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Reisetagebuch Kapitel 33 [Februar 2018 - ???? 201?] als PDF
(Australien: ein ganzer Kontinent fast wie ein Zoo)

Australien
Fotos: Australien

Australien: ein ganzer Kontinent fast wie ein Zoo

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Australien, bzw. der “Commonwealth of Australia”, wie das Land offiziell heisst, ist der kleinste Kontinent. Obwohl wir insgesamt schon mehr als 30 Monate hier verbrachten, kehren wir immer wieder gerne hierher zurück. Wegen seinem allgegenwärtigen, sehr vielfältigen Tierleben, kommt uns das ganze Land fast wie ein gigantischer Zoo vor.  Mit einer Fläche von 7'617'930 km2 ist Australien das sechstgrösste Land der Erde. Mit 25 Mio. Einwohnern, von denen die meisten entlang der Küste leben, ist Australien eine der am dünnsten besiedelten Nationen. Sydney, hat mittlerweile 5,1 Mio. Einwohner und ist die grösste Stadt, Canberra mit «nur» 350'000 die Hauptstadt. Im Jahr 1907 wurde Australien von Grossbritannien unabhängig, gehört aber bis heute zum «British Commonwealth», mit Königin Elizabeth II als Staatsoberhaupt.

 

Genauso wie auf den meisten Pazifikinseln, wurde auch Australiens Urbevölkerung durch den Kontakt mit Europäern dramatisch reduziert. Die Aboriginals waren gegen die von den Weissen eingeschleppten Krankheiten nicht resistent. Für lange Zeit wurden sie von den weissen Kolonisatoren nicht als legale Landbesitzer respektiert. Ganz im Gegenteil; jedes Mittel war recht um die Ureinwohner loszuwerden. Es gab kein Gesetz, das sie schützte. Wir lasen, dass gewisse Missionare Aboriginals als Tiere betrachteten, da sie nicht demselben Glauben folgten.

 

Australiens indigene Bevölkerung integrierte sich nie richtig in die neue Gesellschaft. Bis 1967 wurden sie nicht einmal als Australische Bürger betrachtet und bei Volkszählungen schlichtweg ignoriert. Bis 1970 wurden viele Kinder gewaltsam von ihren Aboriginal Müttern getrennt, vor allem gemischtrassige. Kirchen, Missionen und die Regierung wollten ihnen Glauben und westliche Denkweise eintrichtern. Diese bedauernswerten Menschen bezeichnet man heute als «verlorene (lost) Generation».

 

Viele der ersten Australischen Siedler wurden ursprünglich als Gefangene von Grossbritannien deportiert. Das Vereinigte Königreich versuchte seine Unterklasse auszudünnen. Jede noch so kleine Gesetzesübertretung genügte, um auf diese gigantische Gefängnisinsel deportiert zu werden. Ihnen folgten viele freiwillige Pioniere, auf der Suche nach einem neuen und besseren Leben.

Heute ist Australien ein klassisches Immigranten-Land mit Einwanderern aus der ganzen Welt, vorwiegend von den Britischen Inseln, dem Europäischen Kontinenten und Asien. Australien besteht aus 8 Bundesstaaten und «Territorien», mit teilweise sehr unterschiedlichen Gesetzen. Wenn man beispielsweise ein Fahrzeug in einem anderen australischen Staat verkauft, als man es gekauft hat, kann dies recht kompliziert werden

 

Zu Australiens Hoheitsgewässern gehören 8'222 Inseln. Die grössten und bestbekannten sind der Bundesstaat Tasmanien (64,519 km2), Melville Island (5,786 km2), Kangaroo Island (4,416 km2), Groote Eylandt (2,285 km2), zudem die Bathurst Insel (1,693 km2) und Fraser Island (1,653 km2).

Das australische Hoheitsgebiet umfasst auch Norfolk Island im Pazifischen Ozean, die Cocos (Keeling) Islands, Christmas Island und die Ashmore- und Cartier-Islands im Indischen Ozean, wie auch die Sub-Antarktischen Heard, McDonald & Macquarie Inseln. Weiter beansprucht Australien auch ein Gebiet in der Antarktis.


Melbourne: eine moderne, pulsierende Stadt

 

Unser Australienabenteuer startete am 25. Februar 2018, als wir zum ersten Mal in einem A380 Jet flogen. Emirates Airline brachte uns stilvoll von Auckland nach Melbourne. Wenn man weiss, dass die City mittlerweile 4,7 Mio. Einwohner hat, ist einem klar, dass es sich um eine Grosstadt handelt und sie wird immer noch moderner und grösser. Als Australiens zweitgrösste Stadt, gibt es in Melbourne sehr viele ultra-moderne Wolkenkratzer. Die City zog viele Immigranten aus der ganzen Welt an, in letzter Zeit aber vor allem aus Indien und Asien. Sie alle zusammen gaben der früher eher etwas langweiligen Stadt einen echten Wachstumsschub. Heute sieht man eine perfekte Mischung zwischen viktorianischen Gebäuden und zeitgemässer Architektur. Wir liebten das pulsierende Zentrum, die vielen Parks und die belebte Promenade entlang des Flusses Yarra.

 

Wir mögen Melbournes multikulturelle Atmosphäre, und betrachten sie als ein grosses Plus. Die Vororte tragen die Charakterzüge ihrer verschiedenen Einwanderergruppen. Das Stadtzentrum fühlt sich heutzutage sehr asiatisch an, nicht nur von den Gesichtern, sondern auch von den Geschäften und der breiten Auswahl an guten, preiswerten und gesunden asiatischen Lokalen. Ironischerweise sind es in Chinatown die «weissen Australier», die negativ auffallen. Die jungen Frauen, weil sie sich zum aufreissen auftakeln wie Nutten, und sowohl Hühner, als auch Hähne, weil sie sich betrinken bis sie umfallen. Die Asiaten hingegen, treffen sich eher zu einer Mahlzeit.


Tasmanien: eine sonnige Woche auf der “Schlechtwetterinsel”

 

Am 5. März flogen wir zum australischen Insel-Bundesland Tasmanien. Wir verbrachten unsere ersten 4 Tage in der adretten Hauptstadt Hobart, welche sich wunderschön an einen natürlichen Hafen mit einer belebten Promenade schmiegt. Dass der Fischereihafen in einen Vorort verschoben wurde, ist für die Fischer sicher besser, die Hafenfront hat dadurch aber etwas an Charme verloren. Hobart fühlt sich viel europäischer an, als Kontinentalaustralien. Hier fanden wir richtige Bäckereien, ein Feinkostgeschäft mit dem Namen «Wursthaus», und auch die Bevölkerung kam uns hier europäisch vor.

 

Während wir mit dem Bus nach Launceston fuhren, kamen wir an Strassenschildern wie Interlaken und Grindelwald vorbei. An unserem Ziel angekommen, speisten wir in einem Thailändischen Restaurant, das von einem Deutschen geführt wurde. In Launceston übernachteten wir wiederum in einem Doppelzimmer in einer Backpackers Unterkunft. Die Stadt selbst überraschte uns mit vielen, gut erhaltenen, Kolonialgebäuden.

 

Von Launceston aus machten wir zwei Tagesausflüge, um etwas von der Landschaft zu sehen. Einer führte uns zum berühmten «Cradle Mountain» Nationalpark. Wir wanderten um den hübschen doofen See (Lake Dove)… und besuchten auch andere Teile des Parks, wo wir das Glück hatten, Wallabys, und eine noch kleinere Känguru-Art, Pademelons, zu beobachten. Wir hatten auch das Glück zum ersten Mal in unserem Leben lebende Wombats zu sehen. Diese putzigen Tiere kann man sich als kleine Bären vorstellen, doch es handelt sich um Beuteltiere die auf vier Beinen gehen. Da sie sich einen Bau graben, war Mutter Natur so weise, die Weibchen mit Baby-Beuteln auszustatten, die nach hinten offen sind. Ausser gewissen Pademelon-Spezien, konnten auf Tasmanien weitere Tierarten überleben, die einst auf dem Australischen Kontinent weitverbreitet waren, wie die sehr scheuen Fleisch- und Aas fressenden Beuteltiere Tasman Devil (Tasmanischer Teufel), oder der Spotted-tail Quoll (Riesen-Beutelmarder), welche wir beide leider nur ausgestopft im Nationalpark-Zentrum sahen.

 

Natürlich stoppen Touren auch immer an Orten, wo wir sonst niemals hingehen würden. Wir besuchten Schau-Käsereien und eine Lavendel-Farm. Letztere wird neuerdings von Touristen aus China überrannt, nachdem eine Chinesische Schauspielerin ein Foto von sich mit einem Lavendel-gefüllten violetten Teddybären dieser Farm im Internet aufschaltete. Nachdem der Chinesische Präsident ebenfalls mit so einem Plüschtier beschenkt wurde, ist der Bedarf so stark gestiegen, dass Besucher nun höchstens ein Exemplar kaufen dürfen!

 

Unser zweiter Tagesausflug brachte uns zu den von tiefblauem Wasser gesäumten Sandstränden an der Ostküste. Nach dem Genuss frischer Austern von einer lokalen Aquakultur-Farm, besuchten wir Cosy Bay. Hier sieht man grosse rundliche Felsbrocken, welche mit knall-orangen Flechten bewachsen sind. Das Felsgestein sieht wunderschön aus und verleitet zum Erklettern. Leider hat jemand unserer Gruppe einen Fehltritt gemacht und fiel hin. Es sah zwar nicht dramatisch aus, da diese Felsen aber schwer zugänglich sind, wurde sie mit einem Helikopter ins Spital geflogen.


Autoreise in Australien: kaufen oder mieten?

 

Da wir insgesamt bereits über 2 ½ Jahre auf dem roten Kontinent verbracht haben, kennen wir Australien recht gut. Zweimal kauften wir einen Pkw und verkauften ihn nach einem Reisejahr wieder. Für längere Australienreisen ist das Kaufen und spätere Verkaufen eines Fahrzeuges sicher die beste Lösung. Für kürzere Reisen glaubten wir bisher, es sei besser, eines zu mieten. Nachdem was wir inzwischen aber alles wissen, gibt es nur noch ein paar wenige Ausnahmen, bei denen wir empfehlen würden, ein Vehikel zu mieten.

 

Diesmal hatten wir ursprünglich vor, nur drei Monate hier zu verbringen, und ein paar schöne Ecken nochmals mit Mietwagen zu besuchen. Nachdem wir aber das Kleingedruckte in den australischen Mietwagen-Verträgen gelesen hatten, fanden wir zu viele Ausnahmen, bei denen wir ganz ohne Versicherungsschutz dagestanden hätten! Wir wären für den gesamten Fahrzeugwert haftbar, in Fällen wo das Auto beispielsweise am Dach beschädigt würde, im Parkhaus einen Wasserschaden erleiden würde, wenn wir mit einem Baum, oder einem Tier kollidieren würden, oder wenn wir so mutig wären, auf einer Schotterstrasse, oder oberhalb der Schneefallgrenze zu fahren, u.v.m.. Bayswater in Sydney und Perth wäre die einzige Mietwagen-Firma mit akzeptablen Bedingungen gewesen. Der auferlegte Aktionsradius für die gemieteten Fahrzeuge und vor allem das strikte Schotterstrassen-Verbot, waren für uns aber nicht akzeptierbar. Sogar auf einer 50m langen Schotterstrasse zwischen der asphaltierten Hauptstrasse und einer Unterkunft, hätte die Mietwagen-Versicherung nichts bezahlt!

Nachdem wir all dies überdenkt hatten, kamen wir zum Schluss, dass es wohl die bessere Wahl sei, wiederum ein Fahrzeug zu kaufen und konsequenterweise etwas mehr Zeit im Aussieland zu verbringen, als wir dies ursprünglich vorhatten... Dies ist das Privileg derjenigen mit mehr Zeit als Geld.

 

Nachdem wir am 13. März 2018 von Tasmanien nach Melbourne zurückgekehrt waren, machten wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Reisebegleiter. Nach einer guten Woche hatten wir gefunden, was wir hofften, sei die goldene Nadel im Heuhaufen: ein 6 ½ Jahre alter Nissan Tiida mit etwa 100’000km und vier neuen Reifen, kostete uns AUD 5’800 (€ 3’600). Zufrieden machten wir uns damit auf, etwas mehr von Victoria (und natürlich ganz Australien) zu entdecken, als nur die Hauptstadt Melbourne.


Victorias Hinterland: braune Hügel und Goldgräberstädtchen

 

Bereits am ersten Tag mit unserem eigenen Wagen, hatten wir das «volle Programm» von all dem, was man mit einem Mietwagen nicht machen darf. Einspurig asphaltierte Strassen, Schotterstrassen, das Durchqueren von (gerade trockenen) Flussbetten, sowie Baustellen bedingte Schotter-Abschnitte auf asphaltierten Hauptstrassen – und all dies weniger als 50km von Melbourne entfernt!

Unsere erste Destination war das Städtchen Ballarat, welches seinen Aufstieg dem Goldrausch um 1850 verdankt. Viele wunderschöne Kolonialgebäude sind immer noch Zeugen dieser Epoche. Weiter entlang der Goldgräber-Route kamen wir durch Newstead, Maldon und Castlemaine, bevor wir Bendigo erreichten. Hier verbrachten wir drei Tage und bewunderten wiederum viele Kolonialgebäude, das Touristentram und die «fliegenden Füchse» (Fledermäuse) im Stadtpark.

 

Weiter östlich wird Victoria ziemlich gebirgig und wir entschieden uns für den Besuch eines Nationalparks, an den sich Brigitte von unserer letzten OZ-Reise erinnerte; Mount Buffalo. Dieses Mal ergatterten wir nicht nur ein grosses Motel-Zimmer, sondern eine ganze Ferienwohnung. Ostern stand vor der Tür und obwohl wir die gesamte Feriensiedlung für uns alleine hatten, konnten wir nicht verlängern, da ab Karfreitag alles ausgebucht war, nicht nur in unserer Anlage, sondern in der ganzen Gegend! So blieb uns nur ein Tag um den Mount Buffalo Nationalpark nochmals zu sehen. Wiederum waren wir fast die einzigen Besucher. Es war ein wunderschöner Tag um die Wasserfälle, kleinen Seen und zahllose Felsformationen auf dem Gipfel zu bestaunen. Uns fielen erstaunlich viele balancierende Felsen auf, die scheinbar auf den Kreten kleben. Auch wenn wir nur diesen einen Tag hatten: Mount Buffalo hat sich mehr als gelohnt!


Helios: ein FKK Verein ausserhalb von Melbourne

 

Sogar an langen Wochenenden, an denen fast alles durch begeisterte Ausflügler ausgebucht ist, gibt es immer noch Orte, die in Australien selten voll sind: FKK Vereine und Ferienzentren.

 

Unser Ziel war Helios, ein schöner Naturisten Klub in Gembrook, etwa 60km südöstlich von Melbourne. Im Vorfeld unseres ersten Aufenthalts bei Helios, vor etwa 12 Jahren, haben wir dem Verein unbewusst grosse Probleme verursacht. Man entschied, unsere Reservation anzunehmen, obwohl man eigentlich keine Unterkunft hatte, die für einen zweiwöchigen Aufenthalt geeignet war! Der Klub nahm aber unsere Anfrage zum Anlass, ein Projekt zu verwirklichen, das schon seit langem auf der langen Bank wartete. So wurde innerhalb weniger Wochen eine alte verlotterte Hütte zu einer strahlenden nigelnagelneuen umgebaut! Wir fühlten uns geehrt und verwöhnt.

Dieses Mal verursachte der Verein unabsichtlich uns ein kleines Problem. Niemand schien dafür verantwortlich, auf unsere kurzfristige Anfrage (10 Tage im Voraus) für einen Aufenthalt über Ostern 2018 zu antworten. Wie bei von Mitgliedern geführten Vereinen üblich, liegt alles in den Händen freiwilliger. Zufälligerweise war der Sekretär geschäftlich im Ausland, während sein Stellvertreter, ebenfalls geschäftlich, kurzfristig in einer anderen Ecke Australiens zu tun hatte! Schlussendlich hatten wir aber trotzdem Glück; just in dem Moment, in dem wir nicht mehr daran glaubten, Ostern im Naturkleid verbringen zu können, und uns stattdessen in die Australischen Alpen aufmachten, wo zwischen Karfreitag und Ostermontag alles ausgebucht war, bestätigte uns jemand von Helios doch noch eine Hütte. Nun waren wir echt erleichtert. In Gegenrichtung zum starken Osterverkehr, erreichten wir den FKK Klub in Gembrook am 30.03.2018.


Wir liebten es, durch den Wald und das Buschland von Helios’ 100 Hektar grossem Grundstück zu marschieren. Ein gut unterhaltener Holzsteg führt durch einen besonders schönen Abschnitt mit Eukalyptus- und Farnbäumen, die in der Abendsonne besonders schön leuchten. In vielen Holzbrettern sind die Namen von Mitgliedern eingraviert, welche mithalfen diesen Steg zu finanzieren. Fast 200 Mitglieder-/Familien haben hier einen Wohnwagen oder ein Bungalow, indem sie fast jedes Sommer-Wochenende verbringen. Wie in den meisten Australischen Naturisten-Vereinen, handelt es sich bei einem Grossteil der Mitglieder um Immigranten, darunter einige Asiaten, aber vor allem Deutsche und Niederländer. Einige mit Deutschen Wurzeln erzählten uns, dass sie ihre Mitgliedschaft bereits vor dem Besteigen des Schiffes nach Australien, beantragt haben. Es müssen begeisterte Naturisten wie diese gewesen sein, die den Verein 1958 gegründet haben. Im Juni 2018 konnte Helios bereits seinen 60. Jahrestag feiern.

 

Wir waren angenehm überrascht, wieviel jüngeres Volk wir bei Helios trafen. Ein Vorstandsmitglied erzählte uns, dass der Klub bis vor ein paar Jahren etwas überaltert war. Gezielte Änderungen machten ihn aber für junge Paare und Familien wieder attraktiv und dies offensichtlich erfolgreich! Bereits die grosszügigen Einrichtungen, darunter Sport- und Spielplätze, Grillstellen, eine Sauna, zwei Sprudelbäder, ein Schwimmbecken, u.v.m. verleihen dem Klub viel Attraktivität. Im grossen Klubhaus wird immer wieder etwas organisiert und auch wenn keine Veranstaltung stattfindet, treffen sich Mitglieder und Besucher regelmässig um den Kamin.

 

An den Wochenenden war im Helios immer etwas los. Auch unter der Woche war es auf dem Vereinsgelände alles andere als einsam, nur schon wegen der vielen gefiederten und vierbeinigen Besuchern. Wildlebende Tiere gibt es hier viele. Kookaburras und Papageien sahen wir täglich, entlang des Grenzzauns auch Kängurus – einmal sogar mehrere Dutzend. In der Nacht schlich oft ein Wombat um unsere Hütte. Es besteht auch ein kleines Risiko weniger erwünschten Kreaturen zu begegnen, wie z.B. giftige Spinnen oder Schlangen. Genauso wie die meisten Vereinsmitglieder, sahen wir aber nur die unzähligen “snake emergency kits”, die über das ganze Grundstück verteilt sind. In Australien geht die grösste Gefahr für den Menschen eher von den Geschöpfen aus, die den vielen Übersee-Touristen die grösste Freude bereiten: den unzähligen Kängurus und Wallabies – nett anzusehen, aber für unzählige Verkehrsunfälle verantwortlich!

 

Helios befindet sich in den Dandenong Hügeln, mit dem 633m hohen Mount Dandenong als höchste Erhebung. Viele hübsche kleine Dörfer laden zu Ausflügen ein; Scones mit Marmelade und Schlagsahne wird überall angeboten. Das grösste Besuchermagnet der Region, ist wohl der «Puffing Billy», eine Schmalspurbahn, die von einer Gruppe Volontäre betrieben wird. Diese Bahn fährt von Gembrook nach Belgrave. Wer mit einer Tageskarte mit dem öffentlichen Verkehr nach Melbourne fahren möchte, nimmt am besten in Belgrave (nur eine halbe Autostunde von Helios) die Metro. Wir hingegen blieben einfach im Helios und genossen eine entspannende, sonnige Woche. Dies gab uns genügend Zeit Reisepläne zu schmieden, um Australien als «wandering bares» (Wander-Bare bzw. -Bären) zu entdecken…


Gippsland: Victorias attraktive Südostküste

 

Am 8. April 2018verliessen wir unser sonniges Paradies in den Dandenongs, um Victorias östliche Küstenregion zwischen Melbourne und der Grenze zu New South Wales (NSW) zu entdecken. Unser erster Stopp in den Gippslands, wie man diese Region nennt, war im Städtchen Sale. Dies war der ideale Ausgangspunkt zum Sale Common Wetland Reservat, welches sich bis zu den Sanddünen entlang der goldenen 90-Mile Beach erstreckt. Dieser unendlich lange Strand bietet nicht nur unendlich viel «fun» für jedermann, sondern trennt, mittels eines engen Landstriches entlang der Küste, ein gigantisches System von Salzwasser- bzw. Binnenseen, vom offenen Meer.

 

Nachdem wir via Sale weiterzogen, ging es nicht mehr lange, bis es schon wieder Zeit war, nach einer Unterkunft zu suchen. Da am letzten Wochenende die Sommerzeit endete, wurde es nun schon kurz nach 18h dunkel. Wir kriegten ein tolles Motelzimmer in Paynesville, von wo wir in 5 Minuten mit einer Fähre zur Insel Raymond übersetzten. Gerade noch rechtzeitig vor Sonnenuntergang, und nochmals am nächsten Morgen, suchten wir nach Koala Bären. Auf dieser bewohnten Insel gibt es viele Eukalyptusbäume und aus diesem Grund überwacht das Naturschutzamt eine Vielzahl von freilebenden Koalas, die sich recht gut vermehrten, nachdem sie hierher umgesiedelt wurden. Wie die meisten Besucher, hatten wir das Glück mehr als ein Dutzend dieser drolligen kleinen Kreaturen zu sehen, die 20 Stunden pro Tag in den Bäumen schlafen, und nur 4 Stunden täglich von deren Blättern fressen.

 

Wir fuhren um einen weiteren grossen Salzwassersee in den östlichen Gippslands, bevor wir den beliebten Ferienort Metung erreichten. Nach einem Mittagessen, ging’s weiter bis Lakes Entrance, ein Ort der vermutlich so benannt wurde, weil hier grosse Schiffe vom Meer in das gigantische Seensystem einfahren können. Obwohl Lakes Entrance noch touristischer ist, als die vorgängig besuchten Orte, findet man hier noch viel Charme, vor allem dank der grossen Flotte an Fischerbooten. Es gibt eine kilometerlange Uferpromenade entlang eines Meerarms, und eine Fussbrücke um ihn zu überqueren und die sogenannte Surf-Beach, am westlichen Ende der 90-Mile Beach, zu erreichen.

Bevor wir zurück im Zentrum waren, wurden die Sonnenuntergangsfarben immer trüber und ein mystischer Seenebel verschluckte die Sonne. Währenddem wir dieses veränderte Landschaftsbild und ein paar wunderschöne Wasservögel wie Möwen, Schwarze Schwäne, Kormorane und Enten bewunderten, wurden wir von Regen überrascht. So hechteten wir zum fest verankerten Boot mit einem vielversprechenden Seafood Restaurant, welches unsere Gaumen erfreute. Wie in den vorgängig besuchten Orten, ist Fast-Food omnipräsent, es ist aber auch einfach, ein gutes Lokal zu finden.

 

Am nächsten Tag wurden wir wiederum mit faszinierenden Küstenlandschaften verwöhnt, vor allem beim Badeort Marlo, an der Mündung des Snowy River. Hier hatte es diverse tolle Aussichtspunkte, von denen man zu wunderschönen Sandbänken sah, die momentan halb aus dem Wasser ragten.

 

In der Ortschaft Cann River, nahmen wir die Abzweigung nach NSW und ACT (Australian Capital Territory).  Die Landschaft wurde nun hügliger und wir kamen durch lichten Eukalyptuswald und trockene Wiesen. Entlang des Weges lag auch ein Dorf namens Bombala. Erst später erfuhren wir, dass es hier viele Platypusse (Schnabeltiere) gibt, die man sogar im Dorfbach gesehen hätte.

