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Reisetagebuch Kapitel 1   [12. Mai 1999 - November 1999]
(Ausstieg, Frankreich, Skandinavien und (Ost)Deutschland)


Frankreich

Luxemburg

Deutschland

Dänemark

Schweden

Norwegen

Finnland

Liechtenstein
Fotos: Abschied

Ausstieg, Ausspannen mit FKK in Frankreich, Sommer + Herbst in Skandinavien, durch (Ost)Deutschland zurück in die Schweiz

Nachdem wir die letzten Tage vor dem "count-down" zu unserem Ausstieg am 12.Mai 1999 vor der Arbeit jeweils um 6 Uhr aufgestanden sind um unsere Wohnung fertig zu putzen und diesem kurzfristigen Hobby auch nach der (noch bezahlten) Arbeit bis 3 Uhr morgens wieder nachgingen, kam am Abend unseres letzten Arbeits-Tages, um 20 Uhr endlich die grosse Erleichterung; die Wohnung wurde abgenommen und wir waren somit von jeglichen Verpflichtungen frei. Das heisst; fast frei. Wir haben nämlich später noch bemerkt, dass wir unsere letzten Rechnungen ev. in einer Schublade der bereits verkauften Möbel liegen gelassen haben...

Im nachhinein gesehen, war es sicher etwas naiv von uns zu glauben, wir könnten bis zum Tag unserer Abreise arbeiten, ganz nebenbei noch unsere Wohnung putzen und am letzten Arbeitstag abgeben. Auch das Verkaufen unserer Möbel und das Auflösen des gesammten Hausalts liesse sich ganz nebenher auch noch stressfrei bewältigen! Aber wir haben's doch geschafft, und in unserem nächsten Leben können wir uns dann zum "Aussteigen" ein paar Wochen mehr Zeit gönnen, sodass wir dann etwas ausgeruhter ins "Frühestpensionierten Dasein" eintreten!
Man kann sich vorstellen, dass wir die folgenden 6 Wochen Bade- und Entspannungsferien ganz "au naturel" wirklich nötig hatten!

Die ersten paar Tage verbrachten wir noch in der Schweiz. Die ersten 2 Nächte wohnten wir bei unsern Freunden Susanne & Hörbi, die uns danach für 3 Tage nach Thielle am Neuenburgersee begleiteten. Wir waren zwar vom vegetarischen Restaurant, bzw. vom neuen Pächter nicht mehr so begeistert, das wunderschöne Gelände mit seinem seichten Badestrand hat uns aber fasziniert wie eh und jeh.

Danach gings nach Frankreich, zuerst fuhren wir gemütlich ins 'Domaine de la Sablière' am Flüsschen Cèze, wo wir nach 2 Wochen alleine, für eine Woche mit Heinz's Schwester und Schwager Edith & Kari die Natur und die Ruhe am Fluss in einem Holzbungalow genossen. Die beiden wolten uns ganz überraschend besuchen, nachdem sie vorher immer etwas über uns "Naturisten" gelächelt hatten, waren dann aber vom nackt leben in der Natur so begeistert, dass sie bei ihren vielen Nacktwanderungen die Grenzen des sehr grossen Geländes einfach ignorierten und wie Adam und Eva die kleine Kapelle am Waldrand besuchten. Es sei ja eh niemand dort, meinten sie und falls der Priester käme, sei er an solch freizügige Besucher sicher schon lange gewöhnt ...
Am selben Tag reisten wir dann in verschiedene Richtungen ab. Für uns waren nun 4 Tage Trubel am Mittelmeer auf dem Programm, wo wir in Cap d'Agde vor allem abends die Seafood-Restaurants stürmten. Hier stellten wir nun zum ersten Mal unser Zelt auf und auch das Sonnensegel - klar, wozu hat man's denn auch mit dabei ?

An nur einem Tag, einem verkehrsarmen Sonntag, fuhren wir über die 'autoroute entre deux mers' am Märchenschloss Carcassonne auf der einen, und den Pyrenäen auf der andern Seite, vorbei bis an die Atlantikküste wo wir nun 2 sehr sonnige Wochen verbrachten.
Bis wir in St. Girons ankamen, war es dann aber recht spät und die Reception des Arnaoutchot FKK-Campings war bereits geschlossen. Wir dachten schon daran, auf dem Parkplatz ausserhalb unser Zelt aufzustellen, als uns andere Gäste mit ihrem Auto hinter die Schranken rein liessen. So kamen wir klangheimlich zu einer Gratis- übernachtung, denn am nächsten Tag registrierte man uns als Neuankömmlinge. Wir suchten uns einen anderen Zeltplatz in der sog. 'espace sauvage' wo erst sehr wenige Campeure waren und wir ein schönes Plätzchen im duftenden Pinienwald wählten.
Ein Nachbarskind aus Deutschland setzte sich mal zu uns neben den Plastik der unseren Tisch auf dem Boden darstellte und bedauerte uns, weil wir weder Tisch, noch Stühle noch Nutella besassen. Ein Franzose dagegen spöttelte ein ander Mal beim Abwaschtrog, über die vielen Deutschen in Kroatien, es hätte viel zu viele 'allemands' dort, 'et autres chiens...'

