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Reisetagebuch Kapitel 12 [November 2005 - Juni 2006] als PDF
(Neuseeland)

Neuseeland
Fotos: Neuseeland Nordinsel - Neuseeland Südinsel

Neuseeland/Aotearoa, das Land der langen weissen Wolke

Am 12.11.05 trafen wir wiederum in Neuseeland ein und kehrten nach Auckland in die Jugendherberge zurück, in der wir bereits 3 Tage vor unserer Vanuatu Reise verbracht hatten. Die ganze erste Woche waren wir noch damit beschäftigt unsere Fotos von Vanuatu zu sortieren und unseren Reisebericht zu verfassen. Nicht nur das Lesen dieser langen Stories beansprucht viel Zeit, was glaubt Ihr, wie viel Zeit braucht es erst um sie zu schreiben?

 

Die Stadt Auckland liegt auf einem schmalen hügeligen Landstreifen zwischen zwei natürlichen Häfen; der westliche öffnet sich hin zum tasmanischen Meer gegen Australien, der östliche zum Pazifischen Ozean. Auckland nennt sich "the city of sails" was darauf anspielt, dass an jedem halbwegs schönen Tag hunderte Segelboote von hier aus in See stechen, was der konstant blasende Wind noch unterstützt.

Auf den Jahrtausendwechsel hin hat die Stadt mit dem 328 Meter hohen Skytower ein neues Wahrzeichen erhalten.

 

Die Jugendherberge in der wir uns eingenistet hatten, lag direkt neben dem Stadtzentrum. Dieses Viertel war ebenfalls sehr beliebt bei Studenten aus ganz Asien und deshalb gab es da auch unzählige kleine billige Gaststätten deren Angebot fast jedes Land zwischen Indien und China representierte. Vor allem in japanischen und koreanischen Lokalen sprach das Personal kaum Englisch, was aber normalerweise kein Problem war, da die Kundschaft zum grössten Teil aus (Sprach-) Studenten bestand, welche aus demselben Land stammten wie der Wirt - bloss mit uns mussten sie Hände und Füsse zu Hilfe nehmen.

 

Einige Gemeinsamkeiten mit Australien waren kaum zu übersehen: wie z.B. die vielen Ladenketten und Firmen die hier ebenfalls ihre Filialen betrieben.

Wie in den meisten australischen Grosstädten stellte auch Auckland gratis Busse in der Innenstadt zur Verfügung und jedes öffentliche Gebäude war konsequent zur Nichtraucherzone erklärt worden. Dies galt auch für alle Unterkünfte und Restaurants, oft sogar für die Gartenwirtschaft.

 

Wir bekamen den Eindruck dass die Kiwi's (Neuseeländer) viel strikter waren, wenn es darum ging Regeln und Gebote einzuhalten, als die Australier. Das für OZ übliche "it's all right Mate" (schon gut Junge) hörten wir hier eher selten. Jeder Mitgliederausweis oder was auch immer, wurde hier gewissenhaft kontrolliert. Einige Arbeitsabläufe erschienen uns sehr bürokratisch und altmodisch, genau wie ihre Büroeinrichtungen und sanitäre Apparaturen nicht gerade auf dem neuesten Stand der Technik waren. Sowohl Strassen als auch Gebäude waren nicht immer so gut unterhalten wie auf der anderen Seite des tasmanischen Meeres. Hier gab es Brücken an denen Rost und Holzwurm schon so stark genagt hatten, dass wir uns beeilten sie zu überqueren, da wir keine Lust hatten herauszufinden, ob die Holz- oder die Eisenteile zuerst einstürzen.

Neuseeland's Wirtschaft geht es nicht all zu schlecht, aber sie hinkt der australischen deutlich hinterher. Ganze Vororte werden am Stück neu aus dem Boden gestampft. Die Häuser in diesen Quartieren sehen genauso aus, wie in Australien. Oft sind es Holzkonstruktionen, welche mit einer dünnen Backsteinschicht aussenrum versehen sind. Aeltere Häuser dagegen, wurden meist voll und ganz aus Holz gebaut und wir finden diese eigentlich ansprechender. Oft wurden sie auf Stelzen gestellt, da sie dadurch Erdbeben besser überstehen können.

 

Mit 1,2 Mio. Einwohnern ist Auckland die grösste Stadt, aber sie hat ein deutlich grösseres Verkehrschaos als australiens 5 Grosstädte. Was alles noch viel schlimmer macht: viele Kiwis fahren wie die Henker, inklusive der Fahrer der Stadtbusse. In dieser Hinsicht sind die Neuseeländer die Deutschen der Südsee (sorry Onkel, wir meinen nicht Dich).

Aber wir können den Busfahrern auch ein Kränzchen winden. Sie waren immer sehr hilfrech und falls keine Polizei zu sehen war, setzten sie uns oft direkt vor der Tür ab. Im grossen und ganzen war Auckland zwar nicht eine so fussgängerfreundliche Stadt, aber in einer Hinsicht könnte sich die ganze Welt ein Beispiel an ihr nehmen: wenn an einer Kreuzung die Ampeln für Fussgänger auf grün geschaltet werden, konnte die Kreuzung fast überall auch diagonal überquert werden, kreuz und quer.

 

Von all den Touristen mit denen wir sprachen, fand keiner Auckland sei der Höhepunkt, aber alle waren vom Rest des Landes begeistert. Von Anfang an war uns klar, dass die drei Monate Aufenthaltsgenehmigung, die wir bei unserer Ankunft in die Pässe gestempelt gekriegt hatten, bei weitem nicht reichen würden und so beantragten wir sogleich eine Visumsverlängerung. Obwohl Neuseeland das einzige Land war, wo störrisch darauf bestanden wurde, dass wir uns vor der Einreise ein Ausreiseticket kauften (so nahmen wir halt einen rückvergütbaren Flug nach Brisbane), war es sehr einfach das Visum zu verlängern. Es ist zwar normal dass die Bearbeitung des Antrages 2-3 Wochen in Anspruch nimmt, dafür wurde dann aber der Bescheid sofort per Kurier an die angegebene Adresse zugestellt.

Die beantragten 9 Monate wurden uns bewilligt und zudem wurden wir im Brief darauf hingewiesen, dass wir noch 3 weitere Monate beantragen könnten und was die Formalitäten wären, falls wir hier einwandern möchten. Es scheint uns, dass sie ziemlich scharf darauf sind, ihre 4 Mio. Einwohner noch um neue Einwanderer zu erweitern. Ihre Zielgruppe sind aber sicher eher die Arbeitswilligen und nicht Globetrotter.

Neuseeland hat einen sehr fortschrittlichen Umgang mit gleichgeschlechtlichen oder unverheirateten Paaren. Die 85 Dollar (Euro 48) Antragsgebühr schliessen Antragssteller/in, Partner und eventuelle Kinder mit ein.

 

Nachdem uns nun genügend Zeit zum Reisen zur Verfügung stand, mussten wir uns noch nach einer passenden Transportmöglichkeit umsehen. Da wir weder fliegen noch segeln können, entschieden wir uns wiederum für ein Auto, genauso wie ganze Flugzeugladungen voll anderer Touristen die um diese Zeit eintrafen.

 

Modelle und Namen waren hier schon wieder unterschiedlich zum Rest der Welt aber wenigstens waren wir mittlerweile ja  erfahren genug waren, auf der "falschen Seite" der Strasse zu fahren. Die meisten Kiwis fahren Wagen mit automatischem Getriebe, aber wir favorisierten ein handgeschaltetes Gefährt. Wir fanden es toll, dass es hier wöchentlich mehrere Automärkte gab, wo sich private Käufer und Verkäufer finden konnten. Wir merkten jedoch bald, dass die meisten Anbieter nur geldhungrige unlizenzierte Händler waren, welche einem weismachen wollten, dass sie das Auto ihrer Schwester, ihres Bruders/Onkels, eines abgereisten oder gar verstorbenen Verwandten verkaufen wollten. Natürlich hatten die meisten dieser herausgeputzten 10-20 Jahre alten Gefährte kaum mehr als 120'000 km auf dem Tacho und sowohl der motor, als auch die Reifen waren meist neu (eingefettet). Wir haben Autos gesehen, bei denen nicht nur der Motor, sondern auch die Batterie und sogar die ganze Karosserie liebevoll mit Öl eingestrichen worden war, dass es nur so glänzte.

 

Wir verzagten aber nicht, es gab nämlich auch noch Versteigerungen für Gebrauchtwagen. Dies gab einen weiteren interessanten Einblick in die Maffia der Autohändler. So erkannten wir z.B. einen sogenannten Privatverkäufer, der uns am Vortag eine "alte Schwarte", welche er im Hostel inseriert hatte andrehen wollte. Viele dieser Vaganten waren hierher gekommen um sich für 200-300 $ die noch knapp fahrbaren Schrotthaufen zu ersteigern. Nachdem sie die offensichtlichsten Beulen und Mängel kunstvoll kaschiert haben, versuchen sie die nun veredelten Stücke für 1-3'000 $ mehr zu verhökern.

 

Vielleicht war es besser sein Glück in der Zeitung zu suchen. Die Schlitzohren inserierten natürlich auch hier, aber dazwischen gab es auch ab und zu eine ehrliche Privatperson, die versuchte ihren fahrbaren Untersatz an den Mann zu bringen. Die guten Fahrzeuge welche zu einem günstigen Preis angeboten wurden, gingen weg wie frische Brötchen und waren meist bereits verkauft bis wir anriefen. Ein paar konnten wir aber trotzdem noch besichtigen, was wiederum eine spezielle Erfahrung war!

Derjenige Wagen der uns von der Mitarbeiterin einer Botschaft angeboten wurde, war bei weitem nicht der schlimmste. Aussen war er voll von Kratzern und inwändig sah er aus wie ein Mülleimer. Hingegen derjenige der uns von einer biederen Hausfrau angeboten wurde, sah inwändig sogar aus wie eine echte Müllhalde. Auswändig sah der Lack so aus, als ob er nie gewaschen worden wäre und der Motor war von so einer Staubschicht bedeckt, dass er kaum sichtbar war. Als uns ihr Mann zu einer Probefahrt einlud, setzte er sich unzimperlich auf den ganzen Berg von Papier und Abfall drauf. Für uns Hinweis genug, dass der Wagen wohl genau so gewartet worden war.

Aber wie immer gaben wir nicht auf, und wollten unbedingt die Nadel im Heuhaufen finden. So nahmen wir ein zweites Mal den Zug und fuhren zum "grossen Schwartenmarkt" in Ellerslie. Mit viel Glück fiel uns unter den vielen Vaganten eine Mutter mit ihrem Kind auf, die ihren Kombi für 4'500 $ anbot. Sie war eine Ausnahme unter den Autobesitzern nur schon weil sie die Belege für ausgeführte Wartungsarbeiten vorweisen konnte. Wir fanden zwar, dass der Preis etwas höher lag als wir uns vorgestellt hatten, fragten aber trotzdem nach ihrer Telefon Nummer. Da wir im Nachhinein nichts Besseres fanden, riefen wir sie zu Hause an und konnten das noch gut erhaltene Gefährt schlussendlich für 3'300 $ (1'880 Euro) erwerben. So wurden wir also die neuen Besitzer eines grünen Ford Telstar 1994, welcher wirklich erst 136'000 km auf dem Tacho hatte und diese konnten nachgewiesen werden. Die Vorbesitzerin, welche beruflich im Automobilsektor mit Finanzierung durch Kredite zu tun hat, erzählte uns, dass es nur zu häufig vorkomme, dass die Kilometer manipuliert würden. Öfter als man denkt, müsse ein Kredit abgelehnt werden, nicht wegen der schlechten Bonität des Käufers, sondern weil der in Frage stehende Wagen einfach nicht sein Geld wert sei, da sein Tachometer zurück gedreht worden war. Zum Glück gab es hier eine Institution wo man einen sogenannten "lemon check" (Nieten Prüfung) machen lassen kann, womit eigentlich alles ans Licht kommen sollte, das nicht ganz lupenrein ist.

 

Nun endlich war es soweit: unsere vier Füsse konnten sich nun bequem über unseren vier Rädern ausruhen und wir waren bereit Aotearoa, das Land der langen weissen Wolke, wie die Maoris Neuseeland nennen, zu entdecken.

 

Nachdem wir es schlussendlich zu Auckland raus geschafft hatten, machten wir einen kurzen Stop im touristischen Devonport das man auch mit einer Personen-Fähre erreichen könnte. Von da ging's weiter bis Orewa, wo wir drei Tage in einer Backpackers Herberge verbrachten die zwar schön in den grünen Hügeln lag, aber nur knapp hinter den Vororten der Grosstadt war. Von hier aus machten wir einen Ausflug zur Whangaparaoa Halbinsel (wartet nur bis wir zur Ortschaft mit dem längsten Maori Namen kommen).

 

Dort fanden wir eine interessante Mischung zwischen städtischen Neubausiedlungen vor allem für Pensionäre, sowie riesigen Einkaufszentren und unberührter Natur, entlang der wunderschönen Küstenlinie. Die Pōhutukawa Bäume, in der Umgangssprache auch "Weihnachtsbäume" genannt (weil sie um diese Zeit blühen), begannen ihre herrlichen roten Blüten zu öffnen.

 

Unsere nächste Destination war die Bay of Islands und dorthin wurden wir von Yuki, einer Japanerin die im selben Backpackers gewohnt hatte wie wir, begleitet. Wir waren richtig überrascht wie hügelig es hier war und wie viele scharfe Kurven wir auf dem Weg nordwärts meistern mussten. Ebenfalls unerwartet war der viele Verkehr der mit uns unterwegs war, aber dies lag wohl daran, dass es Samstag war.

Unterwegs stoppten wir bei einem sehr touristischen Imker. Es war aber schon interessant den emsigen Bienen durch eine Glaswand zusehen zu können, wie sie die Waben mit Honig füllten.

Nördlich von Whangarei folgten wir der beeindruckenden Küstenstrasse, von der aus wir bereits sehr viele Inseln sehen konnten.

Die nächste Sehenswürdigkeit war auch sehr speziell: Neuseeland's meist-fotographiertes Kloo. Es wurde vom österreichischen Künstler und Eco-Architekten Friedensreich Hundertwasser entworfen und ist nun das öffentliche Scheisshäusle der Gemeinde Kawakawa. Hundertwasser lebte hier in der Nähe in einem abgeschiedenen Haus ohne Strom von 1973 bis zu seinem Tod im Jahr 2000. Für das WC Gebäude waren viele wiederverwertete Materialien verwendet worden, wie z.B. Keramikscherben oder bunte Glasflaschen, aber auch runde Formen und Pfeiler waren anzutrffen, wie sie für seinen Stil typisch sind.

 

Am Nachmittag tafen wir in Paihia ein, welches ein kleines, aber sehr touristisches Stranddorf in der wunderschönen Bay of Islands ist.

Hier liessen wir Yuki zurück, nachdem wir uns bei ihr noch einmal vergewissert hatten, dass sie nicht nur mitbekommen hatte, dass wir Naturisten sind, sondern auch, dass wir uns für heute in einem FKK angemeldet hatten. Und tatsächlich; sie hatte letzteres nicht realisiert und nachdem wir sie dann deutlich fragten, ob sie für so etwas offen sei und mitkommen wolle, antwortete sie höflich:"Danke dass ihr mich gefragt habt, aber: nein danke!" Für eine Japanerin war sie extrem weltoffen und wir glauben, dass wenn sie so eine Gelegenheit nach ein paar weiteren Reisemonaten noch einmal kriegen würde, sie diese vermutlich nehmen würde.

 

So waren wir dann halt die einzigen Gäste in "Nature's Orchard", das unweit der Strasse bei Kerikeri gelegen war, ausser am dritten Tag, wo noch zwei campierten.

Die Besitzer Fiona und Lyn vermieten einen hübschen zweistöckigen Anbau ihres Hauses, welcher uns mit mehr Luxus verwöhnte als nötig gewesen wäre. Das Grundstück war Teil ihrer Orangenplantage und es gab sowohl ein grosses Schwimmbad, als auch ein Sprudelbad. Ein wunderschöner Pfau stolzierte oft umher und schlug auch Mal das Rad.

