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Reisetagebuch Kapitel 5 [April 2001 - Dezember 2001]
(Frankreich, Niederlande, Skandinavien und Deutschland)

FKK in Frankreich & Benelux
Skandinavien & Deutschland Top
Fotos: Frankreich, FKK-Eindrücke

FKK Frühsommer in Frankreich und Holland

So gegen Ende April machten wir uns aus dem Schnee der Schweiz, nachdem wir unsere Freunde und Familie besucht hatten. Via Furka-Bahnverlad fuhren wir ins Oberwallis, welches sich einmal mehr als Sonnenstube der Schweiz bestätigte. Bereits in Fiesch konnten wir unser Z´vieri im Gartenrestaurant an der Sonne einnehmen - das belegte Brötli zu Fr. 2.--. Vorbei an den schönen Holzhäusern, ging´s langsam richtung Genfersee, den wir auf seiner Südseite folgten.

In Frankreich angekommen, gönnten wir uns in Evian ein hervorragendes Nachtessen, direkt am See. Bei der anschliessenden Hotelsuche, die wir mutig (wie auch schon) verschoben hatten, waren wir dann nicht gar so schnell erfolgreich. Aber das 2. Billighotel, welches wir uns aussuchten, hatte dann bereits Platz für uns... allerdings 40 km "down the road".

Tags drauf besuchten wir dann das hübsche Dörfchen "Pont en Royans" mit seinen hängenden Häusern über dem Fluss, welches wir mal mit Moni & Bruno schon vor Jahren schon mal unsicher machten. Wir folgten auch weiter diesem Weg und kamen nach La Chapelle en Vercors und über den Rousset Pass nach Sisteron. Von dort ging es weiter entlang fast unbefahrenen Bergsträsschen und durch faszinierende Landschaften nach Puget-Theniers wo wir das für uns neues FKK Origan auskundschafteten. Obwohl es ziemlich hoch in den Bergen gelegen ist auf 600 M.ü.M. hatten wir dort ein paar sehr sonnige warme Tage verbracht.
Das Restaurant auf dem Gelände hat uns zum einen durch seine originell kreierten Vorspeisen und auch durch seine schöne Dekoration gefallen. Das Gerantenpaar, welches selbst nur noch das halbe Jahr arbeitet und auch schon 1/2 Jahr in Tonga verbrachte, bekochte uns an 4 von 5 Abenden.

Wir machten von dort aus einen Ausflug zur Dalius-Schlucht, welche uns ihren roten Felsen total in ihren Bann zog. Vor allem in dieser Jahreszeit, wo die frischen Blätter noch grellgrün leuchten, sah die rote Farbe der steilen Felswände toll aus.

Am 1. Mai wagten wir uns, trotz Feiertag, wieder auf die Strasse. Leider war das Wetter nun nicht mehr so toll und wir erlebten den letzten Teil der gigantischen ´gorge du Verdon´ im Nebel und Regen. Zuerst wollten wir noch in Moutiers-Sainte-Marie übernachten weil der Ort wirklich gut gelegen war, und auch sehr einladend aussah. Doch dann trockneten wir unsere Schuhe bei 2 riesigen Stück feinster Torten (zu CHF 6-8.-- das Stk.)und fuhren durch bis Aix en Provence.

Diese berühmte Stadt war auch jetzt sehr beliebt, wir konnten nicht mal unser Hotelzimmer verlängern, so viele Touristen gab´s. Aber 10 km ausserhalb, fand man uns Ersatz. Dafür wurden wir kulinarisch total verwöhnt, es gab wirklich alles was unsern Gaumen gelüsten konnte. Am ersten Abend mussten wir im japanischen Restaurant sogar anstehen, so beliebt war es. Ansonsten gab es vor allem viele Brunnen die der Regen rege auch noch füllte... Alle die Heinz kennen, wissen um seine Birkenstöck-Manie. Meine durchnässten Schuhe gaben mir noch lange kalte Füsse, während bei seinen das Wasser schon längst wieder rausgelaufen war und sich seine Füsse nach 5 Min. im Trockenen schon wieder pudelwohl fühlten...so ein Frust für mich!

Danach ging's weiter nach 'Les Saintes-Maries de la Mer' in der Camarque. Hier fanden wir hinter den Industriestädten doch noch die wilde Steppe aus dem Bilderbuch. Wir sahen überraschend viele Flamingos, hingegen waren die "wilden Pferde" meist gesattelt und warteten darauf, von den Touristen ausgeführt zu werden.
In einem speziell angelegten Vogelpark sahen wir viele Vögel. Sie waren 100% frei und wurden nur durch die Gestaltung der Landschaft und vermutlich zusätzlichem Futter im Wasser angelockt. So sahen wir noch mehr rosa Flamingos, die sehr nah bei den Leuten blieben. Deshalb konnten wir Flamingos aus nächster Nähe beobachten und nicht aus über 20 Metern Entfernung wie ausserhalb des Parks...

Auch zum flanieren und fein essen hat uns der Ort und auch das benachbarte Aigues Mortes eingeladen. Dazwischen unternahmen wir Spaziergänge entlang den ewig langen Sandstränden.

Nachdem das Wetter nun verlässlicher geworden war, ging's weiter ins Domaine de la Sablière, unser lieblings Naturistengelände nahe der Ardèche-Schlucht. Es hat sich dort zwar einiges organisatorisch verändert, aber die wild wuchernde Natur, verwöhnte uns immer noch in vollen Zügen.
Wir hatten grad beschlossen unseren Auftenthalt noch ein wenig zu verlängern, da brachte uns die rasende Receptionistin eine Nachricht, dass wir Moni & Bruno zurückrufen sollten. Sie hatten sich erkundigt, ob wir immer noch hier seien und überlegeten sich, den kommenden Feiertag mit einer langen Brücke von Sonntag bis Donnerstag zu versüssen.
Es war Samstag und wir riefen sie sofort zurück und am Sonntag waren wir bereits zu 4. am Sonnenbaden. Da wir das Sablière vor 6 Jahren gemeinsam entdeckt hatten, gab es viele Erinnerungen zu teilen. Allabendlich fuhren wir in die umliegenden Restaurants, aber natürlich haben wir nur den 'Besten der Besten' unsere Aufwartung gemacht.
Am Tag als Moni & Bruno wieder nach Hause fuhren, mussten wir in ein Holzchalet wechseln, da jemand unser Mobil-home für das 'normale lange Wochenende' von Donnerstag bis Sonntag gebucht hatte.