Die goldene Sandküste war auch 250 km weiter nördlich noch immer von gradlinig angepflanzten Föhrenwäldern gesäumt und das Meer war genau so wild und wunderschön. Das Gelände des Montalivet ist riesig und es gab im Zentrum ein richtig kleines Laden- und Restaurante-Revier, welches alles bot was das Touristenherz begehrt. Hier stellten wir unser Zelt in eine Mulde mit nur wenigen Pinien, die, als die Temperatur über 30 °C stieg, mit gut hörbarem Knistern ihre neuen Zapfen öffneten.
Täglich holte Heinz 2 Mal frische Baguettes, Früchte, Paté oder gar Austern. Den Grill brauchten wir nur schon wegen der Hitze nie. Abends genossen wir den Sonnenuntergang ins Meer vom Strand aus, oder setzten uns noch ein wenig mit unsern Nachbarn zusammen.

Als der Juni langsam zu Ende ging, bekam ich immer stärkeren Aufbruchsdrang und wollte nun die langersehnte Reise in den Norden antreten. Wir setzten also auf einer Fähre über den 'Inlet' nach Royan über und los ging's. Bei Poitiers kamen wir am Futurscope vorbei, einem riesigen Gelände mit den kuriosisten und abstraktesten Bauten die wir je gesehen hatten. Wir erkundigten uns, worum es sich hier handle, und waren etwas enttäuscht, dass es bloss gegen teures Geld Einlass gab, denn der Zweck der Anlage ist ein riesiges Angebot an Multimediashows und IMAX-Kino vor allem für Kinder. Nichts nur für architektur-interessierte Touristen auf der Durchreise.
Der berühmten Loire folgend, durften wir danach aber schauen so viel wir wollten - gratis. Die vielen Schlösser auf dieser Strecke haben uns natürlich ebenfalls sehr gut gefallen. Hier war's nun über 30 °C heiss und die Klimaanlage des Twingo mochte kaum mehr ihren Job erfüllen. Im altmäurigen Städtchen Blois übernachteten wir bevor's anderntags weiter ging bis nach Nancy. Eigentlich wollten wir ja schon vorher übernachten, doch ein Petanque-Festival blockierte alle verfügbaren Zimmer rund um St. Dizier. Glück wie wir es dann aber doch wieder zu haben pflegen, bekamen wir eines wirklich mitten im Zentrum von Nancy. Das historisch anmutende 'Grand Hotel de la poste' mit riesig hohen Räumen und Türen hatte noch ein letztes Zimmer frei. Von unserem Besuch dort zu Ostern vorigen Jahres, wussten wir noch gut, dass es da eine grandiose Gourmetmeile gibt - wir mussten sie bloss wieder finden...

Dann, an einem Sonntag, nahmen wir den Autobahn-Marathon durch Luxemburg und Deutschland in Angriff. So gut es ging, wollten wir diesen Lastwagenfreien Tag ausnutzen und schafften es tatsächlich bis nach Hamburg hinauf. Von unterwegs riefen wir im Etap-Hotel in Quickborn an, um zu reservieren, falls wir erst nach 23°°h eintreffen sollten, und die meinten, es sei überhaupt kein Problem vom Platz her. War es ja auch nicht, bloss: unsere Kreditkarte wurde vom Hotelautomaten nicht angenommen und wir standen da, vor verschlossener Tür. Wieder mussten wir das Glück zu Hilfe rufen und so tauchte irgendwann dann ein junger Geschäftsmann auf der uns das Zimmer mit seiner eigenen Kreditkarte zugänglich machte. Deutsches Geld hatten wir aber nicht genug dabei um es ihm zurück zu zahlen und so suchten wir um Mitternacht in der Gegend herum nach einem Bankomaten. Schlussendlich kriegten wir ein paar Scheine und klopften, zurück im Hotel, wieder bei unserem Retter an, bevor wir todmüde in unser Bett sanken. Am nächsten Tag sahen wir uns das hübsche Dorf Quickborn an, assen schwarzes Brot zu DM 1.- die Scheibe und machten uns dann gegen Mittag auf den Weg nach Skandinavien.