Hier lernten wir sehr schnell, dass das Ozonloch sogar noch grösser ist als über Australien und wir kriegten einen kleinen Sonnenbrand. Unserer Haut war es sicher lieber, dass es am nächsten Tag heftig geregnet hat, wie wir dies hier im fast subtropischen Norden oft erlebten.

 

In der Geschichte Neuseelands nimmt Waitangi den ersten Platz ein. Hier war 1840 der Vertrag zwischen den einheimischen Maori Oberhäuptern und den Pakehas, den englischen Eindringlingen unterzeichnet worden. Die Maoris waren happig auf den Reichtum und das Prestige, welches die Europäer brachten und erhofften sich durch das Akzeptieren der britischen Schirmherrschaft mehr davon zu bekommen. Als die ersten Weissen hierher kamen, waren die Maoris, welche selbst 600-1000 Jahre früher von polynesichen Inseln hierher gekommen waren, ein stolzes Volk mit einer hoch entwickelten Gesellschaftsstruktur und Kultur. Die heutige Generation Maoris hat sich in vieler Hinsicht der Kultur der Weissen angepasst, sowohl im Guten als auch im Schlechten. Alkohol und andere Drogen hatten sie z.B. vorher nicht gekannt. Es ist gerade noch soviel Kultur übrig geblieben um diese für den Tourismus zu vermarkten. Oft werden halb-traditionelle Täze vorgeführt (in anständigen Kostümen mit aufgemalten Tätowierungen) und danach gibt es halb-traditionelles Essen aus dem "Hangi" genannten Erdofen (in elekrisch erhitzten Aluminium-Kontainern zubereitet).

Immer Mal wieder flackern Spannungen zwischen den beiden Volksgruppen auf, aber im grossen und ganzen hatten wir den Eindruck, dass die Maoris sehr gut in die heutige neuseeländische Gesellschaft integriert sind. Wir sahen viele in höheren Positionen in Geschäften, Werkstätten und Banken und ihr Kiwi-slang war häufig noch stärker als derjenige der Weissen oder Immigranten aus Asien. Der heutige Bevölkerungs-Mix besteht in etwa aus: 68% Europäern, 15% Maori, 6% Pazifik Insulaner, 10% Asiaten und 1% anderen.

 

Ueber landschaftlich schöne Landstrasse fuhren wir weiter nordwärts zur schmalen Landzunge Aupouri. Auf halbem Weg übernachteten wir in einem hübschen Backpackers an der Henderson Bay. Von dort aus erklommen wir die gigantischen Sanddünen hinter der 90 Mile Beach. Am Ende der Strasse, welches buchstäblich auch das nördlichste Ende Neuseelands ist, thronte der Leuchtturm des Cape Reinga, hoch oben auf einem Hügel. Von dort aus sah man wie die Strömungen des tasmanischen Meeres auf den Pazifischen Ozean trafen.

Zurück in unserer Unterkunft machten wir einen Strandspaziergang und entdeckten dabei mehr Sanddünen. Nicht alle hatten dieselbe goldene Farbe; einige waren auch schneeweiss und andere fast rosa.

 

Am nächsten Morgen genossen wir das bestellte Brot, das direkt aus der "Brot-Maschine" kam und dazu einen Kaffee den wir uns mit der zur Verfügung gestellten Bodum Kanne brauten. Diesen Luxus gab es hier in vielen Hostelküchen.

So waren wir frisch gestärkt um einem französischen Touristen aus der Patsche zu helfen, welcher sich einen platten Reifen geholt hatte.

Erst seit zwei Tagen waren wir im Besitz des notwendigen Werkzeuges, nachdem Heinz herausgefunden hatte, dass ein Schlüssel fehlte um ein Rad zu wechseln und insistiert hatte, diesen anzuschaffen. Brigitte hätte sich nicht so viel Aufwand gemacht, da wir ja ein Set guter Reifen hatten. Aber man kann ja nie wissen, und: voilà! Der Franzose war sehr froh darüber, dass sich Heinz durchgesetzt hatte, denn in seinem Auto fehlte genau dasselbe Werkzeug auch.

 

Via Kaitaia und einer weiteren schönen Touristenroute erreichten wir Kohukohu, wo wir uns ins Treehouse (Baumhaus) Backpackackers einbuchten. Eine Ansammlung kleiner Hüttchen und eines grossen Gemeinschaftshauses schmiegte sich an einen Hang im Regenwald. Am nächsten Morgen überquerten wir einen Fjord mittels einer Autofähre nach Rawene. Etwas weiter südlich kamen wir in dichten Wald, wo die grössten Kauri Bäume stehen. Den höchsten nannte man  "Tane Mahuta" (Gott des Waldes), welcher einen 51 Meter hohen, sehr dicken Stamm hatte und dessen Alter auf 1'200-2'000 Jahre geschätzt wird. Ein beeindruckender Riese! Bis zu 30 verschiedene Parasitenpflanzen, wie Moose, Pilze, Flechten und anderes Grün wachsen auf einigen Kauri Bäumen. Wie weitherum in Neuseeland, ist der Wald auch hier sehr dicht und es wachsen viele Farnbäume von denen es 80 Sorten gibt. Schliesst man alle Farngattungen mit ein, sind es sogar doppelt so viele. Farnbäume wachsen bis 20 Meter hoch und sehen den Palmen ähnlich. Es gibt aber auch eine echte Palme die hier beheimatet ist: die Nikau Palme.

 

Als nächstes übernachteten wir in Helensville, wo wir einen "Gebraucht-Einfamilienhaus-Händler" sahen, welcher fast 40 verschiedene Häuser auf seinem Grundstück ausstellte. Sie waren alle hierher gebracht worden und warteten, auf Fässern ruhend, auf neue Besitzer. Nur die kleinsten waren noch in einem Stück, die meisten waren aber in 2 Teile gesägt worden, einige auch in drei oder vier Stück und so waren sie transportbereit. Da die meisten älteren Häuser hier simple Holzkonstruktionen ohne Isolation und Doppelverglasung sind, ist es einfach diese auseinander zu sägen und auf Tiefladern zu transportieren. Hier hat kaum ein Haus einen Keller, eher noch einen Betonboden, aber oft ruhen sie auf Pfeilern und sind damit Erdbebensicher gemacht.

 

Weiter südlich, hoch über dem Muriwai Strand, gab es zwei perfekt platzierte Aussichts-Terrassen von denen man brütende Tölpel (gannets) beobachten konnte. Der einzelne Felsen der im Meer stand, war der Kononie zu klein geworden und so brüten nun viele dieser majestätischen grossen Wasservögel mit der schönen Gesichtszeichnung, auf den Klippen am Festland, einige direkt neben der Aussichts-Terrasse.

 

Um uns dem Ferienrummel zu entziehen, beschlossen wir uns über Neujahr auf ein FKK Gelände zurück zu ziehen. Heinz schlug vor, Oranui in West-Auckland auszukundschaften, da dies direkt an unserem Weg lag. Brigitte sträubte sich ursprünglich dagegen, weil sie nicht mehr in der Nähe von Auckland sein wollte. Als wir dann doch dorthin fuhren, gefiel es ihr aber auf Anhieb so gut, dass sie sogar insistierte, sogleich für Neujahr dort ein Hüttchen zu reservieren. Anschliessend verbrachten wir auch noch zwei Tage in der City Garden Lodge in Auckland's Nobelquartier Parnell, denn wir hatten Post abzuholen und Geld für Mövenpick Eis und französische Restaurants zu investieren.

 

Am 14.12.05 haben wir die Stadt dann wieder verlassen und genossen bald eine schöne Fahrt entlang des "Firth of Thames" welcher nach einem schottischen Meerbusen benannt wurde. Thames war ein charmantes Städtchen, am unteren Ende des Coromandel Peninsula. Von dort aus windete sich die mit rot blühenden "Weihnachtsbäumen" gesäumte Strasse eng der Küste entlang.

 

Von der Ortschaft Coromandel aus, besichtigten wir auch noch den nördlichsten Teil der Halbinsel, gerade noch rechtzeitig bevor heftige Regenfälle einsetzen. Schlussendlich blieben wir vier Nächte im Tui Lodge Backpackers. Während der letzten zwei warteten wir nur doch darauf, dass die sintflutartigen Regenfälle endlich stoppten. Wir hatten trotzdem eine gute Zeit und diskutierten mit den anderen Gästen über Gott und die Welt, bzw. eine Welt ohne Gott. Brigitte fand im "communal shelf"; der Ecke wo jeder Gast seine Lebensmittel die er nicht mag oder nicht mitnehmen will, für andere hinterlassen kann, genau die richtigen Zutaten um einen leckeren Lebkuchen zu backen, der allen schmeckte.

 

Das geduldige Warten hatte sich gelohnt und als wir die Halbinsel überquerten, hat sich die Sonne von ihrer besten Seite gezeigt. Zuoberst auf dem Hügel war ein wunderschöner Aussichtspunkt, von dem aus wir einen herrlichen Rundblick  zurück, auf die vielen Inselchen im Golf zwischen Coromandel und Auckland hatten. Auf der Ostseite wanderten wir zu einem natürlichen Felstunnel, der "Cathedral Cove" genannt wurde. Wir vermieden es aber, den "heisswasser-Strand" zu benutzen, wo, wenn Ebbe und Flut gerade im richtigen Zeitpunkt sind tausende von Leuten sich ein Loch in den Sand buddeln und sich ins warme Wasser setzen. Wir hatten nicht die geringste Lust unsere Badehosen mit Sand zu füllen und gingen stattdessen ins FKK Katikati Naturist Park, wo wir diese hätten herunterlassen können, hätte es bei unserer Ankunft dort nicht schon wieder geregnet. Die nächsten zwei Tage änderte sich daran nicht viel, aber da es hier Sauna und Sprudelbad gab, machten wir uns auch freiwillig nass.

Es ist für uns immer noch sehr ungewöhnlich zu sehen wie so eine grosse Ferienanlage fast menschenleer sein konnte, obwohl doch inzwischen die Sommerschulferien begonnen hatten und uns die Eigentümer versicherten, dass über die Neujahrswoche Unterkünfte und auch Campingplätze ausgebucht seien. Wiederum hatten wir Glück und die Sonne schien an unserem Abreisetag, weshalb wir dies noch etwas ausnutzen wollten und bis mitte Nachmittag die Sonne genossen.

 

Es war ja nicht weit nach Rotorua, unserem nächsten Ziel. Hier übernachteten wir erneut in einem netten Backpackers Hostel wo wir, ohne danach zu fragen, genau so ein Zimmer kriegten, das es hier offiziell gar nicht gibt wenn jemand danach fragt: ein extra grosses und luxuriöses Zimmer mit Bad und einem grossen Doppelbett. Die Besitzer der Unterkunft möchten keine verwöhnten Luxustouristen - die schicken sie eher ins Motel. Auch hier herrschte in der Herberge ein gutes Ambiente und wir kamen leicht mit den anderen Gästen ins Gespräch und kriegten so ein paar gute Tips darüber, was die verschiedenen Thermalgebiete um Rotorua zu bieten haben. Das einzige das gratis zugänglich war, war der Stadtpark Kuirau. Bereits hier sahen wir dampfende Teiche und gurgelnde Wasserlöcher. So gut wie alle Touristen besuchen diese Stadt wo der Geruch von Schwefel überall in der Luft liegt und aus manchem Garten Dampf aufsteigt.

 

Quer durch die Nordinsel Neuseeland's reiben sich die australasische und die pazifische Platte aneinander, was einen faszinierenden, aber gefährlichen "ring of fire" (Feuerring) mit vielen Vulkanen und Thermalgebieten hervorgerufen hat. Fast jeden Monat wird hier ein kleineres oder grösseres Erdbeben registriert, aber dank der Geologie und der Art und Weise wie hier die Gebäude konstruiert werden, entstehen meist keine grösseren Schäden. Heute wird die Geo-thermalwärme dazu genutzt warmes Wasser und Elektrizität zu produzieren. Die heissen Quellen sind natürlich als tägliches Hahnenwasser nicht geeignet.

 

Zusammen mit Connie aus Berlin besuchten wir das Thermalgebiet Wai O Tapu. Gemäss Werbebrochüre hat es da einen Geysir, der täglich um 10:15 Uhr ausbricht und wir fragten uns, wie das wohl abgeht. Nachdem wir die 23 $ Eintritt bezahlt hatten, erkärte man uns den Weg zu einer Tribüne die um den Kegel des Geysirs gebaut worden war. Pünktlich kam ein Parkwärter und erklärte der wartenden  Menge, dass "Lady Knox Geyser" ohne menschliches Dazutun etwa alle zwei bis drei Tage in unterschiedlicher Stärke ausbrechen würde. Aber um die vielen Touristen zu beglücken würde er nun eine "seifenähnliche organische Substanz" in den Kegel giessen und dadurch würde der Geysir in einigen Minuten in mittlerer Stärke hoch schiessen. Wauw, was für ein Zirkus! Bald konnten alle genau dasselbe Bild machen, einige haben sogar noch vor der Fontäne posiert.

Für uns waren die anderen Sehenswürdigkeites des Parkes um einiges beeindruckender, wie z.B. der grosse dampfende "Champagner Pool", Krater und Schwefellöcher, verschieden farbige Mineralterrassen und kochende Schlammlöcher oder Teiche in den schrillsten Farben.

 

Auf dem Rückweg setzten wir uns selbst noch ins Thermalwasser das einem dampfenden Bach entnommen wurde. Die Vegetation am Bachbett war unglaublich grün, ganz im Gegensatz zum Gebiet um Wai O Tapu, das sehr karg gewesen war. Das abgeleitete Wasser war siedend heiss und musste erst abgekühlt werden. Zu diesem Zweck wurde es mittels einer Art Springbrunnen in die Luft gespritzt. Wir drei mieteten uns ein Badehäuschen das gegen's Tal hin offen war und einen runden Pool enthielt. Das Wasser fühlte sich auf der Haut richtig weich an und wir genossen erholsame 20 Minuten, bevor die Hitze zu stark in den Kopf stieg.

 

Da uns diese Thermalgebiete wirklich faszinierten, investierten wir in einen weiteren Eintritt und besuchten Orakei Korako. Das Besondere dort waren Silica Terrassen (Kieselsäure?) welche mit Mineralien überzogene Faltungslinien früherer Erdbeben sind. Es gab auch sehr farbintensive Algen dort, die nur in hohen Wassertemperaturen wachsen können. Kochende Schlammlöcher gab es ebenfalls und einen Geysir, der alledings nicht ausbrach während wir dort waren, da er der Natur überlassen blieb.

 

Nachdem sowohl wir, als auch Connie erfolglos versucht hatten in verschiedenen Backpackers über Weihnachten unter zu kommen, haben wir alle unsere ursprünglichen Pläne über den Haufen geworfen und schlussendlich fanden wir noch freie Zimmer im Tongariro Nationalpark. Wie 1'000 andere auch, quälten wir uns vor Weihnachten durch einen Supermarkt und füllten unsere Säcke mit Delikatessen bevor wir los fuhren. Wir kamen am Lake Taupo vorbei, einem gigantischen Kratersee, welcher durch eine der wohl grössten vulkanischen Explosionen geschaffen wurde, die die Erde erlebt hat. Wie gross muss dieser Vulkan wohl gewesen sein, wenn sein Krater, welcher nun der Taupo See ist, 40 km Durchmesser hat? Diese Explosion hat sich vor etwa 27'000 Jahren ereignet und hat die ganze Nordinsel unter bis zu 100 Metern Asche begraben.

 

Bis wir unsere Unterkunft im Ort mit dem simplen Namen "National Park" erreicht hatten, war das Wetter so richtig nass und kalt geworden. Während des Winters (nicht jetzt, obwohl sich das Wetter so anfühlte) ist dies ein Ski-Ort. Aber jetzt im Sommer kamen die meisten Leute hierher um auf den drei Vulkanen zu wandern. Auf einer geraden Linie von etwa 20 km thronten der schneebedeckte Mount Ruapehu 2797 M.ü.M., Ngauruhoe 2287 M.ü.M. und Tongariro 1967 M.ü.M. Eine Wanderstrecke ist besonders berühmt und gilt als die wohl schönste Tageswanderung Neuseelands: die Tongariro Crossing.