Dafür fiel uns etwas anderes auf; nach langer Fahrt über karge Hügel mit verdorrtem Gras, kam die Sonne, kurz bevor sie unterging, nochmals durch die tief liegenden Wolken und badete die Landschaft in leuchtendes Gold.

Als nächstes folgte die adrette Ortschaft Cooma im Bundesstaat NSW, und dort übernachteten wir. Im krassen Gegensatz zu dem was man auf 800m ü.M. erwarten würde, war es hier 30°C heiss, die ideale Einstimmung für unseren Aufenthalt auf einem FKK Platz, den wir am nächsten Tag ansteuern wollten.


ACT Nudist Club: nackt im Stadtbus

 

Am 12. April 2018 erreichten wir die Australische Hauptstadt Canberra, bzw. die freundlichen Nackten des ACT (Australian Capital Territory) Nudist Clubs. Er liegt auf dem Gebiet des ACT, genau gesagt zwischen den Dörfern Queanbeyan und Bungendore in NSW. Vom Mitgliederpaar Geoff und Christine wurden wir standesgemäss begrüsst. Zu unserer Ehre wehte eine Schweizerfahne und am nächsten Tag wurde diejenige von Genf gehisst. Es stellte sich heraus, dass Christine ein paar Jahre in Genf, für eine Nichtregierungsorganisation (NRO), gearbeitet hatte.

 

Canberras FKK Verein ist eine sehr gesellige Gesellschaft mit etwa 130 Mitgliedern. Mitte April entspricht etwa Mitte Oktober in Europa, und trotzdem versammelten sich noch etwa 25 Personen im Klubhaus zu einem der regelmässigen Pizza- Abende. Da wir bei unserem Shopping-Stopp auf der Anfahrt keine Pizza-Zutaten auf der Einkaufsliste hatten, wurden wir kurzerhand eingeladen. So konnten auch wir mit dem bereitgestellten Pizzaboden und Zutaten eine Pizza komponieren, die dann im Vereinseigenen Holzofen gebacken wurde. Alle versammelten sich um einen riesigen Tisch und wir genossen den netten Abend, bei dem wir viele interessante Menschen kennenlernten, von jungen Mädels bis hin zu gegerbten alten Mannsbildern. Es war ein perfekter Anlass mit der richtigen Teilnehmerzahl, nicht zu viele, nicht zu wenige, genausoviele, dass wir alle kennenlernen konnten.

 

Der tolle Pizzaofen ist nicht die einzige Besonderheit dieses Vereins. Eine andere ist ein grosser Gelenkbus, der bei einer Versteigerung von Canberras Städtischen Busbetrieben den Besitzer wechselte. Der halbe Bus ist in eine komfortable Gäste-Unterkunft mit Doppelbett, einer Küche und einer kleinen Sitzgruppe umgebaut worden. So hatten wir ein sehr originelles Studio, mit original Busbestuhlung am Esstisch. Wie wir gehört haben, soll die zweite Hälfte als Familien-Unterkunft eingerichtet werden. Es war einfach spassig uns nackt im Bus aufzuhalten, umso mehr auf dem Fahrersitz. Wir sind uns aber nicht so sicher, ob wir uns auch getrauen würden einen Linienbus im Naturkleid zu besteigen, der immer noch nach Fahrplan fährt! Er war gut ausgestattet und die wenigen Dinge die fehlten, fanden wir in der grossen Gemeinschaftsküche des Klubhauses.

 

Der ACT Naturist Club ist klein und persönlich. Alle kennen sich und man vertraut einander; sowohl Mitgliedern, als auch Besuchern. Nicht nur bei den Getränken, die in einem Selbstbedienungs-Kühlschrank im Klubhaus zur Verfügung stehen, wird darauf vertraut, dass jeder dafür das Geld in die Kasse legt, sogar die Übernachtungsgebühren werden so bezahlt. Wir liebten die selbstbedienungs Kapsel Kaffee-Maschine in der Gemeinschaftsküche, die uns täglich einen guten Start in den Morgen gab.

 

Unter der Woche wurde es auf dem Platz recht ruhig und eine Nacht lang hatten wir ihn, den warmen Herbsttemperaturen zum Trotz, ganz für uns alleine. Langweile kam aber trotzdem nicht auf. Wenn wir den etwa drei Kilometer langen Spazierweg entlang des Grenzzauns um das 40ha grosse Gelände in Angriff nahmen, sahen wir immer dutzende von Kängurus davonhoppeln. Es war schön, diesen einzigartigen Beuteltieren auf unseren täglichen Runden zu begegnen. Wir sahen auch viele Vögel, von Papageien über Kookaburras, zu ein paar kleinen, unglaublich nervösen Arten, die man kaum beobachten konnte. Sehr schön waren auch die unzähligen Eukalyptusbäume, erst recht in der Abendsonne. So schön sie auch zum Ansehen sind, die Australier nennen sie Witwen-Bäume, da sie oft grosse Äste abstossen.

 

Canberras Nackte sind gut organisiert, und Besucher sind jederzeit willkommen. Auch mitten in der Woche, wenn niemand auf dem Platz war, nahm sich immer wieder jemand die Zeit hierherzukommen, um Besuchern Einlass zu gewähren, die ihre Ankunft vorgängig angekündigt hatten. Um den ANZAC-Day (Kriegs-Gedenktag) waren hier etwa 10 Besucher aus anderen Regionen Australiens und noch wir zwei. Unter der Woche kamen oft einige der sehr enthusiastischen Mitglieder auf den Platz, einfach um zu arbeiten und aus ihrem Verein, einen noch besseren zu machen! Vor kurzem entstanden ein neues Schwimmbecken und eine neue, holzbefeuerte Sauna. Ein Wintergarten und zusätzliche, der zu sehr moderaten Preisen vermieteten Besucherunterkünfte, sind im Bau.

 

Der Verein konnte 2018 bereits sein 42. Jubiläum feiern. Einige der Gründungsmitglieder sind immer noch sehr aktiv, wie z.B. John und Heather. Er ist einer der früheren Präsidenten und arbeitet immer noch hart für den Verein. Heather erzählte uns, dass sie bei der Gründung erst 21 Jahre alt war, und keine Ahnung hatte, was auf sie zukomme, als sie urplötzlich zur Vereins-Sekretärin gewählt wurde. Es brauchte sicherlich viel Mut, um vor 42 Jahren einen FKK Klub zu gründen. Das Insistieren einer zufällig zusammengewürfelten Gruppe, die sich von einem FKK Strand her kennen, hat sich aber gelohnt. Von der Gebietsverwaltung Canberras erhielten sie schlussendlich ein Stück Land und einen finanziellen Zustupf, um ein Vereinsgelände aufzubauen. Was Canberras begeisterte Naturisten daraus machten, ist sehr beeindruckend und wir sind ihnen so dankbar, dass sie ihr kleines Paradies für zwei Wochen mit uns teilten.


Canberra: die auf dem Reissbrett entworfene Hauptstadt

 

Da wir einen herrlich warmen Spätsommer geniessen durften, war unsere Motivation für Ausflüge eher beschränkt, aber zumindest ein Besuch der Hauptstadt musste sein! Als Australien von Grossbritannien unabhängig wurde, kämpften die beiden grössten Städte Sydney und Melbourne darum, zur Hauptstadt zu mutieren. Es war eine lange Geschichte, die schlussendlich mit einem Kompromiss endete. Die Hauptstadt sollte sich in einer neuen Stadt befinden, die erst noch auf dem Reissbrett entworfen werden sollte. Ein grosses, an einem Gewässer liegendes Landstück im Landesinnern, wurde ausgewählt. Der Stadtname Canberra entstand aus einer Verschmelzung zwischen dem Aboriginal Wort ‘Nganbra’ (Versammlungsort), sowie dem von den Weissen Siedlern vorgeschlagenen ‘Canberry’.

 

Wie jeder Ort, der auf dem Reissbrett entworfen wurde, ist die Stadt sehr modern und hat ein paar spezielle Charakterzüge.  Zwei der grössten Gebäude-Komplexe, das Parlamentshaus, sowie ein grosses Kriegsdenkmal, rücken dabei in den Mittelpunkt. Da die beiden nur durch eine breite, schnurgerade Allee getrennt sind, erscheint es so, als ob sie sehr nahe beieinander stünden. In Tat und Wahrheit liegen aber 5km zwischen den beiden und zudem wird die Allee von einem Fluss unterbrochen.

 

Das Kriegsdenkmal ist einerseits sehr beeindruckend, andererseits aber auch sehr deprimierend. Auf langen Mauern sind die Namen von mehreren zehntausend Australiern aufgelistet, die ihr Leben für das Land geopfert haben. Wenn man weiss, dass in vielen der in diesen Kriegen befreiten Ländern schlussendlich fundamentalistische Kleriker, oder populistische und nationalistische Führer, welche zu Diktatoren wurden, an die Macht gewählt wurden, sind wir uns aber nicht sicher, ob sich diese Opfer gelohnt haben!

 

Nach dieser aufwühlenden Besichtigung schlossen wir uns einer Tour durch das Neue Parlamentshaus an, welches teilweise als unterirdisches Gebäude erscheint. Sie fokussierte weniger auf die Architektur, als auf die Geschichte der Australischen Demokratie. Wir erfuhren, dass die Parlaments- und Gerichtsmitglieder auch viel Zeremonielles beachten müssen. Dies ist wohl in jeder konstitutionellen Monarchie so, wo Politiker oft protokollgemäss beim Monarchen symbolisch die Bewilligung einholen müssen, für was immer sie auch vorhaben.


Blue Mountains: intakte, jedoch zugängliche Natur

 

Nachdem wir uns von Canberras Nackten verabschiedet hatten, besuchten wir das hübsche Städtchen Goulburn und übernachteten in Oberon, bevor wir die Blue Mountains erreichten. Wir basierten uns in einem Motel in Blackheath, von wo wir die umliegenden Aussichtspunkte erkundeten. Wir haben es uns angetan, auch die berühmteste und meistbesuchte Sehenswürdigkeit zu besuchen: die als «three sisters» bekannten Felssäulen. Es war der einzige Ort, wo Parkgebühren erhoben wurden. Für uns waren aber die anderen Orte, welche oft nur über Schotterstrassen erreichbar waren, spektakulärer und vielseitiger. Am dramatischsten empfanden wir den Pulpit Rock: mehrere Aussichtspunkte befinden sich dort auf einem Rasierklingen-ähnlichen Felsen hoch über dem Tal. Den vielen Geländern zum Trotz, stockte einem da oben fast der Atem!

Irgendwie ist es bizarr; obwohl diesem Nationalpark der Name «Blue Mountains» zugeteilt wurde, steht man die meiste Zeit auf einem bewaldeten Hochplateau mit spektakulären Aussichten über die Schluchten und Täler darunter. Oft bewunderten wir an den oberen Talrändern senkrechte, rötliche Sandsteinklippen. Die Wälder waren so ununterbrochen intakt, dass man oft kaum den Fluss auf dem Talboden sah.

 

Weniger charmant, als die Blue Mountains selbst, sind die Dörfer, in denen die Touristen absteigen. Da Australiens grösste Stadt Sydney kaum 100km entfernt liegt, ist der Durchgangsverkehr in den Dörfern der Blue Mountains sehr dicht. Natürlich handelt es sich hier um ein Naherholungsgebiet für die Stadtbevölkerung, aber es hat auch viele LKWs.

 

Die Strassen sind mit Essbuden für den Durchgangsverkehr gesäumt. Zum Glück gibt es aber auch eine gute Auswahl an Schlemmerlokalen, oft etwas abseits der Hauptstrassen. Auch wenn sich viele «Aussies» leidenschaftlich gern mit fettigem Fast-Food ernähren, hat Haute-Cuisine und Fusion-Cuisine inzwischen auch in kleineren Orten einen Nischenmarkt gefunden.

 

Da Blackheath auf 1’065m ü.M. liegt, wird es im Herbst recht kühl, vor allem in den Nächten. So trugen wir ein paar zusätzliche Lagen Kleider und die eingeführten Europäischen Bäume zeigten sich im schönsten Herbstkleid.


Kiata Country Club: nette FKK Oase nordwestlich von Sydney

 

Am 29. April 2018 erreichten wir Sydneys Vorort Süd Maroota, etwa 70km nordwestlich vom Stadtzentrum. Nun gut, Sydney ist eigentlich Welten entfernt; South Maroota ist nur ein Weiler mit wenigen Leuten, vielen unbebauten Grundstücken und viel Natur; einfach perfekt um einen FKK Verein aufzubauen. Genau das haben ein paar energiegeladene und initiative Naturisten vor fast 50 Jahren gemacht, als sie den Kiata Country Club gründeten und dort haben wir uns einquartiert.

 

Im April ist in der südlichen Hemisphäre schon Herbst (wie Okt.) und deshalb ist die Nachfrage für FKK-Unterkünfte naturgemäss nicht sehr gross. Wir waren hocherfreut, dass Sydneys Naturisten uns totale Flexibilität über die Ankunftszeit und sogar den Ankunftstag überliessen. Jemand schrieb: «reist einfach in eurem Tempo, es ist nur wichtig, dass wir wissen, dass ihr irgendeinmal diese Woche kommt. Hier ist der Eingangs-Code und auf der Besuchertafel werden wir aufschreiben, welcher Wohnwagen für euch bereitsteht. Richtet euch einfach ein und es wird sich jemand um euch kümmern, sobald wir merken, dass ihr eingetroffen seid». Dies ist genauso, wie wir es mögen. Nur schade, dass nicht alle Vereine und Ferienzentren so flexibel sind!

 

Wir wohnten in einem grossen renovierten Wohnwagen, der total ausgehöhlt und neu möbliert worden war. Unsere Ferienunterkunft befand sich in der Nähe des Taj Mahal, einem von mehreren «Koch-Tempeln». Die anderen Gemeinschaftsküchen tragen Namen wie «Sporting Bottoms» oder «Covered Bottoms» (Sportliche- oder Gedeckte Hintern). Dank dem es im Taj Mahal einen kleinen Backofen gibt, konnten wir täglich krustiges Kontinentaleuropäisches Brot aufbacken, was uns wiederum die omnipräsenten Toasts ersparte! Zu jeder gedeckten Freiluftküche gehört auch ein einladender Gartensitzplatz. Leider fanden dies gewisse Tiere auch sehr einladend. Grosse, schöne Kookaburras (eine kräftige Australische Vogelart), versuchten so aggressiv an unser Essen zu kommen, dass wir uns nicht mehr wohl fühlten und uns ins Innere zurückzogen. Vereinsmitglieder erzählten uns, dass diese Vögel so frech wurden, nachdem sie von gedankenlosen Zeitgenossen gefüttert wurden!

 

Wie dies in Australien, etwas ausserhalb der Ortszentren, üblich ist, konnte man das Wasser in unserem Caravan nicht trinken. Bei Kiata kann man beim Klubhaus Trinkwasser beziehen, das vom Dach gesammelt wurde. Auch in Wohngebieten wo das Hahnwasser trinkbar ist, nutzen viele Australier zum Trinken eher Regenwasser vom Hausdach, da ihnen das Leitungswasser zu chlorhaltig ist.

 

Kiata hat über 200 Mitglieder und viele haben einen Wohnwagen, oder sogar ein richtiges Haus auf dem 65ha Grundstück. Einige leben permanent hier. Ausser Hausnummern tragen viele der Unterkünfte auch einen originellen Namen wie z.B. Sydney-bottoms, Orange-bottoms, Kiwi Bottoms, oder «was-auch-immer Hintern».

Wir liebten es, auf dem ausgedehnten Wegnetz zwischen den Bäumen zu spazieren. Es gibt vorwiegend Eukalyptusbäume, welche hier auch «Gum Trees» genannt werden. Bei einigen sind die Stämme von Buschfeuern schwarz gezeichnet. Pittoresk waren auch die beiden angelegten Teiche, von denen einer zum Schwimmen und der andere als Wasserreservoir angelegt wurde.

 

Sogar unter der Woche war immer jemand für einen Schwatz in der Nähe, vor allem von den Aktionären. Kitata ist im Besitz von etwa drei Dutzend Naturisten, die eine ansehnliche Summe Geld investiert haben, um aus dem Klub etwas zu machen, worauf sie stolz sein können. Sowohl die Mitbesitzer, als auch die «gewöhnlichen» Mitglieder helfen den Klub zu unterhalten und zu verbessern. Etwas weniger beliebte, aber auch wichtige Arbeiten, wie das Reinigen der Toiletten, werden von auswärtigen Firmen erledigt. Wir liebten das grosszügige ~15 Personen-Sprudelbad oberhalb des schön gestalteten Schwimmbeckens. Zudem stehen auch verschiedene Sport- und Spielplätze, sowie ein grosszügiges Klubhaus zur Verfügung.

 

Weil das aussergewöhnlich warme Herbstwetter anhielt, war in Kiata am Wochenende recht viel Betrieb. Es lockten nicht nur Temperaturen von fast 28°C, sondern auch eine der regelmässigen Gemeinschaftsmahlzeiten, die sowohl im Sommer, als auch im Winter organisiert werden. Da der Abend unter dem Motto «Essen wie in den 60er und 70er Jahren» stand, erwarteten wir nicht viel und stellten uns auf etwas Frittiertes ein. Wir wurden aber eines besseren belehrt und waren von dem, was die aus Vereinsmitgliedern bestehende Küchenmannschaft produzierte, sehr beeindruckt; es war eher was man in Frankreich, statt in Australien vor ein paar Jahrzenten servierte: Französische Zwiebelsuppe, Hähnchen an Aprikosen-Sauce, gefolgt von gedämpfter Birne mit hausgemachter Caramel-Sahne-Sauce zum Dessert; alles sehr lecker!


Exkursionen: Sydney, Windsor und Flussfähren

 

Da nicht jedes Wochenende ein edles Abendessen angeboten wird, müssen die Menschen von Kiata ab und zu zum Einkaufen fahren. In South Maroota, ein paar Kilometer ausserhalb des Eingangstores, gibt es einen winzigen Lebensmittelladen. Dort finden aber nicht nur die Nackten kaum mehr als das bare Minimum. Um richtig einzukaufen, muss man aber zu einem von drei, je etwa 30km entfernten, Einkaufsorten fahren.

 

Im hübschen Kleinstädtchen Windsor findet man zwar kein Schloss, dafür alles was man braucht; Restaurants, Supermärkte und div. andere Geschäfte. Weiter erreicht man von dort mit der Metro, innerhalb etwas mehr als einer Stunde, das Stadtzentrum Sydneys. Wir kennen die Stadt von früheren Aufenthalten. Trotzdem genossen wir es aber, ihre Hauptattraktionen ein weiteres Mal zu besuchen, vor allem die Hafenfront (um den pulsierenden Circular Quay) mit der FrEssmeile «The Rocks», den Wahrzeichen Harbour Bridge, Sydney Opera House, sowie den Botanischen Garten.

 

Ein weiterer lohnenswerter Tagesausflug von Kiata brachte uns zur Ortschaft Wisemans Ferry, von wo wir mit der gleichnamigen Autofähre über den Hawkesbury River übersetzten. Wegen Strassenbau-Arbeiten war es nicht möglich, eine Rundfahrt über die Webbs Creek Ferry zu machen. Wir fuhren aber trotzdem (teilweise über Schotterstrassen) zum charmanten Örtchen St. Alban, wo wir uns im historischen Settler’s Arms Inn ein gutes Mittagessen gönnten.

 

Die Umgebung von Kiata bietet viele Ausflugsmöglichkeiten, sogar die Blue Mountains könnten in einem langen Tages-Ausflug erreicht werden. Die schönen Einrichtungen, die freundlichen Mitglieder und die fast sommerlichen Herbsttemperaturen tagsüber, machten aber unseren 12 tägigen Aufenthalt im Verein so angenehm, dass uns die meiste Zeit gar nicht danach war, etwas anderes zu machen, als einfach nackt im Gelände herumzuspazieren…


Umweg nach Narrabri: nette Städtchen und grossartige Natur

 

Inzwischen wurde unsere beantragte Visums-Verlängerung bewilligt, sodass wir nun ein ganzes Jahr in Australien bleiben dürfen. So hatten wir nun also keinen Grund mehr zu hetzen. Schnell entwarfen wir einen neuen Reiseplan, der es uns erlaubte, langsam um Australien zu reisen; genauso wie wir es mögen. Nun möchten wir nochmals einen grossen Teil des fünften Kontinentes besuchen, nur die Ostküste nördlich von Sydney wollen wir weglassen, da wir diese bei früheren Reisen als zu urbanisiert erlebt haben.

Der südliche Herbst war weiterhin aussergewöhnlich warm und verleitete uns, noch mehr FKK Plätze zu besuchen, bevor unsere Entdeckungstour weiterging. Wir blieben im Teilstaat New South Wales (NSW) und fuhren weiter nordwestlich ins Landesinnere. Unser nächster Stopp galt dem hübschen Städtchen Mudgee. Nachdem hier viele Ureinwohner massakriert worden sind, gilt dieser Ort für diese nun als Tabu-Zone. Ironischerweise hatte unser Motel, genauso wie viele andere Unterkünfte hier, einen Aboriginal-Namen. Nachdem wir unseren Vermieter mit einer Geschichte konfrontierten, die wir gelesen hatten, antwortete dieser, dass es sich traurigerweise etwa so zugetragen habe!  Aborigines sollen in Teilen Australiens wie Tiere gejagt worden sein, weil die Missionare befanden: «wer keinen (christlichen) Glauben hat, muss ein Tier sein!»

 

Tags drauf gings weiter nach Gulgong, einem sehr speziellen kleinen Dorf, indem man den Eindruck erhält, als ob die Zeit vor einem Jahrhundert stehen geblieben wäre. Es gab viele Gebäude mit alten Werbungen und Schaufenster, die mit Gegenständen aus vergangenen Zeiten dekoriert waren. Diese Retro-Atmosphäre wurde durch eine grosse Oldtimer-Parade, welche gerade, als wir da waren, durch die Dorfstrassen fuhr, noch passend unterstrichen.

 

Coonabarabran, weniger als zwei Stunden weiter nordwärts, diente uns sowohl als Übernachtungsort, als auch als Ausgangspunkt zum Warrumbungle Nationalpark. Der Blick auf die Lava-Geformte Landschaft beim “Whitegum Lookout” war einfach faszinierend! Auch sehr eindrücklich war das «Siding Rock Observatory», obwohl es bei unserer Ankunft gerade die Türen schlossen. Wegen der aussergewöhnlich klaren und trockenen Luft in dieser Gegend, pilgern Wissenschaftler von nah und fern zu dieser Sternwarte, um das Weltall zu studieren. In dieser Outback-Region gibt es kaum Lichtverschmutzung und in den darauffolgenden Nächten erkannten wir, dass man die Sterne von hier tatsächlich auch mit blossem Auge besonders gut sieht.

 

Am nächsten Tag gings von Coonabarabran zu den nahegelegenen Sandsteinhöhlen im Pilliga Naturreservat. Wir fanden diese fragilen ausgewaschenen Felsen nur dank einer Broschüre des Verkehrsbüros. Da es sich um eine heilige Stätte der Aborigines handelt, hat man sich darauf geeinigt, die schönsten Abschnitte mit einem Rundweg dem Tourismus zugänglich zu machen, aber auf eine Beschilderung von der Hauptstrasse her, zu verzichten.


Running Bare: FKK-Alterssiedlung und Nacktwanderparadies

 

Am 13. Mai 2018 erreichten wir Running Bare, ein etwas anderes FKK Dorf. Es befindet sich im Landesinneren von New South Wales, etwa 20 km südlich von Narrabri, und 550 km nordwestlich von Sydney.

 

Die Gründe, weshalb Naturisten dieses etwas spezielle FKK Gelände besuchen, sind sehr vielfältig. Nacktheit ist wohl die einzige Gemeinsamkeit. Sicherlich kommen einige einfach hierher um sich nackt zu sonnen und zu baden. Die meisten kommen hingegen, um sich körperlich zu betätigen, ihren Lebensabend hier zu verbringen, oder einfach zum Grasen.