5 Tage später reisten wir dann weiter nach Vaison-la Romaine bei Orange, wo wir Susanne's Schwester mit ihrer Familie besuchten, die dort ein Haus besitzen. Sie haben selbst mit 3 Kindern für 7 Jahre nicht gearbeitet, sondern sind erst mal mit dem Wohnmobil in Europa herum gereist und haben die Kinder selbst unterrichtet, denn Bernadette, die Mutter war Lehrerin.

Jetzt war es schon unangenehm heiss und wir waren deshalb sehr glücklich, als wir auch bei ihnen einen Pool vorfanden. Alle zusammen streiften wir uns die Kleider vom Leib und sprangen ins erfrischende Nass um danach ein paar heisse Diskussionen zu führen. Idealerweise konnten wir während dem bei einer Garage die Klimaanlage unseres Twingos auch gleich neu laden lassen und so kühlten wir uns anschliessend wieder ab.

Nur einen kurzen Stop zum Energie tanken legten wir danach in Cap d'Agde's bestem Seafood-Restaurant ein (Bett & Schalentiere), bevor wir richtung Pirenäen weiterfuhren. In der Nähe von Toulouse haben wir zum ersten Mal dieses Jahr unser Zelt aufgeschlagen. Im sehr naturnahen FKK-Gelände L'Eglantière in Castelnau-Magnoac genossen wir für 2 Wochen die familäre Atmosphäre und das günstigen Essen in den umliegenden Gaststätten.

Danach ging unsere Reise nordwärts weiter nach Agen und in die Dordogne. Beides haben wir vor einem halben Jahr bei strömendem Regen schon einmal gesehen. Natürlich hatten wir jetzt im Sommer viel mehr davon. Agen sieht einfach sehr charmant aus und zudem konnten wir noch einen 'Service-Stop' einlegen; sowohl Heinz, als auch unser Twingo brauchten dringend neue 'Finkli'. Diejenigen für das Auto haben 40'000 km Garantie, mal schauen ob Heinz' neue Heilandsandalen ihn auch so weit tragen ... Auch haben wir hier nach 7 Wochen zum ersten Mal wieder einen sehr gut eingerichteten Internet-Zugang gefunden. Auf dem Lande findet man sowas inzwischen zwar auch schon, aber meistens war's sehr langsam und die Verbindungen wurden dauernd unterbrochen, manchmal einmal pro Minute. Da wurde selbst der Gratisanschluss in der Campingreception zur Qual, es kostete einfach zu viel Nerven...

Von dort aus ging unsere Reise nach Sarlat la Canéda weiter, wo wir inmitten von Schlössern und kleinen hübschen Dörfern im mittelalterlichen Baustil, so manch tolles Restaurant fanden. Die Gegend entpuppte sich als wahres Geniesser-Paradies, mit selbst für französische Verhältnisse aussergewöhnlich vielen Gourmetlokalen, welche eine ganze Ansammlung hochrangiger Auszeichnungen schmückte.

Auf jedem Ausflug reizte es uns, die Kamera häufiger zu benutzen als wir es uns vorgenommen hatten. Die vielen Schlösser, welche hoch oben über dem Fluss Dordogne auf den Felsvorsprüngen thronen, haben uns wirklich fasziniert. Als Basis suchten wir uns für 2 Wochen den Campingplatz Cro-Magnon in der Nähe von St. Cyprien aus, in welchem wir einen Wohnwagen mieteten. So hatten wir glücklicherweise einen Kühlschrank zur Verfügung, den wir wegen Temperaturen gegen 40°C auch wirklich gut ausnutzten. In Kürze war er überhitzt, genau so wie wir auch, aber wir konnten uns wenigstens noch der Kleider entledigen und in den Wald verziehen, während der arme Kühlschrank versuchte unseren riesigen Wasservorrat rechtzeitig zu kühlen.

Zum Nachtessen fuhren wir wegen der vielen Gourmet-Tempel immer raus, dies hätte manchem von Euch bestimmt auch gut gefallen, so gut haben wir unser ganzes Leben noch nie gegessen. Und auch denjenigen mit einem kleinen Magen gefielen die feinen kleinen Portionen, die da mit den 7 Gang-Menü´s serviert wurden - klein aber fein, aber immer noch gross genug um jeden satt zu machen.

Im Euronat am Atlantik, wo wir am 1. Juli angekommen sind, war's anfänglich nicht kühler. Aber bald wechselte es zum das hier typischen Atlantikwetter und es war nur noch jeden 2. Tag warm genug, um den wunderschönen Strand auszunutzen. Ihr seht, so hart war das Leben zu uns .... doch die vorhergehenden 10 Wochen hatten uns dafür bloss 5 Schlechtwettertage beschert.

Übrigens gab es denselben Unterschied wie in Kroatien, betreffend Campingplätzen mit mehr od. weniger Deutschen Gästen; im Euronat wo unser Zelt stand, war alles blitz-blank sauber, dagegen das Angebot der Läden und Restaurants um einiges Bescheidener, als dasjenige im FKK Montalivet, wo wir am Internet schrieben. Dieses ward mehr von Franzosen frequentiert, welche es sichtlich genossen, dass es da mehr Läden, besseres Angebot und feinere Restaurants auf dem Gelände hatte. Witzigerweise hatten wir am letzten Ort (in Sarlat) in all diesen vollbesetzten Schlemmerlokalen kaum je Deutsche gesehen (oder besser gesagt, die hört man ja immer ...) dafür gab es Amerikaner und Holländer, deren eigene Küche ja nicht grad einen guten Ruf hat. Auch sie genossen das feine Essen offensichtlich.