Da das Wetter in dieser Gebirgsregion unberechenbar ist, warten viele Wanderer hier manchmal für eine oder gar zwei Wochen auf den Tag X und manchmal müssen sie das Projekt dann trotzdem abblasen. Während der ersten 25 Tage des Dezembers 2005 war es nur an drei oder vier Tagen möglich gewesen, die Wanderung gefahrlos unter die Füsse zu nehmen. An den anderen Tagen war es entweder zu neblig, zu windig, zu regnerisch, zu kalt oder einer Kombination aller Übel gewesen. Selbst wenn man bei eitel Sonnenschein losmarschieren kann, muss man darauf gefasst sein, dass sich die Wetterlage dramatisch schnell ändern kann. Die meisten Wanderfreudigen lassen sich am einen Ende des Weges absetzen und am anderen wieder aufladen. Da die Transport-Unternehmen dafür verantwortlich sind genau so viele Schäfchen wie sie am Morgen ausgesetzt haben am Abend auch wieder einzusammeln, fällen sie die Entscheidung, ob die Tour gefahren wird, erst morgens um 7 Uhr, 45 Minuten vor Abfahrt.

Bereits am zweiten Tag wurde der Himmel stahlblau, aber auf dem Sattel des Vulkanes blies der Wind anscheinend mit 120 km/h, weshalb die Lodge auch den heutigen Trip annullierte. Am dritten Tag, dem 25. Dezember, kriegten wir dann aber ein Weihnachtsgeschenk und wurden zum Ausgangspunkt chauffiert. Man sah zwar einige Wolken, doch es schien so, als würden sie abziehen. Energiegeladen marschierte unser Grüppchen dem ersten öden Hang entgegen, wo viele grosse Lavaschollen wie zu Steinfiguren erstarrt umher standen. Schon kam der strengste Teil; ein einstündiger sehr steiler Aufstieg zum Fuss des Vulkankegels des Mt. Ngauruhoe. Plötzlich kam ein sehr starker Wind auf, aber es war sicher bei weitem nicht so schlimm wie es gestern gewesen wäre. Von hinten zog Nebel über den Hang hinauf und er kam uns schon beängstigend nahe, sodass wir uns beeilten. Der Wind blies nun eisig kalt und Brigitte fühlte ihre Finger schon bald nicht mehr, obwohl sie Socken über die Hände gestülpt hatte (da sie schliesslich nicht mit Handschuhen reist!). Zuoberst angekommen, sahen wir direkt in den "roten Krater" hinunter, welches ein spektakulärer Anblick war, auch wenn hier keine rote Lava ausgespukt wurde, wie auf Yasur in Vanuatu. Bei diesem starken Wind war die Verlockung nicht all zu gross lange hinunter zu schauen, da wir fast fürchteten in den Krater hinunter geblasen zu werden, falls wir dem steilen Rand zu nahe traten. Trotzdem: Formen und Farben die  durch die Lava erschaffen worden waren, beeindruckten uns sehr!

 

Von jetzt an ging es sehr steil bergab und schon bald wurden drei kleine Seen sichtbar. Dies waren die "Emerald Lakes" und ihre verschiedenen Farben wurden immer intensiver, je mehr wir uns ihnen von oben näherten. Jetzt wurde alles viel angenehmer, da wir uns nun auf der windgeschützten Seite des Vulkanes befanden und sich auf wundersame Weise sowohl alle Wolken, wie auch der bedrohliche Nebel hinter uns in Nichts auflösten. Dies liess in uns natürlich ein grosses Glücksgefühl aufkommen und wir beschlossen umgehend einen Pick-Nick Halt einzulegen. Das einzig Schwierige war noch zu entscheiden, ob wir unsere Rast am blauen, am hellgrünen oder am dunkelgrünen Seelein abhalten sollten, sie waren alle drei so entzückend.

 

Kurz nachdem wir uns wieder aufgerafft hatten, stiess von einem Seitenpfad ein deutsches Paar zu uns. Welche Überraschung: wir haben die beiden nun schon vier Mal in Neuseeland getroffen. Die restlichen drei Stunden unserer Wanderung waren locker zu bewältigen und führten langsam bergab, dorthin wo uns der Bus dann wieder einsammelte. Nachdem er die zufriedene Schar wieder zur Unterkunft zurück gebracht hatte, standen alle Schlage um sich eine halbe Stunde im Sprudelbad zuteilen zu lassen. Die Hostel-Leitung wollte verhindern, dass sich diejenigen ohne Badekleider mit denjenigen mischten, die ihre Badekleider nass machen wollten. Zusammen mit Connie genossen wir unser Sprudelbad bevor wir einen weiteren köstlichen Weihnachtsbraten zubereiteten. Bereits an den beiden vorherigen Abenden hatten wir zu dritt etwas Leckeres zubereitet und auch alle anderen Touristen taten sich zu kleinen Gruppen zusammen um gemeinsam etwas Exquisites zu kochen.

 

Wie nicht anders zu erwarten, hatten wir am nächsten Tag etwas Muskelkater, aber zum Glück hatten sich an unseren Füssen überhaupt keine Blasen gebildet. Nun verabschiedeten wir uns von Connie und all den anderen und fuhren nordwärts.  

 

In Te Kuiti übernachteten wir in einem Farmhostel in der Nähe der Waitomo caves, welche wir noch am selben Tag besuchten.

Ein Touristenführer leitete eine Gruppe von etwa 20 Personen in eine wunderschöne Kalksteinhöhle, welche sehr enge Passagen hatte, aber andernorts sehr gross war und sogar einen gekachelten Boden hatte. Da diese Höhle eine besonders gute Akustik hatte, waren bereits mehrere Konzerte mit bekannten Sängern abgehalten worden. Auf Aufforderung unseres Führers hin, gab eine Touristin aus Hongkong ein kleines Gesangsmuster mit ihrer wunderschönen Stimme, womit sie die Tonwiedergabe bewies.

 

Die Waitomo Caves sind vor allem berühmt für ihre Glühwürmchen. Ein Fluss führt durch den grössten Teil der Höhle und darüber hängen 10'000-ende von Glühwürmchen an der Decke und beleuchten diesen Teil so hell, dass man ihn (im dunkeln) erkennen konnte. Jetzt konnten wir ein Boot besteigen, welches unser Führer vorsichtig an einem Seil durch das stille Wasser zog. Es war absolut fasziniered und wir fühlten uns, als ob wir unter einer enorm intensiven 'Milchstrasse' durchziehen würden.

 

Der Lebenszyklus dieser Glühwürmchen, die eigentlich Insekten sind, ist höchst interessant. Im Larvenstadium produzieren sie ein grünes Licht um ihre Beute anzulocken. Zuvor wob das raupenförmige Tierchen 20-30 klebrige Fäden, welche aussehen wie Perlenketten und die nun von der Decke hängen. Sobald sich ein Insekt darin verfängt, zieht der Glühwurm den entsprechenden "Perlenfaden" ein und verspeist genüsslich seine Beute. Nur im Larvenstadium ist das Tier in der Lage Nahrung aufzunehmen. Nach etwa 6-9 Monaten ist es fett genug und verpuppt sich. Ca. zwei Wochen später schlüpft ein mückenähnliches Geschöpf ohne Maul, welches nur etwa zwei Tage Zeit hat um sich zu paaren und das Weibchen legt daraufhin etwa 120 Eier. Spätestens am dritten Tag verhugern die erwachensen Fliegen-Insekten, aber nur drei Wochen später schlüpfen neue Larven aus den Eiern und der ganze Kreislauf beginnt von vorne.

 

Nicht weit von Waitomo entfernt, gab es in Otorohanga bereits die nächste Attraktion: Ein Kiwi House in einem Park für einheimische Vögel. Im Kiwihaus wird der Tag zur Nacht und die Nacht zum Tag und somit konnten wir zwei dieser nachtaktiven Vögel ohne Flügel in ihrem dämmrig beleuchteten Gehege beobachten. Heinz hatte Mitleid mit den armen Kiwis, die nun ein Leben als Gefangene führen müssen. Andererseits versucht man hier aber noch mehr von ihnen zu züchten, da sie in freier Wildbahn inzwischen vom Aussterben bedroht sind und dies vor allem deshalb, weil der Mensch viele neue Feinde eingeführt hat. Früher gab es abermillionen Kiwis, aber heute ist ihr Bestand auf etwa 30'000 Tiere geschrumpft und wenn es der Mensch nicht schafft, dass sie sich schnell wieder vermehren, werden sie sehr bald aussterben.

 

Es gab im Weiteren auch Falken, Eulen, Enten, Pukeko's, sowie weitere Vögel, aber auch Geckos und andere kleine Reptilien in grossen Gehegen. Alle Tiere wurden so natürlich wie möglich gehalten und man fütterte sie nach Möglichkeit mit Lebendnahrung, was meist ausserhalb der Öffnungszeiten geschah, da viele der Besucher Mühe damit haben, wenn sie mit dem Kreislauf von fressen und gefressen werden konfrontiert werden. Wie auch immer; in einigen Volieren sah man noch Überreste der Opfertiere.

 

Nach all diesen intensiven Erlebnissen hatten wir unsere Ferien aber verdient und so fuhren wir zurück nach Auckland in den ORANUI Ferienklub welcher sich in einem Vorort im Westen der Stadt befindet und im wahrsten Sinne von Wohnquartieren und einer Schule umgeben ist. Den Verein gibt es bereits seit über 50 Jahren und ursprünglich hatte er allein auf der grünen Wiese gestanden. Totztdem, dass es heute anders ist scheint kein Problem zu sein, denn nur das Tor für die Autos war abgeschlossen, der Fussgänger-Eingang war immer offen. Sobald man das Gelände betrat, fühlte man sich wie in einem grossen Park. Ein kleiner Bach floss mitten durch und es gab hier sehr grosse Föhren. Wie wir es auch entlang vieler Obstplantagen gesehen hatten, wurde der Windschutz auch hier von Hecken meterhoher Bambusstangen erzeugt. Mit 250 Mitgliedern und 11 Ha Land ist dies vermutlich Neuseelands grösster FKK Verein. Da es während der Zeit als wir da waren sehr ruhig war, fühlte er sich aber gar nicht so gross an. Es gab drei Hüttchen zu mieten und wir entschieden uns für das grösste, da es das einzige war, welches mit einem anständigen Kochherd ausgestattet war der 4 Herdplatten und einen Backofen  hatte. Die kleineren Hüttchen wären zwar auch hübsch gewesen, da die Küche allerdings nur aus einer einzigen kleinen Kochplatte und einem Mikrowellen-Gerät bestand, konnten wir uns nicht für diese begeistern.

 

Auch hier hatten wir wiederum den Eindruck, dass die Hälfte der Mitglieder im Ausland geboren war, aber unter den echten Kiwi's gab es auch ein paar Maori Mitglieder.

Das Wetter war aprilhaft und wechselte ständig zwischen sonnig, regnerisch und sehr windig. Die Temperaturen waren aber meistens über 20 °C Grad und gegen Ende unseres Aufenthaltes wurde es immer mehr und besser, sodass wir nicht Mal abreisten, als "unser Hüttchen" durch andere Gäste reserviert war, sondern sogar noch für drei Tage in ein kleines umzogen.

 

Es gab ein grosses Klubhaus, ein grosses Schwimmbad, eine Sauna und ein heisses Sprudelbad, sowie vielfältige Einkaufsmöglichkeiten fast vor der Tür, genauso wie eine Bahnstation und ein Internet Café.

Leider waren alle drei Bäckereien in der Nähe über's Neujahr geschlossen, aber dies überbrückte Brigitte gerne mit selbst gebackenem Brot, das eh viel besser schmeckte. Neuseeland ist ein weiteres Land wo es nicht ganz einfach ist, "echtes Brot" zu finden. Uns nimmt bloss wunder was die damit meinen, wenn sie sagen "die Beste Erfindung seit Toastscheiben"...???

Auf der anderen Seite fanden wir heraus, dass es hier wesentlich einfacher ist zahlbare Lebensmittel in guter Qualität zu finden als in Australien. Nicht nur frischen Fisch und Muscheln konnte man fast überall bekommen, was wahrscheinlich allem Anfang an den Maoris zu verdanken ist. Auch eine grosse Auswahl an gutem Käse und Paté wurde angeboten und so war es ein Leichtes unsere zwei Wochen in Oranui wegzuschlemmen, wenn schon das Wetter nicht immer mitspielte.

 

An einem Nachmittag machten wir noch einen Ausflug entlang der Strasse, welche "scenic drive" genannt wird und ganz in der Nähe durch führte. Über viele Kurven und durch viel Farnwald kamen wir über die Hügel mit herrlicher Aussicht, sowohl zur Stadt hin, als auch hinunter zum Meer. Schlussendlich führte sie an den schwarzen Sandstrand von Piha, wo sich viele Surfer in den wilden Wellen tummelten.

 

Nach fast drei Wochen verliessen wir Oranui in Auckland. Die nächsten drei Tage verbrachten wir in einem Backpackers Hostel in Tauranga. Zusammen mit Mount Maunganui bildet dies eine der am schnellsten wachsenden Regionen Neuseelands und ist gleichzeitig eine populäre Feriendestination. Dies ist sicher dem Umstand zu verdanken, dass das Klima relativ mild ist und die Zwillingsstädtchen idyllisch am Wasser gelegen sind.

Es gab verschiedene schöne Strände und so überraschte es um so mehr, dass wir von einer Familie angesprochen wurden, kaum hatten wir uns auf die Badetücher gesetzt. Wir hatten uns erst noch vor ein paar Tagen im Oranui kennen gelernt.

 

Wenn die Sonne einmal schien, wurde es immer sehr schnell heiss. Mit dem was wir aber bisher gesehen hatten, rechneten wir uns aus, dass diese Tage nicht allzu zahlreich sein würden. Brigitte hatte sich somit knallhart ausgerechnet, dass erst der nächste Autobesitzer unserer Luxuskarosse die Klima-Anlage nachladen soll. Dummerweise wird aber ein Auto-Airconditioner nicht einfach immer schwächer, sondern gibt urplötzlich seinen Geist auf, wenn nicht mehr genug Druck da ist. Dies war hier und heute der Fall!

Schwitzend wie ein Tier, hat sich Brigitte anders besonnen. Gleichzeitig mit duzenden von Einheimischen die ebenfalls gewartet hatten bis die Sommerhitze da war und ihre Klimaanlage den Geist aufgab, suchten wir nun nach einer Werkstatt. Schlussendlich hatten wir aber Glück, dass sich ein Autoelektriker unser erbarmte und unseren Wagen umgehend mit kühlendem Gas auffüllte, obwohl uns andere erst in 5 Tagen einen Termin hätten geben können.

 

Während wir der Strandpromenade entlang spazierten, amüsierten wir uns über die Einheimischen die ganz romantisch in ihren Autos sassen und die Aussicht aufs Meer genossen, währenddem sie das in Zeitungspapier gewickelte Abendessen genossen (man sagt das Fish&Chips in Zeitung am allerbesten schmeckt).

Sowohl Tauranga, als auch Mount Maunganui waren dem Meer entlang gesäumt von Restaurants, welche auf diejenigen Gäste hofften, welche bereit waren zum essen etwas mehr Zeit aufzuwenden.

 

Nun starteten wir zur Tour ums "East Cape" (Ost Kap). Entlang unzähliger Kiwifrucht-Plantagen erreichten wir das hübsch am Meer gelegene Städtchen Whakatane, bevor es nach Opotiki weiter ging. Wir übernachteten in einem Backpackers Hostel das sich "Beach House" nannte und sein Name wurde der Lage voll gerecht. Es war bloss ein kleines, aber sehr gemütliches Hostel und die Abende verbrachten wir jeweils mit den anderen Gästen, welche wir zumTeil später noch des öfteren wieder trafen. Bevor wir uns aber wieder auf den Weg machten, warteten wir erst wieder auf schönes Wetter, sodass wir die Küstenlandschaft auf unserer Weiterfahrt voll geniessen konnten, denn die Strasse ums Kap führt meist recht nah dem Ufer entlang.

