst beobachten, wie bis zu fünf Glasbläser an einem einzigen komplexen Gegenstand arbeiteten. Jetzt hingegen, waren nie mehr als zwei Handwerker mit demselben Produkt beschäftigt. Als Zückerchen für ihre Sommerarbeit war es ihnen freigestellt, was und in welcher Form sie es herstellen wollten. Ab und zu entstanden dadurch sehr interessante Objekte mit verschiedenen Farben und ungewöhnlichen Formen. Es arbeiteten sowohl erfahrene Meister, als auch Lehrlinge. Wir schauten den Vorführungen in verschiedenen Glashütten zu, darunter waren bekannte Hersteller wie Pukeberg, Orrefors und Kosta Boda. In allen Betrieben gibt es auch Fabrikläden. Bei Kosta Boda ist er aber nicht nur gross, sondern riesig! Dieser ist von anderen Outlets umgeben, welche alles anbieten, was einen gut klingenden Markennamen hat. Sie haben es einfach, den Dummen das Geld abzuknöpfen: der riesige Parkplatz war berstend voll. Von den vielen Besuchern waren nur wenige an den Vorführungen der Glasbläser interessiert – aber alle schienen die Outlets zu überfallen!

 

An unserem zweiten Abend besuchten wir Kalmar, eine Küstenstadt mit 60‘000 Einwohnern, welche viel schöner war, als wir es erwartet hätten. Ein Teil des Stadtzentrums befindet sich auf einer Insel. Das beeindruckende Kalmar Schloss, einst Schwedens wichtigstes, sitzt auf einem eigenen Inselchen. Ein hoher Wasserturm reflektierte idyllisch im Wasser und die vielen schönen Gebäude der Stadt leuchteten in der Abendsonne. Wir schlenderten genüsslich durch die Stadt und als wir das Nordufer erreichten, sah man die 6km lange Brücke zur Insel Öland. Sehr bald kamen wir dahinter, weshalb das nahe gelegene Nybro wohl so totenstill war: es schien, als seien alle hier in Kalmar! In den breiten Alleen wimmelte es von Menschen und die unzähligen Gartenrestaurants waren zum bersten voll. Ein sommerliches Kulturprogramm bescherte der Stadt Konzerte und Theatervorführungen. An diesem Abend lauschten die Massen der Live-Musik am Hauptplatz. Wir genossen ein feines Abendessen und liessen uns aus dem Hintergrund mit Musik berieseln.


Paradiset-Partisanen: ein ruhiges FKK Gelände

 

Nur 100 km weiter südlich haben wir uns bei Olofström ins Paradies eingebucht! Genauer gesagt, ins Paradiset, Partisanen’s Naturistengelände, wie es sich nun nennt. Auf den ersten Blick sah es hier noch genauso aus, wie vor 9 Jahren, als wir das letzte Mal hier gewesen waren. Als kleine Erweiterung gab es nun ein Zimmer zu mieten, was wir gerne annahmen. Der Campingplatz liegt malerisch in einer Waldlichtung, direkt am kleinen Slagesnässjön See, genauso wie es die Touristen mögen. Etwa 20 Paare und Familien waren auf dem Platz, fast alles Ausländer. Viele verbrachten hier ihren jährlichen Sommerurlaub. Die meisten Mittel- und Südeuropäer würden nicht im Traum daran denken, zum Badeurlaub nach Schweden zu fahren. Einige haben aber doch realisiert, dass es sogar für  FKK Ferien perfekt sein kann und kommen regelmässig hierher zurück. Im Paradiset finden Touristen lange warme Sommertage und ein wunderschönes Gelände, welches in typisch Schwedische Bilderbuchlandschaft eingebettet ist.

 

Als wir hier am 28. Juli eintrafen, waren die Tage immer noch sehr lang, aber vor einer Woche begannen die Nächte wieder richtig dunkel zu werden. Genauso wie die Nächte im Norden Skandinaviens etwa einen Monat nach Frühlingsanfang nicht mehr richtig dunkel werden, beginnt es hier in Südschweden etwa einen Monat nach dem Mittsommerfest wieder richtig dunkel zu werden. Dazwischen hatten wir etwa vier Monate ohne wirkliche Nacht.