Danach erlebten wir an der französischen Atlantik für 2 1/2 Wochen das grösste FKK Gelände Europas, 3.3 km2 mit Platz für über 7500 Naturisten zwischen Föhren, oder was nach dem Sturm "Lothar" im Dezember 1999 noch übrigblieb. Wir genossen es, obwohl wir nur noch jeden 2. Tag Schönweter hatten, auch an den Regentagen waren die Temparaturen noch mehr als erträglich.

Nun regnete es also häufiger und stärker als uns lieb war und vor allem, war die Langzeitprognose noch immer schlecht. So gaben wir am 17. Juli auf, packten ein tropfnasses Zelt ein und fuhren der Fähre über die stürmische Meerarm-Ueberquerung bei Royans entgegen.
Erst nach 2 Tagen als wir St. Malo an der Nordküste erreichten, kam die Sonne wieder durch. Hier war der Verkehr nun wieder dichter als je zuvor und wir waren froh, in einem Aussenweiler ein Privatzimmer gefunden zu haben. St. Malo ist von einer dicken Stadtmauer umzogen, welche auf 3 Seiten ins Meer ragt. Innerhalb der Mauern stehen klotzige Häuserreihen mit allen Fenstern und Erker exakt in einer Linie und gleichmässigen Quadraten.
Tags drauf besichtigten wir die Top-Touristenattraktion Nr. 1 in Nordfrankreich: Mont St. Michel - eine Klosterfestung auf einem Felsen draussen im Gezeitenstrom. In dieser Gegend haben Ebbe und Flut extrem hohe Unterschiede und so kommt es, dass die Flut den Felsen auf dem dieses Kloster erbaut wurde, sammt seinen Besucherparkplätzen, bei Flut meisst total vom Meer umspült sind, während es bei Ebbe ganz allein im trockenen Sand dasteht. Um diese Jahreszeit waren wir natürlich nur zwei von tausenden andern Touristen und es gab ein ganz schönes Gedränge durch die uralten engen Gassen. Aber der Blick von der Spitze dieser Pyramide herab ins Sandmeer mit seinen marmorähnlichen Wasserrinsalen war einmalig.

Nun führte unser Weg weiter an vielen Austernfarmen vorbei richtung Aermelkanal. Wie auf der englischen Seite, ist auch die Küste vor Frankreich mit sehr hohen Klippen gesäumt. Der Kalkstein war hier eher gelblich und mit erdfarben durchzogen. Die häufigen Niederschläge der letzten Monate hatten mehrere Felsstürze ausgelöst und es war wenig ratsam unter den imposanten Klippen durchzuspazieren. Einige stumme Zeugen lagen frisch am Strand und man kann sich gut vorstellen, wie die herunterdonnern mussten. In Fécamp und Etretat waren wir nun wieder vom Hauptferienstrom abgekommen und die Touristenorte präsentierten sich sehr friedlich, was wir einige Tage genossen. Hier konnte man getrost die überall angebotenen Seafood-Platten bestellen und selbst Kindermenü´s boten nur Pommes-Frites und Seeschnecken oder Krabbenklösse an. So kosteten wir die letzten Tage im besten Schlemmerland Europas noch ein wenig aus und freuten uns, dass der Sommer nun wieder da war.

Als nächstes statteten wir nun Belgien einen kleinen Besuch ab. Brügge, das Vorzeigestädtchen mit seinen wunderschönen Bachsteinhäuser, deren Giebel wie Treppenaufgänge in die Spitze verliefen, bot ein total neues Bild. Ein Prachtsbau reihte sich hier neben den andern, dazwischen grosszügige Plätze die versuchten all den Sonntagsausflüglern eine gute Sicht zu gewähren. Im Kontrast dazu stand unser Hotel in Zeebrugge, einem der grössen Häfen dieser Region und voll von chaotisch gelagerten Kontainern und Schiffsverlade-Kranen was ein wenig idyllisches Bild bot.

Kaum hatten wir Anlauf genommen, standen wir auch schon an der Grenze zu den Niederlanden. Die Landschaft war hier noch erstaunlich stark von Bauern bebaut und bald sah man die ersten Windmühlen (die fast alle nicht mehr in Betrieb sind) und die ersten Kanäle zwischen den Feldern. Wir fuhren via Zeeland durch ein paar hübsche kleine Ortschaften die ziemlich viel Betrieb boten. Auch hier dominierten Backsteinhäuser das Ortsbild aber eher nur Reiheneinfamilienhäuser von 2 Stockwerken. Auffällig waren die grossen Fenster zur Strasse hin, durch die man vor allem Nachts wunderbar die Einrichtung und das Leben, wie es so abläuft, betrachten konnte. Vorhänge waren die Ausnahme und nun wissen wir, dass auch die Holländer abends essen, abwaschen, lesen, bügeln, am Computer sitzen oder am häufigsten; fernsehen. Nachdem wir in der Nähe von Gouda ein tolles FKK Campingplätzchen gefunden hatten, machten wir Ausflüge in die Umgebung. Dort ist die Ebene Polderland. Sie ist total durchzogen von einem Raster an Wassergräben, um das Land, welches unter dem Meeresspiegel liegt mit Hilfe von Pumpen trocken zu halten. Jede Kuhweide ist durch einen Kanal abgegrenzt und es braucht keine Zäune. Auch im Dorf gibt es Wasserkanäle vor und hinter fast jeder Häuserreihe. Ein faszinierendes Bild, wie alle Gärten ans Wasser grenzen, die Eingäge zum Grundstück immer mit einem Brüggli verbunden. So kommt es, dass eine Menge Wasservögel da leben und diese waren alle extrem zahm, ja fast frech. Man musste schon fast aufpassen, dass man sie mit dem Auto nicht überfährt. Ab und zu ist die Strasse nur 3 Meter breit, und auf beiden Seiten mit einem 4 Meter breiten Kanal versehen, über den wiederum die Einfamilienhäuser mittels Brücken verbunden sind und an einigen Orten verbirgt sich an der Hinterseite des Grundstücks soger ein mächtiger See. So Leben die Niederländer vom Wasser umgeben, für uns ein ungewohntes und schönes Bild.