 

Whanarua Bay war nur 88 km weiter, aber die Lage der nächsten Backpackers Unterkunft war einfach zu schön um daran vorbei zu fahren. Diese Herberge lag ganz unten in einer Bucht und so nahe am Wasser wie es nur sein konnte. Im Innern war das Haus zwar nicht sehr speziell, aber es bestach durch seine Lage und seine auf verschiedenen Ebenen angebrachten Terrassen. Die Besitzer, eine Maori Familie, stellte uns Kayaks zur Verfügung mit denen wir die geschützte Bucht erkundigen konnten. Eine spassige Sache.

Obwohl Brigitte in Tauranga nicht weiter als mit den Füssen ins Wasser gegangen war, blieb uns hier keine Wahl; wenn wir die Boote benutzen wollten, mussten wir es in Kauf nehmen, einen nassen Po zu bekommen. Diese modernen Kayaks waren mit Löchern gemacht, sodass wir nun sozusagen auf einer "Plastikscheibe Emmentaler Käse" paddelten. Das Steuern dieser Dinger hatte seine Tücken. Bisher hatten wir bloss Erfahrung mit zweier Booten und wenn diese in die falsche Richtung steuerten, war es immer der Fehler von Heinz gewesen! Auf wundersame Weise gleitete Heinz' Böötchen hier nun absolut geraudeaus, wogegen sich Brigitte's Boot unablässig im Kreis rum drehte. Schlussendlich schafften wir es aber doch beide irgendwie (nicht beide ganz mühelos), die ganze Bucht mit ihren felsigen Uferpartien und ihren Höhlen zu erkundigen.

 

Bevor wir weiterfuhren, bat uns Michael, ein deutscher Radfahrer, einen Teil seines Gepäckes ins nächste Hostel mitzunehmen. Wie die meisten Bewohner ums Kap herum, waren auch die Besitzer dort Maoris und obwohl wir gar nicht dort übernachteten, offerierten sie uns Kaffee und Kuchen. Ihr Haus hatte wiederum eine super Lage direkt an einem felsigen Strand und es hätte uns gereizt auch dort zu übernachten, aber es gab halt nur 10 Betten und die waren alle ausgebucht. So genossen wir für eine Stunde die tolle Aussicht und unterhielten uns auch mit ihren Gästen bevor wir zum Leuchtturm am östlichsten Punkt aufbrachen.

 

Wir mussten erst mehrere hundert Stufen überwinden, bevor wir oben ankamen, dafür wurden wir dann dort aber mit einem sehr schönen Rundblick belohnt.

 

Über viele hier sehr trockene Hügel, führte die Strasse nun etwas inland, bevor wir in Tokomaru Bay wieder an die Küste kamen.

Auch hier gab es eine sehr charmante Unterkunft. Diese lag etwas zurückversetzt an einem Hang von wo man eine schöne Aussicht über das Dorf und die Bucht geniessen konnte.

Originell waren jeweils zwei Betten in drei verschiedenen offenen Dachböden untergebracht. Dank speziellen Dachluken, hatten sie auch Fenster, jedoch keine Tür sondern eine Leiter nach oben. Mit nur 15 Betten war dies ebenfalls ein sehr persönliches Hostel und wir kamen leicht mit allen andern Gästen ins Gespräch. Da wir schlussendlich vier Nächte blieben, trafen einige Leute dort ein, die wir bereits in den letzten Unterkünften kennen gelernt hatten und sogar der Radler holte uns wieder ein.

Liz, eine 60 jährige Engländerin hatte für zwei Monate die Leitung der Herberge übernommen. Sie war dauernd zu Spässen mit ihren Gästen aus allen Gesellschaftsschichten aufgelegt, welche zwischen 20 und 70 Jahre alt sein konnten.

 

Im Vergleich zu Australien erschienen uns die Hostels hier ganz anders: sie waren  meist kleiner, gemütlicher und sauberer gehalten - vor allem auch von den Gästen, die in der Küche ihr Geschirr nicht einfach stehen liessen. Aber der grösste Unterschied lag wohl darin, was die Gästeschar in Neuseeland erleben wollte. Die meisten die hierher kommen wissen, dass man auch Spass haben kann ohne ins Pub zu gehen. Sie schätzen es vielmehr ein Gespräch mit den anderen Gästen aus aller Welt zu führen. Für viele Australientouristen hingegen war der Besuch der Bars und Pubs z.T. der Höhepunkt ihrer Reise und entsprechend benahmen sie sich auch im Hostel. Die Leute die nach Neuseeland kommen sind wohl einfach etwas reifer und wir meinen damit nicht ihr Alter. Der durchschnittliche Backpacker ist sicher weniger als 30 jährig. Unabhängig vom Alter unterhalten sich hier einfach alle miteinander und oft kam es auch vor, dass wir uns mit 20 jährigen auf tiefgründige Diskussionen einliessen. Natürlich gibt es auch hier ein paar "Party Hostels", aber diese sind eine Ausnahme, genauso wie diejenigen Gäste die sich jeden Abend abfüllen. Interessanterweise trafen wir hier in Neuseeland recht oft junge Leute, welche sich über die vielen Backpackers Hostels in Australien beklagten, wo täglich "Ramba Zamba" gemacht wurde.

Diejenigen Gäste, die sich nur aus Büchsen mit "Baked Beans" ernähren (weisse Bohnen in roter Sauce) waren eine Ausnahme, normalerweise noch am ehesten Einheimische. In Australien hingegen war dies gang und gäbe. Selbst die Neuseelandreisenden die über ihr knappes Reisebudget klagten, kochten aber regelmässig mit Olivenöl, Balsamico-Essig, frischem Gemüse, Fleisch oder Fisch. Einige führten sogar eigene Bodum Kaffee-Kannen, italienische Espressokrüge und Markenkaffee vom Feinsten mit.

 

In Neuseeland gibt es eine Vereinigung die sich BBH (Budget Backpackers Hostel New Zealand) nennt und diese umfasst über 360 Herbergen im ganzen Land, welche im Schnitt bloss 30 Betten haben. Diese sind normalerweise recht sauber, gemütlich und total kommunikativ. Der Qualitätsstandard ist relativ hoch, begünstigt durch eine Bewertung der Gäste die im Vorjahr da abgestiegen sind.

Im Gegensatz zu Australien kam es noch nie vor, dass man uns bei Ankunft ein Set Besteck und Geschirr überreichte. Die meisten Hostelküchen waren hier recht gut ausgestattet und viele Reisende entpuppten sich als Hobbi-Köche, was ab und zu in wahre Wettkochen ausartete.

 

In Tokomaru Bay gönnten sich jeden Abend mehrere Rucksackreisende einen Hummer zum Abendessen. Dies wiederum war Liz zu verdanken, welche eine Maori Familie kannte, welche die edlen Schalentiere fing und verkaufte. Dass wir da nicht bloss zusahen, könnt Ihr Euch wohl vorstellen.

 

Wir fanden es auch eine gute Idee, dass viele Hostels ganz bewusst keinen Fernseher zur Verfügung stellten, um die Leute miteinander ins Gespräch zu bringen. Und das funktionierte! Es war viel angenehmer miteinander zu plaudern, wenn im Hintergrund nicht dauernd im Fernsehen geschossen und geschrien wurde. Die meisten anderen Reisenden stimmten mit uns überein, dass diese Gewaltfilme nur mehr Gewalt erzeugen, anstelle etwas bildendes zu zeigen.

 

Zu Beginn schauten wir ab und zu noch in die Glotze, da man in jedem Land durch's Fernsehen auch etwas von dessen Kultur erfahren kann. Wir waren überrascht (um nicht zu sagen geschockt) vom tiefen Niveau des neuseeländischen Fernsehen, das auch in den Nachrichtensendungen des staatlichen Senders TV1 kein bisschen höher lag. Die einstündige "Show" begann mit den erschütterndsten Neuigkeiten des Tages wie z.B. die Entlassung eines Häftlings aus dem Gefängnis, wie die Polizei Temposünder und betrunkene Jugendliche anhielt, an der Küste gesichtete Haie, kleine Unfälle auf der Strasse, auf dem Wasser oder im Haushalt, deren Abhandlungen vor Gericht oder ein Interview der Opfer im Spital. Wie ein Kind mit mysteriöser Krankheit gesund wurde und einem anderen ein falsches Medikament verabreicht worden war. Ein Schauspieler, der die Paparazzi mit seiner Wasserpistole bespritzte, welche Berühmtheit von wem schwanger wurde oder eine Affäre hatte. Die Abhandlung einer jeden dieser hochinteressanten Neuigkeiten konnte bis zu 15 Minuten in Anspruch nehmen, dazwischen wurde man immer wieder von Werbung unterhalten. Danach wurden ab und zu sogar noch 1-2 Minuten für "echte Weltnachrichten" geopfert, die nichts mit diesen Inseln zu tun haben. Danach geht's erst über zum wirklichen Höhepunkt der Show, der hier einen sehr hohen Stellenwert hat: Sportnachrichten. Ein Einwanderer aus China folgerte uns gegenüber, dass es für die Neuseeländer wohl immer viel wichtiger sein würde wer im Rugby gewinnt, als ob Iran einen Atomkrieg startet.

 

Nun, was uns am meisten interessierte war das Wetter. Nachdem wir die nächste Regenperiode vorüber ziehen gesehen hatten, gingen wir bei strahlendem Sonnenschein weiter. Am Anfang zumindest. Kurz bevor wir die Morere hot Springs erreicht hatten, mussten wir in eine sehr dunkle Wolke eintauchen und für die nächsten paar Kilometer kam es uns so vor, als ob wir in einem Wasserfall fuhren. So gab es nicht viel besseres zu tun, als ins natürliche Mineralwasser einzutauchen. Ein architektonisch sehr speziell gestaltetes Dach auf Stützpfeilern überspannte drei verschieden warme Becken im Regenwald. Beim Plaudern mit den anderen Touristen verging die Zeit im Flug und wir merkten's erst, als unsere Haut total schrumpflig war.

 

Wir übernachteten im selben Backpackers Hostel wie schon auf unserer letzten Reise und nachdem uns der Besitzer einen Tip gegeben hatte, wo sich die alten Gästebücher befinden, fanden wir unseren damaligen Eintrag den wir am 22.01.1993 gemacht hatten, dies war genau 13 Jahre und 3 Tage her.

 

Als nächstes besuchten wir Napier, Brigitte's Lieblingsstadt in Neuseeland. Grosse Teile waren bei einem Erdbeben 1931 zerstört worden. Danach war die ganze Stadt in spanisch inspiriertem "Art Deco Stil", der damals Mode war, wieder aufgebaut worden. Wir wurden es nicht Müde im Städtchen herum zu schlendern und dabei die vielfältigen Ornamente zu bestaunen, welche die meisten Häuser des Zentrums, sowie den Nachbarsort Hastings, verzierten. Viele der Verzierungen an den Gebäuden hatten schlichte geometrische Formen und waren oft in Pastellfarben bemalt.

 

Als wir weiter südwärts fuhren, kamen wir an einen Hügel, der den folgenden Namen hatte: Taumatawhakatangihangakoauauotamateaturipukakapikimaungahoronukupokaiwhenuakitanatahu.

Dies ist der längste registrierte Name der Welt  und ist aus der Maori Sprache übersetzt eine Abkürzung für:"die Kuppe des Hügels wo Tamatea, der Mann mit den grossen Knien der Berge bezwang, Land und Meer verschlingen konnte mit der Flöte für seine Liebste spielte".

 

Wir überquerten ein unendlich scheinen wollendes "Meer von Hügeln". Weil der ganze Wald der diese Landschaft einst bedeckte zu Möbeln und Brennholz gemacht worden war, sahen die Hügel nun total kahl und braun aus. Erosion hat an vielen Orten die Erde weg gewaschen und Erdrutsche gefährden immer Mal wieder die Strasse, entweder weil sie sie von oben herab verschütten oder weil ausgespühlte Sektionen nach unten absacken.

 

Wir übernachteten in einem Farmhostel bei Pangaroa, bevor wir in Palmerston North wieder die Zivilisation erreichten. Von dort ging's weiter nach Wanganui, einem Städtchen von ähnlicher Grösse, das für unseren Geschmack aber viel mehr Charme hatte. In einer netten Backpackers Herberge kriegten wir ein Doppelzimmer mit einem romantischen Erker-Fenster, von dem wir eine schöne Sicht über den Whanganui Fluss hatten. Erst vor ein paar Tagen hatte die Uraufführung des Kinofilmes "River Queen" stattgefunden. Da entlang dieses Flusses gedreht worden war, spekuliert nun die Tourismusbranche darauf, dass bald Massen von "River Queen" Touristen hierher pilgern werden, jetzt wo die Hysterie derjenigen die die Drehplätze zu den "Lord of the Rings" Filmen besuchen, langsam abflaut. Für uns, die sich nicht auf dem Laufenden halten, wer weshalb berühmt ist, scheint es unglaublich wie viele Leute bereit sind, teure Reisen zu unternehmen nur um den Fusstapfen ihrer verehrten Idole zu folgen.

 

Nichts desto trotz fuhren wir dem Whanganui River entlang so weit die schmale Schotterstrasse führte und wir geben zu, es ist eine wirklich bezaubernde Landschaft. Da der Fluss im Tongariro Nationalpark im Zentrum der Nordinsel entspringt, übernachteten wir noch einmal am selben Ort wie zu Weihnachten. Am nächsten Morgen präsentierten sich uns die drei Vulkane noch einmal ohne Nebel in der Ferne. Auf dem Mount Ruapehu lag nun deutlich weniger Schnee als vor 6 Wochen.

 

Ueber eine unasphaltierte Strasse fuhren wir über ein weiteres "Hügelmeer" bis wir schlussendlich die Westküste erreichten wo uns eine faszinierende Küstenlandschaft erwartete. Bald erreichten wir New Plymouth. Dahinter versteckt sich sich der zweithöchste Vulkan des Landes (nach Ruapehu), Mount Taranaki/Egmont 2518 Meter hoch, doch da er sehr häufig von Wolken verhüllt ist, kann man ihn nur selten sehen. Der Volksmund sagt:"wenn man Taranaki sieht, wird es bald regnen, wenn man ihn nicht sieht, regnet es schon".

 

Die Stadt New Plymouth zählt 50'000 Einwohner und ist eigentlich recht schön am Meer gelegen, obwohl die Industriegebäude entlang des Hafens keinen allzu charmanten Hintergrund liefern.

 

Am nächsten Tag machten wir uns auf, um etwas vom Vulkan zu sehen. Nachdem wir 20 km bergauf gefahren waren, kamen wir in den Nebel, machten aber trotzdem eine kleine Wanderung, da als Folge des vielen Regens die Vegetation dort im Regenwald sehr speziell ist. Etwas weiter oben gab es überhaupt keine Pflanzen mehr, bloss noch schwarze Asche. Da an diesem Tag nur die eine Seite des Berges in Wolken gehüllt war, fuhren wir halt wieder ins Flachland hinunter, halb um den Kegel rum und auf der sonnigen Seite wieder den Berg hinauf. Später kamen wir an den sehr idyllischen Stausee Lake Mangamaroe auf dem schwarze Schwäne und (normale) Enten zwischen den mit Farnbäumen bewachsenen Inselchen schwammen. Dies war ein wunderschöner Ort von dem aus man den Vulkan im Hintergrund thronen sah. Wir fanden ihn dank eines Tips vom flippigen Alten, welcher unser Backpackers führte. Dieses wiederum hatte er mit dutzenden alten Fahrrädern dekoriert.

 

Von dort aus fuhren wir zurück nach Wanganui und auch dieses Mal konnten wir im Hostel wiederum ein Zimmer mit Erker ergattern. Von diesem Fenster aus sahen wir solange den Regen runter kommen bis sich schlussendlich sogar noch ein Regenbogen bildete.

