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Reisetagebuch Kapitel 9 [Mai 2004 - Oktober 2004] als PDF
(Kanada & Kurzbesuch bei Urs in der Dominikanischen Republik)

Kanada
Dominikanische Republik Top
Fotos: Kanada 1 - Kanada 2

Kanada, im Auto von Vancouver bis Halifax

Am 13. Mai sind wir von Bangkok Richtung Taiwan abgeflogen. In Taipeh, wo wir ohne Wartezeit umsteigen konnten, stiegen zu unserer Überraschung mindestens 30% andere Passagiere aus Indien zu und wir waren umgeben von Sari's und Turbanen. Natürlich hatte es sonst vor allem Asiaten, welche aus fast allen Ländern der Region stammten. Wir amüsierten uns zuzusehen,  wie lange es dauerte, bis alle Inder einen Sitzplatz gefunden hatten, der ihnen besser zusagte, als der zugeteilte - und dies in einem fast voll besetzten Flugzeug. Später, als das Essen verteilt wurde, dauerte es eine kleine Ewigkeit, bis die asiatischen und westlichen Passagiere auch etwas zwischen die Zähne kriegten, da das Personal der China Airlines zuvor damit beschäftigt gewesen war, etwa ein Duzend verschiedene Spezial-Mahlzeiten zu servieren, welche die Inder je nach ihrer Volksgruppe oder Religionszugehörigkeit bestellt hatten. Als nachher ein Film gezeigt wurde, hörten wir, wie sich ein Chinese ganz scheu bei einer Stewardesse erkundigte, ob es unangebracht wäre, den Inder vor sich zu fragen, ob er den Turban vom Kopf nehmen könnte, damit er ebenfalls dem Film folgen könnte. Nachdem er aber erfahren hatte, dass der Turban ein religiöses Symbol der Sikh sei, traute er sich dann nicht mehr zu fragen.

Später erfuhren wir, dass Vancouver die zweit/grösste Sikh Population hat, gerade nach dem Punjab Bezirk in Indien.

 

Nach einem 15 stündigen Flug erreichten wir Vancouver morgens um 09:30 Uhr - theoretisch nur 1 Stunde nach unserem Abflug von Bangkok, da wir inzwischen die Datumsgrenze überflogen hatten.

 

Abgesehen von den Zöllnern, die uns übertrieben lang ausfragten, wurden wir in Kanada überall sehr freundlich empfangen. Als Erstes fielen uns die vielen grossen Frühlingsgärten und die sauberen breiten Strassen auf. Alle Leute, mit denen wir in Kontakt kamen, waren immer total freundlich und nahmen sich etwas Zeit zum Plaudern. Die Stadt Vancouver hat eine ganz spezielle Ausstrahlung, welche vor allem von ihrem sehr multikulturellen Charakter her rührt. Vor allem asiatische Nationen waren sehr gut vertreten, egal ob sie nun Immigranten, Touristen oder Sprachstudenten waren. Im Stadtzentrum hatten sicher fast 80% der Menschen asiatische Herkunft. Viele der Einwanderer von ihnen, hatten die Chance gepackt und ein eigenes Geschäft, oft ein Restaurant eröffnet. Aber auch viele Einwanderer aus anderen Erdteilen hatten dieselbe Idee gehabt. Trotz all unseren Bemühungen, schafften wir es in den zwei Wochen, die wir in dieser Stadt verbrachten, nicht, alle durchzukosten; die Auswahl war einfach zu gross. Zumindest schafften wir es, aus folgenden Küchen eine Kostprobe zu nehmen und so assen wir  Malay, Japanisch, Koreanisch, Vietnamesisch, Chinesisch, Mongolisch, Indisch, Ukrainisch, Griechisch, Frazösisch (musste sein), Mexikanisch... Meistens hatte der Koch dieselbe Nationalität wie seine Gäste, denn sowohl die Einwanderer, als auch viele Touristen schienen die Kost ihres Heimatlandes gegenüber derjenigen anderer Länder, oder nordamerikanischem Fast-Food zu bevorzugen. Es kam oft vor, dass wir in einem Lokal die einzigen Westler waren und um uns herum sprachen entweder alle Chinesisch, Koreanisch, Spanisch oder was auch immer. Einmal sassen wir in einem Lokal, welches nicht mal eine englische Speisekarte hatte. All diesen war gemeinsam, dass sie - wohl dank kanadischem Einfluss - immer gigantisch grosse Portionen servierten. So wurde uns z.B. einmal auf einem griechischen Vorspeiseteller nebst vielem anderen, auch 300 g: "dreihundert Gramm" Fetakäse serviert! Kein Wunder lässt sich jedermann hinterher die Reste im "doggy-bag" mit nach Hause geben. Im Allgemeinen empfanden wir die Qualität der Speisen als sehr hoch und die Preise eher niedrig.

 

Ärgerlich waren nur die vielen Bettler im Stadtzentrum von Vancouver. Fast alle waren weisse und die meisten sahen nicht mal allzu ärmlich aus. Wir denken, dass sie entweder von Alkohol oder anderen Drogen abhängig waren. Sie hingen häufig dort herum, wo man die meisten Touristen sah. Und auch von denen gab es sehr viele hier. Oft kamen tausende auf einmal mit Kreuzfahrtschiffen, welche auf ihrem Weg nach Alaska, hier einen Zwischenhalt machten.

 

Obwohl es erst Mitte Mai war, wurden wir mit angenehmem warmem Wetter verwöhnt. Eine Wohltat nach der schwülen Hitze in Asien. Bei über 20 Grad reizte es uns gleich, davon zu profitieren, dass es im sonst prüden Kanada auch Freiheiten und Toleranz gibt, auf die wir vorher verzichten mussten: wir gingen zu einem FKK Strand. Dies genossen wir doppelt, nachdem wir in den letzten fünf Monaten in Asien einen "Schamgürtel" aufgebrummt gekriegt hatten. Wir waren total überrascht, wie zahlreich die Sonnenanbeter an einem gewöhnlichen Dienstag Nachmittag die Wreck-beach bevölkerten und am Wochenende wurden es noch viel mehr. Wie vielerorts, war der ganze Strand mit Holz-Stämmen "dekoriert". Diese wurden vom Meer wieder ans Ufer gespült, nachdem sie von den Flössern der Holzschlagfirmen auf dem Weg entlang der Küste verloren gegangen waren. Wir waren auch überrascht, wie viele Asiaten diesen Strand aufsuchten. Es waren zwar nicht 80% wie im Stadtzentrum, aber ihr 20% Anteil hier, entsprach sicher noch mindestens ihrem Bevölkerungsanteil des ganzen Stadtbezirkes. Nicht nur, dass sich hier viele Asiat/innen hemmungslos auszogen und es sogar schick fanden, braun zu werden, wo sie doch sonst lieber weiss waren. Nein, sie entwickelten noch ganz andere Eigenschaften, die in ihren Herkunftsländern zu den Tabus gehörten: sie konnten hier ganz ohne Gesichtsverlust NEIN sagen, oder dazu stehen, wenn sie etwas nicht wussten. Vielfach beklagten sie sich auch nach einem Heimaturlaub über ihre Landsleute, dass diese auf die Strasse spukten und überall den Abfall liegen lassen. Das für uns Schlimmste jedoch war, dass sie auf dem Land draussen ihre Restaurants schon um 7 Uhr abends dicht machten. 

 

Wir haben wohl fast alle Sehenswürdigkeiten Vancouver's be-aug-apfelt und auf unserer Suche nach einem guten Gebrauchtwagen kamen wir auch noch in viele Vororte. Es dauerte eine Weile, bis wir einen Überblick über das lokale Autoangebot hatten, da wir viele der "Ami-Schlitten" nicht kannten. Ausser ein paar wenigen europäischen und japanischen Marken, war Vieles für uns Neuland.Wir merkten bald, dass importierte (nicht-amerikanische) Autos einen deutlich besseren Ruf und demzufolge höheren Preis hatten, als die amerikanischen Modelle, deren Schwerpunkte eher in Komfort und luxuriöser Ausstattung liegen, als in guter solider Qualität. Sowohl die Karosserie, als auch die Motoren, waren meist viel grösser, als wir es uns von Europa her gewohnt sind und folglich waren sie auch alle grosse Benzinsäufer. Wenn wir uns aber nach dem Verbrauch der Wagen erkundigen wollten, konnte uns kaum je ein Händler Auskunft geben, da kanadische Kunden diese Frage anscheinend nie stellen. Im Internet fanden wir dann allerdings viele technische Details über Autos, welche uns angeboten wurden und so fanden wir heraus, dass sie fast alle 13-16 lt/100 km fressen. Es ist ja ein offenes Geheimnis, dass wir unser Geld lieber für unser eigenes leibliches Wohlergehen ausgeben, als für dasjenige unseres fahrbaren Untersatzes und so suchten wir weiter intensiv nach der Nadel im Heuhaufen. Am Ende entschieden wir uns für einen Saturn, eine Marke die zum GM Konzern gehört, aber eher nach japanischem Vorbild gebaut wird. Der Wagen ist ein 9 jähriger Kombi mit erst 87'000 km und einem 4 Zylinder 1.9 lt Motor. Er kostete C$ 3'750 ohne Steuern, was dann auf total 4'300 Kanadische Dollar kam, etwa 2'650 Euro. Nachdem wir ihn eine Weile gefahren waren, stellten wir erfreut fest, dass er tatsächlich nur 6.3 Liter Benzin auf 100 km verbraucht - Bingo!   

 

Unkompliziert und schnell wurde unsere Neuerwerbung registriert und versichert und selbst den Bonus unserer schweizer Autoversicherung konnten wir dank ihrer Bestätigung unseres unfallfreien Fahrens, auf die Versicherung des Teilstaates Britisch Columbia übertragen.

 

Nun waren wir also bereit, unsere grosse Kanada Tour zu starten. Nur 20 km ausserhalb Vancouvers hatten wir die Strasse schon fast für uns alleine. Wir folgten einem wunderschönen Fjord nordwärts und übernachteten nach nur 50 km bereits wieder in Squamish, weil wir diesen kleinen Ort so interessant fanden. Nicht dass dieses Dorf besonders hübsch gewesen wäre, es waren eher die Unterschiede zu Vancouver, die uns hier faszinierten. Anstelle eines grossen Angebotes an ethnischen Restaurants, gab es hier fast nur Restaurant-Ketten, meistens Fast-Food, dafür etwa 20 davon. Nicht alle entsprachen dem amerikanischen Vorbild, auch Mexikanisches,  frisch gerösteter Kaffee, frisch gebackene Muffins oder Croissants und Milchshakes wurden angeboten und eine Kette spezialisierte sich auf Eiscreme.

Wie im ganzen Land, fanden wir dort auch einige der so genannten "Looney Shops", Geschäfte in denen die meisten Artikel zu einem Dollar angeboten wurden. Amüsanterweise nennen die Kanadier ihre Eindollar Münze "Looney", was auf den Loon, einen Wasservogel der auf der Prägung erscheint, hinweist, der "Tooney" für die 2 Dollar Münze, deutet dann aber auf die Zahl zwei "two" hin. Zudem gibt es noch altmodisch genannte Quarters: 25 Cents, Dime 10 Cents und Nickel 5 Cents.