Nachdem wir Delft besucht hatten, verbrachten wir einen Abend mit unseren Zeltnachbarn vom Euronat, welche in Utrecht wohnen und uns ihre Stadt als Insider zeigten. Sie waren die ersten von einer ganzen Reihe an Leuten die wir besuchten.

Nach Gouda ging nämlich unsere Reise weiter nordwärts zu den Friesischen Inseln wo wir Gisela und Klaus in Workum trafen. Sie waren mit uns im Costa Natura gewesen und wohnen seit ihrer Frühpensionierung vor 7 Jahren fest in ihrem Ferienhaus in Holland. Sie sind nicht die einzigen die ein Boot vor dem Haus liegen haben, dies hat in der Nähe vom Ijsselmeer (ausgesprochen Eisselmeer) fast jeder. So sind die Kanäle hier tief und immer mit dem abgegrenzenden Damm gegen die Nordsee verbunden. Seit die Holländer aber den Abschlussdamm aufgeschüttet haben, wurde ein grosser Teil des Meeres durch Süsswasser ersetzt.

Aber, die meisten haben Autos und so musste ein Weg gefunden werden, wie sie alle aneinander vorbei kommen. Nun, wenn auf der Autobahn ein Lichtsignal auf rot steht, dann hebt oder dreht sich dahinter eine Brücke und die wartenend Boote haben grün und können ihren Weg auf dem Wasser fortsetzen. Genauso funktionierte es bei den vielen Kanälen im ganzen Land. Bei der ersten Hebebrücke sind wir noch gleich hingerannt um das zu sehen, doch bald schon wurde es uns zu ...
Es gibt hier nämlich zig tausende solcher Hebe und Schwenkbrücken.

Gisela und Klaus zeigten uns in ihrem auserwählten Feriendomizil rum und wir lernten eine Menge dabei, denn als Segler wussten sie bestens Bescheid was hier alles von Menschenhand verändert wurde um Land und Wasser zu bezwingen und neuen Lebensraum zu schaffen. Die Ortschaften von Friesland sind alle recht "relaxt" und die Strände waren ziemlich gut besucht. Hier herrschte Ferienstimmung pur und das Wetter stimmte. Durch ein kleines Kaff Namens Zurich, kamen wir so nach Harlingen, Sneek und Grechthorn. Im letzten dieser Dörfer gab es fast nur Schilfgras-gedeckte Häuser und jeder Garten war ein Bijou am Wasser. Doch hier wie überall musste man beim Staunen und impulsiven über die Strasse gehen immer mit Fahrradfahrern rechnen, welche lautlos von hinten nahten - eine echte Gefahr!
Die 9 Tage in Holland baben sich für uns sicher gelohnt.

FKK in Frankreich & Benelux
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Fotos: Niederlande + Deutschland - Schweden - Norwegen - Finnland - Dänemark

Skandinavien: Spätsommer und Herbst im hohen Norden

Am 1. August reisten wir weiter nach Deutschland um Teresa in Berlin zu sehen. Die kleine Rabiata hat uns total überrascht, denn erstens spricht sie nun fliessend Deutsch und zudem lässt sie ihr Haar nun endlich kraus wachsen, so wie es ihre Natur ist.
Nach einigen Hilfslektionen mit ihr, machten wir gemeinsam die Stadt unsicher. Wir waren ja vor 2 Jahren schon einmal da und glaubten, all die futuristischen Prestigebauten müssten nun fertig sein, doch wir fanden noch immer riesige Baustellen vor.

Nachdem wir die faszinierende Grosstadt Berlin wieder hinter uns gelassen haben, fuhren wir mit dem Auto durch die ex-DDR zur Insel Rügen. Die Ortschaft Bergen (auf Rügen) hat uns sehr gut gefallen, auch wenn dort leider sämtliche billigen Unterkünfte schon vor uns belegt wurden. Diese Halbinsel war halt schon zu Ostzeiten ein sehr beliebtes Ferienziel. So landeten wir, dank der Vermittlung eines Hotelliers, in der Mitte von Nichts, weit draussen wo jedoch holprige Kopfsteinpflasterwege hinführen, in einer Pension die einst zu einer Privat-Fernsehstation werden sollte, aber Vater Staat gab keine Bewilligung. Dieses Zimmer war zwar eigentlich eine Miniwohnung, kostete aber auch entsprechend viel. So mussten halt auch wir einmal Hochsaison-Preise bezahlen.

Anderntags ging´s bei strömendem Regen - aber ruhiger See - auf die Fähre von Sassnitz nach Trelleborg in Schweden wo wir nach 4 Std. bei strahlendem Sonnenschein eintrafen.

Skandinavien zeigte sich uns in den ersten 3 Wochen nur von der schönsten Seite. Viel Sonne, fast kein Regen und immer wieder Temperaturen um die 22-28 Grad. Wir haben das natürlich sofort ausgenutzt und zelteten gleich wieder auf verschiedenen FKK Vereinsgeländen. Erst waren wir in Skanör gleich unterhalb der neuen Öresundbrücke, dann 6 Tage bei Kyrkhult an einem Waldsee mit rotem Wasser und dann wieder an der Südostküste bei Karlskrona.

Während wir also geduldig warteten, dass die Blätter fallen, liessen wir schon erst mal die Hüllen fallen. Natürlich haben wir uns auch einiges angesehen dazwischen. So z.B. die Städte Ystad, Kristianstad und Karlskrona. All die hübschen roten Holzhäuser auf dem Weg natürlich als Delikatesse überall dazwischen. Auch haben wir uns natürlich mit Freuden der Tatsache angepasst, dass alles was man en gros kauft, einem Mengenrabatt zu unterliegen scheint. z.B ein Glacé mit einem Aroma, sprich 3 grossen Kugeln, kostet 17 Kronen, 2 Aroma (6 Kugeln) kosten 20 Kr. und 3 Aromen (9 natürlich) Kosten (bloss noch) 23 Kr. und wer noch nicht genug hat, kann für 10 Kr. mehr noch eine Megaportion Softeis obendrauf kriegen. Alles hat gut Platz im und auf dem Riesen-Cornet. Wer denkt da nicht automatisch an´s ´Kosten - Nutzen - Verhältnis´ wie Gusti immer zu sagen pflegt. So nimmt man halt den Kampf mit der Natur auf und versucht das Eis schneller zu schlecken als die Sonne es zu schmelzen vermag...