Am 30. Juni, kamen wir also in Dänemark an und bezogen ein süsses Hüttchen auf einem fast unbewohnten Zeltplatz in Faaborg. Hier fanden wir dann auch ohne Suchen ein Internetcafe in der Dorfbibliothek, nachdem man uns in Frankreich auch ende Juni bei unseren scheuen Anfragen nach derartigen Einrichtungen konsequent abwies, mit der Begründung "Sowas gibt's bei uns nur in der Hochsaison!".
Von Faaborg aus erkundeten wir die Inseln Fyn und Zealand. Wir waren erstaunt über die zahlreichen traditionellen, mit Stroh bedeckten Häuser und die vielen modernen Windkraftwerke, welche surrend Strom produzieren.

Nachdem wir auch die pulsierende Stadt Kopenhagen erkundet hatten, staunten wir später nicht mehr, wenn uns in ganz Skandinavien auch bei nur 5°C massenhaft hitzige Frauen in Shorts, kurzen T-Shirts und Sandalen (ohne Socken), Glacé schleckend an jeder Ecke begegneten. Es wurde nun aber eh wärmer, und für 4 Tage genossen wir die Ruhe auf einem FKK Vereinsgelände bei Kirke Hillinge, direkt am Meer, mit allem Luxus wie Sauna und Gemeinschaftsküche ausgestattet.

Danach fuhren wir erneut mit dem Auto auf eine Fähre, weil die grösste Brücke zwischen Malmö und Kopenhagen erst nächstes Jahr eröffnet wird.

So landeten wir in Schweden und genossen die Westküste mit ihren schönen Schären, bis hinauf zur norwegischen Grenze mit Stops in Göteborg und Dingle. Die Stadt, die Brückenbauwerke hinaus zu den diversen Inseln, sowie Strömstad mit seinem kleinen Hafen, haben uns besonders gut gefallen. Vom gigantisch hohen Viadukt über den Grenzfluss, bekamen wir einen ersten, atemberaubenden Einblick in Nachbarland.

Und schon waren wir in Norwegen. Man kann sich vorstellen, dass wir nach so viel Reisen bereits wieder reif für die Insel waren ? Kein Wunder, bei 30 °C am Schatten sind uns die Kleider fast von selbst vom Leib geschmolzen. Rettung: auch in Norwegen gibt es FKK und weil ausländische Besucher hier seltenheitswert haben - wer geht schon deswegen hierhin? - wurde für uns zur Begrüssung sofort die schweizer Fahne gehisst.

Nach 4 Tagen zogen wir uns dann aber wieder an und weiter, denn Schatten fanden wir dort keinen und die schrankgrossen Kühlschränke vermochten unser Getränk nicht mal mehr zu kühlen. Dank einer Fähre vor Moss, konnten wir Oslo weiträumig umfahren. Ab jetzt ging's inland an den ersten schönen Fjorden vorbei über teils noch schneebedeckte Pässe und entlang von kristallklaren Bergseen. In Uvdal machten wir 2 Tage Halt und lernten dort erstmals die herrlichen dunklen Aufbackbrote kennen, welche wir bis zur Gewichtszunahme noch und noch bestellen sollten. Was wir nur schon auf der Strecke bis Bergen, von Norwegen gesehen hatten, kam uns vor wie ein riesiger Nationalpark.
Was aber noch kam, war nochmals viel imposanter. Auf unserem Weg weiter nördlich, durchquerten wir viele Fjorde mit Autofähren oder fuhren ihren Ufern entlang. Die längsten Einschnitte lassen das Meer bis 200 km Inland kommen. Aus diesem Grund sah es oft (nur) aus wie ein riesiger See und den Unterschied zum Süsswasser erkannte man erst an der Vegetation des Ufers; Seerosen oder Meeralgen?

Auf der Westkueste sahen wir vielfach die alten hölzernen Stabskirchen, welche, ein wenig wie thailaendische Tempel, mehrere kleine Daecher uebereinander, dem Himmel entgegenstreckten.

Ueberhaupt, wohin wir auch schauten, es gab kaum einen Kilometer ohne dass wir am Wasser waren, sei es an einem Fjord, See, Tümpel im Moor, Bach oder Wasserfall. Zum Glück ist das rum-staunen nicht sehr gefährlich auf diesen einsamen Strassen und sonst hält man nach einheimischer Manier, einfach mitten auf der Strasse an. Hat's mal 2 Autos hintereinander, ist dies nämlich bereits fast eine Ansammlung, 3 markieren einen nordischen Stau und wenn einem 5 oder noch mehr begegnten, wussten wir, da kam wohl eine Fähre an und auch wir würden bald wieder zur Kasse gebeten.