 

Da die Jugendherberge in der wir uns eingenistet hatten, mit einer guten Küche ausgestattet war, sahen wir uns im Supermarkt um. Wir waren etwas irritiert über die hohen Preise und wir fragten uns erst recht, wie es die Restaurants schaffen, so grosse Portionen zu so günstigen Preisen  zu servieren. Nur Grosspackungen, Vorgekochtes und "Billiges-in-jeder Hinsicht" wurde günstig angeboten. Da es uns aber vor "(nur) fast food" graust, zahlten wir den Preis und trugen 2 Einkaufstaschen ins Hostel.

Von Squamish nordwärts, durchfuhren wir eine erstaunlich gebirgige Landschaft und sahen bereits die ersten kanadischen Grosshirsche (Mule Deer). Obwohl es regnete, machten wir kurz Halt im noblen Sommer- und Winter-Skiresort Whistler. Das ganze "Dorf" wurde erst vor kurzem zwischen den Skipisten aus dem Boden gestampft.

Nach ein paar weiteren Stunden auf sehr kurvigen Strassen, übernachteten wir in einem Motel in Lillooet. Der kleine Ort hatte etliche charmante alte Häuser, welche immer noch an den längst vergangenen Goldrausch erinnerten, auch wenn heute nur noch 2'700 Seelen das Dorf bevölkern und nicht mehr 15'000 wie gemäss Geschichte in seiner Glanzzeit um 1860.

Entlang vielen Flüssen und Seen, fuhren wir durch hügelige Landschaft weiter ostwärts. In Salmon Arm suchten wir lange nach einer geeigneten Unterkunft,  doch fanden wir weder eine Herberge, noch ein günstiges Motel. Schlussendlich wurden wir dann aber mit einer Erfahrung belohnt, von der wir nicht sicher sind, ob wir sie im Leben noch einmal machen werden; wir gingen ins Altersheim!

 

Die Wetterprognose leitete uns südwärts, nach Kelowna im Okanagan Valley, wo es tatsächlich über 30 Grad warm wurde, was wir natürlich sofort wieder ausnützten. Während es andernorts regnete, aalten wir uns am See in der Sonne. Wir liessen uns erklären, wo der FKK Stand ist und standen bald ratlos vor einem Schild, welches allen Hundebesitzern gebot, ihre Lieblinge immer an der Leine zu führen und allen Badegästen verbot, sich völlig zu entblössen. Was jedoch sahen wir ? Ebenso wie offensichtlich alle Hundebesitzer ihre Leine vergessen hatten, hatten auch alle Sonnenanbeter ihre Badehose vergessen und so gesellten wir uns sorglos zu den anderen Analphabeten.

Unser Weg führte uns weiter, entlang verschiedener Seen, durch grüne bewaldete Hügel und Täler. Mit einer Fähre überquerten wir den Arrow Lake und stoppten bald darauf in der wunderschön gelegenen Herberge INTERNATIONAL HOSTEL in Nakusp. Diese war erst vor kurzem von einer Engländerin mit indischem Blut und ihrem französischen Partner eröffnet worden. Mit ihnen hatten wir ein paar interessante Gespräche und sie gaben uns wertvolle Tips, wo wir ausser den kommerziellen Thermalquellen, auch eine einsame heisse Quelle mit Pool, mitten im Wald finden können. Bei unserer Ankunft bei der St. Leon Thermalquelle, wechselten wir ein paar Worte mit dem Paar, welches gerade dabei war, diesen wunderschönen Ort zu verlassen. Die beiden meinten ganz spontan, wir könnten das Becken jetzt ganz für uns alleine haben und es gäbe keinen Grund Badekleider anzuziehen, wenn wir dies nicht möchten. So genossen wir also das 40‹C warme Schwefelwasser an diesem friedlichen Ort unter den Föhren und waren denen dankbar, die den kleinen Pool gebaut hatten und immer noch sauber unterhalten.
Sowohl auf der Rückfahrt, als auch am nächsten Tag, sahen wir Bären entlang der Strasse. Der erste überquerte sogar nur wenige Meter vor unserem Auto, den Waldweg. Da es in den Bergen noch immer sehr viel Schnee hatte, kamen die Bären, hungrig nach dem Winterschlaf, in tiefere Regionen herunter.

Als nächstes verunsicherten wir die kanadischen Rocky Mountains und erreichten schlussendlich den berühmten Lake Luise im Banff National Park. Sein türkisfarbenes Leuchten war phenomenal und dies obwohl die Sonne nicht schien. Es wurde sogar noch krasser, als wir den See von oben herab betrachteten, während wir den Anstieg zum Mirror Lake unter die Füsse nahmen. Der Zweite wurde aber seinem Namen "Spiegelsee" nicht gerecht, da er teilweise immer noch mit Eis bedeckt war (Anfang Juni)! Auf dem Weg weiter zum höher gelegenen Lake Agnes, war der Wanderweg zum grossen Teil noch mit knietiefem Schnee belegt. Agnes'See war dann noch mehr mit Eis zugefroren, aber um uns für den Anstieg zu belohnen, war das Teehaus an seinem Ufer schon geöffnet und so verwöhnten wir uns mit 'Devon-Tea'. Es war ein sehr gemütliches und beliebtes Lokal und es füllte sich plötzlich noch mehr, als es draussen wild zu schneien begann. Glücklicherweise war der ganze Spuk nach einer halben Stunde schon wieder vorbei und so marschierten wir trocken zurück ins Tal hinunter. Diese Wanderung hatten wir vom überteuerten Touristendorf Lake Louise aus gemacht. Nur schon die Übernachtung im 4 Betten Schlafsaal kostete für uns beide 84 Can.$ (52 Euro), andernorts zahlten wir oft C$ 40 für ein Privatzimmer. Wir müssen aber auch zugeben, dass diese Jugendherberge deutlich luxuriöser war, als alles andere, das wir bisher gesehen hatten. Neben vielem anderem gab es da eine Sauna, welche wir allerdings nicht benutzen wollten, nachdem wir das Schild am Eingang gelesen hatten. Darauf stand: "clothing must be worn at all times" - Kleider muss man da drin tragen; KLEIDER!!!  Heinz erinnerte sich gleich an die Erfahrung, die er vor 16 Jahren in einer anderen kanadischen Sauna gemacht hat, als er diese im Adamskostüm betrat und von allen anderen angestarrt wurde, die im Trainer da sassen...und es waren alles Männer. Dies sind wohl die kulturellen Unterschiede; in der Schweiz würde man doch rausgeworfen werden, wenn man nicht nackt in die Sauna käme und hier scheint es wohl genau umgekehrt zu sein.

Draussen in der Natur sahen wir erstaunlich viele Tiere. Meistens Hirsche und Bären in der Nähe der Strasse und wohin wir auch gingen, stellten sich Erdmännchen und Streifenhörnchen auf die Hinterbeine um uns besser zu sehen, manchmal auch Murmeltiere und Eichhörnchen. Als wir dann wieder etwas in die Prärie hinaus fuhren, sahen wir noch einen Wolf oder Kojoten, wir sind uns nicht sicher.


Da wir in Calgary unsere Freunde Juliet & Basim treffen wollten, unterbrachen wir unsere Entdeckungsreise der Nationalparks der Rocky Mountains. Dies war ein spezielles Treffen, da Heinz vor 16 Jahren Juliet genau in dieser Gegend kennen gelernt hatte. Vor eineinhalb Jahren zog die Familie, die inzwischen zwei Kinder hat, von Australien in die Provinz Alberta in Kanada um. Sie verwöhnten uns nach Strich und Faden und durch sie bekamen wir einen vertieften Eindruck, wie Immigranten dieses Land erleben. Ein Beispiel, welches uns besonders amüsierte, war ihre Äusserung zum kanadischen Brot. Sie sagten "nachdem wir in Europa gewesen sind, realisierten wir erst, dass das australische Brot nur Schrott ist. Seitdem wir aber das kanadische kennen, wissen wir erst, dass das australische bei weitem nicht das Schlechteste ist!" Wir konnten nur beipflichten, da für uns, wie könnte es anders sein, gutes Brot ebenfalls etwas Wichtiges ist. Bis jetzt war es uns aber nicht all zu schlecht gegangen in dieser Hinsicht, da wir oft in kleinen Dörfern übernachtet hatten, welche vorwiegend Immigranten aus Europa anzuziehen schienen. Nicht selten hatten sie eine Bäckerei eröffnet, die recht schweres und knuspriges Brot verkaufte und ab und zu konkurenzierten sich sogar zwei oder gar drei deutsche Bäckereien in derselben Gemeinde.


Als wir unsere Reise fortsetzten, übernachteten wir im Dorf Pincher Creek, nahe der amerikanischen Grenze. Von dort aus besuchten wir den Waterton Nationalpark, an dessen See es unglaublich windig war. Nun wunderte es uns nicht mehr, dass in dieser Gegend dutzendweise Windgeneratoren aufgestellt wurden. Wiederum zurück auf dem Weg zu den Rocky Mountains, stoppten wir bei einem Berg, von dessen Flanke im April 1903 plötzlich 30 Mio.Kubikmeter Fels zu Tal gedonnert waren und dabei grosse Teile des Dorfes Frank unter sich begraben hatten. Oben, von der Gedenkstätte "Frank Slide memorial site" her, konnte man auch 100 Jahre später noch sehr eindrucksvoll sehen, was die mächtigen Naturgewalten alles angerichtet haben.
Da wir aber von den positiven Seiten der Kraft der Natur profitieren wollten, beschlossen wir kurzfristig, eine heisse Quelle aufzusuchen. Da man uns aber sagte, dass unser Fahrzeug für den Waldweg zu derjenigen, die wir uns vom Buch ausgesucht hatten, nicht geeignet sei, fuhren wir zu einer anderen, besser erreichbaren, die uns empfohlen wurde. Die Waldstrasse zu dieser Thermalquelle war in bestem Zustand, wurde aber etwas schlammig, als Regen einsetzte. Als wir dort eintrafen, war unser Wagen wie in einer Schlamm-Kurpackung gebadet, was ihn aber überhaupt nicht schöner machte. Nachdem wir den gut besetzten Parkplatz gefunden hatten, sowie den breiten Weg sahen, der hinunter zum Fluss führte, dachten wir uns, es ist vielleicht besser, hier die Badehose dabei zu haben, man weiss ja nie. Als wir bei den 3 Badebecken der heissen Quelle ankamen, wunderten wir uns weder über das viele Volk, noch darüber, dass alle Männer knielange Hosen trugen. Wie wir vorher bereits von deutschen Einwanderern erfahren hatten (den Bäckern) wird in ganz Nordamerika ein Mann, der eine kurze, wie in ganz Europa übliche Badehose trägt, als Homosexueller abgestempelt. Da Heinz nicht nach dieser Erfahrung zumute war und Brigitte sich nicht vor den Augen dieser prüden Zuschauer umziehen wollte, zumal diese bereits massenweise leere Bierbüchsen um sich türmten, bliesen wir zum Rückzug und verpassten stattdessen unserem Auto eine Wäsche.