Uebrigens ist Schweden für uns billiger geworden als vor 2 Jahren, da die schwedische Krone massiv an Wert verloren hat. 1999 gab´s noch 5 und jetzt gibt´s mehr als 6 Kronen für einen Franken.
Zu unserem Staunen haben wir festgestellt, dass hier in Schweden die Hauptreisezeit bereits vor Ende August vorüber ist und so waren wir oft bei den letzten Gästen auf den Campingplätzen. Nicht so wie in Südeuropa, wo die Saison im August erst ihren Höhepunkt erreicht. Nur an Wochenenden wimmelte es noch von Einheimischen die ebenfalls den warmen Spätsommer und die Sauna die es da überall gab, ausnutzen wollten. Für uns war es natürlich auch sehr angenehm, dass es Küche und Aufentaltsräume gab.

Was nicht heissen soll, dass wir nicht auch schon schwedische Küche gekostet haben. Zu unserer Überraschung haben wir nämlich festgestellt, dass es hier sehr gute und kreative Restaurants gibt, die das Angebot an Ethnischen Lokalen ergänzen. Auch versuchen wir uns wenn wir selbst kochen, uns dem lokalen Angebot anzupassen. Vor allem Krustentiere sind hier z.T. unglaublich günstig. So steht halt ab + zu 1 kg Crevetten oder Flusskrebse auf unserem Speiseplan, auch wenn Brigitte immer motzt dass sie dann beim Essen kalte Finger kriegt. Und wenn wir ganz faul sind, gibt es halt auch mal eine ganze "Smörgastarta" eine wunderschön dekorierte Torte aber ganz aus Brot, Crevetten, Lachs, Käse und Ei dekoriert mit Mayonnaise-Tüpfchen.

Grad als ein Regentag abgehalten wurde, beschlossen wir, unser süsses Nichts-tun zu unterbrechen und wieder auf Erkundungsfahrt zu gehen. Auf der Fahrt von Karlskrona nach Göteborg war das Land flach aber auch hier gab´s viele Seen zu bewundern. Bis wir die Bohuslän coast erreicht hatten, schien bereits wieder die Sonne über den Schäreninseln.

Der wunderschöne Küstenabschnitt zwischen Göteborg und der norwegischen Grenze, hat uns erneut total beeindruckt. Schon die erste Jugendherberge bei Stenungsund stand zuäusserst auf einem Felsen mit Blick auf die herrliche Natur und die gigantische Brücke zur Insel Tjörn.
Auf unseren Ausflügen genossen wir die charmanten Fischerdörfchen mit ihren bunten Holzhäuschen die sich eng um den Hafen gruppierten. Vielen stehen auf den von der letzten Eiszeit rund geschliffenen Granitfelsen und auch viele Inseln sind eigentlich nur solche Felsen im Meer. Besonders beeindruckt haben uns die Orte Rennäng, Skärhamn, Ellos und Mollösund mit winzigen Fischerschuppen gleich am Steg. Weiter ging´s mit 3 Fähren über sehr karge Felsinseln zum touristischen Hafenort Smögen und dann nach Fjällbacka, wo wir wieder 2 Tage Station machten. So konnten wir so richtig eintauchen in diese charmanten Ortschaften und hatten Zeit sie zu geniessen.

Als letzten Ort an der Bohuslän-Küste, machten wir in Strömstad station, gleich unterhalb Norwegens. Wir besuchten an einem leicht regnerischen Sonntag die Inseln Tjärnö und Saltö und als die Sonne tagsdrauf zurück war, fuhren wir gleich nochmals hin, zu diesen faszinierenden Schären. Die Farben sind halt schon gleich viel besser und es lohnt sich einfach, das Wetterglück abzuwarten.

Danach ging die Fahrt weiter inland nach Håverud wo über ein 4,5 Meter breites Kanalsystem mit X Schleusen und sogar einem Aquädukt die Schiffe auf einer Länge von 500 M etwa 50 M Höhenunterschied bewältigen können. Dies ist ein Teil des Dalsand-Kanales der somit mehrere Seen verbindet.

Tags drauf erreichten wir den Siljan See an dem der Wasalauf stattfindet. Dieses Gebiet liegt inmitten vieler Wälder und Seen. Unsere Bleibe war ein sehr schönes Hostel in Orsa von wo aus unsere Ausflüge starteten. Hier sahen wir mehrere der traditionellen Maibäume die jeweils zum Mittsommerfest auf dem Dorfplatz aufgestellt wurden. Zwar waren sie mittlerweile dürr aber ihre Figuren waren dennoch schön anzusehen.

Via Östersund wo´s 3 Tage regnete, machten wir noch ein paar notwendig gewordene Einkäufe und fuhren dann gut gerüstet richtung Norwegen nach Steinkjer. Bereits auf der schwedischen Seite präsentierte sich die faszinierende Natur entlang des sogenannten Olavsweg wieder im Sonnenschein. Zwar befuhren wir hier teilweise unasphaltierte Strasse dafür kreuzten ein Fuchs und Rentiere unseren Weg. Weite Teile dieses Gebietes waren extrem sumpfig mit orangefarbenem Riedgras, kleinwüchsigen Föhren und dann wieder grösseren Seen.

Kaum waren wir in Norwegen, kamen wir an die Küste welche sich auffällig viel grüner präsentierte und man war noch häuiger am Wasser. Das Grün kommt nicht von ungefähr, normalerweise regnet es dort 5 - 10 Mal mehr als hinter den Bergen in Schweden, ausser als wir dort waren - wir hatten wieder Wetterglück.