Obwohl das Wetter auch in den nächsten Tagen noch nicht ganz perfekt war, gingen wir zum FKK Klub Te Marua, Wellington Naturists in Upper Hut, 40 km ausserhalb der Hauptstadt.

Hier bezogen wir ein kleines aber sehr geschmackvoll renoviertes Zimmer, das erst letzte Woche fertig gestellt worden war. Sofa, Bettbezüge, Vorhänge; alles war farblich aufeinander abgestimmt. Der Klub lag mitten in einem Wohngebiet und direkt neben einer Schule. Weniger als 100 Meter daneben gab es sogar einen Bungi-Springtum, von dem aus man ins Gelände sehen konnte, aber niemand schien sich daran zu stören. Die Campingplätze befanden sich auf ausgeebneten Wiesen am Hang und mittendurch floss ein Bächlein. Eine 20 Meter lange Fussgängerbrücke verband das Grundstück und es gab ein grosses Schwimmbad, sowie eine gut ausgerüstete Küche für die Campeure und die Hüttchenbewohner wie wir, denen die Mikrowelle im Zimmer nicht genügte.

In einem riesigen Klubhaus gab es sowohl eine Bibiliothek, als auch zwei Fernseh-Zimmer im Obergeschoss, einen Ping-Pong Tisch, Teppich-Pétanque, Sauna, Sprudelbad und mehr.

Am ersten Tag hatten wir Jane und John aus England als Nachbarn. Wir hatten die beiden vor 2 Monaten in Oranui kennen gelernt und so beschlossen wir spontan miteinander zu tafeln. Wir blieben 11 Tage dort und meistens waren zwischen 10-25 andere Personen anwesend, die meisten von ihnen Dauermieter in ihren Wohnwagen. Wir kamen zwar nicht mit all zu vielen von ihnen ins Gespräch, aber einen den wir bestimmt nie vergessen werden, ist Bruder Simon. Er erzählte uns, dass er vor 20 Jahren dem Klub beigetreten war, als er noch einem Orden angehörte. Währenddem er vor zwei Jahren nach einem Sturm beim Aufräumen mithalf, traf er am Zaun eine nette Dame die ein Haus direkt neben dem Vereinsgelände bewohnt. Und so kam es, dass er sein Mönchsleben beendete und mit 63 heiratete. Aber auch heute noch hat er Angst davor, dass der Pfarrer herausfinden könnte, dass er FKK macht.

 

Da das Wetter nun immer wärmer und sonniger wurde, genossen wir die vielen schattenspendenden Bäume und hatten gar keine Lust viele Ausflüge zu machen. Einmal jedoch fuhren wir über die vielen Hügel zum Kap Palliser. Es war eine sehr schöne Fahrt, aber der wahre Höhepunkt war für uns sicher die Seelöwenkolonie. Wir konnten viele der faulenzenden Tiere recht nahe fotographieren, währendem sie sich statt unsrer an der Sonne ahlten.

 

Am 20. Februar 2006 packten wir dann wieder alles zusammen und fuhren weiter nach Wellington. Als erstes besuchten wir eine Familie die wir vor kurzem in Morere Hotsprings kennengelernt hatten. Gill, Grant und ihre Töchter leben in einem grossen Haus des Vorortes Days Bay wo sie uns mit einem Mittageessen verwöhnten.

 

Später fuhren wir auf die andere Seite der Bucht und begaben uns ins Zentrum von Wellington. In dieser Stadt fanden wir alles was man von einer Hauptstadt erwarten konnte, von koordinierter Stadtplanung sah man hier allerdings nicht all zu viel. Trotzdem fanden wir diese Stadt aber charaktervoller und charmanter als Auckland.

Wir schlenderten in den windigen Strassen umher - dort scheint es immer zu winden - nahmen auch die Standseilbahn (hergestellt von Habegger Thun) zum Aussichtspunkt, besuchten einige Museen, die Bibiliothek, Internet-Cafés und Restaurants.

 

Am 23. Februar 2006 nahmen wir die Fähre zur Südinsel und gerade als die Autokolonne in den Bauch des grossen Schiffes eingewiesen wurde, entlud sich über Wellington ein heftiges Gewitter. So war es nicht verwunderlich, dass der erste Teil der Überfahrt recht schauklig war, aber bis wir in die Marlborough Sounds einliefen, verzogen sich die Wolken und wir konnten die Fahrt durch die Fjordlandschaft herrlich geniessen bis wir in Picton eintrafen. Was einst nur ein Verladehafen gewesen war, hat sich zu einem hübschen kleinen Touristenort mit vielen Strassencafés gemausert.

 

Nachdem wir dort eingekauft hatten, fuhren wir entlang der kurvigen, aber mit spektakulärer Aussichten belohnenden Küstenstrasse, genannt "Queen Charlotte Drive" die 40 km bis Havelock. Dort übernachteten wir und waren auch hier überrrascht, wie stark dieser einstige Weiler gewachsen war.

 

Die waldbedeckten Marlborough Sounds waren wunderschön und unberührt, ausser dass immer wieder Mal ein Haus an einer Bucht stand. Viele Orte konnten nur mit einem Boot erreicht werden, obwohl es doch einige Strassen gab die hinaus in die verästelten Landzungen führten. Es gab relativ viele Touristenunterkünfte, aber die meisten waren recht teuer, ausser die paar Backpackers von denen sogar die zwei bestgewerteten BBH Hostels mit von der Partie waren. Unsere Neugier, gepaart mit unserem Wunsch etwas in dieser schönen Landschaft zu verweilen, veranlasste uns in diesen beiden Unterkünften eine Reservation zu machen.

 

Zuerst folgten wir der Strasse entlang des wunderschönen Kenepuru Fjords bis zur Mohana Lodge die an einer kleinen Bucht gelegen war.

 

In ganz Neuseeland gibt es viele beliebte Wanderwege die z.T. über mehrere Tage durch attraktives Gebiet führen. Hier in den Marlborough Sounds gibt es 2 davon und meist sind sie so angelegt, dass man in bequemen Tagesetappen von einem Übernachtungsort zum nächsten gelangen kann. Normalerweise handelt es sich dabei um simple Campingplätze oder einfache Hütten mit Kajütenbetten. Aber hier am "Queen Charlotte Track" wurde alles getan um dem Komfort der wanderlustigen Kreaturen zu steigern. Zwar wurden die Wanderer nicht gerade in Särnften getragen, aber um ihr Gepäck von Unterkunft zu Unterkunft transportieren zu dürfen, darum warben 5 verschiedene Taxi-Boot Firmen! So mussten die Wanderer nur noch ihr Sandwich selbst tragen. Später sahen wir sogar, dass am Milford Track Gepäcktransport per Helikopter angeboten wurde.

Diejenigen die beweisen mussten, dass sie keine Weicheier sind, konnten auf einem Nationalpark Campingplatz zelten, aber warum sollten sie? Schliesslich gab es entlang des Treks der Königin Luxushotels, Frühstückpensionen oder Backpackers Herbergen zur Genüge. Mohana Lodge war eine davon und sie verwöhnte die Gästeschar zusätzlich noch mit guten und preiswerten Mahlzeiten. Dank der hohen Kundenbewertung im BBH Hostelführer, kamen inzwischen zusätzlich zu den wanderlustigen auch noch diejenigen dazu, die mit dem Auto hier raus fuhren um einfach ein wenig Zeit in diesem wunderschönen und super gelegenen Haus zu verbringen. Zu diesen gehörten wir und alle Anstrengung der wir uns unterwarfen war eine Bootsfahrt mit den gratis zur Verfügung stehenden Kayaks, eine Baby-Wanderung und ein Sonnenbad an einem einsamen Aussichtspunkt.

 

Von hier aus fuhren wir nach zwei Tagen zur andern Seite des Kenepuru Fjords in die Hopewell Lodge. Dieses Backpackers war eher für Reisende gedacht die einfach zum Ausspannen kamen oder sich mit kleinen Aktivitäten beschäftigen wie spazieren, Kanu fahren, in der Hängematte schaukeln oder in dem direkt am Fjord gelegenen Sprudelbad entspannen oder diskutieren. Einige bevorzugten ein Bad zum Sonnenaufgang, andere zum Sonnenuntergang, dazwischen oder unter dem Sternenhimmel.

 

Die Besitzer Linley und Mike stellten das nötigste "know-how" und die Austrüstung zur Verfügung um am Strand Austern zu finden oder um zu fischen. Zusätzlich zu diesen frisch gefangenen Delikatessen offerierte das Hostel noch jeden zweiten Tag 20 kg grüne Muscheln. Es war herrlich diese mit allen zusammen an einem grossen Tisch zu geniessen. Wie in den meisten guten Hostels gab es auch hier keine Glotze, dafür aber eine Gitarre die oft benutzt wurde, wenn alle am Abend um den Kamin sassen. Auch hier kamen wir wieder mit sehr interessanten Leuten zusammen. Am häufigsten unterhielt man sich in Englisch, obwohl über 70% der Gäste aus einem deutsch sprachigen Land kamen. Weitere 20% kamen aus England oder Nordamerika und weniger als 10% stammten aus dem Rest der Welt. Neuseeländer kamen nicht all zu häufig in die kleinen Backpackers Hostels und die Besitzer schienen darüber gar nicht so unglücklich zu sein. Des öfteren haben jene anscheinend Probleme verursacht wenn sie zu viel tranken und damit die gute Atmosphäre störten.

 

Es gab hier noch mehr, was es sonst nicht überall gab: eine Waschmaschine die warm wusch, einen billigen Internet Anschluss und das Beste von allem: schweres krustiges Brot! Weil alle so scharf darauf waren sich so ein Brot zu bestellen, waren die drei Brotbackmaschinen die es da gab, fast non-stop in Betrieb. Da sich dieses Brot so deutlich von dem abhob was man in den Bäckereien fand, bestellten die 22 Gäste bis zu 12 Laibe pro Tag. Ist doch toll: sogar zum Backpackers Preis wurden wir hier wie die Könige verwöhnt und genossen eine Lage die normalerweise Millionären vorbehalten bleibt. Kein Wunder, dass 65% der Gäste hier in Hopewell verlängern.

 

Hier in Neuseeland gehen viele Hostels so sehr auf die Eigenheiten und Wünsche ihrere Gäste ein, dass es kaum verwunderlich ist, dass einige dieser Traumunterkünfte für Rucksackreisende zu richtigen kleinen Ghettos für vorwiegend deutschsprachige Gäste  wurden. Normalerweise war der Preis pro Person im Doppelzimmer Euro 10-15 oder Euro 9-13 im 'Schlafsaal', welche aber oft nur 3-6 Betten hatten.

 

Nach 5 Tagen fuhren wir für zweieinhalb Stunden die enge kurvige Schotterstrasse zurück zur Hauptstrasse von wo aus wir unsere Fahrt über bewaldete Hügel nach Nelson fortsetzten. Hier war die Hauptstrasse von Bäumen und Strassencafés gesäumt und wir hatten den Eindruck, dass dieses Städtchen klein und ruhig geblieben ist.

Nun ging´s weiter zum "Mapua Leisure Park". Es war hier gewesen, wo wir uns vor 13 Jahren entschieden hatten auszusteigen und Geld zu sparen für die Reise auf der wir uns jetzt befinden. Wir sind nach wie vor davon überzeugt das Richtige getan zu haben, als wir vor fast 7 Jahren unsere Jobs an den Nagel gehängt haben und alles verkauften um am 12.5.99, als Brigitte 37 und Heinz 39 war, loszufahren.

 

Für uns war Mapua immer noch ein wunderschöner Ort und dies nicht nur weil es hier Sandfliegen gab, die nicht bissen.

Obwohl sich hier in der Zwischenzeit einiges verändert hatte und auf dem Campingplatz nur noch für zwei Monate im Jahr (Febr.-März) Kleidertragen freiwillig war, behielt dieser Ort immer noch etwas magisches für uns. Seine Landschaft am Strand entlang der gezeitenabhängigen sandigen Flussmündung wo wir die Sonne auf unserer ganzen Haut spüren konnten, bot für uns ein ideales Umfeld um über das Brechen von weiteren Tabus nachzudenken. Jetzt war es auch gerade wieder Zeit unsere zukünftigen Reisepläne zu definieren.

 

Vielleicht gerade weil es kein reiner Naturisten-Hort ist, hat kann man diesen Ferien-Park auch als Spiegel betrachten, wie tolerant die neuseeländische Gesellschaft ist. Sämtliche der über 50 Unterkünfte waren über das Wochenende belegt, die meisten nicht von Naturisten. Einige wohnten einfach nur hier um einen Anlass in der Umgebung zu besuchen. Obwohl viele Neuseeländer ziemlich prüde sind und ihren Badeanzug lieber auch noch in der Dusche anbehalten, störte es sie offenbar überhaupt nicht, wenn sich ihre Nachbarn ganz auszogen. Sie starrten auch nicht hin. Am Montag waren sie dann alle wieder abgezogen und zurück blieben fast nur noch ein paar Nackte - zumindest bis zum nächsten Wochenende. Dank dem die Sauna täglich zu einer bestimmten Zeit eingeheizt wurde, war sie ein guter Treffpunkt um mit den anderen Gästen zusammen zu kommen, von denen einige langjährige Dauermieter waren die so manche Geschichte zu erzählen wussten.

 

Nach ein paar Tagen gingen wir weiter nach Blenheim, wo wir an der neuseeländischen Volkszählung teilnehmen mussten. Nun kamen wir dahinter, weshalb das Total der verschiedenen Volksgruppen der Volkszählung 2001 immer so etwas um 120% ergeben hatte. Die registrierten Einwohner machen zwar schon 100% aus, die Regierung wollte jedoch jede einzelne Person erfassen, die sich am Stichtag im Land aufhielt, so z.B. auch sämmtliche Touristen, Sprachstudenten, Geschäftsreisende und Flugzeugbesatzungen etc. und somit stiegen die Zahlen noch und noch. Diese Zahlen waren um so mehr aufgeblasen da der Stichtag vom 7.3. noch voll in der Hochsaison für ausländische Touristen lag. Die 4 Mio. Neuseeländer empfangen nämlich jährlich etwa 2 Mio. ausländische Besucher und so zählen kleine aber touristische Orte an diesem Tag bestimmt ein Vielfaches ihrer normalen Einwohnerzahl.

 

So ein Ort war sicher Kaikoura, unser nächstes Ziel. Entlang der Küste konnte man an mehreren Orten sehr nah an Seelöwenkolonien heran kommen. Auch grössere Gruppen von Delphinen können des öftern vom Ufer aus beobachtet werden. Das grösste Geschäft wurde hier jedoch mit "whale watching" Touren gemacht. Da wir aber erst vor 6 Monaten in Westaustralien so viele Wale gesehen hatten, war mit uns kein Geld zu verdienen!

 

Von dort aus machten wir einen Abstecher über die Berge, von der Ost- zur West- und zurück zur Ostküste. Zuerst durchfuhren wir ein beeindruckendes Flusstal, dessen Strasse oft über nur einspurige Brücken führte. Wir übernachteten in Hanmer Springs, einem Kurort das für seine Thermalbäder bekannt ist. Es hat uns schon etwas belustigt die Leute in ihren Badekleidern und einem Tuch um die Hüften gewickelt aus dem Auto steigen zu sehen. Um so mehr als wir sahen, dass sie nach dem Baden die nassen Sachen anbehielten und vielleicht noch ein trockenes T-Shirt überstülpten und so ins Auto zurück hasteten. Hier oben war es eigentlich schon recht kühl und windig aber viele schienen die Garderobe zu meiden weil es vielleicht keine Privatkabine haben könnte.

 

Wir hatten dasGlück, dass uns jemand einen Tip gab, wo wir draussen in der Natur eine heisse Quelle finden konnten. Als wir dort ankamen, sass bereits eine junge Neuseeländerin im Evaskostüm im warmen Wasser gleich neben einem Fluss und so schälten wir uns und gesellten uns zu ihr. Nachdem wir miteinander für ein Stündchen geplaudert hatten, versuchten wir uns schneller in die Kleider zu stürzen als die Sandfliegen beissen konnten; von denen stürzte sich nämlich eine grosse Anzahl auf uns.