Nach einem Stop in Invermere, fuhren wir zurück in die Rocky Mountains. Eine enge Schlucht bildete die natürliche Eingangspforte zum Kootenay National Park und kurz darauf hielten wir beim Olive Lake, dessen Farbe im Name wiedergegeben wurde, an. Später durchfuhren wir ein grösseres Gebiet, welches von riesigen Waldbränden des letzten Jahres deutlich gezeichnet war... Obwohl es an diesem Tag vornehmlich sonnig gewesen war, wechselte das Wetter plötzlich und wurde eiskalt. Als wir im Touristenort Banff eintrafen, begann es sogar noch leicht zu schneien unter dem Regen. Nichts desto trotz, suchten wir nach Unterkunft und bekamen vom Verkehrsverein die Adresse einer alten Dame, welche ein paar kleine Holzhüttchen vermietete. Diese waren zwar alt, aber relativ preiswert und gehörten zu den letzten Gebäuden, welche noch nicht niedergerissen und durch grosse Neubauten ersetzt worden waren, die Banff in eine  moderne Touristenstadt verwandelt hatten. Nachdem wir verschiedene Tagesausflüge gemacht hatten, folgten wir dem Icefields Parkweg, welcher von Lake Louise aus für 230 km nordwärts nach Jasper, im  Jasper National Park führte. Diese Strecke war für uns der Höhepunkt der Rockies. Schneebedeckte Gipfel, mehrere Gletscher, welche wildkreuzende Bäche und auch Seen spiesen, dominierten das Landschaftsbild. Obwohl die Strasse mehrfach auf 2'000 Meter über Meer anstieg, hatten wir nie das Gefühl, auf einer Passtrasse zu fahren. Sie glich eher einer kurvenfreien, gut ausgebauten Talstrasse. Entlang dieser grandiosen Landschaftskulisse, sahen wir immer wieder verschiedene Wildtiere, die in dieser Gegend leben. Oft sahen wir die Autos vor uns anhalten, was fast ein sicheres Indiz dafür war, dass irgend ein Tier in der Nähe graste, oder oft waren auch wir es, die den Verkehr zum Stillstand brachten, wenn wir was erspähten. Wir kamen uns vor, als wären wir auf einer nordischen Safari. Neben Grosshorn-Schafen, sahen wir auch viele kanadische Grosshirsche mit ihren riesen Geweihen, weisse langhaarige Bergziegen, aber das faszinierendste für uns, war eine Schwarzbärin mit  ihrem braunen Jungen. Entlang der Strasse gab es viele Gelegenheiten um einen Aussichtspunkt zu besuchen, oder eine längere oder kürzere Wanderung zu machen. Peyto- und Hektor Lake waren die beiden schönsten Seen die wir sahen. Der erste leuchtete in  wunderschönem Türkis, welches vom Gletschersteinmehl her rührt. Das Gebiet in dem mehrere Gletscher zusammen liefen, wurde Columbia Eisfeld genannt und Touristen mittels spezieller Allradbusse zugänglich gemacht. Besucher aus aller Welt bekamen hier die Möglichkeit geboten, in Sandalen und kurzen Hosen hautnah zu erleben, wie kalt sich das Gletschereis anfühlt und selbstverständlich ein paar weisse Bilder zu schiessen.

Das Besucherzentrum war total kommerzialisiert, mit seinen 100 Bus- und unzähligen Autoparkplätzen ausserhalb des Gebäudes glich es fast ein wenig einem Flughafen, denn vor Abfahrt der Touren wurden die Touristen auf die verschiedenen "Gates" verteilt.

Die nächsten vier Tage verbrachten wir in Jasper, welches zwar ebenfalls ziemlich touristisch, aber einiges kleiner ist und für unseren Geschmack wesentlich mehr Charme hat, als Banff. In dieser Ortschaft gab es in vielen Häusern Privatzimmer zu mieten und ironischerweise landeten wir schlussendlich bei einer netten Schweizerin, welche vor 36 Jahren nach Kanada ausgewandert war. Von hier aus starteten wir zu Tagesausflügen, um die Höhepunkte der Region zu erkunden. Am schönsten fanden wir die folgenden: Maligne- und Medicine Lake, Mount Edith und sein Gletschersee, das Tal der 5 Seen und Mount Robson. Als wir die Berge Richtung Edmonton verliessen, sahen wir einen letzten Bären und mehrere Hirsche entlang der Strasse.

 

Wir besichtigen die West Edmonton Mall, welche bis vor kurzem das grösste Einkaufszentrum der Welt war. Die 800 Geschäfte machten uns weniger Eindruck, als die verschiedenen Unterhaltungs- und Freizeitparks, welche Teil der Mall waren. Hier gab es ein grosses Schwimmbad mit Wasserrutsche und Wellenmaschine, eine Kunsteisbahn, Minigolf, eine Kirmess mit Achterbahn und allem was dazu gehört. Ein künstliches Meer mit Korallen und Schiffswreck,  sowie mehrere U-Boote und auch Taucher, welche die Kunstwelt erkundeten, sowie darüber schwimmend: eine Replika des Schoners Santa Maria. Erstaunlicherweise gab es hier bloss einen einzigen Lebensmittelladen und dieser war zudem noch ein sehr spezieller: es war ein chinesischer, welcher wahrscheinlich weniger westliche Produkte führte, als  ein gleichgrosser Supermarkt in China selbst. Wir versuchten das Beste draus zu machen und mussten uns entscheiden zwischen Broten mit Kürbis, Ananas, Kokosnuss oder Mango. Zur Abwechslung war das Mal etwas ganz Spezielles.

 

Irgendwie war uns nicht danach zu Mute, ins Stadtgewühl von Edmonton zu fahren und so suchten wir das Helios Naturistengelände direkt auf, welches noch etwa 50 km weiter östlich liegt.
Wie hier
zulande auf Campingplätzen üblich, reisten die meisten Gäste mit einem Wohnmobil an, welche hier „Recreation Vehicle", oder kurz „RV" genannt werden. Aus diesem Grund sind die Zeltplätze erst gar nicht eingerichtet auf Kunden, welche bloss mit einem einfachen Zelt anreisen, und so gibt es weder Kühlschrank noch Küche, Shop oder Snack-Bar.

Die Mitglieder von Helios setzten aber alle Hebel in Bewegung, um uns trotzdem aufnehmen zu können. In Windeseile wurde ein Mietwohnwagen für uns hergerichtet und ein Kühlschrank im Wald installiert, da derjenige im Wohnwagen unheilbar krank war. Da das Innenlicht bloss auf 12 Volt ausgelegt war, mussten wir es mit unserer Autobatterie speisen. Das Anschluss-Kabel dafür, war jedoch zu kurz, was sich aber bald änderte und selbstverständlich wurde uns noch eine Ersatzbatterie zur Verfügung gestellt, falls diejenige unseres Wagens den Geist aufgeben sollte.

Nachdem uns alle herzlich willkommen geheissen hatten, genossen wir das geheizte freiluft Schwimm- und Sprudelbad des Klubs. Es wurde uns auch angeboten, die Sauna zu benutzen, falls wir uns nicht davor scheuten, den Holzofen einzuheizen. Als wir nachfragten, wann die Sauna üblicherweise in Betrieb sei, erfuhren wir, dass dieses Ereignis in den letzten drei Jahren gar nie mehr statt gefunden hatte.Wir dachten uns, dass es demnach wieder Mal an der Zeit wäre, und so beschlossen wir, den Ofen noch am selben Abend einzuheizen. Wir informierten die Leute über das anstehende seltene Vorhaben. Bis wir dann aber nachdem Abendessen wieder im Aquazenter, wie sie es nannten, eintrafen, hatte bereits jemand die Sauna gereinigt und den Ofen eingefeuert. Etwa ein Duzend der Klubmitglieder nahmen die Gelegenheit wahr und sorgten dafür, dass die Sauna wirklich zu einem sau-nahen Erlebnis wurde.

 

Als wir einkaufen gingen und nach Brot suchten, welches weder in  Scheiben geschnitten, noch in Plastik verpackt war, half uns die Dame der Bäckereiabteilung im Laden und fand die beste Lösung darin, dass sie uns gefrorene Teig-Rohlinge mitgab, wie sie normalerweise im Laden aufgebacken werden und verkaufte sie uns erst noch zum Einstandspreis. Die einzige Sorge blieb, ob der Backofen in unserem Wohnwagen auch funktionieren würde, denn dies hatten wir bisher nicht überprüft... Und tatsächlich: am nächsten Morgen hatten wir dieses herrlich aufgegangene rohe Brot und versuchten krampfhaft, den Gasofen zu zünden, doch die Flamme sprang nicht über. Zum grossen Glück hatten wir einen begabten Nachbarn, ein junger Aussteiger, der den ganzen Sommer über auf dem Helios Gelände lebt und er konnte den verkorksten Gas-Kanal wieder frei bekommen. Von jetzt an, genossen wir täglich knusprig frisches Brot.

 

Wenn man bedenkt, dass es hier anscheinend oft vorkommt, dass es ende Mai noch schneit, konnten wir hier mit dem Juni-Wetter mehr als zufrieden sein und so blieben wir schlussendlich über eine Woche an diesem schönen Ort. Täglich wurden wir von jemandem auf dem Gelände zu einem Drink eingeladen und es war sehr gesellig. Wir fühlten uns hier sogar noch willkommener, als sonst schon überall, wo wir in Kanada hin kamen.

 

Als wir dieses Naturisten-Paradies verliessen, fuhren wir nach Drumheller, welches für seine Dinosaurier Fossilien und Sandsteinformationen berühmt ist, die man Hoodoos nennt. Diese Sandsäulen formten sich in einer heute trockenen ausgewaschenen Schlucht, mitten in einem sonst sehr flachen Gebiet. Als wir ostwärts weiter fuhren, kamen wir für viele hundert Kilometer durch eine grüne, aber baumlose Prärie, was irgenwann langweilig wurde, und genau so empfanden wir Saskatoon, die Hauptstadt von Saskatchewan. Anscheinend hat es hier 230'000 Einwohner, aber wir sahen kaum eine Seele auf der Strasse. Trotz der sonnigen 27‹C und einem Jazzfestival im Stadtzentrum, schien sich abends um acht jedermann in seiner Wohnung zu verstecken, als ob es immer noch schneien würde, wie dies am 1. Juni der Fall gewesen sei. Wir fanden nichts Charmantes am Städtchen und es gab kaum Restaurants oder andere Unterhaltungsmöglichkeiten, obwohl es eine Universitätsstadt ist. Es glich eher einem Zusammentreffen vieler Industriequartiere, welche sich in alle Richtungen ausdehnten. Dies war wohl das typische Kanada der Weissen, welche bereits hier geboren wurden und sich mit fett-triefendem Fast-Food zufrieden gaben. Meistens nahmen sie sich nicht einmal die Zeit, sich zum Essen hin zu setzen. Eher bestellten sie sich ihren Frass am „drive-through Schalterg und fuhren im Auto mampfend weiter. Die wenigen, welche sich zum Essen im Restaurant noch etwas Zeit nahmen, waren immer drei Mal schneller fertig als wir. Sie bestellten sich genug von den grossen Portionen und liessen sich den Rest in einem „Doggy-Bagg einpacken, damit sie sich am nächsten Tag nochmals schnell die Resten im Mikrowellenherd aufwärmen konnten. Kein Wunder, dass Grössen XL, XXL, und XXXL überall verfügbar sind.

 

Für weitere zwei Tage fuhren wir durch die endlose Prärie, wobei wir noch einen Abstecher zu den Sanddünen im Sprucewoods Provincial Park machten. Diese sind doch für diese Gegend recht ungewöhnlich, erst noch so weit inland.

Im Regen erreichten wir Winnipeg in der Provinz Manitoba, eine Stadt die uns wieder gefiel. Wenn du vernimmst, dass es gute Restaurants gab, die bis 2 oder gar 4 Uhr morgens geöffnet blieben, denkst du sicher, dass es dies war, das uns begeisterte, aber das allein war es nicht! Diese Stadt war wieder multikulturell gemischt und selbst um Mitternacht gab es hier noch deutlich mehr Leben auf der Strasse, als in Saskatoon abends um sieben.