Via Voss, Skei, Molde, Trondheim, und Mosjøen erreichten wir Ende Juli schliesslich Bodø, dem Ausgangspunkt zu den Lofoten Inseln, welche wir nach einer 4 stündigen Bootsfahrt über eine recht unruhige See, Heinz ziemlich bleich, erreichten. Hier hat uns das Wetterglück nun erstmals etwas verlassen. Also warteten wir in Å auf bessere Zeiten, was auch recht lustig war. Unsere Jugendherberge war Teil eines Museum-Dorfes und da nicht alle Besucher unterscheiden konnten, welche Türen in ein öffentliches Gebäude, die Hostel-küche, ein Schlafzimmer oder die Dusche führten, musste immer und überall mit fotographierenden Touristen gerechnet werden!

Nach 4 Tagen sind wir beim ersten Sonnenstrahl wieder weiter gefahren, die Schönheit dieser Inselgruppe entdecken. Typisch für die Lofoten sind sehr steile Felswände, die schroff aus dem Meer heraus ragen, sowie die kleinen Fischerdörfer, welche diese leicht grünen Felsen säumen. Unzählige Brücken und ein Tunnel unter dem Meer duch, verbinden die Strasse von Insel zu Insel bis hinauf zu der Versterålen-Gruppe. Hier konnten wir auf einem Bootsausflug von Bleik aus, viele nistende Vögel und sogar Papageientaucher sehen.

Hatten wir weiter südlich noch zelten können mieteten wir in Zentralnorwegen eher die auf Campingplätzen angebotenen munzigen Hüttchen (ledige Hytter genannt) oder auch mal eine Unterkunft für Fischer (genannt Rorbuer). Hier im Norden aber lernten wir den warmen Komfort der Jugendherbergen schätzen. Da kamen wir nun oft ins Gespräch mit anderen Travellern, seien sie aus der Schweiz oder aus Australien, davon erstaunlich viele in unserem Alter oder sogar noch älter.... Die Belegung der JH's war jedoch total unterschiedlich; mal wurden wir abgewiesen weil's schon voll war, im anderen Extrem hatten wir das ganze Hostel für uns alleine. Ein besonders schönes erlebten wir z.B. in Ringstad. Auch wenn Norwegen ein sehr teures Reisepflaster ist, die einzigartige Natur entschädigte uns voll mit ihrer rauhen unverdorbenen Schönheit.

Weiter ging unsere Reise nach Schweden. Auch dieses Land ist nicht ganz billig, verleitete uns jedoch nach dem norwegischen Preisniveau geradezu zu Hamstereinkäufen im billigeren EU-Land.
Als ersten besuchten wir den Abisko-Nationalpark und danach die moderne Minenstadt Kiruna, wo bereits erste Unterschiede zu Norwegen offentsichtlich wurden; die Natur ist zwar auch da sehr schön, aber bereits etwas weniger spektakulär. Dafür findet man hier aber eher Kultur, hochstehende Technologien sowie eine grosse Anzahl an Museen und geführter (Privat)Touren, die im Vergleich zu Norwegen vielfach fast oder sogar ganz gratis sind. Und sollten sich dann per Zufall doch noch ein paar Einheimische in "unserer" Führung verirrt haben, so müssen diese halt die Führung auch in Englisch über sich ergehen lassen, es ist ja selbstverständlich "ihr Fehler", dass wir nicht schwedisch sprechen.
So besichtigten wir das grösste und modernste Eisenerz-Bergwerk Europas, kriegten eine Extratour durch das preisgekrönte Rathaus Kirunas, sowie eine 3 stündige hochinteressante Tour durch die Weltraumbasis Esrange, von der aus Forschungs-Raketen und Stratosphärenballone gestartet werden.

In Jokkmokk genossen wir dann wieder recht warmes Sommerwetter und die flache Sonne liess all die Gewässer herrlich blau leuchten. Einmal wagten wir es sogar oberhalb des Polarkreises, auf einem Ausflug nach Quickjok, ganz "au natural" an die Sonne zu liegen als wir einen See mit richtiger Sandbank fanden. Danach ging's weiter nach Luleå, ganz oben am Botnischen Meerbusen. Hier gabs im Planetarium eine Privatvorführung in Englisch, die dank unseren vielen Fragen solange dauerte, bis die nächste reguläre Gruppe mittels Klopfzeichen an der Tür auf die abgelaufene Zeit aufmerksam machte.
Die gute Wetterprognose lud uns dazu ein, nochmals nordwärts zu fahren. Via Rovaniemi und Peeran Maja, beides in Finnland, fuhren wir somit der finnisch/schwedischen Grenze entlang ganz hinauf, über rauhe Strassen und hochalpin anmutendes Gebiet, an die Polarküste.