Danach ging's weiter über den Lewis Pass und später übernachteten wir in einem gemütlichen Backpackers Hostel ausserhalb von Westport. Dieses war eine sogenannte "Eco Lodge" mit Solarstrom, selbstkompostierendem geruchfreiem Plumpsklo und Trinkwasser das vom Dach gesammelt wurde. Nicht weit von dort besuchten wir die "Pancake Rocks" im Punakaiki Nationalpark, welcher direkt an der Westküste gelegen war. Es war einfach zu sehen woher dieser Name rührte, denn viele der Kalksteinfelsen glichen in der Tat aufeinander getürmten Pfannkuchen und unter ihnen gab es noch ein paar beeindruckende Blas-Löcher, durch welche die Wellen nur so hoch schossen. An diesem Sonntagmorgen wurde diese Attraktion regelrecht von Touristen überschwemmt und wenn man die gut angelegten Fusswege und das grosse Besucherzentrum in Betracht zog, war es ein Wunder, dass kein Eintritt verlangt wurde.

Über Greymouth und eine sehr steile Passtrasse, erreichten wir oben die Siedlung Arthur's Pass. Wir stiegen in einem hübschen Berghaus ab, wo rund um die Uhr ein Feuer im Kamin brannte. Da mittlerweile der Herbst vor der Tür stand, waren die Nächte schon deutlich kühler und alle Backpackers Hostels in denen wir bisher auf der Südinsel übernachtet hatten, hatten jeweils am Abend ein Feuer entfacht.

Natürlich war es hier oben auf 925 M.ü.M. schon etwas kühler als an der Küste, aber wir fanden es trotzdem übertrieben durchzuheizen, wenn die Aussentemperaturen tagsüber wieder 15 °C Grad erreichten. Zum wandern waren diese Temperaturen aber genau ideal und trotzdem kamen wir sehr bald ins schwitzen als wir den Anstieg des "Scotts Track" in Angriff nahmen um die spektakuläre Aussicht auf die umliegenden Täler und schneebedeckten Berge und Gletscher zu geniessen. Auch die Weiterfahrt vom Arthurs Pass nach Christchurch war sehr beeindruckend; vor allem wegen den kleinen Seen und den total verschiedenartigen Bergen.

 

In Christchurch konnten wir bei unserem Freund Graeme wohnen, den wir letzmals vor 6 Jahren gesehen hatten, als er uns im Costa Natura besuchte. Er lebt nun mit Donna und ihrer Tochter Grace zusammen. Nachdem er von seiner 16 jährigen Weltreise zurück gekehrt war, kaufte er das Vagabond Backpackers im Stadtzentrum. Es war super ihn wieder zu sehen und mit ihm viele Reiseanekdoten auszutauschen. Zweimal nur fuhren wir ins Stadtzentrum von Christchurch, welches wir als sehr charmant empfanden. Da es aber beide Male Wochenende war, waren viele Leute auf Sumpftour und es zeigte sich noch offensichtlicher, dass die Neuseeländer ein Alkoholproblem haben. Selbst wenn wieder Ruhe eingekehrt war, sah man überall Scherben auf den Strassen liegen, da die leeren Flaschen gewohnheitsmässig auf die Strasse geworfen werden, sei es nun auf dem Land oder in der Stadt.

 

Am dritten Tag war Brigitte's Geburtstag und sie wurde sogar gleich zweifach Überrascht. Nachdem Heinz Graeme gebeten hatte, mit einem Geschenk aus dem Laden zu schleichen in dem wir drei einkauften, organisierte dieser zusammen mit Donna später auch noch eine herrliche Geburtstags-Torte die Brigitte sehr begeisterte!

 

Nach fünf Tagen fuhren wir nach Akaroa weiter, einem beliebten Ausflugsziel im Banks Peninsula. Da dieser Ort ursprünglich von Franzosen besiedelt worden war, trugen auch heute noch viele Strassen, Restaurants und Geschäfte französische Namen. Was angeboten wurde war (leider) meistens total neuseeländisch. Kein Problem; wir hatten ja schliesslich für drei Tage eine Reservation im "Le Bons Bay Backpackers", welches für seine vorzüglichen Gemeinschafts-Mahlzeiten im groumetstil bekannt war. Es ist beeindruckend, dass Gary der Besitzer, welcher bereits vor 13 Jahren für uns und seine unzähligen anderen Gäste gekocht hatte, dies immer noch gerne tut und die Qualität sogar noch gesteigert hat, sodass alle Rucksackreisenden in Neuseeland  von diesem "Backpackers Gourmet-Tempel" schwelgten. Maximal 17 Personen konnten hier wohnen und für gewöhnlich liessen sich alle am grossen Tisch nieder um die 6-8 exquisiten  Gerichte zu geniessen, welche alle frisch zubereitet in die Mitte gestellt wurden. Den Abwasch besorgten die Gäste die ihre Diskussionen später um den Kamin sitzend noch den ganzen Abend fortsetzten. Auch tagsüber war dies das Beste das man tun konnte, da uns das Wetter Nebel und Nieselregen bescherte. Der Herbst hatte definitiv Einzug gehalten und an diesem Wochenende ward nun auch noch die Sommerzeit abgeschafft.

 

Trotzdem versprach die Wetterprognose wieder ein paar sonnige Tage und so nahmen wir die Gelegenheit war und buchten uns im Pineglades FKK Verein in Christchurch ein. Dieses Gelände war wiederum inmitten eines Wohngebietes gelegen und hier stand das Eingangstor sogar Tag und Nacht weit offen. Es sah hier überhaupt nicht nach Camping aus, eher wie in einem kleinen Dorf mit vielen kleinen adretten Häusern und einem kleinen Campingplatz in der Mitte, sozusagen auf dem Dorfplatz. Eine gewisse Anzahl von Mitgliedern lebte sogar permanent hier. Obwohl der Klub auf eine 50 jährige Geschichte zurück blicken konnte, sah vieles recht neu und gut unterhalten aus. Es gab ein sehr modernes grosses Klubhaus und in einem Nebengebäude war eine Sauna und ein riesengrosses Sprudelbad untergebracht. Zudem wurden in einem Kiosk Eis und Snacks verkauft. Die Mitglieder waren alle sehr aktiv auf den vielen Sportplätzen. Viele hatten wunderschöne Gärtchen angelegt, nicht nur um ihr eigenes Haus herum, sondern auch im gemeinsam bewirtschafteten Baumgarten und in einem hübschen Steingärtchen mit Springbrunnen.

 

Nachdem wir unsere erste Nacht in einem winzigen Bungalow verbracht hatten, reizte es uns ins grössere umzuziehen, welches die "grosse Bach" genannt wurde (Maori für Hütte) und dies für bloss 10 Dollar mehr pro Nacht. Dies war eigentlich ein richtiges Haus mit Wohnzimmer, Küche und separatem Schlafzimmer. Es hatte Betten für 6 Pers. aber das Bad war ausserhalb. Obwohl ein kalter Wind wehte und die Durchschnittstemperatur nur bei etwa 13°C Grad lag, kamen wir auf unserer windgeschützten Terrasse leicht ins schwitzen. Als wir nach 5 Tagen weiterfuhren, hatten wir sogar nochmals richtig Farbe angenommen.

 

Auf dem "inland scenic way" fuhren wir weiter südwärts an vielen Farmen vorbei. Nur noch wenige hielten Schafe. Neuseeland hat sich verändert, anderes ist jetzt "IN"! Auch Milchkühe und Mastrinder, Hirsche, Strausse und neuerdings Alpacas werden oft gezüchtet. Alpacas sind den Lamas verwandt und sie sind vor allem ein Hit bei "life-styler'n" wie Aussteiger hierzulande neu genannt werden. Falls dieselbe Welle Europa noch nicht erfasst hat, lasst es uns erklären: immer wieder überraschte es uns, wie viele 40- bis 50 jährige Menschen hier in Neuseeland ausgestiegen sind, auch viele Einwanderer, und ihren erfolgreichen Beruf gegen einen neuen "life-style" eintauschten um ein gemächlicheres Leben, mit mehr Lebensqualität führen zu können. Dies hat sogar schon wieder einen eigenen Industriezweig ins Leben gerufen. Weil diese 'Aussteiger' oft auf's Land ziehen wollten um ein gemächlicheres Leben zu führen, sahen wir Strassenrand nun schon Schilder mit Aufschriften wie: "lifestyle for sale"(Lebensstil zu verkaufen). So versuchten nun gewiefte Immobilienmakler alte Bauernhöfe zu vergolden, denn viele der "Neu Aussteiger" haben ja Geld.

 

Wir übernachteten in Geraldine, einem kleinen sehr touristischen Dorf. Tourengruppen auf dem Weg zum Mount Cook machten hier oft Halt um der Touristenschar die einmalige Möglichkeit zu bieten, ein seltenes Souvenir zu ergattern. Als wir am nächsten Tag den Burkes Pass überquert hatten, kamen wir sehr bald an die Sonne, da alle Wolken auf der anderen Seite des Passes stecken blieben, wie dies angeblich hier oft der Fall sei. Bald erreichten wir den Lake Tekapo, welcher uns in seiner wunderschönen blauen Farbe entgegenleuchtete und mit den Herbstäumen am Ufer eine kontrastreiche Kulisse darstellten.

 

Wir übernachteten in Kay und Brian's FKK Aoraki Naturally etwa 17 km weiter. Da die beiden, genau wie wir, viele Artikel in der englischen FKK Zeitschrift "Naturist Life" veröffentlicht hatten, begrüsste uns Kay wie alte Bekannte. Da wir auch schon viel von ihr gelesen hatten, erging es uns genauso. Ihr Grundstück lag mitten in einem heissen Talkessel. Der Kesselboden war eigentlich ein Hochplateau, das von hohen Bergen umgeben war. Dies war eine sehr karge und dürre Landschaft und am Morgen war es meist neblig oder bewölkt. Gegen 11 Uhr wurde der Himmel dann aber immer stahlblau und die Luft erwärmte sich. So konnten wir im Antlitz der majestätischen Berge ein Sonnenbad geniessen, während der letzte verzogene Nebel wie erstarrte Wasserfälle an den Hängen klebte. Die Sonne wärmte uns gut, aber kaum war sie unter gegangen, zog eisige Kälte auf.

Wir mieteten ein Zimmer in einer umgebauten Scheune und in einer anderen gab es eine Küche mit Aufenthaltsraum und einem Kaminfeuer. Eines abends, recht spät noch, kam hier noch richtige Backpackers Atmosphäre auf, nachdem noch 2 Parteien Leute hier Unterschlupf fanden. Alle Unterkünfte der Umgebung schienen wegen eines Ruder-Anlasses ausgebucht. Da sie aber alle 4 am nächsten Morgen abgereist waren, bevor sich der Nebel verzogen hatte, bekamen sie nicht Mal eine Gelegenheit...Wir waren bei den letzten Gästen hier, da Kay und Brian im Oktober 06 in der Nähe vom sonnigen Blenheim neu das FKK Wai Natur eröffnen werden.

 

Wir wollten einen Ausflug zum Mount Cook machen und nachdem uns Brian einen Tip gegeben hatte, wann der richtige Zeitpunkt sei, nahmen wir ihn in Angriff. Offenbar kommt es nicht allzu häufig vor, dass die Sicht zum Berg frei ist und wenn er ihn vom Haus aus sehen kann, weiss er, dass die Chancen gut stehen. Vielleicht gäbe es so bald keine zweite mehr. Und so hatten wir Glück und konnten Neuseelands höchsten Gipfel Aoraki / Mt. Cook (3754 M.ü.M) schon bei der Anfahrt geniessen. Er thronte hinter dem Pukaki See in welchem er sich zusammen mit anderen schneebedeckten Gipfeln spiegelte. Am Ende der Strasse befand sich die kleine Siedlung Mt. Cook, welche extra für Touristen gebaut worden war. Wir wanderten zu einem Aussichtspunkt über dem Tasman Gletscher der magisch im letzten Sonnenlicht war. Das Eis der Gletscherzunge selbst war eigentlich gar nicht mehr sichtbar, da es meterhoch mit Kies bedeckt war. Am Gletschersee jedoch reflektierten die schwimmenden Eisschollen ein bläuliches Licht.

 

Auf unserem Weg zurück zur Ostküste, folgten wir dem landschaftlich sehr schönen Waitaki Flusstal. An diesem ist ein riesiges Wasserkraft-Projekt realisiert worden, welches das Wasser 6 Mal staut auf seinem Weg zu Tal. So folgten wir den blauen Stauseen, die jetzt von herrlich leuchtenden goldenen Herbstbäumen eingrahmt waren, bis wir Oamaru erreichten.

Hier konnten an mehreren Orten Pinguine beobachtet werden, wenn sie jeweils vor Einbruch der Dunkelheit an Land kamen. Wir sahen mehrere der vom Aussterben bedrohten Yellow Eyed Pinguine wie sie über die Felsen watschelten und hüpften um zu ihren Jungen zurück zu kehren, welche ganz ungeduldig auf ihre Fütterung warteten. Mehrere Beobachtungsunterstände waren der Küste entlang an Stellen aufgebaut worden, wo oft Pinguine durchkommen.

 

Eine weitere Sehenswürdigkeit waren die Moeraki Boulders; grosse runde Steine, welche am Strand von Moeraki lagen. Bei Flut waren die meisten unter Wasser, bei Ebbe jedoch waren sie vollkommen freigelegt. Sie massen zwischen 40 und 300 cm im Durchmesser und bestanden aus zusammen geklebten Rückständen von Schalentieren und Muscheln und viele wiesen richtige Nähte aus Kristall auf, mit denen die innen hohle Kugel zusammen gehalten war, wie man von einigen aufgebrochenen sehen konnte. Weshalb sie aber rund sind verstanden wir nicht ganz. Vielleicht kommt IHR dahinter und klärt uns auf, wenn ihr auf der wissenschaftlichen Erklärung ("Moeraki Boulders wissenschaftlich") im Internet nachlest.

 

Kurz vor Dunedin wurden die bisher sehr trockenen Hügel plötzlich saftig grün. In dieser Stadt kriegten wir in einem Backpackers Hostel ein etwas spezielles Zimmer. Es hatte ein 2x3 Meter grosses und 1 M hohes Podest auf welchem ein Sofa platziert war. Von hier aus hatten wir eine schöne Sicht hinunter auf die hügelige Stadt. Dunedin war eine süsse Stadt, nicht nur weil die Schokoladefabrik Cadbury mitten im Zentrum war. Viele alte viktorianische Steingebäude verliehen dieser Universitätsstadt einen charmanten Charakter. Es gab auch viele ethnische Restaurants, welche schmackhafte Mahlzeiten zu Studentenpreisen anboten.

 

Nur 60 km weiter südlich wohnten wir im "Happy Inn Backpackers". Es wurde von Toni Bachmann, einem schweizer Aussteiger aus Mühlau geführt. An seinem alternativen Lebensstil liess er seine Gäste teilhaben, (sie sind aber sicher arbeitsaufwändiger als Alpacas). Er überliess ihnen organisches Gemüse aus dem eigenen Garten, verkaufte selbstgebackenes Holzofenbrot und gab zudem Unterricht in Yoga, Tai-Chi und jonglieren. Er gestaltete und baute grosse Teile seines Hostels selbst um. So z.B. das eine Zimmer, das inwändig nun aussah wie eine rustikale Alphütte. Das Speziellste jedoch war ein zur Sauna umfunktionierter alter Dampfkessel. Ganz "unneuseeländisch" konnte diese Sauna im Tenue splitternakt benutzt werden und da Toni die Sauna gern voll hatte, wenn er sie schon einheizte, lud er jeweils ein paar seiner europäischen Nachbarn ein, wenn das Hostel nicht voll war. Das Beste aber war, dass Toni für alle das Geschirr spülte; selbst abwaschen war strengstens verboten!

Er folgte der buddhistischen Lehre und häufig, wenn er darüber nörgelte ob der Mensch Fleisch essen soll oder ob er überhaupt essen müsse, fragten wir uns, ob dies seine Ueberzeugung war, oder ob er einfach eine Diskussion provozieren wollte.