 

Uns sind die vielen Unter- und Überführungen aufgefallen, welche im Stadtzentrum fast sämtliche Bürogebäude und Shoppingzentren miteinander verbinden. Weil die Winter hier bitterkalt werden, ist es für die Menschen hier sicher angenehm, wenn sie vom Parkhaus ins Büro, zum Einkaufen oder zur Bibliothek, dann ins Restaurant oder ins Kino gehen können, ohne je nach draussen zu treten.

 

Die ersten beiden Abende im Hostel waren sehr ruhig und es hatte kaum Gäste. Am dritten Tag jedoch zogen viele interessante Leute in die Herberge ein und alle sassen bald zusammen. Ein junger Kanadier bot an, am nächsten Abend für alle Sushi zu "kochen". Die Vorbereitungen dazu dauerten ziemlich lang, aber es kam Feststimmung auf und gegen Mitternacht sassen ein Duzend Leute schlemmend beisammen. Einige der Leute waren älter als wir, andere aber kaum halb so alt wie wir und ziemlich punkig. Wir hatten alle eine tolle Zeit und es wurde 4 Uhr morges, bis all die Geschichten aus Kanada, England, Deutschland, Spanien und den Niederlanden ausgetauscht waren. 

 

Nach fünf Tagen in Winnipeg, fuhren wir weiter zum Naturistengelände Crocus Grove, 70 km nördlich der Stadt. Dieses Vereinsgelände ist super ausgestattet. Nebst einem grossen geheizten Schwimmbad, gibt es ein grosszügiges Klubhaus mit Sprudelbad und Sauna, sowie grossen Gemeinschaftsräumen mit Tischen, Bibliothek- und Fernseh-Ecke. Sogar eine vorbildliche Gemeinschaftsküche stand zur Verfügung, gross genug, um für den ganzen Verein zu kochen. Die Lebensmittel hätten wir allerdings besser im voraus gekauft, denn der nächste richtige Lebensmittelladen war über 40 km entfernt. Als Alternative bot sich das Restaurant des nahegelegenen Golfklubs an. Das Menü listete zwar fast nur "Fast-Food" Gerichte auf, wie häufig in Gaststätten auf dem Lande in Kanada, da aber alles frisch zubereitet wurde, mundete es wirklich gut. Wir wollten eigentlich ein zweites Mal hingehen, aber wir hatten immer noch nicht gelernt, dass ausserhalb der Grosstädte fast alles um acht Uhr dicht macht. Zurück im Camping, kochten wir uns halt Spaghetti und genossen dafür noch das Sprudelbad. Wir bewohnten ein kleines Hüttchen und kamen mit sozusagen allen der freundlichen Klubmitglieder, die da waren, ins Gespräch. Das einzig Störende, waren allerdings die Schwärme von königlich Kanadischen Stechmücken im umgebenden Nadelwald, welche sich Tag und Nacht daran erfreuten, dass die Menschen hier keine Kleider tragen...

Nach ein paar Tagen überliessen wir sie wieder ganz den Klubmitgliedern und machen uns auf, Richtung Ontario. Kaum hatten wir die neue Provinz erreicht, änderte sich die Landschaft dramatisch. Die flachen Felder wurden plötzlich von einer Wald- und Seenreichen Landschaft abgelöst, welche derjenigen in Finnland glich. Witzigerweise hatten sich genau hier viele finnische Einwanderer niedergelassen, welche ihre Siedlungen Finmark, Atikokan, Lappe und sogar Suomi und Finland nannten. Zu unserer Freude hatten sie auch die finnische Art des Fischräucherns mitgebracht und schon bald kauften wir welchen. Dasselbe galt für die Saunasitten, von denen man uns erzählte, dass hier jede Familie mit ihren Freunden nackt sauniert, jedoch niemals mit Fremden in öffentlichen Saunen. Viele besassen ein typisches Sauna-Mökki (Ferienhäuschen) an einem einsamen See. Einige seien sogar nur mit einem Wassflugzeug erreichbar, welche hier in der ganzen Region gemietet werden konnten. Unsere erste Übernachtung in diesem Gebiet, legten wir in Nestor Falls ein, einem Ort, der wegen seiner Nähe zur amerikanischen Grenze, vor allem bei Touristen von dort beliebt ist, die zum fischen hierher kommen. 
Zufälligerweise trug Heinz sein altes GSOA T-Shirt, mit dem vielsagenden Spruch: "If war is the answer, the question must be fucking stupid" ("ist die Antwort Krieg, muss die Frage verdammt blöd sein)" und all die Kanadier, die hier die Amerikaner bedienten, hatten ihre helle Freude dran.

 

Nach Thunder Bay folgte die Strasse dem ersten der fünf grossen Seen Nordamerikas. Zuerst für ein paar hundert Kilometer Lake Superior, wo wir erneut einen Übernachtungsstop  in einem Motel in Wawa einlegten (am 13.7.04, dem ersten Tag mit Nebel am Morgen und erneut am Abend). Tagsdrauf fuhren wir dem Huron See entlang, wo wir mit einer Fähre in zwei Stunden die Georgian Bay überquerten, womit wir den Weg nach Toronto deutlich abkürzten.


Mit Glück kriegten wir noch ein kleines Appartment im Glen Echo, einem Naturistengelände nördlich der Stadt. Inzwischen fühlten wir uns reif für die Insel und dieser Ort war die perfekte Oase um eine Woche von unserem Reisealltag auszuspannen. Auch hier gab es ein sehr grosses Klubhaus, welches sogar mit einem Hallenschwimmbad ausgestattet war. Das riesige Sprudelbad hatte die stärksten Massagedüsen die wir je genossen hatten und die Sauna wurde drei Mal wöchentlich nach Plan aufgeheizt. Im oberen Stockwerk gab es eine Snackbar, Lese- und Fernseh-Ecke, sowie drei Tischtennis-Tische und einen Tisch-Fussball (Töggeli) Kasten. Das von Laubwald umgebene Gelände hatte zwei grosse Liege- und Spielwiesen und einen künstlich angelegten Teich mit einem winzigen Inselchen drin. Die Campingplätze auf denen die Klubmitglieder ihre Hüttchen bauten, waren im Wald verteilt und hatten keinen Strom. Es gab unzählige Wege durch den Wald, hinaus auf die Felder und da es dort nicht all zu viele Mücken gab, genossen wir diese ausgiebig, denn es schränkten uns keine Zäune ein.
Das Wetter war die ganze Zeit über recht warm, was leider immer zu Gewittern führte, ausser an einem einzigen Tag. Für uns war es ungewohnt, dass die Gewitter jeweils schon zur Mittagszeit einsetzten und sich oft innerhalb von nur 5 Minuten aus dem vorher heiteren Himmel entwickelten. Einmal war der Wolkenbruch so stark, dass der Teich innerhalb einer Stunde über die Ufer trat und die Uferböschung richtig-gehend in einen Wasserfall verwandelte. Der Spielplatz weiter unten stand dann plötzlich inmitten eines reissenden Flusses.

 

Wir besichtigten Toronto, Kanada's grösste Stadt, in einem Tagesausflug von Glen Echo aus. Bis am Abend hatten wir unsere Füsse platt gelaufen und dies, obwohl wir uns eine Tageskarte für den öffentlichen Verkehr gekauft hatten. Wir bekamen den Eindruck, dass diese Stadt eher für Geschäftsleute, als für Touristen interessant ist. Der 533 Meter hohe CN Turm macht da wohl noch eine Ausnahme.

 

Nach unserer Zeit im Glen Echo ging`s weiter zu den Niagara Fällen  an der Grenze zu den USA. Der effizienteste Weg dorthin war die Schnellstrasse QEW, welche keine Nummer hatte da die Abkürzung für "Queen Elisabeth Weg" steht... Die ersten englischen Siedler hatten offenbar bereits starkes Heimweh als sie hier ankamen; oder weshalb haben sie wohl ihre neu gegründeten Siedlungen nach den Heimatorten benannt? So gab es auch hier Hamilton, London welches am Fluss Themse liegt und einen Hydepark, dann ein neues Stratford an einem Fluss den man nun Avon nennt, sowie Windsor .

 

Nach nur zwei Stunden erreichten wir die Niagara Fälle, welche sehr eindrücklich waren, vor allem die "horse shoe falls" auf der kanadischen Seite. Leider war die Uferumgebung alles andere als naturbelassen und unzählige Hochhäuser säumten die Strasse, welche vor allem Luxushotels und Casinos beherbergten. Um die Wasserfälle zu sehen,  kommen die meisten der  jährlich 12 Mio. Besucher nur ein Mal, die Casinos hingegen können süchtig machen, was natürlich das bessere Geschäft ist. 

Auf dem Weg zurück nach Toronto Richtung Ottawa, kamen  wir an vielen expandierenden Dörfern vorbei, in denen richtige Neubauquartiere aus dem Boden gestampft wurden. Diese  waren alle im selben Stil gebaut, entweder als Reihenhäuser oder als freistehende Villen und die Häuserreihen konnten unendlich weit gehen. Sie alle wurden in elementbauweise aus Holz erstellt und jeweils noch mit einer dünnen Backsteinfassade versehen, wohl damit sie etwas solider aussahen.

 

In Ottawa machten wir eine Erfahrung, von der wir hoffen, dass wir sie in unserem Leben nie anders machen müssen : wir gingen in den Knast. Eigentlich war es eine Jugendherberge die früher ein Gefängnis gewesen war. Eine witzige Situation ergab sich, als wir mit dem Auto den Weg dorthin suchten. An einem Lichtsignal sprach uns der Fahrer von der Spur neben uns an, ob wir wüssten wo`s lang geht, weil er sah, dass wir den Stadtplan studierten. Wie aber erklärt man jemandem in nur 5 Sekunden dass wir ins Gefängnis wollen ?

 

Kanada's Hauptstadt ist mit seinen vielen in altfranzösischem Baustil erstellten Regierungsgebäuden wirklich sehenswert. Da diese zweisprachige Stadt direkt am kanadischen "Röstigraben" d.h. an der Grenze zu Québec liegt, ist hier der französische Einfluss schon deutlich spürbar. Plötzlich gab es einen grossen Markt und unzählige gepflegte Restaurants und Strassencafés, in denen die Leute bis spät abends zusammen sassen, plauderten und das Leben genossen. Hier verliessen sie das Lokal nicht mehr "fluchtartig" sobald sie den letzten Bissen verzehrt hatten.

Im Stadtzentrum fanden wir überall knusprige Baguettes, aber nur ein paar hundert Meter ausserhalb, sah es schon wieder so aus, wie sonst überall in englisch Kanada: alles was dort angeboten wurde, konnte man wiederum nur fast essen, es war halt wieder nur noch "fast-food".

 

Nun war es an der Zeit herauszufinden, ob Québec, Kanada's französischsprachige Provinz wirklich so unterschiedlich ist, wie wir immer hörten.