 

Das Wasser im See war sehr warm und lud zum Schwimmen ein. Es hat eine kupferrötliche Farbe, sodass auch ein käse-weisser Schwimmer sofort sonnengebräunt aussieht – als ob er in einen Farbtopf gesprungen wäre. Den Gästen stehen Holzsteg, Floss und ein Sprungturm, sowie zwei Ruderboote zur Verfügung. Brigitte war glücklich, dass Heinz mit ihr in See stach, doch zuvor kam uns Inge der Geländeverwalter, zu Hilfe und pumpte das Resultat des letzten Regens aus dem Boot.

Wir erfuhren von Inge, dass Partisanen’s Vorbesitzer erst vor kurzem verstorben ist und sich danach das langjährige Klub-Mitglied Sonje spontan dazu entschloss, das Gelände zu erwerben um es der FKK Bewegung zu erhalten. Der Name des Campingplatzes wurde auf Paradiset geändert und da der neue Besitzer schon etwas älter ist, bat er Inge, das Gelände während des Sommers zu führen und zu unterhalten. Beide Männer sind sehr bescheiden und setzten sich aus voller Überzeugung für den Naturismus ein. Erst Monate später erfuhren wir, dass Inge, sowohl Herausgeber des Schwedischen Naturisten-Magazins „Tillsammans“, als auch Präsident des Schwedischen Verbandes “Naturistförbund” ist.

 

Inge und Sonje denken, dass exzessiver Alkoholkonsum und Naturismus nicht zusammen passen. Sie wollen nicht, dass im Paradiset jeden Abend Party ist, wo die gleichen alten Vereinsmitglieder zusammen trinken und nicht nur für sich selbst, sondern auch für die anderen Gäste Probleme verursachen. Die zwei Männer verhindern regelmässige Besäufnisse erfolgreich, indem sie die Anzahl der Saison-Plätze beschränken. Ganz bewusst werden keine günstigen Langzeitmieten offeriert. Man bevorzugt Feriengäste die, regelmässig oder unregelmässig, für ein paar Wochen hierher kommen. Die beiden wissen was sie tun und die Atmosphäre im Paradiset ist wirklich sehr angenehm. Das soll nicht heissen, dass die Leute hier nicht auch zusammensitzen. Fast jeden Abend wurde der Grill eingefeuert und wer mochte, konnte sich anschliessen und miteinander essen. Je nachdem, welche Leute zusammenkamen, wurden noch lange Geschichten erzählt, Reise-Erlebnisse ausgetauscht (da waren wir dabei), oder man versuchte einfach die Welt zu verbessern… Unter anderen lernten wir Gabriela & Dietmar kennen, ein fröhliches Künstlerpaar aus Deutschland. Es war sehr interessant mit ihnen zu philosophieren, da die beiden ebenfalls ein Leben führen, das aus dem üblichen Rahmen fällt.


Ein Ausflug nach Karlshamn

 

Zweimal fuhren wir nach Olofström, dem eigentlichen Servicezentrum der Region.
Etwas südlich besuchten wir die Kleinstadt
Karlshamn, welche, wie der Name schon sagt; an einem Hafen liegt. Gemäss der Web-Seite der Stadt, muss Karlshamn vor hundert Jahren „Des Teufels Küche“ gewesen sein, da hier zur damaligen Zeit, grosse Mengen alkoholischer Getränke, Punsch, Tabak, Schnupftabak, sowie fast sämtliche in Schweden benutzten Spielkarten, hergestellt wurden.

Da die Schweden nicht zu direkt und eher diplomatisch sind, geht die Stadtverwaltung von Karlshamn darauf ein, dass die Mehrzahl der nicht-Skandinavischen Urlauber aus Deutschland stammt und man dort mit dem Alkohol- und Tabak-Konsum wohl auch etwas über die Stränge zu schlagen pflegt. Was in der englischen Version der Webseite als „The Devil’s workshop“ (Des Teufels Küche), bzw. im Niederländischen als „De werkplaats van de duivel“ übersetzt wurde, wird auf der Deutschen Seite als „Frühe Herstellung von Genussmitteln“ verharmlost…

 

Karshamn entstand aus dem Dorf Bodekull. Nachdem König Karl X, im 17. Jh. diesen Ort besuchte und ihm die Stadtrechte verlieh, wurde die Ortschaft zu seinen Ehren umbenannt. Inzwischen ist es eine sympathische Stadt mit 30‘000 Einwohnern und einem schmucken Rathaus. Es gibt einen grossen modernen Hafen, doch die alten restaurierten Holzhäuser am anderen Ende der Stadt, bieten einen schöneren Anblick.