 

Die hügelige Küstenlandschaft entlang der Catlins Küste, entdeckten wir vor allem auf guten Schotterstrassen. Kühe und Schafe weideten auf saftigen grünen Wiesen.

In Curio Bay übernachteten wir in einem ganz neuen Hostel, welches direkt am Strand lag. Es hatte nur zwei Doppelzimmer und 5 Betten in einem Schlafsaal. Oft konnten wir Seehunden und den sehr seltenen Hektor-Delphinen zusehen, dazu mussten wir nicht einmal immer das Haus verlassen. Auf der anderen Seite der Halbinsel, nur 10 Min. zu Fuss, konnten wir jeweils vor Einbruch der Dunkelheit weitere "gelb-augen Pinguine" beobachten, wenn sie vom fischen zurück kamen.

 

Nach drei Tagen ging es weiter nach Invercargill am südlichsten Zipfel der Südinsel. Viele Leute empfanden diese Stadt als hässlich, aber uns gefiel sie eigentlich noch. Wir fanden einige schöne Gebäude. Auch der Aussichtspunkt auf dem "Bluff" Hügel weiter südlich war schön und bot einen beeindruckenden Rundblick, auch wenn die Landschaft dort schon etwas von Industriegebäuden verunstaltet war.

 

Entlang der Touristenstrasse "Southern scenic Route" folgten wir der Küste bis es nach 60 km inland auf die Berge zuging. Nachdem wir am Manapouri See vorbei waren, erreichten wir Te Anau, welches am See mit gleichem Namen lag. Da dies der Ausgangsort zum Fiordland Nat. Park war, konnte dieses Dorf ein Vermögen damit verdienen den Touristen all das anzubieten, was ihnen zum Glück noch fehlte: Restaurants, Souvenirs und Unterkünfte. Die meisten Zimmer hatten das Privileg Seesicht zu geniessen.

 

Von Te Anau aus waren es noch 120 km entlang einer faszinierenden Ausflugsstrecke zum Milford Sound, dem berühmten Fjord der die Hauptattraktion dieser Gegend war. Wir hatten sehr viel Glück einen sonnigen Tag für den Ausflug zu erwischen, da es hier an den meisten Tagen regnet. Diese Gegend wird mit 6000mm (6 Metern!) Regen pro Jahr beglückt, östlich dieser Berge sind es nur noch ca. 330mm. Der Fjord selbst war tief in die hohen Berge eingeschnitten und die Vegetation war logischerweise enorm grün. Alles schien mit Moos bedeckt, teilweise sogar die Mitte der Asphaltstrasse. Dutzende kleiner Bäche stürzten von allen Bergen herunter von denen die höchsten schon scheebedeckt waren, jetzt Mitte April. Es gab klare spiegelnde Seen und tosende Wasserfälle, welche grosse runde Löcher in den Fels gemahlen hatten. Die meisten Ausflügler machten eine Bootsfahrt hinaus aus dem Fjord und alle die das Glück hatten den Berg zu sehen, mussten natürlich den majestätischen Mitre Peak photographieren.

 

Nach drei Tagen in Te Anau fuhren wir weiter nach Queenstown, welches in der Zwischenzeit zu einem kleinen St. Moritz geworden war. Zum Glück war es aber nicht ganz so teuer und der internationale Flughafen wurde nicht nur von superreichen "Jet-Set'ern", sondern auch von Billig-Airlines angeflogen. Die Landschaft mit dem See und den Bergen war atemberaubend schön, doch die meisten suchten dort vor allem Nervenkitzel. Queenstown ist ein wahres Paradies für super aktive Adrenalinstoss-Süchtige. Es wird ihnen hier jede erdenkliche Möglichkeit geboten, ihr Geld im Schnellstverfahren los zu werden. Jet-boating, white water rafting und Tandem Fallschirmspringen hatten hier schon lange Tradition, aber die bei weitem noch immer beliebteste Abenteuer-Aktivität war, sich von Brücken oder aus Seilbahnen zu stürzen.

Um die Chancen zu erhöhen, dass die unerschrockenen Masochisten auch in der Lage waren für einen zweiten und dritten Sprung zu bezahlen, befestigten die geschäftstüchtigen Bungy-Unternehmer ein Gummiband um die Knöchel ihrer Kundschaft bevor diese sich in die Tiefe stürzten. Vor Jahren wurde der $ 130-200.- teure Kick denjenigen die sich nicht genierten nakt zu springen gratis angeboten. Da aber zu viele preisbewusste Backpacker ihre Hemmungen angesichts so einer Ersparnis schnell ablegten, wurde dieses Angebot wieder abgeschafft.

Viele neue Abenteuer-Sportarten waren hier erfunden worden und sind z.T. heute in der ganzen Welt etabliert. Queenstown war auch neuseeland's Party-Hochburg und wie im ganzen Land brauchten heutzutage die meisten eine Partypille um Spass zu haben.

In der Zwischenzeit war es Ostern geworden und wir vernahmen in den Nachrichten, dass sich eine neuseeländische Schauspielerin das ganze Wochenende sorgte, weil ihr Freund Fallschirm springen wollte. Der Rest des Landes befand sich im Schockzustand da der Benzinpreis ein weiteres Mal um 6 Cents angestiegen war und mittlerweile $ 1.699 (0.88 Euro) für Bleifrei kostete. Durch diesen Schicksalsschlag wurde der Osterverkehr jedoch trotzdem nicht weniger. Während der Osterferien schien alles in die südlichen Alpen zu fahren und deshalb waren die Backpacker's Unterkünfte plötzlich wieder bis aufs letzte Bett belegt. In den Hostels waren es nicht in erster Linie die Einheimischen, sondern zehntausende von ausländischen Studenten, welche nun ihre Schulferien nutzen wollten um auch etwas vom Land zu sehen. Selbstverständlich hatten sie alle Betten im voraus gebucht und so mussten wir für die nächsten drei Wochen jeweils an mehreren Orten anrufen, bis wir jeweils ein neues Doppelzimmer fanden.

 

Durch verschiedene Bergtäler die nun in den schönsten Herbstfarben leuchteten, ging unsere Reise weiter. Wir machten einen kurzen Halt im charmanten Dörfchen Arrowtown, bevor wir nach Wanaka weiter fuhren. Die Landschaft war hier ebenso schön wie in Queenstown, aber Wanaka war viel kleiner und es herrschte weniger Rummel. Auch hier lebten fast alle vom Tourismus und im Winter befinden sich um diese beiden Orte die wichtigsten Skigebiete des Landes.

Viele wohlhabende "Lifestyler" hatten ihre Villen auf den Hügeln entlang des Wanaka Sees. Während der fünf Tage die wir da waren, wetzten wir unsere Wanderschuhe kräftig ab, entweder entlang des Sees oder beim Bezwingen des Mount Iron (559 M.ü.M.).

 

Gerade als wir zur Westküste aufbrechen wollten, pfiff uns die Besitzerin des "Purple Cow Backpacker's (Lila Kuh doch ohne Milka) zurück und informierte uns, dass die Strasse über den Haast Pass wegen einer Geröll-Lawine geschlossen werden musste. So kämpften wir nochmals um Betten im noch immer sehr vollen Hostel und bekamen erst dann ein eigenes Zimmer zugesagt, nachdem jemand der auf der anderen Seite des Passes stecken geblieben war, abgesagt hatte. Statt Trübsal zu blasen machten wir uns wiederum zu einer vier stündigen Wanderung entlang des Sees auf.

Am nächsten Tag wurde der Haast Pass dann stundenweise für den Verkehr geöffnet und wir sahen welch kleiner Bach es geschafft hatte, 300 Meter der Strasse mit grossen Felsbrocken und Schlamm zu bedecken.

Kaum ging's auf der anderen Passeite runter, veränderte sich die Vegetation dramatisch und die Landschaft war nun mit sattgrünem Regenwald bewachsen. Wir hielten oft an um die vielen kurzen Spazierwege im mossbedeckten Wald auszunützen die da angelegt worden waren.

 

An der Westküste angelangt, bezogen wir Quartier im Dorf Haast. Zusammen mit drei Schwedinnen, die im selben Hostel waren, machten wir einen Abstecher nach Jackson Bay. Normalerweise waren die drei Mädels mit dem Bus unterwegs und deshalb genossen sie es, einmal etwas abseits der Hauptstrasse zu sehen. Auch entlang dieser Strasse waren viele kleine Spazierwege im Regenwald oder Sumpfgebiet angelegt worden aber die "crested" Pinguine kamen leider nicht zum rendez-vous. Dafür wurden wir mit ungewöhnlich schönen Sonnenuntergangsfarben die sich in den Hügeln reflektierten, belohnt.

 

Als nächstes besichtigten wir den Fox Gletscher. Vom Tal her konnte man bis zur Gletscherzunge hinauf wandern und das bläuliche Eis bot einen beeindruckenden Anblick. Am nächsten Morgen spazierten wir um den kleinen Matheson See, in dem sich die schneebedeckten Berge dahinter wunderschön spiegelten, vor allem jetzt da die Wolken abgezogen waren. Bereits der Weg der durch den dichten Wald dorthin führte, faszinierte uns mit all seinen Pflanzen auf denen jetzt die verbleibenden Regentropfen der letzten Nacht im Sonnenlicht glitzerten.

Nur 25 km nördlich vom ersten, gab es einen zweiten, sehr ähnlichen Gletscher, genannt Franz Josef. Der österreichische Entdecker Julius Haast hatte ihn im Jahre 1865 nach seinem Kaiser benannt. Fox hingegen wurde nach dem neuseeländischen Premier Minister benannt, der ihn im Jahre 1872 besucht hatte. Im Moment ziehen sich beide Gletscher zurück, aber bis vor kurzem seien sie um bis zu fünf Meter pro Tag gewachen, was zehn Mal schneller war, als diejenigen in den schweizer Alpen. Auch hier marschierten wir bis direkt ans Gletschertor, aber viele Touristen machten auch geführte Wanderungen auf dem Eis oder überflogen es im Helikopter, weshalb ein konstantes Brummen in der Luft war.

 

Als wir das Touristenzentrum Franz Josef erreichten, waren die Backpacker's Unterkünfte immer noch sehr gut belegt. Aber dies war nun das letzte Mal, dass wir mehrere Orte anrufen mussten, bis wir ein Zimmer fanden. Ab Hokitika, unserem nächsten Übernachtungsstop, reisten wir wieder sehr langsam, da die Westkste im wahrsten Sinne des Wortes mit charmanten Backpacker's Hostels übersäät war. So viele waren uns empfohlen worden, dass wir schlussendlich viel häufiger übernachteten als dies "notwendig" gewesen wäre, um unser Besichtigungsprogramm zu erfüllen.

Das Dörfchen Hokitika selbst war viel charmanter als wir es erwartet hatten und die brandneue Herberge "Bird Song" war mit riesigen stilvollen Vogelbildern dekoriert. Als nächstes wohnten wir im "Global Village Backpacker's" in Greymouth. Mit seiner geschmackvollen Einrichtung übertraf es noch all die anderen schönen Hostels die wir in Neuseeland gesehen hatten. Obwohl es mit 40 Betten eher eine der grösseren Unterkünfte war, in denen wir übernachtet hatten, war die Atmosphäre sehr gut. Die Besitzer waren um die 50; sie eine Japanerin, er ein Kiwi. Da sie immer wieder die ganze Welt bereisen, wurde das Hostel zu einem Museum ihrer Souvenirs. In jedem Raum, sogar in den Badezimmern hatte es Seiden- und Batikbilder, Holzmasken, Figuren und vieles mehr. Auch ums Haus herum war alles mit Kunstgegenständen und harmonischen Farben dekoriert. Das Hostel war direkt am Fluss gelegen und hatte auch schöne Gartensitzplätze, Sauna, Fitnessraum und ein Sprudelbad. Den Gästen standen Fahrräder, Kanu's und Angelruten gratis zur Verfügung und als ob dies noch nicht genügen würde, gab es zusätzlich jeden Abend frische Muffins. Ansonsten hätte es keinen Grund gegeben um sich länger in Greymouth aufzuhalten! In keiner anderen Stadt hatten wir so viele verlotterte und vernachlässigte Gebäude gesehen, deren Hinterhöfte oft wie Müllkippen oder Alteisensammlungen aussahen, aber offensichtlich bewohnt waren. Irgendwie kam es uns fast ein wenig so vor, wie in dritt-welt Ländern, wo sogar Rucksackreisende im Vergleich zu den armen Einheimischen in wahrem Luxus wohnen.

 

Im Hostel kamen wir mit einem von zwei Schweizern ins Gespräch, welche in der Woche vorher mit dem Helikopter gerettet worden waren. Das Fernsehen berichtete darüber und es war ein weiteres gutes Beispiel dafür, wie die Medien aus einer Mücke einen Elefanten machten um aus einem kleinen Vorfall eine Hauptschlagzeile zu machen. Die beiden hatten die Felsen hinter der Abschrankung zu einem Gletscher bestiegen. Als es plötzlich zu regnen begann, wurden die von Gletschern geschliffenen Felsen plötzlich glatt wie Schmierseife. Sein Freund fand keinen Halt mehr und rutschte 30 Meter über die Felsen hinunter, wobei er sich ein Bein brach. Die Medien berichteten daraufhin, der Verunglückte sei 150 Meter tief gefallen. Die beiden hätten die Felsen barfuss bestiegen, statt zu erwähnen, dass sie ihre Wanderschuhe ausgezogen hatten in der Hoffnung auf den glitschigen Steinen besseren Halt zu finden. Im weiteren wurde in den neuseeländischen Nachrichten auch berichtet, dass die unglücklichen Abenteurer bloss Shorts und T-Shirt trugen, die Pullover und Windjacken die sie darüber anhatten sahen die Reporter anscheinend nicht. Was allerdings die Schweizer verblüffte, erwähnte am Fernsehen niemand: dass nämlich erst ein Rettungshelikopter von der Ostküste bestellt werden musste, weil kein einziger der "sight-seeing Brummis" - etwa 15 in dem Gebiet, eine Seilwinde hatte um Verletzte aufzuziehen. Ein dreister Journalist verschaffte sich später Einlass ins Spitalzimmer unter dem Vorwand ein Freund zu sein. In neuseeland's Klatsch-Gesellschaft bedrängen die Paparazzi nicht nur wer reich und berühmt ist.

 

Weiter führte unsere Reise ans nördlichste Ende der Westküstenstrasse. In der Nähe von Karamea besichtigten wir das Oparara Bassin. Dieses Gebiet bestach durch seine Kalksteinformationen und Höhlen und nach einem Marsch durch wunderschönen Regenwald erreichten wir mehrere natürliche Felsbogen. Einer war fast wie ein gigantischer Tunnel: 200 M lang, 90 M breit und mit einer Decke 37 M über uns. Ein Bach floss unter einem anderen Felsbogen durch, welcher eher eine Höhle mit zwei Öffnungen war. Stalaktiten hingen von der Decke über einem richtig orange gefärbten Bachbett.

Unsere Unterkunft war auf einem Hügel in einer Waldlichtung hoch über dem Meer. Um sie zu erreichen, mussten wir 15 Min. den Hang hinauf steigen. Unsere Rucksäcke mussten wir aber nicht tragen, dank dem der Hostelbesitzer unsere 50 kg Gepäck (vor allem Esswaren) auf seinem 4x4 Quadbike (4 rädriges Motorrad) den schmalen Pfad hinauf transportierte.