 

Ganz besonders gefiel uns die enorme Grösse von Running Bare: 7,2 km2! Dies ist sogar noch 36% grösser, als CHM Monta und Euronat zusammen. Im grossen Gegensatz zu den beiden FKK Mekkas an der Französischen Atlantikküste, welche im Hochsommer tagtäglich 30'000 begeisterte Naturisten an- bzw. auszuziehen vermögen, hat Running Bare bloss etwa 30 Dauermieter und im südlichen Sommer vielleicht noch 30 Urlauber. Während unseres Aufenthalts sahen wir ab und zu mehr Beuteltiere, als Naturisten. Das Grundstück von Running Bare liegt in einem Eukalyptuswald, vorwiegend mit «Yellow Box» (Melliodora) Bäumen. Der grösste Teil der 720 Ha grossen Grundstücks besteht aus unberührter Natur, welche zum Wohle eines kleinen, alternativen Grüppchens zugänglich gemacht wurde.

Der grosse Teil der Infrastruktur, wie Schwimmbecken, Klubhaus, Gemeinschaftsküche, Grillstellen, Sport- und Spielfelder, Unterkünfte und Stellplätze, befinden sich in einer grossen Waldlichtung. Umweltfreundlich wird ein Grossteil der benötigten Energie mit Solarzellen erzeugt. Die meisten Urlauber bringen ihren eigenen Wohnwagen, wir nahmen eine der Übernachtungshütten. Sie war sehr klein, aber hübsch und die Küche sah grossartig aus. Die Küchenausstattung hingegen, war nur im typischen «Aussie style». Das heisst, man hätte den Salat zwar in der Mikrowelle aufwärmen können, aber um ihn mit einer Salatsauce zu mischen, fehlte die Schüssel. Zum Glück halfen uns die Nachbarn mit ein paar Kleinigkeiten wie Schüssel, Kochtopf und einem Besen aus.

 

Wir sind uns nicht sicher, ob es die Besitzer so vorgesehen hatten, oder ob es sich einfach so ergeben hat, dass Running Bare zu einer Art Alterssiedlung für Naturisten wurde. Die meisten der 30 rüstigen Rentner sitzen nicht einfach herum, sondern arbeiten eher hart mit, um ihr selbstgewähltes Paradies zu unterhalten und weiter auszubauen. Alle mit denen wir sprachen, waren davon überzeugt, auf dem besten FKK Platz Australiens zu leben. Die Dauermieter packen aber nicht nur mit an, sondern sitzen oft zusammen und wenn es etwas zum Essen gibt, wird dies oft grosszügig mit Besuchern geteilt. Unsere Nachbarn Carol und Ross verwöhnten uns mehrmals mit Süssigkeiten, backten uns einen Damper (Australisches, in der Glut gebackenes Brot) und luden uns mit ein paar anderen Nachbarn am Feuer zu Folien-Kartoffeln ein.
Das gemeinsame Zusammenleben und Arbeiten bewirkt sicherlich eine Aufwertung der Lebensqualität der pensionierten Dauermieter von Running Bare. Wie wir aber auch schon bei anderen älteren Herrschaften in Südspanien erlebt haben, werden die Leute im Alter etwas eigen, und deshalb hat sich die Gemeinschaft in verschiedene kleinere Grüppchen aufgeteilt. Für uns Touristen war es aber einfach, zu allen Kontakt zu finden. Wir hatten zudem ein unerwartetes Wiedersehen mit Chris & Lloyd, einem Paar, das wir vor 12 Jahren in einem FKK Verein bei Perth kennengelernt hatten.

 

Running Bare ist nicht nur bei Pensionisten beliebt, viel (jüngeres) Volk kommt auch wegen der Möglichkeit, hier so weit Nacktwandern zu können. Oft machten wir die 12 km lange Wanderung entlang des Grenzzauns, aber auch ein paar der kürzeren, nur 3-8 km langen Wege. Das aussergewöhnlich warme Herbstwetter lud uns ein, täglich mehrmals ’ganz ohne’ loszumarschieren.
Die warmen Temperaturen waren für die zweite Maihälfte sicherlich aussergewöhnlich, das trockene Klima hingegen nicht. Wir erfuhren, dass New South Wales westlich des Gebirgszuges «Great Dividing Ranges» ganzjährig kaum Regen erhält. Deshalb wird diese Gegend bereits zum Australischen Outback gezählt.

Für die Einheimischen ist die extreme Trockenheit ein ernsthaftes Problem. Wir Na-Touristen genossen es hingegen, uns täglich in der Sonne bewegen zu können. Zudem genossen wir es auch, die vielen Papageien, Kängurus und Wallabys zu beobachten, welche täglich am späten Nachmittag hierher kamen um von den bewässerten Wiesen und Büschen zu fressen. Ganz speziell gefiel es uns, den Känguru Weibchen zuzusehen, welche ein Joey (Junges) in ihrem Beutel hatten. Running Bares Dauermieter waren hingegen eher frustriert, weil die frechen «Roo’s» über- und unter jedem Zaun durchkamen, um sich eine erweiterte Diät aus Blumen, Büschen und Bonsai Bäumen zu holen.


Ausflüge um Narrabri: Mount Kaputar und Baumwollfelder

 

Die angenehmen Temperaturen von oft um die 24°C verleiteten uns jeden Tag dazu, nackt im «Running Bare» herumzurennen. Da wir aber wenigstens ein bisschen von der Umgebung erkunden wollten, mussten wir zur Abwechslung bekleidet herumrennen. Das kleine Strassendorf Narrabri, etwa 20km von «Running Bare» entfernt, war der ideale Einkaufsort, der uns zudem mit seinen Jugendstil-Gebäuden erfreute.

 

Im Mai ist Erntezeit auf den umliegenden Baumwollfeldern. Bereits die (eher kleine) Erntemaschine, welche in der Touristen Information ausgestellt ist, ist sehr beeindruckend, da sie gar nicht so klein ist! Wir waren zu spät, um noch die Jumbo-Erntemaschinen auf den Feldern in Aktion zu sehen. Es war aber das erste Mal, dass wir auf den Feldern gepresste Baumwoll-Ballen sahen die darauf warteten, auf Lastwagen verladen zu werden. Die mit den alten Maschinen gepressten Ballen, waren so gross wie Container, wohingegen die mit neuerer Maschinerie gepressten, eher wie runde Heuballen aussehen, nur deutlich grösser. Glücklicherweise konnten wir noch ein paar nicht geerntete Baumwollfelder sehen, da diese zu Forschungszwecken angepflanzt worden waren.

 

Narrabris Hinterland wird von den beeindruckenden Nandewar Gebirgszügen dominiert. Vor allem der 45km entfernte Mount Kaputar, im gleichnamigen Nationalpark, ist von weitem sichtbar. Eine enge steile, teilweise unasphaltierte Strasse führt zum Gipfel auf 1'512 Metern. Verschiedene Aussichtspunkte bieten tolle Ausblicke auf die Western Plains. Normalerweise ist es auf dem Gipfel etwa 10°C kühler, als unten auf der Ebene und es kann sein, dass schon bald nach unserem Besuch der erste Schnee auf den Gipfeln, den Winter ankündigt. Dies war für die Kängurus und Wombats, die dort oben leben, sicherlich eine Herausforderung.


Outback von NSW: bewässerte Felder und abgelegene Orte

 

Am 28. Mai 2018 bedeckten wir unser Naturkleid wieder mit der Touristenuniform, da unser Entdeckungshunger ebenfalls gestillt werden wollte. Während wir südwestwärts fuhren durchquerten wir viele trockene Landschaften und sahen die ersten Emus dieses Aufenthalts. Wir übernachteten in Coonamble, wo wir die Besonderheiten der ländlichen Gastronomie kennenlernten. Nachdem wir durch das Dorf geschlendert waren fragten wir uns, wo wir essen sollten, wenn wir Take-aways und Pubs vermeiden wollten. In unserem Motel verwies man uns an den Bowling Klub. Zuerst waren wir etwas perplex, inzwischen wissen wir aber, dass Clubs (nicht nur Bowling-, sondern auch Golf, Tennis und andere Sportvereinslokale) in Australischen Ortschaften oft auch etwas Anständiges zu beissen anbieten. Die Atmosphäre eignet sich zwar sicher nicht für ein «Candle-Light-Dinner», denn die Einheimischen strömen in ihre Klubs um ihr Erspartes den einarmigen-Banditen zu füttern, Wetten abzuschliessen und im Sport TV mitzufiebern, ob sie schon wieder verloren haben. Man trifft sich da auch um Bingo, oder Lotto zu spielen, an der Bar etwas zu trinken, oder eben zum Essen. Oft steht ein Minibus zur Verfügung um sicherzustellen, dass alle sicher nach Hause kommen.

 

Wie oft im Outback, gibt es auch hier eine hohe Brücke über einen meist trockenen Fluss. Trotzdem gab es ein grosses Schild, dass Fischen und Springen von der Brücke verboten ist. Bei unserem Aufenthalt war der Castlereagh River aber definitiv nur zum Sandkuchen backen geeignet.

 

Bei Warren, wo wir am nächsten Tag durchkamen, hatte es hingegen ziemlich viel Wasser. Die «Tiger Bay Wetlands» waren eine augenfällige Abwechslung in der sonst so trockenen Landschaft. Nicht viel weiter beeindruckten uns riesige Baumwollfelder, welche sich über hunderte von Kilometern bewässerter Grundstücke erstreckten. Entlang unseres gesamten Weges über Condobolin nach Hay, unseren nächsten beiden Übernachtungsorten, kreuzten wir unzählige, mit grossen Baumwoll-Ballen beladene Road Trains.

Abends regnete es zum ersten Mal seit Wochen ein wenig, aber bei weitem nicht soviel wie die Einheimischen hofften.

 

Weiter ging’s auf der Str. B75 die zur touristischen “the long paddock route” mutierte. Das flache öde Land ist hier von historischen Wirtshäusern, Informations-Tafeln, geschweissten Skulpturen und schön gestalteten Rastplätzen durchzogen. Alles soll daran erinnern, wie wichtig dieser Weg früher für die Telegrafenleitung und das Vieh der Siedler war.
Im hübschen Städtchen Deni(liquin), bewunderten wir um die Mittagszeit den anmutenden Fluss mit Namen Edward.


Murray River: Raddampfer und hübsche Ortschaften

 

Schon bald erreichten wir den Murray River, dessen Flusslauf die natürliche Grenze zwischen NSW im Norden und Victoria im Süden markiert. Nachdem wir die Grenzbrücke bei Moana überquert hatten, waren wir bereits in Echuca. Dieses zu Victoria gehörende Städtchen ist ein wahres Touristenmagnet, da hier die beliebten Raddampfer-Touren und auch viele Hausboote ablegen. Ihre Saison war schon vorüber und nur noch wenige Boote schipperten und dampften noch flussauf- und abwärts. Dafür ankerte eine eindrückliche Flotte von Raddampfern und Hausbooten im Hafen. Gleich neben den Anlegestellen steht ein historisches Replica-Dorf, dessen einsame Holzhäuser und Ochsenkarren gelangweilt am Strassenrand standen und sich wohl fragten, weshalb sie um diese Jahreszeit kaum mehr jemand fotografieren will.

 

Nach zwei schönen Tagen in Echuca, folgten wir dem Murray River flussabwärts, d.h. in nordwestlicher Richtung. Wo die Strasse dem Fluss folgt, gibt es zahlreiche Aussichtspunkte. Einige der besonders schönen Abschnitte liegen abseits der Hauptstrasse, wie z.B. die Wetlands & Billabongs (Feuchtgebiete und Teiche) im Gunbower Nationalpark. Viele Baumstümpfe ragen aus seichtem Wasser, wo es nur so von Vögeln wimmelt. Die Wasseroberfläche ist weitherum von einer kleinen Pflanze bedeckt, die sie rötlich erscheinen lässt. Bei genauerem Hinsehen handelte es sich um unzählige, schwimmende, grün-rote Blättchen, welche bloss etwa 1cm gross waren und von der Form her Farnblättern glichen.

 

Auch sehr lohnenswert war unsere Fahrt im Sonnenuntergang um Lake Kangaroo (Kängurusee). Lake Charm wurde seinem Namen hingegen nicht ganz gerecht. Bei beiden konnten wir viele Ibisse, Fischreiher, Kormorane, Pelikane und beeindruckende Raubvögel sehen.

 

Nach einer Übernachtung in der Ortschaft Swan Hill folgten wir dem Fluss weiter, inzwischen durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet. Der Murray River hilft auch, die Landschaft entlang seines Flusslaufs in einen grünen Gürtel zu verwandeln. Die Gemüse- und Fruchtproduktion ist hier recht vielseitig, es werden Zitrusfrüchte, Mandeln, Stein- und Kernobst, Hopfen und auch Trauben angebaut.

 

Mildura war eher ein Reiseziel, als einfach ein Übernachtstopp. Wir mochten diese 30'000 Seelenstadt nicht nur wegen ihres angenehmen Ortszentrums, sondern auch weil sie sich zu einem Schlemmerort gemausert hat. Nachdem sich ein Italienischstämmiger Koch einen Namen gemacht hatte indem er Milduras grösstes Hotel-Restaurant zu einem gastro-nomischen Erlebnis umwandelte, ist der Virus auch auf andere Speiselokale übergesprungen. Heutzutage servieren viele von Milduras asiatischen Lokalen nicht bloss Chinesische-, Indische-, Malaysische-, Thailändische- oder Koreanische Gerichte, sondern raffinierte Fusion-Cuisine. Wir versuchten diverse «Chef’s choice»-Überraschungsmenüs und jedes entpuppte sich als wahres Gedicht! Immigranten aus Übersee; Asien, Europa und Südamerika, wie auch zahllose junge Backpacker aus der ganzen Welt die hier einen Teil ihrer «working-holiday» verbringen, hatten einen spürbar positiven Einfluss auf die Australische Küche. Während der letzten 30 Jahre ist die Australische Bevölkerung von 16,5 auf fast 25 Mio. Einwohner angestiegen. Weiter haben die Bürger vieler Staaten die Chance, ein einjähriges «working-holiday-Visum» zu beantragen (bis zu 3 Jahren verlängerbar), solange sie älter als 18 und jünger als 31 Jahre sind.


Barossa Valley: wie Elizabeth II unsere Reisepläne bog

 

Nach vier aussergewöhnlich angenehmen Tagen in Mildura, ging unsere Reise weiter. Nach einem schönen Spaziergang entlang des pittoresken Lake Cullulleraine, fuhren wir zur Grenze der Provinz Süd-Australien (SA). Da uns die Australischen Behörden zwangen, unsere Notvorräte im Magen mitzunehmen, waren wir sehr satt. Die Interstate Quarantäne-Bestimmungen zwischen Victoria und Südaustralien verbieten es Früchte, Gemüse und vieles weiteres über die Grenze zu nehmen. Nachdem eine Beamtin unseren Kofferraum durchschnüffelt hatte, versicherte sie uns, dass wir Honig von Südaustralien in die Northern Territories (NT) einführen dürften. So dauerte es nicht lange, bis wir uns wieder mit dieser Delikatesse eindeckten, auf die wir für eine Weile verzichtet hatten, weil wir wussten, dass Honig oft nicht von einem Teilstaat zum nächsten mitgebracht werden darf.

 

Kurz bevor wir Renmark erreichten, stoppten wir bei einer sehr steilen, vielfarbigen Felsklippe über einem Flussbett. Es handelte sich um die Pike Lagune am Flüsschen Mundic Creek. Auch sehr interessant war die Ziehbrücke von Paringa, welche seit 1927 den Murray River überspannt. Gerade als wir auf sie zufuhren, schaltete die Lichtsignalanlage auf rot und die Brücke wurde angehoben, um zwei Boote passieren zu lassen.

Renmark besticht durch seine Lage am Fluss Murray. Eine schöne Uferpromenade führt zu den Anlegestellen für Hausboote und im Sommer legen auch hier die Raddampfer an.

 

Für die nächsten beiden Nächte quartierten wir uns in einem schönen Motel im nahegelegenen Dorf Berri ein. Da der Australische Winter nun langsam, aber sicher kältere Temperaturen brachte, fanden wir es an der Zeit nordwärts zu fahren und den Süden für den nächsten Frühling aufzusparen. Da haben wir die Rechnung aber ohne die Queen gemacht. Süd- Australien feierte ihren Geburtstag mit einem langen Wochenende. Es war zwar nicht wirklich ihr Geburtstag, die Regierung von SA hat aber beschlossen, dass der 11. Juni ein guter Tag sei, um ihn zu feiern! Seltsamerweise haben sich die Australischen Teilstatten nicht auf einen Tag geeinigt, an dem landesweit Queens-Birthday gefeiert wird, jeder kocht der Königin sein eigenes Süppchen….

Da für Australische Familien jedes lange Wochenende ein guter Grund ist, einen Kurzurlaub einzulegen, waren entlang unserer Wunschroute nordwärts die bezahlbaren Unterkünfte schon lange ausgebucht. Schlussendlich fanden wir eine Bleibe in Tanunda, dem Hauptort des Barossa Valleys. Dieser liegt so nah bei Adelaide, dass die Stadtbevölkerung eher nur für einen Tagesausflug hierher pilgert. Obwohl wir nicht vorgehabt hatten hierher zu kommen, genossen wir unseren Aufenthalt sehr, da die Landschaft unerwartet schön und die Schlemmermöglichkeiten unerwartet gut waren!

Nach zwei Tagen im Barossa Tal zick-zackten wir via Auburn, Mintaro, Clare und Burra nach Jamestown, unserer letzten Übernachtungs-Etappe, bevor wir wieder das Outback erreichten.


Das Outback Süd-Australiens: mehr als nur Wüste

 

Am 12. Juni 2018 erreichten wir Port Augusta. Obwohl dies ein Nadelöhr ist, wo der gesamte Ost-West und auch Süd-Nord Verkehr durchzwängt, macht unternimmt Port Augusta kaum Anstrengungen, um Durchreisende aufzuhalten. Von dort machten wir uns auf, das Rote Zentrum auf dem Weg nach Darwin, 2’700 Kilometer nördlich, zu durchqueren. Auf dieser Strecke gibt es nicht viel, ausser Wüste, etwa alle 80 – 250 km ein Roadhouse (Raststätte) und nur eine Handvoll Dörfer. Kurz nachdem wir in die Stuart Highway einbogen, kamen wir uns vor, wie einsame Kämpfer auf dem Weg in die Wüste. Viele die die Leere des Outbacks durchqueren müssen, mögen dies als sehr langweilig empfinden. Für uns Touristen war die Strecke hingegen höchst interessant! Die Landschaft entlang unseres Weges war alles andere als leere Wüste! Ab und zu ist sie flach und öde, ab und zu hügelig oder sogar felsig, ab und zu wachsen kleine Büsche, ausnahmsweise sogar schon fast Wald. Schon bald war die Erde nicht mehr grau-braun, sondern fast orange-rot, genauso wie die Felsen. In einigen Abschnitten gab es Sandhügel, oder sogar Sanddünen, immer im gleichen unverwechselbaren Rot. Wir waren nun eindeutig auf dem Weg ins Rote Zentrum. Einen starken Kontrast zu dieser rötlichen Landschaft bildeten verschiedene Salzseen, wie die malerische Island Lagoon mit ihren Inseln.


Unerwartet viel Leben: hoch über und unter dem Boden

 

Schon nach 190km erreichten wir unser erstes Ziel, welches zugleich die erste Siedlung war: Woomera, ein «pulsierendes» Outback-Dorf mit momentan 120 Einwohnern, nur wenige Kilometer östlich der Stuart Highway. Wir bekamen ein Zimmer im einzigen Hotel und erfuhren später im Dorfmuseum, dass das Eldo Hotel speziell für Europäische Wissenschaftler gebaut worden war. Eldo steht als Abkürzung für European Launcher Development Organisation (~Europ. Raketen-Abschussrampen Entwicklungs Organisation) welche heute zur Europäischen Weltraumorganisation ESA gehört. Egal ob die Raketentests für zivile- oder militärische Zwecke durchgeführt wurden, die Europäischen Regierungen trauten sich nicht, eine Abschussrampe in Europa einzurichten, da sie Angst hatten, die Raketenteile könnten ihren Wählern auf den Kopf fallen… Im Australischen Outback hingegen, ist dies überhaupt kein Problem. Ausser ein paar Aborigines lebt dort niemand und da diese bis 1967 kein Wahlrecht hatten, zählten sie nicht.

Deshalb deklarierte die Australische Regierung 1947 ein Gebiet von 127'000 km2 (etwa die Grösse von England) zur «Woomera Prohibited Area» als Raketentestgelände.

In den 50er und 60er Jahren lebten etwa 7'000 Personen in Woomera, von denen die meisten für das Testgelände arbeiteten, darunter auch viele Europäer. Kulturelle Differenzen zwischen ihnen und den Australiern hatten einen negativen Einfluss auf das Zusammenleben, vor allem in der Freizeit. Die Australische Luftwaffe, die das Testgelände betreibt, erkannte, dass sich das Europäische Personal nicht in die ausschweifenden Trinksitten in Pubs integriert. Die Lösung war «Apartheid». Das ELDO Hotel wurde speziell für das «gesittete» ELDO Personal gebaut und das Dorfmuseum machte keinen Hehl daraus, weshalb.

Die Woomera Sperrzone wird immer noch als Raketentestgelände gebraucht. Ein interessantes Museum informiert über die Geschichte des Geländes und in der dazugehörigen Freiluft-Ausstellung können verschiedene Raketen, Flugzeuge und auch heruntergefallene Raketenteile besichtigt werden.

 

Etwa 80km von der Hauptverkehrsachse entfernt, besuchten wir auch Roxby Downs, ein weiteres Dorf, das ins Nichts gepflanzt wurde. Natürlich war da was, das dazu führte, dass dieser moderne Ort, mit heute etwa 5'000 Einwohnern, 1987 entstand. Nachdem verschiedene Rohstoffe entdeckt wurden, entstand die «Olympic Dam Mine». Ursprünglich wurde nur in kleinem Rahmen etwas abgebaut, doch seit 2005 entstand unter BHP Billiton das weltgrösste Untergrund- Bergwerk. Im Kinosaal des Touristenbüros zeigte man uns einen interessanten Film über die Gewinnung und Verarbeitung von Kupfer, Uranium, Silber und Gold. Die Olympic Dam Mine ist momentan weltweit der zweitgrösste Uranium-Produzent und dort lagert noch immer das grösste Uranvorkommen, wenn auch die Haupteinnahmen der Mine aus dem Kupfergeschäft stammen.


Wo Euros hüpfen und Opale den Rubel rollen lassen

 

Kurz bevor wir Woomera verliessen, erfuhren wir, dass man Euros in Australien schon viel länger kennt, als in Europa! Auf dem fünften Kontinent rollt der Euro allerdings nicht, er hüpft. Die Evolution hat viele hüpfende Beuteltiere hervorgebracht, von winzigen Springbeutelmäusen (Kultarr) zu kleinen Wallaroos, über etwas grössere Wallabies bis hin zu riesigen Roten Kängurus.

Die meistverbreitete Känguruart ist das Bergkänguruh (Common Wallaroo bzw. Hill Kangaroo). Im unfruchtbaren Teil Australiens, d.h. im Outback, ist die häufigste Untergattung des Common Wallaroos landläufig als Euro bekannt. Nun wurde uns klar, dass wir eigentlich von Euros umgeben sind und somit dem Schlaraffenland nicht mehr nachrennen müssen….

 

Als wir wieder in die Stuart Highway einbogen um unsere Reise fortzusetzen, stach uns das Schild mit den Distanz-Angaben zu den nächsten Ortschaften ins Auge. Welch ein Unterschied zum dichtbevölkerten Europa. Da lasen wir: Glendambo (nur eine Raststätte) 133km, Coober Pedy (ein Minen-Dorf mit 1'700 Einwohner) 366km, Cadney Park (ein Campingplatz in der Wüste) 517km, Marla (eine weitere Raststätte) 597km und schlussendlich Alice Springs (die einzige wirkliche Stadt und dort ist man erst etwa im geografischen Zentrum Australiens) 1’050km.