 

Während wir auf einer Bank sitzend ein Eis löffelten, kam eine Familie mit einem grossen Amerikaner Schlitten angerauscht und steuerte damit auf den Parkplatz zu. Seit es Sommer ist, haben wir immer wieder solch verschwenderische Benzinfresser gesehen. In ganz Schweden sind Amerikanische Oldtimer aus den 60-er Jahren sehr beliebt, nicht nur bei Singles die auffallen wollen, sondern auch bei jungen und älteren Familien.


Ein defekter Ofen und das Radio im Paradiset

 

Zurück im Paradis(et) genossen wir den Auslauf; kürzere Waldspaziergänge ohne alles, oder eine kleinere Wanderung um den See. Für letztere gab uns Inge eine gute Karte mit auf den Weg. Damit war es einfacher den Pfad zu finden und an einer etwas unübersichtlichen Stelle sagte uns ein Bauer, wo’s langgeht und meinte lakonisch, dass die Gäste vom Paradiset an dieser Stelle oft falsch gehen. Entlang des Pfades erwartete uns eine vielfältige Flora und Fauna. Ausser einer Schlange, begegneten wir auch vielen weniger furchterregenden Tieren. Wir hatten andernorts schon kleine Schlangen gesehen und sind überrascht, dass diese in einem Klima mit solch kalten Wintern überleben können.

 

Momentan war es alles andere als kalt und trotzdem heizten wir uns oft in der grossen Sauna auf, welche sich im sehr sauber gehaltenen Sanitärblock befindet. Die Gäste können den elektrischen Saunaofen, wann immer sie Lust haben, selbst einschalten, doch es war üblich, das Vorhaben den anderen Gästen kundzutun und so wurde es im Schwitzkasten immer sehr unterhaltsam. Am kleinen Schwimmbecken gingen alle vorbei, denn der See lockte für ein erfrischendes Bad nach der Sauna einfach viel mehr.

 

Wir hatten zwar eine kleine Küche in unserem Zimmer, wenn wir aber etwas backen wollten, mussten wir den Ofen der Camping-Küche nebenan benutzen. Obwohl der Kochherd ziemlich neu aussah, dauerte es Lichtjahre bis der Backofen endlich warm war. Als wir in der Küche mit anderen Gästen darüber lamentierten, erwähnte ein Holländer, dass auch das Keramik-Kochfeld des Herdes nur sehr langsam aufheizt. Wie Heinz, hatte auch er früher als Elektriker gearbeitet. Nachdem die beiden den Kochherd kurz unter die Lupe genommen hatten, kamen sie zum Ergebnis, dass beim Stromanschluss wohl ein paar Drähte vertauscht worden waren. Nachdem sie dies dem Geländeverwalter mitgeteilt hatten, war das Problem in 10 Minuten behoben! Ein verwunderter Inge erzählte, dass der Kochherd VOR ZWEI JAHREN von einem Fachgeschäft revidiert und neu angeschlossen worden sei. Er konnte es nicht glauben, dass sich nie jemand beschwert hat, nicht einmal die Frau, die zweimal die Woche Brot gebacken hatte! „Gut“ meinte er nach einer Pause, „doch, einmal hat sich jemand beschwert, aber dies war ein notorischer Nörgler, den hab ich ignoriert…“.

 

Eines Morgens, als wir unter den Bäumen am See frühstückten, fiel uns auf, dass ein Auto mit Aufschrift „Schwedisches Radio“ neben der Rezeption parkiert war. Eine (Promi?) Reporterin interviewte Inge. Später, als er sie auf dem FKK Platz herumführte, machte sie ein paar Bilder für die Webseite der Radio-Station. Zusammen mit ein paar anderen, stellten wir uns spontan als Statisten zur Verfügung, um dem Bild des Geländes einen lebhafteren Eindruck zu geben. Anfänglich zögerte die Reporterin etwas, aber schlussendlich holte sie sogar nochmals ihr Mikrofon hervor. Nun wurden WIR interviewt. Sie kam zum Schluss, dass unsere Meinung für die Zuhörer ebenfalls interessant sein könnte und die Sendung dadurch erst noch eine internationale Note gewinnen könnte, weil wir natürlich in Englisch befragt werden mussten. Was dabei herauskam, war vermutlich etwas anders, als sie gedacht hatte. Sie erwartete wohl kaum, dass die beiden Schweizer Nackedeis, die da vor ihr sassen, nicht nur den kalten Winter in Schweden verbracht hatten, sondern zudem seit 11 Jahren in der Weltgeschichte herumreisen. Als wir gefragt wurden, was wir von der Alkoholpolitik der Geländeleitung halten, hat Heinz natürlich noch so gerne die Schwedischen Radiohörer auf den positiven Einfluss eines alkoholfreien ‚Life styles‘ hingewiesen und betont, dass dieser auch in unserem Vereinsgelände in der Schweiz wesentlich zu einer positiven Atmosphäre beiträgt.
Wenige Wochen später zeigten uns Bekannte ein Schwedisch/Norwegisches FKK Magazin, in dem ein Bild von uns beim Interview (von Inge) publiziert worden war.