 

Da für die letzten Julitage warmes und sonniges Wetter vorher gesagt wurde, wollten wir profitieren und beschlossen als erstes ein Naturistengelände zu besuchen. Die Auswahl war gross. Allein auf den 250 km zwischen Montréal und Québec City gab es 9 Campingplätze und jeder von ihnen hatte ein Restaurant, was darauf schliessen liess, dass FKK hier viel populärer sein muss als in Englisch-Kanada. Auf gut Glück wählten wir "Loisirs Air Soleil", 80 km südöstlich von Montréal aus unserem FKK-Führer aus. Uns vorher noch telephonisch nach dem Weg zu erkundigen, wäre hier nicht nötig gewesen, denn das Gelände war bereits von der Autobahn-Ausfahrt her, durch mehrere Dörfer hindurch gut ausgeschildert. Später erfuhren wir, dass diese Tafeln sogar von der Regierung bezahlt und aufgestellt worden waren. Quelle différence! Im englischen Teil gab es jeweils erst am Eingangstor ein kleines unauffälliges Schild. Da sah man also bereits, wie viel offener die Gesellschaft hier ist und die Vielzahl an Gästen auf dem Camping bestätigten dies nur. Sicher, es war ein Ferienwochenende, aber es hat uns trotzdem überrascht wie viel ähnlicher es hier zu Europa`s FKK Geländen aussah. Selbst unter der Woche blieben noch zehn Mal mehr Gäste übrig, als wir an den Wochenenden auf allen drei Geländen im Westen zusammen gesehen hatten.

 

Air-Soleil hatte auch nicht bloss ein oder zwei Mietunterkünfte, sondern deren 15 und diese waren sehr gut belegt. Wir hatten gerade noch Glück, den letzten Wohnwagen zu kriegen der für eine Woche verfügbar war. Daneben gab es noch etwa 40 Besucher-Zeltplätze, von denen einige sogar ein extra Hüttchen hatten, in dem sich ein privates WC und ein Kühlschrank befand. Die Vereins-Mitglieder belegten etwa 350 Plätze mit ihren Wohnwagen oder Häusern und weitere waren noch im Bau. Ganz im Gegensatz zu englisch Kanada, sah man hier viele junge Familien mit Kindern und auch sehr viele Jugendliche, denen man anmerkte, dass sie sich hier absolut wohl fühlten, sicher auch weil der Klub so viele Aktivitäten anbot. Die einzige Einschränkung hier war: "kein Lärm VOR 10 Uhr morgens!"

 

Im neuesten Teil der Anlage war vor kurzem ein Hallenschwimmbad und Jacuzzi eröffnet worden. Eine perfekte Ergänzung zum bestehenden Aussenschwimmbad, welches ebenfalls geheizt wurde und ausserdem gab es ein Mini-Shop mit einem Snack-Restaurant.

 

Unerfreulich war hingegen, wie schlecht wir das hiesige Französisch verstanden. Québecois tönt so unterschiedlich von dem Französisch Europas, weshalb wir anfangs fast gar nichts verstanden. Wenigstens war es mit dem Schriftlichen eher ähnlich. 

Hier gab es nun eine richtige Réception mit zwei Angestellten, von denen die eine Englisch sprach - wie gut. Sie veranlasste, dass jeder auf dem Gelände, der etwas Englisch sprach, von unserer Anwesenheit Wind bekam. Deshalb kam Robert am nächsten Tag vorbei und fuhr uns in seinem Golf-Cady im ganzen riesengrossen Gelände umher. Er zeigte uns auch ein Gebiet in dem die Natur noch ziemlich unberührt war, denn das Grundstück grenzte an einen Fluss und an einen Sumpf in dem sich eine Biberburg befand. Er stellte uns auch vielen Leuten vor, die ebenfalls Englisch sprachen, sowie mehreren seiner Familienmitglieder, welche hier ebenfalls einen Wohnwagen haben. Bald bekamen wir den Eindruck, dass hier in Québec viele Vereinsmitglieder ihren Freunden und Verwandten erzählen, wie gut es ihnen hier gefällt und dies ist wohl der Grund dafür, weshalb FKK hier immer beliebter und akzeptierter  wird, während im englischen Teil genau das Gegenteil der Fall ist.

Auch die Amerikaner Olga und Steve waren hier Klubmitglieder geworden, nachdem sie all die amerikanischen Gelände, welche sie besuchten, als zu langweilig und zu einsam empfanden. Die vierstündige Anfahrt und die andere Sprache waren Kompromisse die sie bereit waren, dafür einzugehen und inzwischen sprechen sie schon so viel Québecois, dass sie total integriert sind. Nachdem wir mit ihnen eine Stunde lang geplaudert hatten, luden sie uns spontan zum BBQ ein und danach sassen wir noch bis tief in die Nacht hinein ums Lagerfeuer. Wir haben Geschichten ausgetauscht und erfahren, wie sie und viele andere Amerikaner sich für die Bush-Regierung schämen, wie auch für das grosse Geschäft in dem sich alle mit dümmsten Anschuldigungen gegenseitig für Schadenersatz verklagen.

Am nächsten Tag wollten sie uns zum fischen mitnehmen aber wir konnten die Sache so drehen, dass wir schlussendlich nur mithelfen durften, den Fang zu verzehren.

 

Nachdem wir ihnen eine Ausgabe vom englischen FKK-Magazin "Naturist Life" zeigten, in welchem ein Bericht über unsere letztjährige Reisestory veröffentlicht worden ist, meinten sie spontan, es wäre doch gut, wenn auch Mal andere Gesichter auf den Fotos wären, statt immer nur unsere und stellten sich  spontan selbst zur Verfügung. Am gleichen Abend kamen Robert und Steve nochmals bei unserem Wohnwagen vorbei und erklärten lang und breit, was hier auf dem Gelände die Bedingungen seien, um Fotos zu machen. Beide dachten wir, "da gibt es wohl wieder Probleme und  als nächstes müssen wir wohl die gemachten Fotos wieder löschen". Dies war uns auf einem anderen Gelände schon passiert, wo später der "Hof-Photograph" des Klubs dieselben Bilder, nur von uns, wohlgemerkt, nochmals nach machte. Seine Nahaufnahmen von uns waren so perfekt, dass man bestimmt nicht mehr erkennen konnte, wo sie aufgenommen worden sind und nachdem zwei Vorstandsmitglieder sie begutachtet und für veröffentlichungswürdig befunden hatten, wurden sie uns drei Wochen später per e-mail zugestellt...

Aber Air-Soleil war ja in Québec! Es ging nicht um dasselbe. Am Ende der langen Geschichte erfuhren wir, dass die gemachten Bilder ok sind und dass die beiden eigentlich offerieren wollten, für das Familien-image zu werben und deshalb einige Klubmitglieder mit ihren Kindern zu einer Fotosession zusammentrommeln wollten für uns. Am nächsten Tag traf zufälligerweise ein kanadischer  Berufsfotograph ein, welcher bereits mehrere Bücher zum Thema FKK veröffentlich hatte. Sein Name war Richard West und er erwärmte sich natürlich ebenfalls sofort für diese Idee. Als man dann am Schluss den Besitzer von Air-Soleil um Erlaubnis für diese Fotosession bat, willigte dieser jedoch für eine so kurzfristig angesetzte Sache nicht ein, denn er hatte bereits einen Gerichtsfall am Hals, wegen einer früheren Publikation mit Richard und so wollte er sicherstellen, dass alles schön vorbereitet war und jeder Beteiligte eine schriftliche Einwilligung unterschrieb.

 

Wie auch immer, wir genossen unsere 10 Tage in diesem Klub mit seinen vielen Animationen wie Pétanque, Tennis, Hufeisen-werfen, Volleyball oder am Abend: Theater oder Gesangsspiele (von denen wir leider überhaupt nichts verstanden). Da fast vor jedem Campingplatz ein- bis zwei Golf Cady standen, wurde selbstverständlich auch ein Rennen mit diesen Wägelchen organisiert. Es waren nicht nur die Jugendlichen, welche wie Kamikaze-Piloten die steilsten Sandhügel hinunter rasten!

 

Nach neun Tagen in Air Soleil, besuchten wir Joe Beelen, Brigitte's ehemaliger Chef der nun wieder in Montréal lebt.

Seit er uns im März 2002 im Costa Natura besucht hatte, haben wir uns nicht mehr gesehen.

Weil es in seiner Wohnung brütend heiss wurde, ermunterte uns Joe, unsere Kleider nicht zu verschwitzen. Da dies aber Shizue, Joe's neuer Lebenspartnerin aus Japan, Unbehagen bereitete und wir keine Krise in ihrer Beziehung provozieren wollten, zogen wir uns jeweils nach der Morgentoilette wieder züchtig an. Im Gegensatz zu anderen Einwanderern aus Asien, hat sich in der japanischen Mentalität und Denkensweise von Shizue noch sehr wenig geändert und auch dieses wenige verheimlicht sie mangels Selbstvertrauen gegenüber ihrer Familie und Freunden und wagt nicht einzugestehen, dass sie nun zumindest teilweise, ein westliches Leben führt.

 

Die beiden führten uns als Erstes in die Läden ihrer Umgebung und wir waren total begeistert von dem, was wir dort sahen. Dieselben Lebensmittelgeschäfte, die wir von West-Kanada her kannten, führten hier plötzlich ein deutlich besseres und grösseres Angebot. Vor allem in den Frischwaren- und Delikatessenabteilungen hatten wir nun plötzlich wieder das Gefühl in Frankreich zu sein und dies eben nicht bloss, weil um uns herum vor allem Französisch gesprochen wurde. Die Käseauswahl war riesengross, nebst den einheimischen Sorten, welche sich vor allem durch verschiedene Farben unterschieden, gab es nun auch noch ein vielfältiges Angebot an Marken aus ganz Europa, aber teuer waren sie alle!

 

Es gab auch eine grosse Auswahl an Paté, frischem Fisch und lebenden Meerfrüchten. Auf der süssen Seite gab es nun einiges mehr als die bisherigen drei standard Schokoladetafeln. Die Gestelle waren voll mit Edelware, importiert aus Belgien, Frankreich und der Schweiz. Hier haben wir wieder ein gutes Beispiel gesehen, was gutes Marketing ist: vor fast 20 Jahren versuchte der schweizer Migros Konzern (pardon: die Genossenschaft) ihre Schokolade in Kanada für einen Dollar abzusetzen, während jede Tafel Lindt vier Dollar kostete. Die Billigware liess sich aber nicht absetzen, da im Kopf der Kanadier eine gute "Schwiizer Schoggi" nicht noch deutlich billiger sein kann, als schlechte amerikanische. Migros hat gelernt: heute werden hier in Québec die edelsten Lindt Tafeln zu $ 2.90 angeboten, hingegen die teuersten Migros Schkoladen als "Swiss delice" aufgewertet und zu $ 3.60 gehandelt und lassen sich nun plötzlich absetzen - Gutes darf nicht billig sein!

 

Gerade neben dem Supermarkt in Joe's Nachbarschaft, gab es den "Marché de l'Ouest", ein grosses Marktareal mit frischen Früchten, Beeren und Gemüsen die im gedeckten Aussenteil verkauft wurden. In der Halle selbst gab es verschiedene Metzgereien, sowie eine Fischhandlung. Dieses Schlaraffenland wäre nicht perfekt, ohne Bäckereien und es gab hier etwa 6 davon. Alle verkauften sie knusprig frisches Brot und einige führten über 40 Sorten, von denen keine einzige gleich nach dem Backen durch tranchieren und in Plastiksäcke verpacken entwertet wurde. Zusätzlich gab es eine grosse Auswahl an Torten, Kuchen und Kleingebäck, dass einem nur so das Wasser im Mund zusammen lief. Nachdem unser Gaumen bestätigen konnte, dass das Angebot der Bäckereien nicht nur gut aussah, sondern auch so schmeckte, wunderten wir uns, weshalb es wohl einige Supermärkte für nötig hielten, vorgefertigte Teigrohlinge für Baguettes, Pain-au-chocolat und ähnlichem aus Frankreich zu importieren und hier nur noch aufzubacken.