 

Jetzt hatten wir also die ganze Westküste mit ihrer rauhen Schönheit gesehen. Da uns aber dieser Regenwald so stark faszinierte, wollten wir uns einfach noch nicht von dieser Gegend trennen, da wir wussten, dass es weiter inland nicht mehr so grün sein würde. So riefen wir uns dieses wunderschöne Haus inmitten der Nikau Palmen und Farnbäume wieder in Erinnerung. Erst vor kurzem hatten wir es auf einer Werbebroschüre eines Backpacker's Hostels gesehen. Ort und Bild stimmten genau mit dem Haus überein in dem wir vor 14 Jahren eine Reisebekanntschaft besuchen durften, die es damals gemietet hatte. Wir waren gespannt ob dieses nun wirklich ein Teil des "The Nikau Retreat" geworden sei und beschlossen deshalb nochmals zu den "Pancake Rocks" zu fahren. Das Hostel vermietete Zimmer in verschiedenen Häusern, welche im Regenwald verteilt standen und der Besitzer liess uns zwei besichtigen. Doch daneben stand das andere Haus das wir schon kannten, ganz versteckt zwischen den Bäumen. Da nun die Hauptsaison vorber war, wurden alle Gäste in zwei andere Gebäude einquartiert, aber nachdem wir Hamish, dem netten Besitzer und Reisebuchautor unsere Geschichte erzählt hatten, unterbrach er kurzentschlossen den Winterschlaf dieses Hauses und liess uns dort einziehen. Wir fanden es super unsere Erinnerungen wieder aufleben zu lassen. Nach uns quartierte die Reception noch zwei interessante Typen in diesem Haus ein und wir verbrachten einen netten Abend zusammen. Der eine war ein junger Schweizer und der andere war ein als "Kingston Flyer" bekannter Neuseeländer, den wir bereits 9 Tage vorher in Haast getroffen hatten. Der naturbegeisterte offeriert normalerweise den Wanderern des 5 Tagemarsches über den Heaphy Track, deren Autos über einen 500 km langen Umweg ans andere Ende des Weges zu fahren. Er selbst legt den ganzen Trek danach in nur zwei Tagen zurück und übergibt seinen Kunden die Autoschlüssel dann irgendwo unterwegs.

Als uns jemand von seinem Unternehmen berichtet hatte, stellten wir uns einen muskulösen 30 jährigen vor. Aber dieses spindeldürre sehnige Männchen war schon fast 70! Jetzt war er gerade dabei die 1'200 km Strecke vom südlichsten bis zum nördlichsten Punkt der Südinsel zu Fuss zurück zu legen. Wer denkt denn, dass alte Leute gebrechlich seien? Im Vergleich zu ihm sind all die Jungen die sich über etwas Muskelkater beklagen reine Weicheier!

 

Am nächsten Morgen stärkte uns das beste Brot das wir je in Neuseeland gefunden hatten; natürlich wieder nicht von einer Bäckerei, sondern vom Hostel gebacken!

An diesem Tag machten wir eine vier stündige Wanderung entlang eines keinen Baches, welche durch den Regenwald führte, was wunderschön war. Ausser: dass der Wanderweg fast am Ende plötzlich in einem 50 M breiten Fluss verschwand und auf der anderen Seite wieder raus führte. Nachdem wir eine Weile gezögert hatten, zogen wir die Schuhe aus und wateten durch das eiskalte Wasser, welches zumindest nicht all zu tief war. Jetzt war es nicht mehr weit zum Strand und plötzlich sahen wir überall mehrschichtiges Gestein, zuerst in Felswänden und danach auch als ausgewaschene Pfeiler im Meer. Nun waren wir schon fast bei den "Pfannkuchen Felsen" die wir ein weiteres Mal besuchten.

 

Tags drauf nahmen wir dann die Inlandroute richtung Nelson/Golden Bay. Da die Temperaturen nun wieder bis 17°C angestiegen waren, beschlossen wir für ein paar Tage nach Upper Moutere zum FKK Verein Nelson zu fahren. Es gab nicht einmal ein Tor an der Zufahrtstrasse und es sah so aus wie eine kleine Siedlung am Hang mit mehreren ganz grossen Einfamilienhäusern. Etwa 15 Personen wohnten das ganze Jahr hier und im Klubhaus wurden noch fünf Zimmer vermietet. Tagsüber wurde es angenehm warm und man konnte auf der windgeschützten Veranda tatsächlich sonnenbaden. Wie überall war es jedoch nachts schwierig, das grosse Haus mittels des kleinen Holzofens warm zu kriegen. Alles wurde hier mit Holz geheizt, auch das Duschwasser und das Sprudelbad, nur die Waschmaschine hatte keinen Heisswasseranschluss, wie dies hierzulande leider üblich ist.

 

Das einzig fehlende Teilstück unserer Reise war nun noch die Golden Bay und deshalb fuhren wir nun nach Collingwood. Von dort schwärmten wir aus um die 24 km lange Sandbank genannt "Farewell Spit" im Meer und Dunst verschwinden zu sehen. Dies ist eine lange aber nur sehr schmale Halbinsel, die eigentlich eine einzige Düne ist. In ziemlich stürmischem Wetter und gegen enorm starken Wind ankämpfend, marschierten wir anschliessend zum Wharariki Strand, der uns mit seinen vielen Höhlen und Felsbogen faszinierte. Nachdem der Regen aufhörte und die Sonne zum Vorschein kam, wollten wir ein paar Fotos von den einzigartigen Felsen machen. Aber zum ersten Mal streikte unsere Digitalkamera. Sobald wir aber zurück beim Parkplatz waren, funktionierte diese wieder wie eh und je.

Ein anderes Paar hatte gleichzeitig wie wir an diesem Strand gegen Wind und Regen angekämpft und zufällig trafen wir die beiden älteren Herrschaften tagsdrauf auf einem Parkplatz zu einer anderen Attraktion wieder. Wir erfuhren von ihnen, dass ihre Kamera am besagten Ort genauso reagiert hatte wie die unsere und nun sind wir uns nicht sicher, ob die Wharariki Beach eine mysteriöse Energiequelle hat, oder ob die modernen Elektronik-Spielzeuge einfach nicht in der Lage sind gegen bescheidene 120 km/h Winde zu bestehen.

Was wir uns als nächstes ansahen, gehörte zu den klarsten Quellen der südlichen Hemisphäre. Die Pupu Springs fördern bis zu 14'000 Liter Wasser pro Sekunde zu Tage. Dank zwei geschickt unter und über dem Wasser platzierten Spiegeln konnte man gut sehen, wie rein das Wasser war.

Wir machten auch zwei Abstecher in die nördlichen und südlichen Teile des Abel Tasman Nationalpark, wo wir jeweils ein paar kurze Spaziergänge über und entlang der goldenen Sandbuchten machten. Da das Wasser in den Buchten sehr seicht war, entstanden bei Ebbe wunderschöne Muster aus Sandbanken oder legten ganze Gebiete für kurze Zeit ganz trocken.

Über's ganze Land verteilt erstellte das "Departement of Conservation" ein grosszügiges Netzwerk von Wanderwegen, welche auch sehr gut unterhalten wurden. Diese waren oft auch ergänzt mit Aussichtsterrassen, Holzstegen oder beeindruckenden Hängebrücken. So waren die schönsten Ecken des Landes, auch in abgelegenen Gegenden, für Wanderer zugänglich gemacht worden. Mit einem einfachen Maschendraht oder Plastikrost, welcher über Holzstege oder Brücken gelegt war, wurde sichergestellt, dass auch bei Nässe niemand ausrutschte - eine intelligente Lösung!

 

Es war überhaupt nicht geplant, aber es ergab sich einfach so, dass wir in Takaka, wo wir als letztes übernachtet hatten, ganz nah bei Mapua waren. So übernachteten wir auch dort noch einmal, denn das Datum vom 13. Mai 2006 fiel genau auf unser 7 jähriges Reisejubiläum und Du erinnerst Dich, dass wir weiter vorne schrieben wie wir uns vor langer Zeit in Mapua zu dieser Reise entschieden hatten. Um dies zu feiern reservierten wir uns einen Tisch im Gourmet-Restaurant Flax. Im ganzen Land haben wir noch nie so gut gegessen und so viel bezahlt...

 

Genau auch hier hatten wir nun unsere Rundreise komplettiert. Rückblickend möchten wir sagen, dass wir auch dieses Mal wieder von Neuseeland begeistert waren. Auf der Nordinsel waren es vor allem die vulkanischen Gebiete, auf der Südinsel die Fjordlandschaften und der Regenwald gewesen, die uns beeindruckten. Die vielen charmanten Backpacker's Hostel wo wir jeweils genächtigt hatten, machten das Herumreisen doppelt angenehm. Wir haben aber auch gemerkt, dass Neuseeland in vieler Hinsicht noch etwas zurück geblieben ist, oft aber auf eine charmante Art, wie eine Engländerin anmerkte. Vieles ist hier viel weniger hektisch und die Leute rennen nicht so stark dem Geld hinterher, wie dies in Europa häufig der Fall ist.

 

Bereits bevor wir wieder in Nelson zurück waren, hatten wir ein Inserat für unseren Wagen in einer Lokalzeitung aufgegeben. Nur zwei Stunden nachdem wir im "Green Monkey Hostel" eingezogen waren, rief jemand an und besichtigte anschliessend unseren Ford Telstar. Obwohl er sehr stark interessiert war, kam das Geschäft nicht zu Stande, da der Käufer für seinen alten Wagen vom Händler nicht genug Kleingeld kriegte. Da uns sonst niemand mehr anrief, beschlossen wir unser Glück woanders zu versuchen. Zuerst hatten wir eigentlich an Christchurch gedacht, doch nachdem wir hörten, dass diese Stadt momentan regelrecht von Rucksackreisenden überschwemmt war, die ihre Autos an den Mann bringen wollten und zudem der Wetterbericht für diese Stadt Schnee voraus sagte, überlegten wir uns, dass Auckland mit seiner viel grösseren Bevölkerung wohl bessere Chancen böte. Dort könnten wir uns viel eher Hoffnungen machen einen einheimischen Käufer zu finden. Über das Internet platzierten wir ein Verkaufsinserat in Auckland's "Trade & Exchange" Wochenblatt, sowie auf deren Internet-Site und dann düsten wir los. In nur 1 ½ Tagen legten wir die 800 km dorthin zurück. Kurz nachdem wir in Wellington die Fähre verlassen hatten, läutete auch schon unser Mobiltelefon und jemand interessierte sich für's Auto.

 

Da es bereits um 17:00 Uhr dunkel wurde, fuhren wir noch lange in die Nacht hinein. Wir übernachteten in einem alten Schulhostel, welches wir ganz für uns alleine hatten. Irgendwie waren wir zu aufgewühlt um gut zu schlafen und deshalb standen wir bereits um 05:30 Uhr wieder auf und setzten unseren Marathon fort. Um 07:00 Uhr wurde es hell und die aufgehende Sonne färbte die Wolken über den Ruapehu/Tongariro Vulkanen in den schönsten Farben. Entlang der Strasse sahen wir nun plötzlich kleine Schneefelder. Hier oben und entlang des Taupo Sees war der Boden gefroren und an einer Tankstelle erfuhren wir, dass Teile der Hauptstrasse Nr. 1 vor kurzem wegen heftigem Schneefall für zwei Tage geschlossen worden waren.

 

Wir setzten unsere Fahrt in schönstem Sonnenschein fort und erreichten Auckland bereits um 13:30 Uhr am Freitag, dem 19. Mai 2006. Hier waren die Temperaturen nun deutlich höher als auf der Südinsel. Vor allem während der Nacht verblieben sie nun wieder bei 12°C statt nur etwa bei 3°C und tagsüber wurde es bis zu 20° C warm statt nur 15° wie in Nelson, dem wärmsten Ort der Südinsel. Wenn wir auf unsere drei Sommermonate auf der Nordisel (Nov.-Feb.) und unsere drei Herbstmonate auf der Südinsel (März-Mai) zurück blicken, war es eigentlich überraschend, wie viel trockener und sonniger das Wetter auf der Südinsel gewesen war. Im Gegensatz zur Nordinsel regnete es da unten nur sehr selten und wenn, dann meist nur nachts. Es hat uns auch überrascht, dass es im Februar und März kälter war als im April und Mai.

 

 In Auckland bezogen wir ein Zimmer im 'Bamber Backpacker's', weil es dort einen Parkplatz gab. Von den rund 15 Autos die da standen, waren sicher die Hälfte mit einem Zettel dekoriert:"for sale"(zu verkaufen). Bei einigen war der Preis bereits auf weniger als die Hälfte reduziert worden, vor allem bei Kleinbussen mit Schlafgelegenheit. Am nächsten Morgen fuhren wir gemeinsam mit diesen hinunter zum Automarkt im Stadtzentrum, alle in der Hoffnung einen Käufer zu finden. Es herrschte nun eine ganz andere Atmosphäre als im November, wo die Masse von kaufwilligen Touristen die Zahl der angebotenen Fahrzeuge bei weitem übertroffen hatte. Jetzt wurden zwar auch viele Autos zum Verkauf angeboten, aber Käufer liessen sich kaum welche blicken. Die grösste Sektion belegten die Minibusse mit Schlafgelegenheit: etwa 25. Daneben standen noch etwa 15 Kombi's oder Wagen mit Stufenheck in der Sektion "unter 3'000 $" und nur ein einziges Auto war in der Sektion "über 3'000 $" parkiert: unseres!

Trotz all diesen schlechten Vorgaben, erhielten wir schon um 09:00 Uhr einen Anruf von den Leuten die uns angerufen hatten, nachdem wir mit der Fähre angekommen waren. Kurz darauf waren sie bereits zur Stelle um sich unser Glanzstück anzusehen und eine Probefahrt zu machen. Kaum zu fassen, aber unser Wagen war einer der wenigen die an diesem Morgen die Besitzer wechselte! Wir kriegten $ 3'200, was nur 100 weniger war als wir vor 6 Monaten dafür bezahlt hatten. Dies war also ein wirklich günstiger "Mietwagen" gewesen. Diejenigen mit den einfachen Schlafbüsschen hatten viel mehr Mühe diese abzusetzen, denn jetzt war es allen zu kalt zum campieren. Oft kriegten sie dafür nur noch etwas mehr als ein Trinkgeld und dies nachdem sie im überhitzten Markt anfangs Sommer teilweise über $ 5'000 für bis zu zwanzigjährige Schwarten mit bis zu 400'000 km hingeblättert hatten. Für den Rest des Tages waren wir nur glücklich!

 

Tags drauf hatten wir wieder Sorgen. Wir hatten nämlich ein grosses Problem zu lösen: wohin soll's als nächstes gehen und danach in welcher Reihenfolge, mit welcher Fluggesellschaft und wo finden wir ein Reisebüro das uns all dies zum billigsten Preis buchen kann. Drei Tage lang unterwarfen wir uns einem "brain storming", liessen die Internet-Suchmaschinen heiss laufen und belästigten ab und zu eine Reiseagentur. Danach waren wir sogar noch glücklicher. Wir hatten uns drei Flüge organisiert; zwei davon über's Internet. Die neuseeländischen Reisebüros waren nicht in der Lage gewesen, Flüge zu buchen, die irgendwo anders starten, als auf ihren eigenen Inseln. Trotzdem liessen sie uns ein Entlastungspapier unterschreiben, in dem sie jede Verantwortung von sich wiesen und bestätigt haben wollten, dass sie uns dringendst davon abgeraten haben nur mit einem "one-way" Flug in Asien einzureisen. Sie rieten uns eindringlich einen Weiterflug zu kaufen, vorzugsweise in die Schweiz.

 

Zehn Tage später, am 3. Juni 2006 werden wir eine neue Reise begonen haben. Sie soll uns von Auckland nach Kuala Lumpur in Malaysia und danach nach Singapur bringen, wo wir je eine Woche bleiben. Anschliessend fliegen wir nach Koh Samui/Pangan in Thailand, wo wir etwas ausspannen und uns auf einen neuen Kontinenten vorbereiten wollen. Am 20. Juli fliegen wir nämlich nach Afrika, wo wir Südafrika und Namibia entdecken möchten.

Wir wissen noch nicht wie lange das dauern soll; vielleicht Wochen oder Monate, je nachdem bis wann wir genug von den Tieren hatten oder wenn es anders kommen sollte; sie von uns.

Wir denken, es ist eine ganz andere Welt in Afrika und was wir bis jetzt im Reiseführer darüber gelesen haben, tönt absolut faszinierend. Wir freuen uns schon sehr auf die neuen Abenteuer. 

 


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