Nun waren wir also wieder in Norwegen. Der Wind wehte hier nun eisig bei etwa5°C und man sah der Vegetation richtig an, wie sie dem rauhen Klima zu trotzen vermag. Die Bäume wurde immer kleiner, die Blätter ebenfalls, dafür herrscht niedriges Gestrüpp und Moos, dicker als der weichste Badezimmerflor, vor. Herrlich, überall sah man nur Natur pur, und von der Strasse aus sah man oft die leuchtenden Weidenröschen, ganze Felder von rosa Erika oder flauschigen Wollgräser. Da es bereits Herbst war, sahen wir auch eine Fülle von Pilzen und Heidelbeeren.

Ueber Alta am Nordpolarmeer kamen wir nach Lakselv, nah dem Nordkap. Dort wirkte das Meer leuchtend milchig-grün, ob dies wohl Eiswasser war ?
Draussen nieselte es und war verhangen, an der verschlossenen Jugendherberge ein Zettel mit Tel-Nr. um sich anzumelden - jedenfalls für all diejenigen die ein Handy bei sich hatten. Eine öffentliche Telefonzelle zu finden war fast unmöglich, es war in ganz Skandinavien schon einfacher einen Internetzugang vorzutreffen, das 21. Jahrhundert lässt güssen!
Wir fuhren dann zur Tourist-Info ins Dorf zurück und durften dort mal ans e-mail so lange wir wollten, andere Touristen kamen jetzt, ende August nur noch selten vorbei. Doch vor einem Monat sei es hier wie im Bienenhaus zu und her gegangen. Wir sahen auch auf der Strasse wie sich der Touristenstrom schnell verdünnte. Dank dem nun konnten wir wieder mal einen etwas längeren Reisebericht aufsetzen. Oft war es nicht ganz einfach an zeitlich unbeschränkte Terminals zu kommen. Es boten zwar viele Bibliotheken, selbst in kleinen Ortschaften, einen Internetzugang gratis an, dieser war jedoch meist auf 15 bis 30 Minuten beschränkt. Dies war auch der Grund, weshalb Internet-Cafés fast nirgends existieren.

Unser Kleinwagen hatte sich bis dahin übrigens bestens bewährt. Obwohl wir noch etliche Luxusgegenstände wie die Bodum-Kaffeekanne, unseren Wasserkocher, Austernmesser oder ein Sonnen/+Regensegel mitführten, hatte fast alles im Kofferraum oder unter den Sitzen platz. Bloss die Kühlbox, sowie die Kiste mit Landkarten und Reisebüchern waren permanent auf dem Rücksitz.

Nach ein paar Tagen Ruhepause ging unsere Reise entlang der norwegischen Nordküste gemächlich weiter bis Kirkenes an der russischen Grenze.Dieses kleine Dorf ist sehr international, seine Einwohner kommen wirklich aus der ganzen Welt. Vor allem aber die russische Grenze hatte uns in ihren Bann gezogen. Wenn man hier die Stille der fast unberührten Natur betrachtet, realisiert man erst richtig, wie künstlich der kalte Krieg von den Grossmächten inszeniert wurde, nur um der eigenen Machterhaltung zu dienen.
Vor allem an der 'Grense Jakobselv' etwas ausserhalb des Städtchens, wird dies sehr deutlich. Auf einer Länge von 30 km wird und wurde der Osten vom Westen nur durch ein 5 Meter breites und 30 cm tiefes Flüsschen getrennt,welches durch die Stille des Waldes zum offenen Meer fliesst. Natürlich hat es auf beiden Seiten riesige hochtechnisierte Überwachungsanlagen. Im Westen deutlich mehr als im Osten, aber es gibt keinen Zaun der einem hindert, einfach über das Flüsschen nach Russland zu gehen. Gemäss den Einheimischen soll es auch während dem kalten Krieg regelmässig Norweger gegeben haben, welche zum Spass auf die russische Seite wechselten, einfach so zum Fischen. Wurde man dabei von den Nato Truppen erwischt, gab's eine happige Busse, dagegen haben die Russen die westlichen Eindringlinge immer gewähren lassen - sie wussten wohl, dass jeder freiwillig zurück kommt...

Danach fuhren wir weiter durch finnisch Lapland. Da ganz Lappland wie eine riesige grenzüberschreitende Rentierfarm (fast) ohne Zäune ist, sahen wir fast täglich ein paar Herden am Strassenrand. Finnland ist zwar lanschaftlich auch sehr schön, vor allem die 188'000 Seen und 100'000 Inseln darin, von denjenigen vor der Küste ganz zu schweigen. Egal aber wie man sich fortbewegt, einfach nur so im Vorbeigehen wie in Norwegen, stellte die Natur hier nicht all Ihre Schätze so vor unseren Brillenglässern zur Schau. Da Suomi, wie dieses Land von seiner Bevölkerung genannt wird, sehr viele Wälder hat, wird uns von den vielen Bäumen ständig die Sicht genommen.
Dies zwang uns, öfters anzuhalten, um in die Schönheiten dieses Landes einzudringen und an den vielen offenen Stellen die man dabei vor allem an den Uferpartien fand, uns ab und zu ein paar Tage Zeit zu geben um die Schönheiten der Natur in uns aufzunehmen.