Wir hatten uns den "Kystriksveien Nr. 17" ausgesucht, eine als touristisches Highlight bekannt gewordene Strecke von 1000 km zwischen Steinkjer und Bodø, bzw. für uns bis Tromsø. Tatsächlich war diese Strasse wunderschön, noch besser sogar als diejenige welche wir bei unserem letzten Besuch vor 2 Jahren gewählt hatten. Sie führte fast immer entlang eines Fjordes oder Sees. 8 Mal verluden wir unser Auto auch auf Fähren um jeweils 4-20 km ´geradeaus´ zu kommen, so verzweigt waren jeweils die Halb-Inseln, oder Fjordeinschnitte.

Zu Heinz´Geburtstag waren wir ein paar Tage in einem Hüttli in Hofles wo wir die ersten Eindrücke dieser faszinierenden Insellandschaft auf uns wirken liessen. Die Küstenlinie zeigte ein interessantes Bild von gelblichgrünem Seegras, welches bei Ebbe freilag und voll von kleinen Muscheln umgeben war. Im Wasser sahen wir Quallen, Seesterne und Seeigel - ev. hatte es auch Fische...

Wir erreichten die Stadt Brønnøysund, bei der man einen berühmten Berg fand, welcher in seiner Mitte ein Loch hat. Dieses sahen wir jedoch erst gar nicht, weil wir zu nahe waren. Erst am 2. Tag, als wir von einem Ausflug etwas inland zurück kamen, sahen wir nicht nur die Felsinsel, sondern auch das Loch vom Meer her zu uns rauf leuchten. Nicht lange später, konnten wir auch die ersten Nordlichter des Nachts flimmern sehen. Ein Naturschauspiel, welches immer wieder von neuem fasziniert.

Weiter ging die Reise mit ein paar genussvollen Fährfahrten, von denen zwei sogar eine Stunde dauerten. Selbst als wir den Polarkreis überquerten, mitte September, war das Wetter herrlich und gegen 20 Grad warm. Im Juli und August dagegen, soll es fast nur geregnet haben. Jetzt holten wir nochmals unsere Shorts aus dem Gepäck hervor.

Je weiter nördlich wir kamen um so höher und faszinierender wurde das Gebirge. Auch die Inseln hatten immer spitzere Formen und ragten jetzt oft sehr steil aus dem Meer auf. Dieses Klima liess es sogar zu, dass Gletscher selbst bei dieser Wärme bestehen konnten. So waren wir im Ort Holand in einem sehr schönen Hüttchen am Svartisen-Gletscherarm, der bis in den Fjord hinunter kam. In diesem Mischwasser von Salz und Gletscher sahen wir sogar zwei Mal einen Delphin springen.

Kurz vor Bodø konnten wir ein weiteres Naturschauspiel mitansehen. Der Saltstraumen ist eine Meerenge durch welche das Gezeitenwasser bei Flut vom Meer her in einen grossen Fjord drängt und nach 6 Std. wieder zurück wenn Ebbe wird. In diesen 6 Std. fliessen jeweils bis zu 4 Mio. Kubikmeter Wasser durch die Meerenge unter einer Brücke durch. Dieser stärkste Mahlstrom der Welt liess das Wasser unter der Brücke wie einen reissenden Fluss erscheinen der sehr viele gefährliche Wirbel bildet und der Wasserspiegel war dort wo die Strömung am stärksten war, auch sichtbar höher als am Ufer. Kurz bevor die Gezeiten und damit die Flussrichtung, wechselten, konnte das Wasser aber fast ruhig und spiegelglatt da liegen, wie in einem See.

Auf unserem letzten Abschnitt fuhren wir weiter durch eine faszinierende Berglandschaft, welche reich geschmückt war mit Fjorden und Seen oder in den höheren Lagen mit Mooren und Sümpfen. Zu unserer Überraschung waren nun plötzlich fast alle Bäume kahl, dabei hatten sie doch 50 km südlich noch kaum Herbstfarben angenommen.

Die Stadt Narvik liessen wir links liegen da die norwegischen Dörfer und Städte im Vergleich zu dem was wir in Schweden gesehen hatten, viel weniger Charme haben. Dafür wurden wir aber mit einer gleich nochmals vielfältigeren und eindrücklicheren Naturlandschaft kompensiert. Hier auch stand er nun - der lange erhoffte Elchbulle. Ein riesen Tier, dessen Geweih uns sehr beeindruckte.

Als nördlichstes Ziel erreichten wir schliesslich Tromsö. Hier war´s plötzlich vorbei mit der Wärme, eisige 5 Grad hatte es nur noch, aber nix zu jammern; es war immer noch stahlblau und eitel Sonnenschein. Diese Stadt hat uns aber auch gefallen, sie ist sehr multikulturell und hat ganz unnorwegisch, auch ein hübsches einheitliches Stadtbild zu präsentieren.

Ab jetzt ging´s wieder südlich weiter, nach Finnland wo wir als erstes im Norden Lapplands Station machten. Bereits in Kilpisjärvi, trafen wir den ersten echten Finnen; er sprach nichts und wenn er doch mal sprach, dann sicher keine Fremdsprache. Wir versuchten bei ihm ein Sauna-Mökki (-Hütte) zu mieten. Zum Glück kam bald seine Frau nach Hause, die 1½ Jahre in der Schweiz gelebt hatte und sogar etwas Deutsch sprach.

Von dort fuhren wir via Muonio und Rovaniemi nach Posio, wo wir über ein Reisebüro ein Ferienhäuschen am See buchten. Dieses war klein aber gut ausgestattet, mit Sauna, Ruderboot und sogar einer Fussbodenheizung. Das Haus lag am Waldrand und Regelmässig kamen auch die Rentiere um das letzte Gras vor unserer Hütte weg zu fressen.