 

Nach sechs sehr genussreichen Tagen im Paradiset, fuhren wir am 3. August 2010 weiter. Jetzt hatten wir nur noch zwei Tage in Schweden vor uns, da die Fähre nach Deutschland mittlerweile gebucht war.


Skåne: hin- und hergerissen zwischen Schweden und Dänemark

 

Während der Konstruktion der Öresund Brücke, die im Jahr 2000 zwischen Kopenhagen und Malmö eröffnet wurde, kamen auf dem Seegrund Beweise zutage, dass der Öresund erst vor etwa 7‘000 Jahren entstand, weil der Meeresspiegel damals stark anstieg. Wäre diese Meerenge nicht entstanden, wären der Bauindustrie stolze 4 Milliarden Euro entgangen. Die Region war nicht nur geographisch zusammengeschweisst, sondern auch politisch, da die heutige Provinz Skåne bis 1332 zu Dänemark gehörte. Während der folgenden 400 Jahre, wurde sie stark umkämpft und abwechslungsweise von Schweden und Dänemark eingenommen, aber schlussendlich konnten sie die Schweden halten. Der Dänische Einfluss ist auch heute noch, sowohl in der Architektur, als auch in einem starken Dialekt erkennbar.

 

Als wir der Südküste von Skåne folgten, erschien uns sogar die Landschaft, welche hier sehr flach ist, ziemlich Dänisch. Überall sahen wir Windmühlen und Häuser mit Strohdächern. Im hübschen Küstenort Simrishamn wollten wir übernachten. Jetzt, anfangs August, wimmelte es nur so von Menschen und die vielen Strassencafés erfreuten sich grosser Beliebtheit. Es dauerte ziemlich lang, bis wir eine Unterkunft fanden. Während wir auf einem Camping nach Hüttchen fragten, stauten sich hinter uns so viele Wohnmobile, dass wir kaum noch wenden konnten. Erst als wir etwas ausserhalb suchten, fanden wir, dank einer Jugendherbergs-Angestellten, ein nettes Gartenhäuschen. Nachdem wir in Simrishamn zurück waren, schlenderten wir dort nochmals durchs Dorf und fuhren dann zum Abendessen ins nahegelegene Brantevik. Dies ist ein kleiner Ort, wo sich viele Ferienhäuser aneinanderreihen. Viele davon sehen aus wie typisch Dänische Dorf-häuser und die Lage direkt am Meer hatte sehr viel Charme. Dasselbe kann man auch vom Bykrog sagen, was sich zwar nur als „Dorf-Beiz“ übersetzt, aber einen echten Gourmet Tempel beherbergt.


Als wir gegenüber dem Kellner erwähnten, dass wir auch den Winter in Schweden verbracht hatten, sagte er uns, dass hier in Südschweden Schnee zwar eher eine Ausnahme sei, die Seen aber trotzdem jeden Winter gefrieren und von Zeit zu Zeit sogar das Baltische Meer direkt vor der Haustür. Er erzählte uns, dass sich diesen März Packeis bildete, welches sich hier am Ufer bis zu drei Meter hoch aufgetürmt hatte.

 

Am nächsten Morgen fuhren wir entlang Skåne’s Südküste weiter. Die einsame Strasse war von Kornfeldern gesäumt. Dazwischen hatte es überall Korn- oder Mohnblumen oder ganze Wiesen voll Margeriten. Wir waren überrascht, wie viele Touristengeschäfte wie z.B. Souvenir-Geschäfte, Cafés und Bäckereien, kleine Museen und Farmläden, nur für die kurze Sommersaison plötzlich auftauchten. Einzig Trödelkram (Loppis) findet man ganzjährig und überall.