Da wir dadurch etwas langsamer wurden, kamen wir so in den Genuss des skandinavischen Herbstes mit all seinen Farben, was selbst normale Strassen durch die Wälder superbe erscheinen liess. Die üppige nordische Schönheit konnte man wirklich nur geniessen, wenn man mit der Temperatur Kompromisse einging. Vor allem in Finnland, konnten wir uns in der Sauna ja wieder aufwärmen.

Unsere Lapplandreise ging via Ivalo, Rovaniemi, Kemijärvi und Kuusamo weiter nach Posio, wo wir uns für eine Woche in einem wunderschönen Mökki einmieteten. So nannten sie die kleinen Ferienhäuschen, ausgestattet mit allem Überlebensnotwendigem wie eigenem Strand, Ruderboot, Sauna, Küche mit allem Komfort, Bad mit WC, (kein Plumskloo wie sonst an diesen Lagen abseits der Zivilisation üblich), Fussbodenheizung und was man halt sonst noch so braucht.

War es vorher für 2 Monate nie Nacht geworden, so waren wir nun seit der Sonnenwende am 21. Sept. auf der gegenteiligen Seite, und die Tage wurden immer kürzer. Dies hatte aber auch seine Vorteile; so konnten wir schon mehrfach Nordlichter tanzen sehen, so z.B. in unserem Mökki bei Posio fast jeden Abend wenn wir nach der Sauna zum Abkühlen nach draussen gingen. Auch im Wald tat sich nun mehr. Da die Elche im Herbst Brunstzeit haben, und sich immer und überall nach Partnern umsehen, wagten sie sich auch ab und zu in unser Blickfeld.

Als nächstes erkundeten wir Zentral- und Südfinnland. Wir fuhren ziemlich Zick-Zack rauf und runter und versuchten unsere Route zwischen den meisten Seen und Inseln hindurch zu legen. Dank den vielen Fähren konten wir regelrecht Inselhüpfen machen. Unsere Tour führte via Suomussalmi, Kajaani, (wo wir in einem kleinen, dafür aber dem hübschesten Mökki auf unserer Tour Geschirrspüler inbegriffen) Rast einlegten. Wir folgten nun der russischen Grenze entlang südwärts wobei wir, zusammen mit ein paar Grenzgängern, den Ausländeranteil des Verkehrs von 0 auf 10 oder so pro Std. erhöhten.
Etwas südlicher, in den Orten Kuopio, Savonlinna, Lappeenranta und Korpilathi fand man mehr Bewohner und dadurch auch mehr Industrie. Vor allem die z.T. riesigen Papierfabriken stanken dort zum Himmel und wir waren froh, dass wir bloss Durchreisende waren.
In Kannanoski entspannten wir uns erneut 4 Tage in einem 70m2 Luxus-Mökki mit 20m2 Gallerie und allem Komfort wie Einbauküche, Cheminee, elektr. Sauna mit Fussbodenheizung. Wie so oft, lag auch dieses Haus total idyllisch am See mit Aussicht auf ein paar munzige Inseln drin und einem Ruderboot mit dem sich dieses erkunden liess vor der herrlichen Herbstfarbenkulisse.

Als dann die Landschaft weiter westlich etwas weniger seenreich wurde, sind wir einfach an die Küste gefahren und sahen, nach vielen gratis Autofähren, welche ein Teil des Strassennetzes sind, die Inseln in diesen Schärengebieten, welche nicht minder grandios waren. Via Westerå, Vaasa, Malax, Skaftung, und Pyhäranta erreichten wir das schwedisch-sprachige Gebiet Finnlands. Dann erkundeten wir die schöne Stadt Turku. Von dort zog es uns hinaus aufs Meer. Über verschiedene imposante Brückenbauwerke und 2 Autofähren, führte unsere Inselhüpftour nach Korpo. Aber damit hatten wir noch lange nicht genug. Wir verluden unseren Twingo auf eine weitere Autofähre, und erreichten in 3/4 Std die Inselgruppe Houtskär, (ausgesprochen Hutscha), im Eingang zum botnischen Meer(busen). Auf 14 Inseln verteilt, wohnten hier 730 Personen, die vor allem auf Schiffsverbindungen angewiesen sind. Auch hier mieteten wir uns wieder ein kleines gemütliches Ferienhaus mit Sauna. Den frischesten Lachs holten wir uns direkt ab Zuchtanstalt, nur 10 Min Fahrt und 5 Min Autofähre entfernt. Auch die Bibliothek mit gratis Internet war nur ein paar Kilometer und eine Fähre entfernt, einzig eine öffentliche Telefonzelle war etwas schwieriger aufzutreiben. Dazu mussten wir dann schon mindestens 2 Fähren benutzen. Zu Anfang hatten wir jeweils noch ein schlechtes Gewissen, wenn die Fähre exklusiv nur für uns schnell vom andern Ufer rüberkam um uns abzuholen und meistens nach 10 Minuten wieder zurück zu bringen, und das wie selbstverständlich gratis. Aber man gewöhnte sich schnell daran, und die Einheimischen benutzten diese "schwimmenden Strassen" ja auch mehrmals täglich.