Nach einer Woche hatten wir natürlich noch nicht genug und beschlossen noch ein Haus an einer anderen Lage zu buchen. So telefonierten wir von Posio aus nochmals der Agentur und arrangierten dies. Zu unserer Überraschung wurde dieses 2. Haus vom selben Bauern verwaltet, bei welchem wir bereits wohnten, es war einfach etwa 20 km weiter weg. Unser neues Ferienhaus war ein richtiges Bijou, noch grösser und luxuriöser als das vorherige. Zusätzlich war es noch mit Geschirrspüler, Waschmaschine und Tumbler ausgestattet. Auch hier verbrachten wir viel Zeit mit lesen, kochen, essen und danach ausgiebigen Spaziergängen. Abends heizten wir natürlich die Sauna ein und spähten anschliessend nach Nordlichtern. Es war allerdings nicht oft klar, ab und zu hat es sogar schon leicht geschneit. Wen wunderts, wir wollten hier schon wieder verlängern und fuhren abermals zum Bauern. Er sagte "kein Problem", verrechnete uns dafür fast nichts, servierte uns ein Abendessen und gab uns noch von seinem frisch gefangenen Fisch mit auf den Weg. Als dann auch diese Tage um waren, waren wir wieder fit um auf Entdeckungsfahrt zu gehen.

Zuerst ging´s nach Oulu am bothnischen Meerbusen und von dort aus auf einer ungewöhnlich stark befahrenen Strasse hinauf zur schwedischen Grenze.

Nach einer Nacht in Haparanda fuhren wir wieder südwärts durch kilometerweite Wälder mit weissen Birken und roten Föhren. Bald stellten wir wieder fest, dass uns hier in Schweden die Dörfer und Städte wirklich am besten gefallen. Auch die Leute sprachen und lachten wieder viel mehr miteinander und mit uns sogar in gut gelernten Fremdsprachen. Schweden sind einfach viel offener.

Wir machten Station in Piteå wo uns das Stadtzentrum mit seinen schönen alten Holzhäusern gut gefiel, sowie sein "kyrkbyn" (Kirchendorf). Dieses wurde im 15. Jh. zur Unterbringung der Bauern erbaut, die damals von weit her jeden Sonntag zum obligatorischen Gottesdienst in die Kirche kommen mussten. Wie viele wären´s wohl sonst gewesen ? Ein Obligatorium wirkt halt schon viel überzeugender!

Danach ging´s weiter südlich nach Skellefteå und Umeå, welche beide recht hübsch aussehen, eine gute Mischung zwischen alten und neuen Gebäuden aufweisen und ebenfalls ihre uralten Kirchendörfer haben.

Nach all diesen Städtchen, ging´s nun wieder einmal in die Natur hinaus, an die Högaküste. An dieser 'Hügelküste' haben uns allerdings die winzigen Fischerdörfer deren Häuser sich idyllisch aneinander schmiegten, sowie die 1.5 km lange Hängebrücke, welche sich elegant über den Fjord schwingt, mehr beeindruckt, als die paar "Höger".

Da nun in der Region langsam Schnee angesagt war, zogen wir nach Süden weiter, solange die Sonne noch schien, nach Sundsvall. Da das Stadtzentrum, vor 120 Jahren niedergebrannt war, fanden sich dort heute nur noch Steingebäude. Die Sägereibesitzer aus der Zeit waren anscheinend besonders wohlhabend gewesen und deshalb konnte man die Stadt besonders schön wieder aufbauen. Viele reich verzierte Fassaden und Dächer haben zu recht viel Aufmerksamkeit bekommen. Wir spazierten aber auch gerne durch die Aussenquartiere, wo es bereits ein paar hundert Meter vom Zentrum entfernt, schöne alte Wohnhäuser aus Holz gab.

Einen ähnlichen Eindruck hinterliess uns Gävle, wo wir als nächstes Station machten. Bloss dass hier schon auf dem Stadtplan ein Quartier als 'Villastan' bezeichnet wurde. Neugierig gingen wir auf Erkundungstour und entdeckten tatsächlich eine Vielzahl pompöser und sehr schöner Villen, alle aus Holz. Direkt neben dem Stadtzentrum gab es aber auch noch das 'Gamlastan', wo jahrhunderte alte Holzhäuser im alten Stil, wie Reihenhäuser aneinander gebaut wurden, aber trotztdem jedes noch individuell gestaltet war.

Nach einem 3 tägigen Stop in Sala, fuhren wir geradewegs nach Stockholm rein. Das heisst, natürlich machten wir Umwege, wenn wir den Weg überhaupt fanden, denn Einbahnen und Überführungen waren nicht auf dem Plan eingezeichnet. Zudem hatten wir schon lange nicht mehr so viele andere Autos im Wege. Vom 2.-5. November genossen wir also noch einmal diese faszinierende Grosstadt, die uns schon vor 2 Jahren in ihren Bann gezogen hatte. Stundenlang streiften wir durch die Gassen und von einer Insel auf die andere, über welche sich das Zentrum verteilt. Wir wohnten auf dem verankerten Schiff, welches in eine Jugendherberge umgebaut worden war und herrlich zentral lag - wie sonst nur die Luxushotels. Somit musste das gesparte Geld natürlich wieder in den Gourmetmeilen in Umlauf gebracht werden.

Danach ging´s quer durch´s Land via Linköping, wo wir das schöne Museumsdorf, und danach in der Nähe, die 7 stufigen Schleusen des Götakanals besuchten. In Smögen an der Westküste, kosteten wir die verleibenden 4 Tage in Schweden noch in einem sehr schönen Hostel aus. Es hatte eine Traumlage, ganz zuäusserst auf den Felsen der Bohuslänküste.

Schon war der 10. November da und wir nahmen die Expressfähre, ein moderner Katamaran, von Göteborg nach Fredrikshavn in Dänemark.

An Jütland's nördlichster Spitze, gleich bei der schönen Ortschaft Skagen, stand unser erstes 'last-minute' gebuchtes Ferienhaus. Zwar war es nicht gar so gross wie beschrieben, denn man hatte die 70cm hohe Galerie auf deren Boden noch 2 Matrazen unter den Giebel gezwängt waren, sowie den Geräteschuppen, in die Grundflächen-Angabe mit einbezogen. Aber es war ein totales Luxushaus mit Sauna und Solarium, einem Whirlpool und weiteren Annehmlichkeiten wie Geschirrspüler und Waschmaschine/Tumbler. Auch waren die Fenster vor der Sitzgruppe schon fast wie ein Wintergarten, was das Wohnzimmer sehr hell machte.