 

Joe und Shizue zeigten uns all die schönen Ecken der Stadt; von den Strassen-Café's die den Boulevard am St. Lawrence Fluss säumten, hinauf zum Aussichtspunkt des Mont Royal. Was uns ebenfalls stark beeindruckte, wenn auch nicht so positiv wie die vorherigen Orte, war der Abstecher ins staatseigene Casino der Provinz Québec. Tausende von Spieler pilgerten hierher um sich freiwillig von ihrem Geld zu trennen und es der Regierung zu spenden. Allerdings kamen uns die meisten Spieler so vor, als würden sie lauthals protestieren, wenn der Staat ihre Steuern auch nur um ein paar wenige Dollar anheben wollte. Anders als sonstwo, waren die Spieler aber absolut normal gekleidet und niemand erschien in "Gala-Uniform". Die Mehrzahl von ihnen waren entweder Rentner oder gehörten zu den Minderbemittelten, welche sich das Spielen eigentlich schon gar nicht leisten könnten. Viele waren offensichtlich spielsüchtig.

 

Es ist erstaunlich, mit welch kleinem Versprechen auf etwas gutes Glück man die Leute dazu verleiten kann, eimerweise Münzen in die "einarmigen Banditen" zu werfen. Auch an den Spieltischen verspielten die meisten so viel, man könnte glauben, sie hätten alle Geld wie Heu. Es war irgendwie schockierend zu erkennen, wie einfach es ist, die Massen davon zu überzeugen, was recht und was unrecht ist. Es scheint absolut gesellschaftsfähig zu sein, einer Sucht zu verfallen, welche entweder die Regierung reich macht oder eine starke Lobby hat. Sobald aber jemand von einer Droge abhängig ist, welche weder Geld bringt, noch eine starke Lobby hat, gilt man als Krimineller. In den meisten Provinzen Kanada's ist spielen verboten!

Ist unsere Gesellschaft nicht intelligent genug um eins und eins zusammen zu zählen und zu realisieren, wie stark sie eigentlich manipuliert wird?

 

Ein paar Mal fuhren wir auch alleine ins Zentrum von Montréal um diese Stadt näher kennen zu lernen. Dort scheint immer etwas los zu sein und wenn es grad kein Festival gibt, kommen die Leute halt einfach um in der Fussgänger-Zone zu flanieren und die vielen Strassencafé's und Restaurants zu bevölkern. An einem warmen Sonntagnachmittag spazierten ganze Völkerscharen entlang des Hafens. Für uns ist es nur schwer vorstellbar, dass dieser breite Fluss jeden Winter für 5-6 Monate gefriert. Wir hörten auch, dass es vor allem im Frühling und Herbst keine Seltenheit sei, dass die Temperaturen in nur zwei Stunden um 30‹Grad Celsius fallen können. 

 

An einem Abend verabredeten wir uns mit Edith & Ioran, einem spanisch-holländischen Paar, welches wir im Hostel in Winnipeg kennen gerlernt hatten und die ebenfalls wie wir, die Sushi-Party genossen hatten. Dies war das einzige Mal, dass wir in Montréal auswärts assen, jeden andern Abend verwöhnte uns Shizue mit ihren japanischen Kochkünsten.

 

Wir verliessen Montreal in östlicher Richtung entlang dem St. Lawrence Fluss, der von Villen und Ferienhäusern gesäumt war. Viele hatten einen eigenen Bootssteg an welchem oft nicht nur ein Boot, sondern manchmal sogar noch ein Wasserflugzeug angelegt war.

 

Am 12. August 2004 quartierten wir uns in "Nature-Détente", einem FKK Gelände in der Nähe von Québec City ein. Wiederum waren wir überrascht, wie beliebt dieses Zentrum mitten unter der Woche war. Auser den ca. 250 Campingplätzen, gab es etwa 20 Hotelzimmer zu mieten, welche auch mit Halb-Pension angeboten wurden. Da sowohl die Qualität des Restaurants, als auch der Preis stimmte (ca. 300 Euro für 1 Woche HP für 2 Pers.) mussten wir einfach zuschlagen, denn ohne Essen wär's bloss 75 Euro billiger gewesen, und dies für 2 Leute - gutes PLV, geh? 

Das Herz der Anlage bestand aus einem Hallenbad um das sich mehrere Sitz-Ecken, die Sauna, ein Sprudelbad, ein Fernseh- und Billiard Zimmer, sowie eine Bar und das Restaurant gruppierten. Der ganze Komplex wurde auf 26‹C geheizt, dank dem man den ganzen Tag keine Kleider brauchte. Dies war um so attraktiver, da selbst nachdem das Restaurant gegen 22:30 Uhr schloss, das gesammte Aquazenter samt Bar, mindestens bis Mitternacht und bei genügend Betrieb auch noch länger, geöffnet blieb. Ein idealer Platz also für das normalerweise nicht so freundliche kanadische Wetter. Was aber nicht heisst, dass es nicht auch Einrichtungen für die Schönwettertage gegeben hätte. Nebst einem grossen Badesee gab es auch Volleyball und Pétanque, Minigolf und vieles mehr.

Nach einer erholsamen Woche fuhren wir weiter, um die Stadt Québec zu besichtigen.

 

Diese Stadt mit ihrer Festungsmauer um die Altstadt ist wirklich ein Bijou und hat zu recht ihren Platz auf der Liste des Unesco Weltkulturerbes ergattert. Die Häuser und das Leben der Innenstadt glich Europa und vor allem Frankreich. Oder eigentlich war es angenehmer, denn hier hatte es überall blitzsaubere öffentliche Toiletten und nirgends Hundekacke auf dem Gehsteig...

Überall sah man Touristen aus der ganzen Welt, deutlich erkennbar an ihren Shorts, Foto- oder Videokameras. Die einzigen die hier fehlten, waren Kanadier aus den englisch sprachigen Provinzen, die zu sehr fürchteten, dass sie hier ohne französische Sprachkenntnisse nicht überleben könnten. Die vielen Amerikaner, die hierher pilgerten, schafften es jedoch seltsamerweise spielend, sich zu verständigen und dies wohl kaum in Französisch!

 

Mit ihren unzähligen Souvenir-Shops, Strassencafé's und Restaurants erinnerte uns diese Stadt stark an Sarlat la Canéda in der französischen Dordogne. Wir wissen, dass die Leute von Québec ein stolzes Volk sind und nicht unbedingt mit den Franzosen verglichen werden möchten. Wie auch immer, wir sehen nicht ein, was daran falsch wäre, da sich das Leben hier von demjenigen in den englisch-sprachigen Provinzen wie Tag und Nacht unterscheidet.

Separatisten oder nicht, Québec fühlt sich wirklich wie ein anderes Land an. Wirtschaftlich macht es natürlich keinen Sinn, wenn sich diese Provinz von Kanada trennen würde!

 

Wir konnten uns einfach nicht wehren, dauernd sahen wir Ähnlichkeiten zu Frankreich, seien es nun die Lebensweise, wie die Häuser hier gebaut wurden, oder noch viel mehr, wenn man die Speisekarten las.

Normalerweise beinhaltete eine Mahlzeit hier mindestens drei Gänge, ab und zu auch bis zu 12 und es dauerte den ganzen Abend bis das ganze fertig genossen war.

 

Nicht wie in Westkanada, wo es regelmässig vorkam, dass es die Leute fertig brachten, innerhalb von nur 20 Minuten ein Set-Menü zu bestellen, zu verzehren und zu bezahlen, vor allem bei chinesischen Restaurants klappte das.

 

Sorry, dass wir nochmals auf Frankreich zurück kommen: in Toronto hatte uns ein Kanadier von seinem Urlaub dort berichtet: "in einem Restaurant mussten die Gäste stundenlang warten, bis langsam aber sicher all die vielen kleinen Gänge serviert wurden, aber das Erstaunlichste war: niemand hat reklamiert!".

In ganz Québec wurde das Essen in kleinen, oft hübsch dekorierten Portionen angerichtet und "dogy-bags" kennt man dort nicht. Die Speisen wurden sehr blumig beschrieben, es gab "Magret de Canard, foie gras, riz d'agneau + chèvre chaud" Terrine oder Paté zur Vorspeise und nicht nur der Fisch wurde jeweils in einer Sauce schwimmend serviert. Es ist unnötig zu sagen, dass  wir diese Stadt in jeder Hinsicht genossen. 

 

Dank dem es immer noch herrlich warm war, machten wir eine Reservation für ein Bungalow im "Le Cyprès". Dummerweise lief jedoch etwas schief und alle Hüttchen waren vergeben, als wir dort eintrafen. So endeten wir schlussendlich nochmals für drei Tage im "Nature-Détente", nur 50 km weiter.

 

Mit der nächsten Hitzewelle zogen wir nordwärts zum Naturistengelände "Cité du Soleil" in der Nähe des lac St. Jean. Da wir uns mit den Besitzern dieses kleinen Campings sehr gut verstanden, luden uns diese zu einer Mahlzeit mit Elchfleisch ein. Nach vier Tagen siegte schlussendlich unser Drang nicht nur Na-Turist, sonder auch Tourist zu sein. Um so mehr, nachdem wir hörten, dass momentan in Tadoussac, wo der Saguenai und der St. Lawrence Strom zusammen fliessen, die beste Zeit sei, um Wale zu sehen. Dort mischt sich das Salzwasser, welches bei Flut inland drängt, mit dem Süsswasser der Flüsse. Dabei entsteht eine gigantische Brutstätte für Krill, die kleinen Garnelen, welche die Hauptnahrungsquelle der Meeressäuger stellen. Der grösste von allen, der bis zu 27 Meter lange und bis zu 150 Tonnen schwere Blauwal, schafft es anscheinend, täglich bis zu 4 Tonnen dieser kleinen Lebewesen zu fressen.

Verschiedene Walarten kommen den ganzen Sommer über hierher in diesen Fjord, welcher über 1'300 km vom offenen Meer entfernt ist und dies, nur um zu fressen.

An mehreren Orten rund um Tadoussac war es möglich die Wale vom Ufer aus zu beobachten - wenn man nur Geduld hatte. Die Kolosse kamen nur kurz an die Wasseroberfläche um Luft zu holen, bevor sie wieder abtauchten. Wir hatten das Glück, einige verschiedene dieser Giganten zu sehen und Nationalpark Angestellte erklärten das Leben der Tiere.

 

An unserem ersten Tag in Tadoussac (28.8.) war es noch herrliche 26‹C warm gewesen, aber es schien uns so, als hätte der Herbst über Nacht Einzug gehalten. Am darauffolgenden Tag hatte es nämlich bloss noch 14 Grad, und es war neblig und nass-kalt.

Wir wohnten in einem hübschen Gîte (Frühstücks Pension) und jeden Abend zogen wir los, um die franz... nein: québeker Restaurants zu geniessen. Regelmässig kriegten wir "kleine Gedichte" auf unseren Tellern präsentiert.  