Die Wetterbedingungen hier in Südskandinavien waren einfach super, so hat es von Juli bis September kaum je geregnet, obwohl der August gemäss Statistik der regenreichste Monat wäre. Die Temperaturen waren 15 - 20 Grad, und so konnten wir die gesammte finnische Seenplatte in Postkartenschönheit erleben.

Von Houtskär gings zurück nach Turku, von wo aus wir mit einer riesigen 12 stöckigen Fähre nach Stockholm übersetzten. Die Überfahrt war wirklich faszinierend. Für 11 Stunden fuhren wir zwischen unzähligen Inseln des riesigen Schärengebiets zwischen Finnland und Schweden durch. Um Duty-Free Artikel anbieten zu dürfen, legte das Riesenschiff natürlich auch in Mariehamm auf den Åland Inseln an. Daran waren wir zwar nicht interessiert, aber all die vielen alkohol und tabakgeilen Mitpassagiere an Bord, hatten damit zumindest unsere Überfahrt mitsubvensioniert. Frs. 55.- für 2 Personen samt Auto war wirklich sehr bescheiden.

Die schwedische Hauptstadt hatte uns anschliessend ganz in ihren Bann gezogen. Vor allem die Altstadt hat uns sehr gut gefallen. Dazu kam noch das für Skandinavien aussergewöhnlich vielfältige Angebot im gastronomischen Bereich. Vor allem die ethnische Küche war mit einem sehr breitgefächerten Angebot in guter Qualität zu erschwinglichen Preisen vertreten. Nachdem wir vorher 3 Monate lang (fast) immer selbst gekocht hatten, konnten wir den vielen Versuchungen die uns in stockholms Gassen lockten, einfach nicht wiederstehen; Indisch, vor allem aber Thailändisch und Japanisch waren unsere Favoriten.

Als wir nach einigen Tagen kein Bett mehr bekamen in Stockholm fuhren wir eines Nacht's rauf, bis zur Studentenstadt Uppsala, wo wir mangels Budgetunterkünften das einzige Mal auf der ganzen Reise im Auto im Wald übernachteten.
Danach besuchten wir das Schärengebiet nördlich von Stockholm. Auf den beiden Inseln Skepsmyra und Blidö machten wir Station, bevor wir Inland weiterzogen und einen Loop um die grossen Seen Vänern und Vettern in Südschweden drehten. Via Karlstadt, Motala und Huskvarna erreichten wir schliesslich Eksjö. Dieses charmante Städtchen hatte viele besonders schöne Holzhäuser, noch viel mehr, als man sonst schon über ganz Schweden verteilt findet.

Weiter südlich erreichten wir das "Glasriket", wo etwa 20 Glashütten für den interessierten Besucher offen standen. Es war sehr interessant, den Glasbläsern bei ihrer Arbeit zuzusehen, und auch die Verkaufsausstellungen waren sehr attraktiv. Vor allem, wenn man mit der Einstellung rein geht, sicher nichts zu kaufen, obwohl die hohen Preise angesichts des riesiegen Arbeitsaufwandes bei der Produktion sicher gerechtfertigt sind. Manchmal arbeiteten bis zu 6 Bläser gleichzeitig für mehrere Stunden, um einen besonders schönen Krug herzustellen. Der Besuch der ersten Hütte hatte uns so fasziniert, das wir schliesslich 10 Produktionsstädten, alle in der Gegend um Hofmanstorp und Boda besuchten. Abends waren wir dann so hungrig, dass wir einmal sogar eine ganze Smörgastarta (pikant) vertilgten.