 

Es war weder so einsam, noch so langweilig wie dieses Schild suggerierte. Schon nach 40km begegneten wir beim malerischen Lake Hart einer Busladung Touristen. Der momentan nur hauchdünne Wasserfilm auf der Salzkruste, verleitete diesem Salzsee einen speziellen Charme. Aus der Ferne sah es aus, als ob die Menschen eislaufen würden. Die hügelige Landschaft wird durch die Bahnlinie entlang des Ufers noch mehr aufgewertet. Leider sieht man die historische Eisenbahn Ghan nur etwa einmal pro Woche. Solange man für die Strecke von Adelaide nach Darwin AUD 2'700 (€ 1'700) hinblättern muss, wird wohl die Nachfrage kaum steigen.

 

Weiter nördlich erschienen grosse Flächen der roten Erde entlang der Strasse asphaltiert zu sein. Bei genauerem Hinsehen war der rote Sand mit unzähligen schwarzen Kieselsteinchen bedeckt. Anderseits war die befestigte Strasse hier nun rot, da man den roten Sand den es hier überall gibt, als Basis für den Asphalt verwendet hat.
Schon bald wies ein Strassenschild auf die Möglichkeit hin, dass ein Flugzeug unsere Strasse als Notlandepiste benutzen könnte. Zuerst dachten wir noch, dass wir auf diesem 7m breiten Strassenabschnitt wohl kaum mit viel mehr, als einem kleinen «Grashüpfer» rechnen müssten. Aber dann wurde die Strasse plötzlich 25m breit! So duckten wir instinktiv unsere Köpfe und schauten hoch, ob nicht etwa ein Jumbojet im Anflug sei… Wenn es darum ginge ein paar hundert Passagiere, ein teures Flugzeug, und vor allem sich selbst zu retten, würden die Piloten wohl kaum zögern, ein paar einsame Autofahrer zu zermalmen.

 

Bevor die Sonne unterging, erreichten wir das Opal-Minendorf Coober Pedy, für durchreisende Touristen ein hoch-gefährlicher Ort: diejenigen mit wenig Zeit müssen damit rechnen, dass sie in den zahlreichen Opal-Schmuckgeschäften um ihr hart verdientes Geld gebracht werden, und diejenigen mit viel Zeit riskieren in einen der unzähligen Minen-Schächte zu fallen.

Hier wird Opal nicht von grossen Minen-Firmen abgebaut, sondern von unzähligen Parzellenbesitzern, von denen die ersten 1916 hier ankamen. Da jedermann eine Parzelle erwerben und mit der Suche nach den wertvollen Steinen beginnen kann, zieht Coober Pedy heute noch Opalsucher aus der ganzen Welt an. Im Jahr 2018 setzten sich die 1'700 Einwohner aus 44 Nationen zusammen. Deshalb findet man im Supermarkt auch Produkte aus der ganzen Welt, wie man sie sonst im Outback nie erwarten würde. Unter anderem fanden wir gute Deutsche Wurstwaren und lecke Schwarzwälder-Torte.

 

Stolze 95% der weltweiten kommerziellen Opal-Förderung stammt aus Australien und der allergrösste Teil aus Coober Pedy. Als Überbleibsel der Minen-Aktivitäten sieht man überall unzählige, kleine, kegelförmige Schotterhaufen aus zerschmettertem Fels (genannt Mullock), dem der Opal entnommen wurde. Dazu werden hunderte kleiner Lastwagen mit Spezialausrüstung verwendet, die man weitherum sieht. Normalerweise bohren die Parzellenbesitzer bis zu 30m tiefe vertikale Schächte von einem Meter Durchmesser. Von der Basis werden dann horizontale Tunnels gegraben (bis unter Nachbars Grenzzaun?) und das Ausbruchsmaterial wird an die Oberfläche gefördert. Dort wird es in einer Art Zentrifuge (Rock Tumbler), die hoch über einem Lastwagen montiert ist, gewaschen und zerkleinert. Hinterher werden die Gesteinsbrocken manuell, teils unter Neonlicht, nach den wertvollen Mineralien abgesucht. Danach wird der Opal auf Grund seiner Qualität, Brillanz, Reinheit, sowie der Vielfalt an Farben und Mustern klassifiziert.


Höhlenbewohner und Zäune um Hunde und Katzen abzuhalten

 

Das Arbeiten in einer Mine ist sicher kein einfacher Job, wenn nicht schon das Leben in einer Gegend hart genug wäre, wo die Sommertemperaturen regelmässig 40°-50°C erreichen, und die Winternächte regelmässig unter den Gefrierpunkt fallen. Als Lösung bot sich an, nicht nur unter Tag zu arbeiten, sondern auch im Untergrund zu wohnen, oder eben: Höhlenwohnungen. Heute werden auch viele Touristenunterkünfte im Untergrund angeboten.

 

Kanku, das Breakaway Naturreservat, liegt nur 30km ausserhalb des Opal-Dofes und bietet sich als idealer Tagesausflug an. Da sich der Park auf Aboriginal-Land befindet, ist ein Permit (Bewilligung) erforderlich, welche man im Touristen-büro kaufen kann. Die gut unterhaltene Schotterstrasse lässt sich mit einem normalen Pkw problemlos befahren. Wer aber mit einem Mietwagen unterwegs ist, könnte sich ziemlich grosse Probleme aufhalsen, wenn etwas passieren sollte, da Schotterstrassen in den meisten Mietverträgen ausgeschlossen sind. Die staubige Strasse wertet aber den Park nicht ab. Mit seinen mehrfarbigen Tafelbergen, Hügeln und Felsen, sieht er schon fast einer Malerpalette ähnlich. Es gibt Hügelflanken (Breakaways) in weiss, ocker bis rötlich braun, oder sogar mit violetten Sedimenten.

 

Eine Ringstrasse erschliesst den Park ab dem sogenannten «dog fence» (Hunde Zaun). Der 5’614km lange Hag wurde zwischen 1880 und 1885 errichtet, um Dingos (Wildhunde) davon abzuhalten im südöstlichen Teil Australiens Schafe und Rinder zu reissen. Normalerweise sorgt das Naturgesetz des «fressen und gefressen werdens» dafür, dass das natürliche Gleichgewicht erhalten bleibt. Es gibt immer genug zu fressen, ohne dass die Opfertiere aussterben. In Australien haben aber die Europäer so viele nicht-heimische Arten eingeführt, dass das natürliche Gleichgewicht aus den Fugen geriet. Der Hundezaun musste gebaut werden, um die eingeführten Schafe zu schützen. Ein weiterer riesiger Zaun wurde errichtet, um heimische Tierarten wie Echsen, Vögel und kleine Beuteltiere von (eingeführten) verwilderten Katzen zu schützen, die jede Nacht millionenweise kleine Tiere töten. Am natürlichen Gleichgewicht genagt haben vor allem die giftige Riesen-Kröten (Cane Toad), Füchse, Hasen, verwilderte Ziegen, Schweine, Esel, Kamele, aber auch verwilderte Pferde und sogar Wasserbüffel, die sich so zahlreich vermehren, dass man sie heute als Pest betrachtet.

 

Nach drei abwechslungsreichen Tagen in Coober Pedy ging’s weiter nordwärts durch die unwirkliche rote Landschaft, welche immer wieder Mal mit einzelnen Blumen geschmückt ist, die im Outback überleben können. Nach einem simplen Mittagessen in einem «Road House» konnten wir beobachten, wie sich grosse Gruppen von beeindruckenden Keil-Adlern die flachgefahrenen Euros, als Festschmaus aussuchten. Euros und andere Kängurus fallen dem Verkehr zum Opfer, da die grossen Road Trains unmöglich für sie stoppen können und die Adler schlemmen hinterher so begeistert von den überfahrenen Tieren, bis sie selbst dem Verkehr zum Opfer fallen. Auf einsamen Australischen Landstrassen sieht der Lebenszyklus häufig so aus!

 

Wir hingegen hatten unsere letzte Süd-Australische Mahlzeit, und auch Übernachtung im Marla Road House, bevor wir die Grenze zum nächsten Teilstaat überquerten.


Northern Territory: Kamele, Kühe und Züge auf der Strasse

 

Am 19. Juni 2018 erreichten wir die Northern Territories (NT), extrem dünn besiedelter Teilstaat, der teilweise öde, teilweise tropisch ist. Mit einer Landmasse von 1'349’130 km2 ist das nördlichste Territorium 34 Mal grösser als die Schweiz, oder etwa 4 Mal so gross wie Deutschland. Mit 240'000 Einwohnern leben hier aber nicht viel mehr Menschen, als in der Deutschen Kleinstadt Freiburg im Breisgau. Der allergrösste Teil von ihnen, etwa 180'000, lebt im Grossraum Darwin an der Nordküste, weniger als 30'000 um Alice Springs im Süden der NT, und die übrigen 30'000 weitverteilt über das restliche Gebiet. Mit etwa 30% Aborigines, haben die NT einen höheren Anteil an Ureinwohner, denn jede andere Australische Provinz. Landesweit ist die Aborigines-Bevölkerung auf 2,7% gesunken.

 

Abgesehen von einem Rastplatz mit Infotafeln und einem riesigen NT Logo, nimmt man die Grenze nicht wahr. Landschaftlich hingegen, fiel uns auf, dass es immer mehr Hügel hatte, die hier aus glattem Fels bestehen. Sie glichen fast ein wenig dem berühmten Uluru/Ayers Rock, waren aber flacher und viel kleiner. Als wir das Road House in Erlunda erreichten, war hier viel mehr los, als bei jeder anderen Raststätte, entlang unseres Weges. Der Grund dafür war offensichtlich: Erlunda ist an der Kreuzung zum Uluru-Kata Tjuta Nationalpark (Ayers Rock und Olgas). Unzählige Touristen mit wenig Zeit, hetzen die 450km zwischen Alice Springs und diesem Nationalpark in ihren gemieteten Pkws und Wohnmobilen auf der Strasse ab. Als privilegierte Weltenbummler hatten wir sowohl Ayers Rock, die Olgas, als auch den Kings Canyon (Watarrka) schon vor langer Zeit gesehen und immer noch gut in Erinnerung. So entschieden wir, uns dieses Mal lieber auf die weniger überlaufenen Sehenswürdigkeiten zu konzentrieren.
Im Erlunda Road House ist uns aufgefallen, dass zur Freude der Touristen Emus gehalten werden und bei der Stuarts Well Herberge, etwas nördlich, gibt es eine Kamel-Farm. Da wir mit viel Zeit unterwegs sind, ergibt es sich ganz von selbst, dass wir hier und dort alle möglichen und unmöglichen Tiere sehen. So müssen wir weder Farmen noch Vogelwarten besuchen!

 

Genauso oft wie freilebenden Tieren, begegneten wir Road Trains. Gemäss dem Australischen Gesetz muss jeder Lasterzug, der länger als 36,50m ist, als «Road Train» markiert sein. Die zulässige Gesamtlänge und die maximale Anhängerzahl differiert von Provinz zu Provinz. Hier in den Northern Territories, wie auch in West-Australien, gilt eine Maximallänge von 53,50m und das Gesamtgewicht darf – jeweils ohne Zugfahrzeug – 132 Tonnen nicht überschreiten. Auf Privatstrassen können Road Trains hingegen über 100m lang sein und dort gibt es auch kein Gewichtslimit. Einfach so zum Spass und um Rekorde zu brechen, mussten Outbackstrassen schon bis zu 1,5km lange Road Trains mit bis zu 112 Anhängern ertragen…

 

In einem riesigen Land wie Australien sind auch die Farmen riesig. Wenn sie 4’000km2 überschreiten, nennt man sie «Station». Anna Creek Station in Süd-Australien ist die grösste. Mit fast 24'000 km2 entspricht sie etwa 60% der Landfläche der Schweiz. Die Zweitgrösste erreicht «nur noch» 17'000 km2 und die nächsten 20 sind immer noch grösser, als 10'000 km2. Auf kargem Land können nicht so viele Tiere gehalten werden und Zäune gelten bei diesen Dimensionen als Luxus. Konsequenterweise warnen grosse Tafeln am Strassenrand nicht nur vor Kängurus, sondern auch vor Kühen, Kamelen, Schafen und ähnlichem. Grosse Tiere stellen für den Verkehr ein erhebliches Risiko dar. Rindviecher die alle Viere von sich strecken, sind leider entlang der Outback-Strassen keine Seltenheit.

 

Während des Winters im Süden Australiens, respektive der Trockenzeit im Norden, werden die Herden zusammengetrieben – man spricht von der «Mustering / Roundup» Saison. Auf den riesigen Australischen Farmen ist das Zusammentreiben der Rinder eine langwierige und gefährliche Arbeit, da die Tiere ziemlich verwildert sind. Normalerweise kommen sie nur ein- bis zweimal pro Jahr mit Menschen in Kontakt. Heutzutage werden zum Zusammentreiben nicht nur Hunde, sondern auch Motorräder, 4x4 Fahrzeuge, und sogar Flugzeuge und Helikopter, eingesetzt. Sobald man alle Kühe in einem riesigen Gehege entlang einer Strasse beisammen hat, werden sie in verschiedene Gruppen klassifiziert. Die dünnsten und jüngsten sind die glücklichsten. Sie werden markiert und bis zum nächsten «Muster» wieder freigelassen. Andere werden als Australische «Prime Steaks» die Welt ernähren. Wieder andere werden als Rindfleisch an Australischen Familientischen verzehrt werden. Die fettesten gehen auf eine Überseereise, da sie ohne weitere Nahrung überleben können, bis sie ihr Ziel erreicht haben! Entlang der Stuart Highway gibt es mehrere «Muster»- Stationen und einmal konnten wir zuschauen, wie Rinder selektiert und auf Road Trains verladen werden.

 

Es war augenfällig, wie viele grosse, mit Rindvieh beladene Road Trains nordwärts fuhren und leer zurückkamen. Darwin hat den weltgrössten Verladehafen für die etwas umstrittenen Lebendtransporte von Schlachttieren. Über eine Million Rinder und fünf Millionen Schafe werden hier alljährlich verschifft. Millionen weiterer Nutztiere kommen in grosse Fleischfabriken. Ihre besten Stücke werden als Australisches Hochqualitätsfleisch exportiert. Uns ist aufgefallen, dass Australisches Fleisch, das uns auf den Pazifikinseln serviert wurde, immer von deutlich besserer Qualität war und deutlich besser geschmeckt hat, als dasjenige, das wir hier in Australien erhalten. Wir haben den Eindruck erhalten, dass die Australier lieber ein grosses, als ein gutes Stück Fleisch essen.


MacDonnell Ranges: wir schluchzen von Ost nach West

 

Nach einer Übernachtung im Stuarts Well Road House, 75km südlich von Alice Springs, nahmen wir die Abzweigung ins Gebirge der Ost MacDonnell Ranges. Für 80km führt die Strasse durch faszinierende Landschaften mit rötlichen Gebirgszügen und Tälern. Die schönsten Stellen erreicht man entlang kleiner Schotterstrassen, etwas abseits der Hauptstrasse. Obwohl die Bachbetten momentan so trocken waren, wie sie nur sein konnten, war es offensichtlich, dass Wasser hier seinen Weg durch den Stein gefressen hatte. Einige der so entstandenen Schluchten und Kluften sind Besuchern zugänglich gemacht worden. Zwischen diesen pittoresken Felswänden gibt es viele Wanderwege und wer Glück hat, sieht vielleicht Felskängurus oder bunte Vögel. Wir bestaunten die Emily Kluft, Jessie Kluft und machten eine Wanderung durch die Tephina Schlucht, wo es sogar noch ein winziges Wasserloch hatte.

 

Um genügend Zeit zu haben, übernachteten wir zweimal im Ross River Homestead. Die dortigen Hüttchen sehen zwar von aussen hübsch aus, sind aber inwendig extrem einfach, vor allem, wenn man den Preis betrachtet. Mit $ 155 war dies die teuerste, aber bei weitem rustikalste Unterkunft, die wir (bisher) in Australien hatten. Nichts desto trotz haben wir sehr gute Erinnerungen an diesen Ort, den man vor allem wegen seiner grossartigen Atmosphäre und seiner tollen Umgebung besucht. Am Abend traf man sich mit den anderen Gästen zur Gemeinschaftsmahlzeit (welche auch nichts Besonderes war). Es war sehr gesellig und gemütlich, da in jedem Speisesaal ein Kaminfeuer brannte. Es war der Kontakt mit den anderen Gästen und mit dem sehr netten Personal, welcher aus einem einfachen Essen einen erinnerungswürdigen Abend machte. Zudem ist das Grundstück von Ross River in eine so schöne Landschaft eingebettet, dass man überhaupt nicht ins Auto steigen müsste. Man hat uns verschiedene Wanderungen innerhalb der Station vorgeschlagen, wie z.B. zur «Spinx» und der «Chinesischen Mauer» und Richtung N’Dhala Schlucht. Alle waren mindestens so schön, wie die ausgeschilderten Sehenswürdigkeiten im Nationalpark.

 

Nach unserem Aufenthalt in den «East MacDonnell Ranges» genossen wir etwas Zivilisation in Alice Springs. Um aber unseren Bericht übersichtlicher zu halten, fahren wir mit unserem Tagesausflug zu den «West MacDonnel Ranges» fort. Naturgemäss gleicht der westliche Teil des Gebirgszugs seinem östlichen Gegenstück ziemlich stark. Der westliche Teil erhält aber vielmehr Besucher und kann mit mehr Wasserlöchern und höheren Gipfeln punkten, wie z.B. Mount Sonder (1’380m) und Mount Zeil (1’531m).
Wir nahmen nicht den ganzen Weg bis zur Glen Helen Gorge unter die Räder, sondern nur etwa 100km bis «Ellery Creek Big Hole». Wie der Name besagt, handelt es sich um ein ziemlich grosses Wasserloch, das sogar den Weg durch die Schlucht versperrt. Enten und Reiher waren tapfer am Schwimmen, für uns Menschen war das Wasser hingegen jetzt viel zu kalt.

 

Als nächstes stand die Hauptattraktion der «Mac’s» auf unserer Agenda: «Standley Chasm». Da diese Schlucht inzwischen an die traditionellen Aboriginal Eigentümer zurückgegeben wurde, war dort ein Eintritt von $ 12 fällig. Die Kluft mit ihren beeindruckend hohen roten Felswänden ist so eng, dass sie nur für etwa 2 Stunden um die Mittagszeit perfekt im Sonnenschein leuchtet. Um die Massen an Bustouristen zu vermeiden, entschieden wir uns erst um 14h30 dort zu sein. Das Licht, das von der Umgebung reflektierte, liess Standley Chasm (Angkerle Atwatye) immer noch wunderschön leuchten. Wir bereicherten unseren Besuch zudem mit einer anstrengenden Wanderung über die Schlucht und einem unerwartet guten Mittagessen im Kiosk-Café am Eingang.
Als Abschluss unseres Ausflugs in die West Mac’s besuchten wir Simpsons Gap, ein weiteres wunderschönes Wasserloch in einer Schlucht mit vielschichtigem Gestein.


Alice Springs: eine richtige Stadt im roten Zentrum

 

Nach zehn aussergewöhnlich spannenden und vielfältigen Tagen durch das Nichts, waren wir definitiv reif für eine bevölkerte Insel inmitten der Wüste. Mit fast 30'000 Einwohnern ist Alice Springs nicht nur die einzige richtige Stadt im roten Zentrum, sondern schon fast eine City in der Wildnis. Sie ist schön und modern, aber nicht wirklich charmant. Wenn man durch die Stadtmitte schlendert hat man eher das Gefühl in einem Dorf auf dem Lande zu sein, als in einer Stadt mit mehreren zehntausend Einwohnern. Man sieht vor allem Geschäfte, Restaurants und andere Dienstleistungsbetriebe, welche sowohl Einheimische, als auch Touristen bedienen. Die meisten Bürger von Alice Springs, darunter 17% Aborigines, leben in den Vororten und kommen nur zum Arbeiten, Einkaufen, für Freizeitaktivitäten und zum Essen ins Stadtzentrum. Der Ort entstand aus einer Telegrafenstation für die Süd-Nord Leitung, welche unter Charles Todd Mitte des 19. Jahrhunderts erstellt wurde. Vieles in der Stadt ist nach ihm benannt, wie z.B. die Haupt-Einkaufsmeile und der (momentan knochentrockene) Fluss.

 

Als wir Alice am 27. Juni 2018 wieder verliessen, reihten wir uns mit unserem weissen Kleinwagen erneut in die «Karawane der grauen Nomaden» ein, die mit ihren grossen 4x4 und off-road tauglichen Wohnwagen nordwärts unterwegs waren. Ausser Road Trains sahen wir viele rote Termitenhügel, die so zwischen 10 bis 80cm hoch waren. Beim winzigen Weiler Aileron war die Landschaft mit zwei gigantischen Aboriginal-Statuen aus Metall dekoriert, von denen eine auf einer Hügelkuppe steht. Dieses Road House bewies, wie soviele andere Raststätten, den typischen Aussie-Humor. Ein Skelett hält ein Schild “shit house this way” für den Fall, dass man den Weg, an den Souvenirständen mit Aboriginal Kunsthandwerk vorbei, nicht findet. Vor der Tür stehen übergrosse Skulpturen eines Eidechsenpaares, welches Badekleider trägt. Oft ist es eher der Humor der Eigentümer, als die Qualität des Essens, der den Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Road House ausmacht.

 

Etwa um 5 Uhr nachmittags erreichten wir nur wenig abseits der Stuart Highway, eine weitere, naturgeschaffene Sehenswürdigkeit: die Steinkugeln Karlu Karlu/Devils Marbles. Diese rötlichen «Felsmurmeln» sind wirklich so gross, dass man denkt ein Riese hätte sie von Hand in die Landschaft gestreut. Wir bewunderten diese kugel- bis oval-förmigen Felsbrocken, welche gut und gerne 6m hoch sein konnten, im letzten Sonnenlicht, was besonders schön war.

 

Weniger schön war hingegen die Erfahrung, die wir im nahegelegenen Road House machen mussten. Man vermietete uns das letztes Zimmer, welches ein echtes Schnäppchen gewesen wäre, wenn nicht schon ein anderes Paar «unser» Bett belegt hätte… Weil es kein anderes Zimmer mehr gab, fühlten wir uns genötigt die 100km nach Tennant Creek im Dunkeln zurückzulegen.


Tennant Creek: ein Dorf mit mehr Aborigines als Siedlern

 

Erst 550 Kilometer nördlich von Alice Springs erreichten wir das nächste Dorf: Tennant Creek. Etwas mehr als die Hälfte der 3'000 Einwohner sind Aborigines. Die Australischen Ureinwohner lebten über Jahrtausende in Harmonie mit der Natur. Indem sie die natürlichen Resources respektierten und förderten, fanden sie immer genug zu essen.

Die ersten weissen Siedler, die in Australien eintrafen, ignorierten die Aborigines schlichtweg und machten sich einfach auf deren Land breit. Später versuchten die Weissen den traditionellen Landeigentümern (wie man sie heute oft nennt), den westlichen Lebensstil aufzuzwingen. Wegen ihrer Kultur mit viel wertvollem Wissen über den Kreislauf der Natur, aber wenig Interesse an einem kapitalistischen Leben, ist es vielleicht nie möglich, dass sie sich je integrieren. Dies führte eher noch zu alkoholbedingten Problemen, als zu einem besseren Leben. Nur wenige integrierten sich in die westliche Gesellschaft, die meisten ziehen ein traditionelles Leben in abgelegenen Kommunen vor. Die Umstände haben sich aber auch dort verändert. In jeder Community arbeiten heute Sozialarbeiter, welche sich für Ausbildung einsetzen und medizinische Grundversorgung sicherstellen.

 

Zumindest wurde den Aborigines der Grossteil ihres Landes mittlerweile wieder auf ihren Namen zurück übertragen. Der Zugang zu ihren heiligsten Stätten wurde inzwischen für Touristen und Immigranten z.T. stark eingeschränkt. Traurigerweise schätzen die meisten weissen Australier die Aboriginal-Kultur eher für ihren Wert zur Förderung des Tourismus, statt als für etwas, das man erhalten sollte. Der Verkauf von Bumerangs, Aboriginal-Gemälden und Didgeridoos bringt gutes Geld ein.