 

Auf einer Auto-Fähre überquerten wir den St. Lawrence Fjord, welcher hier auf der Höhe von Rimouski, bereits 40 km breit war. Von dort aus, ging unsere Reise weiter ostwärts, entlang der Halbinsel Gaspé. Die Strasse folgte eng der Küste und ihr entlang gab es immerzu ein paar Häuser, aber meist doch zu wenige, als dass man ein Dorf hätte erkennen können. Wir übernachteten in St. Anne und Percé. Letzteres wurde dank seinem riesigen vorgelagerten Kalksteinfelsen mit einem Loch drin, zu einem florierenden Touristenmagnet. Sicher war die Insel ein hübscher Blickfang, aber den ganzen Rummel fanden wir etwas übertrieben.

 

Als wir in der Provinz New Brunswick eintrafen, fiel uns sofort auf, dass es hier nun wieder deutlich mehr "fast-food" gab, obwohl diese Provinz offiziell zwei-sprachig ist. Die französischen Einwanderer, welche sich Akadier nennen, sind hier vor allem entlang der Ostküste vertreten. 

Wir übernachteten in Bathurst und später in Shediac, der selbsternannten "Lobster-Hauptstadt" der Welt. Natürlich konnten wir nicht wiederstehen, davon zu profitieren und so entschieden wir, dass zwei Hummer, welche bis anhin ein freies Leben im atlantischen Ozean geniessen durften, nun ihr Leben lassen müssen und uns ihr geschmackvolles Fleisch überlassen sollen.

 

Weil wir in einem sehr gemütlichen "Bed+Breakfast" wohnten, beschlossen wir die berühmten Hopewell Felsen in der Fundy Bay als Tagesausflug zu besuchen. Diese einzigartigen Sandsteinformationen waren von den höchsten Fluten der Welt, welche hier bis zu 17 Meter ausmachen, ausgewaschen worden. Bei Ebbe war es möglich auf dem nun freigelegten "Meeresboden"  zu spazieren und sich die freistehenden Säulen genauer anzusehen, bevor sie ein paar Stunden später bei Flut wieder zu Inseln wurden.

 

Nach Shediac erreichten wir bald die Provinz Nova Scotia, welche fast eine Insel bildet und auch hier gab es noch ein paar wenige französisch sprachige Flecken. Die meisten Bewohner haben aber schottischen oder irischen Ursprung. Mit Fisch- und vor allem Hummer-Fang erarbeiten sich auch hier die Menschen ihre Töstchen - Brötchen essen sie hier ja keine ...

Selbst Mc Donalds machte am Strassenrand Werbung für seine Hummer-Sandwich. Dies machte uns so neugierig, wir mussten diese probieren und wir geben unumwunden zu: sie schmeckten gut und um so besser, weil sie uns nicht einmal belastet wurden.

 

Nach einem kurzen Schlechtwetter-Einbruch stiegen die Temperaturen bald wieder auf 15‹C an und sofort wurden wieder überall die Klima-Anlagen eingeschaltet. Vermutlich haben die Kanadier Angst, sie könnten sich an warmes Wetter gewöhnen. Wir aber, haben darauf anders reagiert, als es tagsdrauf dann sogar 26 Grad warm wurde. Wir legten einen (letzten) Tag am Strand ein. Wir hatten Angaben über eine einsame Bucht in der Nähe von Inverness, doch die Waldstrasse dorthin war so löchrig, dass Brigitte beschloss, das Auto stehen zu lassen und dass wir den Rest zu Fuss zurück legen sollten. Bald darauf jedoch, nahmen uns andere Touristen mit. Sie fuhren einen Mietwagen und machten sich über den Zustand der Strasse kein Kopfzerbrechen.

Die anderen blieben nur kurz und so hatten wir den ganzen Strand für uns alleine. Nun, anfangs September genossen wir die Sonne um so mehr, da wir im Wetterbericht gesehen hatten, dass es gleichentags am andern Ende Kanada's, in Edmonton zum ersten Mal schneite.

 

Am nördlichsten Ende von Nova Scotia waren die Hügel des Kap Breton in dicken Nebel gehüllt als wir da hin kamen und deshalb überlegten wir uns bereits, ob wir nicht vielleicht umdrehen sollten um auf besseres Wetter zu warten. Doch es gab eine Belohnung, dass wir durchhielten: wir sahen plötzlich zwei Elche am Strassenrand. Ein grosses Weibchen und ein jüngerer Bulle. Quer durch's Land hindurch hatten wir immer gehofft, solche Tiere zu sehen und so waren wir natürlich hoch erfreut über diese Begegnung. Als wir die andere Seite des Cap Breton erreichten, lösten sich die Wolken sehr schnell auf und kurz darauf fuhren wir bereits wieder unter stahlblauem Himmel. Die Küstenlandschaft sah hier schon wieder anders aus. An der Nordküste hatte es zuerst noch Wiesen und später bewaldete Klippen gehabt, die bis ans Wasser reichten, hingegen hier lagen nun grosse rosa Granitblöcke am Strand.

 

In ganz Nova Scotia war es sehr einfach, gemütliche Frühstückspensionen (B+B) zu finden, wie z.B. in Baddeck. Immer wieder fanden wir ein Dorf mit mehreren guten Restaurants und dies vor allem dort, wo es viele Touristen hatte. Zu der Zeit als wir dort waren, kamen diese hauptsächlich aus den USA. Oh ja, dies furchtlosen Amerikaner welche tatsächlich den Mut hatten auf eigene Faust ins (feindliche) Ausland zu reisen, waren ja so ganz anders, als diejenigen, welche zu Hause blieben. Wir hörten mehrmals, wie sich die ersteren darüber ärgerten, wie stark ganz Nordamerika mit "Fast-food" verseucht sei. Für sie war die kulinarische Erkundigung ebenso ein wichtiger Bestandteil des Reisens, wie für uns.

 

Heinz hatte den Eindruck, dass die Unterschiede zwischen Kanada und Amerika heute nicht mehr ganz so gross sind, wie vor 16 Jahren. Vor allem die "Unsitte" für alles Mögliche und Unmögliche sofort Schaden-Ersatz zu fordern, hat auch hier in Kanada Fuss gefasst, wenn auch die zugesprochenen Summen hierzulande noch deutlich tiefer liegen. Egal was man kaufte oder wo man eintrat, überall fand man deutlich sichtbare Warnungen, welche den Hersteller oder Eigentümer von jeglicher Verantwortung entbinden sollte. Achtung Stufe, Vorsicht heiss, Rutschgefahr bei Regen etc. In vielen Schwimmbädern durften Kinder unter 14 Jahren nicht alleine hin und an einigen Orten mussten sie sogar Schwimmwesten tragen im Pool. In vielen Teichen war es verboten zu schwimmen und wer sich in ein Boot setzen wollte, musste eine Schwimmweste tragen. Diese Bestimmungen wurden eingeführt, nachdem es Unfälle gegeben hatte die hohe Schadenersatzforderungen zur Folge hatten. Inoffiziell, so sagte man uns, sei aber meist Alkohol im Spiel gewesen. Ist denn niemand mehr für sich selbst verantwortlich?

Ihr solltet die Betriebsanleitung zu unserem Auto sehen. In etwa einem Drittel des dicken Buches wird erklärt, was alles passieren könnte, wenn man z.B. die Sicherheitsgurte nicht anlegt, die Scheiben nicht reinigt, bei Einbruch der Dunkelheit ohne Licht fährt, vor dem Einlegen des Rückwärts-Ganges nicht hinter dem Wagen nachsehen geht ob nichts im Weg sei, oder wenn man unter Alkoholeinfluss fahren würde. Die Liste war unendlich lang und wir fragen uns, ob die Autohersteller hierzulande glauben, dass die Fahrer alle ihren Führerschein im Lotto gewinnen, dass sie ihnen all dieses Allgemeinwissen auch noch vermitteln müssen.

 

Halifax war eine angenehme Stadt mit vielen Touristen, die sich vor allem um den Hafen konzentrierten. Jetzt, mitte September war es immer noch sehr lebhaft, aber wie muss es erst in der Hochsaison ausgesehen haben, als die Kreuzfahrtschiffe hier anlegten?

Wir wohnten in einer sehr schön gelegenen Pension in der Nähe von Peggy's Cove. Dies ist, trotz grosser Berühmtheit, immer noch ein ursprüngliches Hummer-Fischerdorf, geblieben, dessen Hafen von vielen vorgelagerten Inseln geschützt wird. Als wir dort eintrafen, hat sich der Nebel gerade erst gelichtet. Anscheinend sei dies ein sehr häufig anzutreffendes "Natur Übel" und dies nicht nur im Herbst. Wir hatten aber Glück, dass uns die Sonne begleitete als wir gemächlich der Südküste entlang weiterfuhren bis wir in Yarmouth die Westspitze Nova Scotia's erreichten. Die Landschaft da unten war wunderschön und sie hat Brigitte am besten gefallen von allen. Auf der einen Seite der Strasse sah man Flut-abhängige Moorlandschaften und auf der Küstenseite gab es viele zerklüftete kleine Inseln, draussen im Meer. Auch die vielen kleinen Dörfer mit ihren schönen Holzhäusern, wie z.B. Lunenburg und Shelburne, verliehen der Gegend einen ganz speziellen Charme.

Sobald wir die Nordküste erreicht hatten änderte sich das Landschaftsbild wieder und war unserer Ansicht nach, nicht mehr ganz so spektakulär. Die Strasse führte uns um die Bay of Fundy und schlussendlich wieder zurück nach New Brunswick. Verursacht durch die hohen Unterschiede zwischen Ebbe und Flut, gab es hier viele verschlammte Flüsse, die wie flüssige Schokolade aussahen und damit dieser Gegend eine spezielle Note verliehen.

 

Für einige Tage mieteten wir uns ein gemütliches und luxuriöses Hüttchen in St. Martins, wo wir ein wenig Pause machten und am Reisebericht, den du jetzt liest, weiter schrieben.

 

Als wir dort wieder los fuhren, überraschte uns ein riesengrosser Schwarzbär, der unweit vor unserem Wagen gemütlich die Strasse überquerte und dies nur ganz kurz vor der Ortschaft St. Andrews.    

 

Dies war noch eines der wenigen kanadischen Dörfer, wo ein farbiges Holzhaus gleich neben dem andern stand.

Am selben Tag machten wir auch einen Abstecher zur Insel Deer, was sich schon allein für die Überfahrt gelohnt hat, denn die Fähre durchquerte ein wahres Inselreich.

Fredericton und Woodstock waren unsere nächsten Stopps, als wir entlang dem reizvollen St. John Flusstals weiter nordwärts fuhren. Die Wälder bekamen nun langsam ihr Herbstkleid, woran sich Brigitte immer enorm freut.

 

Bereits bei unserem Mittagshalt in  Edmundston waren wir wieder zurück in französichem Gebiet, noch bevor wir selbentags unsere (neue) Lieblingsprovinz Québec erreicht hatten. Unsere hohen Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Schon im kleinen Ort Cabano, das 3`000 Einwohner zählt, gab es zwei Restaurants die „haute cuisineg servierten, dazu noch mehrere andere gute Lokale und keine einzige der fettriefenden Imbissketten war vertreten. Wir fanden dort ein nettes Gîte (Pension) wo uns ein erstklassiges Frühstück serviert wurde.

 

Einen weiteren Halt machten wir in Rivière du Loup. Hier waren wir nun wieder am St. Lawrence Strom zurück, diesml an dessen Südküste. Als wir dem Fluss entlang westwärts fuhen, kamen wir einer abwechslungsreichen und schönen Landschaft entlang bis wir die geschäftigen Vororte von Québec City ereichten. Diese Stadt wollten wir natürlich nicht „links liegen lasseng ohne erneut von ihrem „savoir vivreg zu profitieren. Wir nächtigten wiederum zwei Mal in der Jugendherberge, was nicht all zu teuer war, ganz im Gegensatz zu den Gourmet-Menüfs, die wir uns leisteten.