Nachdem wir noch für 2 Tage die Insel Öland mit ihren Windmühlen und Schlössern unsicher machten, gings via Ystad, wo wir Mitte Oktober nun zum ersten mal Nebel sahen, nach Lund bei Malmö. Hier besuchten wir die Australier Lyn und Alister, die wir zuvor auf den Lofoten kennen gelernt hatten. Nach 4 Monaten im Norden wurde es uns nun definitiv zu kalt, und auch zu früh dunkel. Somit war für uns die Fähre von Trelleborg nach Sassnitz auf der Insel Rügen in der ex-DDR der schnellste Weg nach Süden.

In Deutschland angekommen, fuhrenwir noch am selben Abend nach Berlin, der neuen Hauptstadt des wiedervereinigten Landes. Diese Stadt war zu der Zeit eine riesige Baustelle. Von einem einzigen Punkt aus, sahen wir 46! Baukräne. Viele Teile der "neuen Hauptstadt" waren zwar bereits aufgestellt, es sollte aber noch Jahre dauern, bis alles fertig ist. Besonders beeindruckt waren wir vom neuen Regierungsviertel beim Brandenburger Tor, den vielen Neubauten am Potsdamer Platz, Mercedes, Sony, ABB und andere haben hier einige Prestigebauten aus dem Boden gestanzt. Von der Berliner Mauer sah man zwar ausser ein paar Resten, welche als Mauergedenkstätte umfunktioniert wurden, nichts mehr, aber der mentalitäts und ideologiemässige Graben zwischen Ost und West bleibt vermutlich noch mindestens eine Generation lang bestehen. Dies wird besonders deutlich wenn man sich auf Gespräche mit den Menschen einliess, welche in der einst geteilten Stadt, (bzw ganzen Land), leben. Aber auch Umfragen anlässlich des 10 Jahre Jubiläums des Mauerfalls sprechen eine deutliche Sprache. So konnten es sich auch heute noch über 45% der Bevölkerung nicht vorstellen, eine Lebenspartnerschaft mit einem Partner aus dem anderen Stadtteil einzugehen. Viele "Ossies" hofften auch lange, die Vorteile des Westens übernehmen zu können, ohne auch Nachteile in Kauf nehmen zu müssen. Generel befanden sich fast alle historischen Gebäude im Ostteil der Stadt, diese wurden auch zu DDR Zeiten mit enormem finanziellem Aufwand in Schuss gehalten. Westberlin dagegen wirkte eher modern, ab und zu auch etwas steril. Der Osten hatte mehr Charme im Zentrum, dafür aber viele grässliche Trabantenstädte am Stadtrand.

Auch Potsdamm, mit dem riesigen "Sans Souci" Park und seinen vielen Palästen, sowie der hübsch renovierten Altstadt, war absolut besuchenswert. Danach gings weiter nach Dresden und Meissen, welche beide mit vielen historischen Objekten auch stark begeisterten. Die berühmte Dresdner Frauenkirche, welche wie die ganze Stadt damals, dem 2. Weltkrieg zum Opfer fiel, war momentan wieder im Aufbau. Im allgemeinen hatten wir den Eindruck, dass direkt nach dem Mauerfall der grösste Teil der Ost Bevölkerung einen kritiklosen Glauben an den Westen hatte. Es war gang und gäbe Neuwagen aus dem Osten zu verschrotten und gegen 20 jährige Occasionen aus dem Westen auszutauschen. Die neuen Einkaufszentren aus dem westen wurden ebenfalls euphorisch begrüsst. Die Baubewilligung war jeweils (fast) nur noch Formsache. Natürlich, die Bausubstanz in Ostdeutschland war etwas schlechter als im Westen, aber in Südeuropa sieht man viele viel schlechtere Beispiele. Auch waren die Preise im Osten noch immer deutlich tiefer als im Westen.

Nach zehn Tagen in der ex-DDR besuchten wir noch unsere Freunde Anita und Klaus, in der Nähe von Regensburg, welches uns ebenfalls sehr gut gefallen hat. Danach wurden wir auf dem Weg in die Schweiz in Kempten, welches zu unserem Erstaunen auf 1000m liegt, eingeschneit. Von Regensburg steigt das Gelände wie win Keil, langsam aber sicher an, und schwup di wup waren wir in den Allgäuer Hochalpen gelandet. Der Schnee, welcher uns zu diesem Uebernachtungsstop gezwungen hatte, lag zwar bis zum Bodensee, den wir dann tags drauf vorsichtig wie auf Eiern, mit unseren abgefahrenen Sommerreifen erreichten. Doch dass wir dank dem Kempten kennengelernt hatten, welches uns sehr gut gefiel, konnten wir schon fast wieder als Glücksfall ansehen.

Mitte November 1999 erreichten wir dann via Liechtenstein dann erstmals seit unserem Ausstieg wieder die Schweiz, wo wir für 2 Wochen das Wiedersehen mit Freunden und Verwandten genossen, bevor wir dann richtung Spanien weiterfuhren.


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