Irgendwie haben wir den Eindruck, dass es den Aborigines an Selbstvertrauen mangelt. Uns fiel oft auf, dass sie schon fast aus dem Weg rennen, wenn wir sie auf dem Gehsteig, oder in einem engen Supermarktgang kreuzten.

 

Kundjarra, beziehungsweise die Pebbles, 20 Kilometer nordwestlich von Tennant Creek, ist eine spirituelle Stätte der Aborigines, welche teilweise für Besucher zugänglich ist. Kugelrunde bis ovale Felsen liegen auf einer Hügelflanke der sonst flachen Landschaft. Sie ähneln den Karlu Karlu / Devils Marbles, sind aber im generellen viel kleiner. Da die Kundjarra Felsbrocken für die Ureinwohner wichtiger sind, als die Karlu Karlu Felskugeln, dürfen erstere nur aus der Distanz betrachtet, aber nicht bestiegen werden.

 

Tennant Creeks stillgelegte «Battery Goldmine» wird jetzt als Museum betrieben. Viele alte Mienenmaschinen sind im Freien ausgestellt, darunter ein alter, gelber Lastwagen. Es ist kaum zu glauben: vor 13 Jahren haben wir denselben rostigen Truck schon einmal fotografiert – Heinz stand davor. Wenn man die beiden Bilder vergleicht, ist Heinz’ «Karosserie» sichtbarer älter geworden. Wenn etwas schon so alt ist wie dieser Lastwagen, fallen ein paar Jahre kaum mehr auf…
Nach unserem Besuch am Battery Hill, fuhren wir zum Picknick an den malerischen kleinen Mary-Ann-See. Wir sahen dort viele Wasservögel und wunderschöne Pfauenmännchen mit leuchtenden Federn – wir wissen aber nicht, ob diese Vögel schon steinalt, oder noch pubertierend waren!


Raststätten zur Entspannung und Unterhaltung

 

Vierhundert Kilometer weiter, vorbei an ein paar dutzenden von Road Trains, tausenden von Termitenhügeln und zwei Raststätten, erreichten wir ein paar Meilen abseits der Hauptstrasse «Daly Waters Pub». Dies ist nicht einfach ein weiteres Road House, sondern eine Institution! Es ist eine von wenigen Raststätten, die es schafft, dass Reisende nicht nur hier übernachten, weil es auf dem Weg liegt, sondern weil sie wirklich HIERHER kommen wollen! Der Grund ist die allabendliche Unterhaltung. Sie gehört hier seit vielen Jahren dazu, und das Programm bietet talentierte Musiker und Künstler, die z.T. schon auf der ganzen Welt auftraten. Im Pub findet man Sammlungen von BH’s, Schuhen, Banknoten, Identitätskarten, Autonummern und anderem Schnick-Schnack, den die Gäste «just for fun» hier zurückgelassen haben.

 

Was hingegen genauso ist, wie in anderen Raststätten; das Personal besteht vorwiegend aus jungen «Working Holidayern» aus der ganzen Welt. Für unter 31-jährige ist es einfach, ein «work + travel» Jahresvisum zu erhalten. Wer gerne noch ein zweites, oder sogar drittes Jahr in Australien arbeiten und reisen möchte, muss bereit sein, eine Arbeit zu übernehmen, welche Australier normalerweise nicht machen würden, ausser man zwingt sie dazu. Deshalb sind viele sehr gut ausgebildete Europäer und Asiaten bereit, unangenehme Hilfsarbeiten auf Plantagen zu verrichten, oder im Outback zu arbeiten. Wenn man Glück hat, findet man heutzutage auch in einem Road House mitten im Nichts Französische- oder Asiatische Delikatessen, welche das sonst übliche Hamburger und Fish & Chips Menü ergänzen.

 

Die meisten jungen Leute, welche Australien mit einem Work & Travel Visum bereisen, scheinen mit den Löhnen recht zufrieden zu sein, auch die meisten Europäer. Australien gehört zu den Ländern, in denen Berufslehren etwas ausser-ordentlich Ungewöhnliches sind. Ein Grossteil der Bevölkerung empfindet es als eine Art Sklaverei, während dem Erlernen der Berufskenntnisse für einen tiefen Lohn arbeiten zu müssen. Die Salärunterschiede zwischen älteren und jüngeren Mitarbeitern sind bei weitem nicht so ausgeprägt, wie in Europa. Wohl auch deshalb, gehören Australiens Minimallöhne zu den höchsten der Welt. Mitte 2018 betrug er AUD 18,93 per Stunde. Aushilfskräfte, wie z.B. Working Holidayer, erhalten zudem noch etwa 25% Zulage (Casual Loading), um Urlaub, Krankentage und die Unsicherheit eines Gelegenheitsjobs auszugleichen. Dies lässt den Minimallohn für die meisten Backpacker auf AUD 23,66/h (€ 17,75)  ansteigen. Es gibt trotzdem Lohnunterschiede, einige verdienen etwas weniger, andere sogar deutlich mehr. Eine normale australische Arbeitswoche beträgt 38 Stunden. Einige saisonale Jobs kommen aber mit 60-90 Arbeitsstunden, was diese Stellen für alle, die ihre Reisemoneten schnell verdienen möchten, hochinteressant machen! Leider vernahmen wir auch von Fällen von unterbezahlten Backpackern. Dies scheint eher Asiaten, als Europäer, oder Südamerikaner zu betreffen. Wir fanden die folgende Liste mit Beispielen, was Besucher mit einem «Work & Travel» Visum verdienen könnten:


https://www.australia-backpackersguide.com/backpacker-jobs-salaries-australia/

Nur 22km nördlich von Alice Springs hatten wir den südlichen Wendekreis (des Steinbocks) überquert; den Tropic of Capricorn. Theoretisch markiert dieser den Beginn des Tropengürtels, wo es nur zwei Jahreszeiten gibt: Regenzeit und Trockenzeit. Natürlich war das Klima nicht gleich wärmer und feuchter. Inzwischen waren wir aber 900km nördlich dieser unsichtbaren Linie und nun fühlte es sich langsam tropisch an. In Alice Spring erreichten die Temperaturen tagsüber 15°-19°C und konnten nachts sogar unter den Gefrierpunkt fallen. Hier oben hingegen, stiegen die Tagestemperaturen schon auf respektable 30°-34°C und auch in der Nacht fielen sie nicht mehr unter 16°C. Stellt euch vor, dass ihr vom Herzen Europas in einer «angenehmen zehnstündigen Fahrt» über einsame Landstrassen, vom Winter in die Tropen fahren könntet. Von Zentral-Australien aus ist dies ohne weiteres möglich und vor allem von weiter südlich, machen dies viele. Nur schade, dass Stechmücken das tropische Klima ebenfalls schätzen.

 

Nur 100km nördlich von Daly Waters wartete eine weitere «obligatorische» Sehenswürdigkeit: die Oase Mataranka mit ihren Thermalbecken im Elsey Nationalpark. Wir nahmen uns im Mataranka Homestead ein einfaches Motelzimmer, nur ein paar hundert Meter vom Becken mit dem 33°C warmen Thermalwasser entfernt. Die heisse Quelle fliesst nicht nur in den Pool, sondern weiter in den Roper River, der ganzjährig nie austrocknet. Deshalb ist die Vegetation entlang seines Ufers recht üppig. Es wachsen (Cabbage-) Palmen, Eukalyptusbäume und Pandanus. Da die Nordküste nicht mehr gar so weit entfernt ist, schafft es in der Regenzeit immer mal wieder ein Salzwasser-Krokodil hierher. Obwohl diese Echsen regelmässig von der Nationalpark-Verwaltung umgesiedelt werden, ist das Flussufer aus Sicherheitsgründen gesperrt.

 

Das Dorf Katherine liegt nur 110km weiter nördlich und trotzdem übernachteten wir hier schon wieder. Die dortige Brücke über den Katherine River ist ein gutes Beispiel dafür, wie stark das Wasser in der Regenzeit ansteigen kann. Momentan floss es mehr als 20m unter der Brücke. Bei aussergewöhnlich nassen Regenzeiten kommt es aber immer wieder vor, dass diese überschwemmt wird, wie z.B. 1998.

An den Unterkunftspreisen in Katherine spürte man, dass gerade Schulferien waren. Nach einer intensiven 6-wöchigen Reisephase brauchten auch wir wieder etwas Ferien in den Ferien. So hat es gut gepasst, dass wir etwas südlich von Darwin, gleich mehrere FKK Plätze fanden. Dorthin waren es jetzt nur noch 300km.


BRUJUL: unerwartete Begegnungen auf einem neuen FKK Platz

 

Am 3. Juli erreichten wir fast den nördlichsten Zipfel Australiens. Etwa 40km südlich von Darwin bogen wir aber ein paar Mal ab und waren bald bei BRUJUL, einem neuen ansprechenden FKK Gelände in Australiens tropischer Klimazone.

 

BRUJULs Eigentümer Bruce & Julie, sind selbst begeisterte Naturisten unf führen ihr kleines Paradies mit viel Hingabe. Julie empfing uns herzlich und zeigte uns die neue moderne Unterkunft, welche wir vorgängig reserviert hatten. Als Heinz aber ungläubig fragte, ob die Küche wirklich keine Herdplatten habe, muss er schon sehr verwundert ausgesehen haben! Unsere Vermieter entschieden jedenfalls, dass Schweizer Na-Turisten wohl unfähig sind, mit einer im Australischen Stil voll ausgestatteten Küche mit Mikrowelle und Grill, aber ohne Kochplatten umzugehen! Am nächsten Tag brachten uns Bruce & Julie zwei brandneue Kochplatten und sagten, dass sie beschlossen hätten, alle Unterkünfte so auszustatten. Ehrlich gesagt sind BRUJUL’s Studios aussergewöhnlich gut ausgestattet, sogar die Küche. Die meisten Einheimischen benutzen im Urlaub entweder den BBQ, oder schmeissen eine Fertigmahlzeit in die Mikrowelle. Wenn die Australier richtig kochen, ist es normalerweise für eine Gruppe von Freunden und in unserer Küche gab es ein paar sehr raffinierte Küchengeräte.

 

BRUJUL ist ein sehr beliebter FKK Platz - zumindest für Australische Verhältnisse! 60 bis 80 Gäste sind hier viel. Es ist ein Ort wo viele pensionierte Australische Naturisten alljährlich ein paar Monate verbringen, um dem südlichen Winter zu entfliehen. Hier um Darwin gibt es hingegen nur Trocken- und Regenzeit. Die Trockenzeit dauert etwa von Mai bis Oktober und ist dominiert von warmen, trockenen Tagen mit Temperaturen um 30° bis 35°C. Dagegen bieten Südspanische Winter eigentlich fast nur Kühlschranktemperaturen.

 

Bei BRUJUL treffen sich viele der Winter-Flüchtlinge regelmässig vor Sonnenuntergang im halboffenen Klubhaus zur Happy-Hour und um Spiele zu machen. Da wir aber auch ohne Happy-Hour sehr happy sind, zogen wir lieber los um Flora und Fauna zu beobachten. Regelmässig schlenderten wir entlang des weniger als ein Kilometer langen Grenzzauns. Da dies recht kurz ist, machten wir normalerweise mehrere Runden. Es gab immer etwas zu sehen. Wir waren entzückt von den vielen Schraubenbäumen, einer Pandanusgattung, deren lanzenförmige Blätter korkenzieherförmig hochwachsen. Nachdem die alten Blätter abgedorrt sind, gleicht der Stamm einer gigantischen Schraube.

 

Natürlich wurden wir auch damit verwöhnt, regelmässig Tiere zu erspähen. Wir haben uns bereits daran gewöhnt, dass wir auf den meisten Australischen FKK Plätzen schon fast damit rechnen können, Kängurus und verschiedene Vögel, wie bunten Papageien, zu sehen. Bei BRUJUL wurden hingegen solch gewöhnliche Begegnung von Kreaturen in den Schatten gestellt, die wir bisher noch auf keinem FKK Platz gesehen hatten: ein Freshy und ein Salty! So unglaublich es tönt; mehrmals traten wir fast auf ein kleines Krokodil, das sich, gut getarnt, mitten auf dem Weg sonnte. Bloss wegen eines jungen Krokodils ergreift in Australien niemand die Flucht. Zugegeben, alle sind gerannt – aber nur um die Kamera zu holen! Die Anwesenden meinten, das eine Tier sei wohl ein Süsswasser- und das andere ein Salzwasser-Krokodil. Diese waren aber so klein, dass uns die kläffenden Hunde der Dauermieter deutlich mehr Respekt eingeflösst haben. Dem einen Krokodil muss es genauso ergangen sein; es ergriff so schnell wie möglich die Flucht, als eine Naturistin nicht nur mit ihrem Fotoapparat, sondern auch mit ihren zwei Schosshündchen ankam!

 

Wir haben zehn entspannende Tage in unserem Studio bei BRUJUL genossen. Die unzähligen Australier, die uns diesen Platz empfohlen hatten, hatten absolut recht: ein Aufenthalt lohnt sich nur schon wegen der netten Persönlichkeiten der Eigentümer Bruce & Julie. Sie sind beide waschechte Naturisten und geben ihr Bestes, um die Gäste zufriedenzustellen. Der Bau eines neuen, grösseren Schwimmbades ist bereits in die Wege geleitet. Ab und zu werden auch spezielle Anlässe organisiert, wie z.B. nackte Golftourniere, oder nackte Bootsausflüge. Wir können aber nicht versprechen, dass bei BRUJUL jedem ein «Krok» über den Weg läuft. In weniger, als einer Stunde Autofahrt erreicht man aber diverse Ausgangspunkte zu Bootstouren in die Feuchtgebiete, bei denen Sichtungen von Krokodilen (fast) garantiert sind. Und dort begegnet man den wirklich grossen Exemplaren, von denen man auf dem FKK Platz keines zu sehen wünscht!
Auch Darwin, die nördlichen Strände, oder den Litchfield Nationalpark, bieten sich als Tagesausflug von BRUJUL an. Da wir aber mit viel Zeit reisen, sparten wir uns diese Sehenswürdigkeiten für die Weiterreise auf.


Northern Territory Wetlands: fast wie ein «Wasser-Zoo»

 

Wie schon gesagt, besteht das tropische Klima des Northern Territory nur aus Regenzeit und Trockenzeit. Während der Regenzeit ist es aussergewöhnlich heiss und feucht. Es regnet fast täglich, vielleicht nur für eine Stunde, aber dann öffnet der Himmel seine Schleusen. Dies führt dazu, dass riesige Landflächen überschwemmt und viele Strassen geschlossen werden. Wenn es nicht gerade einen Zyklon hat, bleibt aber das Leben in Darwin immer noch recht angenehm. Das Reisen im Norden der NT, kann aber zur “mission impossible” werden!

 

Wenn Land regelmässig überflutet wird, bezeichnet man es als Feuchtgebiet, oder eben «Wetland». Dort wo das Wasser ganzjährig bleibt, hat sich ein spezielles Ökosystem entwickelt. Feuchtgebiete beheimaten viele Lebewesen; Fische, Vögel, kleinere und grössere Raubtiere und ihre potenziellen Beutetiere. Zwischen Darwin und dem Kakadu Nationalpark gibt es mehrere solche Wetlands. Auf vielen ihrer Wasserflächen werden Bootstouren angeboten, um Touristen einen Blick auf diejenigen Tiere zu erlauben, die sonst aus Scheu davonflattern, oder sich überlegen, ob Zweibeiner mit Fotoapparat vielleicht auch gut schmecken. Auf früheren Australienreisen genossen wir Boots-Touren auf den berühmten Yellow Waters im Kakadu NP. Diesmal entschieden wir uns für eine «Wetland Tour» auf dem Corroboree Billabong und wurden auch nicht enttäuscht.

 

Ironischerweise sonnte sich gerade ein grosses Krokodil neben dem Bootssteg an dem ein Schild angebracht war: «komm ruhig näher, dann können wir zusammen Mittagessen…». Gut haben wir uns für die Tour zum Sonnenuntergang entschieden. Wir sahen dann auch wirklich viele Krokodile, sowohl Salzwasser-Krokodile, welche bis zu 8m lang werden können, als auch die bis zu 3m langen Süsswasser-Krokodile, die für den Menschen normalerweise harmlos sind. Die Dame, die als Bootsführer arbeitete, erzählte, dass wir auch vor Salzwasser-Krokodilen sicher seien, solange wir richtig im Boot bleiben. Fische sind normalerweise nicht sichtbar, wenn wir aber an einem Fischschwarm vorbeiglitten, war die Wasseroberfläche darüber ziemlich unruhig und zog unzählige Vögel an, die sich noch ihr Abendessen fischen wollten. Zu den Vögeln, welche wir zahlreich sahen, gehörten Schlangenhalsvögel, Mittel- und Rotrücken-Reiher, Weissbauch-Seeadler, Kormorane und die als Jabiru bekannten, grossen, schwarz-weissen Störche.

 

Nach einer Übernachtung in der Corroboree Park-Taverne, besuchten wir ein paar weitere Billabongs (Teiche) auf dem Weg nach Darwin. Besonders gefiel uns die «Leaning Tree Lagoon» mit ihren Schneeflocken-Lilien auf der Wasseroberfläche. Wiederum wimmelte es von Ibissen, Enten, Reihern und anderen Wasservögeln. Krokodile sahen wir nur auf dem Warnschild. Das muss nicht heissen, dass es keine hatte – man sagte uns, dass wenn man ein Krok sieht, wird man vermutlich von zehn gesehen!


Darwin: eine moderne Stadt ganz im Norden des Kontinents

 

Am 14. Juli 2018 erreichten wir Darwin, wo wir ein schönes Hotelzimmer am Stadtrand bezogen. Mit 130'000 Einwohnern, ist dies global betrachtet, nicht so eine grosse Stadt. Auf die Verhältnisse des Northern Territory bezogen, ist dies aber eine echte City, wo über die Hälfte der Bevölkerung des Territoriums zuhause ist, bzw. sogar 80%, wenn man den Radius auf 50km ausweitet. Heute hat die Stadt eine recht beeindruckende Skyline. Die vielen neuen Gebäude geben den Eindruck eines sehr urbanisierten Ferienortes. Die Australischen Rentner aus den Millionenstädten im Süden investieren das Erbe ihrer Kinder gerne in Zweitwohnungen und Ferienhäuser in Regionen mit milderem Klima, wie z.B. im Norden von Queensland, oder im eben, im tropischen Darwin.

 

Das Stadtzentrum ist modern und funktionell, darum herum ist Darwin hingegen mit vielen grünen Parklandschaften und schönen Stränden gesegnet. Viele bestechen mit mehrfarbigen Sandsteinklippen hinter den breiten Sandstränden. Schwimmen ist leider alles andere, als sicher und in der Regenzeit wegen der tödlichen «Box Jellyfish» (Würfelquallen) sogar verboten. Auch in der Trockenzeit wird immer noch Schutzkleidung empfohlen, z.B. einen Neoprenanzug, da immer noch ein paar Würfelquallen präsent sein können. Auf diejenigen, denen dies noch nicht genug Nervenkitzel ist, warten ganzjährig die Salzwasser-Krokodile, die immer mal wieder gerne einen Adrenalin-Junkie verspeisen. Ein Hundehalter erzählte uns, dass Salzwasser-Krokodile zum Schutz der Hunde umgesiedelt werden, sobald eines an einem beliebten Strand gesichtet worden ist. Wir denken aber eher, dass die Regierung ihre Steuern zahlenden Zweibeiner schützen will, als deren Haustiere. Wir haben gelesen, dass alleine in der Umgebung von Darwin im ersten Halbjahr von 2018, bereits 400 der geschützten Krokodile umgesiedelt werden mussten. In der Regenzeit, wenn die Wasserspiegel so stark anschwellen, dass mehrere Flüsse zu einem verschmelzen können, migrieren Krokodile über mehrere hundert Kilometer und ein paar wenige wurden schon fast soweit südlich wie Brisbane gefunden. Alljährlich suchen Angestellte, sogenannte «Nationalpark-Ranger» anfangs der Trockenzeit vor Saison-Öffnung der Parks nach Salzwasser-Krokodilen, um sie in die (nördlichen) Regionen umzusiedeln, wo sie, wenn es nach den Menschen ginge, eigentlich bleiben sollten. Ausser dass die beliebtesten Nationalparks auch mit baulichen Massnahmen Krokodil-sicher gestaltet werden, sorgen viele künstliche Badeseen, wie auch durch Dämme geschützte Lagunen, für ungetrübtes Badevergnügen.

 

Haie, Schlangen, Krokodile, Quallen, Spinnen etc.: die verdrehte Wahrheit


Als wir unsere australische SIM Karte kauften, sagte der Verkäufer mitleidig: «arme Leute, ihr kommt aus dem mit Flüchtlingen überschwemmten Europa, Deutschland ist bereits verloren, man muss es abschreiben!» Wir haben aber bei unserem kürzlichen Deutschlandaufenthalt kaum etwas von Flüchtlingen mitbekommen. Dieser Typ hat wohl einfach die überzogenen Presseberichte für bare Münze genommen!

 

Andererseits tendiert die Europäische Presse dazu, die tödlichen Gefahren, die von Australiens Tierwelt ausgehen, etwas zu überziehen. Wir hörten von Europäern, die sich aus Angst vor Schlangen- und Spinnen-Bissen, als auch vor Hai und Krokodilattacken, niemals getrauen würden, nach Australien zu reisen! Zweifellos kommt es wegen Schlangen, Spinnen und auch Quallen zu Todesfällen, ausnahmsweise vergreift sich auch ein Hai, oder Krokodil an einem Menschen als Zwischenverpflegung. Es ist aber alles relativ.

Gemäss Statistik hat Australien alljährlich zwei Todesfälle zu beklagen, die von Schlangen verursacht sind, weniger als zwei von Krokodilen, einen von Haien, nicht einmal einer von Quallen und weniger als einen alle 25 Jahre von einer Spinne. Nebenbei bemerkt; Bienen- und Wespenstiche verursachen (auch australienweit) mehr Todesfälle, als Schlangen-bisse, und weltweit werden fünfzehnmal mehr Menschen von Kokosnüssen tödlich getroffen, als von Haien ins Jenseits befördert werden.

 

Die einzigartige Tierwelt liefert sicher eher einen Grund für eine Australienbesuch, als eine Entschuldigung, dem Land fernzubleiben. Die grössten Gefahren gehen von Dingen aus, über die man sich vielleicht kaum Sorgen macht: Verkehrsunfälle fordern in Australien über 1'200 Menschenleben pro Jahr, der Alkoholkonsum 6'000 pro Jahr und das Rauchen alljährlich 15'500.

 

Um während eines Australienaufenthalts auf ganz sicher zu gehen, ist es vielleicht angebracht, von ein paar potenziell tödlichen Fallen abzusehen, wie z.B. Autofahren, Überqueren von Strassen, Alkohol trinken, Rauchen, oder dem Sonnen an palmengesäumten Stränden! 


Litchfield Nationalpark: Lido oder Naturreservat?

 

Die Nationalparks Kakadu und Litchfield sind im nördlichen Australien sicher die Haupt-Touristenmagnete. Kakadu zieht massenweise in- und ausländische Touristen an, welche die wirklich grossen Krokodile sehen möchten. Der Litchfield Park auf der anderen Seite, lockt vor allem Darwins Stadtbevölkerung, aber auch Touristen, welche vor allem wegen der vielen Krokodilfrei gehaltenen Bademöglichkeiten hierherkommen.

Das Top End Naturist Retreat, das wir weiter unten beschreiben, war unser perfekter Ausgangspunkt für einen Tagesausflug. Da wir keine Bedenken hatten, über einen 12km langen Schotterabschnitt zu fahren, konnten wir eine bequeme, 200km lange Rundfahrt unternehmen, welche uns etwa 120km Umweg ersparte.