Geheimnisvolle Steine und malerische Ortschaften

 

Etwa 19km vor Ystad nahmen wir die Abzweigung nach Kåseberga. Zu unserer Überraschung fanden wir dort einen riesigen Parkplatz der randvoll war. Verkehrskadetten wiesen uns auf einen der wenigen freien Plätze ein. Der Grund für diesen Volksauflauf : Ales Stenar ein megalithisches Sonnenschiff, ähnlich dem von Stonehenge. Es ist nicht ganz klar wofür dieses geheimnisvolle Monument erbaut wurde, man vermutet aber, dass es als Ritualplatz gedient haben könnte. 59 Felsbrocken wurden in der Form eines Ovals von 67m Länge und 19m Breite aufgestellt. Sie stellen einen genauen Sonnenkalender dar, welcher sogar Schaltjahre und Sternbilder berücksichtigt. Eine Broschüre erklärt: „die Steine sind gegenüber der Sonne so ausgerichtet, dass die Sonne am Mittsommertag über die nordwestliche Ecke des Monuments untergeht und zur Wintersonnenwende über die gegenüberliegende Ecke aufgeht. Die Wissenschaftler kommen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen, wann dieses beeindruckende Bauwerk entstanden sein soll, haben aber die Mutmassung verlauten lassen, dass es ums Jahr 600 gewesen sein könnte. Wann auch immer, es ist ein Beweis für das komplexe Wissen früherer Kulturen. In der Nähe gibt es zwei ähnliche Sonnenschiffe, welche auf einer schnurgeraden Linie und jeweils exakt 18km voneinander entfernt stehen.

 

Bald erreichten wir Ystad, eine der hübschen Städte Südschwedens. Es gibt hier reihenweise Häuser im Dänischen Baustil, entweder Fachwerkhäuser mit rotem Backstein oder verputzte Steinhäuser. Auf dem Markt wimmelte es von Menschen. Die Feuerwehr hatte ihre alten Fahrzeuge auf Hochglanz poliert und bot nun Vergnügungsfahrten an, um Geld für einen guten Zweck zu sammeln. Diese Plauschfahrten kamen bei den vielen Urlaubern mit Kindern sehr gut an. Ystad ist eine gepflegte, blumengeschmückte Stadt mit einem hübschen Park um das Kloster.

 

Vorbei an weiteren goldenen Kornfeldern und einigen modernen Windgeneratoren, erreichten wir nach 75km Skanör, am äussersten Zipfel der Halbinsel Falsterbo. Mit Hilfe der Touristeninformation in Höllviken fanden wir in Skanör eine ideale Frühstücks-Pension. Rein zufällig lag sie weniger als 50 Meter vom Restaurant entfernt, welches wir uns für das heutige Abendessen ausgesucht hatten. Nachdem wir das Zimmer bezogen hatten, blieb immer noch genug Zeit um das Dorf und den Strand zu erkunden. Skanör hat einen schön gelegenen Hafen der nicht nur Freizeitkapitäne, sondern auch hungrige Urlauber anzieht, da es hier eine bekannte Fischräucherei mit Restaurant gibt.

 

Nördlich des Hafens beginnt ein langer weisser Sandstrand. Ein Schild weist darauf hin, dass die nächsten 1100 Meter für die Prüden und der Rest für die Nackten Badegäste reserviert ist. Dort hinten befindet sich auch der FKK Vereinscamping Solhejdan, doch für die eine Nacht hatten wir unser Zelt nicht aufstellen wollen und die Bungalows waren beide belegt.
Ein paar hundert Meter neben dem Hafen ist der Strand mit unzähligen bunten Strandhüttchen gesäumt, welche direkt vor den Sanddünen stehen. Diese lieblichen kleinen Häuschen dienen einzig dazu, die Strandsachen zu verstauen. Da sie bereits verlassen waren, konnten wir uns in aller Ruhe dort umsehen und Fotos machen. Jedes dieser kleinen Holzhäuschen ist in einer anderen Farbe gestrichen und zusammen mit der Öresundbrücke, die man im Hintergrund sieht, verleihen sie Skanör’s Strand einen einzigartigen Charakter.

Zu Unrecht ist Schwedens Gourmetküche in der Welt gar nicht so bekannt, obwohl wir die Erfahrung machten, dass sie es bestens verdient hätte. Da wir spezielle Tage gerne mit einem speziellen Essen feiern, wollten wir uns an diesem Abend verwöhnen. Es war unser 20. Jahrestag und gleichzeitig, nach einem grossartigen Skandinavienjahr unser letzter Tag in Schweden. Wir hatten Glück und
Skanörs Gästgifvaregård, ein im „White Guide“ sehr gut bewertetes Restaurant, war einer der besten Orte, wo wir uns je kulinarisch verwöhnen liessen! Wir bestellten uns einen 7-Gänger, welcher dann zwischen 19:30h und 00:30h als 10-Gänger serviert wurde. Zu unserer Überraschung sprach die nette Schwedische Serviertochter sogar Schweizerdeutsch, weil sie drei Jahre in unserem Heimatland gearbeitet hatte. Damit bereitete sie uns ein klein wenig auf die Schweiz vor.