Wie die meisten Ferienhäuser in Dänemark, war auch dieses hinter irgend welchen Sträucherwänden versteckt und weil das Land so flach ist, hat man kaum je Aussicht auf die Umgebung. Ausser vielleicht jene direkt am Strand, aber da windete es so heftig, wir wunderten uns ob die Bäume um die Häuser herum wohl gegen den Wind oder gegen Blicke schützen sollten.

Eine Wanderdüne genannt 'Råbjerg mile' arbeitet sich da oben anscheinend jedes Jahr 1.5 Meter ostwärts, was wir eigentlich nicht glaubten als wir es im Prospekt lasen. Als wir da waren, an einem sonnigen und eigentlich ruhigen Tag, blies es uns den Sand so heftig entgegen, wir glaubten danach, die Düne könnte wohl auch total ins Meer weggeblasen werden. Aber nicht das ganze Gebiet ist looser Sand. Grösstenteils sind die Dünen mit Gras bewachsen, diejenigen die nicht mehr ganz an der Küste liegen, sind auch mit Büschen, Riedgras und Föhren bewachsen. Die Menschen haben sie zu Aeckern und Bauland genutzt. Darauf stehen dann, nicht selten schief die Häuser. Etliche sind im typischen alten Stil gebaut und haben auch heute noch grasgedeckte Dächer.

Eine zweite Woche verbrachten wir unterhalb des Limfjordes, in Hvalpsund wo wir nochmals ein ähnliches Ferienhaus mieteten. Auch hier genossen wir es auszuspannen und spazieren zu gehen. Abends in die Sauna oder ins Sprudelbad zu steigen und danach was feines zu kochen.

Ein Höhepunkt wartete noch bis zum Schluss, die Ortschaft Ribe, welche als das dänischste aller Städtchen bekannt ist, lag genau auf unserem Weg.

Die niedrigen Häuser mit ihren Dächern die bündig zur Mauer aufhörten waren alle sehr schön erhalten. Der Stil vieler Ferienhäuser ist übrigens ganz anders, ihre Dächer sind oft bis auf 1 Meter zum Boden hinunter gezogen und man kann sich die Schulter dran reiben.

Am 24. November nahmen wir dann die 1000 km bis in die Schweiz in Angriff und verliessen den warmen Norden, auch wenn wir seit bald 2 Wochen im Fernsehen mitverfolgt hatten, dass es in den Alpen bereits schneite, während wir 'da oben' bei etwa 8 - 10 °C recht gutes Herbstwetter hatten. Kaum waren wir in Deutschland, war es dann auch wirklich schon vorbei mit der Sonne. Aber trotz der nassen Füsse, liessen wir es uns nicht nehmen, auf dem Weg noch was anzusehen. Schliesslich liessen wir Deutschland, ausser dem Osten und Berlin, ja bisher immer links liegen und starteten am liebsten nach der "Augen zu und durch" Parole, so schnell wie möglich über diese notorisch von Lkw's üeberfluteten Autobahnen durch, ins nächste Land.

So waren wir dann auch überrascht, wie lohnenswert die Stops waren. Zuerst besuchten wir Lübeck ganz oben bei Hamburg, dann ein ganz hübsches kleines Dorf Namens Lauenburg wo, noch viel mehr als in Lübeck, viele uralte, schön verzierte Riegel-Häuser richtig schief standen und von generationenweise Geschichte erzählen könnten. Lübeck und auch die nächste Stadt: Bamberg, sind neuerdings auf der 'UNESCO worldheritage' Liste zu finden, was sogar in dieser Jahreszeit einige Touristen anzog. Ausser dort wo wir Filialen der französischen Kettenhotels fanden, waren die Hotelpreise ziemlich saftig und der Komfort dafür eher bescheiden - dabei haben wir's doch so gerne umgekehrt... Dafür aber waren die Restaurants eher günstig und die vielen ethnischen Alternativen auch recht gut.

Ebenfalls im südosten Deutschlands besuchten wir dann Nürnberg und Ulm. Beiderorts waren bereits aufwendige Christkindl-Märkte aufgebaut und es herrschte schon vor's Dezember war, geschäftiges Treiben an den Ständen. Selbst bei Regen und am Abend war noch was los und bei Glühwein und duftenden Lebkuchen oder Würstl wärmten sich die Volksscharen dazwischen immer wieder auf.

Nürnberg war total schön. Die Altstadt, welche in wuchtige gut erhaltene Stadtmauern eingebettet und immer wieder durch Türmchen geziert war, hat uns sehr gut gefallen. Das moderne Leben spielte sich wie vor einer Märchenkulisse, dazwischen ab. Auf einem Hügel thronte eine wunderschöne Burg über der Altstadt und immer wieder fanden wir historische, gut erhaltene Gebäude zwischen den neueren. Nach Skandinavien fiel uns auch auf, wie viele Warenhäuser und welch grosse Auswahl es überall von allem gab - viel mehr, als man eigentlich braucht. Aber eben, es jagen gern die Schnäppchenjäger und die Ladenbesitzer schnappen sich gerne Kunden.

Nun waren wir der Schweiz schon ziemlich nah und die Brasilianerin, welche uns im ulmer Hotel das Frühstück servierte, machte uns mit ihrer positiven Einstellung die Rückreise einfacher. Sie freute sich so sehr an den Schneeflocken, welche genau (wieder) an diesem Morgen zu fallen begannen. Wir hätten sonst wohl gemeckert; "Sauwetter, scheusslich dieser Schnee und dann noch der Nebel dazu": ..... Ansichtssache ..... es ist doch alles nur im Kopf ..... völlig relativ !

Jedenfalls gingen wir dann nochmals etwas in der ulmer Innenstadt rum bevor wir in nur 4 Stunden in die Schweiz nach Küssnacht fuhren. Wir blieben nur 2 Wochen, bevor wir wie die Vögel weiter Richtung Süden zogen


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