 

Wir begannen unsere Entdeckungstour des Litchfield NP bei der stillgelegten «Bamboo Creek» Zinnmine, einer Sehenswürdigkeit, die für diesen Nationalpark nicht unbedingt typisch ist, aber auf dessen Gebiet liegt. Nach nur zwei Jahren musste die Mine ihren Betrieb 1908 bereits wieder einstellen. Damals war der Zugang in der Regenzeit noch viel eingeschränkter, als heutzutage. Nachdem die Stollen überflutet wurden, entschieden die Lizenznehmer, dass das Ganze zu viel Arbeit und zu wenig Ertrag sei.

 

Litchfields Höhepunkte sind vor allem Wasserfälle und Wasserlöcher. Uns Schweizer haben nicht alle Wasserfälle so stark beeindruckt, jetzt in der Trockenzeit schon gar nicht. Die Wangi- und Tolmer-Fälle bestachen aber durch ihre Höhe und ihre Umgebung aus rötlichen Felsklippen. Es gab auch viele, absolut überlaufene Bademöglichkeiten; kein Wunder bei dieser stechenden Hitze.

Ganz anders, sah es hingegen beim «Tabletop Swamp» aus! Ein malerischer Teich inmitten eines Feuchtgebietes, und den hatten wir ganz für uns alleine. Da waren bloss Vögel, Eukalyptusbäume im Wasser, kleine Blumen zwischen Sumpfgras, und alles war ganz still und friedlich.

 

Auch sehr ungewöhnlich waren die Termitenhügel, welche ein ganzes Feld bedeckten und für Touristen zugänglich gemacht wurden. Hier gab es sehr viele Kompass Termitenhügel, die man im Englischen «Magnetic Termite Mounds» nennt. Sie sind bis zu zwei Meter hoch, dünn und erinnern an alte Grabsteine. Die Kompass Termiten, welche die Architekten und Baumeister dieser «Ameisen Wolkenkratzer» sind, bauen sie immer von Nord nach Süd ausgerichtet, um im Innern auch ohne Klimaanlage und Heizung, immer die optimale Temperatur zu haben!

Häufiger sieht man die Kathedral-Termiten, die auch als Spinifex Termiten bekannt sind. Deren Architekten scheinen unterschiedliche Ideen zu haben und höher hinaus zu wollen. Ihre individuell gestalteten Kathedral-Termitenhügel können bis zu sechs Meter hoch werden und beginnen mit einer recht mächtigen, sternförmigen Basis, die sich nach oben hin ausdünnt. Auch diese Termitenhügel sind sehr ausgeklügelt und garantieren stabile Innentemperaturen von ca. 25°C. Kathedral-Termitenhügel sind im Northern Territory sehr weitverbreitet. Im Süden waren sie noch eher klein und je weiter nördlich wir kamen, desto höher ragten sie in den Himmel. Wenn man die kleinen Termiten mit ihren gigantischen Bauten vergleicht, wird die menschliche Fähigkeit (mit allen möglichen Hilfsmitteln) Wolkenkratzer zu bauen, in den Schatten gestellt!


Top End Naturist Recreation Retreat: gross und voller Überraschungen

 

Für eine kleine Australische Stadt wie Darwin ist es schon überraschend, dass hier genug Nachfrage für zwei FKK Gelände besteht. Das Neuere: BRUJUL, haben wir ja schon beschrieben. Nun verbrachten wir auch noch 10 Tage im schon lange etablierten: TENRR. Beide ziehen viele «Graue Nomaden» an, welche dem Winter entfliehen. Beide haben ihre Vor- und Nachteile, doch für Urlauber mit Mietwagen ist TENRR wohl die bessere Option, da eine asphaltierte Zufahrtsstrasse bis zum Eingang führt. Bei BRUJUL hat die Behörde den Asphalt zwar schon bewilligt, ob er aber bald hingewalzt wird?

 

Am 18. Juli ging’s von Darwin 60km südwärts zu TENRR, bzw. Top End Naturist Recreation Retreat, wofür diese Abkürzung steht. Nicht nur der Name dieses Platzes ist lang, es ist auch lange her, seitdem wir schon einmal hier waren, und wir kamen zurück, wegen der langen Nacktwanderwege innerhalb dieses FKK Campings den es schon lange gibt.

 

Wir bekamen ein gleiches Hüttchen wie vor 12 Jahren und es war immer noch gut im Schuss. Nur das Bett war zu weich. Kein Problem, wir verschoben die zweite Matratze einfach unters Bett. So hatten wir nun ein viel komfortableres gesundes Bett, wie es heutzutage in Australien üblich ist. Während unseres letzten Aufenthalts waren weiche Betten und Matratzen gerade in Mode. Zu unserem Leidwesen investierten die Vermieter oft ein Vermögen um ihre sonst schon weichen Betten noch weicher zu machen! Zum Glück sind diese Zeiten vorüber.

 

Mit etwa 60 – 80 Naturisten auf dem Platz, gehört TENRR, zumindest während der Trockenzeit, zu den beliebtesten FKK Plätzen Australiens. In der Regenzeit hingegen, wird es wohl ziemlich einsam sein. Jetzt im Juli zog es vor allem Rentner aus den Grossstädten des Südens an, welche einen Teil des Winters hier verbringen. Weiter kamen noch ein paar «jüngere» Südländer für eine warme Woche an der Sonne. Einige genossen es einfach, bei ihren Wohnwagen, oder Miet-Bungalows zu faulenzen, die meisten machten aber bei den regelmässigen Animationen und geselligen Anlässen mit, wie z.B. Aqua-Gym, Darts, Happy Hour, oder BYO Gemeinschafts-Mahlzeiten. Nun gut, BYO (bring your own/bring dein eigenes) Gemeinschafts-Mahlzeiten, sind eine Australische Eigenheit, wo jeder sein eigenes Essen mitbringt und selbst verzehrt statt es zu teilen!

 

TENRR’s grösstes Plus sind seine Nacktwanderwege. Im 100 Hektar grossen Gelände, mit nur etwa 40 Stellplätzen, gibt es ein sein grosses Netzwerk an Wanderwegen. Der längste folgt mehr oder weniger dem Grenzzaun und bringt es auf 4km. Zusammen mit den vielen lohnenswerten Nebenwegen, kumulierten sich unsere Rundgänge häufig sogar auf 8km.

 

Die Nacktwanderungen bei Top End Naturist sind nicht nur gesund, sie führen auch durch eine sehr vielfältige Landschaft mit einzigartiger Flora und extrem hart arbeitender Fauna! Entlang des Weges stehen einige beeindruckend hohe Termitenhügel, welche sowohl von Kompass-, als auch Kathedral-Termiten errichtet wurden. Die höchsten dieser Termiten-Wolkenkratzer sind höher als 5 Meter.
TENRRs Fauna hat aber mehr zu bieten, als winzige Ameisen. Auch hier sahen wir mehr, als nur die gelegentlichen Papageien und Kängurus! Mehrmals beobachteten wir einen Pacific Baza, einen schönen Raubvogel, der zur Gattung der Falken gehört. Unser Höhepunkt waren hingegen zwei Tiere, die so gut auf einem Baum getarnt waren, dass wir sie nie gesehen hätten, wenn wir nicht von anderen Naturisten darauf hingewiesen worden wären: Frilled Neck Lizards (Kragenechsen) – ein ausgewachsenes und ein junges. Wir hatten schon immer gehofft, irgendwo in Australien einmal eine dieser beeindruckenden Echsen zu sehen, und hier hatten wir nun das Glück. Genauso gut wie die Kragenechse getarnt ist, genauso zuverlässig bleibt sie um denselben Stamm, wenn sie dann einmal ihren Traumbaum gefunden hat. Das Paar, welches seinen Stellplatz in der Nähe der beiden «Frilled Neck Lizards» hatte, erzählte, dass das grössere schon über zwei Wochen am selben Stamm wohne. Selbst die regelmässigen Besuche neugieriger Menschen wie uns, schienen das schöne Tier nicht zu stören.

 

TENRR ist ein gut ausgestatteter, beliebter Platz. Jean & Garry, die ihn vor 22 Jahren aufgebaut haben, wissen was Naturisten mögen. Ausser Nacktwanderwegen gibt es auch ein gut beschattetes Schwimmbecken (bei 35°C möchte sich niemand der vollen Sonne aussetzen), ein Gartenschach, Sportplätze, ein grosses Klubhaus und mehr. Das einzige was fehlt, sind neuzeitliche Dinge wie Recycling Container, oder andere Zahlungsmöglichkeiten als Bargeld. Kein Problem; man muss halt einfach eine Schubkarre voller Silbermünzen mitbringen. TENRR ist ein schönes Gelände, das jeden Cent wert ist!


Westaustralien: das Juwel des fünften Kontinenten

 

Als nächstes stand Westaustralien (WA) auf unserem Programm, unser grosser Favorit auf dem roten Kontinent. Westaustralien ist eine riesige, vorwiegend öde Provinz mit vielen einsamen Landstrassen, obwohl der Verkehr seit unserem letzten Aufenthalt ziemlich zugenommen hat!


Mit einer Landmasse von 2'529’880 km², ist WA etwa 7 Mal grösser als Deutschland, oder 61 Mal so gross wie die Schweiz. Die Gesamtbevölkerung von 2,6 Mio. Einwohnern entspricht hingegen nur etwa der Agglomeration von Hamburg. Davon (WA-Bürgern, nicht Hamburgern) leben mehr als 2 Mio. in der Provinzhauptstadt Perth und von den übrigen 600'000 leben die allermeisten in der relativ kleinen «Ecke» zwischen Perth und Esperance (ca. 0.2 Mio. km2). Somit verteilen sich wohl weniger als 100'000 Einwohner über eine riesige Landmasse von ca. 2,3 Mio. km2.

 

Es sind 4’500km von Darwin via Broome und von dort entlang der Westküste bis Perth. Um zur Abzweigung Richtung «Western Australia» zu gelangen, mussten wir erst von Darwin 300km zurück nach Katherine. Von dort aus waren es immer noch mehr als 500 Kilometer nach Westaustralien. Deshalb übernachteten wir in Timber Creek (NT), welches mit 250 Einwohnern die einzige richtige Siedlung entlang des Weges ist. Es war alles andere als eine eintönige Fahrt. Noch bevor wir das «Northern Territory» verliessen, wurde die Landschaft je länger, desto spektakulärer, vor allem um den Gregory Nationalpark. Die rötlichen Felsflanken und die ersten Flaschenbäume, waren sozusagen Vorboten für Westaustralien, dessen Grenze wir 50km östlich von Kununurra erreichten.

 

Hier startete also unser Westaustralien Abenteuer: noch mehr einsame Strassen, noch weniger Siedlungen und Dörfer. Dazwischen nichts ausser spektakulären Landschaften und Küsten, mit überwältigender Flora und Fauna. Sogar die Distanzen zwischen den Raststätten waren nun noch grösser, als entlang der Stuart Highway, der Nord-Süd-Verbindung. Hier in Westaustralien, gibt es ab und zu für 300km kein einziges Road-House!


Kununurra: Pforte zu den Kimberley’s

 

Mit 4’500 Einwohnern ist Kununurra mit Abstand weit und breit das grösste Dorf. Es liegt mehr als tausend Strassen-kilometer von der nächsten, ebenso «pulsierenden» Ortschaft in West Australien entfernt. Kununurra entwickelte sich mit dem Bau des Ord River Staudamms, welcher zwischen 1959-72, als Teil eines gigantischen Bewässerungs-Projektes gebaut wurde. Dafür wurden 750km2 Land geflutet, wodurch der pittoreske Lake Argyle entstand. Die ehemaligen Hügelkuppen ragen nun als malerische Inseln aus dem Wasser.

Heutzutage wird das Wasser des Stausees zur Elektrizitätsgewinnung und zur Bewässerung von 28’000Ha produktivem Agrarland genutzt. Das Kultivieren von Sandelholz, Gemüse und tropischen Früchten wurde zu einem wichtigen Industriezweig. Andere grosse Arbeitgeber sind eine Diamantenmine, sowie der Tourismus.

 

Das zerklüftete Gebirge und die Schönheit der von rotem Fels und Schluchten dominierten Kimberley Region, unterscheidet sich deutlich vom Rest Australiens. Die Besucherzahlen werden wohl nur durch die abgelegene Lage begrenzt. Echte Abenteurer werden jedoch genau davon angezogen. Die anspruchsvolle und staubige 660km lange Gibb River Road nach Derby wird nur für 4x4 Fahrzeuge empfohlen. Sie ist vor allem unter begeisterten Campern beliebt, da es entlang dieser spektakulären Strasse kaum Infrastruktur gibt.

 

Entlang der asphaltierten Hauptstrasse, aber wiederum nur für 4x4 Fahrzeuge zugänglich, befinden sich die spektakulären Bungle Bungles. Wir haben diese Vielzahl von kleinen gestreiften Sandsteinhügeln mit dem Spitznamen «Bienenstöcke» schon 1992 besucht, und zwar per Flugzeug, Helikopter und mit einer 4x4 Tour. Dies war schon damals nicht billig, wenn man aber die heutigen Preise sieht, ein echtes Schnäppchen!
Ähnliche, wenn auch kleinere Felsformationen, wie in den Bungle Bungles, gibt es auch im Keep River Nationalpark (NT) und sogar noch näher zu Kununurra, im Mirima NP. Beide sind über unasphaltierte Strassen, aber mit herkömmlichen Fahrzeugen zugänglich, letzterer sogar zu Fuss von Kununurra – zumindest, wenn es nicht gar so heiss ist, wie während unseres Aufenthalts.

 

Wer nach Wyndham hochfährt, wird mit beeindruckenden Aussichten, fast wie aus der Vogelperspektive, belohnt. Vom «5 River Lookout», welcher auf einer Klippe thront, hat man einen phantastischen 360° Blick über die unglaublich bunten Schwemmebenen (flood plain) darunter. Bei unserem Besuch war der 60km lange Abstecher wegen Strassenbauarbeiten leider sehr zeitaufwendig. Immer wieder ging es über raue Schotterabschnitte und wir mussten oft an Rotlichtern warten. So hatten wir mehr als genug Zeit, die monströsen Baumaschinen, sowie die unzähligen Flaschenbäume zu bewundern.


Westwärts an die Küste: viel mehr als nur einsame Strassen

 

Südlich von Wyndham kamen wir auf einen der einsamsten Strassenabschnitte (weil so viele die sogar noch abgelegenere Gibb River Road nehmen?). Nach Derby waren es über 1'000km und dazwischen liegen bloss zwei sehr kleine Dörfer. Auch hier war aber die Fahrt alles andere als langweilig!
Ab und zu war die Landschaft weit und flach, aber immer wieder geschmückt mit Hügeln und Tafelbergen. Wir stoppten häufig wegen faszinierenden, bräunlichen bis rötlichen, oft rundlichen Felsformationen, aber auch wegen Felsnasen und ungewöhnlichen Kalksteinen. Einige Gegenden waren übersät mit grossen Termitenhügeln, wiederum in unterschiedlichen Formen, als vorher. Überall wo es grössere Bäume und Flüsse hatte, sahen wir häufig Papageien und andere Vogelarten. Es gibt viele Bach- und Flussläufe. Oft führt die Strasse als «Floodway» (Flut-Weg) direkt durch das Flussbett, da diese über den grössten Teil des Jahres trocken sind.

 

Jetzt, anfangs August, befanden wir uns in der Mitte der kühleren Trockenzeit. Während der Regenzeit schwellen aber viele, der oft mehrere hundert Meter breiten Flussläufe, über 20 Meter an. Wer dann nicht mit einem Amphibien-Fahrzeug unterwegs ist, hat dann auf diesen Strassen keine Chance mehr. Immer mehr «Floodways» werden deshalb durch lange Brücken ersetzt, die die normalerweise trockenen Flussbetten überspannen.
In vielen der ausgetrockneten Flüsse gibt es ab und zu noch Wasserlöcher, welche wiederum viele Tierarten (heimische und eingeführte) anziehen, die davon wissen. Indische Kühe beispielsweise, sieht man im tropischen Norden Australiens recht häufig.

 

Die allermeisten der wenigen Touristen dieser Region, fühlen sich von der Geikie Schlucht, (Nationalpark) angezogen, durch die sich der Fitzroy River seinen Weg gebahnt hat. Dies ist einer der wenigen Flüsse in den Kimberleys, der auch in der Trockenzeit nicht austrocknet. Die Nationalpark-Verwaltung macht sich diesen Umstand zunutze und bietet ganzjährig Bootstouren an. Obwohl sie nur eine Stunde dauerte, genossen wir diese Bootsfahrt durch die Kalksteinschlucht aufs höchste. Es ist beeindruckend zu sehen, was die Kraft des Wassers in dieser momentan kargen und trockenen Gegend ausgeschliffen hat. Der obere, nun schwarze Teil der Klippen ist diagonal zerfurcht, wogegen der untere Teil, welcher jeweils das Hochwasser bekommt, beige leuchtet und von Löchern und Spalten durchzogen ist. Darin verstecken sich unterschiedliche Tiere, darunter überraschend viele Süsswasserkrokodile. Während das Boot an den Felsen vorbeiglitt, sahen wir immer wieder ein «Freshy» das sich in der Morgensonne aalte.

 

Nachdem wir das Örtchen Fitzroy Crossing gegen Westen verlassen hatten, begegneten wir einem andersartigen «Australischen Monster». Wir hatten gerade am Strassenrand gestoppt, um ein paar grosse Termitenhügel aus der Nähe zu betrachten. Da erschien ein Vorwarn-Fahrzeug mit Blinklicht und einem Warnschild: «Over Size» - Übergrösse. Ihm folgten zwei weitere, solche Fahrzeuge und dann kamen sie: vier Road Trains, beladen mit Teilen mehrerer grosser Minen-Kipplader. Der Sattelschlepper, der den Motor und die Reifen transportierte, hatte selbst schon 54 Räder! Eindrücklich waren auch die Lastwagen, welche die Kippmulden der Minenfahrzeuge mitführten. Ihre Ladung überragte die schon überbreiten Tieflader beidseitig um je zwei weitere Meter.


Derby: es dreht sich alles um Flaschenbäume

 

Je näher wir an Derby kamen, desto mehr Rastplätze waren um uralte, dickbauchige Flaschenbäume angeordnet. Bei den meisten Rastplätzen gibt es keine Mülleimer, dafür grosse Schilder, auf denen klar und deutlich steht, wie weit man ost- bzw. westwärts fahren muss, um den nächsten zu erreichen. Um ein Pick-nick am Strassenrand zu vereinfachen, liegen selten mehr als 220km zwischen zwei Abfalleimern!

 

Nach zwei Nächten im Outback, einer bei einem Road House und einer in Fitzroy Crossing, hatten wir das Gefühl, wieder in die Zivilisation zurückzukommen, als wir die Ortschaft Derby erreichten. Dies ist eigentlich nur ein kleines Dorf mit 3'300 Einwohnern. Davon leben jedoch ein grosser Teil ausserhalb in Aboriginal-Communities und auf Farmen.

Derby liegt zuhinterst am King Sund, dessen Sandbänke bei Ebbe zum Vorschein kommen. Auch im Landesinnern gibt es verschiedene Schwemmgebiete, wo Wasservögel und andere Tierarten heimisch sind. Ausser von geläufigeren Arten, wie Strandläufer, Enten und Ibissen, waren wir auch von bunt schillernden Regenbogenspinten umgeben.

 

Wie Kununurra, benutzt auch Derby gerne das Logo des Flaschenbaums, um den noch bescheidenen Tourismus anzukurbeln. Man hat nicht nur viele Flaschenbäume angepflanzt, diejenigen die natürlich gewachsen sind, haben sogar den Status einer geschützten Baumart erhalten. Wenn ein Boab einem Strassenprojekt in die Quere kommt, muss er umfahren werden.

 

Die Boab- bzw. Flaschenbäume, sind in vieler Hinsicht einzigartig. Obwohl sie mit den Afrikanischen und Madagass-ischen Adansonia-Arten verwandt sind, erreichen Australische Flaschenbäume selten mehr als 15 Meter. Der Stamm des jungen Baumes ist schlank, schwillt aber mit zunehmendem Alter immer mehr an und wird bauchig, häufig auch hohl. Darin können sie einen Wasservorrat für die Trockenzeit anlegen. Von gewissen Boab nimmt man an, dass sie 1'500 Jahre alt seien. Ihre Rinde ist glatt und glänzend, mit einer gräulich bis kupferfarbenen Tönung. Die Äste sind eher kurz und dick und wachsen häufig knorrig verdreht. Vor Beginn der Regenzeit, spriessen Flaschenbäume Blätter und grosse weisse Blüten. In der Trockenzeit fallen die Blätter wieder ab und die Früchte sind reif. Diese haarigen Nüsse sehen fast aus, wie riesige Kiwifrüchte. Die Aborigines verstehen es, aus vielen Teilen des Flaschenbaums etwas Essbares zu machen, nicht nur aus den Früchten. Während der Kolonialzeit musste die Urbevölkerung einen weniger angenehmen Aspekt der Flaschenbäume kennenlernen. Die ersten weissen Siedler missbrauchten Aborigines häufig als Sklaven. Damals wurden im hohlen Stamm eines von Derbys grössten Flaschenbäumen, bis zu 14 Aborigines wie in einer Gefängniszelle eingesperrt.

Zum Glück ist inzwischen vieles anders – wenn auch nur ein wenig. Wir bekamen den Eindruck, dass Aborigines in West-Australien viel eher den westlichen Lifestyle annehmen, als diejenigen weiter östlich. Hier erscheinen sie wohlhabender und wir denken, dies hängt nicht nur damit zusammen, dass sie in West-Australien höhere Kompensationen für ihre Landrechte erhalten. Hier ist es nicht ungewöhnlich, dass Indigene einen Job haben und modernste westliche Kleidung tragen. Genauso wie jeder weisse Australier, mögen auch Aborigines sehr gerne Fish & Chips und wissen genau, wo der frischeste Fisch direkt aus der Fritteuse kommt…


Broome’s Cable Beach: Naturismus gegen Massentourismus

 

Am 7. August 2018 erreichten wir Broome, eine eher unattraktive Stadt mit 14'000 Einwohnern, sowie saisonabhängig, noch tausenden von Touristen. Der Ort besteht aus einer Ansammlung von Häusern und einer Flughafenpiste, die buchstäblich quer durchs Zentrum führt. Broome verdankt seinen Ruhm dem angenehmen Wetter während der Trockenzeit, die praktischerweise zur Zeit des südlichen Winters stattfindet. Dazu kommen fantastische, endlose Sandstrände mit fischreichem, türkisfarbenem Wasser. Am bekanntesten ist wohl Cable Beach. Ihr «normaler Abschnitt» erstreckt sich vom Hauptzugang 5km südwärts. Dort gibt es Rettungsschwimmer und es werden Sonnenschirme und Sonnenliegen zu mieten angeboten.

Bekannter ist der nördliche, 17km lange Teil, welcher als “clothes optional” deklariert ist, d.h. FKK erlaubt ist. Schon vor Ankunft hatten wir mitbekommen, dass der Status der Naturistenzone nun etwas umstritten ist, da Broome inzwischen vom «Massentourismus» erreicht wurde. Das Positive zuerst: Nördlich der Felsen, direkt bei der Zufahrt, ist der Strand immer noch als “clothes optional” deklariert. Der Anteil an Naturisten und die Atmosphäre im FKK Teil hat sich allerdings dramatisch verändert.

Vor 25 Jahren, während unseres ersten Aufenthalts in Broome, zog das Dorf ein vorwiegend alternatives Publikum an, sowohl was die Einwohner betraf, als auch die Besucher. Starker Kaffee, FKK und andere alternative Ideen waren ein untrennbarer Teil von Broome. Am Strandabschnitt, ein paar hundert Meter nördlich der Felsen, war Naturismus die Norm. Als sich der Tourismus langsam zu entwickeln begann, zog er vor allem diejenigen Folks an, die für den alternativen «Vibe» hierher kamen. Fast die Hälfte der anderen Gäste, welche im selben Backpackers wie wir abgestiegen waren, sah man auch am Strand ganz ohne.