 

Der 5. August 2010 war also unser letzter Tag in Schweden und so fuhren wir nach Trelleborg, wo wir auf eine Autofähre nach Rostock in der ehemaligen DDR gebucht waren. Da die Huckleberry Finn der TT-Line erst um 15:30h in See stach, blieb uns noch genügend Zeit, uns in Trelleborg umzusehen und ein Mittagessen einzunehmen. Es gab nur noch ein Problem: wir hatten unsere letzten Schwedischen Kronen bereits in Umlauf gesetzt und waren nun von der Kreditkarte abhängig, was normalerweise kein Problem ist. Allerdings hatte der Parkschein-Automat ein technisches Problem und somit keine Lust, Kreditkarten anzunehmen. Man musste sich mit Münzen aushelfen, was wir aber nicht konnten, weil wir keine mehr hatten… Ob du’s glaubst oder nicht; eine ältere Dame spendete uns ein paar Kronen und das Problem war gelöst. Eine letzte wunderschöne Erfahrung in Schweden…


Schlussgedanken zu unserem Schwedensommer

 

Es war für uns eine sehr schöne Erfahrung, auch den Sommer unter den gastfreundlichen und kommunikationsfreudigen Schweden zu verbringen. Nachdem hier die Temperaturen im Winter oft unter minus 30°C gefallen waren, stiegen sie nun im Sommer auch oft über plus 30°C. Dies konnte sogar an ein und demselben Ort sein. Der Strand, der im Winter noch als Abfahrtspunkt für Eisbrecher-Touren diente, wurde nun zu einem beliebten Badestrand. Die Natur macht im hohen Norden enorm schnell Fortschritte.
Kurz nach Mitte April hatten wir nie mehr eine wirklich dunkle Nacht und dies dauerte volle vier Monate an. Dies hätte sogar noch länger gedauert, wenn wir über dem Polarkreis geblieben wären. Es war für uns sehr beeindruckend zu erleben, wie schnell die kurzen Tage zu wirklich langen wurden und wie lange die Dämmerung dauerte.

 

Die Skandinavische Touristen-Saison ist Sommer sehr kurz. Ausser während ein paar Wochen zwischen Ende Juni und Anfang August, hatten wir die meisten Sehenswürdigkeiten für uns alleine. Im Juli sieht aber alles anders aus; alles das mit Tourismus zu tun hat, läuft auf Hochtouren. Die beliebtesten Attraktionen sind so überlaufen, dass man kaum noch umfallen kann. Nur wenige Kilometer daneben, ist es meistens aber friedlich und ruhig.

Die vielen Sommer-Cafés erfreuten sich allabendlich grosser Beliebtheit. Das will aber nicht heissen, dass bis in alle Nacht hinein gefeiert wird. Ausser in der Mittsommernacht, sind die meisten Schweden so gegen 23:00 Uhr jeweils wieder nach Hause gegangen.

 

Genauso nett es war, durch die Strassen der vielen hübschen Schwedischen Dörfer und Städte zu schlendern, und ab und zu die kulinarischen Höhepunkte des Landes zu geniessen, genauso stark genossen wir auch die Ruhe draussen in der Natur. Die Quintessenz des ursprünglichsten Schwedens sahen wir in den von Seen durchzogenen Landschaften, den Wäldern und den Blumenwiesen. Mit einem Ruderboot über einen stillen See zu gleiten, ist einfach einmalig. Genauso typisch sind die Raps- und Korn-Felder im Süden des Landes, und überall natürlich: die roten Häuser mit weissen Fensterrahmen.

 

…nur so nebenbei: wir bereuen es nicht im geringsten, dass wir ein ganzes Jahr in Skandinavien verbracht haben. Dass wir diese Region nicht nur mit recht heissen, sondern auch mit eiskalten Temperaturen, nicht nur mit hellen Nächten, sondern auch mit kurzen Tagen, nicht nur flüchtig, sondern ausgiebig erlebt haben, half uns, die Eigenheiten Skandinaviens zu verstehen. Wir können uns gut vorstellen wieder hierher zurückzukehren, egal ob im Sommer oder im Winter…

 


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