 

Bevor wir noch die Gegend um den Mont Tremblant besuchten, schauten wir schon Mal kurz bei Joe und Shizue in Montréal vorbei.

Jetzt war die beste Zeit, um voll in den berühmten „Indian summerg mit seinen tollen Herbstfarben ein zu tauchen. Es war ein Genuss, entlang den vielen Seen die von bunten Hügeln umrahmt waren, zu spazieren.

 

Das Dorf Mont Tremblant war erst vor 15 Jahren gebaut worden und zwar von derselben Gesellschaft, die auch Whistler auf der Landkarte plaziert hat. Es dient als Ski-Resort, obwohl die Pisten für schweizer Verhältnisse recht kurz sind. Wir staunten jedenfalls, dass Busladungen von Touristen aus aller Welt an diesem Freitag, 1. Oktober, Wochen vor Eröffnung der Skisaison, zu diesem künstlichen Ort pilgerten, wo alles angeboten wurde was Touristen zu kaufen pflegen, ob brauchbar oder nicht.

 

Von hier aus fuhren wir zurück nach Montréal, wo wir uns wiederum bei Joe einquartierten. Hier stand uns alles zur Verfügung, was wir brauchten um unsere Weiterreise und den Verkauf unseres Autos zu organisieren.

Obwohl der kanadische Sommer schon deutlich kürzer ist, als ein europäischer, hatten wir auch hier wieder sehr viel Wetterglück gehabt.

 

 

Überfs ganze Land gesehen, haben uns die Provinzen am besten gefallen, welche am West- und am Ost-Ende liegen. Unser Favorit ist die Provinz Québec mit ihrem französischen Charme, gefolgt von Nova Scotia, Neu Brunswick und Ontario. An der Westküste waren es Britisch Kolumbia, vor allem Vancouver mit seinem starken asiatischen Einfluss, sowie die Rocky Mountain Nationalparks in Alberta. Die Regionen dazwischen empfanden wir eher etwas monoton. Andererseits bekamen wir erst dadurch, dass wir das ganze Land durchquert haben, einen umfassenden Eindruck und kriegten damit einen vertieften Einblick in die Unterschiede zwischen den verschiedenen Teilstaaten die z.T. wirklich unglaublich gross sind.

Nicht einmal die Verkehrsregeln sind überall gleich! Wer die Provinz wechselt, kann nicht sicher sein, dass sein Berufsabschluss anerkannt wird und muss unter Umständen nochmals eine Prüfung ablegen, damit er arbeiten kann. Wo überhaupt schon „recyceltg wird, scheiden sich die Geister darüber, wie dies zu geschehen hat und ein einheitliches Flaschenpfand gibt es schon gar nicht.

 

Mehrmals lernten wir Einwanderer kennen, die unumwunden zugaben, dass ihre Erwartungen etwas enttäuscht wurden. Sie fanden hier zwar die Freiheit, dass sie sich genügend Platz leisten konnten, was sie aber unter echter Freiheit und auch Offenheit verstanden, fanden sie, sei in Europa einfacher zu finden. Vor allem Neu-Einwanderer berichteten, dass sie den Eindruck hatten, dass ihre Landsleute, welche vor 20-30 Jahren hier ankamen, an ihren alten Traditionen und Ansichten festhielten, während sich die Leute in Europa zwischenzeitlich stark weiter entwickelt haben.

 

Jetzt wissen wir erst, wie riesig dieses Land ist und obwohl wir weder Yukon, Alaska noch Neufundland besucht hatten, was wir ursprünglich in Erwägung zogen, legten wir schlussendlich mehr als 17'000 km mit unserem Wagen zurück. Wir hatten Glück und konnten dieses Auto, das uns problemlos durch ganz Kanada geführt hatte, für nur C$ 250 weniger, als wir es 5 Monate vorher gekauft hatten, wieder an den Mann bringen.

 

Und wie gehtfs nun weiter? Zufälligerweise sahen wir ende September auf einer Farm drei Wallabies herum hüpfen. Und wir wollen nun über mehrere kleine Inseln Mikronesiens hüpfen, bis wir schlussendlich in Australien mehr Wallabies und Känguruhs begegnen können.

 

Auf dem Weg von Kanada nach Australien hätten wir gerne noch das Inselreich Mikronesiens besucht. Wir hatten am 14. Okt. ein gutes Duzend Inselhüpf-Flüge gebucht, doch tagsdrauf informierte uns Palau-Mikronesian Air, dass der Flug nach Darwin auf unbestimmte Zeit suspendiert wurde. Wir hatten trotzdem noch Glück und fanden daraufhin ein wirklich günstiges Flugticket, welches uns von Montreal direkt nach Melbourne brachte.

 

Kanada
Dominikanische Republik
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Fotos: Dominikanische Republik

Casa de Campo: Heile Welt im Ferienghetto!

Vorher jedoch, besuchten wir noch für eine Woche unseren Freund Urs, der mit uns die Wohnung geteilt hat. Er lebt nun vorwiegend in der Dominikanischen Republik wo auch seine Frau Teresa herkam, von der er seit ein paar Jahren offiziell getrennt war - ab und zu auch wieder nicht, je nach ihrer Laune. Vor einem Monat ist sie freiwillig aus dem Leben gegangen und dies war für Urs sehr schwer zu verstehen, zumal er selbst an unheilbarem Krebs leidet. Wir versuchten ihm etwas von unserer positiven Einstellung zum Tod näher zu bringen und ihm die Angst davor zu nehmen.

 

Unser Charterflug landete leider nicht direkt am Flughafen in seiner Nähe, sondern in Punta Cana, 100 km östlich, wo er uns abholte. Die Insel war tropisch grün mit unzähligen blühenden Bäumen und Büschen. Die Häuser entlang der Strasse waren mit erfrischenden bunten Farben bemalt, aber sie waren meist sehr ärmlich. Wir erfuhren, dass das Haupteinkommen neben dem Tourismus, aus dem Anbau von Zuckerrohr, Kaffee und Reis erarbeitet wird. Die meisten Dominikaner verdienen weniger als USD 150.- im Monat und die Gastarbeiter aus Haiti von der anderen Hälfte der Insel, sind noch viel schlechter bezahlt.

 

Urs besitzt eine Villa im 27km² grossen Ferien- und "reiche Leute" Resort genannt Casa de Campo. Auch wenn uns das Haus von Urs beeindruckt hat, seines ist noch bescheiden im Vergleich zu vielen anderen der 1'200 Villen im Resort. Die ganze Anlage ist in eine wunderschöne Parklandschaft eingebettet und sicher umzäunt und rund um die Uhr bewacht. Den Bewohnern dieser sorgenfreien Oase werden unzählige Beschäftigungsmöglichkeiten geboten um ihre Freizeit zu gestalten. So gibt es hier vier grosse Golfplätze, duzende von Tennisplätzen und Schwimmbädern, über 200 Pferde und einen Schiesstand. Am Meer gibt es Segel- und Tauchkurse und natürlich die lärmenden Jet-Boote. Denjenigen die bloss am Strand liegen wollen, wurden nicht nur Badetücher abgegeben, nein die Angestellten breiteten diese auch noch auf dem Liegestuhl aus und platzierten ihn selbstverständlich unter dem gewünschten Baum oder Sonnenschirm.

 

Als wir sahen, wie viele schwarze Dominikaner als Bedienstete der Reichen Oberschicht und der weissen Touristen arbeiteten, erinnerte uns dies ein wenig an die eigentlich lang vergangene Kolonialzeit. Im Casa de Campo, wie auch in anderen Ferienanlagen, beschäftigt jedes Haus mindestens zwei, oft auch mehr einheimische Angestellte, welche Reinigungs- Garten- und Unterhalts-Arbeiten verrichten. Um die tausenden von Angestellten an ihre Arbeitsplätze auf diesem riesigen Gelände zu bringen, betreibt das Resort sogar ein eigenes Busnetz.

 

In starkem Kontrast zu den niedrigen Löhnen, standen die hohen Preise in den wenigen Einkaufszentren. Nicht nur Importwaren waren masslos überteuert und kosteten meist zwei bis drei Mal soviel wie in Kanada. Wir wunderten uns darüber, wie viele Einheimische dort einkauften.

Ging man ins Restaurant, hatten die Preise schon gar keinen Bezug mehr zu den tiefen Einkommen und in den Lokalen des Casa de Campo Resorts, wurde das Ganze noch mehr auf die Spitze getrieben; du kannst dir vorstellen wie unser Appetit geschrumpft ist, als wir hörten, dass ein simples Sandwich aus drei Scheiben Toast und etwas Wenigem dazwischen, sage und schreibe 25 US Dollar hätte kosten sollen. Für diesen Preis haben wir in Québec jeweils ein mehrgängiges Schlemmer-Menü bekommen, und dort sind die Löhne mindestens 10 Mal höher als hier!

 

Die Dominikanische Republik ist ein armes Land und die sich ablösenden Regierungen führten es noch tiefer in Zahlungsunfähigkeit und Chaos. Die Regierungsangestellten benutzen das meiste Geld um ihren eigenen Wohlstand weiter auszubauen, aber auch für die Armee, welche sie beschützen soll. Der Grossteil der Bevölkerung hingegen, lebt in Armut.

 

Die Kluft zwischen Arm und Reich ist immens und deshalb ist es kaum erstaunlich, dass Kriminalität hier ein Problem ist. Jede Baustelle in der Dominikanischen Republik wird rund um die Uhr bewacht, sobald mehr als drei Steine gelagert werden. Aber nicht nur dort, sondern auch in vielen Geschäften und in leer stehenden Häusern gehören bewaffnete Sicherheits-Beamte zum normalen Strassenbild. Wenn Urs seinen Wagen zur Garage bringt, nimmt er routinemässig seinen Anwalt mit um zu verhindern, dass nebenbei noch ein intaktes Teil ausgebaut wird.

 

Auf wundersame Weise schaffen es die Dominikanerinnen allerding meistens, ein paar Pesos für Schönheitsmittel zu sparen, welche ihre Haut heller machen und ihr krauses Haar strecken sollen.

 

Haaresträubend empfanden wir das Verkehrsverhalten! Wir zweifeln daran, dass es überhaupt Verkehrsregeln gibt und falls es doch welche geben sollte, sind diese bloss zum ignorieren da. Mit Grauen haben wir festgestellt, wie gut sich Urs dem anpasst, denn in der Schweiz haben wir ihn nie so fahren gesehen. Er zeigte uns die Gegend rund um La Romana, wo wir all diese Eindrücke vom dominikanischen Leben sammelten, aber wenn wir im Areal von Casa de Campo waren, befanden wir uns in einer anderen Welt. Den viel gepriesenen karibischen Traum hingegen, fanden wir weder innerhalb noch ausserhalb des Resorts.

Es war sehr interessant Urs in diesem Land zu besuchen und wir hatten ein paar tiefgründige Gespräche in der Woche mit ihm.

 

Die Sardinenbüchse von Air Transat brachte uns zurück nach Montreal, wo wir unsere letzten drei Kanada-Tage im Stadtzentrum verbrachten. Wir schlossen unser Bankkonto und holten unser nächstes Flugticket im Reisebüro ab und trafen uns ein letztes Mal mit Edith zu einem netten Nachtessen à la Québecoise und interessanter Diskussion.

 


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