 

Autos sind nach wie vor, nur am 17km langen «baden mit und ohne» Abschnitt erlaubt, nicht aber am kleinen, überwachten Textilstrand. Somit hatten echte Australier gar keine Wahl: sie MUSSTEN an den FKK Strand, auch wenn es einige kaum ertragen konnten, dass andere gar nichts tragen. Bei unserem letzten Aufenthalt vor 12 Jahren ist uns aufgefallen, dass die Zahl der 4x4 Fahrzeuge am Strand anstieg. Damals war aber FKK an der Cable Beach immer noch beliebt und wurde auch von Nicht-Naturisten akzeptiert. Natürlich versuchte ausnahmsweise immer wieder mal jemand, geschützt von seiner Auto-Karosserie, einen Schnappschuss von den Nackten zu ergattern. Einmal war Brigitte aufgefallen, dass uns eine Frau heimlich aufnehmen wollte. Brigitte sprang direkt vor sie hin und sagte: «wir haben kein Problem nackt fotografiert zu werden, aber bitte nicht im Verborgenen». Die Frau war so verdattert, dass sie ihre unerwartete Gelegenheit nicht einmal wahrnahm!

 

Während Cable Beach früher von «grauen Nomaden», Backpackern und anderen echten Reisenden dominiert war, sowohl Australiern, als auch Ausländern, ist es heute Otto Normalbürger, der mit seiner Familie nach «sun, fun and nothing to do» sucht. Natürlich hoffen wohl auch diese darauf, ab und zu ein paar Nackte zu sehen. Selbst hätten sie aber nie den Mut, sich ins Naturkleid zu stürzen! Da der FKK Strand nun vorwiegend von Textilurlaubern mit ihren 4x4 Fahrzeugen belegt ist, trauen sich nur noch ganz wenige, hartgesottene Naturisten, sich zu schälen. Diejenigen, die es noch wagen, verstecken sich nun meist in der Nähe der Dünen. Strandspaziergänge macht kaum noch jemand. Ab und zu hilft die Natur nach; die Flut wurde für die Naturisten zu einem Segen. Am schönsten ist Cable Beach wenn das Wasser am höchsten steht, da die Felsen dann nicht mit Fahrzeugen passiert werden können. Zum Glück haben die textilen 4x4 Cowboys vergessen, dass man den Strand auch zu Fuss erreichen kann – ganz im Gegensatz zu den Naturisten, welche den schönen Strand dann für ein paar Stunden ganz für sich alleine haben und auch auf Strandspaziergänge gehen!

 

Auch schöne Sonnenuntergänge und Kamelritte, gehören zu Broome’s Cable Beach. Ein Australisches Naturistenpaar erzählte uns, dass sie gebeten wurden, sich anzuziehen, oder etwas weiter nördlich zu gehen, bis die Kamel-Karawanen vorbeigezogen sind, um die Schulkinder vor dem Anblick nackter Menschen zu schützen. Während unseres Aufenthalts war dies hingegen überhaupt kein Problem, da nur noch Europäische Kinder Schulferien hatten. Für diese ist Nacktheit nichts Besonderes, da Europäische Eltern ihre Kleinen eh lieber nackt am Strand herumrennen zu lassen, als ihnen zu erzählen, wie sündhaft dies sei und die Europäischen Jugendlichen sind von Saunabesuchen und Fernsehen an Nacktheit gewöhnt!

 

Broome besteht natürlich nicht nur aus Cable Beach, es gibt noch weitere schöne Flecken. Auf einem Ausflug zum Gantheaume Point, südlich der Ortschaft, sahen wir wunderschöne erodierte Felsformationen aus mehrschichtigem Sandstein. Vom Aussichtspunkt unterhalb des Leuchtturms erspähten wir an dieser Küste die ersten migrierenden Wale; ein echtes Spektakel!

 

Ganz toll war es auch am Hafen mit seinem langen Anlegesteg. Es ist kein Hafen den man für seine Boote besucht, sondern wegen seiner malerischen Umgebung. Auf der einen Seite gibt es Sandstein in ähnlichen Formen und Farben wie am Gantheaume Punkt, und zur anderen Seite des Piers leuchtet ein roter Sandstrand mit dahinterliegenden, ebenso roten Dünen. Welch ein Kontrast zu den paar Mangroven im türkisblauen Wasser


Port Hedland: eine nette Stadt mit riesigem Eisenerzhafen

 

Nach Port Hedland, unserem nächsten Ziel, waren es mehr als 600km. Weil die Landschaft vorwiegend flach war, verlief die Strasse oft für dutzende von Kilometern schnurgerade. Entlang des Weges gab es zwei Raststätten: Sandfire- und Pardoo Road House. Eines war unser Mittagsstopp und das andere diente zum Abendessen und Übernachten. Unser Zimmer in einem Metall-Container (wie ein Fracht-Container) war klein und weder sauber, noch preiswert. Gemäss Internet-Bewertungen war er aber immer noch deutlich besser, als im anderen Road House!

 

Je weiter westwärts wir kamen, umso mehr blühende Büsche und Blumen säumten den Strassenrand. Bereits bevor wir das Ortszentrum erreichten, begrüsste uns Port Hedland mit einer super Aussichtsterrasse auf einer Brücke, von der man Rundumblick zu den industriellen Aktivitäten erhielt. Geblendet wurden wir im wahrsten Sinne des Wortes von Rio Tintos weissen Salzbergen, die gerade mit Baggern umgeschichtet und auf spezielle Road Trains, mit drei Anhängern, verladen wurden. Die 20-30m hohen Hügel aus extrahiertem Salz, werden vorwiegend für industrielle Zwecke gebraucht, nur ein sehr kleiner Anteil endet als Tafelsalz. Die umliegenden Salzfelder, die in verschiedenen Farben leuchteten, waren nicht minder interessant.

Gerade als wir den Aussichtspunkt verlassen wollten, rollte ein Zug ein und heischte um Aufmerksamkeit. Es war keiner dieser «Zwergzüge», die wir von Europa kennen, sondern ein 2,640km langer Eisenerzzug mit 248 Waggons und 4 Lokomotiven. Das Eisenerz wurde in der 426 Eisenbahn-Kilometer entfernten Mine bei Newman abgebaut und zu grobkörnigem Sand zermalmt. Auf jeden Eisenbahnwagen werden 128 Tonnen Eisenerz verladen, das heisst, jeder Zug transportiert rund 32'000 Tonnen Erz. Heutzutage werden die Züge von einem Kontrollzentrum in Perth ferngesteuert und überwacht.

BHP Billiton ist der grösste Betreiber und lässt jeden Tag über 20 dieser schwerbeladenen Eisenerzzüge verkehren. Zwei kleinere Firmen, Fortescue und Roy Hill betreiben auf anderen Strecken zusammen nochmals etwa die gleiche Anzahl solch langer Züge.

Um den Verlad möglichst effizient zu betreiben, wird der Inhalt der Eisenbahnwagen automatisch auf breite Förderbänder gekippt, welche das Eisenerz direkt in die Frachtschiffe im speziell dafür gebauten Hafen transportieren. Interessierte Zeitgenossen können im Verkehrsbüro eine Tour buchen. An der Hafenpromenade stehen der Öffentlichkeit mehrere gut positionierte Aussichtspunkte zur Verfügung. Von dort konnten wir beobachten, wie die riesigen Schiffe von Pilotbooten aus dem Hafen, oder an die Verlade-Docks, geführt werden.

 

Da die Eisenerzzüge ununterbrochen einfahren, lagen immer etwa 14 Massengut-Frachter auf Standby vor der Küste. Der Einfahrt eines fast 3km langen Eisenerzzuges vom ersten bis zum letzten Waggon zuzusehen, ist schon sehr beeindruckend. Wenn man aber weiss, dass der gesamte Inhalt von bis zu 10 dieser langen Schwergewichts-Züge auf ein einziges Frachtschiff verladen wird, beeindruckt dies noch viel mehr! Jeder dieser Schüttgut-Frachter ist bis zu 330m lang und kann bis zu 300'000 Tonnen Erz aufnehmen (ohne zu versinken). Alleine an den Ladeplätzen von BHP Billiton können gleichzeitig 8 dieser gigantischen Schiffe beladen werden, was jeweils etwa 30-36 Stunden dauert. Insgesamt werden in Port Hedland alljährlich etwa 500 Megatonnen Eisenerz verschifft, der grösste Teil davon nach China.
Obwohl diese Zahlen beeindrucken, ist es vielleicht interessant zu wissen, dass sich in Port Hedland zwar der weltweit grösste Verladehafen für Eisenerz befindet, dass er aber trotzdem nur einer unter mehreren Eisenerz- und Rohstoff-Verladehäfen in Australien ist. Von der globalen Eisenerz-Produktion stammen 37% aus West-Australien, was etwa 97% der Australischen Eisenerz Exporte entspricht.

 

Die Stadt Port Hedland selbst ist zwar nicht unbedingt eine Schönheit, sie nutzt aber ihre Lage am Meer für eine schön gestaltete Esplanade, welche Einheimische und Touristen gleichermassen erfreut. Ein Grossteil der 14'000 Einwohner leben in der Satellitenstadt South Hedland, wo wir uns in einem grosszügig gestalteten Motelzimmer direkt neben verschiedenen Restaurants und einem Einkaufszentrum einquartierten.


Pretty Pool FKK Strand: wirklich pretty und wunderschön

 

Auch Port Hedland verwöhnte uns mit angenehmen Temperaturen so um die 33°C. So ergab es sich fast von selbst, dass wir den lokalen FKK Strand besuchten. Bereits von weitem ist der «Pretty Pool» Strand, mit seinen gezeitenabhängig sichtbaren Sandbänken, eine wahre Augenweide. Der offizielle FKK Abschnitt ist als «clothes optional» deklariert und besonders malerisch. Das Spiel von Ebbe und Flut wertet das Bild noch mehr auf. Man sieht Mangroven, Sanddünen, mit Austern bewachsene Steinbögen, roten, porösen Fels und natürlich einen breiten lieblichen Sandstrand. Natur pur, einfach perfekt für FKK. Alleine für diesen wunderschönen Strand lohnt es sich, zu Naturisten zu mutieren. Den für unser Empfinden warmen Frühlingstemperaturen zum Trotz, hatten wir den Strand vier August-Tage lang fast für uns alleine. Für die Einheimischen ist es am Strand erst angenehm, wenn das Quecksilber auf 40° - 45°C ansteigt. Nur ein anderes Touristen-Paar genoss die Idylle dieser wunderschönen Beach ebenfalls.


Point Samson: ein pittoresk gelegener Küstenort

 

Am 22. August 2018 ging unsere Reise Richtung Dampier/Karratha weiter. Unterwegs stoppten wir nicht allzu oft, machten dafür aber einen Abstecher nach Point Samson. Die gleichnamige Ortschaft an der Spitze der Halbinsel gefiel uns so gut, dass wir spontan nach einem Zimmer fragten, als wir ein B&B Schild sahen. Unser erster Eindruck war goldrichtig und so blieben wir schlussendlich vier Tage. Point Samson ist ein kleiner Ferienort mit nur 225 Einwohnern und einer wunderschönen Lage an der Küste. Während unseres Aufenthalts sah man von der Uferpromenade aus immer wieder Wale. Diese Giganten konnte man oft auch vom schön renovierten, schneeweissen Pier aus beobachten. Wenn wir zu Fuss ausschwärmten, sahen wir oft mehr exotische Vögel, als von so mancher Vogelwarte; dies ist das echte Australien!

 

Point Samson erwies sich auch als perfekte Basis um die Umgebung zu erkunden, darunter die Hafenstadt Dampier / Karratha. Am eindrücklichsten war der Ausflug ins nahegelegene Cossack. Nicht ganz unerwartet, empfanden wir die paar historischen Gebäude, als «so so-la la». Die beeindruckende Aussicht vom "Readers Head Lookout», war hingegen so überwältigend, dass sich der Ausflug absolut gelohnt hat. Zur einen Seite leuchtete das nicht ganz abgelaufene Wasser in der grossen Sandbucht, die nun bei Ebbe frei lag. Die verbliebenen Tümpel sahen nun fast so aus wie glitzernde, geschwungene Bachläufe. Im Hintergrund sah man die grossen Frachtschiffe, die vor der Küste von Kap Lambert darauf warteten, mit Eisenerz beladen zu werden. Weiter draussen im Ozean, zeichnete sich die Insel Jarman mit ihrem Leuchtturm ab. Im Osten erstreckte sich ein goldener, von Mangroven und Salzebenen geflankter Sandstrand bis zum Horizont. Vom 360° Aussichtspunkt kamen weiter die Mündung des Harding Flusses, die Pilbara Hügel im Hinterland, sowie die Häuser von Wickham ins Blickfeld. Genau dorthin gingen wir, nachdem wir im kleinen Café in einem von Cossacks restaurierten Häusern, ein köstliches Mittagessen genossen hatten.


Eisenerz: wie Fels Menschen und Regierungen bewegen kann

 

Wickham ist ein weiterer Ort, welcher zusammen mit dem Abbau, respektive Verschiffen, von Eisenerz entstanden ist. Am Dorfeingang haben Touristen die Möglichkeit, einen der riesigen, ausrangierten Minen-Kipplader zu fotografieren. Wenn man neben diesem gelben Monster steht, realisiert man, dass seine Reifen einen Menschen um das Doppelte überragen. Momentan arbeitet der Minengigant Rio Tinto an einem Projekt, um den Betrieb der neuen, noch grösseren Minen-Muldenkipper zu automatisieren. Diese sollen von einer Kommandozentrale in Perth, 1’500km südlich, ferngesteuert werden, Lastwagenfahrer braucht es dann keine mehr. Bereits voll ferngesteuert sind die 2,4km langen Eisenerzzüge, die auf der 280km langen Strecke zwischen der Mine in Tom Price und dem Verladehafen am Cape Lambert, 5km nördlich von Wickham, pendeln. Mit einer Jahresleistung von 170 Mega-Tonnen (Mt), ist Kap Lambert der drittgrösste Schüttgut-Verladehafen der Welt. Es ist ein beeindruckendes Bauwerk, obwohl seine Kapazität gegenüber dem grössten, Port Hedland, nur einen Drittel beträgt.

 

Rio Tinto ist auch der alleinige Betreiber des Eisenerz-Verladehafens in Dampier, welcher nur wenig kleiner ist, als derjenige am Kap Lambert. Insgesamt stammen 54% der weltweiten Eisenerz-Exporte aus Australien. Da 97% davon aus West-Australien stammen, kommen etwa die Hälfte der Steuereinnahmen dieses Teilstaates ebenfalls aus dem Geschäft mit dem Eisenerz. Wenn also die Chinesische Wirtschaft floriert, floriert auch die Wirtschaft West-Australiens!

 

Viele Minen- und Hafenorte wurden von grossen Rohstoff-Firmen aus dem Boden gestampft. Um ihre Mitarbeiter im öden Nirwana bei Laune zu halten, zahlen diese Firmen nicht nur überdurchschnittliche Löhne, sondern stellen auch viel Infrastruktur, inklusive Freizeiteinrichtungen zur Verfügung. Von Sport- und Spielplätzen, bis hin zu Kinos und Ferienwohnungen. Weiter bauen die grossen Minenfirmen Einkaufszentren und versuchen aktiv Supermärkte und Detaillisten anzuziehen. Um sicherzustellen, dass die Goldgräberzeiten mit ihren Bordellen ein Relikt der Vergangenheit bleiben, versuchen die Arbeitgeber Familien mit Kindern anzuziehen, unter anderem indem sie auch Kinderhorte betreiben. BHP Billiton möchte beispielsweise bis 2025 erreichen, dass sein Personal je zur Hälfte aus Frauen und Männern besteht und zwar von einfachen ArbeiterInnen bis hin zur Direktionsetage.


Onslow: Meer, Salz, Gas, Zyklone, Sonnenunter- und Mondaufgänge

 

Als nächstes führte unsere Reise nach Onslow, einem weiteren kleinen Küstenort abseits der Touristenpfade. Die Anzahl moderner Reihenhäuser entlang der Esplanade, welche hier 1st Avenue genannt wird, war für diesen Ort mit nur 700 Einwohnern beeindruckend. Dies war nicht der erste Ort, an dem uns schöne Neubau-Quartiere und adrette Uferpromenaden auffielen. Allgemein ist der Wohlstand im Norden West-Australiens angestiegen und alles steht nun sauber und gepflegt da.

 

Onslow entstand 1885, mit einem Verladehafen für Schafswolle. Da das Gebiet oft von schweren Wirbelstürmen heimgesucht wird, wurde das ursprüngliche Dorf etwa 20km, an eine etwas geschütztere Bucht, verschoben. An Australiens gesamter Nord- und Nordwestküste muss regelmässig mit Zyklonen gerechnet werden. Am Eingang jeden Dorfes stehen grosse Schilder, auf denen der Zyklonstatus angegeben ist. In jeder Touristen-Unterkunft liegen Merkblätter, die über das richtige Verhalten im Falle eines Wirbelsturmes informieren. Bei hohem Zyklonrisiko, wie es in der Regenzeit auftreten kann, ist jedermann verpflichtet Notvorrat für 5 Tage anzulegen und bis zur Entwarnung im Zimmer zu bleiben. Dann muss das Hotelpersonal zu Hause bleiben und man muss damit rechnen, dass Strassen, sowie Wasser und Elektrizität, unterbrochen werden.

 

Zum Glück hatten wir angenehmes Wetter um die 30°C – weit unter den 40-50°C, mit denen man während 9 Monaten im Jahr rechnen muss! Weiter hatten wir «das Glück», an einer Vollmondnacht hier zu sein. Wie schon etwa 6 andere Orte, welche wir im letzten Monat besucht haben, warb auch Onslow damit, der beste Ort zu sein, um die «weltberühmte» Treppe zum Mond (staircase to the moon) zu beobachten. Sie nennen es ein Phänomen und eine Illusion, wenn das Licht des aufgehenden Vollmondes in den Wasserpfützen der bei Ebbe freigelegten Sandfläche reflektiert. Wer den Touristenbroschüren glaubt, sieht darin eine Treppe zum Mond.
Nun gut; wir waren am Vortag während der Dämmerung an diesem Strand. Der Mond stieg magisch über die Bucht in einen pastellfarbenen rosa-blauen Himmel. Am propagierten «staircase-Tag» hingegen, warteten die Touristen bis es stockdunkel war. Vom roten Mond, den wir schlussendlich aufgehen sahen, blieb nur ein greller Punkt auf unseren schwarzen Fotos. Die Reflektionen auf dem nassen Sand waren, wie sollen wir uns ausdrücken? Eigentlich ganz normal!

 

Wie an so vielen Orten Australiens, macht auch Onslows bestes Restaurant damit Werbung, den besten Kaffee von ganz Australien zu servieren!!! Na ja, der Gebrauch von Superlativen ist im ganzen Land mindestens so weitverbreitet, wie heutzutage gute Espressomaschinen. Wenn man nach dem Nachtessen noch einen guten Kaffee will, ist dies aber eine ganz andere Geschichte. Da das Personal in den meisten, etwas abseits gelegenen Lokalen, vorwiegend aus ausländischen «Working holidayern» besteht, erhält man auf die Frage nach einer Tasse Kaffee, meist eine unverblümte Antwort: «Sorry, die Maschine ist bereits gereinigt. Nach 16h fragt kein Australier mehr nach Kaffee, nur noch nach Alkohol!»

 

Inzwischen verdient man auch Onlow das Geld mit Rohstoffen; momentan sind dies Salz und Gas. Wiederum gab es grosse Verladehäfen, um die wertvollen Rohmaterialien zu exportieren. Erst 2011 begann die Firma Wheatstone LNG damit, von Off-shore Plattformen Gas zu fördern und in einer Anlage an der Küste zu veredeln.

Von der Salzproduktion andererseits, sieht man grosse Trocknungsfelder (Verdampfungsbecken) in verschiedenen Stadien.

 

Als wir Onslow nach zwei Tagen wieder verliessen, kamen wir an zahlreichen grossen «Bauwerken» der Spinifex Termiten vorbei. Nach etwa 60km waren wir zurück an der Fernstrasse Nr. 1 und schon bald wurde die Landschaft wieder etwas hügeliger. Trotzdem blieb die Strasse aber, wie im Grossteil von WA, schnurgerade. Wenn es eine Biegung gab, ging diese weder nach links, noch nach rechts, sondern weiterhin geradeaus, einfach über die Hügel etwas rauf und runter. Etwa alle 20km war die Landschaft von langen roten Sanddünen durchzogen. Immer häufiger konnten wir uns an natur- geschaffenen Blumenbeeten erfreuen. Wie schön, ein weiteres Mal durften wir West-Australiens Wüste blühend sehen.


Exmouth & Cape Range Nationalpark: grandiose Schluchten und Strände

 

Nach weiteren 165 einsamen Strassenkilometern abseits des «North West Coastal Highways», erreichten wir Exmouth am 28. August 2018. Zwanzig Kilometer weiter nördlich mieteten wir eine Hütte auf einem Holiday Park, wie hier Campingplätze mit Unterkünften genannt werden. Er lag an der Spitze des «North West Cape», direkt unter dem Vlaming Head Leuchtturm. Es war nicht so vorgesehen, aber wir blieben schlussendlich 10 Tage, da uns der Cape Range Nationalpark und der nahegelegene FKK Strand so gut gefielen.

 

Bereits am ersten Tag wurden wir von Walen freundlich gegrüsst, und dies gleich über die Strasse unseres Campings. Für ca. 30'000 migrierenden Buckelwale (Humpback) ist Australiens Westküste alljährlich der schnellste Weg von Nord nach Süd. Ebenso regelmässig kommen verschiedene Schildkrötenarten an diese Küste um ihre Eier im Sand zu vergraben.

 

Die Hauptzufahrt zum Cape Range Nationalpark lag etwa 20km südlich unserer Unterkunft. Dank unseres Nationalpark-Jahrespasses, konnten wir ohne Zusatzkosten immer wieder hierherkommen. Die sagenhafte Schönheit dieses Parks zieht so viele Camper, genauer gesagt Wohnwagen- und Wohnmobil-Besitzer an, dass die Stellplätze schon Monate- und gewisse Plätze zu gewissen Zeiten, sogar ein Jahr im Voraus gebucht werden müssen. Das Schild «alle Plätze belegt» stand permanent beim Eingang.

 

Cape Range Nationalpark ist so vielfältig, dass wir gleich vier Mal hierherkamen. Obwohl der Name suggeriert, dass es in diesem Park vor allem um Gebirge geht, trägt der angrenzende Ningaloo Reef Marine Park, mit seinem Korallenriff, viel zur Attraktivität bei. Das Wasser vor Cape Range Nationalparks Stränden ist nicht so ruhig wie in einer Lagune, doch wegen des nahegelegenen Riffs, hat es fast dasselbe tiefblaue Türkis, wie die Lagunen und Atolle des Südpazifiks.

 

Beginnen wir mit dem Landesinnern: mehrere Schluchten sind tief in das Gebirge eingefressen. Oft sieht man rote Felswände um die momentan trockenen Flussläufe. Nur Yardie Creek führt ganzjährig Wasser. Die meisten Schluchten sind von der Westküste her zugänglich. Zwei Abschnitte mit spektakulären Strassen zu einem Canyonrand, sind nur von Osten her zugänglich. Wir nahmen die frisch asphaltierte Charles Knife Road, die entlang schwarzer Kalksteinfelsen zur gleichnamigen Schlucht hochkurvte. Oben hatten wir eine atemberaubende Aussicht über die mehrfarbigen, stark ausgewaschenen Sandsteinwände.

 

Wir hatten auch das Glück, mehrere Tiere zu erspähen, nicht nur Kängurus, sondern auch Emus und sogar ein Echidna (Ameisen- oder Schnabeligel), eine Australische Igelart mit sehr langen Stacheln. Unser Höhepunkt waren kleine Schwarzpfoten-Felskängurus (black footed rock wallaby), die wir in der Mandu Mandu Schlucht sahen. Mit ihren gemusterten Fellen sind sie zwischen den Felsen extrem gut getarnt.

 

Die Meerseite des Cape Range Nationalparks begeisterte uns mit unzähligen, pittoresken weissen Sandstränden und türkisblauem Wasser. Schnorcheln, tauchen und das Schwimmen mit Walhaien gehört ebenfalls zu Exmouths’ grossen Touristenmagneten. Das Ningaoo Riff erstreckt sich von der Spitze des Nordwest-Kaps, 260km entlang der Westküste südwärts. Dieses Saumriff ist genauso schön, aber viel besser zugänglich, als das «Great Barrier Reef», da das Ningaloo Riff oft weniger als 100m vom Ufer entfernt ist. Zudem ist es hier nicht so voll, da die Australische Westküste deutlich weniger Besucher anzieht, als die touristischere Ostküste.

Alljährlich kommen ganze Fischschwärme, Krill, Krabben und ähnliches Kleingetier ans Ningaloo Riff zum laichen. Dies wiederum zieht Walhaie an, die weltgrösste Fischart. Während des Massenlaichens entstehen riesige Laich- und Eier-Wolken, von denen sich der Walhai eine Ergänzung seiner üblichen Plankton-Diät ausnimmt.

 

An einigen Küstenabschnitten gibt es versteinerte Korallen- und Riffteile, die man nun als Stein und Fels wahrnimmt. Wo diese unter Wasser bleiben, gibt es viele See-Igel und Seegurken. Ansonsten sind die türkisblauen Strände von feinem weissem Sand dominiert, der sich ab und zu als Dünen bis ins Hinterland erstreckt.

 

Mauritius Beach: ein türkisblauer Naturisten-Strand


Unser Lieblingsstrand ausserhalb von Exmouth, war die als «clothes optional» deklarierte Mauritius Beach, nur ein paar Kilometer von unserer Unterkunft entfernt. Da dieser schöne, lange FKK Strand kaum Besucher anzog, bot er denjenigen, die sich auszogen, sehr viel Platz. Wie oft an der Westaustralischen Küste, gibt es auch hier ab und zu Kalksteinfelsen zwischen dem Sand und dem türkisblauen Wasser. Ab und zu konnten wir Wale, oder Schildkröten direkt vom Ufer aus beobachten, was so richtig spannend war!

 

Weniger spannend waren die Royals, die immer wieder zu Besuch kamen, genau gesagt meinen wir die «königlichen Australischen Fliegen». Dutzende von ihnen hatten das Gefühl, dass es spassig sei, unsere nackte Haut als Landebahn zu gebrauchen! Anziehen half nichts: dann krochen diese kleinen Viecher einfach in Körperöffnungen, wie Mund, Ohren und Nase! Auch wenn wir zusammen mehr als 100 dieser lästigen Fliegen anzogen, wussten uns die Einheimischen zu trösten, dass es in der «Fliegen-Hauptsaison» noch um ein Vielfaches mehr sein werden! Wir hoffen natürlich, dass es auch stimmt, dass die Fliegen nach ein paar Monaten, schneller als sie gekommen sind, wieder abziehen!

 

Coral Bay: der Name sagt schon alles


Am 7. September 2018 fuhren wir von Exmouth 150km südwärts zum kleinen Touristenort Coral Bay. Obwohl wir rund um Exmouth schon sehr verwöhnt wurden, empfanden wir Coral Bay, wider Erwarten, auch wieder sehr charmant. Bereits die Strandspaziergänge entlang des türkisfarbenen Wassers waren wiederum wunderschön. Der puderweisse Sandstrand wurde von verschiedenfarbigen Sanddünen und Abschnitten mit rötlichen Kalksteinklippen gesäumt. Zwischen den Felsen fanden wir mysteriöse Spuren im Sand. Einmal hatten wir das Glück den Verursacher zu sehen: eine wunderschön gemusterte grosse Echse, ein Goanna bzw. Monitor Lizard. Vögel gab es dagegen in Hülle und Fülle: Möwen, Strandläufer, Kormorane, Seeschwalben und viele mehr. Vor Sonnenuntergang konnten wir einen Pelikan beim Fischen im seichten Wasser beobachten. In weniger als 10 Minuten, fing er sich ein reichhaltiges Abendessen aus einem guten Dutzend Fische, indem er blitzschnell seinen Kopf verdrehte und mit seinem Schnabel geschickt nach der Beute schnappte. Die Fische zappelten immer noch im Kehlbeutel, bevor sie verschluckt wurden.

 

In Coral Bay gibt es unzählige Tourenanbieter. Es werden verschiedene Bootsausflüge angeboten um Wale, Walhaie und Delfine zu sehen. Auch Schnorchel- und Tauchtouren, sowie Ausflüge mit Glasboden-Booten stehen im Angebot. Brigitte genoss es schnorcheln zu gehen, was man direkt vom Strand aus machen kann, da sich das Ningaloo Riff hier in Ufernähe befindet. Dank dem die Strömung Richtung Ufer zieht, ist es auch sehr sicher. Die intakten Korallen waren vorwiegen violett oder braun. Es gab zwar keine grosse Artenvielfalt, dafür sehr beeindruckende Hartkorallen; riesige Rosetten, mit bis zu 5m Durchmesser, dann solche die wie grosse Köcher aussahen und auch Hirschgeweihkorallen.

 

Als wir von Coral Bay südwärts fuhren, überquerten wir bald den Südlichen Wendekreis, was praktisch heisst, dass die Regenfälle nun wieder gleichmässig(er) übers Jahr verteilt sein sollten. Die Zeiten der sintflutartigen Regenfälle, die mit Monaten ohne einen Tropfen Niederschlag abwechseln, sollten nun vorbei sein. Entlang der Hauptstrasse hatte es aber noch viele, der bis zu vier Meter hohen Flut-Indikatoren. Das Wetter blieb nach wie vor sonnig und trocken. Da es aber in den letzten Wochen ab und zu geregnet hatte, begannen immer mehr Wildblumen zu spriessen.

 

Canarvon: nicht nur Flower- auch Gemüse- und Frucht-Power


Während wir uns Carnarvon, unserem nächsten Ziel näherten, kündeten grosse Tafeln am Strassenrand an, dass wir in eine Agrar-Region kommen. Damit sich Pflanzen-Schädlinge und Krankheiten nicht ausbreiten können, sind Quarantäne-bestimmungen zu befolgen. Deshalb wird man freundlich gebeten, eventuell mitgeführte organische Lebensmittel entweder zu essen, oder zu entsorgen. Wir hatten zwar nichts Grünes, aber viel Oranges dabei, und so stopften wir uns mit Mandarinen.

 

Dank Australiens vielfältigem Klima, wird der Grossteil der Früchte und Gemüse, welche in den Supermärkten angeboten werden, im Land selbst angebaut. Hier in Carnarvon verdienen sich die Farmer ihre Brötchen mit dem Züchten von Bananen, Melonen, Kern- und Steinobst, aber auch Tomaten und anderem Gemüse.

Obschon dieses weite Land vorwiegend trocken und karg ist, gibt es in Australien auch Regionen, wo das Klima perfekt ist um Kartoffeln, Salat, Avocado und viele andere Gemüse, genauso wie Äpfel, Trauben, alle möglichen Beerensorten, Kiwis, Ananas, Mangos, Mais, Korn und sogar Reis und Kaffee anzubauen.

 

Das Dorf Carnarvon liegt an einem pittoresken Platz an der Gascogne Mündung. Die beiden vorgelagerten Inseln, Babbage und Whitlock, dienen als natürlicher Schutz des Hafens. Auf beiden gibt es schöne Spazierwege und sie sind sogar über einen Damm und eine ausgediente Eisenbahnlinie miteinander verbunden. Vor 200 Jahren benutzte man diese Eisenbahn und Carnarvons Hafen um Wolle und Rinder zu verschiffen. Heute erinnert ein Museum neben dem ehemaligen Bootssteg an die Geschichte dieser Epoche.

 

 

Shark Bay: wo ausser uns alle hinpilgern, um Delfine zu sehen


Am 11. September 2018 fuhren wir, entlang weiterer, von Wildblumen gesäumter Strassen, nach Denham. Das Dorf liegt 130km abseits der Hauptstrasse am Ende einer langen fingerförmigen Halbinsel in der Shark Bay. Obwohl wir ohne Reservation ankamen, half uns das Internet eine gute und preiswerte Unterkunft zu finden. Für 80 AUD (€ 55) erhielten wir eine Ferienwohnung mit zwei Schlafzimmern, und dies nur 50m vom Strand. Sie war zwar nicht brandneu, aber 40$ günstiger, als unser Zimmer mit Bad im Backpackers in Coral Bay. Hier hatten wir nun die perfekte Basis um die Shark Bay zu erkunden.

 

Wir überliessen die Hauptattraktionen Moneky Mia mit seinen Delfinen und die als Stromatoliten bekannten fossilen Steine den Touristenmassen, da wir beides schon vor langer Zeit gesehen hatten. Hingegen besuchten wir die Little Lagoon, Eagle Bluff, Whalebone Bay und Shell Beach, ein Strand aus winzigen Muscheln, statt Sand. Einige Meter unter der Oberfläche sind die Muschelschalen der Fragum Cockle so stark komprimiert, dass ganze Muschelblöcke als Baumaterial herausgesägt wurden, um Häuser zu bauen, wie z. B. unsere Unterkunft.

 

An allen Stränden war das Wasser wiederum türkisblau, auch entlang Denhams schöner Esplanade. Auf dem Pier trockneten die Kormorane ihre Flügel und im kristallklaren Wasser sah man dunkle Stellen mit Seegras. Dies ist das Futter der Seekuh, Dugong. Laienhaft beschrieben, entspricht das Aussehen dieses Säugetiers in etwa einer Kreuzung zwischen Seehund und Delfin.

 

Nach 5 Tagen in Denham nahmen wir die 380km durch das Nichts nach Kalbarri unter die Räder. Auch hier war es alles andere, als eine langweilige Fahrt, eher eine Kumulation von Höhepunkten. Das Tierreich wartete ganz ungeduldig am Strassenrand, um uns begrüssen zu dürfen. Am erwähnenswertesten waren Thorny Devils, Adler, schwarze Cockatoos und Emus. Zudem sahen wir Zuchtschafe beim Weiden in einem Meer von violetten Blumen, und verwilderte Ziegen in einem Meer von gelben Strohblumen. An das Fahren entlang verschiedenfarbiger Blumenteppiche haben wir uns inzwischen schon gewöhnt, an das Kreuzen von, mit Häusern beladener, Sattelschlepper hingegen nicht. Die Landschaft ist inzwischen deutlich grüner und Büsche oder Bäume deutlich grösser geworden. Etwa 20km vor der Abzweigung nach Kalbarri machte das Buschland Knall auf Fall Platz für Farmland.

 

Kalbarri: ein “Surf & Turf” Nationalpark voller Blumen


Unser nächstes Ziel war Kalbarri, ein Dorf, das wir wegen seines gleichnamigen Nationalparks besuchten. Er besteht aus zwei Abschnitten: der «Turf» Teil liegt im Landesinnern und schmiegt sich um die Schlucht des Murchinson River. Der «Surf» Teil andererseits, schmiegt sich südlich der Ortschaft Kalbarri entlang der Küste. Beide Sektionen sind so unterschiedlich und vielfältig, dass jede für sich alleine einen Nationalpark hergeben würde. Jetzt im Frühling strotzen beide mit unglaublich vielen Wildblumen und natürlich auch vielen Tierarten, welche sich an den Blumen, und später den Samen, als willkommene Ergänzung ihrer Nahrung erfreuen. Wo immer wir am Strassenrand anhielten, fanden wir wiederum ganz unterschiedliche Wildblumen. Die grössten Blüten waren oft an Bäumen und die winzigsten sprossen z.T. direkt aus dem Sand. Wir machten mehrere hundert Makroaufnahmen und waren immer wieder über die vielfältigen Formen überrascht. Vor allem beeindruckt haben uns die sogenannten Känguru- und Katzenpfötchen, die kurzblättrige Starflower, die rosa und gelbe Verticordia, mit ihren fedrigen Blütenblättchen, oder die Wollkugeln der Lambswool, mit ihren blauen Äuglein.

 

Was Tiere anbelangt, war die aussergewöhnlichste Kreatur, die wir antrafen, der kleine Dornenteufel (Thorny Devil/Moloch horridus), eine stachelige ~9cm lange Echse. Dieser warzige Mini-Saurier ist dank seiner einzigartigen, gräulich-braun-grünen Musterung, extrem gut getarnt, egal ob auf der Strasse, oder im rötlichen Sand. Er ist sehr schwierig zu finden, aber sehr einfach zu fotografieren, da der kleine Dornenteufel erstarrt, wenn sich ihm ein mutmasslicher Feind, oder auch nur ein Tourist nähert.

 

Unsere Entdeckungstour startete mit den Aussichtspunkten hoch über dem Murchison River. Der Inland-Abschnitt des Nationalparks ist über zwei Zugangsstrassen erschlossen. Kein Aussichtspunkt liegt aber näher als 35, momentan blumige Kilometer vom Dorf Kalbarri entfernt. Nicht nur, dass die Sicht über die Schlucht von jedem Aussichtspunkt aus atemberaubend ist, es ist auch lohnenswert in die Wanderschuhe zu steigen, um von den vielen schön angelegten Wanderwegen zu profitieren. Im Allgemeinen ist in West Australiens Nationalparks eine sehr gute Infrastruktur vorhanden. Ausser hervorragenden Zufahrtstrassen und Wanderwegen, gibt es auch Toiletten, beschattete Picknick Plätze und Parkmöglichkeiten für jede Art und Grösse von Fahrzeugen. Es wird sicherlich deutlich mehr investiert, als durch Eintritte eingenommen wird. Ein Aussichtspunkt war gerade geschlossen, weil er zum spektakulärsten Lookout des Parks umgebaut wird: «Kalbarri Sky-walk». Ein AUD 20 Mio. Projekt (€ 12.5 mio.) wird Besuchern die einzigartige Möglichkeit geben, in luftiger Höhe 25 Meter über den Klippenrand hinaus zu gehen. Diese überstehende Terrasse wird wohl Liebhaber aussergewöhnlicher Architektur ebenso begeistern, wie Besucher, die Nervenkitzel brauchen, und natürlich Naturfreunde.

 

Weniger prickelnd, aber ebenso atemberaubend, ist der Küstenabschnitt des Kalbarri Nationalparks. Die vielschichtigen rötlichen Felsklippen, hoch über dem Indischen Ozean, gehörten schon bei unserem letzten Besuch, zu Brigittes Favoriten. Am eindrücklichsten, erst recht kurz vor Sonnenuntergang, fanden wir die Vistas bei Eagle Gorge, Island Rock und über den Felsbogen «Natural Bridge». Erneut wurden viele Abschnitte durch «boardwalks» (Plankenwege) erschlossen. Für diejenigen die Zeit haben, lohnt es sich aber alleweil die Wanderschuhe anzuziehen, um auch die weniger luxuriös erschlossenen Gegenden zu erkunden.

Die 10 weitschweifenden Küsten-Aussichtspunkte des Kalbarri Nationalparks liegen nur ein paar Kilometer ausserhalb der gleichnamigen Ortschaft. Von allen geniesst man phantastische Aussichten und selbst die Küstenlandschaft vor Kalbarri’s Promenade, ist aussergewöhnlich schön. Da wir vier Tage bleiben konnten, hatten wir genug Zeit, die von Sandbänken und tosenden Wellen flankierte, türkisfarbene Bay vor diesem Ferienort zu bewundern. Wenn man bedenkt, wie ruhig die Lagune war, war die Wucht der Brecher noch bemerkenswerter.

 

Zurück zur Zivilisation: zu Ortschaften mit Herz und Seele


Nur 50 Kilometer südlich von Kalbarri erreichten wir die Hutt Lagoon bei Port Gregory. In Touristenbrochüren wird dieser Salzsee als «Pink Lake» angepriesen. Für die rosa Färbung ist die Alge »dunaliella salina» verantwortlich. Sie ist die Hauptnahrung der Salinenkrebse (Brine Shrimp), welche ihrerseits wieder verschiedene Wasservögel ernähren, wie z.B. Stelzenläufer. Die rosa Alge wird wegen ihres Beta Karotins, das als Lebensmittelfarbstoff und für Kosmetik verwendet wird, kommerziell geerntet.

 

Schon bald trafen wir in Northampton ein, für uns seit langem das erste, geschichtsträchtige Dorf, mit einem sichtbaren Ortszentrum. Nach den vielen modernen und funktionellen, aber oft seelenlosen Siedlungen, welche entweder als Minen-, Plantagen-, oder Touristenorte entstanden sind, war Northampten wieder eine Ortschaft mit einem Herz und einer Seele. Neben den historischen Gebäuden im Dorfzentrum, waren auch etwa 50, von Künstlern geschaffene Schafs-Skulpturen augenfällig.

 

Als wir Geraldton, etwa 50km weiter südlich erreichten, waren wir definitiv zurück in der Zivilisation. Mit 40'000 Einwohnern war dies schlussendlich wieder einmal eine richtige Stadt. Der grosse Industriehafen hat dem Charme der Uferpromenade keinen Schaden zugefügt. Hier befinden sich die Einkaufszentren wieder in den Vororten und das Stadtzentrum wird von Detaillisten, Boutiquen und Restaurants dominiert. Hier logierten wir im angenehmen Geraldton Backpackers, direkt im Zentrum.

 

Das Internetzeitalter hat das Reisen für Langzeit-Urlauber und Rucksacktouristen im Generellen, enorm verändert.
Während unserer letzten Reise vor 12 Jahren gab es in ganz Australien reichlich Auswahl an Jugendherbergen und Backpacker’s Hostels, und wir konnten meist ohne Reservation ein gutes und preiswertes Zimmer ergattern. Die Wochenenden waren überhaupt kein Problem, da viele Hostels keine Einheimischen aufnahmen, weil sich zu viele Australier primär von Alkohol ernährten… Die Zeiten der «international hostels» sind inzwischen aber vorbei. In Gebieten mit einem beschränkten Angebot werden preiswerte Zimmer, und sogar Schlafsaal-Betten, Wochen, wenn nicht sogar Monate im Voraus weggebucht. In Gebieten mit einem grossen Angebot hingegen, macht es das Internet einfach, die Preise zu vergleichen und dadurch wurden die Tarife im Allgemeinen viel konkurrenzfähiger. Als Konsequenz sind, vor allem in ländlichen Gebieten, viele Backpacker’s Hostels verschwunden. In urbanisierten Gegenden, auf der anderen Seite, konnten wir dank des Internets oft spontan und ohne Vorausbuchung ein recht gehobenes Motel-Zimmer, oder sogar eine kleine Ferienwohnung finden, und mussten dafür weniger hinblättern, als für ein kleines Zimmer in einer Jugendherberge.

 

Wüsten und Dünen: mysteriöse Welten im und aus Sand


Da wir wegen eins langen Wochenendes vorausbuchen mussten, gab es in Geraldton leider nur zwei Nächte. Unterwegs schauten wir uns noch in den Küstenorten Dongara und Port Denison um, bevor wir ins Landesinnere zum Western Flora Caravan Park bei Eneabba abbogen. Dieser Campingplatz zieht das Volk mit seinen informativen Touren an, bei denen die «Wildflowers» erklärt und zudem unter einem Elektronenmikroskop, detailliert gezeigt werden. Sehr ansprechend ist auch das 12km lange Wanderwegnetz, da sich der Campingplatz inmitten eines Naturreservats befindet.

 

Zurück an der Küste, folgten wir dem «Indian Ocean Drive» und besuchten mehrere wunderschöne Aussichtspunkte und Strände. Wenn nicht gerade Queen’s Birthday gefeiert worden wäre (das zweite Mal in 4 Monaten), wären wir wohl an den meisten Orten ganz alleine gewesen. An diesem Wochenende hingegen, standen an vielen Stränden dicht gedrängt die Wohnwagen der Stadtbevölkerung von Perth, welche vom warmen Frühlingswetter profitierte.

 

Als wir am 23. September 2018 Cervantes erreichten, bezogen wir ein, für uns unvernünftig, grosses Ferienhaus. Es war leider nur diese eine Nacht verfügbar, aber dennoch billiger, als das Motel im Ort.

 

Nun befanden wir uns in der Nähe des Nambung Nationalparks, welcher besser als «Pinnacle Desert» bekannt ist. Wir besuchten diesen mystischen Ort gleich zweimal – zuerst vor Sonnenuntergang und nochmals am nächsten Tag. Zehntausende individuell geformter Felssäulen ragen dort aus der goldenen Sandwüste. Über einen schmalen, 4km langen Weg aus gepresstem Sand, dürfen Pkws durch diese Landschaft voller Kalksteinsäulen fahren. Lohnenswerter war es, das Auto in einer Ausstellbucht stehen zu lassen und die Pinnacles zu Fuss zu erkunden. Ihre Formen und Grössen sind sehr unterschiedlich. Die kleinsten ragen kaum aus dem Sand, während die grössten bis zu vier Meter hoch sein können. Auch der Durchmesser kann im Bereich von mehreren Centimetern, bis hin zu mehreren Metern liegen. Einige Pinnacles sind oben abgerundet und sehen sehr stabil aus, andere wiederum machen einen zerbrechlichen Eindruck und sind am Zerbröseln. Sogar die Farben sind unterschiedlich; die allermeisten sind gelblich, einige eher weisslich, oder auch eher schwarz, und ein paar andere sind mehrfarbig geschichtet. Die Wissenschaftler sind sich nicht einig wie die Pinnacles entstanden sind, und es sieht alles auch wirklich sehr mysteriös aus!

 

Wir haben erfahren, dass sich die Pinnacle Wüste bis nach Lancelin erstreckt und teilweise (immer noch) von Wander-dünen überdeckt ist. Die Australischen Boys lieben es, mit ihren 4x4 Fahrzeugen über die gigantischen Dünen zu fahren. Auch die grossen Warntafeln, mit den Telefonnummern der Abschleppfirmen, halten sie nicht davon ab. Bei den grossen, weissen Sanddünen von Lancelin ist «Fun in den Dünen» kommerzialisiert worden. Die meisten Besucher fahren auf Sand wohl etwas vorsichtiger, wenn sie ihr eigenes Fahrzeug verwenden. Mit Mietfahrzeugen ist dies aber eine ganz andere Geschichte. Nicht nur Sand-Boards, sondern auch Quad-Bikes und eine Art, speziell für Dünen entworfene Rennwagen, stehen für «Thrillrides» zu mieten bereit. Da die steilen Dünen als «Crown Land» deklariert sind, d.h. der Öffentlichkeit gehören, gibt es leider auch keine Beschränkungen, wo die Piloten dieser Rennfahrzeuge wie gesengte Schweine herumrasen dürfen. Ein paar Mal fühlten wir uns deswegen beim Herumkraxeln in diesen Dünen nicht mehr so wohl.

 

Lancelin entstand als Ferienort für die Stadtbevölkerung von Perth, das nur 120km südlich liegt. Noble Ferienhäuser sieht man überall. Nicht wenige Cafés und Restaurants warten darauf, die Urlauber vor und nach den Strandbesuchen zu verpflegen. Auch hier ist das Wasser so erstaunlich türkisblau, dass man sich kaum sattsehen kann. Der Ausblick wird durch kleine Inselchen, wovon eine regelmässig Seelöwen anzieht, noch aufgewertet. Da oft ein starker Wind weht, zieht dieser faszinierende Küstenabschnitt auch Kite-Surfer an. Für die längste Zeit beobachteten wir einen dieser Teufelskerle, der könnerisch mit seinem Board zum Teil hoch aus den Wellen sprang.

 

Unser letztes Ziel vor Perth war der Yanchep Nationalpark. Er ist attraktiv gestaltet um die Familien aus der Stadt anzuziehen. Während in den Nationalparks im Norden in den Besucherzentren kaum mehr, als Souvenirs und vielleicht ein Eis verkauft wurde, gibt es im Yanchep Nationalpark verschiedene Lokale, die Snacks und ganze Mahlzeiten anbieten. Mittels geschickter Massnahmen wird sichergestellt, dass Koalas (und andere Tiere) in der Nähe der Holzstege und Fusswege bleiben. Uns kam Yanchep eher wie ein Tier- und Naturpark, als wie ein Nationalpark vor.

 

Perth: city of …..


As ... ...

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